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Full text of "Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Österreich"

THE UNIVERSITY 
OF ILLINOIS 
LIBRARY 

AC€S LIBRARY 



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University of Illinois Library 



jurr? 



"953 




T.Ul— H4l 



Yerliaiidliiii^9^ library 




zoologisch - botanischen Gesellschaft 



in Wien. 

Herausgegeben von der Gesellschaft. 

Redigirt von Dr. Carl Fritseh. 

Jahrgang 1894. 
XLiy. Band. 

Mit 12 Tafeln und II Figuren im Texte. 



Im Inlaiide besorgt durch A. Hölder, k. und k. Hof- und Universitäts-Buchhändler. 
Für das Ausland in Commission bei F. A. Brockhaus in Leipzig. 



Druck von Adolf Holzhausen, 
k. und k. Hof- und Universitäts-Buchdrucker in Wien. 



Adresse der Redaction: Wien, I., Wollzeile 12. 




der kuiscrlich-köiiigliclien 



Wien, 1895. 



Ausgegeben wurden: 

I. Quartal (Sitzungsberichte S. 1 — 8, Abhandlungen S. 1 — 136): 
Ende März 1894. 

II. Quartal (Sitzungsberichte S. 9—38, Abhandlungen S. 137—238): 
Anfang Juli 1894. 

III. und IV. Quartal (Sitzungsberichte S. 39—53, Abhandlungen S. 239—327): 

Anfang Jänner 1895. 



Inhalt. 



Seite 

Stand der Gesellschaft am Ende des Jahres 1894 VII 

Ausgeschiedene Mitglieder XII 

Im Jahre 1894 eingetretene Mitglieder XII 

Wissenschaftliche Anstalten und Vereine, mit welchen im Jahre 1894 

der Schriftentausch eingeleitet wurde XIII 

Sitzungsberichte. 

Monatsversammlung am 3. Jänner 1894 Sitzb. 3 

„ 7. Februar 1894 Sitzb. 6 

„7. März 1894 Sitzb. 7 

Jahresversammlung am 4. April 1894 Sitzb. 9 

Monatsversammlung am 2. Mai 1894 Sitzb. 17 

„ 6. Juni 1894 Sitzb. 26 

„ 4. Juli 1894 Sitzb. 36 

„ 3. October 1894 Sitzb. 39 

„ 7. November 1894 Sitzb. 41 

„ 5. December 1894 Sitzb. 45 



Botanischer Discussionsabend am 15. December 1893 * . Sitzb. 4 

„ „ „ 22. December 1893 Sitzb. 4 

„ „ 19. Jänner 1894 Sitzb. 7 

„ 16. Februar 1894 Sitzb. 8 

„ Literaturabend „ 16. März 1894 Sitzb. 16 

„ Discussionsabend „ 20. April 1894 Sitzb. 23 

„ 19. October 1894 Sitzb. 43 

„ 16. November 1894 Sitzb. 48 



Anhang: Geschenke für die Bibliothek im Jahre 1894 Sitzb. 52 



a* 



IV 



Inhalt. 



Wissenschaftliche Abhandlungen und Mittheilungen. 



Zoologischen Inhaltes: 

Seite 

Escherich, Dr. K. : Beiträge zur Naturgeschichte der Meloidengattung 

Lytta Fab. (Mit Tafel VIII-XI und 2 Figuren im Texte.) . Abh. 251 

— Zwei Fälle von Anpassung (Mit Tafel XI, Fig. 2—5.) . . . Ahh. 299 
Garhowski, Dr. T. v. : Biologie im Lichte phänomenalistischer Meta- 
physik Sitzh. 46 

Klemensiewicz, Dr. St.: Beiträge zur Lepidopterenfauna Galiziens Abh. 167 
König A.: Ueber die Larve von O^coi^es (Mit Tafel VIL) .... Abh. 163 
Nietsch, Dr. V.: lieber das Tracheensystem von Locusta viridissima 

(Mit Tafel I.) Abh. 1 

— Ueber vier von ihm entworfene zoologische Schulwandtafeln , Sitzb. 19 

— Nachtrag zu seiner Abhandlung „Ueber das Tracheensystem von 
Locusta viridissima^^ Sitzb. 21 

Pintner, Dr. Th.: Ueber Conservirung von Seethieren in Formal- 
dehyd Sitzb. 8 

Verhoeff, Dr. Carl: Beiträge zur Diplopoden-Fauna Tirols (Mit 

Tafel II und 3 Figuren im Texte.) Abh. 9 

— Beiträge zur Anatomie und Systematik der luliden (Mit Tafel V 

und VI und 6 Figuren im Texte.) Abh. 137 

Werner, Dr. Fr.: Ueber einige herpetologische Objecte Sitzb. 8 

— Zweiter Beitrag zur Herpetologie von Ost -Algerien .... Abh. 75 

— Die Reptilien- und Batrachierfauna der jonischen Inseln . . Abh. 225 

Botanischen Inhaltes: 

Bauer, Dr. Carl: Ueber verkohlte Samen aus den Pfahlbauten von 

Ripac in Bosnien Sitzb. 7 

Beck, Dr. G. R. v. : Ueber die Verbreitung der Schwarzföhre {Pinns 

nigra Arn.) in den nordwestlichen Balkanländern Sitzb. 40 

— Notizen zur Flora von Niederösterreich Sitzb. 43 

Dörfler J. : Ueber einen neuen Farn aus Niederösterreich .... Sitzb. 45 

— Ueber seltene Pflanzen aus Mittel-Russland und vom Ural . . Sitzb. 51 
Eichenfeld, Dr. M. R. v.: Beobachtungen über das Verhältniss ein- 
zelner Organe von Cirsienhybriden zu den entsprechenden 
Organen der Staramarten Sitzb. 48 

Figdor, Dr. W. : Ueber eine eigenthümliche Krümmungserscheinuug 

des Gynophors von Bocconia frutescens L Sitzb. 36 

Fritsch, Dr. C: Beiträge zur Flora von Salzburg. IV Abh. 49 

— Beiträge zur Flora der Balkanhalbinsel, mit besonderer Berück- 
sichtigung von Serbien. I Abh. 93 

— Ueber die geographische Verbreitung von Orchis Spitzelii Santer Sitzb. 21 

— Bemerkungen über Caruel's System der Rosifloren .... Sitzb. 33 



IhliiiU. 



V 



Soito 

Fritscli, Dr. C: Boiträgc zur Floni der Halkiinlialhinsel, mit beson- 
derer Borücksichtif^iiuf; von Serbien. II. (Mit 'l'afel XII.) . . Aldi. .'{Ol 

Kerustock, Prof. K.: Lichenologisclie lieiträge Abb. 191 

Krasser, Dr. Fr.: Vergleichond-anatoniisclic Untersuchungen fossiler 

Hölzer Silzb. 27 

Linsbauer, Dr. L.: Ueber einige Versuche über die conservirende 

Wirkung von Formol Sitzb. 23 

Lippert Chr.: Ueber zwei neue Mjxomyceten (Mit Tafel III und IV.) Abh. 70 

Loitlesberger K.: Vorarlbergische Lebermoose Abh. 239 

Müllner M. F.: Ueber zwei für Niederösterreich neue Eichenhjbriden Sitzb. 4 
Noe, Prof. Dr. Fr.: Der Schulgarten und der botanische Unterricht 

an den Gymnasien Sitzb. 17 

Pfeiffer, Prof. A. : Peinige oberösterreichische Trivialnamen der Pflanzen Abh. 35 

Rechinger, Dr. Carl: Beitrag zur Flora von Persien Abh. 88 

Waisbecker, Dr. A.: Carex Fritschii n. sp Sitzb. 51 

Zahlbruckner, Dr. A. : Ueber Mylitta australis Berk Sitzb. 51 

Verschiedenen Inhaltes: 

F ritsch, Dr. C: Jahresbericht pro 1893 Sitzb. 10 

Halacsy, Dr. E. v. : Jahresbericht pro 1893 Sitzb. 9 

Handlirsch A. : Jahresbericht pro 1893 Sitzb. 11 

Kaufmann J.: Jahresbericht pro 1893 Sitzb. 13 

Anzeigen: 

Verkäufliches Herbarium Sitzb. 27 

Schiedermayr, Nachträge zur Kryptogamenflora Oberösterreichs . Sitzb. 36 



Verzeicliniss der Tafeln. Erklärung 

siehe Seite 

Tafel I. Nietsch, Dr. V.: Ueber das Tracheensystem von Locusta viri- 

dissima 8 

„ II. Verhoeff, Dr. C: Beiträge zur Diplopoden-Fauna Tirols . . 33 
„ III und IV. Lippert Chr.: Ueber zwei neue Myxomyceten ... 74 
„ V und VI. Verhoeff, Dr. C: Beiträge zur Anatomie und Syste- 
matik der luliden 160 

„ VII. König A. : Ueber die Larve von Ogcodes 166 

„ VIII — XI (Fig. 1). Escherich, Dr. K. : Beiträge zur Naturgeschichte 

der Meloidengattung Lytta Fab 297 

„ XI (Fig. 2— 5). Escherich, Dr. K.: Zwei Fälle von Anpassung . 300 
„ XII. Fritsch, Dr. C: Beiträge zur Flora der Balkanhalbinsel, mit 

besonderer Berücksichtigung von Serbien. II 327 



Digitized by the Internet Archive 
in 2013 



http://archive.org/details/verhandlungender4418zool 



stand der Gesellschaft 

am Ende des 

Jahres 1804. 



Proteetor: 

Seine k. und k. Ilolu'it der durclilauclitig'stc Herr Erzherzog? 

Rainer. 



Leitung der Gesellschaft 

im Jahre 189r>. 

President: (Gewählt bis Ende 1899.) 
Seine Durchlaucht Fürst Josef Coli oredo -Mannsfeld. 

Yicepr'asideiiteii: (Gewählt bis Ende 1895.) 

P. T. Herr Beck Ritter v. Man nage tta, Dr. Günther. 
Brunner v. Wattenwyl, Dr. Carl. 
„ Kornhuber, Dr. Andreas. 

„ „ Mayr, Dr. Gustav. 
„ Mik Josef. 

„ ,, ()stermey er, Dr. Franz. 

Secret'äre: 

P. T. Herr Fritsch, Dr. Carl. (Gewählt bis Ende 1899.) 
„ „ Handlirsch Anton. (Gewählt bis Ende 1897.) 

Reclnning'sführer: (Gewählt bis Ende 1898.) 
P. T. Herr Kaufmann Josef. 

Ausschussrätlie : 

P. T. Herr Bartsch Franz. (Gewählt bis Ende 1895.) 

„ „ Beck R. V. Mannagetta, Dr. Günther. „ „ 

„ „ Eichenfeld, Dr. Michael Ritter v. » « 

„ „ Fuchs Theodor. „ „ 

„ „ Grobben, Dr. Carl. „ „ 

„ „ Kolazy Josef. „ „ 

„ „ Lütkemüller, Dr. Johann. „ „ 

„ „ Müllner M. Ferdinand. „ „ 

„ „ Pelikan v. Plauenwald, Anton Freiherr. „ „ 
„ Pfurtscheller, Dr. Paul. 

Z. B. Ges. B. XLIV. b 



X 



Leitung der Gesellschaft. 



P. T. Herr Rebel, Dr. Hans. 

„ „ Sennholz Gustav. 

„ „ Stohl, Dr. Lukas. 

„ „ Zahlbruckner, Dr. Alexander. 

„ „ Braun Heinrich. 

„ „ Brauer, Dr. Friedrich. 

„ „ Brunner v. Wattenwyl, Dr. Carl. 

„ „ Burgerstein, Dr. Alfred. 

„ „ Claus, Dr. Carl. 

„ „ Csokor, Dr. Johann. 

„ „ Hauer, Dr. Franz Kitter v. 

„ „ Heimerl, Dr. Anton. 

„ „ Kerner Ritter v. Marilau n, Dr. Anton. 

„ „ Kornhube r, Dr. Andreas. 

„ „ Low Paul. 

„ „ Lorenz, Dr. Ludwig v. 

„ „ Rogenhofer Alois Friedrich. 

„ Vogl, Dr. August. 

„ „ Wiesner, Dr. Julius. 

„ „ Haläcsy, Dr. Eugen v. 

„ „ Krasser, Dr. Fridolin. 

„ „ Marenzeller, Dr. Emil. v. 

„ „ Mayr, Dr. Gustav. 

„ „ Mik Josef. 

„ „ Ostermeyer, Dr. Franz. 

„ Wilhelm, Dr. Carl. 



(Gewählt bis Ende 1895.) 



(Gewählt bis Ende 1896.) 



(Gewählt bis Ende 1897.) 



Mitglieder, weiche die Sammlungen der Gesellschaft ordnen: 

Die zoologischen Sammlungen ordnen die Herren: Anton Handlirsch, Josef 
Kaufmann. 

Die Pflanzensammlung ordnen die Herren J. Brunnthaler, J. v. Hunger- 
byehler, M. F. Müllner und Dr. Franz Ostermeyer. 

Die Betheilung von Lehranstalten mit Naturalien besorgen die Herren: Anton 
Handlirsch, Dr. Franz Ostermeyer, Dr. Paul Pfurtscheller. 

Die Bibliothek ordnet Herr Franz Bartsch. 

Das Archiv hält Herr Paul Low im Stande. 

Kaiizlist der Grcsellschaft : 

Herr Cornelius Frank, VIII., Lenaugasse 11. 

Gesellschaftslocale : 
Wien, I., Wollzeile 12. — Täglich geöffnet von 3—7 Uhr Nachmittags. 



Die Druckschriften der Gresellschaft werden überreicht: 



Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät dem Kaiser Franz Joseph. 

Seiner k. u. k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge Carl Ludwi 

Seiner k. u. k. Hoheit dem diirchl. Herrn Erzherzoge Ludwig Victo 

Seiner k. u. k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge Albrecht. 

Seiner k. u. k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge Josef Carl. 

Seiner k. u. k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge Kainer. 

Seiner Majestät dem Könige von Baiern. 4 Exemplare. 



Subventionen für 1894. 



Von dem hohen k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht. 
Von dem löbl. Gemeinderathe der Stadt Wien. 



Ausgeschiedene Mitglieder. — Neu eingetretene Mitglieder, 



Ausgeschiedene Mitglieder. 

1. Durch den Tod: 
Seine k. u. k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog Wilhelm. 



P. T. Herr Felder, Dr. Cajetan. 
„ Heid er, Dr. Adolf. 
„ ,, Huemer, Dr. Igiiaz. 
„ „ Hyrtl, Dr. Josef. 

Nunnenmacher Antou. 



P. T. Herr Pesta August. 
„ „ Tomek, Dr. Josef. 
., ., Waginger, Dr. Carl. 
Wagner Bernard. 
„ Weiss, Dr, Adolf. 



2. Durch Austritt: 



P. T. Herr Porster, Dr. Leopold. 
„ „ Heger Hans. 
„ „ Köllner Carl. 
,, „ N OS ek Anton. 
„ „ Oberleitner Franz. 
„ ,, Fächer David. 

Prandtstetter Franz. 



P. T. Frl. Werner Helene. 

„ Herr Westerlund, Dr. Carl. 

„ „ Willkomm, Dr. Moriz. 
„ Wolf Franz. 

„ Frau Zugmayer Anna. 
K. kath. Gymnasium in Güns. 



3. Wegen Zurückweisung der Einhebung des Jahresbeitrages durch 

Postnachnahme : 



P. T. Herr Boller A. Adolf. 
„ Czech, Dr. Theodor. 

„ Fölkel, Dr. Julius. 
„ „ Krahulec, Dr. Sam. 
„ „ Lewandowsky, Dr. R. 



P. T. Herr Lopez, Dr. Joäs. 
„ „ Neu mann Anatol. 
„ „ Pregl, Dr. Friedrich. 
„ „ Prinzel August. 



Im Jahre 1894 eingetretene Mitglieder. 



P. T. Herr Attems Carl, Graf v Wien. 

„ „ Bahor Anton, Mediciner Prag. 

„ ,, BargagliC. Piero, Marchese Florenz. 

„ „ Bernhauer, Dr. Max Stockerau. 

„ „ Beutl Johann, Bürgerschullehrer, IIL, Barich- 
gasse 12 Wien. 



Nou pingetrotono MitRliodor, - 



Anscliliiss /Hin Scliriffontau.scb . 



XIII 



T. Herr Fiedler lico, HürgerschuUohror, TV., Igel- 

gasso 2\ Wien. 

iroiiirich Carl, Ingenieur Wien. 

Huniniler Gustav P., Hankbe;imtei' .... Kl(».st,(Tneuburg. 

König Anton, Drd. phil, VIII., Laudongasse 30 Wien. 
Kön igswa rter, Hermann Freih. v., I., Kiirntncr- 

ring Wien. 

Melichar, Dr. Leopold, k. k. Miuisterial-Secretär, 

IX.. Maximilianplatz 14 Wien. 

Moll Rudolf. Fabrikant, VIL, ApoUogasse 8 . Wien. 
Rammler, Dr. Franz, k. u. k. Stabsarzt, XVIL, 

Hauptstrasse Wien. 

Redtenbacher Helene, XVIIL, Gymnasium- 
strasse 27 Wien. 



Wissenschaftliche Anstalten und Vereine, 

mit welchen im Jahre 1894 der Schriftentausch eingeleitet wurde. 

Aarau: Aargauische naturforschende Gesellschaft, 
Alban y: New York State Museum. 
Brookville: Indiana Academy of Science. 
Edinburgh: Scottish Microscopical Society. 
London: Hooker 's Icones plantarum. 

„ Science Gossip. 
Marseille: Faculte des Sciences. 
Meriden: Scientific Association. 
Montevideo: Museo Nacional. 
Porto: Annaes sciencias naturaes. 
San Jose: Museo Nacional de Costa Rica. 
Santiago: Societe scientifique de Chile. 
Stavanger: Museum. 

Weimar: Thüringischer botanischer Verein. 



Sitzungsberichte. 



Z. B. Ges. B. XLIV. Sitz.-Ber. - A 



Versamiiiliing am ei. Jänner 1894. 

Vorsitzender: Herr Director Th. Fuchs. 

Herr Secretär Autoii Handlirsch legte folgende eingelaufene 
Manuscripte vor: 

Lipp er t Chr.: „Ueber zwei neue Myxomyceten". (Siehe Ab- 
handlungen, Seite 70.) 

Verhoeff, Dr. C: „Beiträge zur Anatomie und Systematik der 
luliden". (Siehe Abhandlungen, II. Quartal.) 



Herr Dr. Franz Werner, besprach und demonstrirte einige 
herpetologische Objecto. 

Der Vortragende demonstrirte zuerst Baumschlangen (Dendraspis Jamesoni, 
Athens squamigera, Dipsas Blandingi) und Schildkröten ( Cinixys erosa, Trionyx 
triunguis) aus Kamerun, ferner einen auffallenden Fall von Mimicry nach der 
Kreuzotter bei Tropidonotus viperinus und besprach schliesslich auf Grund des 
reichlichen vorliegenden Materials der Gesellschaft die verschollene und nun von 
Boulenger neuerdings beschriebene Vipera ursinii Bonap., welche jetzt von 
Italien (Abruzzen), Niederösterreich (Laxenburg und Umgebung), Ungarn (Rakos 
bei Budapest), Bosnien (dinarische Alpen) und schliesslich von Frankreich (Departe- 
ment Basses -Alpes) bekannt geworden ist. An die Beschreibung der Unterschiede 
dieser neuen Schlange der österreichischen Fauna von der echten Vipera herus 
— geringere Zahl der Schuppenreihen (19), der Bauchschilder und Schwanz- 
schilderpaare; nur ein Apicale ans Eostrale anstossend; Praefrontale das Nasale 
meist berührend; Frontale kürzer; Kopf vorn zugespitzt, Auge kleiner als bei 
Vipera herus, Rumpfschuppen stärker gekielt, ferner verschiedene Zeichnung, 
stets braune Färbung, geringere Grösse — knüpfte der Vortragende noch Be- 
merkungen über Vorkommen und Verwandtschaftsverhältniss der sieben euro- 
päischen Vipern [Vipera ursinii Bonap., renardii Christoph, herus L,, aspis L., 
latastii Boscä, ammodytes L., lebetina L.). 

Ausserdem sprachen in dieser Versammlung Herr Custos E. v. 
Marenzeller über die „Seeschlange" und Herr Dr. Fr. Krasser 
über den versteinerten V\^ald von Cairo. 



Schliesslich demonstrirte Herr Dr. L. v. Lorenz einige orni- 
thologische Objecto. 

A* 



4 



Versammlung am 3. Jänner 1894. 



Im botanischen Discussionsabend am 15. December 1893 
hielt Herr Dr. A. Zahlbruckner einen Vortrag über essbare 
Flechten. 



Botanischer Discussionsabend am 22. December 1893. 

Herr Dr. Fr. Krasser sprach über „Kropfbildungen an 
der Kothbuche". 

Hierauf legte Herr M. F. Müllner zwei für Niederösterreich 
neue Eichenhybriden in mehreren Exemplaren vor: 

I. Quercus lanuginosa Thuill. X Mobur L. Spec. pl. 

{Quercus pubescens Willd. X pedunculata Ehrh.) 
Quercus Kanitziana Borbäs, Erdesz. Lap. 1887, p. 732. 

Blätter oberseits dunkelgrün, kahl, glänzend, unterseits mattgrün, 
flach, länglich, verkehrt-eiförmig, nach unten mehr weniger keilig ver- 
schmälert, Blattlappen ganzrandig, länglich, abgerundet, Buchten ziemlich spitz, 
bis zur Blatthälfte oder noch tieferreichend, Blattbasis schräg-herzförmig 
geöhrelt, Blattstiele 7 — 12mm langj Fruchtstiele fast 1 mm dick, 12— 24mm 
lang; Früchte einzeln oder zu zweien, eiförmig, doppelt so lang als ihre Becher. 
Behaarung an den heurigen Zweigen, den Fruchtstielen und Frucht- 
bechern ziemlich dicht filzig, an den Blattunterseiten mehr weniger 
zerstreut, an den Blattnerven dichter; Knospen kugelig-eiförmig. 

Von Quercus Eohur L. {Quercus pedunculata Ehrh.) hauptsächlich durch 
die Behaarung, durch längere Blatt- und kürzere, derbere Fruchtstiele und die 
kürzeren Früchte verschieden. — Die Unterschiede gegen Quercus lanuginosa 
Thuill. {Quercus puhescens Willd.) hingegen zeigen sich besonders in den länge- 
ren, nach unten keilig verschmälerten Blättern, den kürzeren Blattstielen, den 
ziemlich langgestielten Früchten und dem schwächeren Haarkleide aller Theile. 

Auf die hybride Natur dieser Eiche dürfte das gleichzeitige, wenn auch 
nicht häufige Vorhandensein zweier Gallen, nämlich von Cynips calicis 
Bgsdf. und von Dryophanta pul)escentisM.?ijY schliessen lassen, von welchen 
erstere bisher nur auf Quercus Bohur L.,^) letztere nur auf Quercus lanuginosa 
Thuill. gefunden wurde. 

Ich traf Quercus Kanitziana in Gesellschaft der sämmtlichen bei uns 
vorkommenden vier Eichenarten in einem strauchförmigen, ungefähr 3*5 m hohen 
Baume auf den steinigen, buschigen Hügeln zwischen Ober-St. Veit und Lainz 

1) und deren Hy"briden, z. B. Quercus Budenziana [Quercus Hungarica X Rohur) Bortäs in 
Termesz. füzetek, Vol. XIII, 1890. Die Angabe Schleclitendal's in der Stettiner Entom. Zeitg., 
1870, S. 338, dass Cynips calicis auf der „Stiel- und Steineiche" Torkomme, dürfte sich auf einen 
Bastard dieser beiden Eichen beziehen. 



VcrsaiiitiiluiiR ;iin .Iiinncr IH'.M. 



5 



in Wien. Kna.j»i> daneben fand icli ein zweites Mxenii)lar mit s(Oiiniiloreii, noch 
Mii'lir keiligeii und minder tief eingeschnittenen Blättern. 

Herr Prof. J)r. V. v. Borbäs, dem ich Exem])lare dieser l>eiden Kichen über- 
sandte, hatte die Freundlichkeit mir briellich mitzutheilen, diiss sie zu der von 
ihm beschriebenen QuercrAS Kanitziana gehören. 

II. Quercus Jtohur L. {Qu. pedunculata Ehrh.) X sessiliflora Salisb. 
Quercus intermedia Boenn. in Reichenbach, Fl. Germ. exc. p. 177 (1831). 

Blätter im Umfange verkehrt-eiförmig, meist mit je fünf ganzrandigen 
bis zur Hälfte der Blattfläche eingreifenden Lappen, ober- und unterseits 
kahl, sowie auch die heurigen Zweige, Blattbasis schief-herzförmig ge- 
öhrelt, Blattstiele 11— 14 mm lang, Fruchtstiele kurz, nur 6— 17 mm 
lang. Knospen kegelförmig-elliptisch. 

Von Quercus Böbur durch die längeren Blatt- und viel kürzeren Frucht- 
stiele, von Quercus sessiliflora durch die auch in der Jugend kahlen Blattunter- 
seiten, die nicht sitzenden Früchte, die kürzeren Blattstiele und den schräg 
geöhrelten Blattgrund verschieden. 

Von dieser Hybride stehen bei Ober St. Veit in Wien, am Rande des Eicheii- 
wäldchens zwei grosse Bäume nebeneinander, auf die ich schon vor einigen Jahren 
am Beginne des Frühlings dadurch aufmerksam wurde, dass ich unter denselben 
ziemlich zahlreich sehr kurzgestielte Gallen von Cynips calicis (Knoppern) 
fand, während sonst diese Galle stets den charakteristischen langen Frucht- 
stiel der Quercus Bohur trägt. Im nächsten Herbste waren auch die meisten 
der nur spärlich vorhandenen Eicheln dieser beiden Bäume durch den Stich der 
Knopperngallwespe deform irt, 

Quercus Kanitziana und Quercus intermedia dürften einer brieflichen 
Bemerkung des Herrn Dr. V. v. Borbäs zufolge nicht nur für Niederösterreich, 
sondern für ganz Cisleithanien neu sein. 

Aus Niederösterreich waren bisher nur Eichenbastarde von Quercus sessili- 
flora mit Quercus lanuginosa bekannt und in Dr. G. v. Beck 's Flora von Nieder- 
österreich, S. 271 und 272, in vier verschiedenen Formen beschrieben. Da ich 
eine dieser Formen, nämlich Quercus badensis G. Beck, 1. c, ebenfalls bei 
Ober St. Veit im vergangenen Herbste antraf, so wäre innerhalb der neuen, 
erweiterten Grenzen Wiens das spontane Vorkommen sämmtlicher drei Bastard- 
Combinationen zwischen den drei bei uns heimischen Quercus-S^ecies aus der 
Rotte Bohur constatirt. Die Auffindung weiterer Eichenbastard-Combinationen 
im Gebiete unserer Flora ist wenig wahrscheinlich, denn die in eine ganz andere 
Rotte gehörige Quercus Cerris L. mit ihren erst im zweiten Jahre reifenden 
Früchten scheint unseren übrigen Eichenarten phylogenetisch so ferne zu stehen, 
dass kaum je Hybride mit diesen angetrotfen werden dürften. Es ist auch eine 
bekannte Thatsache, dass von den so zahlreichen Cynipiden- und Cecidomyiden- 
gallen der Zerreiche keine einzige auf Quercus Bohur, sessiliflora oder lanu- 



6 



Versammlung am 7. Februar 1894. 



ginosa bisher gefunden wurde, während viele Cynipidengallenarten auf zwei oder 
selbst auf allen drei dieser Eichen vorkommen. 

Schliesslich legte Herr Dr. Carl Fritsch die neue Literatur vor. 

Versammlung am 7. Februar 1894. 

Vorsitzender: Herr Dr. E. v. Haläcsy. 

Neu eingetretenes Mitglied: 

P. T. Herr Als Mitglied bezeichnet durch 

Königswarte r, Hermann Freih. v., Wien, 

I., Kärntnerring den Ausschuss. 



Anschluss zum Schriftentausch: 
Weimar: Thüringischer botanischer Verein. 



Herr Secretär Dr. Carl Fritsch legte folgende eingelaufene 
Manuscripte vor: 

Fritsch, Dr. C: „Beiträge zur Flora der Balkanhalbinsel. 1." 
(Siehe Abhandlungen, Seite 93.) 

Eechinger, Dr. C: „Beiträge zur Flora von Persien". (Siehe 
Abhandlungen, Seite 88.) 

Werner, Dr. F.: „Zweiter Beitrag zur Herpetologie von Ost- 
Algerien". (Siehe Abhandlungen, Seite 75.) 

Herr Prof. Dr. C. Grobben hielt einen Vortrag: „lieber das 
System der Lamellibranchiaten". 



Herr A. König sprach über die Larve von Ogcodes und 
überreichte ein hierauf bezügliches Manuscript. (Siehe Abhandlungen, 
n. Quartal.) 

Schliesslich demonstrirte Herr H. Hinter berger einen mikro- 
photographischen Apparat und zahlreiche Photographien von Samen, 
welche mit Hilfe dieses Apparates hergestellt waren. 



Vorsum ml im p; am 7. Mili / IS'.M. 



7 



Botanischer Discussionsabend am 19. Jänner 1894. 

Herr Dr. Carl Bauor (hMiionstrirte vürkolilte Saiiion ans 
(l(Mi Pfahlbauten von Kipac in Bosnien. 

Dem botanischen Museum der k. k. Universität wurden von der Berghauj)!- 
niannschaft für Bosnien und Hercegovina im December 1893 prähistorisclio 
Ptianzensumen und Früchte zur Bestimmung übersendet. Ein Theil derselben 
stammt aus dem Pfahlbaue von Ripac bei Bihac, der andere aus der prähistorischen 
Ausiedlung von Butmir gornji bei Sarajevo. Es sind dies nach Angabe der 
obgenanuten Berghauptmanuschaft zwei sowohl räumlich als auch zeitlich aus- 
einander stehende Fundstätten, indem der Pfahlbau von Ripac nach den sonstigen 
Funden zwar schon in der neolithischen Zeit entstanden ist, sich aber jedenfalls 
bis in den Ausgang der Hallstätter Periode und vielleicht bis in die La Tene- 
Periode erhielt, wogegen die prähistorische Ansiedlung von Butmir ausschliesslich 
nur neolithische Funde ergeben hat und somit im Ganzen die ältere der zwei 
Ansiedlungen bildet. 

Von dem bisher bestimmten Material demonstrirte und besprach der Vor- 
tragende folgende aus dem Pfahlbaue von Ripac bei Bihac stammenden Pflanzen- 
reste: Die Früchte der dichten, sechszeiligen Gerste (Hordeum hexastichum), 
Haselnüsse ( Corylus Avellana), Ackererbsen (Pisum arvense), Feldlinsen (Ervum 
Lens mierospermum), wilde Aepfel (Fyrus malus), Eicheln (Quercus), Dirndeln 
C Cornus mas), Pflaumen-, Schwarzdorn- und Weintraubenkerne, Samen von Sta- 
phylea pinnata, Holzbirnen- und Aepfelsamen. 

Herr Dr. Carl Fritsch besprach und demonstrirte die beiden 
oft verwechselten Arten: Ranunculus aconitifoUus L. und Ranunculus 
platanifolius L. (Siehe Abhandlungen, Seite 121.) 



Versammlung am 7. März 1894. 



Vorsitzender: Herr Dr. Franz Ostermeyer. 



Neu eingetretene Mitglieder: 



P. T. Herr 



Als Mitglied bezeichnet durch 
P. T. Herren 



Fiedler Leo, Bürgerschullehrer, Wien, IV., 
Igelgasse 21 



Dr. C. Fritsch, Prof. Dr. A. Korn- 



huber. 



Moll Rudolf, Fabrikant, Wien, VII., Apollo- 
gasse 8 



Dr. C. Fritsch, Dr. J. Lütkemüller. 



8 



Versammlung ara 7. Miirz 1894. 



Herr Secretär Dr. Carl Fritsch legte ein Manuscript von 
Dr. S. Klemensiewicz vor, betitelt: „Beiträge zur Lepidopteren- 
fauna Galiziens". (Siehe Abhandlungen, II. Quartal.) 



Herr Gustos Dr. G. Beck v. Mannagetta sprach über die 
Gattung Nepentlies und demonstrirte frische und Herbarexemplare 
von Arten dieser Gattung. 

Herr A. Handlirsch demonstrirte verschiedene entomologische 
Objecte, ferner Photographien aus Algier und Spanien, endlich japa- 
nische Originalzeichnungen von Insecten. 



Herr Dr. Th. Pintner demonstrirte einige seit ungefähr 
Monatsfrist in P/oiger Lösung von Formaldehyd in Meerwasser 
conservirte Seethiere. 

Unter denselben machen besonders Quallen (Discomedusa, Äequorea, Aure- 
lia) durch Transparenz und vollkommenste Erhaltung der natürlichen Körper- 
gestalt ohne die mindeste Schrumpfung, ferner Spongien (Suberites domuncula 
und massa, Clathria coralloides, Aplysina aerophoba etc.) durch Erhaltung von 
Form und Farbe ganz den Eindruck lebender Thiere. Thiere, die sich stark 
contrahiren, müssen vorher nach den bekannten Neapeler Methoden LoBianco's 
behandelt und dann erst in das Formaldehyd übertragen werden. Nicht alle 
Thiere sind farbbeständig. So vfh'd der Farbstolf rother Actinien und Comateln 
ausgezogen. Die vorgeführten Präparate sind zwar erst monatalt, doch haben sie 
sich vom Augenblick der Conservirung an unverändert erhalten und lassen somit 
das Beste hoffen. Sollten sich die Präparate dauernd haltbar erweisen, so wären, 
von ihrer Schönheit ganz abgesehen, die Verminderung der Feuersgefahr und das 
Ersparen des lästigen häufigen Nachfüllens für Sammlungen allein schon zwei 
ungeheuere Vortheile gegenüber der Alcoholconservirung. Aber selbst nur monate- 
lange Haltbarkeit — die durch anderweitige Angaben bereits verbürgt zu sein 
scheint — würde Sammlern auf weiteren Reisen umso mehr bis jetzt ganz ungeahnte 
Bequemlichkeiten gestatten, als die so conservirten Sachen auch anatomisch und 
histologisch völlig brauchbar sind. Auch nachfolgende Färbung und Entwässerung 
behufs Einschliessen in Canadabalsam vertragen sie sehr gut. 

Im botanischen Discussionsabende am 16. Februar 1894 
sprach Herr Dr. E. v. Haläcsy über die Flora von Epirus. 



Hierauf legte Herr Dr. C. Fritsch die neue Literatur vor. 



Jahres -Versammlung am 4. April 1894. 

Vorsitzender: Herr Dr. Eugen v. Haläcsy. 

Neu eingetretene Mitglieder: 

Als Mitglied bezeichnet durch 
Herr p ^ jj^^.^.^^ 

Babor Anton, Mediciner, Prag Dr. J.Palacky, Dr. A. Zahlbruckner. 

Bern hau er, Dr. Max, Stockerau . . . . J. Kaufmann, Dr. F. Spaeth. 



Anschluss zum Schriftentausch: 

Edinburgh: Scottish Microscopical Society. 
London: Science Gossip. 
Stavanger: Museum. 



Eingesendete Gegenstände : 
130 Stück Schmetterlinge für Schulen von Herrn E. Kautetzky. 



Bericht des Yice-Präsideuteii Herrn Dr. Eugen v. Haläcsy. 

Hochgeehrte Herren! 

Es ist mir die Ehre zu Theil geworden, nachdem unser Präsident-Stell- 
vertreter Anton Pelikan Freih. v. Plauen wald krankheitshalber verhindert 
ist, bei der heutigen 44. Jahres -Versammlung zu präsidiren. 

Auch im verflossenen Jahre bemühten wir uns, dem von der Gesellschaft 
anfänglich vorgesteckten Ziele nach bestem Können zu entsprechen und dadurch 
unsere Gesellschaft auf der gleichen Höhe ihrer wissenschaftlichen Aufgabe zu 
erhalten. 

Unsere Publicationen bieten auch heuer eine Reihe von werthvollen, theils 
kleineren, theils grösseren Aufsätzen, welche sich würdig ihren Vorgängern an- 
reihen. Dieselben enthalten 54 Seiten an Sitzungsberichten und 586 Seiten an 

Z. B. Ges. B. XLIV. Sitz.-Ber. B 



10 



Jahres -Versammlung am i. April 1894. 



Abhandlungen, nebst 7 Tafeln. Unter diesen Arbeiten sind 23 zoologischen und 
28 botanischen Inhaltes. 

Die Zahl der Mitglieder betrug am Ende des Jahres 1893 471, um 24 
weniger als im Vorjahre. Neu eingetreten sind hievon 12, ausgetreten 23. Durch 
den Tod verlor die Gesellschaft folgende 14 Mitglieder: J. Bigot, J. Boehm, 
G. V. Haimhoffen, M. v. Hantken, M. Freih. v. Kön igswarter, M. Matz, 
C. Prantl, R. v. Schaub, J. Schernhammer, A. v. Schmerling, F. Schwar- 
zel, D. Stur, M. Vodopic und L. v. Vukotino vi c. Wir wollen ihr Andenken 
durch Erheben von den Sitzen ehren. 

In 10 Monatsversammlungen und ebenso vielen Discussions- und Literatur- 
abenden wurden 44 theils grössere, theils kleinere Vorträge abgehalten. 

Wir geben uns der angenehmen Hoffnung hin, dass das rege Leben in 
unserer Gesellschaft auch ferner bewahrt werde und dass die Leistungen derselben 
auch künftig auf der jetzigen Höhe erhalten werden. 



Bericht des Secret'ärs Herrn I)r. Carl Fritsch. 

Die Erforschung der Fauna und Flora unserer Monarchie hat die zoologisch- 
botanische Gesellschaft stets für eine ihrer wichtigsten Aufgaben gehalten. Ein 
grosser Theil der in ihren Publicationen veröffentlichten Abhandlungen bezieht 
sich auf dieses Gebiet; auch der im Jahre 1893 herausgegebene XLIII. Band der 
„Verhandlungen" bringt eine grössere Zahl solcher faunistischer und floristischer 
Beiträge. Auf Niederösterreich bezieht sich eine hymenopterologische Ab- 
handlung von Kohl, eine mjcologische von Bäumler, eine allgemeiner gehaltene 
pflanzengeographische Schilderung von Baumgartner, ferner eine Mittheilung 
von Fritsch über die Einwanderung von Cuscuta suaveolens. Wichtiger als alle 
diese Mittheilungen ist die grundlegende Bearbeitung der in Niederösterreich 
vorkommenden Lebermoose durch M.Heeg. Strobl bearbeitete die Antho- 
myinen Steiermarks. Auf Tirol bezieht sich eine dipterologische Abhandlung 
Pokorny's, der auch zu der eben genannten Bearbeitung Strobl 's werth volle 
Nachträge veröffentlichte, ferner die Beschreibung einer neuen JRhopalomyia durch 
Thomas. lieber die Flora von Tirol finden wir eine lichenologische Abhandlung 
von Arnold und zwei auf Phanerogamen bezügliche Mittheilungen von Eichen- 
feld. Fritsch berichtete über das Auftreten von Veronica ceratocarpa in Salz- 
burg und über eine oberungarische Gentiana; Cypers lieferte einen Beitrag zur 
Pilzflora des Riesengebirges, Lomnicki eine Zusammenstellung der in Galizien 
vorkommenden Carabinen, Procopianu-Procopovici einen Beitrag zur Kennt- 
niss der pflanzengeographischen Verhältnisse in der Bukowina. Haracic ver- 
danken wir zwei die Insel Lussin betreffende Mittheilungen, während Maly einen 
Beitrag zur Flora von Nordostbosnien publicirte. 

Ausländische Faunen und Floren betreffen eine herpetologische Mittheilung 
von Werner, eine Abhandlung über Dorididen von Bergh, zwei Abhandlungen 
KühTs über Hymenopteren, die Mittheilung Zahlbruckner's über Tremato- 



.Iiiliros -Vorsiiiiiiiilnn)^ iiin 4. Aiiril IK!M. 



11 



cnrpus, ferner dio Bejirboitim«;- iirrikanisclicr Mooso und I^MccliIcii diircli ('. Miillfr 
und J. Müller. 

Unter den systematischen Arbeiten sind die monographische Bear- 
beitung der Gattung Trichodes von Escherich und die llebersiclit der euro- 
päischen Muscaria schizometopa von Brauer und Bergen stamm besonders 
hervorzuheben. 

Die anatomisch-physiologische Botanik ist durcli die Abhandlung 
Kechinger's über die Grenzen der Theilbarkeit im Pflanzenreiche und durch 
die jma tomischen Untersuchungen Hohen au er 's über Gramineen vertreten. 

Kleinere Mittheilungen verschiedenen Inhaltes sind noch von den Herren 
Adensamer, Damin, Fritsch, Fuchs, Karpelles, Klemensiewicz, Krasser, 
Lütkemüller, Maly, Rebel nnd Stockmayer eingelaufen. 

Den Schluss des XLIII. Bandes bildet die aus der Feder Prof. Wilhelm's 
stammende Biographie unseres unvergesslichen Vice-Präsidenten Prof. J.-Boehm, 
der, uns und der Wissenschaft viel zu früh entrissen, in unser aller Andenken 
fortleben wird. 



Bericht des Secretärs Herrn Anton Handlirsch. 

Nach Durchführung aller mit der Uebersiedlung in das neue Locale ver- 
bundenen Arbeiten brachte das Jahr 1893 dem Vereine wieder die zur ungestörten 
normalen Entwicklung nothwendige Ruhe und Ordnung. Das Vereinsleben begann 
allmälig etwas reger zu werden. Mögen die in der letzten Zeit in den Vorder- 
grund gestellten Demonstrationen unsere Monatsversammlungen anregender ge- 
stalten und dem Vereine neue Freunde und Mitglieder erwerben. 

Viel Sorgfalt wurde wie bisher der Betheilung österreichischer Schulen mit 
naturhistorischen Lehrmitteln gewidmet, doch ist zu bedauern, dass die Zahl der 
einlaufenden und zur Vertheilung bestimmten Objecte in einem Missverhältnisse 
zu dem von den Schulen ausgesprochenen Bedürfnisse steht. Eine etwas regere 
Betheiligung der Mitglieder an dem Sammeln von Pflanzen und Thieren für 
Schulzwecke könnte hier leicht Abhilfe schaffen, und wäre umso mehr anzustreben, 
als sich die Gesellschaft an der anlässlich der Naturforscher -Versammlung statt- 
findenden Lehrmittel -Ausstellung zu betheiligen beabsichtigt. 

Einem vom hohen Ministerium für Cultus und Unterricht ausgesprochenen 
Wunsche entsprechend haben wir die Vermittlung des Austausches zoologisch- 
botanischer Lehrmittel der Staatsmittelschulen übernommen. 

Im Laufe des Jahres 1893 wurden von der Gesellschaft an 17 Schulen 
6581 Lehrmittel unentgeltlich abgegeben, und unterzog sich unser eifriges Mit- 
glied Herr Dr. F. Ostermeyer in gleich aufopfernder Weise wie bisher den mit 
der Vertheilung der botanischen Objecte verbundenen Arbeiten, 

Zoologische Objecte zur Vertheilung an Schulen lieferten das k. k. natur- 
historische Hofmuseum (800 Insecten), das zoologische Institut der 
Universität (Conchylien) und die Herren C. Frank (Engerlinge), E. Kau- 
tetzky (250 Insecten), C. Kolbe (Conchylien), A. Metzger (90 Lepidopteren), 

B* 



12 



Jahres -Versammlung am 4. April 1894. 



M. F. Müllner (100 Insecten), Baron A. Pelikan v. Plauenwald (400 Coleo- 
pteren), H. Schollmayer (eine grössere Anzahl schöner zoologischer Präparate), 
Dr. B. Sturany (150 Conchylien). 

An der Sammlung der Schulpflanzen betheiligten sich die Herren F. Bartsch 
(15 Exemplare), C. Bauer (45), H. Braun (240), Dichtl (15), J. v. Hunger- 
byehler (15), L. Keller (90), F. Lebzelter (15), C. Maly (60), G. Mayr 
(150), M. F. Müllner (315), Dr. F. Ostermeyer (450), C. Eechinger (105), 
F. J. Sandany (195), L. Stohl (75), Prof. Dr. R. v. Wettstein (350). 

Mit der Ordnung und Instandhaltung des Herbars beschäftigten sich ausser 
Herrn Dr. Ostermeyer noch die Herren: J. Brunnthaler, J. v. Hunger- 
byehler, M. F. Müllner, A. Schopf und Dr. A. Zahlbruckner, dem wir die 
Ordnung des Flechtenherbars verdanken. 

Pflanzen für das Gesellschaftsherbar spendeten die Herren: H. Braun, 
A. Haracic, M. Heeg und Dr. G. v. Pernhoffer. 

Den Berichten unseres verehrten Bibliothekars, des Herrn Ober-Finanzrathes 
F. Bartsch, ist zu entnehmen, dass die Zahl der periodischen Schriften, die wir 
im Tauschwege beziehen, abermals um vier zugenommen hat und nunmehr 324 
beträgt. Als Geschenk erhielt unsere Bibliothek 20 Nummern. 

Herr Dr. A. Zahlbruckner und ich haben eine gründliche Revision der 
Gesellschaftsbibliothek begonnen, mit der Absicht, die Serien unserer Zeitschriften 
zu completiren und wichtige neue Tauschverbindungen einzuleiten. Wir hoffen, 
diese mit bedeutenden Schwierigkeiten verbundene Arbeit der Revision, Comple- 
tirung und Ordnung in nicht allzu langer Zeit vollenden zu können und bitten 
die geehrten Mitglieder, unser Streben sowohl durch Angabe wichtiger Zeitschriften 
und Handbücher, die in der Gesellschaftsbibliothek fehlen, als durch möglichst 
zahlreiche Bücherspenden zu unterstützen. 



Uebersicht der im Laufe des Jahres 1893 an Lehranstalten abgegebenen zoologischen 
und botanischen Lehrmittel. 



Postnummer 


Bezeichnung der Schule 


Wirbelthiere 


Weichthiere 


Glieder- 
füssler 


Strahlthiere, 
Würmer 


Pflanzen 


1 




1 


1 


145 




400 


2 




9 


40 


150 


2 


400 


3 




10 


40 


150 


2 


400 


4 






40 


130 


2 


400 


5 


Frohnleiten in Steiermark: Volksschule 




40 


130 


2 


400 


6 


Laskes in Mähren: Volksschule 




40 


130 


2 


400 


7 


Wien, II., Kleine Pfarrgasse: Volksschule 


12 






2 


400 


8 




5 






2 


400 


9 




12 










10 


„ XVIII., Michaelergasse: Volksschule .... 


8 


40 


132 




400 




Fürtrag • • ■ | 




241 


967 


14 


3600 



.Tiiliros -ViMsniuinltinj^ im» '1. Ainil IH'.ii 



13 



Postnnmmer 


Boz(Mclni u 111^ (ItM- Scinilc 


Wirbelthiere 


1 

Weichthier. 


Glieder- 
füssler 


Strahlthier' 
Würmer 


a 






Uel)ortra(» . , . 


57 


241 


9(i7 


14 


3000 




11 


Wien, XV. : Staats-Oben-oalsc.luilo 


2 




40 


20 






12 


„ XVII., Petersplatz: Bürgorscliulo 






145 








13 


Oberliollabrunn : K, k. Staatsgyninasiiim 


3 


1 


4 


15 






14 


Wien, XIII., Breitensee: Volksschiilo 


11 


40 


150 


2 


400 




15 


SchiUlberg in Mähren : Volksschule 


3 




130 


1 






IG 


Weipert in Böhmen: Bürgerschule 


11 


1 


3 


5 






17 


Pilsen : Lehrerbildungsanstalt 


15 


40 


2.50 


10 


400 






Summe . . . 


102 


323 


1689 
G581 


c, 


4400 





Bericht des Rechuuiigsfiilirers Herrn Josef Kaufmann. 
Einnahmen : 

Jahresbeiträge mit Einschluss der Mehrzahlungen und Eintritts- 



taxen von zusammen fl. 166.51 fl. 3.056 . 34 

Subventionen „ 1.090 . — 

Vergütung des h. n.-ö. Landesausscliusses für die Naturalwohnung 

im Landhause „ 2.500 . — 

Verkauf von Druckschriften und Druck-Ersätze „ 480 . 12 

Interessen von Werthpapieren und Sparcasseeinlagen „ 270 . Ol 

Porto-Ersätze „ 22.95 

Zins für den vermietheten Wohnungstheil „ 550 . — 

Sonstige Einnahmen „ 76 . — 



Geschenk von Herrn M. v. Damian itsch, k. k. General -Auditor 
in Pens., zum Andenken an seinen am 19. October 1867 
verstorbenen Sohn Rudolf Damianitsch, stud. jur., eine 
ungarische Kronenrente zu 200 Kronen . . fl. 100 . — 

Für den Wohnungsfond angekaufte 3 einh. Noten- 
renten ä 100 fl „ 300 . — 

Summa . . 

in Baarem und fl. 400 

in Werthpapieren ; und mit Hinzurechnung des am 
Schlüsse des Jahres 1892 verbliebenen Cassa- 
restes von „3.200 



fl. 8.045 . 42 



. — „ 2.583 . 15 



im Ganzen . . fl. 3.600 . — fl. 10.628 . 57 



14 



Jahres -Versammlung am 4. April 1894. 



Ausgaben : 



Besoldung des Kanzlisten , . fl. 600 . — 

Quartiergeld des Kanzlisten „ 180 . — 

Versicherungsprämie für den Kanzlisten „ 50 . 52 

Remunerationen und Neujahrsgelder „ 67 . 64 

Beheizung. Beleuchtung und Instandhaltung der Gesellschafts- 

localitäten „ 206 . 09Vs 

Gebühren -Aequivalent „ 10.53 

Büchereinkauf „ 320 . 70 

Erforderniss für das Museum „ 89 . 52 

Kanzleierfordernisse und Drucksorten „ 130 . 51 

Buchhinderarbeit für die Bibliothek „ 244 . — 

Porto- und Stempelauslagen „ 262 . 45 

Nachträgliche Auslagen anlässlich der Uebersiedlung und Ergän- 
zung des Inventars „ 211.62 

Assecuranz der Bibliothek, Möbel, des Herbars etc „ 37 . 97 

Sonstige Auslagen „ 12 . — 

Zins vom Mai 1893 bis Mai 1894 „ 1900 . — 

Ankauf von 300 fl. einh. Notenrente für den Wohnungsfond . . „ 292 . 78 
Herausgabe von Druckschriften: 

Für den Band XLIII der Verhandlungen, Druck 

und broschiren fl. 2.431 . 55 

Illustrationen „ 257 . 41 „ 2.688 . 96 

Summa . fl. 7.305 . 29V2 



Hiernach verblieb am Schlüsse des abgelaufenen Jahres 1893 ein Cassarest 
von fl. 3.600 . — in Werthpapieren und fl. 3323 . 27^2 in Baarem, welch' letzterer 
bei der Ersten österreichischen Sparcasse hinterlegt ist. 

Die Werthpapiere bestehen aus: 
2 einh. Notenrenten ä 100 fl., gekauft um den Erlös für zwei Grundentlastungs- 

Obligationen , Geschenk von Sr. Excellenz Herrn Cardinal -Erzbischof 

Dr. Ludwig v. Haynald. 
1 einh. Silberrente zu 50 fl. von demselben. 

1 einh. Silberrente zu 100 fl., Geschenk von Herrn Dr. Ludwig R. v. Köchel, 

1 einh. Silberrente zu 100 fl., Geschenk von Herrn Brandmayer. 

1 einh. Notenrente zu 100 fl., als Beitrag von Herrn Rogenhofe r. 

4 einh. Notenrenten ä 100 fl., Geschenk von Herrn Baron v. Königs warter. 

1 Rudolfslos zu 10 fl. (3 sind bereits ohne Treff'er gezogen), 

1 einh. Notenrente zu 100 fl. und 

1 ungarische Kronenrente zu 200 Kronen (100 fl.), alle drei als Spenden von 
Herrn Martin v. Damianitsch, k. k. General -Auditor in Pens., zum 
Andenken an seinen am 19. October 1867 verstorbenen Sohn Rudolf Da- 
mianitsch, stud. jur. 



.luhrcs-Vor.saiiiinliing am l. Apiil |.h;i.|. 



15 



1 Clarylos zu 10 H. 

f) oinh. SilbeiTciiti'ii ;i 100 Ii., Le^'at UM-h Herrn Dr. Liidwif; Ii. v. Kücluil. 

1 i>iuh. Noti'iiroute zu 100 IL, Legat nach Herrn i'aul v. Waf^ner. 

1 einh. Notuureuto zu 1000 H. und 

5 einh. Notenrenton ;i 100 IL, angekauft aus dem Vermögen der Mitglieder auf 
Lebensdauer. 

3 einb. Notenrenton a 100 fl., augekauft für den Wohnungsfond. 

Verzeichniös 
der im Jahre 1893 der Gesellschaft gewährten 
Subventionen : 



Von Sr. k. u. k. Apostolischen Majestät dem Kaiser Franz Josef I. fl. 200 . — 
„ Ihren k. und k. Hoheiten den durchlauchtigsten Herren Erz- 
herzogen : 

Carl Ludwig „ 30. — 

Ludwig Victor „ 20. — 

Albrecht „ 50.— 

Josef Carl „ 50 . — 

Wilhelm „ 50.- 

Rai ner „ 50 . — 

Von Sr. Majestät dem Könige von Baiern „ 40 . — 

Vom hohen k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht . . . . „ 300 . — 

„ löblichen Gemeinderathe der Stadt Wien „ 300 . — 

„ hohen niederösterreichischen Landesausschusse Entschädigung 
für das von der Gesellschaft aufgegebene Wohnungsrecht im 

niederösterreichischen Landhause „ 2500 . — 

Verzeichniss 

der für das Jahr 1893 geleisteten höheren Jahresbeiträge von 7 fl. aufwärts. 

Von den P. T. Herren: 

Colloredo-Mannsfeld, Fürst Josef zu, Durchlaucht fl. 100.— 

Liechtenstein, regierender Fürst Johann von, Durchlaucht. . . „ 25. — 

Heidmann Alberich „ 10. — 

Kabät J. E „ 10 . — 

Kinsky, Fürst Ferdinand, Durchlaucht „ 10. — 

Pelikan v. Plauenwald, Anton Freiherr v „ 10.— 

Rothschild, Albert Freiherr V „ 10.— 

Schwarzenberg, Adolf Josef Fürst, Durchlaucht „ 10.— 

Arnold Ferdinand, Dr „ 8.94 

Bachinger August „ 8. — 



16 



Jahres -Versammlung am 4. April 1894. 



Matz Maximilian . . 
Navaschin Sergius von 
Blasius Eudolf, Dr. . 
Blasius Wilhelm, Dr. 
Schnabl Johann, Dr. 
Berg Carl .... 
Fritsch Josef . . . 
Röder Victor v. . . 
Rossi Ludwig . . . 



fl, 



n 



n 



n 



8.— 
7 .86 
7 .65 
7.65 
7.29 
7.08 
7 . — 
7-11 
7.— 



Herr Secretär Dr. Carl Fritsch legte folgendes eingelaufene 
Manuscript vor: 

Kernstock, Prof. E. : „Lichenologische Beiträge. VI." (Siehe 
Abhandlungen, Seite 191.) 



Herr Prof. Dr. Joh. Csokor hielt einen von Demonstrationen 
begleiteten Vortrag: „lieber die Entstehung der Wurmaneu- 
rysmen des Pferdes". 



Hierauf hielt Herr Prof. Dr. Anton Burgerstein dem ver- 
storbenen Mitgliede Prof. Dr. G. A. Weiss einen warm empfundenen 
Nachruf. 



In dieser Versammlung wurden die Herren J. v. Hunger- 
byehler und Dr. F. Spaeth zu Kechnungsrevisoren gewählt. 



Am 16. März 1894 wurde ein botanischer Literaturabend 
abgehalten, an welchem Herr Dr. A. Zahlbruckner die neue 
Literatur vorlegte. 

Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein besprach He ekel 's „Etüde 



monographique de la famille des Globulariees". (Vergl. Oesterr. 
botan. Zeitschrift, 1894, S. 149.) 



Vprsiuninliint^ um 2. Mui IHKl 



17 



Versaininluiig am 2. Mai 18i)4. 

Vorsitzender: Herr Dr. Eugen v. Halacsy. 



Neu eingetreteue Mitglieder: 

Als Mitglied bezoichnet durch 
Herr p jj^^,.^^ 

Attems Carl, Graf v , Wien Th. Garbowski, Dr. H. Rebel. 

Bargagli C. Piero, Marchese, Florenz . . Durch den Ausschusp. 
Beutl Johann, Bürgerschullehrer, Wien, III., 

Barichgasse 12 Dr. C. Fritsch, M. F. Müllner. 



Anschluss zum Schriftentausch: 

Albany: New York State Museum. 
Brookville: Indiana Academy of Science. 
Meriden: Scientific Association. 
Montevideo: Museo Nacional. 
San Jose: Museo Nacional de Costa Rica. 
Santiago: Societe scientifique de Chile. 



Herr Prof. Dr. Franz Noe hielt einen Vortrag: „Der Schul- 
garten und der botanische Unterricht an den Gymnasien". 

Durch den Ministerialerlass vom 24. Mai 1892 wurde eine Erweiterung und 
Vertiefung des botanischen Unterrichtes am Untergymnasiuni angeordnet. Der 
leitende Gedanke dieser Verordnung drückt sich aus in den Sätzen: Genauere 
Bekanntschaft der Schüler mit der Pflanzenwelt überhaupt; stärkere Berücksichti- 
gung der Cultur- und Nutzpflanzen. Der Vortragende suchte nun zu zeigen, wie 
ein Schulgarten diesen Absichten in hervorragender Weise förderlich sein kann, 
und in welchen Beziehungen der Schulgarten überhaupt zum Unterrichte stehen soll. 

Als wichtigster Punkt ist die Förderung der Kenntniss der Cultur- und 
Nutzpflanzen zu betrachten. Es kommt hier darauf an, dass der Schüler sich den 
Habitus der ganzen Pflanze einpräge, und dies ist nur durch die unmittelbare 
Anschauung der Nutzgewächse in ihren verschiedenen charakteristischen Ent- 
wicklungsphasen mit Sicherheit zu erreichen. Die hierbei mögliche vergleichende 
Beobachtung ist von besonderer Wichtigkeit. 

Der Schulgarten erleichtert ferner dem Lehrer die rechtzeitige Beschaffung 
des für den Unterricht erforderlichen frischen Pflanzenmateriales. Besonders in 
grossen Städten sind frische Pflanzen in ausreichender Menge oft nur mit bedeu- 

Z. B. Ges. B. XLIV. Sitz.-Ber. C 



18 



Versammlung am 2. Mai 1894. 



tendem Zeit- und Geldaufwande zu erlangen ; auch die Zufälligkeiten der Witterung 
spielen hierbei eine grosse Eolle. Ueberdies wird der Schulgarten dem Lehrer 
eine viel planvollere Auswahl der Pflanzen ermöglichen, und das Prüfen an frischem 
Materiale ist für den Schüler eine grosse Erleichterung. Ohne jede Belastung 
des Geistes, fast spielend, nur durch tägliches wiederholtes Betrachten kann der 
Schüler im Garten sich eine grosse Menge botanischer Kenntnisse erwerben und 
dauernd einprägen; auch manche der so interessanten biologischen Verhältnisse 
können im Schulgarten besprochen werden. Selbst das ethische Moment darf 
hervorgehoben werden, indem durch die Beobachtung der Entwicklung zahlreicher 
Pflanzen vom Samen bis zur Frucht das Interesse an der Natur erhöht und die 
Liebe zu derselben sehr gefördert wird, und derart der Schulgarten segensreiche 
Anregungen für das ganze Leben geben kann. Auch die eventuelle Theilnahme 
der grösseren Schüler an den Gartenarbeiten könnte nur wohlthätig auf das Ge- 
müth und die Gesundheit der jungen Leute einwirken. 

Endlich wird ein gut gehaltener Schulgarten jeder Lehranstalt auch zur 
äusseren Zierde gereichen. 

Natürlich fehlt es nicht an Schwierigkeiten und Bedenken. Vor Allem 
kommt da die Platzfrage in Betracht. Wenn aber dem Zuge der Zeit folgend 
endlich jedes vollständige Gymnasium sein eigenes Gebäude haben wird, so ist es 
nur Sache der betreffenden Bauleitungen, dass unbedingt auch ein entsprechender 
Eaum zur Anlage eines Schulgartens reservirt werde. In grossen Städten könnte 
man auch an die Anlage grosser gemeinsamer Pflanzengärten denken, die den 
Zweck hätten, alle Schulen des Ortes mit frischen Pflanzen zu versorgen. Solche 
Gärten bestehen bereits in Berlin, Breslau, Posen etc. 

Die zweite Schwierigkeit bereitet die Geldfrage. Da aber die Kosten der 
Anlage und Instandhaltung eines bescheidenen Schulgartens durchaus nicht sehr 
bedeutend sind, so könnte, die Geneigtheit der Behörden vorausgesetzt, bei Ver- 
theilung der Kosten auf einen grösseren Zeitraum durch successive Errichtung 
von Schulgärten auch diese Schwierigkeit ganz gut überwunden werden. 

Der Lehrer der Naturgeschichte müsste allerdings in der inneren Befriedi- 
gung über den grösseren Erfolg des botanischen Unterrichtes einen idealen Ersatz 
finden für die mancherlei Arbeit, die ihm die Leitung und Pflege des Gartens 
sicher bereitet. 

Der Vortragende gab sodann einige beherzigenswerthe Winke über die An- 
lage, Einrichtung und den Betrieb eines Schulgartens und schilderte schliesslich 
das Zustandekommen und die gegenwärtige Einrichtung des Schulgartens des 
k. k. Staatsgymnasiums im XII. Bezirke von Wien, der im Frühjahre 1893 
angelegt wurde, und der dem Vortragenden die erwünschte Gelegenheit gibt, seine 
oben entwickelten Anschauungen praktisch zu verwerthen und weitere Studien 
über die so wichtige Schulgartenfrage anzustellen. Mit der freundlichen Einladung 
zur Besichtigung dieses Schulgartens schloss der Vortragende seine interessanten 
und beifällig aufgenommenen Mittheilungen. 



VcrsinuiiiliiiiK' Hill Mui 1H!M. 1*.) 

Hieraul" (lonioiislrirlo Herr Dr. Victor Nielsch vier von 
ihm selbst eiitvvorfono zoologisch o Schu I wandtaftU n. 

Der Vortragüiidc hatto zur Bcleuclitunjj^ des Unterschiedes seiner Tafeln 
vor den heute auerkannterniassen die erste Stelle einnehmenden von Leuckart 
und Nitzsche die einschlägigen Tafeln der letzteren Autoren neben seine eigenen 
anbringen lassen. 

Zunächst anerkannte der Vortragende, dass die Leuckart 'sehen Tafeln für 
den akademischen Unterricht wohl einzig dastehen und es auch für lange Zeit 
bleiben werden ; dass sie in wissenschaftlicher Hinsicht über jede Bemängelung 
erhaben seien. Für den elementaren Unterricht jedoch, wie ihn die Mittelschulen 
wahrzunehmen haben, enthalten diese Tafeln zu vielerlei diesem Unterrichte ferne 
Liegendes, und eben deshalb seien die Figuren zu klein, so dass sie beim Massen- 
unterrichte undeutlich werden. Der Vortragende ging bei der Conception seiner 
Tafeln von dem Principe aus, so wenig Figuren als möglich auf eine Tafel auf- 
zunehmen, diese aber in möglichst grossem Massstabe, in scharfer, plastischer 
Modellirung und in einer anatomischen Anordnung, dass das Charakteristische 
und Habituelle der betreffenden Thierform klar in die Augen springe. 

Dieses Princip veranschaulichte er zunächst an der Tafel über Uelix pomatia, 
welche im Ausmasse von 170 cm Höhe und 100 cm Breite nur zwei Hauptfiguren 
enthält, jede etwa 100 cm lang und 50 cm hoch. Die erste Figur stellt das aus 
dem Gehäuse genommene, in Wärmestarre ausgestreckt erhaltene Thier als Ganzes 
dar, so dass namentlich der spiralig aufgedrehte Eingeweidesack mit dem dem 
Schalenrande anliegenden Mantelwulst deutlich wird. Das Thier ist von der rechten 
Seite dargestellt, um den Eingang zur Athemhöhle und die Afteröffnung zu zeigen. 
Die zweite Hauptfigur, ebenfalls ca. 100 cm lang und etwa 70 cm hoch, zeigt 
einen Sagittalschnitt durch das ganze Thier, welcher durch Kopf, Nacken und 
Fuss genau median, durch den Eingeweidesack mehr nach der rechten Seite hin 
geführt ist, um alle Organe, mit Ausnahme der absichtlich weggelassenen Geni- 
talien in situ zu zeigen. Bloss der Endtheil des Eingeweidesackes mit den mäch- 
tigen Lappen des Hepatopankreas und dem Magen wurde nach unten geschlagen 
und das Rectum mit dem Harnleiter nach oben über die Athemhöhle heraus- 
gelegt, um den ganzen Verlauf des Intestinums klarer zu machen. Die natürliche 
Lagerung und Ausmündung des Eectums wurde durch punktirte Linien angezeigt. 
Diese Figur zeigt namentlich schön das Innere der Athemhöhle mit der Niere, 
dem Herzen und dem Gefässnetze, sowie die Duplicatur des Mantels, welche die 
Decke dieser Höhle bildet. Gewiss ist die Auffassung der inneren Organisation 
des Thieres nach dieser Darstellungsweise für den Anfänger bedeutend leichter 
und sicherer, als nach der Leuckart 'sehen Figur, welche das Thier vom Rücken 
her eröffnet und alle Theile in die Ebene auseinandergelegt zeigt. Die beiden 
Nebenfiguren stellen die eine die Radula in der Daraufsicht, die andere einen 
Durchschnitt des Gehäuses dar, so dass man die ganze Columella und den Canal 
derselben, sowie die Insertion des Spindelmuskels sieht. 



20 



Versammlung am 2. Mai 1894. 



Die zweite Tafel, ebenfalls im Ausmasse von 170 : 100 cm, ist den Cephalo- 
poden gewidmet. Aucli sie bringt nur zwei Haupt- und zwei Nebenfiguren. Die 
erste Hauptfigur stellt Octopus vulgaris in schwimmender Stellung im Profil dar, 
wobei namentlich auf die fluthende Bewegung und paarige Zusammenordnung 
der Kopffüsse hingewiesen sei, welche charakteristisch ist. Die zweite Hauptfigur 
stellt einen Sagittalschnitt durch Sejßia officinalis dar. Diese Figur zeigt die 
Kopffüsse mit den Saugscheiben, den doppelten Mundsaum, den Schnabel, Schlund- 
kopf und den ganzen Darmtractus sammt den adnexen Drüsen, sowie den mit 
dem After gemeinsam mündenden Tintenbeutel. Ferner die Einlagerung der 
Schulpe, den Trichter, die Mantelhöhle mit der linken Kieme und das Ovarium 
mit dem Eileiter; auch sind die Nephridien mit dem eingelagerten Herzen sicht- 
bar. Diese Figur bedeutet ebenfalls eine Erleichterung für die Auffassung dieser 
schwierigen Verhältnisse, gegenüber der Leuckart'schen Tafel, welche die Ana- 
tomie von Octopus nach Milne-Edwards bringt. Die Nebenfiguren stellen dar: 
die eine das Herz mit den Gefässwurzeln und Kiemen von Sepia, die andere einen 
Schnitt durch das Auge von Sepia nach Hensen. 

Die dritte Tafel (100: 70 cm) behandelt die Arachniden. Auch diese ent- 
hält bloss zwei Haupt- und zwei Nebenfiguren. Die erste Hauptfigur stellt Har- 
pactes ruhicundus Koch von der Ventralseite dar. Dieses Object wurde aus zwei 
Gründen gewählt: 1. treten wegen des eigenthümlichen Colorits die beiden Haupt- 
abschnitte des Körpers sehr scharf hervor, indem der Cephalothorax prachtvoll 
carminroth, das Abdomen aber hellgelb gefärbt ist; 2. liegen die Cheliceren und 
die Kauladen der Pedipalpen in derselben Ebene wie die Sternalplatte, nicht wie 
bei den meisten Spinnen im rechten Winkel dazu. Hierdurch treten auch diese 
wichtigen Theile klar und scharf hervor. Die zweite Hauptfigur stellt einen 
Sagittalschnitt durch Epeira diadema vor. Auch in dieser Figur treten die ein- 
zelnen Organe deutlicher, auch für grössere Entfernungen sichtbarer hervor, als 
auf der einschlägigen Figur Leuckart's. Die Nebenfiguren zeigen die Anord- 
nung der Augen bei Harpactes und das Fussende einer Kreuzspinne. Gegenüber 
der betreffenden Leuckart'schen Tafel muss die geringere Zahl und daher be- 
deutendere Grösse der Figuren auf der Tafel des Autors als ein Vorzug für den 
Elementarunterricht hervorgehoben werden. 

Die vierte Tafel (100 : 70 cm) gibt eine synoptische Zusammenstellung der 
Mundtheile der Insecten. Die homologen Theile sind durch die gleichen Farben- 
töne hervorgehoben. Die Oberlippen sind in allen Figuren saftgrün, die Man- 
dibeln rosa, die ersten Maxillen sienagelb, die ^zweiten Maxillen blau abgetönt. 
Das Centrum der Tafel nehmen die Mundtheile einer Blatta (nach Savigny) 
ein. Im Kreise herum sind geordnet, von links oben begonnen: Kopf und Rüssel 
einer Noctua, nebst Rüsselquerschnitt, Kopf und Rüssel von Musca domestica, 
dann ein Sagittal- und Querschnitt durch den Mitteltheil des Rüssels desselben 
Thieres (nach Kräpelinj, Mundtheile von Culex nemorosus 9 (nach Becher), 
Anthophora pilipes, Syromastes marginatus. 

Das Votum der Mitglieder der zoologisch-botanischen Gesellschaft über die 
Auswahl, Anordnung und Ausführung der Figuren war im höchsten Grade aner- 



Vcrsainiiiluiit? am 1*. Mai IsiM 



21 



koüiioiid. Nanioullich iiussertou sich von (Umi aiiwt'st'ndcii ({ymiiasialin-olcssorcn 
die llorron Dr. Franz Nor und Dr. Iv. l'f u rtschcllc r daliin, das.s die Tafeln 
sieh für den IJntcrrieht an Midelsrhult'n vor/iifj^lich eij^nen. 

Feriior übernMclilc der Vortragoiido (Inn folgenden Nachtrag 
zu der Abhaiidliiiig „Uober das TrachceiisysttMn von Locusta 
viridissima^' von Dr. Victor Niotscli (T. Quartal, 1894, S. 1). 

Herr Dr. Hermann Krauss in Tübingen hat mich in liebenswürdigster 
Weise darauf aufmerksam gemacht, dass sich in Cu vi er 's Regne auimal, In- 
sectes, Atlas. PI. 76, Fig. 1 und 2, „prachtvolle" Abbildungen des Tracheensystems 
von Locusta viridissima nach den Arbeiten E. Blanchard's befinden und dass 
die von mir besprochene Grabe r'sche Figur eine Copie hievon ist. Nach einem 
eingehenden Vergleich der citirten Abbildungen muss ich alles das, was ich be- 
züglich Graber"s sagte, vollkommen aufrecht erhalten. Blanchard's Figuren 
sind wohl prachtvoll in Bezug auf die Technik der Zeichnung, allein sie sind falsch. 

1. Hat Blanchard jene Bänder, welche die Tracheen des Abdomens nieder- 
halten, nicht entfernt, wie ich, und daher die Tracheenblasen nicht gesehen; 
er bringt vielmehr drei Paar Tracheenlängsstämme heraus, ich nur zwei Paare. 

2. Hat sich Blanchard nicht die Mühe gegeben, die Tracheen der Thorax- 
region aus den Muskeln heraus zu präparireu und daher das complicirte, von mir 
gezeichnete Netzwerk gar nicht gesehen. 

Ich glaube daher, dass meine Arbeit gegenüber der oben citirten factisch 
einen Fortschritt der Erkenntniss bedeutet und daher nicht vergeblich war. 



Herr Anton Handlirsch berichtete sodann über einige 
Versuche mit Formalin und demonstrirte verschiedene in dieser 
Flüssigkeit conservirte zoologische Objecto. 



Herr Dr: Carl F ritsch demonstrirte hierauf ein im Wiener 
botanischen Garten cultivirtes, eben zur Blüthe gekommenes Exem- 
plar der Orchis Spitzeiii Sauter, welches von Porta aus Süd- 
tirol eingesendet worden war, und knüpfte daran einige Bemerkungen 
über die geographische Verbreitung dieser Art. 

Orchis Spitzeln v/urde Yon Spitzel im Gebiete des steinernen Meeres in 
Salzburg entdeckt und von Saiitei- als neue Art erkannt. Letzterer benannte sie 
nach dem um die botanische Erforschung der Umgebungen von Lofer im Saalach- 
thaie hochverdienten Forstmeister Anton v. Spitzel und theilte diese Koch mit, 
welcher die Diagnose der neuen Art in der ersten Ausgabe seiner „Synopsis" 



22 



Versammlung am 2. Mai 1894. 



veröffentlichte.^) Später fand Facchini dieselbe Pflanze im Val di Ledro in 
Südtirol. ^) Reichenbach, in dessen „Icones fl. Germ, et Helv." die Pflanze vor- 
trefflich abgebildet ist, ^) fügt noch folgende inzwischen bekannt gewordene Stand- 
orte hinzn:*) Monte Baldo in Südtirol; Schneeberg in Niederösterreich Nagold 
in Württemberg.^) Ausserdem findet sich dort eine var. Sendtneri beschrieben 
und abgebildet, welche auf dem Vlasic (Vlassich) bei Travnik in Bosnien von 
Sendtner gesammelt worden war. Visiani') gibt noch andere Standorte aus 
Bosnien (a Vranduk supra Gradischkie et Bjela ad Travnik, et in monte Vlassich 
et supra Baklari") und sagt mit Eecht, dass die var. Sendtneri von der typischen 
Orchis Spitzeiii Sauter kaum verschieden sei. Auf dem Vlasic wurde die Pflanze 
später von Brandis wiedergefunden.^) Haläcsy sammelte dieselbe auf dem 
Bilimek 'sehen Standorte auf dem Schneeberge in Niederösterreich und veröffent- 
lichte anlässlich dieser Auffindung einen Aufsatz,^) in welchem er die Vermuthung 
ausspricht, dass Orchis Spitzeiii Sauter eine Hybride aus Orchis maculata L. und 
Orchis mascula L. (beziehungsweise Orchis spteciosa Host) sei. Diese sicher un- 
richtige Ansicht hat Haläcsy übrigens später^") selbst widerrufen. — Aus neuerer 
Zeit ist noch der Nachweis des Vorkommens von Orchis Spitzeiii Sauter in Ser- 
bien ^^) und Bulgarien ^^) einerseits, in den See -Alpen Frankreichs^^) andererseits 
von Wichtigkeit. — Ich selbst habe zahlreiche Herbarexemplare aus Südtirol mit 
solchen aus Salzburg, Niederösterreich und Serbien verglichen und kann die 
Identität aller dieser Pflanzen nur bestätigen. 

Wenn wir also die heute bekannte Verbreitung von Orchis Spitzeiii Sauter 
ins Auge fassen, so finden wir, dass dieselbe vorzugsweise den Gebirgen Südtirols 
und der nördlichen Balkanhalbinsel angehört, ausserdem aber einen Standort in 
den See -Alpen, einen in Württemberg und zwei weit von einander entfernte Stand- 
orte im Bereiche der nördlichen Kalkalpen bewohnt: einen in Salzburg, einen in 
Niederösterreich. An diesen beiden Standorten ist die Pflanze sehr selten, in 
Südtirol dagegen wenn auch nicht häufig, so doch zahlreich genug anzutreffen, 
um von dort in Hunderten von Exemplaren in alle Herbarien zu gelangen. Ein 
derart zerstreutes Vorkommen weist stets auf eine weite Verbreitung in früheren 



1) Koch, Synopsis, ed. 1, p. 686. 

2) Ibid., ed. 2, p. 791. 

3) Eeichenbach, Icones fl. Germ, et Helv., XIII, Tab. 383. 
«) Ibid., XIV, p. 41. 

5) Vergl. Neilreich, Nachträge zur Flora von Wien, S. 108. 

fi) Diese Angabe Oeffinger's (Flora, 1845, S. 62) wird dxirch ein im Herbar des Berliner 
Museums liegendes authentisches Exemplar, welches — wie mir Prof. As eher so n auf mein Ersuchen 
freundlichst mittheilt — mit der Südtiroler Orchis Spitzeiii vollkommen übereinstimmt, sichergestellt. 
Visiani, Florae Dalmaticae supplementum alterum, p. 68. 

8) Freyn und Brandis in diesen „Verhandlungen", Band XXXVIII, S. 631. 

9) Haläcsy, Orchis Spifzelü Saut. Eine Hybride? Oesterr. botan. Zeitschr., 1876, S. 263. 
1") Haläcsy und Braun, Nachträge zur Flora von Niederösterreich, S. 58. 

11) Petrovic, Additamenta ad floram agri Nyssani. 
'2) Velenovsky, Flora Bulgarica, p. 525. 

>*) Nanteuil, 1," Orchis Spitzdii Saut., espece fran^aise. Bull, de la Soc. botan. de France, 
XXXIY, p. 70 (1887). Dort auch eine ausführliche Beschreibung und Besprechung der Pflanze. 



Vor.saiiimlimj? um "J. Miii IH'.il. 



Zoitcii hin; dio jot/,i«?(Mi Sliindoiic sind nur als lJc'b('rn!st,(? dieser Verhrcituiig 
anzusehen. 

Onhis S])H::('ln Saut, roilit sich nadi dorn Gesagtcui ymvu in {»(lanzen- 
tjcographischor Hinsicht so intoressautcn IMIanzen an, welche vorzugsweise südlich 
von der Contralalj)enkette vorkommen, aber nördlich von derselben vereinzelte 
Standorte bewohnen. J']ine Anzahl von Beispielen hat Wettstein^) zusammen- 
gestellt; ich möchte ausser Orchis Spitzelii Saut, noch folgende Beispieh^ hinzu- 
lugen: Asplcnimn Seelosii Leyb. ist auf den Dolomitalpen Südtirols häufig, an 
einzelnen Standorten in Kärnten, Krain und Istrien selten;'^) es wächst aber auch 
am Göller in Niederösterreich, ^) wo es A. Wiemann auch heuer wieder für den 
Wiener botanischen Garten sammelte. Fimhristylis annua (All.) ist eine süd- 
europäische Pflanze, die nördlich der Alpen nur an einem Standorte, nämlich 
am Abersee bei St. Gilgen im Lande Salzburg beobachtet wurde.*) Orohus varie- 
gatiis Ten., südlich der Alpen heimisch, kommt in Niederösterreich an einem 
Standorte vor.'^) Auch die südeuropäische Lasiagrostis Calamagrostis (L.) hat 
versprengte Standorte in Baiern, ^) Salzburg') und Oberösterreich.*) 



Botanischer Discussionsabend am 20. April 1894. 

Herr Dr. Ludwig Linsbauer berichtete über einige Ver- 
suche über die conservirende Wirkung von Formol.^) 

Formol als modernstes Gonservirungs- und Fixirungsmittel steht derzeit 
im Vordergrunde des Interesses. Es dürfte daher erwünscht sein, über einige von 
mir mit dieser Flüssigkeit an Pflanzen erzielte Kesultate Näheres zu erfahren. 

Zur Verwendung gelangte in der Kegel eine dem Gehalte an Formal- 
dehyd ^°) nach einpercentige Lösung (erhalten durch Mischung von 97 5 Volumen 
Wasser und 2'5 Volumen Formol). 

Die erste Versuchsreihe begann am 9. März d. J. mit mehreren noch grünen 
Kannenblättern von Nepenthes- Arten. Bis Mitte April waren die Blätter noch 
grün, verfärbten sich aber allmälig, bis sie Ende Mai eine entschiedene Braun- 
färbung zeigten. Auch die diversen rotten Flecken mancher Kannen waren nach 

») Wettstein, Die fossile Flora der Göttinger Breccic. Denkschriften der kais. Akad. der 
Wissensch, in Wien, LIX, S. 520. 

^) Vergl. Luerssen, Farnpflanzen, S. 218. 

3) Vergl. Fehlner in Oesterr. hotan. Zeitschr., 1883, S. 353. 

«) Saut er, Flora des Herzogthums Salzburg. II. Mittheil, der Gesellsch. für Salzhurger 
Landeskunde, VIII, S. 122. — Von den aussereuropäischen Standorten dieser Art sehe ich hier ah. 
Beck, Flora Ton Niederösterreich, S. 88G. 
^] Prantl, Excursionsflora für das Königreich Baiern, S. 103. 
') Sauter, I.e., S. 107. — Fritsch in Oesterr. hotan. Zeitschr., 1894, Nr. 5. 
«) Dörfler in Oesterr. hotan. Zeitschr., 1890, S. 457. 

') In etwas erweiterter Form und mit Berücksichtigung der his Mitte Juni erzielten Ee- 
sultate wiedergegeben. 

»°) Formol enthält bekanntlich 40 "/o dieser Substanz. 



24 



Versammlung am 2. Mai 1894. 



mehreren Wochen braun gefärbt. Der Wachsüberzug auf der Innenseite derselben 
ist aber noch ganz gut erhalten (Mitte Juni). 

Eine zweite Versuchsreihe wurde am 29. März eingeleitet. Ein ganzer Stock 
von Primula acaulis veränderte sich allmälig (bis Ende Mai) in der Weise, 
dass die Blätter, welche etwa einen Monat grünlich blieben, nach einem weiteren 
Monate missfarbig wurden, während die lange Zeit ihre Gelbfärbung (namentlich 
die Orangefarbe des Schlundes) bewahrenden Blüthen allmälig immer transpa- 
renter wurden. 

Aehnlich verhielt sich Ädonis vernalis, dessen sattgelbe Blüthen sich 
lange unverändert erhielten, bis auch sie durch das eindringende Wasser durch- 
sichtiger wurden. Indessen ist noch immer, besonders an den Antheren, die gelbe 
Farbe zu erkennen. Alle grünen Theile, der Blüthenstiel und die Hochblätter 
sind bereits entfärbt. 

Leucojum Vernum ist aus dem schon erwähnten Grunde nach circa 
einem Monate transparent geworden; die Antheren sind noch immer gelblich 
gefärbt. 

Hepatica triloha hat sich, was die Blaufärbung der Blüthen betrifft, 
am schlechtesten conservirt; denn schon nach längstens einem Tage war dieselbe 
verschwunden, um einer schwachen Eosafärbung Platz zu machen, welche ihrer- 
seits bald einen schmutzigen Farbenton annahm. 

Pulsatilla vulgaris hat ebenfalls in ein paar Tagen seine charakte- 
ristische Blüthenfarbe eingebüsst; nur die jüngste Blüthe hielt sich längere Zeit 
unverändert, bis sie eine schwache röthlich-violette Farbe bekam. 

Das Anthokyan von Blüthen der Viola altaica hat sich hingegen gut 
conservirt. Anfangs ging der Farbstoff in das Formal über, welches sodann 
(Mitte April) gewechselt wurde und jetzt nur noch schwach bläulich ist, während 
die Blüthen sehr schön blau gefärbt, Kelch und Blüthenstiel aber bereits ganz 
farblos sind. 

Eine gefüllte dunkelgelbe Narcissus-Blüthe veränderte ihre Farbe 
(vom 6. April an bis Mitte Juni) allmälig in weissgelblich. 
Am 26. April wurden folgende Versuche gemacht: 

Eine Blüthe von Vinca minor wurde in P/oige Formaldehydlösung 
gebracht, woselbst sie schon nach einem Tage vollständig entfärbt war. Ebenso 
erging es einer zweiten Blüthe, welche in Dämpfe der 40% igen Lösung ge- 
bracht wurde. 

Gleichfalls solchen Dämpfen ausgesetzt wurde die Blüthe von Cydonia 
vulgaris, deren Weiss sehr bald dieselbe Bräunung erlitt, wie beim Pressen 
derselben. Viola tricolor mit röthlich-violetter Farbe erhielt diese bis Mitte 
Juni, ebenso die orangegelbe Färbung des Kronenschlundes. 

Sodann sind zwei Eichen mit Gallen zu erwähnen, welche am 4. Mai 
in 2 "/o ige Formaldehydlösung gebracht wurden. Letztere hat sich gelbbraun ge- 
färbt, die Blätter sind gelbgrün geworden. Die anfangs roth gefärbten Gallen 
haben ihre Farbe grösstentheils verloren ; hingegen haben sich die schönen weiss- 
filzigen Cecidien eines anderen Exemplares ziemlich gut conservirt. 



Vorsaminhm^' am Mai IHitl. 



Kill mit Lnthracn s^Kinnnria ausf^criilirtcM- Vcrsucli (t^mI), dass sich 
(lio IMlan/o /war in woiii^oii Ta^^Mi briiuiito, olinc alxM- so dmikcl zu werden, wie 
iu Ak'ühol. 

Was die Kryptoganieii aubelaii«^!,, so wurden Versuclie mit. T'/o Ii<'>HUUg 
gemacht mit: Ciadophorn sp., zwei Gallertiiilzeii, dei- eine von gelblicher 
und grauer, der andere von sammtbrauner Farbe (am D. März, respeetive 0. A])ril 
eingelegt) und einer Gymnofj ramme sp. — Die erstgenannte Alge hat Uber- 
raschend lange, etwa zwei Monate, ihre grüne Farbe erlialten, nach einem weiteren 
Monate aber ist sie bereits ganz entfärbt. Wunderbar schön sind die zwei Pilze 
erhalten geblieben, sowohl nach Farbe als nach Habitus. An dem Silberfarnc 
ist der Wachsüberzug ausserordentlich gut conservirt; der Chlorophyllfarbstoff ist 
aber nach etwa einem Monate zerstört worden. 

Wie der Augenschein lehrt, ist iu allen Fällen der Habitus der ganzen 
Pflanzen, respeetive ihrer Theile sehr gut erhalten geblieben, Schrumpfungen sind 
in augenfälliger Weise nicht aufgetreten. Was die Farben anbelangt, so verhalten 
sich die verschiedenen Farbstoffe verschieden : Chlorophyll verliert allmälig seine 
grüne Farbe. Von Blüthenfarbstoffen scheinen sich am besten der gelbe und das 
Anthokyaublau (in Viola) zu erhalten, während das Blau in Vinca und Hepatica 
ausserordentlich rasch zerstört wird. 

Da die wässerige Lösung mit der Zeit die ganze Pflanze durchdringt, so 
fühlen sich die Pflanzentheile beim Herausnehmen ausserordentlich weich an, und 
besonders die Blumenblätter fallen hiebei ganz schlaff zusammen. Aber trotzdem 
sind die Pflanzen gut schnittfähig, wie man sich leicht überzeugen kann. Die 
gröbere mikroskopische Structur ist sehr gut erhalten. Viel zu wünschen lässt 
meist die Structur des Protoplasmas, indem einerseits im Zellinhalte hin und 
wieder Trübungen aufzutreten scheinen, andererseits der Zellinhalt in der Regel 
sehr stark plasmolysirt ist. 

Doch war die Fixirung gut gelungen im Epithel der Blüthen von Leu- 
cojum. Hier war der Zellkern sammt dem Kernkörperchen sehr deutlich, ebenso 
die Plasmastränge und Vacuolen, eine Plasmolyse kaum wahrnehmbar. Von einigen 
angewandten Eeactionen gelangen sehr gut die Cellulosereaction mit Chlorzinkjod, 
die Reaction auf Verholzung mit Anilinsulphat und mit Phloroglucin + Salzsäure; 
schwach, aber doch zu erkennen war die Reaction mit Mi Hon 's Reagens auf 
Eiweissstoffe. 

Alles in Allem genommen kann das Formol in entsprechender Verdünnung 
als Conservirungsmittel für Pflanzen empfohlen werden, da es nach den bisherigen 
Erfahrungen, was die Erhaltung der Farben anbelangt, den Alcohol entschieden 
übertriff't, wie Controlversuche gezeigt haben. 

Welche Verdünnungen zur Erhaltung der verschiedenen Pflanzenfarbstoffe 
nöthig sind, ob nicht eine nachträgliche Härtung der Pflanzentheile durch Alcohol 
anzuwenden ist, wie die Protoplasmastructuren besser fixirt werden können u. s. w., 
das werden vergleichende Versuche zeigen, über die ich mir vorbehalte in diesen 
Schriften ein anderes Mal zu berichten. 

Z. B. Ges. B. XLIV. Sitz.-Ber. D 



26 



Versammlung am G. Juni 1894. 



Hierauf demonstrirte Herr Dr. Carl Fritsch ein im Wiener 
botanischen Garten zur Blüthe gelangtes Exemplar von Ferrari a 
undulata L. und machte auf die eigenartige Färbung und den 
intensiven Duft dieser Blüthe aufmerksam, deren biologische Bedeu- 
tung wohl nur in ihrer Heimat mit Sicherheit eruirt werden könnte. 

Herr Dr. A. Zahlbruckner besprach das eben erschienene 
Werk: Crombie, British Lichens. L 

Endlich zeigte Herr G. Sennholz japanesische Literatur vor. 



Versammlung am 6. Juni 1894. 

Vorsitzender: Herr Dr. Eugen v. Haläcsy. 



Herr Secretär Dr. Carl Fritsch legte ein Manuscript von 
Dr. F. Werner vor, betitelt: „Die Keptilien- und Batrachierfauna 
der jonischen Inseln" (siehe Abhandlungen, Seite 225), und machte 
hierauf die folgenden Mittheilungen: 

Unser Mitglied Herr Johann Br eidler hat für das Herbarium 
der Gesellschaft die stattliche Anzahl von 1350 Exemplaren ver- 
schiedener Moose gespendet, die um so werthvoller sind, als dieselben 
durchwegs von ihm seihst bestimmt wurden. Herr Breidler unter- 
zog sich ausserdem noch der grossen Mühe, diese Moose selbst in 
das Herbarium der Gesellschaft einzureihen und bei dieser Gelegen- 
heit überhaupt das ganze Moosherbar zu sichten und zu ordnen. 
Für die werthvolle Schenkung sowohl, als auch für die bedeutende 
Mühe, welcher sich Herr Breidler zu unseren Gunsten unterzog, 
gebührt ihm der wärmste und aufrichtigste Dank der Gesellschaft, 
den ich hiemit im Namen des Ausschusses ausspreche. 

Der Herausgeber des botanischen Jahresberichtes, Herr 
E. Köhne in Friedenau bei Berlin, hat in einem an mich gerich- 
teten Schreiben sein Bedauern darüber ausgesprochen, dass ihm 
für die Zwecke dieses Jahresberichtes nur eine sehr kleine Anzahl 



Vorsitiniiiliiiip; um ti. .limi isül 



27 



von Separat -Ah(lrück(»n /ugosciidi^t wird, wäliiend os docli im lii- 
l(M-t'sso der Vollstäiidii^kcit des Herichlcs wüiisclKMiswciili wäre, dass 
allo Aiiloreii bot aiüsclnu' A MiandlungtMi ihm diesftlb(3ii /ii- 
soiulou. Icli möchlo mir dosliall) crlaiiboii, an die Herren Milgliedci 
im Namen des Herrn Köline die JJitte zu rieliien, denselben durch 
Zusendung ihrer Abliandlungen nach Thunlielikcüt zu unterstützen, 
umso mehr, als hiedureh ein rascheres PJrscheinen des Jahres- 
berichtes, welches im Interesse aller Botaniker liegt, ermöglicht wird. 

Aus dem Nachlasse unseres vor Kurzem verstorbenen Mit- 
gliedes A. Nunnenmacher v. Rollfeld ist ein ziemlich umfang- 
reiches Herbarium Europaeum zu verkaufen. Dasselbe enthält 
85 Fascikel Phanerogamen, darunter werthvolle Collectionen von 
Heldreich (Griechenland), Bordere (Pyrenäen), Huter, Rigo und 
Porta (Spanien und Italien) etc. etc. und fast vollständig die Flora 
von Mitteleuropa; ferner ein sehr reichhaltiges, werthvolle Exsiccaten 
enthaltendes Moosherbarium. Sämmtliche Pflanzen sind aufge- 
spannt, gut präparirt, insectenrein und musterhaft geordnet. Auch 
eine Anzahl von botanischen Fachwerken, besonders Handbücher, 
Floren, bryologische Werke etc. sind zu verkaufen. Eventuelle Re- 
flectanten wollen sich an das Secretariat der Gesellschaft wenden. 



Herr Dr. Fr. Krasser demonstrirte einige botanische Objecte 
aus Java, insbesondere die merkwürdigen Knollen von Myrme- 
codia, und legte sodann folgende Mittheilung vor: 

Vergleichend- anatomische Untersuchungen fossiler Hölzer. 

Unter diesem Gesammttitel gedenke ich eine Keihe von vergleichend- 
anatomischen Untersuchungen zu verölf entlichen, welche sich vorwiegend auf 
fossile Hölzer aus Oesterreich beziehen werden. 

Ein solches Beginnen bedarf, glaube ich, keiner besonderen Rechtfertigung, 
umso weniger als gerade die fossilen Holzvorkommnisse Oesterreichs bisher nur 
zum geringsten Theile anatomisch untersucht wurden, obzwar in den verschiedenen 
Museen reichlich Material aufgestapelt ist. Die Erklärung für diese zunächst be- 
fremdende Erscheinung liegt wohl in der Schwierigkeit des Gegenstandes. Denn 
es ist nicht zu leugnen, dass gerade die Untersuchung fossiler Hölzer, welche ein 

D* 



28 



Versammlung am 6. Juni 1894. 



Grenzgebiet der Pflanzeiianatomie und der Phytopaläontologie darstellt, in beson- 
ders hohem Grade die Geduld und Arbeitsfreudigkeit des Untersuchers auf die 
Probe stellen, nicht nur durch die nothwendig werdenden zahlreichen Vergleiche 
mit oft noch sehr oberflächlich oder kaum untersuchten recenten Hölzern, sondern 
insbesondere durch die häufig schlechte Erhaltung des Fossils. Die Untersuchung 
zahlreicher orientirter, aus verschiedenen Partien des fossilen Holzes genommener 
Schnitte oder Schliffe wird dann unerlässlich; nur so kann es gelingen, eine ge- 
nügende Menge anatomischer Details und damit charakteristische Merkmale fest- 
zustellen. Kein Wunder, wenn solche Arbeit zu so pessimistischen Aeusserungen 
über paläophytologische Studien führt, wie sie selbst so bedeutenden Forschern 
auf dem Gebiete der Paläophytologie, wie A. Schenk^) entschlüpften. 

I. Ueber ein „Cedroxylon" aus der Braunkohle von Häring in 

Tirol. 

Vor längerer Zeit hatte ich Gelegenheit, eine Collection fossiler Pflanzen- 
reste der Braunkohle von Häring in Tirol zu besichtigen. Die schöne, von Herrn 
Bergrath i. K. Mitter er zusammengebrachte Aufsammlung enthielt fast aus- 
schliesslich Abdrücke, ausgenommen ein einziges, stark flach gepresstes, etwas 
bituminöses Holzfragment, welches jedoch eine für anatomische Untersuchung 
sehr brauchbare Erhaltung aufweist. Von der Kinde ist leider, wie bei der Mehr- 
zahl der fossilen Hölzer, nichts erhalten. Theilweise war das Holz bereits in 
glänzende Kohle verwandelt. 

Das Holzstück erscheint im reflectirten Lichte in einem lichten Braun, 
welches ich nach Kadde's grosser internationaler Farbenscala Carton 11, Game 33 
als „Braun m" bestimmen konnte, und zeigt schönen Seidenglanz. Im auf- 
fallenden Lichte ist es fast schwarzbraun. Man kann deutlich Jahresringe unter- 
scheiden ; ich zählte mehr als 25 vom Centrum aus. Die Formation der letzteren 
lässt auch deutlich erkennen, dass das in Rede stehende Holz einem mächtigen 
in der Eichtung des Eadius der Querschnittsfläche wirkenden Druck unterworfen 
war. Am Radialbruche erkennt man, wie an einem recenten Holze, die Mark- 
strahlzüge. Wie verhältnissmässig gering die Legnitmetamorphose vorgeschritten 
ist, mag daraus erhellen, dass man bei der mikrochemischen Prüfung die 
Wiesner 'sehe Holzstoff"reaction mit Phloroglucin und Salzsäure in allen Mem- 
branschichten brillant erhält, am stärksten in der Mittellamelle. 

Das Häringer Holz lässt sich mit dem Rasirmesser ganz gut schneiden, 
wenn man die Schnittfläche mit einem Tropfen Kalilauge (ich verwendete solche 
vom ofticinellen specifischen Gewichte) vorher durchtränkt. Dieses Verfahren hat 
mir selbst bei der Untersuchung von weit mehr kohligen Hölzern gute Dienste 
geleistet. Ich muss übrigens bemerken, dass bereits Conwentz in dem von ihm 
bearbeiteten Capitel „Herstellung mikroskopischer Präparate von fossilen Pflanzen" 
des bekannten B ehren s'schen „Hilfsbuch zur Ausführung mikroskopischer Unter- 



') A. Schenk, Paläophytologie. München und Leipzig, 1890. Vorrede. 



V.TN:innnluii- .im li. .Iinu IMH 



21) 



suchuiij^on im botanisulioii Laboraüniiiiii", liiiiuiis(;liw('i{,', 188:{, angibt, dass ch 
sich boi iiiauchon im Alluvium, Diluvium oder in tertiären Sehichten eingcda^jerteii 
bituminösen HiUzern emi»l"eble, die Schnittlliicbe, um ein Austduanderlallen der 
Schnitte /u verhindern, „mit verdünnter Kalilösung an/uieuchten". 

Das durch die Behandlung der Schnittfläche mit Kalilauge verursachte 
Aufquellen der Membranen trägt nur zur Deutlichkeit des Präjjarates bei, da 
hierdurch die durch die Druckwirkung gel'alteten Membranen ihre natürliche 
Gestalt sehr häufig wieder annehmen. Wirkt die Kalilauge in unerwünschter 
Weise auf das rrä})arat ein, so hat man es ja in der Hand, ihre Wirkung durcli 
Wasserzufuhr zum Präparate in gewünschtem Masse aufzuheben. Meist wird nuin 
jedoch die Dünnschnitte direct in Kalilauge beobachten. 

Durch die anatomische Untersuchung Hessen sich die folgenden Thatsachen 
constatireu : 

Querschnitt: Holz gefässlos, ohne Harzcanäle. Mit Jahresringbildung. 
Wände der Holzelemente mit Hoftüpfeln, die jedoch nur an besonders glücklich 
geführten Schnitten in Erscheinung treten. Die Zellwände erscheinen geschichtet 
und tritt insbesondere die Mittellamelle scharf hervor. Die Markstrahlen er- 
scheinen eine Zelle breit. 

Radialschuitt: Coniferenholzstructur. Tracheiden mit grossen Hoftüpfeln, 
diese einreihig angeordnet. Schraubige Verdickungsschichten der Tracheidenmem- 
branen nicht vorhanden. Die Markstrahlen sind radial gestreckt und erscheinen 
aus lauter gleichartigen Elementen zusammengesetzt, deren Membranen poröse 
Verdickung zeigen ; es sind durchaus nur „Porenmarkstrahlenzellen" vorhanden. 
In einzelnen Markstrahlenzellen finden sich harzige Massen. Die kurzen Seiten- 
wände der Markstrahlenzellen sind meist stark geneigt. 

Holzparenchym wurde nicht beobachtet, und muss das Holz nach den zahl- 
reichen, verschiedenen Theilen des Fragmentes entnommenen Schnitten als frei 
von Holzparenchym betrachtet werden; Holzparenchym könnte höchstens spärlich 
vorhanden sein. 

Tangentialschnitt: An den Radialwänden zeigen sich stellenweise die 
Hoftüpfel gut durchschnitten, so dass sich der Bau derselben beobachten lässt. 
Letzterer stimmt vollständig mit dem der Hoftüpfel recenter Coniferenhölzer 
überein, wie ja vorauszusehen war und auch bekannt ist. An sehr gelungenen 
Schnitten konnte sogar der „Knoten" im Hoftüpfel .beobachtet werden. Die Mark- 
strahlen erweisen sich am Tangentialschnitte als durchaus einreihig und frei von 
Harzgängen. 

Schon durch den am Querschnitte erkennbaren Mangel von Gefässen stellt 
sich das in Rede stehende Object mit hoher Wahrscheinlichkeit als Coniferenholz 
dar. Volle Gewissheit ist aber erst durch die Betrachtung der Längsschnitte zu 
erlangen, denn bekanntlich gibt es auch einige Angiospermengattungen mit ge- 
fässlosem Holze. Es sind dies: Drimys, Tasmania, Trochodendronimd Sphaero- 
stema, insgesammt den Magnoliaceen im weiteren Sinne zugehörig. Die unter- 
scheidenden Merkmale des Holzes dieser Gattungen gegenüber den Coniferen sind 
am leichtesten im Bau der Markstrahlen zu constatiren. Die Markstrahlenzellen 



30 



Versammlung am 6. Juni 1894. 



sind nämlich nicht wie bei den Coniferen radial, sondern in der Richtung der 
Axe gesti-eckt. Im Uebrigen besteht das Holz der angeführten Gattungen nur 
aus behöft getüpfelten Tracheiden und besitzt nicht einmal in den primären 
Holztheilen echte Gefässe, während sich im Primärholze der Coniferen bekannt- 
lich Schraubengefässe finden.*) 

Die fossilen Coniferenhölzer sind wiederholt Gegenstand der Bearbeitung 
gewesen und haben insbesondere Goppert und Kraus diesen Objecten ein- 
gehendes Studium gewidmet. Namentlich die Arbeiten des letztgenannten Forschers 
haben zur Aufstellung einer verlässlichen, bei Bestimmungen brauchbaren Ueber- 
sicht der anatomischen Verhältnisse geführt, und es entspricht dieses System 
insbesondere in der Form, welche ihm A. Schenk^) in dem für die paläophyto- 
logische Forschung so bedeutenden Werke „Paläophytologie" (II. Abth. des von 
Z Ittel herausgegebenen Handbuches der Paläontologie) gegeben hat, allen An- 
forderungen kritischer Behandlung. 

Zur Uebersicht über das auf Grund der Untersuchungen von Göppert, 
Kraus und Schenk aufgebaute System der fossilen Coniferen diene das folgende 
Schema : 

I. Radialtüpfel der Tracheiden sich berührend, wenn einreihig ober- und unter- 
seits abgeplattet, wenn mehrreihig hexagonal. (Typen: Äraucaria, Dammara.) 

Araucarioxylon Kraus. 

II. Hoftüpfel, einreihig, wenn zweireihig opponirt. 
L Tracheiden ohne schraubige Verdickung. 

Ä. Harzführendes Parenchym sparsam oder fehlend. (Tj]-)en: Ahies, Cedrus, 
Tsuga.) Cedroxylon Kraus. 

B. Harzführendes Parenchym reichlich. (Typen: Cupressaceen, Podocar- 
peen, Cunninghamie, Taxodineen, Fliyllocladus, Daerydium, Gingko, 
Saxogothea, Ahies Wehhiana.) Cupressinoxylon Göppert. 

C. Harzgänge vorhanden. (Ty])en: Picea, Larix, Pseudotsuga, Pinus.) 

Pityoxylon Kraus. 

2. Tracheiden mit schraubiger Verdickung. Ohne harzführendes Parenchym 
und Harzgänge. (Typen: Taxus, Torreya und Cephalotaxus.) 

Taxoxylon Kraus. 

Die genaue Untersuchung des Häringer Coniferenholzes ergab: Tracheiden 
mit einreihigen Hoftüpfeln und ohne schraubige V erdickung, weder harzführendes 
Parenchym noch Harzgänge; Avir müssen darnach das fossile Coniferenholz von 
Häring als zu Cedroxylon Kraus gehörig ansprechen. 

Nähere Angaben über den Bau von Drimijs und den übrigen oben erwähnten Gattungen 
findet man bei: Göppert, lieber die anatom. Structur einiger Magnoliaceen. Linnaea, XVI, p. 135 if. 
— Ei chlor, Bemerkungen über die Structur des Holzes von Drimijs und Trochodendron. Flora, 
1864, S. 449ff. — De Bary, Vergleichende Anatomie, Leipzig, 1877, S. 509. — Solereder, Ueber 
den systematischen Werth der Holzstructur, München, 1885, S. 51 ff. — Engler und Prantl, Nat. 
Pflanzcnfamilien, Heft IG, 1888. 

") A. Schenk, Paläophytologie, München und Leipzig, 1890, S. 848 u. f. Hier auch die 
wichtigste Literatur; ferner A. Schenk, Die fossilen Pflanzenreste, Breslau, 1888, S. 162 f. 



Voisaiiiinlunj^ iini (I. .Iiiiii IMM. 



31 



Untor J{oriicksi('litij,nmjX iiciionT l'iil('isn('liim<^('n ci'^ihl. sich für (Jcdroxylou 
Kraus (lio naclisti'lKMul verzcMchiicto ausrülirliclio I)ia|i;iiosc : .lalirosriiif^c; bn'it., 
(loutlicli, Hortüptol ^ross, cinroihijj;, vvonu zwoircilii;^^ oitpoiiirt. IlMr/,rülir(;ii(lo Zellen 
sparsam oder t'ehlend. MarkstrahleuzcUen gleichartig oder ungloicliartig, entweder 
alle mit einfacheu Tüpfeln (Poren) oder obere und untere Kcihe mit IIoflü])feln. ') 

Die für „Ccdroxylon" in Betracht kommenden recentcn 'ry])en sind, wie 
bereits früher gelegenllieh der Uebersicht über das K raus-Sclienk'sche System 
hervorgehoben wurde, Äbics, Cedrus und Tsnga. 

Ks bleibt also noch zu untersuchen, welchem dieser recentcn 'J'yp(!n das 
Häringer Cedroxylon unterzuordueu ist. 

Tsuga, 

Bei Tsuga Carr. besteht nach den Untersuchungen von Nakamura^) 
das Holz nur aus Tracheiden und hat keine Harzcanäle, die Zellen sind 
sehr dickwandig und deutlich gestreift, mit abgerundeten Zellräumen, besonders 
in der Herbstschichte. Der Uebergang vom Frühjahrsholz ins Herbstholz ist sehr 
allmälig. Die Markstrahlen bestehen aus zweierlei J]lementen, aus Parenchym 
und Tracheiden. Aus letzteren setzen sich in der Kegel nur die beiden äussersten 
Zellreihen des Markstrahles zusammen, doch kommen auch wenigzellige Mark- 
strahlen vor, welche einzig und allein aus Tracheiden bestehen. Die Markst rahl- 
tracheiden weisen auf den tangential verlaufenden Scheidewänden 1 — 2 Hoftüpfel 
auf. Wie man leicht an den Radialwänden erkennen kann, sind die Hoftüpfel 
ungleich gross und besitzen spaltenförmigen Porus. Die Parenchymzellen haben 
einfache poröse Verdickung. Die Poren sind spaltenförmig und von links nach 
rechts gewendet, 2—4 in einer Tracheiden weite. Die Markstrahlen sind zahlreich, 
einreihig und enthalten stets Harzsubstanz. In reichlicher Menge finden sich 
Harzkörper in selten vorkommenden Parenchymnestern, welche aus einigen stark 
verdickten, in Gestalt eines kleinen Harzcanales gruppirfen Zellen bestehen. Durch 
diese Eigenthümlichkeit entfernt sich Imga einigermassen vom Typus Cedroxylon. 

Neuerdings wird Tsuga Carr. z. B. in Eichler, Coniferae (in Engler und 
Prantl, Natürl. Pflanzenfamilien, II, 1, S. 80), in erw;eitertem Sinne genommen, 
indem Pseudotsuga Carr. hiezu einbezogen wird," In diesem erweiterten Umfange 
erscheinen dann zwei dem Holzbaue nach leicht unterscheidbare Artengruppen 
zusammengezogen. Mit Bezug auf das Vorhandensein von Harzgängen im Holze 
stellt sich Pseudotsuga zu Tsuga wie Picea zu Äbies. 

Cedrus, ^ 

Cedrus ist dadurch ausgezeichnet, dass die Mehrzahl der Holzzellen dick- 
wandig ist, und nur wenige den Charakter der Frühlingsholzzellen aufweisen. 
Ausserdem ist Holzparenchym vorhanden, welches so dickwandig ist, wie die 



») Conf. Schenk, Paläopliytologie, S. 862. 

2) Yaroku Nakamura, Ueber den Bau des Holzes der wichtigsten japanischen Coniferen. 
Unters, a. d. forstbotan. Inst. München, III, 1883. 



32 



Versammlung am 6. Juni 1894. 



Trache'iden. Am radialen Längsschnitte besitzen die erwähnten Elemente keine 
Tüpfelung, aber am Tangentialschnitte zeigen einige dieser Holzparenchyrazellen 
rundliche behöfte, andere nnbehöfte Spaltentüpfel. Die Markstrahlen sind ein- 
reihig, ihre Zellen kurz, sehr dickwandig und von zahlreichen Poren, welche 
niemals behöft sind, durchsetzt.^) 

Abies, 

Ähies besitzt sehr scharf hervortretende Jahresringe, alle Markstrahlen sind 
gleichmässig und nur eine Zelle breit, die Markstrahlenzellen sind stets nur einerlei 
Art, nämlich Porenmarkstrahlenzellen. Die Trache'iden besitzen stets einreihige 
Anordnung der Hoftüpfel. Holzparenchym findet sich sehr spärlich und wurde 
daher lange übersehen. Harzcanäle sind nicht vorhanden, 

* 

Vergleichen wir die eingangs der vorliegenden Untersuchung mitgetheilte 
anatomische Beschreibung des Häringer Coniferenholzes mit den über die Typen 
Tsuga, Cedrus und Ahies festgestellten anatomischen Thatsachen, so werden wir 
hei Ähies dieselben anatomischen Verhältnisse wie bei dem fossilen Holze von 
Häring finden. Schon die Betrachtung der radialen Schnitte führt uns zu dieser 
Anschauung, denn an diesen sehen wir, wie bei Äbies, durchaus Porenmarkstrahlen, 
keine Eandmarkstrahlenzellen mit behöften Tüpfeln (Markstrahlentraeheiden), was 
für Tsuga, noch Holzparenchym, was für Cedrus sprechen würde. 

Gegen Cedrus spricht von den besonders auffallenden Merkmalen auch schon 
die deutliche Scheidung des Holzkörpers des Häringer Fossils in typisches Früh- 
jahrs- und Herbstholz (Frühholz und Spätholz Burgerstein's).^) 

Das mir zur Untersuchung vorgelegene fossile Holz von Häring ist also 
ein Cedroxylon mit dem Holzbau von J.?> res. Allerdings finden sich unter den 
Blatt- und Zweigabdrücken der fossilen Flora von Häring, soweit ich sie aus 
eigener Anschauung, wie aus den Abbildungen der grossen Abhandlung von 
C. V. Ettingshausen^) kenne, weder die Abdrücke von Tannennadeln, noch von 

') Zur Literatur über den anatomischen Bau des Holzes von Cedrus finden sich bei Möller, 
Beiträge zur vergleichenden Anatomie des Holzes. Denkschr. der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, 
mathem.-naturw. CL, Bd. XXXVI, 1876, S. 311. 

2) Nähere einschlägige Angaben über die anatomische Beschaffenheit des Typus Abies siehe 
bei Wiesner, Rohstoffe, Leipzig, 1873, S. G19, und bei Hart ig. Die anatomischen Unterscheidungs- 
merkmale der wichtigeren in Deutschland wachsenden Hölzer, 3. Aufl., München, 1890, S. 7. Auch 
sei hier erwähnt, dass nach den Untersuchungen von Dippel, Botanische Zeitung, 1863, S. 253 ff., 
bei Abies pectinata, wenn auch nur sehr spärlich, Harzgänge im Holze vorkommen können. , 

^) Diese entschieden nur zu billigende Nomenclatur wurde von A. Burgerstein aufgestellt 
in seiner eingehenden und auch für die Phytopaläontologie höchst wichtigen Untersuchung: Ver- 
gleichend-anatomische Untersuchungen des Fichten- und Lärchenholzes. Denkschriften der kais. 
Akad. der Wissensch, in Wien, mathem.-naturw. Cl., Bd. LX, 1893. Gründlicher als für Picea und 
Larix wurden die Difterentialdiagnosen des Holzes wohl noch für keine anderen Gattungen (respective 
anatomische Typen) klargelegt. 

") C. v. Ettingshausen, Die tertiäre Flora von Häring in Tirol, Wien, 1855. Abhandl. 
der k. k. geolog. Reichsanstalt, Bd. II. 



ViT-nimiliin^' mim f. .Iiini IS'.il 



T;iniionzwoij?oii oder /i;ii)ri'iisi'lni|>|K'ii, wi-lclic liicilicr gestellt weificn koiiiilcii. 
Nichtsdostowoiiigor kann abur iiaeh dem aiiatoiiiisidieii Befunde an der Existenz 
von Oonifereu mit der llolzstructur von Alncs in der fossilen b'lora von Jiäriup^ 
nieht jjezweifelt werden. 



Herr J)r. Carl Friiscli logto liierauf den el)en erschienenen 
zehnten iiiiil letzten Band der von Pariatore begonnenen, von 
Carnel .,vollendeten" „Flora Italiana" vor nnd besprach speciell 
Carnel's System der Uosifloren. 

Caruel hat sich nunmehr der ihm offenbar sehr unangenehmen Ver- 
pflichtung, Paria tore's „Flora Italiana" zu vollenden, gewaltsam entledigt, 
indem er einfach eine Anzahl von Familien nur dem Namen nach und unter 
Hinweis auf Bertoloni's „Flora Italica" aufzählt. Dass am Schlüsse sogar die 
ganzen Ki-yptogamen auf 19 Druckseiten „bearbeitet" sind, erscheint geradezu 
lächerlich. Wahrscheinlich handelte es sich Caruel um möglichste Bekannt- 
machung seines Systems. 

Wirklich behandelt sind in diesem Bande nur die Gattungen: Rosa, Rubus, 
Fragaria, Potentilla, Ceratonia, Gerds, Änagyi'is, Lupinus, Adenocarpus, 
Argyrolobium, Laburnum und — durch Terracciano — die Resedaceen. Unter 
den Phanerogamen-Familien, welche nur dem Namen nach angeführt sind, seien 
nur als Beispiele die Saxifragaceen, Cruciferen, Ranunculaceen, Euphorbiaceen 
und Salicineen genannt. 

Zu dem speciellen Thema dieses Vortrages — der Besprechung des Caruel- 
schen Rosiflorensysteras — übergehend, möchte ich zunächst hervorheben, dass 
Caruel unter dem Ordnungsnamen „Rosißo7-ae'^ die Rosaceen (im weitesten Sinne) 
und Leguminosen zusammenfasst. Innerhalb dieser Ordnung unterscheidet er 
sieben Familien: Fragariaceae, Drgadaceae, Chrysobalanaceae, Prunaceae, Mi- 
mosaceae, Caesalpiniaceae und Phaseolaceae (Papilionaceae). Die letztgenannten 
drei Familien werden allgemein in demselben Sinne unterschieden und bedürfen 
daher keiner Besprechung. Die eigenartige Abgrenzung der vier ersten Familien 
soll dagegen hier einer Kritik unterzogen werden. 

Zu den Fragariaceen rechnet Caruel die Gattungen Rosa, Rubus, 
Fragaria und Potentilla. Er charakterisirt diese Familie — wenn wir von den 
allen Rosaceen gemeinsamen Merkmalen absehen — durch die zahlreichen Car- 
piden, die hängenden Samenknospen und den umgekehrten Embryo. Thatsächlich 
ist die nahe Verwandtschaft zwischen Rubus, Fragaria und Potentilla unleugbar, 
und auch Rosa kann immerhin an Rubus angeschlossen werden, obschon die 
Blüthenachse wesentlich anders ausgebildet ist. 

Die Dryadaceen, welche von einheimischen Gattungen Dryas, Geum und 
Waldsteinia enthalten, unterscheiden sich von den Fragariaceen durch die auf- 
rechten oder aufsteigenden Samenknospen und den aufrechten Embryo. Die 

Z. B. Ges. B. XLIV. Sitz.-Ber. E 



34 



Versammlung am b. Juni 1804. 



Natürlichkeit dieser Gruppe iyt niclit zu leugnen; nur scheint die Abtrennung 
derselben als eigene Familie kaum zu rechtfertigen, da z. B. Waldsteinia und 
Geum mit Potentilla entschieden näher verwandt sind als letztere mit Bosa. 

Ganz unnatürlich sind aber die beiden folgenden Familien. Zu den Chryso- 
balanaceen rechnet Caruel ausser den echten, tropischen Vertretern dieser 
Gruppe alle Pomaceen, weil sie ebenfalls wie jene aufrechte oder aufsteigende 
Samenknospen und einen aufrechten Embryo haben. Von den Dryadaceen weicht 
diese Familie durch die Reduction der Carpidenzahl auf wenige oder ein einziges 
ab. — Die Zusammenstellung der Chrysobalanaceen und Pomaceen in eine Familie, 
aus welcher aber die den ersteren entschieden verwandten Amygdalaceen und die 
den letzteren nahestehenden Spiraeaceen ausgeschlossen werden, ist geradezu 
paradox. Die Chrysobalanaceen haben stets ungetheilte, ganzrandige Blätter, oft 
traubenähnliche oder geknäuelte Inflorescenzen, entschiedene Neigung zur Zygo- 
morphie der Blüthe, nicht selten abortirte Kronblätter, stets nur ein einziges 
freies Carpid mit grundständigem Griffel und stets nur zwei Samen- 
knospen, endlich mehr oder weniger Prunus-ähnliche, einsamige 
Steinfrüchte, an deren Bildung die Blüthenachse niemals betheiligt 
ist. Die Pomaceen dagegen haben in der Mehrzahl der Fälle gesägte, nicht selten 
getheilte Blätter, gewöhnlich ebensträussige oder doldige Inflorescenzen, stets 
actinomorphe Blüthen mit gut entwickelten Kronblättern, fast ausnahmslos^) 
mehr als ein Carpid, immer aber dieCarpidenmit der Blüthenachse 
verwachsen, mit an der Spitze inserirten Griffeln und manchmal 
mehr als zwei Samenknospen, ferner Scheinfrüchte, an deren Bil- 
dung die Blüthenachse betheiligt ist. Es sind dies wohl Merkmale genug, 
welche eine nahe Verwandtschaft zwischen den Chrysobalanaceen und Pomaceen 
unbedingt ausschliessen. 

Die bunteste Gesellschaft findet sich in Caruel 's Familie der Pruna- 
ceen zusammengewürfelt, welche neben der Gattung Prunus noch die Spiraea- 
ceen und Sanguisorbeen (Ägrimonia, Äremonia, Alchimilla, Sanguisorha und 
Poterium) enthält. Begründet erscheint diese Zusammenfassung damit, dass alle 
diese Gattungen nur wenige wirtelständige oder ein einziges Carpid haben wie die 
Chrysobalanaceae, aber hängende Samenknospen und einen umgekehrten Embryo 
wie die Fragariaceen. Wenn man die Amygdalaceen mit irgend einer anderen 
Gruppe der Rosifloren vereinigen wollte, so könnten dies nur die Chrysobalana- 
ceen sein; mit diesen haben sie den Habitus, das Vorhandensein eines einzigen, 
freien Fruchtblattes und die Steinfrüchte gemein. Allerdings unterscheiden sie sich 
von ihnen durch meist gezähnte Blätter, stets actinomorphe Blüthen und den 
niemals grundständigen Griffel, weshalb ich schon vor einigen Jahren für die 
Abtrennung der Chrysobalanaceen als eigene Familie eingetreten bin.^) Die 
Spiraeaceen haben mit den Amygdalaceen viel weniger Merkmale gemein als mit 
den Pomaceen. Sie haben mit letzteren die Neigung zur Theilung der Blätter, 



1) Ausnahmen : Chamaemeles Lindl. ; Arten von Crataegus. 

2) Siehe diese „Verhandlungen", 1888, Sitzungsber., S. 'J3. 



V.M's.iiiniilim); mim .Iiini is:i| -Jf) 

ilic liitlorosci'ii/A'ii, (Iii' iiioliriMvn wirh'li},' ^•(•slclllcii (Jji r|>iileii und iiiibusl iiiimU; 
Zalil iliT SniiuMikiiDsiKMi «jomcin — laulcr Miirkiiiali«, die sie von den Ainy{,'dala- 
iren sdiarF tiviiiieii. J)io Spiraoacoeii können daher, wenn man sie nielit als eigene 
Familie (beziühuugsweise Untürtamilie) botrachteu will, höchsleus mit den l'uma- 
ceeu vereinigt werden, wie dies auch Maxiinovicz^) gethau hat. Was endlich 
die Sanguisorbeen belritt't, so schliesseu sich diese in ihrem Habitus und der 
Mehrzalil ihrer Merkmale so enge an die liosnceae s. str. an und sind den Amyg- 
dalaeeen in jeder Ikv-iehung so unähnlich, dass an directe verwandtschaftliche 
Ikziehuugen absolut nicht zu denken ist. Die Blattformen, die Inüoresceuzen, 
das Perianthium (oft mit Ausseiikelch!), das Androeceum, die Früchte — alles 
ist ganz anders als bei den Amygdalaceen, w.ährend es kaum eines Hinweises 
bedarf, dass Gattungen wie Alchimilla und Arenionia unzweifelhaft als Ver- 
bindungsglieder zwischen den Potentilleen und den typischen Sangui.sorbeen anzu- 
sehen sind. 

Wir kommen also zu dem Schlüsse, dass das Caruel'sche System der 
Rosifloren ein ganz künstliches ist, durch welches die natürlichen Grupi)en aus- 
einandergerissen und einander fremde Typen zusammengestellt werden. Man sieht 
an diesem Beispiele sehr gut, wohin man kommt, wenn man in der Systematik 
einzelne Merkmale, die man aus irgend einem Grunde für wichtiger hält als 
andere, herausgreift und nach Massgabe derselben die Pflanzenformen grup|)irt, 
ohne sich um deren sonstige Eigenschaften zu kümmern. Es sollte doch heute 
nicht mehr nöthig sein, immer wieder zu betonen, dass man eine natürliche 
Gruppirung nur dann erhalten kann, wenn man alle an der Pflanze 
vorkommenden Merkmale gleichmässig berücksichtigt. 



Schliesslich machte Herr Dr. E. v. Haläcsy die Mittheilung, 
dass nach seinen Untersuchungen der von Boissier in dem Supple- 
mentum zur „Flora orientalis" beschriebene Ranunculus Orplianidis 
mit Ranunculus serhicus Panc. identisch sei, und dass auch Äquilegia 
Ottonis und Amaliae nur schwierig auseinander gehalten werden 
können. 



1) Maximovicz, Adnotationes de Spiraeaceis. Acta horti Petropolitani, VI. — Vergl. auch 
Engler in Natürl. Pflanzenfamilien, III, 3, S. 11. 



E 



36 



Versammlung am 4. Juli 1894. 



Versammlung am 4. Juli 1894:. 

Vorsitzender: Herr Dr. Franz Ostermeyer. 

Anschluss zum Schrifteiitausch: 
Porto: Annaes sciencias naturaes. 



Eingesendete Gegenstände: 
466 Stück Insecten für Schulen von Herrn H. Schollmay er. 



Herr Secretär Dr. Carl F ritsch legte das soeben im Drucke 
vollendete, von der Gesellschaft herausgegebene Werk: Schieder- 
mayr, Nachträge zAir systematischen Aufzählung der im Erzherzog- 
thume Oesterreich ob der Enns bisher beobachteten samenlosen 
Pflanzen (Kryptogamen), vor und theilte mit, dass dasselbe zum 
Preise von 1 fl. 50 kr. für Mitglieder und 2 fl. 50 kr. für Nichtmit- 
glieder durch das Secretariat zu beziehen sei. 

Ferner theilte derselbe mit, dass das von Herrn J. A. Knapp 
zusammengestellte Kegister zu den Jahrgängen 1881 — 1890 dieser 
„Verhandlungen" druckfertig vorliegt und sofort in Druck gelegt 
werden wird. 

Endlich machte der Secretär noch bekannt, dass nach Beschluss 
des Ausschusses das III. und IV. Quartalsheft heuer vereinigt zu Ende 
des Jahres 1894 ausgegeben werden. 



Herr Dr. W. Figdor hielt einen Vortrag: „lieber eine eigen- 
thümliche Krümmungserscheiuung des Gynophors von 
Bocconia frutescens L." 

Obwohl wir im Grossen nnd Ganzen betreffs des Einflusses von Licht und 
Erdschwere auf die vegetativen Organe des Pflanzenkörpers gut orientirt sind, so 
müssen wir uns doch eingestehen, dass wir die helio- und geotropischen Erschei- 
nungen, soweit sie sich auf Blüthen beziehen, wenig kennen. Der Grund hiefür 



V(Msiuniiiliinp Ulli 1 .luli is:il. 



37 



Wogt -wohl in der Schwi(M-igkoit, mit wch^lu r der Kxiieriiiicntator zu kiim]>fcn hat, 
um dio oft äusserst com})lic,irt aul'trcteiidcn Verliiiltnisso ursiiclilidi mit dor einen 
oder der anderen Kraft in Zusammenliang zu brinf,'en. 

Einige Angaben bezüglich der Einwirkung der Erdschwere auf Blüthontheilc 
finden wir gelegentlich bei Wiesner*) erwähnt. Derselbe Forscher war auch der 
Erste, der auf die positiv geotropischen Eigenschaften der Perigone von Clivia 
nobilis'^) hinwies. Als einen Beitrag zu dem bisher Bekannten möchte ich Fol- 
gendes erwähnen. 

Bei Gelegenheit eines eintägigen Ausfluges, den ich von Nuwara Elija auf 
Ceylon nach Hakgala, wo sich ein kleinerer botanischer Garten — a branch 
garden of Perädenija — befindet, unternommen hatte, fielen mir die Fruchtstände 
einer Papaveracee, namens Bocconia frutescens L. dadurch auf, dass an den- 
selben die nahezu reifen Früchte parallel zu einander und parallel zum Erdradius 
orientirt waren, mochten die Fruchtstände wie immer zur Hauptaxe gelagert ge- 
wesen sein. Diese Stellung wurde dadurch hervorgerufen, dass die Gynophore, 
die an den reifen Früchten eine Länge von ca. 1 cm erreichen, nach aufwärts 
gekrümmt waren. 

An den in der Anthese befindlichen Inflorescenzen (Eispen) ist diese Er- 
scheinung nicht zu beobachten; das Gynophor ist kurz, unansehnlich, und stellt 
sich die Krümmung erst allmälig nach erfolgter Befruchtung mit dem Heran- 
wachsen der Frucht ein. 

Obwohl es mir in Folge Zeitmangels leider unmöglich war, mit Hilfe des 
Experimentes der Ursache dieser Erscheinung näher zu treten, kann ich doch, da 
ich viele Blüthen- und Fruchtstände in den verschiedensten Lagen und Stadien 
gesehen, keinen Anstand nehmen, die Krümmung des Gynophors als eine Erschei- 
nung des negativen Geotropismus — der ab und zu durch Epinastie verstärkt 
wird — anzusprechen. 



^) Wiesner, Die heliotropischen Erscheinungen im Pflanzenreiche, II. Theil, S. 64 ff. 
2) Wiesner, Notiz üher eine Blüthe mit positiv geotropischen Eigenschaften. Berichte der 
deutschen hotan. Gesellsch., Bd. X, Heft 1, 1892. 



39 



Versaiiiiiiliiiiii* am JJ. October 1894. 

Vorsitzender: Herr Dr. Eugen v. Halacsy, 



Neu eingetreteup Mitglieder: 

_ „ Als Mitsrlied bezeichnet durch 

P- T- Herr ^ 

Hummler Gustav P., Bankbeamter, Kloster- 

ueuburg A. Handlirsch, L. Gangibauer. 

König Anton, Drd. phil., Wien, VIII., Laudon- 
gasse 30 Dr. F. Brauer, A. Handlirsch. 

Melichar, Dr. Leop., k. k. Ministerialsecretär A. Handlirsch, J. Kaufmann. 

Rammler, Dr. Franz, k. u. k. Stabsarzt, Wien, 

XVII., Hauptstrasse Dr. E. Chimani, A. Handlirsch. 



Anschluss zum Schriftentausch: 

Aar au: Aargauische naturforschende Gesellschaft. 
Marseille: Faculte des Sciences. 



Eingesendete Gegenstände: 

Conchylien aus dem Isonzogebiete von Herrn Dr. H. v. Gallenstein. 
200 Insecten und 400 Mollusken für Schulen von Herrn A. Handlirsch. 
14 gestopfte Vögel, 300 Insecten und 100 Mollusken für Schulen vom 
k. k. naturhistorischen Hofmuseum. 



Herr Secretär Dr. Carl Fritsch legte ein Manuscript von 
K. Loitlesb erger vor, betitelt: „Vorarlbergische Lebermoose". 
(Siehe Abhandlungen, Seite 239.) 



Herr Hofrath Dr. C. Brunn er v. Wattenwyl legte unter 
Besprechung des Inhaltes seine „Monographie der Pseudo- 

Z. B. Ges. B. XLIV. Sitz.-Ber. F 



40 



Versammlung am 3. October 1894. 



phylliden" vor. Dieselbe wird von der Gesellschaft als selbst- 
ständiges Werk herausgegel>en. 



Hierauf sprach Herr Dr. Günther Ritter Beck v. Manua- 
getta „lieber die Verbreitung der Schwarzföhre {Pinns 
nigra Arn.) in den nordwestlichen Balkanländern". 

Der Vortragende besprach zuerst im Allgemeinen die geographische Ver- 
breitung der Schwarzföhre {Pinns nigra Arnold) und wies nach, dass diesem 
Baume von jeher ein hohes Interesse entgegengebracht wurde, welches sich nicht 
allein darin begründet, dass demselben ein hoher "Werth als Forstbaum zukomme, 
sondern das sich auch aus pflanzengeographischen und pflanzengeschichtlichen 
Gründen ableiten lasse. Hofrath v. Kerner, Freiherr v. Seckendorf und der 
Vortragende haben ihr Verhalten in Niederösterreich genauer studirt, Letzterer 
auch die Nomenclatur derselben hoffentlich endgiltig festgesetzt. 

Die Forschungen des Vortragenden in den nordwestlichen Balkanländern, 
in der Heimat derselben, waren Gegenstand der Ausführungen. 

Da die Schwarzföhre ebenso wie in Niederösterreich fast niemals eine für 
ihre Pflanzengenossenschaft charakteristische Art im Unter- und Niederwuchse 
aufnimmt, gelingt es, ihr Vorkommen daselbst in zwei Areen zu gliedern. Das 
Auftreten der Schwarzföhre im adriatischen Litorale, insbesondere in Dalmatien 
in Gemeinschaft mit mediterranen Elementen ist für das eine Gebiet bezeichnend, 
die Vereinigung derselben mit mitteleuropäischen und Balkanpflanzen ist für den 
anderen Bezirk bestimmend. Das Hauptgebiet fällt letzterem zu. Zwischen dem 
Kopaonik in Serbien und der Drina, insbesondere in den Gebirgen zwischen dem 
Lim und der westlichen Morava herrschen Schwarzföhren in der Waldbildung 
vor, und zwar vornehmlich auf paläozoischen Gesteinen. Weiter gegen Westen 
und Nordwesten verbreitet sich die Schwarzföhre vornehmlich auf den Kalkfelsen 
der tief eingeschnittenen Flussthäler. In den Schluchten der Drina und Tara 
reicht sie bis nach Montenegro und gegen Zwornik, an der Miljacka bis gegen 
Sarajevo, entlang der Sutjeska bis zum Cemernosattel, an der Narenta von Gla- 
vaticevo bis an das Felsendefilee von Jablanica. 

Isolirte Standorte besitzt sie an der Suljaga bei Kupres, am Vlasic und 
im Sprecathale bei Turia und Podselovo, hier auf Serpentin. Vereinzelt ist ihr 
Vorkommen in Montenegro im Orjen- und Gubargebiet und zwischen Korman 
und Zmijnica. Vielfach wurde aber Pinus leucodermis daselbst für die Schwarz- 
föhre gehalten. 

In der Litoralzone entbehrt die Formation der Schwarzföhre am Velebit, 
in den Paklenicaschluchten bei 600 — 700 m, wahrscheinlich ebenfalls der medi- 
terranen Elemente. 

Hochinteressant ist die Vereinigung der Schwarzföhre mit mediterranen 
Elementen im zweiten Theile ihres Verbreitungsgebietes, wie es auf der gebirgigen 



V»>rsiiiiimhiiijj am 7. Ndvimlicr IKiM 



41 



Halbinsel Sabioiicollo, an den Abhängen des liiokovo l)ei Hrchi und Hast, bei Kiiin 
und wohl aueb bei Zengg und St. (ieorgen in Croalien zut rillt. 

Am Monte Vipora auf Sabioneello findet man Scbwar/föbicn (Pinus nitfra 
Arn. = Pinns dnlmniicn VU.) von 700 m augefangen bis cir(;a !K)0?w, und dort 
beherbergt sie in ihrem Unterhol/e Junipcnis oxj/ccdms !>. und Jirica mcdi- 
terranea L. mit viel (Ji/üms cmfcnteus L. und Genista dalmaiica Bartl. 

Auf der ganzen (iebirgskettc vom Monte Palinovjak (787 m) bis in die 
Zupa sind auf »Sabioneello in einer Höhe von ca. 300— (500 m ])rächtige Sebwarz- 
föhrenbestände mit fast siimmtliehen, iil)i)ig entwickelten immergrünen Gesträuchen 
der dalmatinischen Macchie und Coiinus verbrüdert, ja an der unteren Grenze 
dieser eigenthümlichen Formation mischen sich auch Meerstrandkiefern (Pinns 
halepensis Hill.) unter die Schwarzföhren. 

Viele Anklänge an den nicderöstcrreichischen Schwar/föhrenwald springen 
daselbst ins Auge. Erica mediterranea L. vertritt die Erica carnea L. ; Juni- 
periis oxijcedrm ahmt das Bild des gemeinen Wachholders (Juniperus communis L.) 
nach, und kleine Büsche von Phillyrea latifolia L. lassen einen Vergleich mit 
Vaccinium vitis Idaea L. zu, so dass man sich unwillkürlich in diesen von der 
mediterranen Flora völlig umschlossenen Wäldern nach Niederösterreich versetzt 
glaubt, obwohl fast die gesammte Vegetation aus anderen Repräsentanten besteht. 

Dieses Vorkommen beweist aufs Neue die hohe Accommodationsfähigkeit 
dieses so werthvoUeu Baumes au verschiedene klimatische Bedingungen, und ihr 
prächtiges Gedeihen in den dalmatinischen Steinwüsten sichert ihr auch für die 
Aufforstung jener holzarmen Länder jene hohe Bedeutung, welche ihr durch 
die Erfolge der Karstaufforstung unbestritten zuerkannt wurde. 



Schliesslich demoustrirte Herr A. Haudlirsch einige zoo- 
logische Objecte. 



Versammlung am 7. November 1894. 

Vorsitzender: Herr Dr. Eugen v. Haläcsy. 



Neu eingetretene Mitglieder: 

^ ^, „ Als Mitglied bezeichnet durch 

^' Herr V T. Herren 

Heinrich Carl, Ingenieur Dr. C. Fritsch, A. Handlirsch. 

Redtenbacher Helene, Wien, XVIII., Gym- 
nasiumstrasse 27 A. Handlirsch, F. Lebzelter. 



42 



Versammlung am 7. Novemter 1894. 



Anschluss zum Schriftentausch: 
London: Hooker 's Icones plantarum. 



Eingesendete Gegenstände: 

150 Insecten für Schulen von Herrn E. Kautetzky. 
50 Schmetterlinge für Schulen von Herrn A. Metzger. 
126 Insecten von Herrn H. Schollmayer. 



Herr Secretär Dr. Carl Fritsch legte folgende eingelaufene 
Manuscripte vor: 

Escherich K. : „Beiträge zur Naturgeschichte der Meloiden- 
gattung Lytta Fab." (Siehe Abhandlungen, Seite 251.) 

Escherich K.: „Zwei Fälle von Anpassung." (Siehe Abhand- 
lungen, Seite 299.) 

Fritsch, Dr. C: „Beiträge zur Flora der Balkanhalbinsel, 
IL Theil." (Siehe Abhandlungen, Seite 301.) 



Herr Secretär A. Handlirsch machte Mittheilung von folgenden 
Beschlüssen des Ausschusses, welche eine theilweise Umgestaltung 
der Publicationen der Gesellschaft zum Gegenstande haben: 

1. Vom 1. Jänner 1895 ab erscheinen die „Verhandlungen" in 
10 Heften jährlich. Dieselben enthalten neben den Sitzungsberichten 
und Abhandlungen von nun an auch Eeferate über die neue 
zoologische und botanische Literatur. Die Umschläge werden mit 
Inseraten bedruckt, welche für Mitglieder in beschränktem 
Masse unentgeltlich aufgenommen werden. 

2. Abhandlungen, deren Umfang zwei Druckbogen überschreitet, 
oder denen mehr als eine Tafel beigegeben sind, werden in der 
Kegel nicht in den „Verhandlungen", sondern als selbstständige 
Werke gedruckt. 

3. Zum Zwecke der Durchführung dieser Beschlüsse wird ein 
permanentes Redactions-Comite eingesetzt. 



VtTHamnilunp nn 7. Nuvriiilw r lM;il 



43 



H(MT Dr. E. V. M n r (Ml / 1 1 (' i leiste die l)ishoi- crschiciiciicii 
Mndo über die Wissenschaft üclK^n Resultate der Reisen des Fürsten 
Albert I. von Monaco vor, welclie der hohe Herausgeber der Gesell- 
schaft geschenkweise ü])erlassen hat. — Ferner dt^nionstrirte der- 
selbe mehrere von den österreichischen Tiefsee -Expeditionen her- 
rührende interessante Echinodernien. 



In dieser Versammlung wurden zu Ausschussräthen für die 
Jahre 1895—1897 gewählt die P. T. Herren: 
HaUcsy, Dr. E. v. 



Krasser, Dr. F. 
Marenzeller, Dr 
Mayr, Dr. G. 



E. V, 



Mik J. 
Ostermeyer, Dr. F. 
Wilhelm, Dr. C. 



Botanischer Discussionsabend am 19. October 1894. 

Herr Dr. G. Ritt. Beck v. Mannagetta gab unter Vorlage 
des entsprechenden Demonstrationsmaterials die folgenden 

Wotizen zur Flora von Nieder Österreich. 

Zea Mays L. mit zum Theile Fruchtblüthen tragenden männlichen In- 
florescenzen war in Feldern um Korneuburg im Herbste 1893 zahlreich zu beob- 
achten. Gewöhnlich war die Spitze der männlichen Inflorescenz in einen kurz 
walzlichen, oft fingerlangen Kolben mit weiblichen fertilen Blüthen umgewandelt, 
oder einzelne Inflorescenzäste trugen nach Art gewisser Andropogoneen an jedem 
Spindelausschnitte eine weibliche untere sitzende Blüthe und zwei männliche ge- 
stielte Blüthen. 

Sisyrinchiiim ancjustifolium Miller, Gard. dict., ed. 8 (1768), Nr. 2.— 
S. Bermudianum a. Linne, Spec. plant., p. 954 (1753); A. Gray, Man. of North. 
Unit. Stat., ed. 2, p. 460, non Miller. — 8. anceps Cavan., Diss. bot., VI, p. 345, 
Tab. CXC, Fig. 2. — S. gramineum Gurt., Bot. Mag., Taf. 464. — S. mucro- 
natum Michx, Fl. bor. Am., II, p. 33. 

Bei Klein-Mariazell (0. v. Müller). 

Diese interessante nordamerikanische Iridee, das „Blue eyed Grass", dessen 
Nomenclatur durch Hemsley (in Journ. of Botany, 1884, p. 108) richtiggestellt 
wurde, ist nach meinen Ausführungen in der Wiener Illustrirten Gartenzeitung, 
1894, S. 408 — 410, schon im Jahre 1841 bei Mannheim in Baden durch Zeyher 
und Link verwildert angetroffen worden. Im Jahre 1863 wurde .sie von Cizek 
unweit Budweis, 1870, also viel später, in Irland im südlichen Galway zwischen 
Woodford, Rossmore und Portumna von M. Dowd und P. Wright beobachtet. 
In Deutschland gelangte Sisyrinchium angustifoUum an mehreren Stellen zur 



44 



Versammlung am 7. November 1894. 



Ansiedlimg, so: 1871 in der Nieder- Lausitz, 1874 um Hamburg, 1875 in Han- 
nover, 1877 im Harz, 1879 in Westphalen, 1883 in Hessen, 1889 im Breisgau. 
Seit 1886 kennt man sie in Frankreich im Departement Bas Pyrenees bei Ma- 
zeres nächst Pau; seit 1872 ist sie bei Brisbane in Queenshind, dann auch auf 
Mauritius, in Australien und Neuseeland constatirt, was jedenfalls eine grosse 
Wanderfähigkeit dieser Sumpf- und Moorpflanze bezeugt. 

Prunus fruticans Weihe in Flora, 1826, II, p. 748. 

Auf steinigen, buschigen Hügeln bei Ober-St. Veit gegen Lainz (Senn holz). 

Die vom Stadtgärtner Sennholz entdeckte und mir von Herrn M. Müllner 
auch in Früchten freundlichst mitgetheilte Pflanze stimmt mit der Beschreibung 
Weihe's recht gut überein, zeigt jedoch nicht durchwegs die vom Autor ange- 
führte Eigenschaft, dass die Blüthen erst mit den Blättern erscheinen. Es hat 
schon Wiefel (in Deutsch, botan. Monatsschr., 1885, S. 156) darauf hingewiesen, 
dass bei Prunus fruticans Weihe die Blüthen entweder vorläufig sind oder mit den 
Blättern erscheinen, und das ist auch bei der hier aufgefundenen Pflanze der Fall. 

Die sehr ähnliche Prunus spinosa var. major Schübeier, Die Pflanzenwelt 
Norwegens, S. 367 (1873 — 1875), unterscheidet sich durch die am Grunde mit zwei 
Drüsen versehenen Blattspreiten, während die ebenfalls ähnliche Prunus spinosa 
var. macrocarpa Wallr., Sched. crit., p. 217, eine braune, weichselähnliche Rinde 
und behaarte Griffel aufweist, welche Merkmale ebenfalls unserem Strauche fehlen. 

Die Deutung der Prunus fruticans Weihe ist bisher eine sehr verschiedene 
gewesen. Doch scheint es mir wahrscheinlich, dass dieselbe weder eine Hybride 
zwischen Prunus insititia L. und Prunus spinosa L., noch einen Wildling der 
Prunus insititia L. darstelle, sondern als eine grossfrüchtige Form der Schlehe 
zu betrachten sei. 

Pteridium aquilinum Kuhn. 

f. gracile. 

Blätter schlank und zart, unfruchtbar, langgestielt, im Umrisse länglich- 
lanzettlich, zwei- bis dreifach fiederschnittig. Segmente erster Ordnung gegen- 
ständig, weit von einander gerückt, von dem zweiten oder dritten unteren Paare 
(welches am grössten) an sowohl gegen die Spitze als gegen den Grund des Blattes 
kleiner werdend, die grössten 8 — 11 cm lang. Segmente zweiter Ordnung ent- 
weder fiederschnittig oder die obersten nur gekerbt. 

In schattigen Wäldern bei Rekawinkel nicht selten ; August. 

f. irreguläre. 

Blätter unfruchtbar, im Umrisse dreieckig, wie bei der normalen Form 
ein- bis zweimal fiederschnittig. Segmente zweiter Ordnung ungestielt, entweder 
ungetheilt, allmälig zugespitzt und etwas sichelförmig gekrümmt oder gekerbt. 
Einzelne Kerbzähne verlängern sich und überragen die anderen um das Zwei- 
bis Dreifache. 

An Waldrändern bei Rekawinkel; August. 

Beide Formen weichen von der gewöhnlichen sterilen Form bedeutend ab. 

Aspidium Braunii Spenner. 

Bei Kranichberg nicht selten (leg. L. Gangib auer). 



Vorsiinniilimp: lun f» I>(M(<inlioi lK!tl 



45 



Ahics alba Mi 11. f. sjiiHcscc ns. 

Dio bekannte Vcischicdciilifil, in der Fonii dcc lUilUor auf einoin und 
deuiselbeu l>aunu' kam aul nichrcren im .laliic l!StK5 auf dou Weiimaclitsmarkt 
gebrachten Bäumen in einer wie es scheint noch wenig beachteten Weise be- 
sonders zum Ausdrucke. Während die uutc^rsten Aesto des bereits fruchtbaren 
Gipfell heiles des 8tanimes die tyi)ische Nadelform mit ausgcrandetcr Spitze be- 
sassen, war der Hauptstanini und dessen primäre Zweige insbesondere gegen den 
Wipfel mit Blattuadeln besetzt, deren IS])itze nicht, wie es des üefteren 
vorkommt, spitz war, sondern in einen pfriemlichen steifen Dorn 
auslief, dessen stechende und verletzende Eigenschaft übel vermerkt 
wurde. Die Nadeln der secundären Zweige zeigten wieder successive Uebcrgänge 
zur Nornialform. 

Herr J. Dörfler legte hierauf einen neuen Farn aus 
Niederösterreich vor. 

Der Vortragende besprach die intermediäre Form des Bastardes von 
Asplenium Trichomanes X septentrionale. 

Zur Erläuterung sei hier nur angeführt, dass von der Combination Asplenium 
Trichomanes X septentrionale bisher nur die beiden Extreme, nimlich Asplenium 
super -Trichomanes X septentrionale = Asplenium lieufleri und Asplenium supcr- 
septentrionale X Trichomanes = Asplenium Germanicum bekannt waren. 

Das Zwischenglied, die intermediäre Form, war unbekannt und wurde in 
dem besprochenen und demonstrirten einzigen Stocke von Herrn J. Baum- 
gartner bei Rothenhof nächst Stein a.D. in Niederösterreich, wo Aspleniim, 
Trichomanes, Asplenium septentrionale und Asplenium Germanicum häufig vor- 
kommt, entdeckt. 

Die ausführliche Beschreibung und Abbildung dieses hochinteressanten 
Fundes wird in kürzester Zeit veröffentlicht. 

Schliesslich legte Herr Dr. C. Fritsch die neue Literatur vor. 



Versammlung am 5. December 1894:. 

Vorsitzender: Herr Baron A. Pelikan v. Plauenwald. 

Eingesendete Gegenstände: 

1000 Insecten für Schulen von Herrn A. Hetschko. 

100 Seidenspinner nebst Cocons und Eiern von Herrn M. F. Müllner. 



46 



Versammlung am 5. December 1894. 



Herr Secretär Dr. Carl Fritsch legte folgende eingelaufene 
Manuscripte vor: 

Bergh, Dr. K.: „Die Hedyliden, eine Familie der kladohepati- 
schen Nudibranchien." (Siehe Verhandlungen, Band XLV.) 

Werner, Dr. F.: „lieber eine Sammlung von Eeptilien aus Per- 
sien, Mesopotamien und Arabien." (Siehe Verhandlungen, Band XLV.) 



Herr Dr. T. v. Garbowski hielt einen Vortrag unter dem 

Titel : 

Biologie im Lichte phänomenalistischer Metaphysik. 

Indem das Thema des Vortrages zugleich den Inhalt einer selbstständig 
erscheinenden Publication bildet, mögen hier einige kurze Angaben genügen, in 
welcher Weise die Wechselbeziehungen zwischen jenen beiden Wissensgebieten er- 
örtert werden. 

Die Principien der biologischen Forschung bestehen in der Gesammtheit 
unserer Wahrnehmungen über den organischen Stoff, ihre Methode ist eine in- 
ductive, ihr Problem lässt sich auf die Aufgabe zurückführen, die Formulirung 
des Gesetzlichen in biologischen Erscheinungen mathematischen Formeln möglichst 
nahe zu bringen (vgl. die Bestrebungen der allgemeinen Morphodynamik oder 
der Entwicklungsmechanik). 

Die Ausgangspunkte für metaphysische Speculation liegen dagegen in dem 
empirisch Letzten, folglich auch in den Endresultaten der Naturwissenschaft. 
Wo diese aufhört, fängt jene an. Ihi-e Methode beruht ursprünglich ebenfalls 
auf Induction, jedoch nur im mathematischen Sinne; da hier der Gegenstand 
der Untersuchung über die Anschaulichkeit hinausgeht, so kann man ihn an der 
Hand des Principes der Permanenz formaler Gesetze nur nach der Maxime der 
Analogisirung formaler Operationen erfolgreich behandeln: jede andere, kate- 
gorische Metaphysik ist von einem Empiriker und besonders von dem Biologen 
grundsätzlich zu verwerfen. Ihr Problem wäre gelöst, wenn es je gelingen sollte, 
in der Analogisirung bis zu der letzten, unvariablen Unbekannten vorzudringen. 
Allerdings kann die Metaphysik auch in der einzig zulässigen, phänomena- 
listischen Formulirung niemals Denknothwendigkeiten, vielmehr blosse Denk- 
möglichkeiten bieten. 

Es wird insbesondere auf den Begriff einer höheren räumlichen Aus- 
dehnungsmannigfaltigkeit Bezug genommen, welcher namentlich von Stöhr aus 
der mathematischen Mannigfaltigkeitslehre als eine grundlegende Hilfsvorstellung 
in die Metaphysik übertragen wurde. Phänomenalismus, eine junge philosophische 
Richtung, kennt nur Hypothesen oder Fictionen, derer man sich z. B. in der 
Jurisprudenz zu bedienen pflegt. Bei einer Hilfs Vorstellung ist es aber gleich- 
giltig, ob sie dem wirklichen Sachverhalte entspricht oder nicht, sie bezweckt 



V.Msiinnnliii.r: ;.im f. I <»Ml.. r IK'M 



47 



lediglich niue associativi^ ( )idiniii}^- in misoiciii Hcwiisslst'insinhallc. |)ie Aiiiiiiliiu»; 
vtMUiehrtcr Diineiisiouen der sioiriiclu-ii VVoK. im lVl('l:i physischen führl dem 
(ledaiikeii zeitlicher Hej^reuztheil. der iinpressionisl.ischeii Well, wohei die Ver- 
muthuu^ herechligl erscheint, dass die Ofiuer der letzleren mit dem längsten 
physiologischen Lehenslaufe zusaiiimenfüllt . Vau weiteres Fjrgehniss jener An- 
nahme besteht in der Möglichkeil einer simultanen Zuordnung der impressio- 
nistischen Wirklichkeit an die metaphysische, wobei wiederum die Eventualität 
nicht ausgeschlossen ist, dass Alles, was sich in der Wahrnehmung zu zeitlich 
ablaufenden Processen gestaltet, im Metaphysischen als ruliende. stari-e Con- 
figuratiou gegeben ist. Je nach der Stelle im Metaphysischen, welcher unsere 
Impression zugeordnet ist, erscheinen uns einzelne Configurationstheile als gegen- 
wärtig existirend, als verflossen oder als unbekannte Zukunft, während sie that- 
sächlich von einander bloss räumlich entfernt wären. Man kann sagen, dass hier 
die anthropine Zeit in eine räumliche Ausdehnungsmannigfaltigkeit umschlägt. 

Der Vortragende bespricht nun dreierlei Punkte, in denen sich die bio- 
logischen und metaphysischen Forschungsgebiete berühren. 

Der erste ermittelte Berührungspunkt bezieht sich auf die Nothwendigkeit 
einer erneuerten physikalisch-physiologischen Analyse der Gesicbtsempfindungen, 
er interessirt somit die menschliche und thierische Physiologie. Es handelt 
sich namentlich um die Entscheidung der Frage, ob in dem empirischen Gesichts- 
felde wirklich nichts von einer annehmbaren höheren Dimension enthalten sei, 
ob sich vielmehr ein Differential dieser Ausdehnung in irgend welcher greif- 
baren Weise constatiren Hesse, Helmholtz beantwortet die.se Frage verneinend 
und weiss mit dem gewöhnlichen Euclideischen, ebenen Räume auszukommen. 
Stöhr hält vornehmlich die Thatsache des Empfindens von Tiefenwerthen der 
Visirlinien, welche gleichfalls nicht gesehen werden können, für einen wichtigen 
Wegweiser hinsichtlich der Behandlung dieser Probleme (vgl. die empfindungs- 
analytischen Arbeiten von E. Mach, S. Exner). 

Zweitens ist die Berechtigung der Schlussfolgerung, die Dauer des Welt- 
laufes falle mit dem physiologischen Lebensprocesse eines am längsten lebenden 
Individuums zusammen, von der Präcisirung des wirklichen Empfindungsindi- 
viduunis abhängig. Hieher gehört vor Allem die sogenannte Unsterblichkeits- 
theorie des empfindenden Plasmas von A. Weis mann. Ausserdem müsste sich 
das Thierreich von dem Pflanzenreiche streng abgrenzen lassen, was bekanntlich 
bis jetzt weder auf Grund morphologischer, noch mittelst physiologischer Cha- 
raktere gelingen wollte; es müsste wenigstens zwischen dem organisirten Stoffe 
und den Anorganen eine Grenze festgestellt werden. So sind es in der That 
Momente, in denen die empirische Biologie directen Aufschluss über ontologische 
Probleme zu ertheilen vermag. Diese Aufgabe fällt speciell der allgemeinen und 
systematischen, äusseren und inneren Morphologie zu, also hauptsächlich der 
Zoologie und der Botanik. 

Was den dritten Punkt anbelangt, kommen wir zur Einsicht, dass er die 
ganze Biologie in Mitleidenschaft zieht, weil er auf den Streit der Mechanisten 
und der Teleologen Bezug nimmt. Sind nämlich ontogenetische und phylogene- 

Z. B. Ges. B. XLIV. Sitz.-Ber. G 



48 



Veisiiinmluug am 5. December 1894. 



tische Eiitwickluugspioce.sse als Gebilde zu deuten, welche iu der Zeit ruhen, 
dann ist die Nacheinauderfolge der Wahrnehmungen im Allgemeinen und ent- 
wicklungsgeschichtliche Impressionen im Besonderen als eine Gegenwart, be- 
ziehungsweise Vergangenheit; aufzufassen, welche von einer Wirklichkeit, die in 
der Weltenzeit bereits da ist, anthropopathisch aber „Zukunft" genannt wird, ge- 
wissermassen herangezogen wird. Dadurch wären für die Beurtheilung des Zweck- 
mässigen in der Natur neue Gesichtspunkte gewonnen und die verbreiteten An- 
sichten über die Rolle des Zufalls in der Lebensgeschichte müsste man aufgeben. 

Auf Grund oben skizzirter Ausführungen gelangt man zur Ueberzeugung, 
dass die beiden erörterten Forschungsgebiete auf einander befruchtend zurück- 
wirken können, ohne sich — als zwei heterogene Disciplinen — zu decken. Der 
Vortragende bedient sich einer Metapher, in welcher er das empirische Wissen 
mit dem Unterbaue, die philosophische Speculation mit der eindeckenden Kuppel 
eines Pantheons vergleicht. Das fundamentale, empirische Wissen besitzt denn 
auch selbst bei principieller Verwerfung des speculativeu Forschungselementes 
einen unbestreitbaren Werth, es braucht sich nicht bis zur philosophischen 
Speculation zu versteigen, es ist jedoch an sich nicht im Stande, irgend etwas 
in den Erscheinungen zu erklären; das Werk des Gedankens bliebe unvollendet. 
Die Empirie verschafft Begriffe, welche zur Vollziehung der eigentlichen Denk- 
arbeit nöthig sind. Die allgemeine Lehre vom Sein soll erst das VerschalFene 
läutern und zweckentsprechend ordnen; sie ist jene Gipfelrosette, in welche die 
breit aufsteigenden Wandungen des Gewölbes obliteriren. Es werden hier ein- 
zelne Probleme einer gemeinsamen Oberfrage untergeordnet und die Gegenstände 
einzelner Lehren in ein System gebracht, um die zersplitterten Kenntnisse in 
eine Errungenschaft umzuschmelzen. Dabei wird es praktischen Bedürfnissen 
überlassen, sich mit theoretischen f]rgebnissen der Gesammtlehre zurechtzufinden. 

Das Vermäch tniss der Biologie an die letztere besteht aber in Vor- 
stellungsreihen über psycho-, physio- und morphologische Impressionen. 



Hierauf besprach Herr Dr. C. Fritsch das von Haeckel in 
dessen „Systematischer Phylogeuie" publicirte Pflanzensystem. 



Botanischer Discussionsabend am 16. November 1894. 

Herr Dr. Michael Ritter v. Eichenfeld brachte Nach- 
folgendes vor: 

Beobachtungen über das Verhältniss einzelner Organe von Cirsien- 
hybriden zu den entsprechenden Organen der Stammarten. 

Wie wohl jedem Floristen bekannt sein dürfte, verhalten sich in der 
Regel die Organe der Hybriden zu den entsprechenden ihrer Stammeltern wie 



40 



(lif Hosultirondo zu ihren ( 'oiii|ioii( ii(cii. 1'^ ist iiiiinlicli den Organen der 
Hybriden eine Vcrscliniel/Jing eingetreten, deren Mrgeltni.ss ent,weder den Stainni- 
ellern gleich nahe odov einen» (h'rselheti näher steht. I)ie,s(! Ii(!gel a))cr hat ihre 
Ausnalinien ; es gibt niiinlieh Kiilh', (hiss statt, dieser Versehniel/nng last ein 
Nebeneinander eintritt, (hiss also manche Hybride OigitiKi der einen und dei' 
anderen Stanunart aufweist. Im Nachstehenden will ich suIcIk; Fälle anführen, 
welche ich an spontan wachsenden hybriden Cirsieu beobaclitol habe, und zu- 
gleich die von mir gesammelten Individuen als ll(deg vorweisen. 

I. Beobaclitiiii^eii an doit Itlätteni. 

1. Bereits im Jahre 1880 habe ich ein Individuum der Hybrid(! (Jirsium 
Juratzkae Reichardt ( Cirmm paucillorimi X heteropht/Uum) gefunden, welches 
sowohl Blätter der einen, als auch solche der anderen Art aufweist . Insbesondere 
das unterste grundständige Blatt gleicht den Blättern des Cirsium pcmcißorum, 
während die oberen Blätter vollkommen lanzettlich sind, wie die der zweiten 
Stammart. Dasselbe kommt auch, wenn auch nicht so deutlich, bei einem 
zweiten Exemplare zum Ausdrucke. Diese beiden Pflanzen sind auf einer Voi-- 
alpenwiese der Seethaleral])en bei Judenburg gesammelt, während meine übrigen 
zu besprechenden Funde aus dem oberen Travignuolothale in Südtirol stammen. 

2. Da.selbst fand ich heuer ein Exemplar der nicht seltenen Hybride 
Cirsium erisithalesXheterophyllum, welches bis auf das ziemlich starke Tomen- 
tum auf der Rückseite der Blätter und auf den Umstand, dass das unterste 
Basalblatt völlig ungetheilt ist, ganz mit Cirsium erisithales Scop. überein- 
stimmt. 

3. Etwas Aehnliches habe ich gleichfalls heuer an drei Individuen 
der von mir entdeckten und im Jahre 1893 beschriebenen Hybride Cirsium 
Sennholzi m. = Cirsium montanum X heterophyllum beobachtet. Die unteren 
Blätter zeigen fast kein Tomentum und die Form derer des Cirsium montanum, 
■während die oberen sich von denen der zweiten Stammart nur durch das etwas 
schwächere Tomentum, die im Umrisse mehr ovale Form und den Umstand 
unterscheiden, dass die Blattsegmente nicht so stark nach vorwärts gewendet 
erscheinen. 

II. Beoll)aehtuii^eii, die Blütheiifarlbe betreffend. 

Auch bezüglich der Blüthenfarbe der Hybriden gilt das bezüglich der Or- 
gane im Allgemeinen oben erwähnte Princip als Regel. Auch diese ist regelmässig ein 
Product aus den Blüthenfarben der Stammeltern, doch gibt es Fälle, in welchen 
die Blüthen der Hybriden eine von denen der Stammeltern ganz abweichende 
Farbe haben; so blühen Bastarde zwischen Cirsium heterophyllum X oleraceum 
und Cirsium rivulare X oleraceum in der Regel weiss. Der Umstand, dass die 
Hybride zwischen Cirsium erisithales Xacaule in der Regel trüb licht-gelblich- 
roth blüht, die Blüthen von Cirsium erisithales X p^iucißorum f— Cirsium. Sco~ 

G* 



50 



Versammhing am 5. December 1894. 



polianum Schz., Bip.) trüb gelblich-dunkelmennigroth sind, obgleich sowohl Cir- 
sium acaule Sc. als auch Cirsium paucißorum Sp. roth blühen, dürfte vielleicht 
auf eine chemische Verschiedenheit des Pigmentes der Blüthen der genannten 
beiden Arten zurückzuführen sein. In allen diesen Fällen sind die Blüthen der 
Hybriden einfarbig, wie die der Stammeltern. Nachfolgende Beobachtungen er- 
geben, dass dies, wenn auch meistens, doch nicht immer der Fall ist. 

1. So fand ich mehrere Individuen von Cirsium erisithales X acaule, bei 
denen der obere Theil des Limbus rothviolett, der übrige Theil der Blüthen 
gelb (wäe bei Cirsium erisithales Scop.) war. Diese Exemplare waren gross und 
reichblätterig, kurzstengelig und trugen 2 — 4 Anthodien. In der Eegel blühen 
die Hybriden von Cirsium erisithales X acaide trüb licht-gelblichroth, doch gibt es 

.auch, wenn auch selten, purpurn blühende Individuen. 

2. Bei der Hybride Cirsium spinosissimum. X acaule {= Cirsium Guth- 
nicJcianum Lohr) sollte man ungefähr die gleiche Blüthenfarbe erwarten wie in 
der Regel bei Cirsium acaule X erisithales ; ich fand jedoch die Blüthen bis auf 
den oben hellvioletten Limbus gelblich milchweiss. 

3. Von der Hybride Cirsium erisithales X montanum fand ich ein 
Exemplar, dessen Blüthen gelb wie die der ersten Stammart waren, doch war 
auch hier der obere Theil des Limbus hellviolett. Dasselbe stand als einziges 
Individuum von dieser Blüthenfarbe unter vielen IJxemplaren von Cirsium mon- 
tanum Spr., erisithales Scop. und heterophyllum All. und Hybriden von diesen 
Arten. Die Hybride von Cirsium erisithales X montanum blüht in der Regel 
gelblichroth oder auch purpurn. 

In den besprochenen drei Fällen trug also die Blüthe der Hybride, 
wenigstens annähernd, die Blüthenfarbe der einen und der anderen Stammart 
neben einander. 

III. Ueppigere Entwicklung* Ton einzelnen Org-anen der Hybriden. 

Wohl Jedem, der Bhododendron intermedium Tausch. (= Rhododendron 
ferrugineum X hirsutum) zwischen den Stammarten beobachtet hat, wird aufge- 
fallen sein, dass die Hybride weit grössere und schönere Blüthen aufweist, als 
die Stammarten; so zwar, dass durch dieses Merkmal die Blüthenbüsche der 
Hybride schon von Weitem kenntlich sind. Aehnliche Beobachtungen habe ich 
auch an hybriden Cirsien gemacht. 

1. Von Cirsium Guthnickianum Löhr (Cirsium acaule X spinosissimum) 
zeigt eine von mir in wenigen Individuen gefundene, einköpfige, dem Cirsium 
acaule Scop. sowohl durch den kürzeren Limbus als auch durch den kurzen 
Stengel näherstehende Form viel grössere Anthodien, als jede der beiden 
Stammarten. 

2. Bei einem ziemlich kurzstengeligen, Irüb hellrosenroth blühenden In- 
dividuum von Cirsium acaule X ßf'isithales wai- dasselbe der Fall. 

3. Ein anderes Exemplar derselben Hybride, welches fast stengellos ist, 
zeigt eine reichere Beblätterung als jede der Stammarten. 



V^rsaminlnnp :iin nf>cf>mlif>r \H'M. 



51 



4. Eine solche zeigt nucii ein Kxcinj)l;ii' von ('irsiuni Sennholzi in. 
(r= Cirsinm heterophyllum X montnnum). 

Ich bin überzeugt, dass bei genauer Durchfurscliung geeigneter Fiiiid- 
stellen noch viele derartige lieobachtungen geniachl werden könnten. 

Herr Dr. A. Z iili Ib r u c k ner domonstrirte iin^^ewöhiilich 
grosse Exemplare der Mylittd anstralis Berk. Notthydnufu 
australe F. v. M.), welche Herr Baron Ferdinand v. Müller der 
botanischen Abtheiliing des k. k. natnrhistorischen Hofnmseums zu- 
gesendet hatte. Der Vortragende besprach zunächst den Bau und 
die anatomischen Verhältnisse dieses Pilzes, ferner seine Lebens- 
weise und seine Verwendbarkeit und führte schliesslich aus, dass 
dieser von älteren Autoren zu den Tuberaceen gerechnete Pilz nur 
als das Sclerotium eines bisher nicht erkannten Hutpilzes zu be- 
trachten sei. 

Herr J. Dörfler legte eine Eeihe von sehr seltenen Pflanzen, 
insbesondere aus Mittel-Russland und vom Ural vor und besprach 
deren Verbreitungsgebiet. 

Demonstrirt wurden folgende Arten: Adonis Sibirica Led., Anemone 
Altaica Fisch., Ardbis pendula L., Atragene sibirica Rupr., Cacalia hastata L., 
Mulgedium cacaliaefoUum DC, Paeonia anomala L., Pleurospermum üralense 
Hoffm., Viola Mauritii Teplouk. (letztere in Original-Exemplaren aus der Hand 
des Autors) vom Ural, Androsace filiformis Retz, Artemisia Armeniaca Lam., 
Chaerophyllum neglectum Zinger (Originale!), Dentaria quinquefoliaM. B., Draba 
repens M. B., Potentilla Tanaitica Zinger (Originale) aus Mittelrussland und 
Crocus Cambessedesii J. Gay von den Balearen, 

Von Herrn Dr. A. Waisbecker (Güns) wurde die folgende 
Mittheilung eingesendet : 

Carex Fritschii n. sp. 

Padix fibrosa caespitosa. Culmi etiam fructiferi erecti, 40—65 cm longi, 
triquetri, superne nudi, basi vaginis purpureis, rarius fuscis, fibratis, cincti. 
Folia linearia, plana, 2— 4 min lata, post anthesim culmis longiora. Spica 
mascula solitaria, feminae 2 — .5 approximatae, sessiles, globosae vel ovoideae, 
7 — 12 mm longae, bracteis membranaceis , rarius foliosis, apice suhuliformi 
erectis, evaginatis. Stigmata 3, fructus magni 2—3^l2mm longi, superne 2 min 
in diametro crassi, globoso-obovoidei disperse pilosi. Glumae membranaceae, 
acutae, fuscae, margine albido. Floret Aprili. 



52 



Geschenke für die Bibliothek. 



Ä Carice polyrrhiza Wallr., cujus hdbitum refert, hracteis Semper evaginatis, 
culmis validioribus, longiorihus, erectis et eorum vaginis plerumque purpureis, 
nee non fructibus majoribus, minus pilosis differt. 

A Carice pilulifera L. foliis longioribus, culmis erectis majoribus, vaginis 
plerumque purpureis, bracteis rarius foliosis, fructibus conspicue majoribus, 
etiam anthesi 14 diebus priore bene distinguitur. 

A Carice montana L. foliis longioribus latioribusque, culmo majore fortiore, 
fructibus majoribus, minus pilosis, glumis fuscis diversissima. 

Crescit in silvis caeduis urbis Ginsii (Hungariae occidentalis). 



n h a n g. 
Geschenke für die Bibliothek 

im Jahre 1894. 

1. Bresadola Giac. Ab. De diie specie interessanti di fun^hi della flora mico- 

logica italiana. 

— Contribuzioni alla conoscenza della flora dell' Africa Orientale. 

— Mycetes australienses novi et emendanda ad floram Mycologicam 
Australiae. 

— Fungi aliquot saxonici novi lecti a cl. W. Krieger. Vom Verfasser. 

2. Kornhuber, Dr. A. Carsosaurus Marchesettii, ein neuer fossiler Lacer- 

tilier aus den Kreideschichten des Karstes bei Komen. Wien, 1893. 

Vom Verfasser. 

3. Krasitshtshik J. La Graphitose et la Septicemie chez les Insectes, deux 

maladies des larves des Lamellicornes, causees par des Bacteries. Paris, 
1893. Vom Verfasser. 

4. Micheli Marc. Alphonse de Candolle et son anivre scientifique. Geneve, 

1893. Vom Verfasser. 

5. Leder Hans. Kurze Uebersicht über eine Excursion in das östliche Gajan- 

gebirge im Jahre 1891. (Russisch.) Vom Verfasser. 

6. Handlirsch A. Monographie der mit Nysson und Bembex verwandten 

Grabwespen. IV., 1889; V., 1890; VI., 1892; VII., 1893. 

Vom Verfasser. 

7. Mittheilungen der Section für Naturkunde des Oesterreichischen Touristen- 

Clubs. V. Jahrg., 1893. Von Herrn Jos. Kaufmann. 

8. Krieger, Dr. Eichard. Ein Beitrag zur Kenntniss der Hymenopterenfauna 

des Königreiches Sachsen. Leipzig, 1894. Vom Verfasser. 

9. Jahros-Katalog pro 1894 des Wiener botanischen Tauschvereius. 

Von Herrn J. Dörfler. 



10. Hrt'idlcr Joli. Diu LduTinoosc Sl.cicnii.ii ks. (Ha,/, ISUI. Vom \ ci liissf i . 

11. No(". Dr. Kran/. Der neue iichiplaii ITir Nalur^n-schwtlilc und holaiiischc 

lintcrrichl ;iui riilorf^ymnasiiiiii. Vom Vcrrasscr, 

V2. Talacky, Trof. Dr. .1. Die Vorbreituii^ dor Fisc\w. Pra^^ 181*1 . 

— Ueber neue Resultate der Verbreitung der Keptilieii. Vom Verfasser, 
i:v T,anzi, Dr. Matteo. I fuiif?hi dolla Provinzio di Roma. Fase. 4—7. Roma,, 

1888—1880. 

— I funghi di Roma,, (ienero Agaricits. Roma, 1804. Vom Verfasser. 
14. Brühl Beruh. C. Anfaugsgrüude der vergleicbonden Anatomie aller Thier- 

classen. Atlas. Taf. 1—10. Wien, 1847. 

— Zootomie für Lernende. Wien, 1874 S. Heft 1—40. 

Von Herrn Prof. C. Oi-obben. 
ir». Albert I., Prince de Monaco et Guerne, Baron Jules de. Resultats des 
Campagnes scientifiques accomplies sur son Y acht jiar le Prince Albert I 
de Monaco. Fase. I— VII. Monaco, 1889—1894. 

Vom Prinzen Albert I. von Monaco. 
10. Le Joli Auguste. Remarques sur la nomenclature hepaticologique. Cher- 
bourg, 1894. Vom Verfasser. 

17. Rüper tsberger Mathias. Die biologische Literatur über die Käfer Europas 

von 1880 an. Linz, 1894. Vom Verfasser. 

18. Pfeiffer R. v. Wellheim, Ferd. Die Präparation der Süsswasseralgen. 

Berlin, 1894. Vom Verfasser. 

19. Wettstein, Prof. Dr. R. v. Die botanischen Anstalten Wiens. Festschrift zur 

66. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte. Wien, 1894. 

Vom Herausgeber. 

20. Nonfried A. F. Zwei neue Cetonien -Varietäten. 

— Beiträge zur Coleopterenfauna von Ostasien und Polynesien. 

— Monographische Uebersicht der Prion idengattung Callipogon Gerv. 

— Verzeichniss der seit 1871 neu beschriebenen Glaphyriden, Melolon- 
thiden und Euchiriden. 

— Verzeichniss der Rutclidae, beschiieben nach der Herausgabe des 
Münchener Kataloges. 

— Nachträge zum Ruteliden -Verzeichniss bis Ende des Jahres 1890. 

— Monographische Beiträge zur Käferfauna von Central -Amerika. I. Bu- 
telidae. Epectinaspis und Strigoderma. 

— Weitere Beiträge zur Käferfauna von Südasien und Neu-Guinea. 

— Beiträge zur Käferfauna von Manipur (Vorderindien). Vom Verfasser. 

21. Le Joli Auguste. Les Genres d'Hepatique de S. F. Gray. Cherbourg, 1893. 

Vom Verfasser. 

22. Babor J. et Kostäl J. Note sur une espece nouvelle d'Ärion. Prague, 

1893. Von Herrn J, Babor. 



Abhandlungen. 



1 



lieber das Trachoeiisystom von Locusta vlridimma. 

Von 

Dr. Victor Nictsch. 

(Mit Tafel I.) 
(Vorgelegt in der Versammlung am 8. November 1893.) 



Jedem, der den Wunsch hat, sich üher die Anordnung und den Verlauf des 
Tracheensystenis bei den Vertretern der Hauptgruppen der Insecten in Concreto 
zu unterrichten, muss es auffallen, wie wenig in der grossen entomologischen 
Literatur über diesen Gegenstand zu finden ist. Gerade die aberranten Formen 
der Tracheenkiemen der Ephemeridenlarven, dann der Darmkiemen der Odonaten- 
larven sind noch am besten bekannt. Von imaginalen Formen dürften ausser 
Melolontlia (1., 6.), der Biene (5.) und den Aphiden (7.) nur noch die Arbeiten 
von L. Land als zu nennen sein. Eine, wie es scheint, werthvolle Arbeit von 
L. C. Miall und A. Denny über Bau und Lebensgeschichte von Periplaneta 
orientalis, London, 1886, ist mir nicht zugänglich gewesen. In der italienischen 
Arbeit von Berlese (4.) über Gryllus campestris findet sich eine etwas roh aus- 
geführte Lithographie, welche einen dorso-ventralen Aufriss des Tracheensystemä 
vorstellen soll, und schon wegen dieser Darstellungsweise nicht die gewünschte 
Klarheit bieten kann. 

So beschloss ich denn, zur eigenen Untersuchung zu schreiten und wählte 
zunächst Locusta viridissima. Zu dieser Wahl wurde ich erstens veranlasst, weil 
ich bei einem Orthopteren ziemlich einfache und primäre Verhältnisse zu finden 
hofi'te, zweitens aber, weil ich bei zwei Autoren einander widersprechende Angaben 
über diese Familie vorfand. Die eine Abbildung gibt Carus (2.) über einen Theil 
des Abdomens von Decticus verrucivorus, wo jederseits zwei Tracheenlängsstämme 
und zwischen den beiden medianen deutliche Tracheenblasen zu sehen sind. Die 
andere findet sich in Graber 's „Insecten", bezieht sich auf Locusta viridissima 
und ist ein ziemlich verschwommener Holzschnitt. Graber spricht von drei 
Paaren von Längsstämmen und erwähnt keine Tracheenblasen. 

Diese Incongruenz zwischen zwei Gattungen ein und derselben Familie, 
welche sich bis auf ein Paar von Tracheenlängsstämmen erstrecken sollte, ist 
gewiss auffallend genug, um eine neuerliche Untersuchung zu rechtfertigen. Ueber- 
dies hat keiner der genannten Autoren den Verlauf der Tracheen im Thorax 

Z. B. Ges. B. XLIV. Abb. 1 



2 



Victor Nietsch. 



angegeben, da Carns überhaupt nur ein Stück des Abdomens abbildet, Gr ab er 
aber im Bereich des Thorax nur einige schüchterne dendritische Figuren bringt, 
die gar keinen Zusammenhang mit einem Stigma erkennen lassen. 

1. Die Stigmen. 

Die Zahl der Stigmen ist die normale, zehn. Von denselben liegen die 
drei ersten rein lateral, die sieben letzten, um ein Beträchtliches nach unten 
geschoben, ventral; alle aber in der weichen Verbindungshaut der harten Chitin- 
stücke des Skelets. Sowohl das äusserliche Ansehen der Stigmenanordnung (Fig. 1), 
als auch die innere Lage der drei ersten Stigmen im Thorax (Fig. 2) könnten 
sehr leicht dazu führen, drei Thoracal- und sieben Abdominalstigmen anzunehmen. 
Im Anschlüsse an die scharfsinnige Arbeit Palmen 's (4., S. 33 u. a.) und gestützt 
auf folgende Thatsachen muss ich jedoch dem Prothorax ein Stigma überhaupt 
absprechen und das erste Stigma als dem Mesothorax, das zweite dem Metathorax 
und acht als dem Abdomen angehörig betrachten. Von den zehn Hinterleibs- 
segmenten sind demnach das neunte und letzte stigmenlos (vergl. Palmen, 
1. c, S. 120 fr.). 

Aus Fig. 1 ist ersichtlich, dass das dritte Stigma genau unterhalb des 
ersten Tergiten des Abdomens liegt. Da dieser Tergit jedoch nur halb so lang 
ist als die übrigen, rückte das Stigma höher hinauf und liegt lateral. 

Aus Fig. 2 sieht man auch, dass die vom dritten Stigma entspringenden 
Tracheengebilde sowohl nach Zahl als Gestalt genau denen der Abdominalstigmen 
homonom sind, keineswegs jenen des Thorax. 

Ein einziges Bedenken hätte ich hier auszusprechen, nämlich, dass vom 
dritten Stigma aus das dritte Beinpaar versorgt wird. Dieser Umstand könnte 
gegen die angeführte Zählweise sprechen. 

Das erste Stigma ist das grösste, es misst in seinem längsten Durchmesser 
2 mm und stellt eine bohnenförmige Oeffnung in der Intersegmen talhaut zwischen 
Pro- und Mesonotum dar. Es liegt zum Theil noch unter dem Hinterrande des 
sattelförmigen Pronotums. Es ist stets offen, entbehrt eigentlicher Lippen, hat 
vielmehr chitinisirte Eandwülste, welche es wie ein Rahmen ausgespannt erhalten. 
Das zweite Stigma ist bedeutend kleiner, aber immer noch grösser als die acht 
folgenden. Es liegt ebenfalls in der Intersegmentalfalte, knapp hinter dem Meso- 
notum und besitzt zwei einfache Verschlusslippen, von denen die vordere grösser 
ist als die hintere. Dasselbe gilt auch für die übrigen Stigmen, welche genau 
unter ihren bezüglichen Tergitten in der weichen Haut gelegen sind. Diese Haut 
bildet am Bauche des Thieres zwei Längsfalten und dazwischen communicirende 
Querfalten. Dieses Faltensystem schliesst die Sterniten ein. Die Stigmen liegen 
nun knapp ober jenen beiden ventralen Längsfalten. 

2. Die Verzweigung des Tracheensystems. 

Fig. 2 stellt ein männliches Thier, durch einen dorsalen Längsschnitt unter 
Wasser geöffnet und ausgebreitet, vor. Die Decke der Kopfkapsel wurde separat 



Uobor ilas 'rrac,hoonsj'st(MU von Locnsta viridiHHhna. 



3 



abj?etragoii. llior sei boinorkt , dass ein vollkommonos hori/uiitak-s Ausl>i eii('ii der 
rriipuration Solnviorig^keiteu bereitet, iiidoia viele zartere Tracheen zerreissen. 
Daher ist os vortheilhal't, die Seitonwiinde zuuiichst nur niässig umzulegen. 

Der Darnicaual wurde nach Durclitrennuug der ihn lixircuden Tracheen 
auseinander- und zur Seite lierausgelegt. Die Speicheldrüsen, welche als zarte 
weisse Triiubchen den ganzen Thorax eriullen, sind nebst ihren beiden langen 
Samnielblasen entfernt. Ebenso sind die Hoden, welche als zwei platte bohnen- 
t'örmigc gelbe Körper im 4., 5. und G. Abdominalsogment liegen, entfernt. Die 
neun mediaueu kreisförmigen Flecken stellen die neun Ganglien vor, von welchen 
die des Abdomens die kleinsten sind. Aber auch die Thoracalganglien sind au 
Grösse verschieden, so zwar, dass das erste das kleinste ist. Die Läugscommissureu 
sind der Deutlichkeit der Zeichnung wegen weggelassen. Die grösste Behutsam- 
keit erforderte die Entfernung des Fettkörpers, welcher alle Tracheen, namentlich 
aber die ventralen, innig umspinnt. Im Thorax kommen noch dazu die Speichel- 
drüsen und die Muskulatur. 

Für die Beschreibung des Tracheen Verlaufes im Einzelnen ist es zweck- 
mässig, die Aufgabe nach den Körperabschnitten in zwei Theile zu zerlegen, und 
ich wende mich, weil hier einfachere Verhältnisse vorliegen, zunächst zum Abdomen. 

Was nun die Anordnung des Tracheensystems des Abdomens anlangt, so 
sieht man zwei Paare von Längsstämmen, welche das ganze Thier durchziehen: 
ein Paar stärkere ventrale und ein Paar schwächere dorsale. Die ventralen be- 
ginnen als zarte Spitzen an der Unterseite der Kopfkapsel und ziehen dann, 
zierliche Anastomosen bildend, indem sie sich um die Apophysen der drei Sterna 
des Thorax herumschlingeu, durch den Thorax in das Abdomen, wo sie beträchtlich 
anschwellend in sanften Wellenlinien bis in die Spitze des Hinterleibes verlaufen. 
Nach innen zu geben sie für die schön ausgebildeten, paarig angeordneten Tracheen- 
blasen den Ursprung ab. Die mittleren dieser Blasen sind die grössten, nach vorne 
und rückwärts nehmen sie an Grösse ab. Die Blasen sind stets so angeordnet, dass 
zwei aufeinander folgende Paare rhombische Vertiefungen bilden, in welchen die 
Ganglien mittels feiner Tracheenästchen an die Blasen angeheftet liegen. Die 
Blasen scheinen also neben ihrer Bedeutung als Luftreservoire noch für die 
Fixirung und Luftversorgung der Nervenknoten zu dienen. Hier ist auch der 
Platz, eine irrige Bemerkung Kolbe 's (9., S. 495) zu berichtigen, welche lautet: 
„Unter den Orthopteren werden sie (die Luftsäcke) nur bei den wandernden 
Arten gefunden ; bei den eigentlichen Springern sind die Tracheen nur in einigen 
Theilen ihres Verlaufes erweitert". Locusta gehört bekanntlich nicht zu den 
wandernden Arten und zeigt diese Luftsäcke doch in so schöner Ausbildung. 

Die beiden ventralen Längsstämme zeigen im Bereiche des Abdomens zwei 
Queranastomosen, eine hinter dem letzten Brustganglion und eine zwischen dem 
letzten Abdominalganglion und den (in der Figur als abgeschnitten dargestellten) 
Ausführungsgängen der Genitalien. Von dieser letzteren Anastomose entspringen 
noch lange, schlauchförmige Luftsäcke, welche sich zwischen die Kittdrüsen ein- 
schieben und vertical nach oben verlaufen. Diese sind wegen Raummangel nicht 
gezeichnet. 

1* 



4 



Victor Nietsch. 



Der abdominale Theil der ventralen Längsstämme wird durch kurze 
Stigmenäste mit Luft versorgt, welche vom Stigma aus in einem verticalen Bogen 
aufsteigen, dann aber von einem Paar von Längsbändern niedergehalten werden, 
welche unmittelbar an der Aussenseite der Tracheenlängsstämme das ganze Ab- 
domen durchziehen. Diese Längsbänder werden noch durch Querbänder verbunden, 
welche rechtwinkelig zu den ersteren zwischen je zwei Ganglien von links nach 
rechts verlaufen. So entsteht eine Folge von Rechtecken, welche das ganze bisher 
beschriebene Tracheensystem an der Bauchwand fixiren. Diese Bänder müssen 
sämmtlich entfernt werden, wenn man die Tracheenblasen und Stigmenäste genau 
sehen will, und darum sind sie in der Zeichnung weggelassen. 

Das erste Abdominalstigma zeigt folgende Eigenthümlichkeiten: Sein ven- 
traler Stigmenast zum Hauptstamm ist länger als der der übrigen Stigmen. Von 
den dorsal gerichteten beiden Aesten ist nur der hintere blasig aufgetrieben, der 
vordere nicht; dieser vordere Ast versorgt den Hinterflügel. Endlich geht noch 
ein Ast von diesem Stigma in das dritte Bein ab, welcher überdies noch einen 
Darmast entsendet. Das nächstfolgende Abdominalstigma entsendet zwei Aeste 
zum Hauptlängsstamme, wovon der vordere bedeutend länger und blasig erweitert 
ist. Der letzte Stigmenast geht nicht direct in den Längsstamm, sondern ist in 
seiner Mitte winkelig nach hinten abgeknickt. Vom Scheitel dieser Knickung 
gehen drei Aeste jederseits ab, die zwei medianen zu den Genitalien, der äusserste 
zum Rectum. 

Von den acht Abdominalstigmen gehen ferner folgende constante Tracheen 
ab: erstens je ein Paar blasig erweiterte Röhren zu den dorsalen Längsstämmen; 
zweitens ein visceraler Ast zum Darme vom zweiten bis inclusive siebenten Abdo- 
minalstigma; drittens ein Genitalast vom vierten bis inclusive siebenten Stigma 
des Hinterleibes. 

Jene blasenartig erweiterten Röhren weichen, je mehr sie sieh vom Stigma 
entfernen, desto mehr auseinander, so dass immer die apicale des vorderen Paares 
mit der oralen des hinteren Paares eine fast gemeinschaftliche Anheftungsstelle 
am dorsalen Längsstamme haben; sie bieten daher in ihrer Gesammtheit einen 
zickzackförmigen Verlauf. Sie geben, noch ehe sie in den Längsstamm einmünden, 
viele zarte Aeste an die Muskeln und den Fettkörper des Abdomens ab. Die beiden 
dorsalen Längsstämme selbst stehen sowohl mit einander als mit dem dorsalen 
Blutsinus und dem Herzen durch zahlreiche feine Röhrchen in Verbindung. 
Manchmal, aber nicht in constanter Weise, löst sich der eine dieser Längsstämme 
gabelförmig in zwei auf, um jedoch im nächsten Körpersegmente wieder in einen 
zusammenzufliessen, wie die Figur auch zeigt. 

Mit Rücksicht auf einfachere Verhältnisse des Tracheensystems werden wir 
den Complex der zuletzt beschriebenen Längsstämme, welche die Muskeln und den 
Blutsinus des Rückens versorgen, mit ihren zuführenden blasenförmigen Röhren- 
paaren zusammen als das Aequivalent der dorsalen Aeste zu betrachten haben. 

Die mittleren Tracheenäste, welche von den Hinterleibstigmen entspringen, 
haben eine dreifache Bestimmung. Vom ersten dieser Stigmen geht ein Ast in 
das dritte Beinpaar. (Die Hüfte dieses Beinpaares ist als ein weisser Kreis ange- 



Uobor das 'rracliconsysioiu von f.ocunta viridinuhna. 



5 



deutet.) Dieser Ast entsciulet in km/cr l<]ii(fi'rmiii^' vom Sti^nui einen J):inn;ist, 
welcher zum Kaumagen aufsteigt. 

Das zweite Stigma gibt oboiiso wie die beiden folgenden (das dritte und 
vierte) einen directen Darmast ab. Diese drei Aeste sind in der Figur auf der 
linken Seite gezeichnet, aber um Vieles länger als in der Natur, um ihren Zu- 
sammenhang mit dem Mitteldarm zu zeigen; rechts sind sie abgeschnitten. Vom 
fünften bis zum siebenten Stigma entspringen je zwei viscerale Aeste, von welchen 
der mediane zum Darm, der laterale zum Hoden geht. Das achte Stigma ent- 
sendet selbst gar keinen visceralen Ast, dafür aber von der Knickungsstelle des 
Stigmenastes deren drei, welche schon oben erwähnt sind. Hier sind also die 
visceralen Aeste in ihrer Ursprungsstelle verlagert. 

Wir sehen demnach, dass die Abdominalstigmen ziemlich constant vier, 
respective fünf Aeste abgeben: einen ventralen, den Stigmenast, zum ventralen 
Tracheen-Hauptlängsstamm, welcher hauptsächlich das nervöse Centraiorgan ver- 
sorgt, einen, respective zwei viscerale zum Darm, respective zu dem Genitale, 
und ein Paar blasig erweiterter dorsaler zu den Muskeln und dem Blutsinus im 
Rücken. 

Damit ist die Uebereinstimmung mit dem typischen Tracheenverlauf der 
holopneustischen Insecten dargethan. Speciell mit dem Verlaufe der Tracheen der 
Ephemeriden bietet unser Object eine gewisse Analogie. Bei den Ephemeriden 
entspringt bekanntlich aus jedem Stigma nur ein einziger kurzer Ast, welcher 
in einen einzigen Längsstamm auf jeder Seite mündet. Erst aus diesem letzteren 
entspringen dann in jedem Segmente drei Aeste: ein ventraler zu den Ganglien, 
ein visceraler zum Intestinum und ein dorsaler Ast. Hier bei Locusta entspringen 
diese drei Kategorien von Aesten unmittelbar aus dem Stigma selbst, und zwei von 
ihnen, der ventrale und der dorsale, gehen Anastomosen ein, welche jene beiden 
Längsstämme darstellen. Insoferne diese Längsstämme aber eine erst secundäre 
Bedeutung besitzen, kann man der Tracheenanordnung bei Locusta und den 
Ephemeriden eine gewisse Congruenz zusprechen. 

Für die Anordnung der Tracheen im Kopfe und Thorax ist zunächst das 
Vorhandensein der beiden Paare von Hauptlängsstämmen auch hier zu constatiren. 
Für die Fixirung der beiden ventralen Längsstämme ist die Gestalt der drei 
Apophysen der Sternalplatten wichtig. Diese Apophysen bestehen aus je drei 
Theilen, ZAvei seitlichen flügelähnlichen Fortsätzen und einem brückenartigen 
mittleren Verbindungsstücke. Unmittelbar vor diesem und an dasselbe angeheftet 
liegen die drei Brustganglien, während die Hauptstämme unter den Flügelfort- 
sätzen sich um die säulenartige Basis der Apophysen herumschlingen. Vor jeder 
Apophyse werden sie durch eine Queranastoniose zusammengehalten. Ausser diesen 
finden sich aber auch Längsanastomosen, und zwar zwischen Ganglion I und II 
und zwischen II und III je ein Paar, welche von den Längsstämmen jederseits 
entspringend nach innen und hinten verlaufen und in die Queranastomose münden. 
So entstehen die Schlingen innerhalb der beiden ventralen Längsstämme, welche 
in der Figur genau wiedergegeben sind. Sowohl diese medianen, als auch die 
beiden Paare von lateralen Schlingen, welche nach aussen von den Längsstämmen 



6 



Victor Nietsch. 



liegen, umgreifen die Ansatztheile von Muskelbündeln, welche den Dorsoventral- 
muskeln und den Beinadductoren angehören. Auf diese Weise werden nicht nur 
diese Maschen, sondern auch der zickzackförmige Verlauf der beiden ventralen 
Hauptstämme erklärlich. 

Aber auch die dorsalen Längsstämme sind im Thorax wohl erhalten. Sie 
ziehen, von den Längsmuskeln verdeckt, in den Prothorax, von wo sie nach Auf- 
nahme zweier kurzer Aeste aus dem ersten Stigma in den Kopf münden. Auch 
hier zeigen diese Längsstämme stellenweise eine Verdoppelung. 

Um mir die Darstellung des noch nicht beschriebenen Theiles der Tracheen 
zu erleichtern, muss ich nunmehr die Tracheen des Kopfes für sich und ebenso 
jedes der beiden Thoraxstigmen für sich behandeln. 

Der Kopf wird im Ganzen von sechs Tracheen, drei auf jeder Seite, ver- 
sorgt. In die oberste Partie desselben setzen sich, wie schon erwähnt, die beiden 
dorsalen Längsstämme fort. Nach ihrem Eintritte in die Kopfkapsel gabeln sie 
sich; der laterale Ast geht, sich abermals theilend, zum Auge, der mediane Ast 
ebenfalls nach einer Bifuroation zur Antenne; überdies bilden die medianen zwei 
Queranastomosen, wie die Figur deutlich zeigt. 

Das zweite Paar von Kopftracheen entspringt direct aus dem ersten Stigma 
und hat eine mittlere Lage in Bezug auf die anderen beiden Paare. Es gibt vor 
seinem Austritte aus dem Thorax einen sich gabelnden Ast an die ventralen Längs- 
stämme ab, so dass es auch als Stigmenast dieser letzteren fungirt. Dieses mittlere 
Tracheenpaar dürfte, wie ich vermuthe, die Mundgliedmassen, nämlich Mandibeln 
und Maxillen, sowie das Ganglion supra-oesophageum versorgen. 

Das dritte, medianste, respective unterste Tracheenpaar ist die directe 
Fortsetzung der beiden ventralen Hauptstämme. Es mündet ganz an der Unter- 
seite der Kopfkapsel und dürfte das Ganglion infra-oesophageum und die Unter- 
lippe versorgen. 

An den beiden Thoracalstigmen ist zunächst der Unterschied auffallend, 
dass vom ersten fünf, vom zweiten nur zwei Aeste entspringen. 

Das Auffallendste im ganzen Thorax überhaupt sind zwei mächtige, bis zu 
2 mm im Querdurchmesser haltende Röhren, welche in horizontaler Richtung vom 
ersten Stigma gegen die Mittellinie verlaufen. Sie endigen fast in der Mittel- 
linie in zwei kugeligen Blasen, welche durch eine über die Ganglienkette hin- 
ziehende Peritonalhülle miteinander verbunden sind. Von diesen Halbkugeln 
geht auch eine Chitinsehne an die dorsale Körperwand. Wenn man den Thorax 
völlig ausbreitet, muss die Verbindungshaut dieser zwei Röhren durchtrennt werden, 
und dann sieht man, dass sie sich genau vertical in die Coxa des ersten Bein- 
paares fortsetzen, mithin homolog dem schon besprochenen Hüftenaste aus dem 
dritten Stigma sind, welcher in das dritte Beinpaar mündet. Die ungewöhnliche 
Grösse dieses im Prothorax gelegenen Coxalastes ist dadurch bedingt, dass er das 
Gehörorgan zu versorgen hat. 

Ausser diesem grössten, rein medianwärts gerichteten Aste entspringen aus 
Stigma I noch die zwei schon erwähnten Aeste nach vorne und ein Ast (rechter- 
seits in der Figur) oder zwei Aeste (linkerseits) nach hinten. Ich lege dieser 



Uobor (las 'rracliPOiiHystcm von Locnitla viridinsima. 



7 



Abwcif'lnmj? kcMiio lU^diMif uuf^ bei, da, iiucli wenn ein (ünzij^'or C(»niniuni<-al,ions;tst 
nach hinten geht, derselbe sich sofort in zwei Aeste theilt-, welche als St.ignien- 
äste zum dorsalen und ventralen Liingsstanmi ziehen. 

Man kann der Einfachheit wegen die Sache so auffassen, dass von Stigma 1 
zwei Paare von Stigmenäston abgehen, ein vorderes und ein hinteres Paar. In 
jedem Paare gehört der eine Ast dem dorsalen, der andere dem ventralen Längs- 
stamni an. Stigma I repräsentirt also mit Rücksicht auf das Stigma II ein ver- 
schmolzenes Doppelstigma. Mit Bezug auf das Fehlen des Stigmas des Prothorax 
kann man also in dem mächtigen Stigma I einen Ersatz für dasselbe sehen. 
Von den zuletzt besprochenen Aesten aus Stigma I gehen zahlreiche Muskeläste ab. 

Aus dem Stigma II entspringt blos ein einziger Tracheenstamm, welcher 
sich aber sofort in zwei Aeste theilt. Von diesen geht der eine, da das Stigma 
in der Mitte der Seitenwand liegt, vertieal nach unten, der andere dorsalwärts 
gegen die bezüglichen Längsstämme. Diese beiden Aeste sind also der ventrale 
und der dorsale Stigmenast des zweiten Stigmas. (In der Zeichnung liegen beide 
horizontal und sind medianwärts, respective lateral nach aussen gerichtet.) Der 
erste Ast theilt sich in vier Seitenäste, von welchen zwei in den ventralen Längs- 
stamm münden und so mit diesem eine Masche bilden. Der dritte Ast steigt in 
die an der Theilungsstelle gelegene Hüfte des zweiten Beinpaares hinab und ist 
in der Figur nicht dargestellt. Der vierte Seitenast biegt nach oben um und 
confluirt mit einem gleicherweise vom dorsalen Stamme abgehenden Aste, so dass 
eine bisquitförmige Schlinge entsteht. Diese Schlinge liegt in der Zeichnung vor 
dem Stigma, in der Natur liegt sie über demselben, in einer höheren Ebene. 
Sie ist ganz in die Flugmuskeln eingebettet, in welche sie zahlreiche Aeste abgibt. 
Der dorsale Stigmenast endet nicht in dem Längsstamme, sondern setzt sich über 
denselben hinaus fort, um in den Vorderflügel zu gehen. Ausser ihm geht noch 
ein zweiter Tracheenast weiter vorne in diesen Flügel, welcher entweder von jener 
Schlinge abzweigt (rechts in der Figur) oder separat von dem Stigmenaste selbst 
entspringt (links in der Figur). Ausserdem gibt dieser Flügelast noch einige 
Muskelästchen ab. 

Endlich bildet der dorsale Stigmenast noch eine Anastomose zu jener 
Tracheenmasche, welche lateral vom dritten Ganglion gelegen ist. Dieser Anasto- 
mosenast gibt oft noch einen Ast an den vorderen der beiden dorsalen Stigmen- 
äste des dritten Stigmas ab. 

Damit wären die in der Fig-ur ersichtlichen hauptsächlichen Verzweigungen 
des Tracheensystems von Locusta viridissima beschrieben, und es erübrigt nur 
der Uebersichtlichkeit wegen, die von den Stigmen abgehenden Aeste zusammenzu- 
stellen. Es gehen ab von: 

Stigma I. Fünf Aeste, nämlich: ein überaus starker Ast medianwärts in die 
Hüfte des ersten Beinpaares (Ast des Gehörorganes), zwei dorsale 
und zwei ventrale Stigmenäste. 
„ II. Zwei Aeste: die beiden Stigmenäste und von diesen ein Ast in das 
zweite Bein und zwei Aeste in den Vorderflügel. 



8 



Victor Nietsc h. 



Ueber das Tracheeäsystem von Locusta viridiasima. 



Stigma III. VierAeste: ein Hüftast zum dritten Bein; ein ventraler und zwei 
dorsale Stigmenäste ; der eine der letzteren ist zugleich Flügelast des 
Hinterflügels. 

„ IV. Fünf Aeste: zwei ventrale und zwei dorsale Stigmenäste und ein 
Visceralast. 

„ V, VI. Je vier Aeste : ein ventraler und zwei dorsale Stigmenäste und ein 
Visceralast. 

„ VII, VIII, IX. Je fünf Aeste: ein ventraler und zwei dorsale Stigmenäste, 

ein Ast zum Darm und ein Ast zum Genitale. 
„ X. Drei Aeste : ein ventraler Stigmenast, welcher geknickt ist und von der 
Knickungsstelle drei Visceraläste abgibt, und zwei dorsale Stigmenäste. 
Zum Schlüsse statte ich Herrn Prof. Friedrich Brauer für seine freund- 
lichen Eath Schläge öffentlich meinen Dank ab. 



1. St ra US-Dürkheim, H. E.: Considerations generales sur Tanatomie 
comp, des anim. artic, aux quelles on a Joint l'anatomie descriptive du hanneton 
vulgaire. Paris, 1828. 

2. Carus, J. V. : Icones zootomicae. Leipzig, 1857. 

3. Graber, V.: Die Insecten. I. Theil. München, 1877. 

4. Palmen, J. A. : Zur Morphologie des Tracheensystems. Leipzig, 1877. 

5. Berlese, A.: Osservazioni sulla anatomia del Gryllus campestris. (Atti 
Soc. Veneto-Trent. Padova, 1882.) 

6. Leuckart, R. : Die Anatomie der Biene. Cassel, 1885. 

7. Leuckart et Nitzsche: Zoologische Wandtafeln. 

8. Witlaczil, E.: Zur Anatomie der Aphiden. (Arb. zool. Inst. Wien, 1882.) 

9. Kolbe, H. J.: Einführung in die Kenntniss der Insecten. Berlin, 1889. 



Erklärung der Abbildungen. 
Tafel I. 

Fig. 1. Die Lage der Stigmen. / Das Stigma des Mesothorax, II das Stigma 
des Metathorax; 1. erstes, 8. letztes Abdominalstigma, b die Coxae der 
rechten Seite. 1 — 10 die Tergiten des Abdomens. Sr. die Schrillleiste 
auf der Unterseite des rechten Deckflügels, o Labium, mi, mg, ms die 
drei Kieferpaare. Die punktirten Stellen bedeuten die weiche Inter- 
segmentalhaut. 

„ 2. Männliches Thier, durch einen dorsalen Längsschnitt geöfi'net und aus- 
gebreitet. 



9 



Beiträge zur Diplopoden-Fauna Tirols. 

Von 

Dr. phil. Carl Vcrliocff 

in Bonn am Rhein. 

(Mit Tafel II und 3 Figuren im Texte.) 



(Vorgelegt in der Versammlung am 6. December 1893.) 



Seit mehreren Jahren habe ich mich unter Anderem bemüht, auf der von 
Prof. R. Latzel in Klagenfurt geschaffenen Grundlage einer wissenschaftlichen 
systematisch-anatomischen Myriopodenkunde weiter zu bauen. Meine Forschungs- 
ergebnisse über Diplopoden habe ich in folgenden Abhandlungen niedergelegt, 
welche im Interesse anderer Autoren hier citirt werden mögen : 

1. Ein Beitrag zur mitteleuropäischen I)iplopoden-Fauna. (Berliner Entom. 
Zeitschr., 1891, Heft I, S. 115—166. Mit 4 Tafeln.) 

2. Ein Beitrag zur Kenntniss der Gattung Chordeuma und einige Notizen 
zur deutschen Diplopoden-Fauna. (Ebenda, 1892, Heft I, S. 7—14. Mit 1 Tafel.) 

3. Neue Diplopoden der paläarktischen Region. (Zoologischer Anzeiger, 
1892, Nr. 403 und 404. 13 S.) 

4. Ueber ein neues Stadium in der Entwicklung von luliden-Männchen; 
ferner: Notiz zum Schaltstadium bei luliden-Männchen. (Ebenda, 1893, Nr. 410 
und 414. 7 S.) 

5. Neue Diplopoden der portugiesischen Fauna. (Ebenda, Nr. 418 und 419. 
12 S. Mit 5 Figuren. — Enthält auch Bemerkungen über mitteleuropäische luliden.) 

6. Bearbeitung der von A. F. Moller auf der Insel St. Thome gesammelten 
Chilopoden und Diplopoden. (Berliner Entom. Zeitschr., 1892, Heft II, S. 193 
bis 208. Mit 1 Tafel.) 

7. Ueber Proterandrie der Diplopoden. (Ebenda, 1892, Heft IV, S. 491—492.) 

8. Seltene Tracheaten der Rheinlande. (Entom. Nachrichten, 1892, S. 3—5.) 
Von anderen Autoren will ich besonders folgende Schriften aufführen, 

welche in die Zeit nach 1884 fallen und bemerkenswerthes Interesse erheischen: 
1. C. 0. V. Porat: Nya Bidrag tili skandinaviska Haiföns Myriopodologi. 
(Entomologisk Tidskrift, Stockholm,. 1889. 66 S.) 

Z. B. Ges. B. XLIV. Abb. 2 



10 



Carl Verhoeff. 



2. E. Latzel: Les Myriopodes de la Normandie. Ronen, 1884 und 1886. 
1. Liste, 24 S. und 1 Tafel, 2. Liste, p. 165—176; dazu Addenda, 1887, p. 14 und 
1890, p. 363—367. 

Schliesslich gestatte man mir noch, auf drei eigene Schriften aufmerksam 
zu machen, welche sich noch im Drucke hefinden und im Laufe des Winters in 
der Berliner Entomologischen Zeitschrift erscheinen werden : 

1. Neue Diplopoden aus dem österreichischen Küstenlande. Mit 1 Tafel. 

2. Diplopoden-Fauna des Adriagebietes. 

3. Beiträge zur Diplopoden-Fauna der Schweiz. Mit 1 Tafel. 



lieber das grundlegende Werk Latzel 's (Myriopoden der österreichisch- 
ungarischen Monarchie. Wien, 1880 — 1884. II. Theil: Symphylen, Pauropoden 
und Diplopoden. 414 S. mit 16 Tafeln) habe ich mich, wie es sich gebührte, 
bereits in der ersten der oben citirten Schriften in anerkennender Weise ausge- 
sprochen, so dass es Niemand miss verstehen kann, wenn ich in späteren Arbeiten 
mich daranbegeben habe, auch die Mängel aufzudecken. Fehler sind auch in 
Latzel's Werk begangen worden, nur würden die meisten Autoren sehr viel mehr 
Fehler begangen haben. Es mussten also Fehler vorkommen, das lag in der 
enormen Schwierigkeit des Stoffes. 

Wenn ich 1. c. Latzel mit M eigen verglich, so darf doch, den Zeiten 
gemäss, der Unterschied nicht verkannt werden, dass Meigen ein Systematiker 
der alten Zeit ist, d. h. ein reiner Farben- und Sculptursystematiker, Latzel 
dagegen ein Systematiker der neuen Zeit, d. h. ein morphologisch-ana- 
tomischer Systematiker. Das will ich nicht verkannt haben. 

Was nun in Sonderheit die Diplopoden-Fauna Tirols anbelangt, so ist bei 
Weitem das Wichtigste darüber in dem genannten Latzel 'sehen Werke zu finden. 

Später hat W. v. Dalla Torre in Innsbruck diese Angaben Latzel's über 
Tiroler Myriopoden in einem Aufsatze gesammelt, betitelt: „Die Myriopoden 
Tirols", veröffentlicht in den Berichten des naturwissenschaftlich-medicinischen 
Vereins, 1887/88. Dazu wurden die Angaben der übrigen Literaten gestellt, welche 
Tiroler Myriopoden mehr oder weniger eingehend besprochen haben. Eingangs 
der Arbeit v. Dalla Torre 's findet sich das betreffende Schriftenverzeichniss 
über Tiroler Myriopoden. 

So verdienstlich nun die Arbeit v. Dalla Torre 's auch ist, so wenig ist 
in ihr von kritischer Durcharbeitung des behandelten Stoffes zu finden. Es geht 
aus derselben nicht hervor, ob der Verfasser die Thiere, welche ihm vorlagen, 
genauer untersuchte, oder ob er sich, was sehr wahrscheinlich ist, lediglich auf 
die mächtige Autorität des Altmeisters Latzel gestützt hat. Für letzteren 
Umstand ist massgebend, dass v. Dalla Torre durchaus keine morphologischen 
Bemerkungen einflechtet, auch ist gegen keine einzige Art Latzel's und anderer 
Autoren irgend ein Zweifel erhoben worden.*) Von den Copulationsorganen wird 
in der ganzen Arbeit nicht gesprochen. 



1) Ausgenommen, wenn demselben bereits von Latzel Ausdruck gegeben worden war. 



Hoitriigo zur Diplopoden-Fauna Tirols. 



11 



Schon an andoron Orton liabo icli darauf hiiipfewirsen, dass die Latzül- 
sclien Abbildungen dor Copulationsorgane koinoswegs iniiiier so exact ausgcführl, 
sind, wie es bei Diplopoden einmal nothwendig ist. Ich gebe gerne zu, das.s die 
Darstellung dieser Organe ihre Schwierigkeiten hat, sowie auch, dass die Ab- 
bildungen in meiner Erstlingsarbeit: „Beiträge zur mitteleuropäischen Diplopoden- 
Pauna" hölzern genug ausgefallen sind. Es will das etwas gelernt sein. Dort habe 
ich theilweise zu viel schattirt, und zwar recht ungeschickt, denn bei diesen theil- 
weise halb- bis ganz durchsichtigen Orgauen niuss die Schattirung überhaupt 
etwas beschränkt werden. Die Hauptsache ist scharfe und äusserst exacte Wieder- 
gabe der Contouren. Ich meine, dass ich gerade diesen Punkt auch in meiner 
eben citirten Arbeit ausreichend berücksichtigt habe. Ich zweifle nicht, dass Jeder 
im Stande ist, die betreffenden Organe leicht wieder zu erkennen. Dagegen kom- 
men mir die Zeichnungen Latzel's, obwohl sie an und für sich höchst sauber 
und gefällig ausgeführt wurden, etwas schematisirt vor. Offenbar ist es dem 
Autor nicht darauf angekommen, hier oder dort ein kleines Dörnchen oder Eckchen 
fortzulassen. Ich besitze eine ganze Reihe La tzel 'scher Original-Exemplare und 
habe sie mit seinen Zeichnungen verglichen. 

Die Abbildungen der Copulationsorgane der Diplopoden sollen doch einen 
doppelten Zweck verfolgen: 

1. Klarlegung des anatomischen Baues derselben und 

2. Begründung der natürlichen Verwandtschaft der verschiedenen Formen. 
Gerade die letztere Absicht kann nur dann erreicht werden, vor Allem kann 

in die Variation dieser hochwichtigen Organe nur dann ein Einblick gewonnen 
werden, wenn die grösste Sorgfalt in der Darstellung derselben angewandt wird. 
Mit peinlicher Genauigkeit muss jede Ecke und jeder Portsatz untersucht und 
abgebildet werden. 

Doch ich will mich des Genaueren direct an die luliden wenden, für 
welche meine Bemerkungen in allererster Linie gelten. Nehmen wir sofort die 
„/aZZao;- Gruppe", in welcher Latzel unleugbar gesündigt hat. Ich habe ihn im 
vorigen Jahre zu einer Nacharbeit derselben aufgemuntert, leider mangelte es 
ihm an Zeit. 

Was Latzel fdllax Meinert nennt, ist bekanntlich nicht derselbe, sondern 
Zon^fafeo Latzel = fallax Meinert. Darnach hat der /aWa^c (Mein.) Latzel's den 
Namen mgdbundus Latzel zu führen. Damit ist die Sache aber noch lange nicht 
geklärt. Um die Confusion vollzumachen, hat nämlich Latzel in dieser „fallax- 
Gruppe" den Artbegriff anders gefasst als sonst, was unconsequent war, und 
dies hat er mir selbst zugegeben. Arten mit wesentlich verschiedenem 
Copulationsapparat sind eben deshalb verschiedene Arteu und nicht 
Varietäten. 

Nur wo es sich um geringe Differenzen handelt, wo nur ein Dorn oder 
eine Ecke mehr oder weniger ist, oder wo eine Platte oder ein Arm eine etwas 
andere Gesammtfigur hat, ist die Aufstellung einer Varietät berechtigt, wie es 
z. B. bei Polydesmiis complanatus L. var. monticola Latzel richtig geschehen 
ist. Selbstverständlich lässt sich hier keine allgemeine Regel aufstellen, es gibt 

2* 



12 



Carl Verhoeff. 



hier so gut Uebergänge wie sonst in der Natur, aber das steht fest, ilass man 
unter 100 Fällen in 98 in jedem einzelnen Falle sehr leicht entscheiden kann, 
ob eine Form als Art oder Varietät zu bezeichnen sei. 

Jeder Kenner wird es daher verwerfen, wenn Latzel in seinem Werke, 
Bd. II, die in den Figuren 137, 142, 143, 144, 145 und 148 dargestellten Klammer- 
blätter zu einer einzigen Art zieht. Dass die verschiedenen Organe von Männchen 
aus verschiedenen Gegenden herrühren, hat er selbst meist angegeben. 145 ist 
nur eine Varietät zu 144, das ist klar. Wie aber können diese beiden mit den 
in 142 und 143 dargestellten Hinterblättern zusammengestellt werden, welche 
höchst abweichend gestaltet sind? Und wieder ganz anders sieht das Hinterblatt 
aus in Fig. 137! Aus verschiedener Eichtung der Theile bei der Darstellung lassen 
sich die grossen Differenzen in den Abbildungen Latz el's absolut nicht erklären; 
wie weit derartige Verschiedenheiten gehen, ist mir sehr wohl bekannt, auch 
erinnere ich wieder an die relativ bedeutende Durchsichtigkeit der Klammer- 
blätter. 

Selbstverständlich muss hier Klarheit geschaffen werden. 

Ich fordere deshalb hiermit alle Myriopodenforscher auf, die Fig. 142 (d. h. 
von links aus die erste Figur in der zweiten Eeihe auf Tafel VII) als typischen 
Copulationsapparat des lulus vagdbundus Latzel anzusehen. 

Latzel gibt auf S. 320 für die ganze Artengruppe, welche er unter Speeles 
„fallax^ mittheilt, an: „Die vorderen Klammerblätter . . . mit einem gerundeten 
Einschnitt, wodurch ein grosser, stumpfer Zahn entsteht". Dieser für die Vorder- 
blätter einer gewissen Anzahl von Arten nämlich höchst charakteristische Innen- 
zahn ist in Latz el's Fig. 142 und 145 gut angegeben, fehlt aber in Fig. 148 
{lulus oribates Latzel) und 137 {lulus? sp.). Es ist also ungewiss, ob diesen 
beiden Arten jener Zahnfortsatz zukommt. Dass sein Fehlen nicht dadurch zu 
entschuldigen ist, dass die Fig. 137 und 148 en face aufgenommen wurden, zeigt 
einerseits seine Fig. 135 von fallax Meinert, andererseits sehe ich es aus meinen 
eigenen Präparaten, Mit der Fig. 137 ist überhaupt nichts zu machen, da man 

1. nicht weiss, wo das derselben zu Grunde liegende Männchen herstammt, 

2. keine Abbildung von den Hinterblättern dieses Thieres allein ge- 
geben ist, 

3. auch nicht fest steht, ob der Innenzahn der Vorderblätter vorhanden ist. 
(Einen solchen sehe man übrigens auf der beigegebenen Tafel in Fig. 10 nach!) 

Ueber Fig. 143 spreche ich im weiteren Verlauf meiner Erörterung bei 
lulus helveticus mihi. — Das Thier, welches Latzel in den Fig. 144 und 145 
illustrirt, bezeichne ich wegen der drei auffälligen Lappen der Hinterblätter als 
lulus trilobatus mihi. 

Der lulus oribates Latzel, welchen der Autor als Varietät seines „fallax" 
darstellt, muss selbstverständlich als eigene Art betrachtet werden. Natürlich ist 
es nothwendig, dass uns Latzel noch eine genauere Abbildung des Copulations- 
apparates desselben liefert, vor Allem der Hinterblätter, wenn er nicht Gefahr 
laufen will, dass man diese Art später, wenn noch mehr „Vettern" entdeckt wer- 
den, auch zu den Mysticis stelle. 



HoitifiRO zur Diplopoilcn-Fiuina Tirols. 



13 



Ich zweifle uichl, dass auch der noricns und chilopogon Latzors eigene 
Arten sind, aber es werden aucli diese sich nur dann Anerkennung verschallen 
können, wenn die Khunnierhlätter von Latzel bekannt geinaclit werden. 

Dieser Autor hat mir selbst geschrieben, mau könne die Weibchen in der 
fallax-Gni\>\)e nicht unterscheiden, und darin muss ich ihm durchaus beistimmen. 
Mit Farbenuuancen ist hier nichts anzufangen. In dieser Gruppe wird nur das 
als Art anerkannt, was durch bestimmte Charaktere der Klammerblätter oder der 
vorderen Beinpaare gut charakterisirt wurde. Das schliesst übrigens nicht aus, 
dass Farbenuuancen ein gutes Hilfsmittel für das äusserliche Erkennen mancher 
Arten und Varietäten sein können. 

Der lulus montivagus wurde auch von Latzel als besondere Art ge- 
fasst. Und doch gleichen die Copulationsorgane dieses Thieres (Fig. 146 und 
147) den Darstellungen in P'ig, 137 und 142 viel mehr, als die der Fig. 144 und 
145, welche er doch zu seinem „fallax^ zog. Hier war für ihn besonders der 
Mangel des Anhanges an den zweiten Hüften und der Besitz von Tarsalpolstern 
massgebend. Letztere besitzt aber auch oribates, den er doch zu seinem „fallax^'' 
zog. Oribates ist also bezüglich der Beine der vorderen Segmente die schönste 
Mittelform zwischen montivagus Latzel und „fallax^^ Latzel. Wenn also oribates 
einbezogen wurde, konnte es auch mit montivagus geschehen. Wenn man die 
Arten so fasst, hört alle Kritik über Art und Varietät auf! Wir müssen durch- 
aus an dem Satze festhalten, dass Formen mit wesentlich verschiedenem Copu- 
lationsapparat als Arten zu betrachten sind, wobei das unleugbar heikle „wesent- 
lich" im oben erörterten Sinne aufzufassen ist. Fast immer hat man. auch noch 
dieses oder jenes weitere morphologische Merkmal zur Verfügung, welches die 
Entscheidung erleichtert, mag es nun vom Körper oder vom Kopfe, von den An- 
hängen oder von der Färbung entnommen sein. 

Es wurde bereits an anderer Stelle von mir getadelt, dass Latzel die 
Klammerblätter des lulus alboUneatus (Lucas) Latzel einfach als „denen von 
lulus montivagus ähnlich" bezeichnet. Wenn dem wirklich so ist, hätte er die Art 
als Varietät zu montivagus ziehen sollen. Ich spreche unten genauer von der- 
selben. In seiner oben citirten Arbeit hat v. Po rat zur Unterscheidung des 
lulus lacticollis und minutus v. Por. auch das Gnathochilarium herangezogen. 
Im Allgemeinen halte ich das wegen der Complication der Klammerblätter für 
überflüssig, finde es aber sehr gut angebracht da, wo es sich um schwer unter- 
scheidbare Arten handelt, wie in dem von Po rat behandelten Falle. Vielleicht gelingt 
es auf diese Weise, Unterschiede auch für die Weibchen anderer Arten aufzufinden. 

Eine besondere Complication hat das Studium der Klammerblätter neuer- 
dings dadurch erfahren, dass ich für mehrere Arten ein Schaltstadium bei männ- 
lichen lulus nachgewiesen habe, ein Stadium, welches ein noch unreifes Thier 
aufweist, gleichwohl mit einem ventralwärts geöffneten, siebenten Körpersegment 
versehen. Diese Arten gehören in die bisher nur aus der pyrenäisehen Halbinsel 
bekannte Untergattung^) Hemipodoiulus mihi. Bei dieser Gruppe besitzt das 



Neuerdings fasse icli sie als selbstständige Gattung, Palaioiulus, mit verändertem Inhalt. 



14 



Carl Verhoeff. 



Schaltmännchen ein viergliedriges erstes Beinpaar. — Es darf wohl als der 
interessanteste Befund meiner Studien in Tirol betrachtet werden, dass ich auch 
dort eine lulus- Art mit Schaltstadium aufgefunden habe. Dieselbe wird noch 
interessanter durch ihr von den Männchen des Schaltstadiums der Hemipodoiulus- 
Arten abweichendes Verhalten des ersten Beinpaares. Dasselbe ist nämlich typisch 
häkchenförmig, wie bei fast jedem ausgewachsenen lulus-M-mnchen. 

Die Art, um welche es sich hier handelt, ist der von Latzel mit Recht 
umgetaufte lulus italicus Latzel.^) Ich gründe für diese Form die 



Untergattung Cryptoiulus m., 



Fig. I. 



deren Diagnose sich im Folgenden ergibt. 

Es entsteht jetzt die Frage, wie soll ein geschlechtsreifes J^Z^s-Män neben 
nunmehr, d. h. nachdem festgestellt ist, dass auch ein häkchenförmiges erstes 

^_^^„^^ Beinpaar nicht mehr als ausreichendes Kennzeichen der Reife dienen 

kf kann, definirt werden? 

4 d Die neue Definition, welche ich im Zoologischen Anzeiger, 1893, 

Nr. 410 und 414, geliefert habe, reicht nach dieser Entdeckung des 
Cryptoiulus italicus auch nicht mehr aus. 

Ich habe die Penes der reifen und der Schaltstadium-Form 
des italicus untersucht und beide auf den nebenstehenden Figuren 
im Texte abgebildet. Fig. I ist der noch geschlossene und unge- 
hörnte Penis des Schaltmännchens, Fig. II ist der vollkommen ent- 
wickelte, geöifnete und zweihörnige Penis des Reifemännchens. Durch 
die Hörner {h) münden die ductus ejaculatorii hinter den Hüften des 
zweiten Beinpaares nach aussen. Das siebente Segment 
ist auch bei diesem Schaltmännchen ventralwärts be- 
reits geöffnet, doch ragen die Klammerblätter noch 
nicht heraus, während sie beim Reifemännchen etwas 
Vorschauen. In allen Theilen seines Baues zeigt sich 
das Schaltmännchen als die unentwickeltere, dem Reife- 
männchen vorangehende Form. Da aber die Klammer- 
blätter bereits so wohl entwickelt sind, und da unter 
Anderem auch schon ein gut ausgebildetes Flagellum 
vorhanden ist, so kann ausserordentlich leicht der 
Fehler begangen werden, dass man diese Form als neue 
und besondere Art beschreiben möchte. 

Die Copulationsorgane des Reifemännchens des 
italicus, welche Latzel, da er diese Form nicht be- 
sass, nicht darstellen konnte, habe ich in den Fig. 7 
und 9 der beigegebenen Tafel abgebildet. An den 
Hinterblättern (Fig. 7) fällt besonders der Arm (Ä) auf, 




Fig. II. 



1) Den Tuhis dabnaticus C. Koch und noch andere Arten desselben deuten zu wollen, wäre 
reine Zeitverschwendung und ein müssiges Verfahren. 



Boiliägo zur Diplopodon-Fauiia Tirols. 



15 



welcher sehr kriifiip ist, kieferartig gestaltet, oben conc;i,v und bozähiit. Hinter 
ihm ragt noch eine besondere, hyaline Spitze vor. 

Die entsprechenden Blätter des vSchaltmiinuchens (b^ig. 8) sind noch sehr 
einfach. Statt des Kieferarmes findet sich nur ein zahnloser Fortsatz (k). 

Das Vorderblatt des Reifemänncheus (Fig. 9) greift bei g mit einem Höcker 
in eine Mulde des schwach gekrümmten und beinahe gleichlangen Mittelblattes M 
ein. Diese Theile finden sich in derselben Weise bei dem Schaltmännchen vor, 
nur sind die Blätter (wie ich das auch bei den Schaltmännchen der Hemijiodo- 
iiilus angegeben habe) wesentlich kürzer, gedrungener. Sie wachsen also noch 
während dieses Stadiums in die Länge. Das Flagellum ist beim Schaltmännchen 
schon gut ausgebildet, und das ist besonders hervorzuheben, weil die Hemipodo- 
iulns- Arten des Flagellums entbehren. 

Die übrigen Körpermerkmale bespreche ich im Folgenden. 

Wir müssen nachdem Gesagten ein reifes J^Zi^s-Männchen also durch 
folgende Merkmale charakterisiren : 

1. Das erste Beinpaar häkchenförmig oder (selten) noch rudimentärer 
(Fig. 11 und 16). 

2. Das siebente Segment ventralwärts geöfifnet. Die Klammerblätter pflegen 
meist etwas hervorzuschauen. Sie dürfen keinen gedrungenen und opaken Ein- 
druck machen. Grössere Complication irgend eines Blattpaares, besonders der 
Hinterblätter ist eine gute Garantie für ein Reifemännchen (Fig. 1 und 2). 

3. Der Penis muss geöffnet und am Ende zweihörnig oder zweispitzig 
sein (Fig. II). 



Es gibt eine ganze Reihe von JÄs -Arten, welche so gut untersucht sind, 
dass an das Vorkommen eines Schaltmännchens kaum gedacht werden kann. Noch 
zahlreicher aber ist die Reihe derjenigen Arten, bei welchen die Möglichkeit, dass 
ein Schaltstadium vorkommt, keineswegs ausgeschlossen ist, und darum mahne 
ich, darauf zu achten, damit hier recht bald ausreichende Klarheit geschafft wird. 
Eventuell bin ich selbst bereit, eingesandte Myriopoden zu untersuchen und auch 
die Bestimmung zu übernehmen. 

In der /aWaaj-Gruppe dürfte kaum eine Art mit Schaltstadium anzutreffen 
sein; der italicus Latz, gehört bekanntlich nicht in dieselbe. 

Vom fallax Mein, gibt uns Latzel über den Copulationsapparat fünf 
Figuren, und zwar 135, 138, 139, 140 und 141. 

Davon gehören 135, 139 und 141 zusammen und sind typisch, 140 be- 
zeichnet er als Varietät, und das in diesem Falle mit Recht. Dieselbe hat aber 
keinen Namen erhalten und gleichzeitig fehlt die Vaterlandsangabe. Vielleicht 
soll diese Figur zur var. exilis Latz, gehören. Im Texte ist aber keine Mitthei- 
lung davon gemacht, es heisst im Gegentheile bei exilis, S. 316: „das Männchen 
zeigt alle Charaktere eines typischen (longdbo-) fallax-WirmohmB, inclusive der 
Copulationsfüsse". Nun weicht aber die Fig. 140 im Werthe einer Varietät von 
Fig. 139 ab, mithin läge in der Annahme, dass sie zu exilis gehöre, ein Wider- 



16 



Carl Verhoeff. 



Spruch, SO dass auch hier nur der Autor selbst Klarheit schaffen kann. Endlich 
was Fig. 138 betrifft, so weicht dieselbe so weit ab, dass sie einer besonderen Art 
angehören muss. Trotzdem wird sie weder benannt, noch das Vaterland angegeben. 
Dass sie nicht zu 135 gehören kann, ergibt sich nicht nur aus der Zeichnung 
selbst, sondern auch daraus, dass 139 auf 185 ausdrücklieh verwiesen wird, 138 
aber nicht, daher muss Fig. 138 vorläufig als dunkel angesehen werden. 

Latzel's Abbildung von lulus luridus auf Fig. 166 stimmt mit meinem 
Präparat überein. Dagegen ist es wieder verwerflich, wenn er den fulviceps nur 
als Varietät behandelt, es ist eine überaus gut charakterisirte eigene Art, welche 
ich selbst zahlreich bei Zermatt sammelte. In meiner ersten Diplopoden -Arbeit 
habe ich aus dem Allgäu (Tiroler Grenze) eine Varietät von luridus als Meinerti m. 
beschrieben. Jetzt, nachdem ich in Istrien selbst den echten lulus luridus Latz, 
(non C. Koch^) aufgefunden habe, muss ich Meinerti als eigene Art fassen, was 
ich schon damals vermuthete, da die Klammerblätter erheblich abweichen. Aeusser- 
lich gleichen sich Meinerti und luridus sehr, darum sind die Weibchen schwer 
auseinander zu halten, doch kann ich folgenden Unterschied angeben: 

luridus Latz. Meinerti Verh. 

Vordere Ringtheile glatt, äusserst Vordere Ringtheile fein punktirt, 

glänzend, hintere ziemlich weitschichtig wenig glänzend, hintere dicht und tief 

und nur mässig tief gestreift. gestreift. 

Von lulus platyurus Latz, hat der Autor ein geschlechtsreifes Männchen 
besessen, aber er bildet die Copulationsorgane nicht ab, was er damit entschul- 
digt, dass er nur 1 in Händen habe. Er sagt 1. c, S. 296: „Dass ein Geissei- 
apparat vorhanden ist, nehme ich per analogiam an, da ich das einzige cf , das 
ich besitze, nicht zerstören will". 

Damit kann ich mich um so weniger einverstanden erklären, als Latzel 
noch sechs weibliche Thiere besass. Ich selbst habe nie damit gezögert, von einer 
Art, von welcher ich nur ein einziges Männchen besass, ein Präparat der Klamraer- 
blätter herzustellen. Die getrennten übrigen Theile müssen in Alkohol oder trocken 
entsprechend conservirt werden. Ob ein Diplopode als Ganzes, oder in zwei oder 
drei Stücke zertheilt aufbewahrt wird, ist meines Erachtens gleichgiltig. 

In einer mit vorliegender Arbeit gleichzeitig verfassten Schrift: „Beiträge 
zur Anatomie und Systematik der luliden", mit 2 Tafeln, habe ich eine Gruppirung 
der mir genauer bekannten lulus -AYten. vorgenommen, und es wird daraus Jeder 
ersehen, dass die verwandtschaftliche Stellung einer lulus -Art nur dann wissen- 
schaftlich ausreichend bestimmt werden kann, wenn die secundären Geschlechts- 
charaktere der Männchen genau bekannt sind. 

Nunmehr glaube ich mich über die Nothwendigkeit einer genauen Unter- 
suchung dieser Organe bei Diplopoden genug ausgesprochen zu haben. 



1) Dessen Art ist undeutbar! 



Hoitrilgo zur Diplopodon-Fiiuna Tirols. 



17 



Classe Diplopoda. 

Ordnuug Chilognatha, 
I. Unterordnung: Opistliaiidria m. 

Farn. Glomoridae. 

1. GlomeHs tHdetttina Latz. An den Abhängen um Merau vereinzelt. 

2. Glomeris pustulata Lalr. 

Form genuina. Gleichfalls vereinzelt bei Meran. 

Var. rufoguttata C. Koch. Bei Meran und Bozen häufig; bei Riva 
am Gardasee nicht selten. Bei Gargnano am Gardasee sehr häufig, colonienweise 
unter den Steinen versammelt. 

3. Glomeris transalpina C. Koch. Die Grundform, welche mir im 
vorigen Jahre so zahlreich in der Schv^eiz (oberes Rhonethal) begegnete, habe ich 
hier in Tirol vermisst. Dafür trat auf 

var. ohlongoguttata mihi. Die rothe Verbindung der seitlichen und 
mittleren Flecken am Hinterrande der Rückenplatten ist nur sehr schmal oder 
fast bis ganz erloschen, die Flecken der zwei mittleren Reihen sind, besonders 
auf den mittleren Segmentplatten, so in die Länge gezogen, dass sie bis zum 
Vorderrande reichen. Ist Letzteres nicht der Fall (bei etwas dunkleren Stücken), 
so fehlt auch am Hinterrande die rothe Verbindung. Seiten und Vorderecken des 
Brustschildes immer mehr weniger breit roth bis rostroth. Bei Sulden (Ortler- 
gruppe) nicht selten. 

var. intercedens Latz. Vereinzelt bei St. Valentin (oberes Etschthal) 
und Trafoi. 

Anmerkung 1. In Folge der enormen Dürre dieses Jahres fand ich auf 
dem Calvarienberge bei Bozen Yon pustulata nur todte Exemplare; desgleichen 
auf der staubigen Chaussee, welche von Riva in die Felsen gehauen ins Ledro- 
thal führt. Hier und da ist eine Felsspalte, durch welche das Wasser zeitweise 
herabkommt. An solchen Orten war unter Steinen zwar eine carnivore Feronia 
oder ein Harpalus lebend anzutreffen, die Glomeris dagegen waren sämmtlich 
todt und dann gewöhnlich zu zwei Dritteln eingerollt. 

Anmerkung 2. Die Glomeris marginata Vill. habe ich aus Vorarlberg 
sicher nachgewiesen. In Mittel- und Südtirol fand ich sie nicht. Die Angaben 
ihres Vorkommens daselbst, welche von Gredler, Canestrini und Fanzago 
herstammen, beziehe ich vorläufig auf schwarze Varietäten sonst bunter Arten. 

IL Unterordnung: Proterandria m. 

Farn. Polydesmidae. 

4. Polydesmus edentulus C. Koch. Campi bei Riva in beiden Ge- 
schlechtern unter Steinen an der Bergstrasse. 

Z. B. Ges. B. XLIV. Abb. 3 



18 



Carl Verhoeff. 



Die Copulationsorgane stimmen mit den von Latzel, 1. c, Fig. 58, dar- 
gestellten überein.^) 

5. Polydesmus denticulatus C. Koch. Sulden. 9- 

6. Polydesmus illyricus Yerhoeff, Neue Diplopoden aus dem öster- 
reichischen Küstenlande, Berlin, 1893, Fig. 1. Zuerst habe ich diese Art aus der 
Gegend von Abbazia bekannt gemacht. Nunmehr hat es sich herausgestellt, dass 
dieselbe in Tirol die gemeinste Art der Gattung ist. Den gemeinen compla- 
natus L. habe ich dort gar nicht gefunden, und dürfte derselbe zweifellos durch 
die var. monticola Latzel vertreten werden. Ob diese wirklich als Varietät zu fassen 
ist, vermag ich nicht zu entscheiden. Die meisten Fundorte, welche Latzel und 
V. Dalla Torre für complanatus in Tirol angeben, sind zweifellos auf illyricus 
zu beziehen. Derselbe ist in Tirol etwas kleiner als bei Abbazia (cT 21 — 22 mm, 
9 19— 23 mm lang), auch sind die Seitenflügel der vordersten Körpersegmente 
nicht ganz so schräg aufgebogen, immerhin aber noch schräger als bei compla- 
natus. Im Uebrigen, insbesondere in der Beschaffenheit der Copulationsfüsse, 
herrscht mit den Istrianern Uebereinstimmung, nur der daumenartige Fortsatz 

am Innenast ist bei den Tirolern etwas schlanker. Die 
Seitenflügel der illyricus sind entschieden heller gefärbt 
als bei complanatus, und das fällt besonders bei den 
lebenden Thieren auf. 

Die Copulationsorgane, welche ich 1. c. abbildete, 
erinnern zwar sehr an diejenigen des complanatus, bei 
genauerer Vergleichung aber stellen sich beträchtliche 
Unterschiede heraus, welche ich anführen will, indem 
ich gleichzeitig eine typische Textfigur des Copulations- 
fusses von complanatus Linne beisetze, denn Latzel's 
Fig. 55 kann den heutigen Ansprüchen nicht mehr ge- 
nügen, da sie zu klein und nicht genau genug ist. 

Der Copulationsfuss von complanatus L. besitzt 
im Vergleiche zu illyricus Verh.: 1. einen gedrungeneren 
Mitteltheil {B) ; 2. ist der Aussenast (A) kürzer, besitzt 
an seiner Biegung einen viel kräftigeren Zahn {s) und 
ist 3. jenseits der Biegung gerade, kurz und ohne Mittel- 
Poiydesmns complanatus L. anschwelluug ; 4. ist der Innenast (/) bedeutend grösser, 
bis X hinab vom Aussenaste {A) getrennt, springt unten 
knieartig vor und trägt oben oberhalb des Polsters p nicht einen daumen- 
artigen Fortsatz, sondern ein langes, spitzes, etwas gekrümmtes Horn (e). 

Endlich will ich bemerken, dass man die Differenz beider Copulations- 
organe auch schon mit der Lupe wahrzunehmen vermag; man erkennt dann recht 
deutlich, dass diejenigen des illyricus viel schlanker sind und darum stärker 

Was man übrigens mit Polydesmus distradus Latz, aus Frankreich (1888) anfangen soll, 
weiss ich nicht. Es heisst: „Organa copulativa eadem fere(!) forma ac in Polydesmo ineonstante'-'-. 
Von Letzterem ist nur eine recht kleine Figur gegehen worden; zu klein! Ich verstehe nicht, wes- 
halb Latzel den distradus nicht als Varietät von inconstans behandelt. 




IJüitragü zur Diplopodcii-Fauiia Tirol«. 



1!) 



vortreten als die des complanatus. Zum gcnaiioreii Vorgleich a])cr sind luikio- 
skoi)isch(' Präparato iinerliisslicl). 

Vorkommou des illi/ricus: 10 cf und 2 9 TuHus Vll bei Finster- 
niüuz unter Fichtenrinde. 1 9 daselbst bei St. Valentin. 3 9 > 1 cT» 2 $ Pul- 
lus Vll um Goniagoi unter ISteineu und Rinde. 

Es ist dies also wieder ein Beispiel für Proterandrie. 

Farn. Ghordeumidae. 

7. Chordeiima silvestre C. Koch. 
Campi bei Riva. Vereinzelt. 9- 

8. Atractosoma ineHdionale Faiizago. 

Var. simile mihi. Es wurden mehrere Präparate der Copulationsorgane 
mit den Abbildungen Latzel's, Fig. 95 und 96, verglichen und im Ganzen über- 
einstimmend gefunden. Das hintere Paar ist indessen bei meinen Thieren kürzer 
als es Latzel zeichnet, noch rudimentärer, am Ende ohne „spitzen Zahn". Auch 
finde ich nichts von einem „häkchenförmigen Fortsätze". Da ein solcher auch in 
seinen Figuren nicht abgebildet ist, so vermuthe ich, dass er einige Theile des 
Vorderpaares zum Hinterpaare gerechnet hat. Das Vorderpaar seiner Figur ent- 
spricht meinen Präparaten. Da aber das Thier, welches ich von ihm aus Kärnten 
erhielt (9), auch bedeutend kräftigere Innen knoten besitzt, so nenne ich 
die Tiroler var. simile m. 

Vorkommen: Im Ortlergebiete häufig. Bei Sulden und Gomagoi unter 
Steinen, bei Trafoi unter Fichtenrinde. Beide Geschlechter ungefähr gleich zahl- 
reich. 1 9 PuUus VII bei der Schaubachhütte. 

9. Atractosoma Canestrinii Fedrizzi. 
Campi bei Riva unter Steinen. 9 • 

Diese Art, welche die kräftigste unter allen mir bekannten Thieren dieser 
Gattung ist, hat Latzel mit Unrecht bezweifelt. Sie ist die einzige Art unter 
den mitteleuropäischen, welche man leicht auf den ersten Blick erkennt, so dass 
an deren Selbstständigkeit, auch ohne Kenntniss der Männchen, nicht einen 
Augenblick zu zweifeln ist. Ich hebe folgende Merkmale hervor: Länge 20 bis 
21 mm, Breite stark 3 mm (trotz der kurzen Seitenflügel). 

Seitenflügel kurz, zusammen noch nicht so breit als der dazwischen liegende 
Rückentheil. Vorderecken stark abgerundet, die hinteren etwas rechtwinkelig 
vortretend, aber auch nicht spitz. 

Borsten deutlich, aber nicht sehr lang, die Knötchen wohl ausgeprägt, aber 
relativ nicht stark. Vorderknötchen vor der Vorderecke, Hinterknötchen auf 
der Hinte recke sitzend. Zwischen beiden zieht die deutliche, aber nicht tiefe 
Seitenfurche, durch welche der Rand gewulstet erscheint. 

Rücken mit deutlicher, aber nicht starker Mittelfurche. Der Hinterrand 
der Rückenplatten dacht sich nicht plötzlich furchenartig ab (wie bei meridio- 
nale), sondern senkt sich gleichmässig nach der Kante zu ab. 

3* 



20 



Carl Verhoeff, 



Scheitel oben etwas eingedrückt. Ocellenhaufe dreieckig, die einzelnen 
Ocellen sehr deutlich, auffallend convex. 

Körper glatt und ziemlich glänzend, graubraun. Drei dunkle Längsbänder 
laufen über den Rücken, je eines in den Flanken (ähnlich dem athesinum). 

10. Atractosoma tridentinum n. sp. $ mit 30 Körpersegmenten. 
Campi bei Riva unter Steinen. cT leider noch unbekannt. 

Ist dem meridionale äusserst ähnlich, aber besonders durch die auffallende 
Breite der Seitenflügel leicht zu unterscheiden. Die Seitenflügel sind zusammen 
^/smal breiter als der dazwischen liegende Rückentheil (bei meridionale 
nicht breiter). Der deprimirte Hinterrand ist als Depression auch entschieden 
breiter als bei meridionale und die Längsfurche über den Rücken ist schwächer. 

Die Hinterecken der Seitenflügel sind recht spitz und treten nach aussen 
und hinten deutlicher vor als bei meridionale. Der Rücken ist noch flacher und 
matter, die Innenknötchen noch schwächer als bei jenem. 

Länge 19— 20 mm, Breite 2 Smm. 

11. Atractosoma tirolense n. sp. cf, 9 (cf. Taf. II, Fig. 13 und 14). 

Körper des erwachsenen Thieres aus 30 Segmenten bestehend. Länge 11 
bis 13 mw. 

Leib schlank, graubraun, wenig glänzend. Die Seitenflügel sind zusammen 
etwas breiter als der dazwischen liegende Rückentheil. Vorderecken abgerundet, 
Hinterecken spitz, fast rechtwinkelig, etwas vortretend. Der Hinterrand der 
Seitenflügel ist schräg nach vorne gerichtet, fast gerade. Am Hinterrande der 
Rückenplatten ist eine sehr breite Depression vorhanden, welche in der 
Mitte, an der deutlich vertieften Mittelfurche, etwas nach vorne einspringt. Auch 
vorne ist eine Depression vorhanden, so dass der erhöhte Rückentheil, jederseits 
der Längsfurche, fast wie ein Halbkreis mit nach aussen liegendem Diameter er- 
scheint (bei seitlich auffallendem Lichte besonders deutlich). 

Die drei bekannten Borstenpaare sind kurz. Hinter- und Innenknötchen 
sind deutlich, aber nicht gross, das Vorderknötchen äusserst winzig, es steht eine 
Strecke hinter der Vorderecke. Das Hinterknötchen befindet sich Euuf der 
Hinterecke. Die Seitenfurche ist verwischt, die Seitenkante stumpf. 

Antennen lang. Ocellenhaufe deutlich, dreieckig-rundlich, die einzelnen 
Ocellen stark convex. Scheitel gewölbt, Stirn flach. 

Copulationsorgane des cf : Das vordere Paar (Fig. 13) besteht jederseits 
aus zwei Armen, deren kürzerer, innerer {J) breit ist und etwa dreieckig, an der 
oberen Aussenecke schwach gezähnelt. Der längere Aussenarm [z) ist langgestreckt, 
gekrümmt, am Grunde mit einem spitzen Stachel bewehrt und läuft oben in einen 
starken, lanzenartigen Zahn aus. 

Das hintere Paar (Fig. 14) erinnert etwas an das häkchenförmige erste 
Beinpaar der meisten I?^ZtfS-Männchen ; es ist stark reducirt, aber nur wenig 
metamorphosirt, gleichwohl noch recht kräftig. Das hakenartig umgebogene Ende 
krümmt sich selbst wieder in einen Zahn um. Nebenan sitzt (ähnlich wie bei 
pusillum Verhoeff aus Istrien) eine papillenartige, in der Mitte eingeschnürte 



BeitröRO z\ir Diplopodou-Fauna Tirols. 



21 



und mit diinkltM' rif^inenimassc orlÜllie Vorvviilbuiig, unlrr und in weldicr zweifollos 
eine Coxaldrüse lagert. 

Von tirolcnse ist, montivagum Vorh. durch dio kurzen Seitenflügel und die 
tiefe Seitenfurche sehr leicht zu unterscheiden. 

Athesinum Fedr. hat viel längere Borsten, kräftigere Knötchen, höchst 
kurze Seitenflügel, ist viel gewölbter und anders gefärbt. 

Vorkommen: Beide Geschlechter vereinzelt im Thalwalde bei Gomagoi 
unter Steinen und Moos (25. August 1893). 

12. Atractosoma alticolum ii. sp. 9- 

Körper des reifen 9 ^^^is 30 Segmenten bestehend. Dunkelbraun bis choco- 
ladebraun, seltener gelbbraun, ziemlich einfarbig, glänzend. Leib fast gleichbreit, 
vorne und hinten etwas verschmälert. Länge 13 — 16 mm, Breite 15 mm. 

Seitenflügel gewölbt, sehr kurz, noch etwas kürzer als bei montivagum, 
zusammen also viel schmäler als der dazwischen liegende Rückentheil. 

Hinterborsten lang. Vorder- und Innenborsten kurz. Die Knötchen sind 
klein, besonders das vordere, welches hier nur wenig hinter der abgerundeten 
Vorderecke steht. Die Hinterecke bildet einen stumpfen Winkel, der schräg nach 
vorne gerichtete Hinterrand derselben erscheint fast gerade. Rückenmitte mit 
tiefer Längsfurche. 

Eine Depression am Hinterrande der Platten fehlt. 

Die Art steht dem montivagum m. am nächsten, ist aber sofort dadurch zu 
unterscheiden, dass die Verbindungsfurche der Seitenknötchen nur schwach 
ist (bei montivagum sehr tief); auch fehlt die Depression am Hinterrande der 
Rückenplatten, und von der tiefen, länglichen Grube hinten auf der 
Oberseite der Seitenflügel ist nichts zu sehen. 

Ocellenhaufe dreieckig, Einzelocellen sehr deutlich convex. 

9 Pullus mit 26 Segmenten ist matter, weil rauh, besitzt auch längere 
Borsten; desgleichen 9 Pullus mit 28 Segmenten. 

Vorkommen: 5 reife 9 und 4 9 Pulli unter Steinen in der Umgebung 
der Schaubachhütte bei Sulden. 2650 m. 

13. Craspedosoma mutabile Latzel. 

Var. fasciatum Latzel. In der Umgebung von Gomagoi und Sulden 
nicht selten, vereinzelt noch bis zur Schaubachhütte vorkommend. 

* 

Die Chorden miden sind unter den Diplopoden unstreitig diejenige 
Familie, welche in den Alpen relativ am stärksten auftritt, vor Allem sind die 
Atractosomen die Alpengattung par excellence. Habe ich doch im Laufe 
der beiden letzten Jahre sechs alpine neue Atractosoma -Arten mittheilen können. 
Aus Tirol sind bislang sieben Atractosomen nachgewiesen. Es steht zu erwarten, 
dass sich mit der Zeit die Artenreihe in dieser schönen Gattung noch beträcht- 
lich vermehren wird. 



22 



Carl Verhoeff. 



Farn. lulidae. 

Gattung lulus mihi, s. str. 

14. lulus alemannicus Verhoeff.^) (Untergattung Leptoiulus m.) 
Conf. Zoologischer Anzeiger, 1892, Nr. 403. 

Ehe ich auf diese Art näher eingehe, will ich eine kurze Tabelle ein- 
schalten, welche die mir genauer bekannten Arten der Untergattung Leptoiulus 
mihi enthält, wobei aber vorwiegend auf die Männchen Rücksicht genommen wurde. 

Alle hierher gehörigen Arten besitzen, nebenbei bemerkt, auch zwei borsten- 
tragende Scheitelgrübchen. 

1. Hüften des zweiten Beinpaares der Männchen mit einem am inneren Ende 
derselben stehenden, kurzen, warzenartigen, nach aussen gewendeten Fortsatze 
(cf. Taf. II, Fig. 3, p, i). Erstes Beinpaar nicht mit auffallend grossem 



Haken. Schwarze Arten 2 

Desgleichen ohne denselben 4 

2. Die vorderen Beinpaare mit Tarsalpolstern. 1. orihates Latze 1. 
Desgleichen ohne Tarsalpolster 3 



3. a) Vorderblatt ohne Innenzahn, Hinterblatt mit stiefelschaftartigem Hinter- 

theil, vorne mit zwei spitzen und langen Fortsätzen, zwischen welchen ein 
kleinerer Fortsatz (Taf. II, Fig. 2, ß^) vorhanden sein oder fehlen kann 
(var. Simplex m.; Taf. II, Fig. 5). 2. alemannicus Verhoeff. 

h) Vorderblatt mit mässig grossem, schlanken Innenzahn, Hinterblatt ohne 
stiefelschaftartigem Hintertheil (Taf. II, Fig. 15), vorne ohne jene Fort- 
sätze (kleiner als voriger). 3. helveticus Verhoeff. 

c) Vorderblatt mit sehr grossem Innenlappen (Latzel, 1. c, Fig. 142), mit 
stiefelschaftartigem Hintertheil, vorne mit zwei Spitzen (welche aber anders 
geformt sind als bei alemannicus). 4. vagahundus Latzel, 

d) Vorderblatt mit kleinem, gedrungenen Innenlappen. (Stiefelschaftartiger 
Hintertheil nicht vorhanden. [?]) Hinterblatt hauptsächlich in drei End- 
lappen getheilt. 5. trilobatus Verhoeff. 

4. Erstes Beinpaar der Männchen in ein auffallend grosses, aufgebogenes Häkchen 
reducirt. Folgende Beinpaare ohne Tarsalpolster. 6. fallax Meine rt. 



Desgleichen in ein kurzes Häkchen reducirt, wie gewöhnlich 5 

5. Körper einfarbig, d. h. ohne auffallende Flecken oder Längsbänder. Fora- 

mina repugnatoria deutlich hinter der Naht gelegen 6 

Körper zweifarbig, mit hellen oder dunkeln Längsbändern oder Flecken- 
reihen 8 

6. Die vorderen Beinpaare der Männchen ohne Tarsalpolster. Körper dunkel- 



braun. Stiefelschaftartiger Hintertheil des Hinterblattes undeutlich, längere 



1) In kurzer Zeit wird eine andere Arbeit publicirt, betitelt: „Beiträge zur Anatomie und 
Systematik der luliden", mit 2 Tafeln, in welcher ich eine natürliche Gliederung der alten Gattung 
lulus Tersucht habe. Die dort gebrauchten Gattungsnamen wende ich auch hier bereits an. 



HoitniRO zur Diplopoilon-Fiinna 'I'irols. '2i\ 

Fortsiitzo fohliMi. Vorderblatt mit Imunr/alni. Mittclblatt ohne Eiiisclniiirung. 
Häkcheiiendliälfto des ersten Beines düiiii und spitz (Taf. Jl, Fig. 11). 

7. nigra fuscus Verlioc ff. 
Desgleiclieu mit Tarsalpolster 7 

7. a) Körper dunkelbraun. Häkchenbeine klein. Hinterblatt mit stiefelschaft- 

artigem Hintertheil, vorne mit zwei spitzen Fortsätzen. Vorderblatt läng- 
lieh (mit Zahn?). (Mittelblatt?) 8. montivagus Latzel.^) 
h) Collum gelbroth, der übrige Körper schwärzlich. Am Hiuterblatt (welches 
sehr an das des helveticus m. erinnert, aber am Ende ein zartes spitzes 
Krummhorn trägt) kein stiefelschaftartiger Hintertheil. Vorderblatt ohne 
Innenzahn, nur auf der Hinterseite ein Höcker über der Insertion des 
Flagellum. Mittelblatt in der Mitte verdickt, dann verdünnt und am Ende 
knopfartig aufgetrieben. Häkchenbeine sehr klein und stumpf. 

9, laeticoUis Porat. 

c) Körper schwärzlich. Häkchenbeine klein und stumpf. Vorderblatt auf- 
fallend kurz, nur wenig länger als breit, an der Hinterseite mit einem 
Höcker, der '^/s so lang ist als das Blatt selbst. Mittelblatt ohne P]in- 
schnürung, aber zweilappig. Hinterblatt mit stiefelschaftartigem, aber 
schmalem Hintertheil (sonst an das von laeticoUis, helveticus und nigro- 
fuscus erinnernd, doch tritt, wie bei riparius m. [Taf. II, Fig. 1, C] ein 
zartes, sehr zackiges Velum auf). 10. minutus Porat.^) 

8. Foramina repugnatoria deutlich hinter der Naht gelegen (wie bei allen 

vorhergehenden Arten) 9 

Desgleichen in der Naht gelegen oder dieselbe berührend. Tarsalpolster an 
den vorderen Beinpaaren vorhanden (Untergattung Chromatoiulus m.) . 11 

9. Körper hell, mit drei dunkeln Längsstriemen versehen. Tarsalpolster vor- 
handen. Mit stiefelschaftartigem Hintertheil der Hinterblätter, vorne mit 
einer langen Spitze, einem kräftigen Krummhaken und recht kleinem 
Innenzahn. 11, trilineatus C. Koch. 

{Belictus Verhoeff kommt trilineatus am nächsten, ist aber durch die 
Sculptur bestimmt davon zu unterscheiden. Ich zweifle nicht, dass das noch 
unbekannte ^ hierher zu stellen ist.) 

Körper dunkel, mit einer weisslichen, gelben oder röthlichen Längsbinde 

über den Rücken 10 

10. Vordere Beinpaare der Männchen mit Tarsalpolstern. Hinterblatt m i t stiefel- 
schaftartigem Hintertheil, vorne mit zwei langen Spitzen, mit langem 
Innenzahn (Taf. II, Fig. 1, a). Analfortsatz kurz, dreieckig, spitz. Furchen 
der hinteren Segmenthälften tief und dicht. 12. riparius Verhoeff. 

Desgleichen ohne Tarsalpolster. Ohne stiefelschaftartigem Hintertheil an den 
Hinterblättern, vorne ohne lange Spitzen, vielmehr mit irregulärem Zacken- 



^) lulus cognafus Latzel aus Frankreicli vermag ich nicht einzureihen. 

Von dieser und der vorigen Art wurden Präparate von Thiereu hergestellt, welche mir der 
Autor selbst geschickt hat. 



24 



Carl Verhoeff. 



rande, ohne Innenzahn (Taf. II, Fig. 6). Analfortsatz schlank, länglich, spitz. 
Jene Furchen ziemlich seicht und weniger dicht. (Etwas kleiner und noch 
schlanker als riparius.) 13. albovittatus Verhoeff. 

11. „Schwänzchen sehr lang und deutlich nach abwärts gedrückt. Rücken mit 
einer Doppelreihe braunrother, wenig lebhafter Querflecken." 

14. podabrus Latzel. 

„Schwänzchen massig lang und entweder ganz gerade und dünn oder nach 
aufwärts gedrückt und an der Basis dick. Rücken entweder mit einer Längs- 
linie oder auf hellem Grunde mit drei dunklen Striemen, oder das ganze 
Thier sehr dunkel"^) 12 

12. „Schwänzchen gerade. Rücken auf sehr dunklem Grunde mit einer gelben 
oder gelbrothen Längslinie." ^) 15. unilineatus C. Koch. 
„Schwänzchen kräftig, mit der Spitze meist deutlich nach aufwärts gedrückt. 
Rücken mit drei dunklen Striemen, von denen die beiden seitlichen über die 
Saftlöcher ziehen, während die Grundfarbe gelblich oder rothbraun ist, manchmal 
ist das ganze Thier fast schwarz."^) 16. austriacus Latzel. 



Mit Tarsalpolstern versehen sind 

1. montivagus Latz. 

2. orihates Latz, 

3. riparius Verh. 

4. trilineatus C. Koch. 

5. podabrus Latz. 

Ohne Tarsalpolster : 

1. nigrofuscus Verh. 

2. vagabundus Latz. 

3. alemannicus Verh. 

4. helveticus Verh. 



die vorderen Beinpaare folgender Arten : 

6. unilineatus C. Kock 

7. austriacus Latz. 

8. minutus Por. 

9. laeticollis Por. 



5. trilobatus Verh. 

6. fallax Mein. 

7. albovittatus Verh. 



Zu lulus alemannicus^) Verh. will ich noch Folgendes bemerken: 

Die Art fand ich zuerst im Neckarthal. Später stellte sich heraus, dass sie 
sowohl in der Schweiz als in Tirol der gemeinste lulus ist, wenn man von 
den Thälern absieht. Die subalpinen Wälder und Steinhalden bewohnt sie massen- 
haft, geht aber nicht so hoch herauf wie z. B. Phalangium glaciale Heer oder 
verschiedene der alpinen Atractosomen, z. B. alticola m., montivagum m. und 
Craspedosoma mutabile Latz. 

Im Ortlergebiet ist alemannicus sehr gemein, sowohl in Wäldern bei 
Gomagoi und Trafoi, als auf unbewaldeten Matten und Geröllfeldern bei Sulden. 

Bis 2400 m beobachtete ich ihn, dann schien er zu verschwinden. An der 
Schaubachhütte in 2600 — 2700 m Höhe konnte ich ihn trotz eifrigen Suchens 
nicht mehr auffinden. Häufig war er auch im oberen Etschthal (St. Valentin), 



1) Diese Sätze aus Latzel's Werk, S. 259, Nr. 14, 15, 16, zu Cliromatoiulus m. 

2) In „Ein Beitrag zur Kenntniss der Gattung Chordeuma und einige Notizen zur deutschen 
Diplopoden-Fauna", Berl. entoui. Zeit., 1892, S, 14, von mir als „vagabundus Latzel" angegeben. 



Hoitrilffo zur l>iplop(>d«>ti-Fiuiiiii 'I'irols 



25 



sowie in Wiildoni um Fiustonniinz. In Höhou von ISOO — 2300?» seln'inl siel» 
diese Art auf uubowaldoton, stoiiiif^cn Matten am wohlstcn zu fühlen, wenigstens 
habe ich sie an solchen Orten in der Schweiz und in Tirol bei weitem am zahl- 
reichsten angetroffen. Stellenweise fast unter jedem Steine. 

In Südtirol habe ich ihn vermisst, so bei Meran, Bozen, Kaltem und 
Riva. An den drei ersteren Orten dürfte er aber doch noch zu finden sein. 

Aus Istrien kenne ich den alemannicus nicht. 

Auf dem Monte Maggiore fand ich eine Art (leider nur Weibchen), welche 
dem vagdbunclus Latz, angehören dürfte. Dieser echte uagdbundus Latz, scheint 
auf die Ostalpen und Oesterreich beschränkt zu sein. 

Latzel haben selbstverständlich Exemplare meines Thieres vorgelegen, 
aber sie sind aus seiner verhängniss vollen Mischart nicht heniu'^getreten. 

Die Synonymie, welche v. Dalla Torre, 1. c, S. 99, von „fallax Latz." 
angibt, ist einmal nicht richtig {albipes ist ein total anderes Thier!), andererseits 
überhaupt gar nicht zu geben. Die Fundorte, welche Dalla Torre citirt, werden 
sich natürlich grösstentheils auf unser Thierchen beziehen. 

Und nun beschreibt Latzel noch eine var. monticola! Was soll man denn 
damit anfangen? Wer soll dieselbe wiedererkennen? Der Autor, welcher ver- 
langt, dass man seine Thiere an dem betreffenden Monte etc., wo er dieselben 
nun gerade aufgefunden hat, wieder suchen möge und aus dem, was man gerade 
dort findet, versuchen soll, seine Form wieder zu erkennen, der verlangt doch 
etwas sehr viel! 

Die relative Länge der Beine ist ein höchst trügerisches Merkmal, welches 
zur Artunterscheidung schwerlich benützt werden kann, sicherlich aber nicht bei 
Leptoiulus. 

lieber die Copulationsorgane des alemannicus m. (conf. Taf. II, Fig. 2 — 5) 
sei noch Folgendes bemerkt: 

Die Hinterblätter zeigen hier eine ausserordentlich hohe Complication. 
An der Innenseite steht ein schräg nach innen gerichteter, ziemlich kräftiger 
Zahn «, welcher in der Untergattung Leptoiulus bei vielen Arten angetroffen 
wird und in seiner Stärke sehr verschieden ist (conf. Taf. II, Fig. 1, 2, 12, 15). 
Nach hinten besitzt jede Hälfte des Hinterblattes eine vorhangähnliehe Chitin- 
hülle, welche ich als „stiefelschaftartigen Hintertheil" in der Tabelle aufführte. 
An der Innenseite sanft gerundet, schlägt er sich aussen in eine Ecke (f um, 
welche nach innen spitz vortritt. Vorne erhebt sich das Blatt in zwei spitze 
Arme, ß und y, deren innerer breiter und länger ist. Zwischen beiden steht bei 
den Alpenthieren noch ein vogelkopfartiger Zahn ß^, welcher den Thieren aus 
dem Neckarthal fehlt, var. Simplex m. (Taf. II, Fig. 5). Unter diesem Zahn liegt 
noch ein Höcker f. Eine zarte Chitinlamelle C ragt noch an der Aussenseite vor. 
Ich habe sie als Velum bezeichnet. Ihr concaver Oberrand ist in Bezug auf 
Bezähnelung variabel. Dieses Velum kommt ebenfalls bei mehreren Arten vor, 
und ihm entspricht vielleicht der viel kräftigere Theil Ic. (Taf. II, Fig. 7) bei 
Cryptoiulus italicus Latz. 

Z. B. Ges. B. XLIV. Ath. 4 



26 



Carl Verhoeff. 



Die schlanken Vorder blätter (Taf. II, Fig. 4) sind mehr als doppelt so 
lang als breit und tragen an der Innenseite keinen Zahn, nur schwache Höcker 
an der Hinterseite. An dieser befindet sich oben eine Mulde Ii, in welche das 
Mittelblatt eingreift, welches wenig kürzer ist, länglich, am Ende zugerundet, 
mit papillöser Oberfläche. 

In Fig. 3 erkennt man die Hüfte mit ihrem Fortsatz. Ein kleinerer, 
äusserer, 'p, e, dürfte den Ausfuhrweg einer Coxaldrüse enthalten. 

15. lulus riparius mihi (= Latzeli Verh., Zool. Anz., Nr. 436). 
Syn.: lulus alboUneatus (Luc.) Latzel, 1. c, S. 305. 

? Syn. : lulus alholineatus Lucas. 

In meinen „Beiträgen zur mitteleuropäischen Diplopoden-Fauna" gab ich 
auf S. 145 einen „lulus alholineatus Luc. var. flavopictus Verh." an, welchen 
ich artlich für identisch hielt mit dem alholineatus Latzel (Luc). Ich bin nun- 
mehr in Tirol in den Besitz jener Form gelangt, welche Latzel bei seiner Be- 
schreibung zu Grunde lag. Dabei stellte sich heraus, dass der alholineatus (Luc.) 
Latz, und der alholineatus (Luc.) Verh. ganz verschiedene Thiere sind. Da aber 
auf beide die Beschreibung von Lucas zur Noth passen könnte, da ferner dessen 
„einziges Original-Exemplar" aus der Gegend von Toulon (Südfrankreich) stammt 
und wahrscheinlich einer dritten Art angehört, so liegen hier zwei falsch-, resp. 
unbenannte Arten vor. Die Art, welche Latzel beschrieben hat (allerdings nicht 
ausreichend), erhielt auch er aus Tirol. 

Die andere Art wird im Folgenden auseinandergesetzt, die Unterschiede 
siehe in der Tabelle. In der ganzen Körpergestalt sowohl wie im Bau der Copu- 
lationsorgane sieht man die nahe Verwandtschaft mit alemannicus. Gleichwohl 
ist riparius von ihm (auch abgesehen von der Farbe) leicht zu unterscheiden: 

1. durch den Besitz kräftiger Tarsalpolster, 

2. durch den Mangel der Hüftwarzenfortsätze am zweiten Beinpaare, 

3. durch die Zähne an den Hinterblättern des Copulationsorganes. In Bezug 
auf letztere conf. Taf. II, Fig. 1. 

Der Innenzahn a ist entschieden kräftiger und steht nicht nach innen, 
sondern gerade nach oben. Die Spitzen ß, ß^, y sind viel schlanker und ein- 
ander näher gerückt. 

Das grauweisse bis gelblichweisse Rückenband nimmt, wie ich hervor- 
heben will, unter dem Einflüsse des durch den Alkohol extrahirten Drüsen- 
secretes eine schön rothe Farbe an, von welcher die lebenden Thiere nichts zeigen. 
Trocknet man die Spiritusexemplare, so tritt allmälig wieder die ursprüngliche 
Färbung ein. 

Vorkommen: Etwa ein Dutzend Exemplare sammelte ich im Thalwalde 
bei Gomagoi (1250 m) am Suldenbache unter Steinen. Die niedlichen Geschöpfe 
sind ebenfalls sehr behend und suchen durch heftige Windungen aus der Hand 
zu springen. 

16. lulus alhovittatus mihi. 

Syn.: lulus alholineatus (Luc.) Verh., 1. c, S. 146. 



Hoitrilpc 7.ur Miiiloii()(l(>ii-l'';imi;i 'l'iiuls, 



21 



Syn.: Iiilus alholineatns (Luc.) Vcrli., N(»ti7Aii zur deutschon DiplojxKlen- 
Fauna, 181)2, S. 14. 

? Syn.: lulus albolineatus Lucas. 

Aus Vorarlberg (Allgiiucr Grenze) habe ich diese Art in der var. flavo- 
picttis Verh., 1. c, S. 145, bekannt gemaclit, so dass sie mit zur Tiroler Fauna 
zählt. Die angegebenen Unterschiede von riparius (conf. Tabelle) in Sculptur und 
Analfortsatz gelten auch für die Varietät. Die Copulationsorgaue beschreibe 
ich nach einem Männchen aus dem Neckarthale (conf. Taf. IT, Fig. G). 

Die var. fJavopictus ist übrigens so durch ihre Farbe ausgezeichnet, dass 
sie nach Bekanntwerden des Männchens sich ebenfalls als eine selbstständige 
Art herausstellen dürfte. 

Was ich als albolineatus Lucas aus der Schweiz^) anführte, ist, auch in 
Bezug auf die Farbe, mit meinen Thieren aus dem Rheinlande und Baden so 
übereinstimmend, dass ich Identität der Art annehmen zu dürfen glaube. Immer- 
hin ist die Rückenbinde mehr gelb und die Grundfarbe heller, mehr ins Grau- 
braune spielend. 

Copulationsorgane von albovittatus m.: Vorderblätter viel länger 
als breit, gegen das Ende verschmälert und daselbst abgerundet. Flagellum kräftig 
ausgebildet. 

Mittelblätter fast ebenso lang, ziemlich gleichbreit, vor dem Ende 
schwach eingeschnürt. 

Hinterblätter ziemlich einfach, ohne Fortsätze und ohne Innenzahn, am 
Endrande mit zerrissener, zarter und unregelmässiger Zackenbildung. 

Hüften des zweiten Beinpaares ohne Fortsatzbildungen. Die vorderen 
Beinpaare ohne Tarsalpolster. 

Körper grauweiss und dunkelbraun geringelt. Ueber den Rücken läuft ein 
deutliches, weissliches Längsband vom Collum bis zum Analsegment. 

17. lulus fallax Meinert. 

Syn.: lulus longabo C. Koch und Latzel. 

Vorkommen: Diese Art beschränkt sich im Gegensatze zu alemannicus m. 
mehr auf die Thäler. Oberhalb der Baumgrenze habe ich sie nie angetroffen. 

Vereinzelt bei Trafoi, Gomagoi, Finstermünz. Recht häufig dagegen bei 
Meran (Schloss Tirol). Vereinzelt auch um Campi bei Riva. Ich kenne das Thier 
auch vom Monte Maggiore bei Abbazia. Dagegen ist meine frühere Angabe aus 
der Rheinprovinz (Beitrag etc., S. 136) zu streichen. Jene Individuen gehören 
einer noch unbekannten Art an, über welche erst das noch unbekannte Männchen 
Klarheit bringen kann. 

Die var. longispinus Verh., 1. c, S. 136, gehört, wie sich aus der Sculptur 
und der Prägung der Foramina ergibt, keinenfalls zu fallax Mein. Ich stelle 
sie vorläufig als Varietät zu alemannicus, doch wird es wohl eine eigene Art sein. 

Lassen sich fallax Mein, und alemannicus Verh. nach der Sculptur (also 
auch im weiblichen Geschlechte) unterscheiden? Ja, in den meisten Fällen leicht. 



') Beiträge zur Diplopoden-Fauna der Schweiz, Berlin, 1893/94. 



4* 



28 



Carl Verhoeff. 



Ich gebe folgende Tabelle, welche auch die nächstfolgenden beiden 
Arten berührt: 

a) Segmentfurchen sehr tief und so dicht, dass die Zwischenräume stellen- 
weise fast nur wie Zwischenrippen erscheinen. Die Foramina re- 
pugnatoria liegen im vorderen Ende je einer Furche, sind daher weniger 
deutlich. 25— 40mm. lulus fallax Mein. 

h) Segmentfurchen kräftig, aber nicht so auffallend tief, Zwischenräume 
nirgends rippenartig erscheinend. Foramina repugnatoria sehr deutlich 
und meist nicht in einer Furche gelegen, sondern neben dem Ende 
derselben; immer sehr deutlich. 18 — 40?«m. 

lulus alemannicus Verh. 
(Hierher nach der Sculptur auch var. longispinus Verh., 1891.) 

c) Segmentfurchen recht schwach. 

(Hierher stelle ich schwarze Leptoiulus (30mm) vom Monte 
Maggiore bei Abbazia, welche ich ansehe als) vagahundus Latz. 

d) Sculptur und Lage der Foramina repugnatoria wie bei alemannicus. 
Körper schwarz. 14 — 16mm. lulus helveticus Verh.^) 

e) Sculptur wie bei fallax. Körper braunschwarz, hell geringelt. 20 mm. 

lulus nigrofuscus Verh. 

18. lulus nigrofuscus mihi. 

Vorkommen: 1 und 2 9 l^ei Finstermünz unter Fichtenrinde. 

Copulationsorgane conf. Taf. II, Fig. 10 und 12, sowie obige Tabelle. 
Fig. 11: Häkchenbein. 

In allen Merkmalen, welche hier im Vorigen nicht erwähnt wurden, herrscht 
Uebereinstimmung mit den verwandten Arten. 

19. lulus trilineatus C. Koch. 
Var. affinis mihi. 9- 

Länge 38— 39 mm, Körper schlank, noch etwas schlanker als bei der 
Stammform, in der hinteren Hälfte reichlich beborstet, reichlicher als bei der 
Grundform, glänzend. 

Ueber den Kücken läuft eine feine, aber scharf markirte schwarze 
Längslinie, vom Collum bis zum Analsegment reichend, welche ein gelbliches, 
breites, aber etwas verschwommenes Längsband halbirt. Die zwei schwarzen, 
seitlichen Längsbinden in der Höhe der Foramina repugnatoria 
fehlen. Körper in den Flanken braun und grau geringelt. Beine braun. 

Borstentragende Scheitelgruben sehr deutlich, nach vorne strichartig aus- 
gezogen. Scheitel mit Längsfurche. Ocellen sehr deutlich und recht convex. 
Analfortsatz wie bei trilineatus spitz. Foramina repugnatoria gross und deutlich 
hinter der Naht gelegen, Furchen mässig tief und nahe wie bei trilineatus, 
die vorderen Ringtheile glatt, {lulus relictus Verh. ist leicht durch die viel 



•) Syn.: lulus vagahundus (Latz.) Verh. in „Beitrag zur Diplopodea-Fauna der Schweiz", 



llpitriip«' zur l)iiilo])0(l(in-l''!niiiii Tirols. 



tioforon Furchen uud den kleiiicrcu Körper zu untcrschoidcn.) Collum oliiic 
Seiteufurehen. 

Vorkoiiiineii: Canipi bei Kiv;i. 

20. luliis (Vyliuilrohihis) Meinerti Verh. 

Auf den Sculpturenunterschied von hiridus Latzol liabo icli solion oboii 
hiiisfowiesen. 

Vorkoniinon: Meine Thiere stammen von der Allgäu-Tiroler Grenze und 
sind sicherlich in Nordtirol weiter verbreitet. 

21. Itilus (Cryptomliis) italicus Latzel. 

Für das das Schaitmänncheu und das 9 g'^t Folgendes: 

Im Allgemeinen den Arten der Untergattung Ct/Undroiulus m. am nächsten 
stehend, Analfortsatz massig lang, gegen das Ende fast gleichmässig dünner 
werdend, ein wenig herabgeneigt, das p]nde aber ist nur schwach zugespitzt. 
(Also nicht cylindrisch und am Ende knopfartig!) 

Körper glänzend, unbehaart, nur der Analfortsatz und die Ränder der 
Analklappen mit einigen Börstchen besetzt. Foramina repugnatoria ganz in der 
Naht gelegen. Streifung der Segmente tief und auch dicht (das Schaltmännchen 
ausgenommen). Kopf kaum sichtbar punktirt. Borstentragende Scheitelgrübchen 
fehlen, lieber dem Munde vier deutliche Labraigruben. Ventrale Analplatte 
hinten dreieckig begrenzt, ohne Fortsatz. 

Körper graubraun und schwarzbraun geringelt. Beine grauweisslich. 
Celle n deutlich unterscheidbar, in länglichem Haufen. Länge 16 — 28 mm. 

Die TJnterscliiede des Schalt- und Reiferaännchens sind folgende: 



Schaltmännclien (19— 20 mm lang). 

Hintere Segmentringe tief, aber nur 

massig dicht gestreift. 
Analspitze nur mässig scharf. 

Backen schwach vorspringend. 
Vordere Segmentringe glatt oder doch 

nur äusserst schwach punktirt. 
Collum mit 1—2 Seitenfurchen. 
Ocellen deutlich unterscheidbar, aber 

wenig convex. 
Genitalring wenig geöffnet. 



Reifemännchen (20 — 28mm lang). 

Hintere Segmentringe tief, aber auch 

dicht gestreift. 
Analspitze noch weniger scharf, etwas 

abgerundet. 
Backen stark vorspringend. 
Vordere Segmentringe mit feiner, aber 

deutlicher, nadelrissiger Punktirung. 
Collum mit 5—6 Seitenfurchen. 
Ocellen ebenso und deutlich convex. 

Genitalring deutlich geöffnet, die Enden 
der Blätter sehr deutlich sichtbar. 



Die Unterschiede in den Copulationsorganen wurden schon oben angegeben. 

Vorkommen: Finstermünz (9), Sulden (cT), Riva (cf). 

Anmerkung. Was Latzel, 1. c, S. 290. bezüglich der Klammerblätter 
gesagt hat, gilt für das S ehalt männchen! 

Diagnose von luhis, Untergattung Cryptoiulus: Mit deutlichem, typi- 
schen Flagellum. Mittel-, Vorder- und Hinterblatt gut ausgebildet. 



30 



Carl Verhoeff. 



Foramina repugnatoria iu der Naht gelegen. Analfortsatz deutlich aus- 
gebildet, zugespitzt. Ocellen convex, deutlich unterscheidbar. Erstes Beinpaar 
häkchen förmig, zweites Beinpaar ohne Hüftanhänge. 

Dem Eeifemännchen geht ein Schaltmännchen voraus; dasselbe besitzt 
bereits ein gut ausgebildetes Flagelhim, unterschiedliche Vorder-, Mittel- und 
Hinterblätter und ein häkchenförmiges erstes Beinpaar. Der Penis aber ist noch 
geschlossen, ungehörnt, das Hinterblatt noch recht einfach, der Genitalring zwar 
geöffnet, doch ragen die Klammerblätter mit den Enden kaum vor. 

Borstentragende Scheitelgrübchen fehlen. Hintere Segmentringe deutlich 
gefurcht. Vordere Segmentringe ohne Querfurchen. Körper ziemlich gedrungen. 

22. lulus tirolensis mihi. $. (Untergattung Leucoiulus m.) 

Länge 20 — 22 mm, Breite 14 mm. Körper glänzend, hellgrau bis grau- 
weisslich, nur in den vordersten Segmenten etwas mehr bräunlich. Beine ziemlich 
lang, weisslich. Vom Collum fast bis zum Analsegment läuft eine recht feine, 
aber deutliche, schwärzliche Längslinie. In der hinteren Körperhälfte liegen hinter 
den Foramina strichartige schwarze Fleckchen. Antennen mässig lang. 

Borstentragende Scheitelgrübchen und Scheitelfurche sind deutlich vor- 
handen; vier gut ausgeprägte Labraigruben. 

Körper spärlich beborstet, nur das Analsegment reichlich. Die Borsten 
sind hell, dünn und nicht leicht erkennbar. Analfortsatz lang, gerade und 
spitz, am Ende in ein helleres Spitzchen fortgesetzt, seitlich etwas dachig. Ventrale 
Analplatte hinten dreieckig vortretend, aber ohne Spitzenfortsatz. 

Vordere Ringtheile bis in die Flanken hinab spiegelglatt. Hintere 
Ringtheile tief und so dicht gefurcht, dass die Zwischenräume meist rippen- 
artig erscheinen. Foramina sehr deutlich, aber versenkt in das vordere Ende 
von ein oder zwei benachbarten Furchen. CoUumseiten mit 2—3 kurzen Furchen- 
strichen. 

Ocellen (je nach der Beleuchtung) entweder in eine schwarze Fläche ver- 
schwommen erscheinend oder deutlich unterscheidbar, jedenfalls höchst flach. Der 
ganze Ocellenhaufe ist gross und rundlich. 

Vorkommen: Bei Finstermünz unter Fichtenrinde, in Gesellschaft von 
Polydesmus illyricus. leider noch unbekannt. Doch hielt ich trotzdem die 
Aufstellung einer neuen Art für berechtigt, da das $ charakteristische Merkmale 
aufweist. 

Gattung Palaioiulus mihi. 

23. Palaioiulus (Bothroiulus) sabulosus L. 

Die Grundform mit schwarzen Flanken ist mir nicht vorgekommen. 

a) var. hifasciatus Fanzago. Zahlreiche, meist kleinere Junge, aber 
nur 1 9- Finstermünz, Bozen, Riva, Campi. 

b) var. rubriventris mihi. Bauch und Seiten bis fast zu den 
Foramina herauf, besonders auf den Vorderringen, fast gleichmässig gelbroth, 
wie die deutlichen und zusammenhängenden Rückenbinden. 

Gomagoi, 1 reifes $, 1 cT der letzten Entwicklungsstufe, 



ItcilrivRO zur Uiplopodon-Fiiunii Tirols. 



31 



c) var. punctulatus Faii/ago. 2 V Jui»^'*^ von inittlcrer (linisso, 
Bozen, Merau, Campi bei Riva. 

d) var. apunctulatus Pedr. Nur erwacbsenu ^. Caiiipi bei Riva. 
Alle Individuen des sahulosus sind — soweit icb es gescben babc — in der 

Jugend bifasciatus, um dann entweder 

1. es bis ins Alter hinein zu bleiben, oder 

2. sie werden durch Zerreissen der Längsbinden in einzelne Flecke zu 
punctulatus, oder 

3. im Stadium der Reife durch fast völliges Verschwinden der Flecken zu 
apunctulatus. (Von letzterem sind mir junge Thiere unbekannt.) 

24. Palaioitiliis (Bothroiuliis) mediterraneus Latz. 
Er war bisher aus Tirol nicht bekannt. 

Vorkommen: Riva am Gardasee, aber nicht häufig. 

Gattung Paehyiulus mihi (non Berlese). 

25. Paehyiulus (Untergattung Äcanthoiulus m.) Seriesei mihi, 
Syn.: lulus oxypygus Fedrizzi. 

Non syn.: lulus oxypygus Brandt. 
Länge 42 — 45 mm, Breite SVs wiwi- 

Ocellen deutlich convex, gut unterscheidbar. Borstentragende Scheitel- 
grübchen vorhanden, deutlich, ebenso eine Scheitelfurche. Ueber dem Munde vier 
recht schwache Labraigrübchen. 

Analfortsatz gerade, lang und spitz, am Ende in ein feines helles End- 
spitzchen verlängert. Ventrale Analplatte einfach zugerundet. 

Foramina gross und deutlich hinter der Naht gelegen, raeist knopf- 
artig am vorderen Ende einer Furche. Vordere Ringtheile mit einer feinen Rücken- 
mittelfurche, sonst spiegelglatt, auch in den Flanken ungefurcht. Hintere Ring- 
theile tief und dicht gefurcht, in den Flanken weniger dicht. 

Körper glänzend, ziemlich reichlich beborstet, die Beborstung wird nach 
vorne zu etwas schwächer, reicht aber fast bis zum Collum. Collumseiten 
furchenlos. Antennen schlank. 

Beine weisslich, ziemlich lang. Der Bauch und die Flanken sind fast bis 
zu den Foramina herauf hellgrau, auf den Vorderringen grau gewölkt, darüber 
ist die Gegend um die Foramina braun oder schwarz. Letztere Farbe (der Varietät) 
tritt aber nur auf den Vorderringen auf, so dass eine Längsreihe schwarzer 
Flecken entsteht. Die Hinterringe sind bis zur Rückenhöhe graugelb bis braun. 
Die Vorderringe dunkelbraun, bisweilen mit einigen graugelben Wolkenfleckchen, 
auf der Rückenmitte bei der Varietät auch noch mit einem schwarzen Längs- 
fleckchen, das sich fein strichartig auf den Hinterring fortsetzt. 

Grundform: Rücken fast gleichmässig graubraun, ohne Fleckenbinden. 9- 

Var. Fanzagoi mihi. $. Rücken dunkelbraun, mit jenen drei schwarzen 
Fleckenbinden. Fast 3 mm breit. 

Vorkommen: Gargnano am Gardasee (Stammform), Riva (Varietät). 



32 



Carl Verhoeff. 



Anmerkung. Das besitze ich nicht, nehme aber nach den Mitthei- 
luiigen Berlese's an, dass die Art hier natürlich eingereiht werden muss. 

Der oxypygus Brandt^) ist ein ganz anderes, vor Allem viel dickeres 
und schwächer gefurchtes Thier als das meinige, sodass eine Neubenennung 
nothwendig wurde. 

26. JPachyiulus (Untergattung Megaiulus m.) uuicolor C. Koch. 

Vorkommen: In der Umgegend von Riva in Oelbaumpflanzungen nicht 
selten. Die Jungen findet man unter Steinen recht häufig, woselbst sie gesellig 
leben, bisweilen in Klumpen zusammengeballt. 

Anmerkung. lulus (Leptoiulus) helveticus Verh. habe ich in Tirol 
nicht gefunden, doch dürfte er daselbst vorkommen, denn ich beziehe auf den- 
selben die Fig. 143 Latzel's, welche sich offenbar mit meiner Fig. 15 deckt, 
umso mehr, wenn man bedenkt, dass Latzel's Figur kleiner und etwas weniger 
scharf gezeichnet ist. Das der Fig. 143 zu Grunde gelegene Männchen stammt 
nach Latzel aus Oberitalien. 



Verzeichniss der in dieser Arbeit aus Tirol aufgeführten Arten.^) 



1. Glomeris tridentina Latzel. 

2. Gl. pustulata Latreille f. genuina. 

2 a. var. rufoguttata C. Koch. 

3. Gl. transalpina 0. Koch var. oh- 

longoguttata mihi. 

3 a. var. intercedens Latzel. 

4. Gl. marginata Villers. 

5. Folydesmus edentulus C. Koch. 

6. P. denticulatus C. Koch. 

7. P. illyricus Verhoelf. 

8. P. complanatus Linne (Tirol?). 

9. Chordeuma silvestre C. Koch. 

10. Atractosoma meridionale Fanzago 

var, simile mihi. 

11. Ätr. Canestrinii Fedrizzi. 

12. Atr. tridentinum mihi. 

13. Atr. tirolense mihi. 

14. Atr. alticolum mihi. 

15. Craspedosoma mutahile Latzel var. 

fasciatum Latzel. 



16. lulus alemannicus Verhoeff. 

17. I. riparius mihi. 

18. I. albovittatusY-Av. flavopictusYei'h. 

19. I. fallax Meinert. 

20. I. helveticus mihi (Tirol'?). 

21. I. nigrofuscus mihi. 

22. I. triUneatus C. Koch var. afßnis 

mihi. 

23. I. Meinerti Verhoeff. 

24. I. italicus Latzel. 

25. I. tirolensis mihi. 

26. Palaioiulus sahidosus Linne var. 

bifasciatus Fanzago. 
26 a. var. rubriventris mihi. 
26 b. var. punctulatus Fanzago. 
26 c. var. apunctulatus Fedrizzi. 

27. Palaioiulus mediterraneus Latzel. 

28. Pachyiulus Berlesei mihi. 
28 a. var. Fanzagoi mihi. 

29. Pacli. unicolor C. Koch. 



1) Striis annulorum minus profundis. 

-) Bezüglich der neuen Gattungen und Untergattungen conf. „Zur Anatomie und Systematik 
der luliden" in diesen „Verhandlungen". 



ÜNIVEMiTr Of (UINOIS 



Boitrügo zur Piplopoilen-Fuuiiii TiidIs. 



33 



Ei'kliii'uii!*' der Abbilduiii^oii. 



Tafel II. 

. 1. lulus riparius Verhoeff. cT. Die Hälfte des Hinterblattes. 
a = Zahnfortsatz au der Innenseite, 
St. = stiefelschaftartige Hülle an der Hinterseite. 

= zahnartig umgeschlagene Ecke jener Hülle. 
C = zartes, durchsichtiges Velum, dessen concaver Oberrand 

gezähnelt erscheint, 
jS und 7 = Spitzen, welche geweihartig aufragen, 
ßi = kleinerer Zwischenfortsatz. 
2. lulus alemannicus Verhoeff. cT. Die Hälfte des Hinterblattes. 

Bezeichnungen analog den vorigen. 
^. Derselbe. Partie des zweiten Beinpaares, 
p. i. = innerer Hüftfortsatz. 
p. e. = äusserer Hüftfortsatz. 
CO. = Coxa. 
tr. = Trochanter. 

4. Derselbe. Ein Vorderblatt, von hinten her gesehen. 

h. = Einbauchung, in welche das Ende des Mittelblattes passt, 
f. = Flagellum. 

5. Derselbe, var. simplex mihi. Endpartie eines Hinterblattes. Der 
Zwischenzahn fehlt; ß und y weichen etwas ab. 

6. lulus alhovittatus Verhoeff. Hälfte der Copulationsorgane, von 
innen gesehen. 

H. = Hinterblatt. 
M. = Mittelblatt. 
V. = Vorderblatt. 
f. = Flagellum. 

7. Cryptoiulus italicus Latzel. Ein Hinterblatt. 

Ic. = kieferartiger, bezahnter Arm, welcher nach aussen gerichtet ist. 

8. Derselbe, Hinterblatt von einem des Schaltstadiums, Der 
Portsatz Tc. entwickelt sich zu dem Arm k. der vorigen Figur. 

9. Cryptoiulus italicus Latzel. Mittel- und Vorderblatt und Fla- 
gellum (/".). Bei g. greift ein Fortsatz des Vorderblattes in eine Mulde 
des Mittelblattes. 

Z. B. Ges. B. XLIV. Abb. 5 



34 Carl Verhoeff. Beiträge zur Diplopoden-Fauna Tirols. 

Fig. 10. lulus nigrofuscus Verhoeff. Ein Vorderblatt mit dem Innen- 
fortsatze z. und dem Flagellum f. 
„ 11. Derselbe. Erstes Bein, häkchenförmig rudimentär. 
„ 12. Derselbe. Ein Hinterblatt. 

cc = kleines Innen zähnchen. 
„ 13. Atractosoma tirolense Verhoeff. Hälfte des umgewandelten 
vorderen Paares der Copulationsbeine. 
Z. = äusserer Ast. 
/. = innerer Ast. 
s. = Stütze. 

„ 14. Derselbe. Hälfte des umgewandelten und reducirten hinteren 
Paares der Copulationsbeine. 

B. = eigentliches Beinrudiment. 
h. = papillenartig vortretende Coxaldrüse. 
„ 15. luhis helveticus Verhoeff. Hinteres Klammerblatt. 

a = Innenzähnchen, wie es auch bei den meisten der vorigen 
lulus -krt vorkommt. 
„ 16. Derselbe. Erstes häkchenförmiges Bein. 



35 



Einige oberösterrcichisehe Trivialnamen der Pflanzen. 

Von 

Prof. Anselm Pfeiffer 

in Kremsmünster. 



(Vorgelegt in der Versammlung am 6. December 1893.) 



Angeregt durch das Interesse, welches man den Trivialnamen von Pflanzen * 
imd Thieren zu schenken beginnt, hat der Verfasser eine Eeihe von Pflanzen- 
Trivialnamen unmittelbar aus dem Munde des oberösterreichischen Volkes — 
nicht aus Büchern — gesammelt und im Folgenden alphabetisch verzeichnet. 

Die Zahl der Pflanzen, welche unser Volk mit Namen zu bezeichnen weiss, 
ist gering und sichtbar im Abnehmen begriffen. Der Gebrauch der Pflanzen in 
der Volksmedicin, der pflanzlichen Hausmittel, schwindet von Jahr zu Jahr; die 
officinellen Pflanzen verHeren dadurch ihr praktisches Interesse, man kennt sie 
bald nicht mehr und vergisst die alten Namen. Möchte der naturhistorische 
Unterricht, welcher in den Volksschulen ertheilt wird, auch den Provincialnamen 
einige Aufmerksamkeit schenken, manches Denkmal alter Sprache und alter 
Denkungsweise könnte dadurch gerettet werden ! 

Ueberblickt man die hier angeführten volksthümlichen Bezeichnungen, so 
wird man Namen finden, welche mitunter auf ein hohes Alter zurückführen. 
Beispielsweise sind „Akram", „Afalter", „Zwilinde" uralte Wörter, welche ausser- 
halb der Volkssprache kaum mehr verstanden werden. Viele Pflanzen werden nach 
der Zeit ihres Blühens benannt. So gibt es zahlreiche Oster-, Frühlings- oder 
Auswärtsblumen (Auswärts heisst in unserem Dialect der Frühling), deren Er- 
scheinen die Auferstehung symbolisirt, oder die gleichsam den zur Winterszeit 
von Wolken und Nebel gefesselten Himmel erschliessen. Daran reihen sich sinn- 
verwandt die Kuckucksblumen, welche der Herold des Frühlings in das Land 
führt; einzelne bezeichnen sein Scheiden im Herbste. Den Landmann rufen die 
„Schneider" (Kornblumen) und die Korn- oder Schnitterbeere (Himbeere) zum 
fröhlichen Kornschnitt, während die „Rockenstümpfel" (Colchicum) die Mägde 
zur Winterarbeit am Spinnrade mahnen. Andere Namen bezeichnen wieder das 
häufige Vorkommen an Ort und Stelle, und sowie es unter den Erzen einen 
„Hans in allen Gassen" (Eisenkies) gibt, so steht unter den Pflanzen allerorts 

5* 



36 



Anselm Pfeiffer. 



der „Hansl beim Weg" (Cichorium Intyhus). Viele Namen deuten auf die 
praktische Verwendung der betreffenden Pflanzen (Ziadarakraut, Haningkraut). 
Die grösste Zahl unserer Trivialnamen verdankt der Aehnlichkeit, welche eine 
kindliche Phantasie an den Pflanzen oder an deren Organen mit anderen Gegen- 
ständen fand, ihren Ursprung (Katzenbratzerl, Taubenkröpferl, Tauberl im Nest). 
Auch Namen, welche nur corrumpirte Formen der wissenschaftlichen Bezeich- 
nungen sind, enthält das Verzeichniss. 

Behufs der Erklärung mancher Namen wurden unter anderen M. Höf er 's 
„Etymologisches Wörterbuch der in Oberdeutschland, vorzüglich aber in Oester- 
reich üblichen Mundart", Linz, 1815, und A. R. v. Perger's „Studien über die 
deutschen Namen der in Deutschland heimischen Pflanzen (Denkschr. der kais. 
Akad. der Wissensch, in Wien, mathem.-naturwiss. Classe, Bd. 14, 18 und 19) 
benützt. 

Vereinzelt stehenden Bezeichnungen wurde die Angabe des Ortes, wo sie 
üblich sind, beigefügt. 

Ahies pectinata D. C. Tännling. 

Ähies excelsa D. C. Grassbaum, Feichtn. 

Ächillea Clavenae L. Weisser Speik. Von einem Hallstätter hörte ich dafür 
den Namen „Schowo", wohl mit „Schabab", einem von Perger (1. c, 
Bd. 14, S. 214) unter dem Nebennamen der Schafgarbe angeführten Aus- 
druck, verwandt. 

Ächillea Millefolium L. Mausloaterl (Deminutivum von Mausleiter). Schon in 
Höfer's Zeit wurde mit diesem Ausdruck die Schafgarbe bezeichnet, wo- 
durch deren gefiederte Blätter mit einer Leiter verglichen werden. 

Aconitum Napellus L. Die Bezeichnung „Tauberl im Nest" ist mir nur ver- 
einzelt (Neuhofen a. d. K.) vorgekommen; ebenso „Maulafferl" (Aschach). 

Äegopodium Podagraria L. Dieses allgemein bekannte und lästige Unkraut 
heisst „Erdholer" und wird gegen den „Afel", das ist Entzündung der 
Haut, gebraucht. 

Agaricus muscarius L. Fliegenkredling und Fliegentod. Das Wort Kredling ge- 
braucht man, wie mir scheint, überhaupt für nicht geniessbare Pilze. So 
hörte ich gelegentlich über eine Wohnung erzählen, dass sie so feucht sei, 
dass die „Kredling" aus der Mauer herauswachsen. Spottweise berichtete 
man über eine Bäuerin, welche in ihrem Hauswesen der Reinlichkeit 
weniger hold war, dass auf dem Küchengeschirr „Kredlinge" gewachsen 
seien. 

Agrostemma GitJiago L. Hier treffen die alte Bezeichnung (H. Bock, Kreuter- 
buch, Strassburg, 1587, S. 46 und J. Tabernaemontanus, Neuw vollkom- 
mentlich Kreuterbuch, Franckfurt, 1625, Bd. 2, S. 13), die in den modernen 
Handbüchern übliche und die volksthümliche zusammen; namentlich um 
Kremsmünster bezeichnet man Agrostemma Githago allgemein als „Raden". 

Aira L. „Schmeler" und „Schmäler" bedeutet kaum eine bestimmte Species, 
vielmehr werden damit langhalmige, schlanke und biegsame Gräser auf 



Einige oborftstcrroichischo Trivialmuiicn "lor I'fliiiizon. 



37 



Aeckcrn, iu Wiildorn und ITcdzscliliif^cu bozoichnot. Ich criiiiierc midi, als 
Kuabe öfters deu Spruch geliört zu liabon: 

I gcir schlüfn, 

Sagt da Widdor zu san Scliafn ; 

1 a, sagts Laraperl a; 

I muass ma nu a Schmäler abbcissen, 

Sagt dio Alte a. 

Die genannten Ausdrücke treffen besonders den blüthen- und sament ragen- 
den Halm; die sprossende Saat und die üppigen vegetativen Theile der 
Gräser und auch Riedgräser nennt man „Saher". 

Äjuga reptans L. Die Bezeichnung „Himmelschlüsserl" ist mir nur aus Pfarr- 
kirchen bei Bad-Hall bekannt. 

Alchemilla vulgaris L. „Manterlkraut" ; auch die schon von J. Becher (Par- 
nassus medicinalis illustratus, Ulm, 1663, p. 566) gebrauchte Bezeichnung 
„unser Frauen Mantel" ist allenthalben gebräuchlich. Der in der modernen 
Botanik übliche Name „Frauenmantel" ist daher allgemein verständlich. 
— Thaubecherl. 

Althaea officinalis L. Corrumpirte Form „Alte Eh" (Haag). 

Anemone nemorosa L. Obwohl diese Pflanze zu den gemeinsten Arten der 
Frühlingsflora zählt, so hat doch das Volk dafür entweder gar keinen 
Namen, oder die Bezeichnungen sind sehr local. So hörte ich sie Schnee- 
tröpferl (Kremsmünster), Schneekaderl (Gallsbach und Kronstorf), Schnee- 
röserl (Neuhofen a. d. K.), weisse Schmalzblume (Traun), Osterblume (Linz) 
und auch „alte Weiber" nennen. 

Anthemis L, Bröselkraut (Thalheim). 

Anthriscus silvestris Hoffm. Rossküm ; damit bezeichnet das Volk vorzüglich vor- 
stehende Art, aber auch gelegentlich andere, dem echten Kümmel ähnliche 
Formen. Das Bestimmungswort „Ross" scheint überhaupt häufig die Nicht- 
verwendbarkeit einer Art im Gegensatz zu einer ähnlichen, verwandten, ent- 
weder allgemein benützten oder officinellen Form auszudrücken. So werden 
wohl auch die nicht zu medicinischen Zwecken verwendbaren, in Bächen 
und Teichen lebenden Blutegel (Aulacostomum nigricans und Heluo vul- 
garis) Rossegel genannt. — Wegen der hohen und sparrigen Stämme und 
Aeste heisst die Pflanze auch Stangert und Stangern. — Pfeifenkraut. 

Anthyllis Vulneraria L. Taubenkröpferl, Bärenklee (Wels), Katzenbratzerl. 

Antirrliinum majus L. Diese aus Südeuropa stammende Zierpflanze, welche sehr 
häufig in einfachen Hausgärten gezogen wird, pflegen die Leute „Maul- 
auferl" oder wohl auch „Maulafferl" zu nennen. Der Name deutet auf 
eine Tändelei, welche man mit der Blüthe treibt. Durch einen seitlichen 
Druck an der Blumenkrone öffnet sich diese und schliesst sich sofort 
wiederum, wenn der Druck aufhört. Ab und zu nennt man sie auch 
„Fotzmäuler" ; darüber siehe bei Salvia pratensis. 

Arctium Lappa L. Klebern. Zugleich aber ist der ebenfalls sehr alte Name 
„Klette" im Gebrauch. Beide sind auch redensartlich über eine bis zum 



38 



Anselm Pfeiffer. 



Ueberdruss lästige und zudringliche Persönlichkeit, welche sich an Jemand 
„wie eine Klette oder Kleber" anhängt. Die angeführten Namen berück- 
sichtigen die bekannte Eigenschaft des Hängenbleibens der Blüthenkörbchen 
an der Kleidung etc. 

Ärtemisia Äbrotanum L. Abrudenthee (Thalheim). 

Asperula odorata L. Vereinzelt „Ehrenpreis". 

Atropa Belladonna L. Vereinzelt „Tintenbeer". 

Bellis perennis L. Monatbleaml und Monatröserl sind bei uns die häufigsten Be- 
nennungen dieser fast in jedem Monat, in milden Wintern sogar im December 
und Jänner blühenden Pflanze. „Massliebchen" versteht unser Volk nicht, 
obgleich diese Blüthen auch bei uns ebenso wie jene von Leucanthemum vul- 
gare unter Herabsagen der bekannten Worte : „Er liebt mich von Herzen, 
mit Schmerzen, ein wenig oder gar nicht", um das Mass der Gegenliebe 
zu erforschen, allenthalben und alltäglich zerzupft werden. Man hat zur 
Deutung von „Massliebchen" eine Keihe von Versuchen angestellt; sie finden 
sich in Perger's Studien (1. c, Bd. 14, S. 202). Dort wird unter Anderem 
darauf hingewiesen, dass im Sanskrit „masa" Monat heisse. — Vereinzelt 
wurde mir die Pflanze als Angerröserl (Kirchdorf), Eöserl (Kronstorf), Schnee- 
kaderl (Buchkirchen bei Wels), Schweizerl und Saubleaml namhaft gemacht. 

Berheris vulgaris L. Weinscharling, Zitzerlbeer, Zizenbeer (Mühlkreis) oder kurz- 
weg „Zitzerl". Letztere Benennung, welche Perger (1. c, Bd. 19, S. 2) 
für das Land ob der Enns als charakteristisch anführt, leitet Höfer (1. c, 
Bd. 3, S. 338) von Zitze, d. i. Brustwarze ab, welcher die Früchtchen nicht 
unähnlich sind. 

Boletus Dill. Die grossen Formen dieser Gattung werden „Bülss" genannt. 

Briza media L. Jungfernhaar und Frauenhaar. Schon H. Bock (1. c, S. 241) 
bringt u. A. die Benennung „Jungfrauhaar" mit der Begründung: „dann 
die Meidlein haben jre Kurzweil damit". 

Bromus secalinus L. Durt, Dort, Durst, Durcht, eine ziemlich allgemeine Be- 
nennung, womit man freilich mancherlei Unkrautgräser, welche unter dem 
Getreide wachsen, bezeichnet. Ich habe sogar Galium Aparine damit an- 
sprechen gehört; mhd. turd und durth mit „Trespe" übersetzt. 

Bryonia alba L. wird Haningkraut genannt, weil es gegen die Haning, eine 
Krankheit der Kühe, benützt wird. 

Calendula officinalis L. Todtenblume. Wurde noch vor wenigen Jahren häufig 
in Friedhöfen auf Gräbern gepflanzt. 

Caltha palustris L. In Willkomm 's Schulflora von Oesterreich stehen z. B. für 
diese Pflanze die Namen „Butter-, Schmalzblume". Auch in Oberöster- 
reich sind diese die gewöhnlichen Bezeichnungen, nur wird „Schmalzblume", 
der Färbung besser entsprechend, weit häufiger gebraucht. Butterblume 
hört man nur vereinzelt, und so heisst im Gebiete unserer Alpen Trollius 
europaeus L. Das zarte Lichtgelb dieser Blüthe erinnert ja wirklich an 
eine frische Butter. Das Volk bezeichnet sämmtliche gelben Hahnenfüsse 
als „Schmalzbleaml". Gefüllte gelbe Gartenranunkel heisst man „Busserl". 



EilURo oboiö.sfonoichi.sclio Triviiiliiamcn »Ici IMlunzon. 



39 



Campanula patnla L. Wilde Gloekeu oder (Jloekcii (Attorsee). 

Campanula i'apunculoides L., Trachclium L. uud wohl :uicli andere Arten dieser 
Gattung heissen wenigstens im Traunviertel von Oberösterreicli ziemlich 
allgemein „Rotzglocke". Ab und zu werden mit diesem Trivialnamen auch 
andere, den Glockenblumen äusserlich ähnliche Blütheu (z. B. Aquilegia) 
bezeichnet. 

Cnnnahis sativa L. Bähstrick (Mondsee). 

Cantharellus ciharius Fr. wird Behling, Räling genannt. Höfer (1. c, Bd. 
S. 22 uud 23) will das Wort mit „Reh" in Zusammenhang bringen, u. A. 
deshalb, weil der Pilz von den Rehen gerne gefressen werde. In „Waid- 
mannsheil" (Klagenfurt, Jahrg. XI, 1891, Nr. 7, S. 95) schreibt H. K. S.: 
„Dass das Reh gerne Schwämme äst, davon hatte ich auch voriges Jahr 
im Sommer einen deutlichen Beweis, indem ein in meinem Revier Wolfs- 
brunn erlegter Rehbock beim Aufbruch nur Schwämme als Aesung auf- 
wies". In Aussee (Steiermark) heisst dieser Pilz „Viehling". 

Capsella Bursa pastoris Mönch. Ab und zu Beuteldieb und Kochlöffel genannt. 

Cardamine pratensis L. Gugascheckn und Gugelscheckn. Die Bezeichnung deutet 
auf den Kuckuck und mag wohl durch die Gleichzeitigkeit des Blühens 
dieser Pflanze und der Rückkehr des Kuckucks veranlasst worden sein, umso 
mehr, als man sie nicht selten mit dem „Kuckucksspeichel", d. i. mit dem 
Schaume der Wiesenzirpe, den man für ein Werk des Kuckucks hielt, be- 
haftet findet (Wiesenschaumkraut). Auch die Sommersprossen führen den 
Namen „Gugascheckn". Tabernaemontanus (1. c, Bd. 2, S. 166) führt 
unter Cardamine eine Reihe von Gauchblumen an, und beispielsweise ist 
auch das englische Wort cuckooflower ein Compositum mit dem Bestim- 
mungsworte Kuckuck. Demnach schliesst sich unser Trivialname sowohl 
den älteren als auch dem modernen (Wiesenschaumkraut) und auch den 
fremdländischen sinnverwandt an. Seltenere Bezeichnungen sind Wasser- 
kraut (Windischgarsten) und Kranzelblume (Kremsmünster). 

Carlina acaulis L. Der Name „Oanhaglwurzn" ist mir aus Spital a. P. und Neu- 
stift bekannt. Nach einer Legende aus der Zeit Carl d. Gr. zu schliessen 
(woher auch der Name Carlina stammen soll; siehe auch „Pharm. Post", 
1883, Nr. 54 und 55, „Die heiligen Pflanzen der Deutschen" von A. Pruck- 
Mayr), war sie schon frühzeitig officinell; aber auch jetzt noch gebraucht 
sie das Volk als Heilmittel, und ich selbst sah, wie man Gichtkranke da- 
mit einräucberte. Ihre Popularität verdankt sie aber ganz besonders der 
Empfindlichkeit ihrer Hüllblätter gegen Feuchtigkeit. Weil sie ihre Blüthen- 
köpfe bei erhöhtem Feuchtigkeitsgrad schliesst, in trockener Luft aber 
öffnet, gilt sie als Wetterprophetin und wird deshalb auch allenthalben 
„Wetterrose" genannt. 

Centaurea Cyanus L. Die Kornblumen heissen um Kremsmünster auch 
„Schneider". 

Centaurea Jaeea L. Hosenknopf. 

Centaurea Scabiosa L. Vereinzelt „Trummelschlögel". 



40 



Anselm Pfeiffer. 



Cerastium arvense L. Milibleaml (Thalheim). 
Cetraria islandica L. Kramperlthee. 
Cheiranthus Cheiri L. Pfingstveigl. 

Chelidonium majus L. Warzenkraut, Krätzenkraut, Milchkraut, gelbes Milikraut, 
Blutkraut (Windischgarsten), Faulkraut und Maibuschn (Leonfelden) sind die 
gewöhnlichen Namen, womit das Volk diese Pflanze benennt. In der alten 
Medicin und Chirurgie stand sie hoch in Ehren. Man benützte sie besonders 
zur Heilung der Augenkrankheiten. So schreibt H. Bock u. A. (1. c, S. 41): 
„Schölwurtz und . . . benimpt dunkelheit der Augen" und „Schölwurtzsaft 
aulf die Wartzen gestrichen fallen davon ab". Tabernaemontanus (1. c, 
Bd. 1, S. 96 ff.) bringt davon eine Reihe von Recepten, welche mehr als 
vier Folioseiten seines Kräuterbuches ausfüllen. Heutzutage ist mir aus 
unserem Gebiet wohl nur die Anwendung des Milchsaftes zum Vertreiben 
der Warzen bekannt ; ab und zu wendet man die Blätter gegen den Roth- 
lauf an. Aus Schwarzbach im südlichen Böhmen kam mir die Mittheilung 
zu, dass man daselbst den Kühen, wenn sie das erste Mal aus dem Stalle 
getrieben werden, ein Blatt dieser Pflanze, zwischen Brot gelegt, zum Fressen 
gebe; es sei ein bewährtes Mittel gegen die Stallblindheit. 

Cichorium Intyhus L. Mitunter als „Hansl beim Weg" und als „Zigeunerblume" 
bezeichnet. 

Cirsium Ad. Wilde Nessln (Attersee). 

Ciavaria flava Pers. Hirschgeweih. 

Claviceps purpurea Tul. Dafür ist „Kornvada" (= Kornvater?) eine ziemlich 
allgemeine Benennung. Den Namen „Mutterkorn" kennt unser Volk auch 
heutzutage nicht; Höfer (1. c, Bd. 2, S. 156) führt ihn als eine in Sachsen 
übliche Bezeichnung an. 

Clematis Vitalba L. Winden, Liern, Lian und Goaslirn. 

Colchicum autumnale L. Diese Pflanze führt bei uns verschiedene Namen. Laus- 
buschn, Lausbeutel und Lausbleaml deuten wohl auf die zahlreichen kleinen 
Samen, welche „Läuse" genannt werden; vielleicht wird sie auch ab und 
zu zum Vertreiben der Läuse benützt, worüber ich aber keine sichere Nach- 
richt erhielt. Die Samenkapseln heissen „Kaibin", daher die Blüthen auch 
„Kaiblbuschn" (vielleicht von „Kolben" abzuleiten, sowie auch anderwärts 
Sanguisorha officinalis der Wiesenkölbel genannt wird). Mitunter werden 
die Blüthen „Hemada" (Hemden) genannt, wohl um die Nacktheit der- 
selben, da der Pflanze zur Blüthezeit die Blätter fehlen, zu bezeichnen. 
Den Namen „Rockastümpfel" (d. i. ein Stiel mit einem Fussgestell, woran 
der Flachs, welcher gesponnen werden soll, gebunden wird) veranlasste ent- 
weder eine äussere Aehnlichkeit der umgestürzten Blüthe oder die Blüthe- 
zeit im Herbst, wo die häusliche Arbeit des Spinnens beginnt. — „Dran- 
geid" (Kremsmünster) deutet vielleicht auf das Erscheinen der Blüthen 
vor den Blättern; sonst wird mit diesem Worte ein Geld bezeichnet, das 
bei Abschliessung eines Kaufes oder Vertrages im voraus als Pfand der 
gegenseitigen Verpflichtung gegeben wird. So bekommen die Dienstboten 



Kinifjo oboröstonoicliisclu» Tri viiiliminoii »l(>r l'fliin/.on. 



41 



ein Dningold, bevor sie in den Dienst eintreten. — Herl)stl)leanil nnd 
G ro;ini:itble;inü (Attersee). 

Convallaria majalis L. F:iltri{^^:in, Fultrigo, Faltrian und Faldrian sind allgemein 
gebrauchte Bezeichnungen für diese riiauze. A. Ii. v, Pergcr (i.e., Bd. 18, 
S. 02) meint, es sei daran nichts Anderes zu finden als die Uebertragung 
des Wortes „Baldrian" auf diese Pflanze. Höfer (1. c, Bd. 1, S. 19()) leitet 
es von vallis, convallis ab. Pruck-Mayr (Med.-chir. Centraiblatt, Nr. 17, 
Jahrg. 1883) stellt es mit dem Gotte Balder in Beziehung. 

Convolvulus arvensis L. Ackerläuse, Strümpfe, Umwindling. 

Comiis mas L. Eine vereinzelte Benennung dafür ist „Hundsbam". 

Comus sanguinea L. Spindelbaum; wird zur Bereitung der Spindeln für den 
Gimpelfaug benützt. 

Corijdalis cava Schweigg. Hendl, Hahuer (Plural von Hahn), Hahnerl. Tabernae- 
montanus (1. c, Bd. 1, S. 90) schreibt, dass die rothblüthigen Exemplare 
für die „Mäunlein", die weissblüthigeu für die „Weiblein" gehalten werden. 
In ähnlicher Weise berücksichtigt auch unser Volk diese Farbenabänderung 
und nennt die Pflanze auch „Eni" und „Anl", das ist Grossvater und 
Grossmutter, 

Cucumis sativus L. Allenthalben „Umurken", selten „Kümerlinge" genannt. 

Cuscuta, namentlich Epithymmn var. trifolii Bab. und EpiUnum Weihe heissen 
Teufelszwirn und ziemlich häufig auch „Hochfart". Letzterer Name be- 
deutet vielleicht soviel als „Hopfert", das ist dem Hopfen wegen des 
Windens ähnlich; nicht unmöglich ist es aber, dass dem Namen ein uraltes, 
bereits vergessenes Märchen zu Grunde liege. 

Cyclamen europaeum L. ßergmanderl, Bischofshaube, Melchsechterl, Milikübl, 
Scheiblkraut, Waldveigerl und Wasserschaff'erl. In Thalheim bei Wels 
nennt man sie „Stierl", weil man sie den Kühen für gewisse Zwecke gibt. 

Daphne Cneorum L. Lavendl, Berglavendl und Sendl (Mondsee). 

Daphne Laureola L. Kuhschradl (Grünau) ; sicherlich secundär nach Hex (siehe 
dieses Wort) gebildet. 

Daphne Mezereum L. Zwilinde ist der allgemein verbreitete Name dieser Pflanze; 
mitunter auch „Zwirind". Höf er (1. c, Bd. 3, S. 135) erklärt Zwilinde 
als Zuglinde und Zugbast, da zu Höf er 's Zeit kleine Baststücke davon 
als blasenziehendes Mittel gebraucht wurden ; v, Perger (1. c, Bd. 19, S. 45) 
deutet das Wort als „ziolinta" (linta, der Bast), eine Gott (zio) geheiligte 
Pflanze. Daraus sei „zeiland", womit die Pflanze z. B. von Tabernae- 
montanus (1. c, Bd. 3, S. 158) benannt wird, und ähnliche Namen ent- 
standen. Die Blüthenzweige werden den sogenannten Palmbuschn einge- 
bunden. 

JDianthus Carthusianorum L. Steinnagerl; in Schwarzbach (Südböhraen) heisst 

sie Himmelschlüsserl. 
Dianthus plumarius L. Pfingstnagerl. 

Equisetum arvense L. Zinnkraut, Katzenschwänze (die fructificirenden Wedel), 
Wegraandl und Weghansel. 

Z. B. Ges. B. XLIV. Abb. 6 



42 



Anselm Pfeiffer. 



Erica carnea L. Hoaderer, Hoastern (Spital a. P.) und Senerer (Neustift). 

Eryngium campestre L. Diese auf der Welser Haide ziemlich häufig wachsende 
Pflanze wird in Buchkirchen bei Wels „Unruhe" genannt. Man lässt sie 
häufig mittelst eines Fadens von der Zimmerdecke herabhängen. Der 
leiseste Luftzug setzt diese sparrig verästelte Form in kreisende Bewegung 
und lässt sie nie zur Euhe kommen. 

Euphorbia L. Teufelsmilch, Krätzen, Krätzenbleaml, Krätzen- und Warzenkraut. 

Euphrasia officinalis L. Röserlbleaml oder wilde Röserl (Attersee); Zahnweh- 
kraut (Haag). 

Exoascus pruni Fuckel. „Narrn" werden die durch diesen Pilz verursachten 
Missbildungen der Früchte von Prunus domestica genannt. Man sagt: 
„Wenn es in die Blüthe regnet, so wachsen die Narrn". 

Fagus silvatica L. Schon Höf er (1. c, Bd. 1, S. 17) berichtet, dass man die 
Nüsse dieses Baumes als „Akram", in weicher Aussprache „Agram", be- 
zeichnet. So heissen sie auch heutzutage noch in unserem Volke. Höfer 
macht aufmerksam, dass in Ulfila's Bibelübersetzung (um das Jahr 360) 
das Wort „akran" sich finde und „Frucht" bedeute. 

FiUees. Im Allgemeinen werden die Farnkräuter Teufelsfedern, Himmelsleiter, 
Mausleiterl und Fuchsenschweif genannt. In den Alpen und Voralpen wird 
der daselbst in Bergwäldern üppig wachsende Adlerfarn, Pteris aquilina L., 
als Streu benützt und deshalb auch als „Streufarn" und die Streu selbst 
als „Farnstreu" bezeichnet. 

Fragaria vesca L. Wird als „Rothbeer" nach der Farbe oder mit den aus „Erd- 
beere" entstellten Namen „Eschbeer" und „Eschpa" bezeichnet. 

Galium sp.? Thaukraut (Windischgarsten). 

Galium austriacum Jacq. heisst im Gebirge der oberösterreichisch-steierischen 
Grenze „Nimmernix". 

Gentiana Amarella L. und germanica W. Ab und zu Kuckitzer (auch in Schwarz- 
bach in Südböhmen) genannt. 

Gentiana verna L. heisst Schusternagerl, Schuhnagerl (wohl nach der Form), 
Schusterbleamln, Rauchfangkehrerl, Himmelveigerl (Windischgarsten) und 
Himmelstern. 

Geranium phaeum L. Peterbleami (Attersee). 

Glechoma hederacea L. Im Mühlkreis ab und zu die Bezeichnung Taubenschnäbel; 

in Thalheim Gundljemer genannt. 
Hedera Eelix L. heisst ziemlich allgemein Wintergrün. 

Hellehorus niger L. Schneerosn, Krätzenbloama und Märzenkaibln. Der Ausdruck 
„Krätzenblume" dürfte zurückzuführen sein auf den schon von T aber nae- 
montanus (1. c, Bd. 2, S. 400) angegebenen äusserlichen Gebrauch der 
gepulverten schwarzen Niesswurz, vermischt mit Honig oder Essig, womit 
„Räude, Flechten, oder Grindt und andere Unreinigkeiten der Haut" zur 
Heilung bestrichen wurden. 

Hellehorus viridis L. Diese in den Baumgärten der meisten Bauerngehöfte 
unserer Gegend cultivirte Pflanze heisst allgemein „Schölmwurzn". Man 



I'üllipo (ibiM'«'is((>n'(>iclusctto Tiivi;iliiiiiiM'M licr Pd.iii/.cn 



43 



gebraucht die Wurzel gegen den „Schölm'* oder „Schelm", worunter Höf er 
(1. c, Bd. 3, S. 77) iiberliaupl eine gefiilirlichc Krankheit oder Seuche 
der Haust hiere versteht. M'w ist doch nur der Schölin der Schweine be- 
kannt, eine dem Rothlauf ähnliche, sehr ansteckende Krankheit, die in 
kurzer Zeit einen wohlbestellteu Schweinestall zu leeren im Stande ist. 
Man zieht in solchen Fällen den Schweinen ein Stück der Wurzel durch 
die durchbohrte Ohrmuschel. Das Mittel soll, wie mir erst jüngst ver- 
sichert wurde, die beste Wirkung haben. 

Hepatica triloha Chaix. führt zahlreiche Namen : Märzonbleamerl, Himmelsterndl, 
Hundsveigerl (Bad-Hall, Mölln, Sierning), Osterbleaml, Sauniglbleaml, blaue 
Schlüsselblume und Staudenbloaral (Raab im Innviertel). 

Heracleum Sphondylium L. Durchwegs Bärentatze genannt. Tabernaemontanus 
(1. c, Bd. 1, S. 268) führt unseren Trivialnamen und „Bärenklauwe" als 
hochdeutsche Namen dieser Pflanze an. 

Hyssopus officinalis L. Diese bei uns in Bauerngärten nicht selten cultivirte 
Pflanze wird Izumpf (Thalheim), Isump und Hizopf (Buchkirchen) genannt. 

Ilex Äquifolium L. Schradl und Rossschradl. Höfer (I.e., Bd. 3, S. 113) hat 
wahrscheinlich das Richtige getroffen, wenn er sagt, mit diesem Worte 
werde etwas Schroffes, Rauhes oder Spitziges bezeichnet, welches stechen, 
aufreissen oder schneiden könne. Auch v. Perger (1. c, Bd. 19, S. 40) 
deutet den Ausdruck von den geschroteten Blättern. Höf er kennt diesen 
Namen nur aus Niederösterreich; jetzt ist diese Bezeichnung in Ober- 
österreich, und zwar in dem Gebiete des Almsees und der Grünau sehr 
gebräuchlich. Dorther bringen die Leute die Aestchen mit den immer- 
grünen Blättern am Sonntage vor dem Palmsonntag zu Markt. Man pflegt 
ein oder einige Zweiglein davon in die sogenannten Palmbuschn zu binden. 
Das Compositum „Rossschradel" ist sicherlich eine secundäre Bildung, 
bedeutet aber hier nicht das Attribut „unecht" (siehe Baphne Laureola 
und Änthriscus). 

Impatiens Balsamina L. Sehr häufig Dulametankerln genannt (eorrumpirte 

Wortform von : nolimetangere). 
Impatiens Nolitangere L. Ohrringel (Hausruck), Alterweiberzorn und Kikrihahn 

(Attersee). 

Iris L. Alle Arten dieser Gattung werden von unserem Volke, wohl wegen der 
flatterigen Blüthenorgane, mit dem Namen „Fledermaus" angesprochen. 
Maulaffen (Buchkirchen). 

Juneus effusus L. Allgemein Piwissen genannt. 

Juniperus communis L. Kranawitten oder Kranewitten. Schon im 12. Jahrhundert 
schrieb man „Kranewitt" (kran = grün und witu = Holz, Strauch, Baum). 

Juniperus Sahina L. In Bauerngärten häufig cultivirt und „Segenbaum" genannt. 
Diese Bezeichnung ist wohl eine eorrumpirte Form von „Sevenbaum", 
welches Wort vielleicht von Sabina, das ist aus der Gegend von Sabina, 
wo dieser Strauch häufig wuchs (conf. Perger, 1. c, Bd. 19, S, 65), abzu- 
leiten ist. Der Gebrauch dieser Pflanze als Abortivmittel ist auch unserem 



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Anselm Pfeifier. 



Volke bekannt. Die häufige Cultur derselben begründet aber die Ver- 
wendung der Zweige zur Zierde der sogenannten Palmbuschen, umsomehr, 
als man in alter Zeit glaubte, der Sevenbaum schütze vor Zauber und 
den Werken des Teufels und der Geruch desselben sei den Hexen unaus- 
stehlich (Perger, 1. c). 

Lamiuni maculatum L. Ab und zu „alte Weiber" genannt. 

Lemna L. Die Wasserlinsen sind fast in jeder Hauslache unserer Bauerngehöfte 
zu treffen. Man bezeichnet sie als „Senerer". Höf er (1. c, Bd. 3, S. 139) 
schreibt „Senderich" oder „Sennerich" und will es von Senn ableiten, wo- 
bei er an das herdenweise Auftreten dieser Pflanze denkt. So oft ich dieses 
Wort aus dem Munde des Volkes hörte, dachte ich stets an das volks- 
thümliche Zeitwort „sennern", das ist den Speichel in langen Fäden aus 
dem Munde fliessen lassen. Hebt man mit einem Stocke einen Theil der 
Lemnamasse heraus, so fliesst und träufelt das Wasser an den langen 
Algenfäden ab, welche wie z. B. Spirogyra mit dieser Pflanze häufig ver- 
gesellschaftet vorkommen und sich wohl auch schlüpfrig wie Speichel an- 
fühlen. Uebrigens wird auch Erica carnea (siehe diese Art) als „Senerer" 
bezeichnet, was allerdings wieder mit einem herdeweisen Auftreten zu- 
sammentrifi't, vielleicht aber auch mit Sen (senwe, Sehne, corda) in Ver- 
bindung zu bringen ist und auf die langen, fädigen oder schnurförmig 
unter Moos dahinwachsenden Stämme und Aeste dieser Pflanze deuten mag. 

Leucanthemum vulgare Lam. Wagenscheibling, Wagenbleamln, Wagnrad, Rad- 
bleaml sind Bezeichnungen, welche die kreisförmige und strahlige Gestalt 
der Blüthe berücksichtigen. Mitunter heisst sie „Edelmann-Bettelmann", 
nach den Anfangsworten eines Spruches, welchen Kinder, um ihren künfti- 
gen Beruf zu erforschen, beim Zerzupfen der Blüthe herabsagen. — Sunna- 
wendbleaml (Attersee). 

Leucojum vernum L. Schneekaderl nennt man diese Art in ganz Oberösterreich. 
Dieser Name ist vielleicht vom mhd. gate, geselle etwas zu einander, ab- 
zuleiten ; mhd. tischegater, heisst Tischgenosse ; darnach würde unser Trivial- 
name „Schneegenosse" bedeuten. — Märzenbecherl. 

Levisticum officinale Koch. Lustock. 

Lichenes. Bamm-Mias. 

Lilium Martagon L. Wegen der goldgelben Zwiebel „Goldapfel" genannt. 
Linum usitatissimum L. Allgemein als „Haar" bezeichnet. 
Lithospermum arvense L. Brennkraut. 
Lolium L. Durcht (conf. Bromus). 

Lotus corniculatus L. Frauenschuacheii, Himmelschlüsserl (Windischgarsten), 
Schlüsselblume (Neustift), Taubenkröpferl, Krahnfüsserl. 

Lychnis flos cuculi L. Eauchfangkehrerbleaml (Buchkirchen). 

Lycoperdon Tourn. Teufelshaube (Kronstorf); der grünlichbraune Sporenstaub, 
welcher bei der leisesten Berührung herausstäubt, wird ab und zu des 
Teufels Schnupftabak genannt. 

Malva L. Laiberl und Kaspabeln. 



KiiiiRO oboröstonoicliisclio 'rriviiiliiiimi n ^ r riljii/.cii. 



45 



Mentha aqnatica L. und silvcsiria L. Di(> bliilliontr.ip'iulc Pflanze hcisst Koss- 
boalsseu (Attersee), eine Bezeiclinimf,^ die schon Tabernaeniontanus 
(1. c, Bd. 2, S. Gl) gebraucht und wofür er sogar die lateinischen Namen 
mentha equina und cahallina anführt. Merkwürdig ist auch der am Attersee 
gebräuchliche Name „Otterwin" für die blüthenlosen Triebe dieser Pflanze. 

Mentha piperita L. Balsen. Höfer (1. c, Bd 1, S. 54) leitet das Wort von 
„Balsam" ab, und Tabernaemontanus (1. c, Bd. 2, S. Gl und G2) führt 
mehrere Arten von Mentha als „Balsam" an. 

Mespilus germanica L. Asperl, Esperl, Esperling. 

Morchella Dill. Mauracherl. 

Musci. Mias. 

Myosotis L. Neben Vergissmeinnicht die Namen : Jungfrauenmanderl (Aschach) 
und Blauröserl (Traun). 

Myricaria germanica Desv. In den Traunauen bei Weisskirchen, wo diese Pflanze 
häufig wächst, heisst sie „Dainischkerl" (Tamarix). 

Narcissus poeticus L. Kreuzbloama (Grünau), kaum wegen der gekreuzten Stellung 
der inneren und äusseren Perigonblätter, als vielmehr wegen der Blüthezeit 
in den Gebirgsthälern, wo sie Ende Mai oder Anfangs Juni, also um die 
Zeit der sogenannten Bitt- oder Kreuzwoche, blühen. — Gänskragn und 
Langstengln. 

Narcissus Pseudonarcissus L. Gänskragn. 

Nigritella Rieh. Kohlröserl. 

Ornithogalum umbellatum L. Sternbloama; Josefslilien (ßuchkirchen). 

Oxalis Acetosella L. Neben Hasenklee auch Waldklee (Mondsee); Gugitzerklee 

(Hohenfurth in Südböhmen). 
Paeonia officinalis L. Bedauna, Betanirosn, Bluatrosen, Boberrosen, Pfingstlocken. 
Papaver Bhoeas L. Bluatbloama, Nasenbliata = Nasenbluter (Vorchdorf und 

Kremsmünster). Man warnt ab und zu die Kinder, zu diesen Blüthen zu 

riechen, weil sie das Nasenbluten verursachen würden. Vereinzelt: Todten- 

blumen und Pipatschn. 
Papaver somniferum L. Magn. 

Pinguicula alpina L. Ziadarakraut (Klaus im Steyrthal). Die Leute reiben mit 
den frischen Blättern dieser Pflanze die vom „Ziadara" (Zitterich), einem 
flechtenartigen Ausschlag, befallenen Stellen der Haut ein. Höf er und 
Sch melier führen noch andere Pflanzen an, welche für denselben Zweck 
benützt werden. 

Pinus L. Die Zapfen werden auch Henderl (Gallsbach) genannt. 

Pirus malus L. Afalter und Afolter sind sehr häufige Bezeichnungen für den 
Apfelbaum. In der Gegend von Gmunden und im Mühlviertel ist unter 
den Bauern dieser alte Ausdruck fast ausschliesslich im Gebrauch. Das 
Wort ist zusammengesetzt aus dem ahd. aphul oder aphal, das ist Apfel, 
und ter, tera, das ist Baum. Corrumpirt ist „Agfalter" (Neustift). 

Plantago major L. und media L, Breitwegerer. Sämmtliche Arten von Plantago, 
besonders Plantago media, nennt man am Attersee Witrich. 



46 



Anselm Pfeiffer. 



Polygonum aviculare L. Zwangkraut. 

Pohjpodium vulgare L. Steinwürzl (MüMkreis), Süsswurzn (Spital a. P.). 
Populus alba L. Wasserbaum. 
Populus nigra L. Albern. 

Potentilla anserina L. Maukenkraut (Gallsbach). 

Primula Auricula L. Kravbloama (Spital a. P.), Petergstam; bei Gaming in 
Niederösterreich heisst sie Gamsbleaml. 

Primula elatior Jacq. und officinalis Scop. Himmelschlüssel, Osterblume und 
Auswärtsbleaml (Auswärts, Frühling). Die gelben Primeln nennt man bei 
Aschach „Gelbsuchtbleamln". In Buchkirchen bei Wels füttert man mit 
den Blättern die Gänse, weshalb die Pflanze dort „Gänsbleaml" heisst. 

Prunus insititia L. Die gelben Früchte dieser Art heissen Spenling. 

Prunus Padus L. „Aelexn." 

Puccinia graminis Pers. Ziegelbrand. 

Pulmonaria officinalis L. Osterblume (Kremsmünster, Traun), Schlüsselblume 
(Buchkirchen), „Pfui-Pfui-Pfui roth und blab" (sehr verbreitet), alte Weiber, 
Fleisch und Bluat (Mondsee), Schneiderbleami (Hausruck), Hundszungen 
und Anamiarl. 

Pulsatilla vulgaris Mill. Lausbleaml und Lausbuschn. 

Banunculus acris L. Zahnwurzn; die Wurzel wird auf den Zahn zur Stillung 

des Zahnschmerzes gelegt (Atterseegebiet). 
BapTianus raphanistrum L. Wilde Rüben; conf. Sinapis. 
Bhamnus Frangula L. Pulverholz. 

Bhinanthus Crista galli L. Klaft, Pfeng (Pfennig), wegen der Gestalt der Samen. 
Bhododendron hirsutum L. Almrosn (Spital a. P.), Almrausch (Mondsee), Löker- 

röserl (Gmunden), Pechkraut (Windischgarsten). 
Bihes grossularia L. Agras; Eiterpatzen (sehr verbreitet). 
Bosa canina L. Aschkitzel (Traun). 

Buhns caesius L. Nebelbeere; die Beeren gelten als giftig (Hall und Krems- 
münster); Fraunbeere (siehe folgende Art). 

Bubus fruticosus L. Braunbeere; Fraunbeere, weil sie um die Zeit der Marien- 
feste („Frauentage") von Mitte August bis in die erste Hälfte September 
reift und gesammelt wird. 

Bubus idaeus L. Himbeer; v. Perger (1. c, Bd, 19, S. 17) leitet dieses Wort 
vom ahd. hinta, die Hindin, angels. bind, das Reh, ab, weil die Rehe die 
Beeren gerne fressen. Damit stimmen unsere volksthümlichen Ausdrücke 
„Hindnbeer" (Kirchdorf) und „Hindibeer" (Mühlkreis) überein. — „Korn- 
beer" und „Schnitterbeer" deuten auf die Zeit der Fruchtreife, welche mit 
der Reife des Kornes und Weizens zusammenfällt. — Molbeer (Haag, 
Waitzenkirchen, Gallsbach, Kremsmünster, Neuhofen), wohl wegen der 
Weichheit der Beeren so genannt. Im Mühlviertel ist die im südlichen 
Böhmen gewöhnliche Bezeichnung „Malinabeer" (die Himbeere heisst 
böhmisch „malina") nicht selten im Gebrauch. — Himbsenbeer, Kindl- 
beer (Traun und Mondsee) und Mehlbeer sind corrumpirte Formen. 



Kinipo oborftstorroicliischo 'l'riviiiliiuiiKMi der l'(i;in/on. 



47 



llumex Acetosn L. (Jugatzakraut. Ilinimolhrod, Säuerling. 

Bumex crispus L. „Halbes Ifoss", eine sehr ]iäufig(! Bezciclinung, welche schon 
Höfer (1. c, Bd. 2, S. 22) anführt. 

Salix Ij. Felberstaude und Felberstock sind sehr gewöhnliche Bezeichnungen. 
An manchen Orten (u. a. Zeisberg im Mühlvicrtel) werden die gelb- 
ästigen Weiden vorzugsweise als „Falberer" angesprochen; ahd. felwa, die 
Weide. — „Palmmudln" und „Palmkatzln" sind die blüthentragenden 
Zweige, welche den Hauptbestandtheil der „Palmbuschii" ausmachen. 

Sahna officinaUs L. Salvara, Salfer. 

Salvia pratensis L. verticillata L. Wilder Salver; Fotzmaul. Höf er schreibt, 
was auch heutzutage noch vollkommen zutrifft: „In Scherz oder Verach- 
tung ist der Fotz das Maul eines Menschen; z. B. einen langen oder ver- 
driesslichen Fotz machen etc." Man nennt auch die Mundharmonika, 
welche von den Lippen gehalten und zwischen denselben bewegt wird, den 
„Fotzhobel". Diese und ähnliche Bezeichnungen deuten darauf hin, dass 
eigentlich damit doch nur die Region der Lippen an Menschen und Thieren 
gemeint sei. So ist dann unser Trivialname ziemlich gleichbedeutend mit 
„Lippenblüthler". Vereinzelt „Gugascheckn" (Sierning). 

Samhucus Ebulus L. Aderbeer, Naderbeer; wahrscheinlich corrumpirt von 
Attich, ahd. atah. 

Samhucus nigra L. Holer; diese sehr allgemeine Bezeichnung soll aus „Holder" 
hervorgegangen sein (hohl und ter, Baum), weil die Zweige hohl und mit 
Mark erfüllt sind; conf. Perger, 1. c, Bd. 19, S. 3L 

Sanguisorha officinaUs L. Beinkraut (Bienenkraut). Man pflegt mit den Blättern 
dieser Pflanze die inneren Wände des Bienenkorbes abzureiben, bevor man 
den Bienenschwarm eintreibt. Tabernaemontanus (1. c, Bd. 1, S. 302) 
führt die Bezeichnung „Barbula Christi major" an; ähnlich wird die 
Pflanze heutzutage im südlichen Böhmen (Schwarzbach) genannt, sie heisst 
dort „unsern Hergott sein Bart". 

Seeale cereale L, Die Kornähre heisst ab und zu „Schliafhansl". 

Sedum sexangulare L. und ähnliche Arten heissen gewöhnlich Steinweizen, 

Sempervivum tectorum L. Hausapfel (Traun), Hausampfer. 

Silene inflata Sm. Schnalzerl und Schnalzkraut, wohl wegen der Tändelei, welche 
die Kinder mit dem aufgeblasenen Kelche treiben. 

Sinapis arvensis L., Raphanus Raphanistrum L. und Camelina sativa Crtz. 
heissen allgemein Düln oder Tülln, im Mühlviertel corrumpirt „Trüh"; 
wohl vom mhd. tille, das ist Pflanze, abzuleiten. 

Sonchus arvensis L. und oleraceus L. Maidistel. 

Sorhus Aria Crtz. Weissbaum, Mehlbaum. 

Staphylea pinnata L. Pemmernüssel. 

Symphytum officinale L. Geselchtes Fleisch und Schwarzwurzn. Aus dem Attersee- 
gebiet wurde mir (von F. Dautwitz) berichtet, dass man die in Germteig ge- 
backenen Blätter dieser Pflanze geniesse, die Wurzeln aber durch die Ohren 
der jungen Schweine ziehe, um die Thiere vor den „Hitzen" zu schützen. 



48 



Anselm Pfeiffer. Einige oberösterreichische Trivialnamen der Pflanzen. 



Syringa vulgaris L. Türkischer Holer. 

Taraxacum officinale Wigg. Krätzenblume, Milchblume, Milikraut, Maiblümerl, 
Mairöhrl, PfafFenröhrl, Saublume, Sauröhrl, vereinzelt Wärschenblume 
(Wespenblume, weil häufig von den Wespen besucht?), Cichoriekraut und 
Struwiblumen. 

Thlaspi arvense L. Pfennigkraut (Thalheim). 

Thymus Serpyllum L. Kulkr^iut. 

Typha L. Binderrohr, Binderschlägl, Binderbandl, Binsa und Spottrohr. 

TroUius europaeus L. Butterbleami . 

Tulipa L. Tolopana. 

Tussilago Farfara L. Hufplätschn. 

Ulmus campestris L. und effusa W. Durchwegs Rüssel genannt. 

Vaccinmm Myrtillus L. Schwarzbeer, Sepbeer, Hoabeer und Schwarzäugelbeer. 

Vaccinnwi vitis idaea L. Grandenbeer, Kranklbeer, Jagabeer (Raab im Innviertel) 
und Ranklbeer (Prägarten). 

Valeriana celtica L. Rother Speik; die Speikwiese, ein Theil des Warscheneckes, 
wird wegen des massenhaften Vorkommens dieser Pflanze so benannt. 

Valerianella olitoria Mönch. Feldsalat und Vögerlsalat, wird im Frühjahr als 
erster Salat häufig zu Tisch gebracht. Tabernaemontanus (1. c, Bd. 1, 
S. 443) nennt diese Pflanze „Feldlattich" und kennt den allgemeinen Ge- 
brauch derselben als Salat in Ober- und Niederdeutschland. 

Verhascum Thapsus L. und wohl auch einige andere Arten heissen Himmelbrand 
oder Himmelbrandthee. Die Blüthen sind allenthalben officinell. 

Vihurnum Lantana L. Gfrerbeer (Gefrierbeere). 

Viola tricolor L. Allenthalben Tag- und Nachtveigerl, auch Dreifaltigkeitsveigerl 
genannt. 



49 



Beiträge zur Flora von Salzburg. 

IV. 

Von 

Dr. Carl Fritsch. 

(Vorgelegt in der Versammlung am G. December 1893.) 



Im Laufe der letzten Jahre ist eine Reihe von Publicationen erschienen, 
welche die Kenntniss der salzburgischen Landesflora wesentlich gefördert haben. 
Indem ich heute diesen vierten TheiP) meiner „Beiträge" der Oeffentlichkeit 
übergebe, scheint es mir am Platze zu sein, über die erwähnten Publicationen 
Einiges zu sagen. 

Ueber wenige Landestheile ist so viel geschrieben worden, als über das 
Gasteiner Thal. Schon in der ersten Auflage von H interhuber's „Prodromus" 
(1851) findet sich ein — allerdings noch recht unvollständiges — Verzeichniss 
der Phanerogamenflora von Gastein. In demselben Jahre erschienen im Oester- 
reichischen Wochenblatte Beiträge zur Gasteiner Flora von Maly^) und KeiP); 
einige Jahre später (1856) in diesen „Verhandlungen" eine werthvolle Schilderung 
der Vegetationsverhältnisse des Gasteiner Thaies von Pernhof fer.*) In neuerer 
Zeit beschäftigten sich Preuer und Toepffer mit der Gasteiuer Flora; ersterer 
publicirte ein Verzeichniss der dortigen Phanerogamenflora in den Mittheilungen 
der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde (1887),^} letzterer ein ebensolches, 
welches übrigens noch heute nicht vollendet ist, in der Deutschen botanischen 
Monatsschrift (von 1885 an)^). Im Sommer 1893 botanisirte Gustos v. Beck 



Erster Theil in diesen Verhandlungen, 1888, S. 75; zweiter Theil ebenda, 1889, S. 575; 
dritter Theil ebenda, 1891, S. 741. 

2) Maly, Botanische Notizen über Gastein. Oesterr. botan. Wochenblatt, 1851, S. 76. 
Keil, Ausflüge von Gastein. Oesterr. botan. Wochenblatt, 1851, S. 259; 1852, S. 203. 

*) Pernhoffer, Versuch einer Darstellung der pflanzen-geographischen Verhältnisse der 
Umgebungen des Curortes Wildbad-Gastein. Verhandl. d. zool. -botan. Vereins, VI, Abhandl., S. 3. 

^) Preuer, Die phanerogame Flora des Thaies Gastein. Mittheil. d. Ges. f. Salzb. Landesk., 
XXVII, S. 75. 

Toepffer, Gastein und seine Flora. Deutsche botan. Monatsschrift, 1885, S. 2, etc.; 
1889, S. 108. (Seitdem nicht fortgesetzt.) 

Z. B. Ges. B. XLIV. Abb. 7 



50 



Carl Fritsch. 



anlässlich eines mehrwöchentliclien Aufenthaltes in Gasteins Umgebungen und 
fand manches Neue an Phanerogamen, aber auch zahlreiche Kryptogamen, ins- 
besondere Pilze. 

Im Jahre 1888 begann B. Vogl, der jetzige Director des „CoUegium Borro- 
maeum" in Salzburg, in dem Programm der genannten Anstalt eine „Flora 
der Umgebung Salzburgs" zu veröffentlichen. Der erste Theil enthielt die Ranun- 
culaceen und Cruciferen, nebst den kleinen, nach Koch's Anordnung dazwischen 
stehenden Familien; der zweite, 1889 erschienene Theil alle Familien von den 
Cistineen bis einschliesslich Terebinthaceen.^) Seitdem ist bis heute nichts 
mehr davon erschienen. Die Aufgabe, welche sich der Verfasser gestellt hat, 
nämlich „den Schülern des hiesigen Gymnasiums ein Hilfsmittel an die Hand 
zu geben zum bequemen und raschen Aufschlagen der Pflanzen", erscheint in 
dieser analytischen Flora recht gut gelöst. Mit Zuhilfenahme guter Handbücher 
wurden Bestimmungstabellen für die Gattungen und Arten entworfen, und bei 
letzteren die Standorte der Salzburger Umgebung angeführt. Dass einzelne Fehler 
stehen geblieben sind, welche frühere Autoren gemacht haben (z. B. Thalictrum 
galioides Nestl. statt Tli. angustissimum Gr., Th. flavum L. statt Th. nigricans 
Scop., Dentaria trifolia W. K. für eine abweichende Form der Dentaria ennea- 
phylla L. etc.), kann dem Verfasser nicht angerechnet werden. Neues bringt diese 
Publication wenig, aber immerhin Einiges (neue Standorte von Lepidium Drdba L., 
Ardbis pumila Jacq. u. a. m.). 

Aus dem Nachlasse von Prof. Peyritsch veröffentlichte Dalla Torre 
floristische Notizen aus dem Rauriserthale, ^) welche zwar keine für das Land 
neuen Arten, aber zahlreiche neue Standortsangaben bringen. In demselben Thale 
weilte wiederholt durch längere Zeit Fräulein Marie Eysn, welche dort viel 
sammelte und auch für das Land Salzburg neue Arten entdeckte {Stellaria 
Friesiana Ser. u. a.). 

Der bedeutendste unter allen Beiträgen zur salzburgischen Landesflora, 
welcher in den jüngst verflossenen Jahren veröffentlicht wurde, ist jener, welchen 
Fugger und Kastner in den „Mittheilungen der Gesellschaft für Salzburger 
Landeskunde" (1891) veröffentlichten.^) Derselbe enthält auf 54 Druckseiten eine 
sehr grosse Zahl neuer Standorte und auch nicht wenige für Salzburg neue Arten 
und Formen. Dieses grosse Material wurde zum grössten Theile von den Verfassern 
selbst, ferner von Fräulein M. Eysn und den Herren Glaab, Schiedermayr und 
Sieb er gesammelt, beziehungsweise beobachtet. Schiedermayr hat sich hiebei 
insbesondere durch die Auffindung vieler Kryptogamen verdient gemacht. Dass 
bei der Aufzählung der Phanerogamen im Allgemeinen die veraltete Koch'sche 



J^) B. Vogl, Flora der Umgebung Salzburgs analytisch behandelt. 39. und 40. Programm des 
Collegium Borromaeum zu Salzburg (1888 — 89). 

2) K. W. V. Dalla Torre, Beitrag zur Flora des Rauriserthales. Aus dem Nachlasse von 
Prof. Dr. J. Peyritsch. „Der Tourist", 1891, S. 52. 

3) Fugger und Kastner, Beiträge zur Flora des Herzogthumes Salzburg. Mittheil. d. Ges. 
f. Salzb. Landeslc, Bd. XXXI. — Yergl. mein Referat hierüber im Botan. Centralblatt, Bd. LI, 
S. 62 (1892). 



|!.'ili;1p> /.iir Floüi von Siil/.l.iiiic- IV 



51 



Noinciiclatiir zu (irmuK' j^t'l»'}J:( wiirdr, gcrcii^lit d'ii'sv-v l'uljlicalioii insoreiiK; /,mii 
Vortlieil, als sie in don lueistou Fiilloii orkcniion lässfc, was die Auloren unter 
gewissen unrielitigen oder collectivisclieii Namen (wie z. \i. Ifelianihmmm oclandi- 
Walilb., Oalium saxatüe L., PrimiUa spcctabi Iis 'rviiii. u. a.) eigentlicli meinen. 

In neuester Zeit hat Glaab mit der Publication seiner Bearbeitung des 
iui iSalzburger städtischen Museum befindlichen Herbariums begonnen.*) Zunächst 
beschreibt derselbe 15 neue Varietäten, von denen übrigens vier ohne Standorts- 
angabe erscheinen, eine (JRiimex scutatus var. hortensis) aber eine längst bekannte 
Oulturform ist. Anemone ranunculoidcs var. suhinteijra {„suhintefjris^' ist hoffent- 
lich nur ein Druckfehler) wurde bereits von Wiesbau r^) unter demselben Namen 
beschrieben. Auch von den übrigen dürften manche mit bereits beschriebenen 
zusammenfallen. Geniiana „germanica W." var. pygmaea ist zweifellos die alpine 
Form der Gentiana Sturmiana Kern., da Gentiana germanica W. im Lande 
Salzburg nicht vorkommt. — Der zweite Theil bringt eine Aufzählung von für 
das Land angeblich neuen Arten und Formen. Es sind deren 49; unter diesen 
befinden sich aber nicht wenige, die schon längst bekannt sind, wenn auch theil- 
weise unter anderen Namen ; so z. B. Thalictrum flexuosum „Rchb." (= Tlialictrum 
collinum Wallr.), Thalictrum flamm L. var. variisectum Neilr. (= Th. nigricans 
Scop.^), Buhns thyrsoideus Wimm., Sedum holoniense Lois., Knautia dipsacifolia 
Host (= Kn. silvatica L.), Polygonum Persicaria L. var. densiflorum Neilr. ^), 
Salix rosmarinifolia L., Phalaris arundinacea L. var. picta. Einige andere 
sind sicher oder doch wahrscheinlich unrichtig bestimmt, so Thalictrum flavum L. 
var. latisectum Neilr., Banuncuhis hederaceus L., Banunculus cassubicus L., 
Cyperus longus L. — Am werthvollsten ist der dritte Theil, welcher ein Ver- 
zeichniss neuer Standorte bringt. Es findet sich zwar auch hier manches Unrichtige, 
sowie ziemlich viel, was nicht neu ist, aber auch sehr viel Interessantes und 
Wichtiges. Wenn nur für die Bestimmungen garantirt werden könnte! — Ich 
bedauere, über die fleissige und mühevolle Arbeit Glaab 's nichts Besseres sagen 
zu können. Der Mangel an Vergleichsmateriale und Literatur in einer Provinz- 
stadt lässt die vorkommenden Unrichtigkeiten in milderem Lichte erscheinen. 
Ich musste aber hier auf diese Mängel hinweisen, weil sonst die unrichtigen An- 
gaben wieder von Anderen kritiklos abgeschrieben werden und dann immer und 
immer wieder in der Literatur auftauchen, wie gewisse fehlerhafte Bestimmungen 
alter Autoren, die heute noch da und dort wiedergegeben werden. 

Von Abhandlungen, welche bestimmte, enger begrenzte Pflanzengruppen 
behandeln, ist in erster Eeihe die Bearbeitung salzburgischer Desmidiaceen durch 
HeimerP) zu nennen, welche unsere Kenntniss über die Algenflora des Landes 
wesentlich gefördert hat. — Unter den sogenannten „kritischen" Phanerogamen- 



1) Glaab, Das „Herbarium Salisburgense''' des salzburgischen Landesmuseums. Deutsclie 
botan. Monatsscbrift, 1893, S. 76. 

2) Celakovsky, Eesultate der botan. Durchforschung Böhmens, 1890, S. 34. 

3) Vergl. unten, S. 63. 

*) Das typische Polygonum Persicaria Linne 's. 

5) Heimerl, Desmidiaceae alpinae. In diesen „Verhandlungen", 1891, S. 587. 

7* 



52 



Carl Fritsch. 



Gattungen sind Bubiis und Mosa Gegenstand specieller Bearbeitungen gewesen; 
über erstere erschien eine vorläufige Mittbeilung von mir;^) über letztere eine 
Abhandlung von Braun,^) eine zweite von Wiesbaur und Haselberge r.^) 

Alles, was sonst noch in den letzten Jahren über die Flora von Salzburg 
publicirt wurde, findet man — soweit es mir bekannt wurde — in meinen 
Berichten über die floristische Durchforschung des Landes zusammengestellt, 
welche in der „Oesterreichischen botanischen Zeitschrift" und in den „Berichten 
der deutschen botanischen Gesellschaft" erscheinen. Diese Berichte enthalten 
auch verschiedene Original-Mittheilungen. 

Man sieht also, dass durch das Zusammenwirken salzburgischer und aus- 
wärtiger Botaniker die Kenntniss der Landesflora in den letzten Jahren sehr 
wesentlich gefördert worden ist. Besonders freudig ist es zu begrüssen, dass sich 
in Salzburg selbst mehrere Persönlichkeiten so eifrig mit der Durchforschung 
des Landes in botanischer Hinsicht beschäftigen. Ich selbst würde wohl mehr, 
als thatsächlich der Fall ist, hiezu beitragen können, wenn mein alljährlicher 
Aufenthalt in Salzburg nicht auf die Ferialmonate (Ende Juli bis Anfangs Sep- 
tember) beschränkt wäre, so dass ich namentlich über die Frühlingsflora gar keine 
Beobachtungen anzustellen in der Lage bin.*) 

Im Sommer des Jahres 1892 durchforschte ich in erster Linie das Saalach- 
thal des Mittelpinzgau, von Saalfelden abwärts über Lofer und Unken bis zur 
baierischen Grenze, unter Einbeziehung des Schwarzbachthaies bei Unken; ferner 
die Umgebungen von Taxenbach und St. Johann mit Einschluss der untersten 
Theile des Rauriser- und Grossarlerthales. Einzelne Excursionen führten mich 
nach Hallein (Gutrathsberg — Gartenau), Sulzau— Werfen u. s. w. — Im Sommer 
1893 besuchte ich zuerst den Eadstädter Tauern, später das Fuscherthal. Kleinere 
Ausflüge unternahm ich von Salzburg aus nach Oberndorf, Mattsee, St. Gilgen, 
Abtenau— Zwieselbad u. a. 0. Die Resultate meiner floristischen Beobachtungen 
dieser beiden Jahre sind in dem folgenden Verzeichnisse nur zum Theile nieder- 
gelegt; insbesondere Arten schwierigerer Gattungen habe ich zwar reichlich ge- 
sammelt, aber heute noch nicht wissenschaftlich bearbeitet, behalte mir aber 
Mittheilungen über dieselben für später vor. 

Equisetum maximum Lam. Bei der Eibelklamm nächst Unken. — Die Art fehlt 
in Sauter's „Krjptogamenflora des Pinzgaues",^) wird jedoch bei Hinter- 
huber in die „Flora von Pinzgau"^) aufgenommen. 

') Fritsch, Vorläufige Mittheilung üher die ßwfctis-Flora Salzburgs. lu diesen „Verhand- 
lungen", 1888, S. 775. 

2) H. Braun, lieber einige in Baiern und dem Herzogthume Salzburg wachsende Formen der 
Gattung Rosa. XI. Bericht des botan. Ver. in Landshut, S. 85. 

3) Wiesbaur und Haselberger, Beiträge zur Rosenflora von Oberösterreich, Salzburgund 
Böhmen. Linz, 1891. 

«) Die Frühlingsflora der näheren Umgebungen der Stadt Salzburg kenne ich von früher her 
sehr gut, nicht aber die der Gebirgsgaue. 

») Mittheil. d. Ges. f. Salzb. Landeslf., IV, S. 163 ff. (1864). 
„Prodromus", 2. Aufl., p. 285—292. 



Bt'itrüRo zur l-Mom von Salxlnir^'. IV 



53 



rohjpoilmm vuhjarc L. Auf dein (uil ra(lisber^n) l)oi Ilalloiii. Im l'iii/gaii hui 
Uukoii (am Wege zur Scliwarzbacliklaiinii), Lofcr und ß;id Fus(;li, /unioisl 
aul" FelsbKH'keu. 

rhe(jopteris pohfpodioidcs Fco. Bahn Golliugor Wasserlall; iu Wiildeiii uui das 
Zwiesolbiid. 

Vhegoptcris Dri/optcris (L.)- In Wäldern beim Zvvieselbad— Ilandlhof. 
r/ic<joptcris liohcrtiana (Hottin.). Im Gebiete der Liechtenstein- und Kilzlo(;h- 

klamni; ferner sehr häutig an der Ivadstädter Tauernstrasse (Nord- und 

Südseite). 

Äspidium Lonchitis (L.). Im Kadstädter Tauernkar noch in nahezu 1700 m Seehöhe. 

Cystopteris montana (Lam.). Unterhalb Ferleiten an dem zum Bad Fusch führen- 
den Fusswege. — Steigt nach Sauter nur bis 1300 w; ich fand sie jedoch 
im Kadstädter Tauernkar iu nahezu 1700 m Seehöhe. 

Asplenium viride Huds. Auf Felsen der Bergabhänge um St. Gilgen ; an der von 
Abtenau nach Gösau führenden Strasse unweit des Zwieselbades; in der 
Umgebung der Lammeröfen ; bei Unken (am Wege zur Schwarzbachklamm) 
und Lofer; im Gebiete der Liechtenstein- und Kitzlochklamm. 

Botrychium Lunaria (L.). Im Friedhofe auf der Radstädter Tauernhöhe (fast 
1750 m), während Sauter als obere Grenze 1600 w angibt. Auf Kalkfelsen 
bei Tweng im Lungau nicht selten. 

Lycopodium Selago L. Beim Bad Fusch und nächst der Trauneralpe. 

Lycopodium annotinum L. Im Gebiete von Abtenau mehrfach: an der Gollinger 
Strasse nächst den Lammeröfen und beim Zwieselbad. — In den Wäldern 
Mittelpinzgaus nicht selten : so nächst der Schwarzbachklamm bei Unken ; 
bei Lofer (gegen das Hochthal) ; bei Saalfelden an der zum Schlosse Lichten- 
berg führenden Strasse. Die Art steigt viel höher als 1300 m (Sauter); sie 
wächst an Abhängen um das Radstädter Tauernkar in nahezu 1700 m Seehöhe. 
■ Lycopodium clavatum L. Auf einer Anhöhe beim Zwieselbad— Handlhof. — Mit 
der vorigen Art im Walde nächst der Schwarzbachklamm. — Zahlreich 
bei Tweng im Lungau in Wäldern gegen das Lantschfeld. — Auch diese 
Art steigt höher als Sauter angibt (1300 m); sie wächst in der Nähe 
der Trauneralpe im Fuscherthale in 1550 m Seehöhe. 

Zea Mays L. Da der Mais im Lande Salzburg nur selten und nirgends in 
grösserem Massstabe gebaut wird, so trifft man ihn auch nur sehr selten 
auf Schutt u. dgl. verwildert; so 1892 bei der Ueberfuhr in der Freibadau 
nächst Salzburg. 

EcTiinochloa Crus galli (L.). Bei Elixhausen. 

Panicum miliaceum L. Auf Schutt und Düngerhaufen um Salzburg nicht selten; 
so 1892 bei Leopoldskron und beim Kreuzbrückl; 1898 am linken Salzach- 
ufer bei der Eisenbahnbrücke. 

Älopecurus fulvus Sm. In der Au zwischen der Militärschiessstätte und der 
Eisenbahnbrücke bei Salzburg. 

Phalaris canariensis L. 1892 auf einem Düngerhaufen bei Leopoldskron; 1893 
auf Schutt bei der Eisenbahnbrücke (linkes Ufer). — Sehr überrascht war 



54 



Carl Fritsch. 



ich darüber, diese Art im Sommer 1893 beim Bärenwirtb im Fuscherthal 
aiizutrejOfeu ; sie beginnt also sogar in die Taueruthäler einzuwandern. 

Holcus mollis L. Auf Torfgründen im Scballmoos bei Salzburg zahlreich. 

Ävena sativa L. Ueberall um Salzburg an Wegen, auf Schutt u. dgl. häufig 
verwildert; auch sonst im Lande an derartigen Standorten verbreitet: so 
bei Mattsee, St. Gilgen, an trockenen Stellen des Ursprunger Moores; bei 
Oberndorf häufig; bei St. Leonhardt; an der Abtenauer Strasse unweit der 
Lammeröfen; beim Bad Fusch; bei Saalfelden an der Loferer Strasse. 

Ävena fatua L. 1892 bei der Haltestelle „Concordiahütte" der Giselabahn. — 
Neu für Pongau. 

Glyceria plicata Fr. Bei Lofer, Eadstadt und Landsteg im Eauriserthale. — 
Während Sauter die obere Verbreitungsgrenze für Glyceria „fluitans'^ 
mit 1100 m angibt, fand ich Glyceria plicata Fr. auf nassen Stellen der 
Alpenmatten oberhalb der Trauneralpe im Fuscherthale noch in 1600 m 
Seehöhe. 

Triticum vulgare Vill. Sowohl cultivirt als verwildert viel seltener als Seeale 
und Ävena; 1892 bei der Haltestelle Concordiahütte, 1893 bei der Salz- 
burger Eisenbahnbrücke, bei Eugendorf an der Salzkammergutbahn, bei 
St. Leonhardt in wenigen Exemplaren (überall die langbegrannte Form). 

Ägropyrutn caesium (Presl). Bei Lofer und Eadstadt; am Wege zur Kitzloch- 
klamm. — Es scheint, dass die bereifte Form überall dort vorkommt, 
wo Ägropyrum repens (L.) wächst; eine strenge Abgrenzung beider ist 
unmöglich. 

Ägropyrum caninim (L.). In der Josefsau bei Salzburg. — Am Bergabhange 
zwischen Blankenau und Stegenwacht im Grossarle rthale; unterhalb der 
Kitzlochklamm. 

Seeale cereale L. Um Salzburg sehr häufig auf ehemaligen Feldern, auf Schutt, 
an Wegen u. s. w. Unter denselben Verhältnissen findet man das Korn 
zerstreut fast in allen tiefei' gelegenen Thälern ; so bei Oberndorf und Matt- 
see, St. Leonhardt, Unken, Bruck, Bad Fusch, Sulzau und Eadstadt. 

Hordeum vulgare L. Bei Salzburg auf Schutt selten; ehemals in der Nähe des 
Bahnhofes. 

Hordeum distichum L. Bei Salzburg weit häufiger verwildert als die vorige 
Art; in den Umgebungen des Bahnhofes, beim Kreuzbrückl, am Fusse 
des Kuhberges u. a. 0. — Bei Tweng im Lungau cultivirt und vereinzelt 
verwildert. 

Lolium perenne L. var. ramosum Eoth. Bei Saalfelden am Wege zur Bürgerau. 

Lolium temtilentum L. Bei St. Leonhardt vereinzelt an der Strasse. 

Carex paniculata L. Im Fuscherthale unterhalb der Ferleiten; an der Ead- 

städter Tauernstrasse oberhalb der hohen Brücke (Südseite). 
Carex remota L. In Wäldern um Salzburg sehr häufig, so bei Käsern, Söllheim, 

Morzg, Fürstenbrunn. Bei Hallein auf dem Gutrathsberge. 
Carex pendula Huds. Auf dem Gutrathsberge bei Kaltenhausen. 



Boiti-ÄRP zur Flora von Salzburg. IV. 



55 



Carex pallescens L. Tin Wiildo niiclist der Schwarzbucliklamin bei IJnki n. 

Carex teninsi Host. In der Lieclitcnsteiii- uud Kitzldchklamm. 

Carex hirtifoi tnis l*ors. Nächst der Ferleiten an dem zum Bad Fuscli 
fülirendoii Fussvvoge au einer feuchten Wiesenstelle zahlreich. 

Blysmus compressus (L.). Diese Art steigt im Gebiete der Centralalpen offenbar 
allgemein bis ungefähr 1600 m und darüber; ich fand sie oberhalb der 
Trauneralpe im Fuscherthale in dieser Höhe; ferner schon früher am Rad- 
städter Tauern noch höher. ^) 

Cyperus fnscus L. Auf Torfwieseu im Schallmoos bei Salzburg. 

Luzula flavescens (Host). In Wäldern beim Bad Fusch. — Häufig in dichten 
Schwarzwäldern bei Tweng gegen das Lantschfeld. 

Lilium hulbiferum L. Auf einem Felsen an der Tauernstrasse unmittelbar bei 
Tweng. 2) 

ÄUium carinatum L. Auf Geröll am Neuhauserberge bei Salzburg. — Bei Scheffau 
nächst Golling. 

Polygonatum verticillatum (L.). In der Schwarzbachklamm bei Unken. — In 

Wäldern beim Bad Fusch. 
Polygonatum officinale All. (Convallaria Polygonatum L.). Bei Lofer und 

Saalfelden. 

Convallaria majalis L. Nach Sauter im Pinzgau nur bei Unken; ich fand sie 
jedoch bei Lofer. 

Tradescantia virginica L. In St. Gilgen vor einem Hause zwischen Brenn- 
nesseln und anderem Unkraut; offenbar früher dort in Cultur. 

Coeloglossum viride (L.). Im Fuscherthale unterhalb der Ferleiten und auch 
noch oberhalb der Trauneralpe (1600 m). — Nicht selten im Radstädter 
Tauernkar und bei Tweng im Lungau. 

.Herminium Monorchie (L.). Auf KalkgeröUe bei Tweng. 

Epipactis latifolia (L.). In Wäldern bei St. Gilgen. — Am Gutrathsberge bei 
Hallein im Waldesschatten mit grünlichen, in Holzschlägen mit theilweise 
violetten Blüthen, 

Epipactis ruhiginosa (Gr.). Bei Saalfelden am Wege zum Schlosse Lichtenberg. 
Epipactis palustris (L.).^) Auf Sumpfwiesen bei Radstadt. 
Listera cordata (L.). In dichten, moosreichen Fichtenwäldern bei Tweng gegen 
das Lantschfeld. 

Goodyera repens (L.). Bei Lofer am Wege in das Hoehthal; im Walde unterhalb 

des Schlosses Lichtenberg bei Saalfelden. 
Coralliorhiza innata R. Br. Im Walde unterhalb des Schlosses Lichtenberg bei 

Saalfelden, 



1) Beiträge, II., im Jahrgange 1889 dieser Verhandlungen, S. 579. Vergl. auch Fuggerund 
Kastner in Mittheil. d. Ges. f. Salzb. Landesk., XXXI, Sep.-AMr., S. 44. 

2) Nach freundlicher Mittheilung des Herrn Dr. v. Pernhoffer ist diese Art hei Tweng 
häufig; sie findet sich auch schon in Hinterhuber 's „Prodromus", 1. Aufl., für Lungau angeführt. 

Ueher die Nomenclatur dieser Art vergl. Fritsch in Oesterr. botan. Zeitschr., 1888, S. 79 ; 
Wettstein in Oesterr. botan. Zeitschr., 1889, S. 428. 



56 



Carl Fritsch. 



Juniperus communis L. An der Strasse zwischen Sulzau und Werfen. An der 
Grossarier Strasse vor Stegenwaclit. Im Eauriserthale oberhalb der Kitz- 
lochklamm. In der Bürgerau bei Saalfelden und von dort über Lofer bis 
gegen Unken häufig. 

Abies alba Mill. Zahlreich im Walde nächst der Schwarzbachklamm bei Unken. 

— Im Tauglwald zwischen Hallein und Kuchl mit Lärchen und Kiefern 
einen gemischten Bestand bildend. 

ülmus montana With. Bei St. Leonhardt. — Im Grossarlerthale oberhalb der 
Liechtensteinklamm. — Am Wege zur Schwarzbachklamm bei Unken. 

Urtica urens L. In den Umgebungen der Stadt Salzburg selten (Schallmoos, 
Grödig). In Lofer, Bruck, Embach, St. Johann an Häusern nicht selten. 

Cannäbis sativa L. In den näheren Umgebungen der Stadt Salzburg auf 
Schutt u. dgl. nicht selten, aber ohne bleibenden Standort; so an der Schall- 
mooser Hauptstrasse, bei der Eisenbahnbrücke u. a. 0. — Auch bei Kad- 
stadt auf Schutt. 

Humulus Lupulus L. Häufig bei Unken und Lofer; ferner bei Werfen und 

Plankenau im Pongau. 
Bumex scutatus L. Am rechten Salzachufer bei Salzburg nächst der Ueberfuhr 

in der Freibadau an einer Stelle ziemlich zahlreich. — An der Abtenauer 

Strasse unweit Scheffau. — Nächst Saalfelden am Eingange zu den 

Hohlwegen. 

JRumex Acetosella L. Bei Taxenbach, Bruck und Bad Fusch. 
Polygonum viviparum L. Im Fuscherthale vom Bad Fusch bis zur Trauneralpe 
sehr häufig. 

Polygonum amphihium L. Die Landform bei Salzburg auf dem Eennplatz 
und ausserhalb des Neuthors. 

Polygonum mite Schrank. Bei Plankenau nächst St. Johann. — Für Pongau 
bisher nicht angegeben. 

Polygonum cuspidatum S. Z. Im dritten Theile dieser „Beiträge" theilte ich den 
ersten Standort mit, auf welchem diese Art verwildert auftrat. Sie wächst 
dort auch jetzt noch, und ausserdem am Fusse des Neuhauser Hügels 
neben einem Garten, in dem sie wahrscheinlich in Cultur war. 

Hippophae rhamnoides L. Am Ufer der Saale bei Lofer. — NeufürPinzgau. 

Valeriana tripteris L. Im Unterpinzgau auch südwärts des Salzachthales ; so in 
der Kitzlochklamm und beim Bad Fusch. 

Valeriana montana L. Unweit der Schwarzbachklamm bei Unken (im Thale). 

— Am Wege zwischen Bad Fusch und Ferleiten. — Am oberen Ende der 
Liechtensteinklamm. 

Valeriana saxatilis L. Im Eosittenthale des Untersberges (1200 m). — In der 
Liechtenstein- und Kitzlochklamm. 

Dipsacus silvestris L. Bei Unken nicht selten. — Neu für Pinzgau. 

Petasites niveus (Vill.). An der von Abtenau nach Gösau führenden Strasse un- 
weit des Zwieselbades. — An den Ufern des Schwarzbaches bei Unken 
unterhalb der Schwarzbachklamm. 



Boitriipo zur Floni von Siih.lturp. TV. 



57 



CalfisfephffS rhinetisis (L.). Von diosor in nanorngärion liiuifig cultivirtcn 
nianzo fand icl» im Sommer 1892 zul'iilliL;' oin verwildertes Exemplar auf 
Moorboden unweit des Bades Kreuzbrüekl bei Salzburg, zwischen lauter 
wildwachsenden Pflanzenarten mehrere hundert Meter von den nächsten 
Häusern und Gärten entfernt. Das Exemplar hatte nicht „gefüllte Blüthen", 
sondern war normal entwickelt. 

Stenactis annua (L.). An den Dämmen der Giselabahn vom Tauglwald über 
Kuchl bis hinter Golling nicht selten. 

Erigeron acre L. Von Golling an (wo die Art z. B. auf der Kirchhofmauer wächst) 
nach Süden immer häufiger (im Pass Lueg, bei Markt Werfen, Pfarr 
Werfen, Bischofshofen, St. Johann, Schwarzach; Radstadt). Im Pinzgau 
fand ich die Art bisher bei Saalfelden und Bruck, sowie im Fuscherthal 
unterhalb Ferleiten. 

Pulicaria dysenterica (L.). In Auen bei Saalbrück und St. Leonhardt truppweise. 
An nassen Stellen der Waldlichtungen des Gaisberges bei Salzburg. An 
der Strasse zwischen Golling und Scheffau. 

Bidens tripartita L. Bei Oberndorf und Mattsee. 

Ärtemisia Absinthium L. Bei Oberndorf an der Calvarienbergstiege. 

Ärtemisia vulgaris L. Bei Salzburg am linken Salzachufer bei der Eisenbahn- 
brücke nicht selten. — Bei Radstadt nicht selten. — Bei Laufen im be- 
nachbarten Baiern. 

Gnaphalium supinum L. Auf den Abhängen neben der Strasse an der Radstädter 

Tauernhöhe (1700 m). Auf dem Moserkopf bei Mauterndorf (1850 m). 
Gnaphalium uliginosum L. Bei Radstadt. 

Gnaphalium margaritaceum L. Neben dem Gasthaus „zur Rositte" bei Glaneck 
verwildert. — In Bauerngärten nicht selten cultivirt. 

Senecio viscosus L, Bei der Haltestelle Concordiahütte der Giselabahn. 

Senecio Jacdbaea L. An der Strassenböschung bei Abtenau vereinzelt; zum 
Theile ohne Strahlblüthen (var. discoideus W. et Gr.). 

Carlina acaulis L. Schon im zweiten Theile dieser „Beiträge"^) konnte ich 
einen 1500 w hoch liegenden Standort dieser Art angeben; noch etwas 
höher liegt der Standort bei der Trauneralpe im Fuscherthale, wo die 
Art nicht selten wächst. Allerdings liegen beide Standorte an warmen, 
gegen Südosten, beziehungsweise Südwesten exponirten Abhängen. 

Centaurea Cyanus L. Häufig im Getreide bei Obertrum, Weng bei Neumarkt, 
St. Lorenz bei Mondsee; ebenso bei Taxenbach und Bruck in Unterpinz- 
gau. — Vereinzelt in Getreidefeldern um Salzburg, so beim Kreuzbrückl 
und in der Freibadau. 

Carduus crispus L. Merkwürdiger Weise ist diese Art für Pongau in den Floren 
nicht angegeben; sie wächst aber von Sulzau über Werfen und Bischofs- 
hofen bis St. Johann auf Wiesen nicht selten. 



i) Siete diese „Verhandlungen", Jahrgang 1889, S. 582. 
Z. ß. Ges. B. XLIV. Abh. 



8 



58 



Carl Fritsch. 



Carduus viridis Kern. Bei St. Gilgen, Unken (am Wege zur Schwarzbachklamm), 
Lofer, Werfen; an der Abtenauer Strasse unweit der Lammeröfen; oberhalb 
der Liechtenstein- und der Kitzlochklamm. 

Cirsium lanceolatum (L.). Vereinzelt in Holzschlägen bei Fürstenbrunn und 
Söllheim, ferner im Communalfriedhofe und in der Ernst -Thunstrasse in 
Salzburg. 1) — Bei St. Gilgen und Oberndorf; Dürrnberg bei Hallein; 
Scheffau bei Golling. — Im Pongau und Pinzgau sehr häufig, 

Lappa officinalis All. Bei Kaltenhausen nächst Hallein; bei Golling an der 
Werfener Strasse. 

Lappa minor (Schk.). Im Pinzgau bei Unken, St. Martin (bei Lofer), Bruck 

und Taxenbach; im Pongau bei St. Johann. 
Lappa tomentosa Lam. Bei Unken und Bruck im Pinzgau; auch nächst der 

Schwarzbachklamm. 

WiUemetia stipitata (Jacq.). Im Radstädter Tauernkar (1650 m) nicht selten. 

Mulgedium alpinum (L.). Vereinzelt am Eingange der Schwarzbachklamm bei 
Unken. — Sehr häufig in den Umgebungen von Bad Fusch, besonders in 
der Weichselbachschlucht. 

Campanula pusilla Hke. Von Standorten im Gebiete der Centraialpen ^) wären 
noch zu nennen: Tweng (auf Kalkgerölle häufig) und das Grossarlthal 
(oberhalb der Liechtensteinklamm). 

Campanula Trachelium L., flor. albis. Bei Unken; oberhalb der Liechten- 
steinklamm im Grossarlthal. 

Campanula barhata L., flor. albis. Auf dem Radstädter Tauern vereinzelt: 
oberhalb der Gnadenbrücke und auf der Tauernhöhe. 

Asperula odorata L. Truppweise auf dem Gutrathsberge bei Hallein. 

Lonicera Xylosteum L. Mit Rücksicht auf die Angabe Hinte rh über 's: „scheint 
aber in das Gebirge nicht weiter hineinzugehen", möchte ich bemerken, 
dass die Art im Mittelpinzgau (von Unken über Lofer bis Saalfelden) nicht 
selten ist, ebenso im Pongau (von Sulzau über Werfen und Pfarr Werfen 
gegen Werfenweng); auch wächst sie in den Umgebungen der Liechten- 
stein- und der Kitzlochklamm. 

Lonicera alpigena L. In der Schwarzbachklamm bei Unken; ebenso in der 
Liechtenstein- und Kitzlochklamm. 

Viburnum Lantana L. Auch im Flachlande, z. B. bei Oberndorf. 

Viburnum Opulus L. Bei Lofer. 

Sambucus Ebulus L. Bei Kaltenhausen nächt Hallein; bei Abtenau an der 
Gollinger Strasse; bei Unken am Wege zur Schwarzbachklamm. 

Ligustrum vulgare L. Auch im Flachlande häufig; so bei Oberndorf, Mattsee 
und St. Gilgen. 

Vincetoxicum officinale Much. Am Schlosshügel in Mattsee. — In der Liechten- 
steinklamm, 



1) Vergl. Beiträge, II, S. 582. 
Vergl. Beiträge, II, S. 583. 



Iloitrü(jo zur Flora von Sal/burff. IV. 



59 



Gentiana crucintn L. Bei Schortau nächst Golling. 

(ientiana asclcj^iadea L. Bei dor oberon Kosittimalpc auf dem Uut(!rsb(M-ge. — 
Bei St. Gilgen, Unken (Eibolklanini), Golling (Schwar/bachfall, Salzach- 
öfen, Scheffau); beim Zwieselbad; oberhalb der Liechtenstoinklamm. 

Gentimia nivalis L. Auf dem Radstädter Tauern (1700 m). — Bei der Trauner- 
alpe im Fuscherthale (1550 wi). 

Erythraea Centaurium (L.). In der Freibadau bei Salzburg in kleinen, der 
folgenden Art habituell ähnlichen Exemplaren. — Im Kirchholz bei 
Reichenhall. 

Erythraea piilchella (Sw.). In der Freibadau bei Salzburg. 
Menyanthes trifoliata L. Zahlreich auf den Sumpfwiesen im obersten Thalboden 
der Ferleiten. 

Calamintha Acinos (L.). Auf der Südseite des Schlosshügels in Mattsee. 
Lamium maculatum L., flor. roseo-albis. In Werfen an Gartenzäunen. 
Lamium album L. In St. Leonhardt vereinzelt mit dem viel gemeineren Lamium 
maculatum L. 

Galeöbdolon luteum Huds. In der Liechtenstein- und Kitzlochklamm. 

Stachys dlpina L. Unweit der Schwarzbachklamm bei Unken. — Am Wege zur 
Kitzlochklamm. An der Grossarier Strasse vor Stegenwacht. 

Stachys palustris L. Bei Mattsee am Seeufer zwischen Schilf, in Gesellschaft 
des Bumex Hydrolapathum Huds.; auch an der Strasse gegen Obertrum. 
— Auf Torfgründen im Schallmoos bei Salzburg. — An der Giselabahn 
bei den Haltestellen Concordiahütte und Rauris-Kitzloch, sowie nächst der 
Station Schwarzach. (Neu fürPongau.) — Bei Unken ; ferner am Rande 
von Getreidefeldern zwischen Lofer und Oberweissbach. — Diese Art, 
welche in den Floren als selten und nur von wenigen Standorten im Flach- 
lande angegeben ist, erweist sich nun als in den Hauptthälern aller Gaue 
verbreitet, wenn auch nirgends besonders häufig.^) 

Betonica Jacquini Gr. et Godr. Im Pass Lueg schon in 550 m Seehöhe! 

Äjuga pyramidalis L. Bei Tweng im Lungau. 

Teucrium Chamaedrys L. Auf sonnigen Bergabhängen bei Oberndorf selten. — 
Bei Scheffau an der Abtenauer Strasse. — Vom Eingange des Pass Lueg 
über Sulzau bis Werfen nicht selten. — Nach Sauter soll diese Art im 
Pinzgau nur beim Schloss Lichtenberg vorkommen; sie ist aber in den 
Umgebungen von Lofer häufig. 

Teucrium montanum L. Bei Lofer und von dort bis gegen Unken häufig. 

Glohularia cordifolia L. Auf dem Nockstein bei Salzburg. — In Auen bei 
St. Leonhardt in der Ebene ganze Strecken überziehend. — Auf Felsen 
an der Grossarier Strasse vor Stegenwacht. 

Symphytum officinale L. Im Flachlande bei Mattsee und St. Lorenz nächst 
Mondsee; auf dem Gutrathsberge bei Hallein; im Pinzgau bei Unken, 



Vergl. darüber auch „Beiträge", I (1888), S. 84; II (1889), S.584; III (1891), S. 746; ferner 
Fugger und Kastner in Mittheil. d. Ges. f. Salzb. Landesk., XXXI, S. 34 des Sep.-Abdr. 

8* 



60 



Carl Fritsch. 



Lofer und Bruck; im Pongau bei Radstadt. — Die Spielart flor. albo- 
roseis in Moorgräben bei Glaneck. 
Lithospermum officinale L. Bei Sulzau. 

Cuscuta europaea L. Häufig im Mittelpinzgau, besonders bei Unken; ferner bei 
Lofer, in den Hohlwegen, bei Bruck und Dorf Fusch. Im Pongau bei 
Blankenau nächst St. Johann. — Bei Unken fand ich neben der gewöhn- 
lichen Form (auf Urtica dioica L.) auch einige Exemplare mit bleich- 
gelblichem Stengel und weissen Blüthen. 

Cuscuta Epithymum (L.). Besonders zahlreich oberhalb der Ferleiten. 

Hyoscyamus niger L. In Gnigl bei Salzburg beim Pfarrhof und in der Eich- 
gasse; wahrscheinlich verwildert. 

Solanum nigrum L. Um Salzburg nicht gemein, aber doch ziemlich verbreitet 
(Gnigl, Mönchsberg, Riedenburg, Lieferiug), manchmal auch als Garten- 
unkraut. — Am Bahnhofe in GoUing. — Bei Sulzau (neu für Pongau). 

Solanum Lycopersicum L. 1892 zufällig auf einem Schutthaufen bei Leopoldskron. 

Atropa Belladonna L. In Holzschlägen bei Söllheim. — Unweit Marzoll an der 
baierischen Grenze (noch auf österreichischem Boden). 

Verhascum Thapsus L. An der Eisenbahn bei Weng und nächst der Haltestelle 
Wallersee, ferner bei Eisbethen und Kuchl. Häufig im Gebiete des Glanecker 
Moores bis gegen Leopoldskron.^) — Im Pongau an der Strasse zwischen 
Sulzau und Werfen, bei St. Johann und an der Grossarier Strasse vor 
Stegenwacht. — Im Pinzgau bei Lofer (auch an der Strasse gegen Unken), 
Bruck und Taxenbach. — Die Art tritt im Lande Salzburg fast niemals 
in grösserer Menge an einer Stelle auf, dagegen sehr häufig in ganz ver- 
einzelten Exemplaren. ^) 

Verbascum austriacum Schott. Längs der Eisenbahn von der Haltestelle Con- 
cordiahütte bis Pfarr Werfen verbreitet.^) 

Verbascum Blattaria L. Ein Exemplar bei Laufen im benachbarten Baiern an 
der Teisendorfer Strasse ausserhalb des Stadtthores. 

Linaria Cymbalaria (L.). Auf Mauern in Werfen und Taxenbach. — Neu für 
Pongau und Pinzgau. 

Linaria alpina (L.). In den Hohlwegen (zwischen Oberweissbach und Saalfelden) 
auf der Strasse (ca. 670 m). 

Linaria vulgaris Mill. An der Eisenbahn bei Steindorf, Golling, Bischofshofen 
und bei der Haltestelle Concordiahütte. Bei St. Johann am Wege nach 
Stegenwacht. 

Digitalis ambigua Murr. In Holzschlägen bei St. Gilgen. — An der Strasse von 
Golling nach Abtenau unweit der Lammeröfen. — Auf Bergabhängen bei 
Werfen, Hüttau, Lend und Stegenwacht im Pongau, Unken und Saalfelden 
im Pinzgau. 



i) Vergl. Beiträge, II (1889), S. 584. 

^) Vergl. darüber auch Neilreich, Flora von Niederösterreich, S. 538. 
Vergl. Beiträge, II, S. 585. 



HoitraRo zur Flora von Sal/.lmrp;. IV. 



61 



Digitalis amhigun Muir. In Holzschlägen bei St. Gilgen; an der Ablcnauer 
Strass(> unweit der Laninioröt'en ; an Hergabliiingon bei Werfen und Tiend; 
au der Grossarier Strasse vor Stegcuvvaclit; bei Unken am Wege zur 
Schwarzbachklamni ; bei Saalfeldeu (nächst dem Schlosse Lichtenberg). — 
Es ergibt sich also, dass die Art im Lande Salzburg im ganzen Bereiche 
der Kalkalpen verbreitet ist.*) 

Veronica Beccahnnga L. Hinterhuber gibt die obere Grenze für die verticale 
Verbreitung dieser Art mit 1000m an, dieselbe steigt aber viel höher. 
Sie wächst beispielsweise bei der oberen Rosittenalpe auf dem Untersberge 
(1300 m), bei der Trauneralpe im Fuscherthale (1550 m), im Radstädter 
Tauernkar (1650 m), an quelligen Stellen des Moserkopfes bei Mauterndorf 
(1850 m!). 

Veronica latifolia L. [Veronica urticaefoUa Jacq.). Gemein auf dem Gutraths- 
berge bei Hallein. Häufig in der Umgebung der Lammeröfen und in 
Wäldern beim Zwieselbad. An der Strasse zwischen Sulzau und Werfen. 
In der Klamm oberhalb Untertauern häufig; auch unterhalb des Scheidberg- 
Gasthauses auf der Südseite der Tauernstrasse. Am Wege zur Liechtenstein- 
und zur Kitzlochklamm. Bei Saalfelden (Lichtenberg), Lofer und Unken 
(Eibelklamm). 

Veronica officinalis L. Oberhalb der Trauneralpe im Fuscherthale noch in 1600 m 
Seehöhe häufig; im Radstädter Tauernkar in nahezu 1700 m Seehöhe 
(Hinterhuber gibt als obere Grenze 1200 m an). 

Veronica aphylla L. Anf dem Radstädter Tauern (ca. 1700 m) nicht selten. 

Veronica alpina L. Auf dem Radstädter Tauern (ca. 1700 m). 

Veronica serpyllifolia L. Auf dem Radstädter Tauern (ca. 1700 m) mit der 
vorigen Art. 

Veronica poUta Fr., flor, albis. Bei Fürstenbrunn vereinzelt. 

Euphrasia Salishurgensis Funk. In Auen bei St. Leonhardt in der Ebene (sehr 
schlank und kleinblätterig). In den Salzachöfen bei GoUing und am Ein- 
gange des Pass Lueg. Im Grossarlerthal oberhalb der Liechtensteinklamm. 
An der Strasse zwischen Landsteg und Embach. 

Odontites rubra Pers. An der Strasse zwischen Obertrum und Mattsee. — Bei 
Salzburg auf Bauplätzen in der Auerspergstrasse und in der Freibadau. — 
In der Abtenauer Gegend nicht selten. Im Pass Lueg und bei Sulzau. 

Bartsia alpina L. Häufig auf der Höhe des Radstädter Tauern (ca. 1700 m). 

Primula farinosa L, An der Radstädter Tauernstrasse unterhalb der Gnaden- 
brücke. 

Cyclamen europaeum L. Sehr zahlreich in Wäldern bei St. Gilgen. 
Lysimachia vulgaris L. Auf dem Gutrathsberge bei Hallein. — Sehr häufig 

zwischen Schilf auf den Sumpfwiesen bei Radstadt. — In den Diesbacher 

Hohlwegen. 



^) Ueber Standorte im Gebiete der Centraialpen vergl. Fugger und Kastner in Mittheil, 
d. Ges. f. Salzb. Landesk., XXXI, S. 31 des Sep.-Abdr. 



62 



Carl Fritsch. 



Änagallis arvensis L. Bei Saalfelden am Wege zur Bürgeraii (an einer Stelle). 
Bhododendron hirsutuni L. In der Kitzlochklamm. 

Pirola rotundifoUa L. In Auen bei St. Leonhardt. — Bei Unken am Wege zur 
Schwarzbachklamm. 

Pirola minor L. Im Walde nächst Bad Fusch (am Wege zur Thalmaierhütte) 
vereinzelt. — Bei Tweng am Wege in das Lantschfeld (im tiefen Fichten- 
walde). Neu für Lungau. 

Pirola uniflora L. Im Walde nächst der Schwarzbachklamm bei Unken; in 
Wäldern bei Lofer; bei Saalfelden am Abhänge unterhalb des Schlosses 
Lichtenberg. — In Wäldern beim Bad Fusch. — Häufig bei Tweng im 
Walde gegen das Lantschfeld. 

Laserpitium latifoUum L. Am Untersberg sowohl im Rosittenthal (ca. 1000 w) 
als tief unten am Abhänge nächst Grödig. — Bei Lofer. 

Toriiis Anthriscus (L.). An Waldrändern bei Lengfelden nächst Salzburg. — 
Bei Sulzau. — Am Wege zur Liechtensteinklamm. — Bei der Haltestelle 
Rauris-Kitzloch. — Neu für Pongau und Pinzgau. 

Chaerophylhim aureum L. Häufig bei Abtenau ; ferner bei Unken und Radstadt. 
— Am Wege zwischen Bad Fusch und Ferleiten. 

Sedum alhum L. Auf dem Untersberge noch in einer Seehöhe von 1300 m (bei 
der oberen Rosittenalpe). 

Saxifraga Aizoon Jacq. Als tief liegende Standorte dieser Art seien angeführt 
die Eibelklamm bei Unken und die Liechtensteinklamm. — Am Radstädter 
Tauern ist die Art von 1000 m aufwärts häufig. 

Saxifraga mutata L. An den Abhängen neben der Radstädter Tauernstrasse fand 
ich diese Art an zwei räumlich weit getrennten Stellen ziemlich zahlreich : 
an der Nordseite zwischen der Gnadenbrücke und dem zum Johannenfall 
hinabführenden Steige und an der Südseite beim Scheidberg-Gasthause. 

Saxifraga Hatismanni Kern, (aizoides X mutata). An der Radstädter 
Tauernstrasse oberhalb der Gnadenbrücke mit Saxifraga mutata L. — 
Saxifraga aizoides L. ist im Gebiete des Radstädter Tauern gemein. 

Saxifraga Burseriana L. Auf Felsen an der Tauernstrasse unmittelbar vor 
Tweng. ^) — Auf Felsblöcken beim Bad Fusch hinter Flatscher s Gasthof. 

Clematis Vitalba L. Diese im Gebiete der nördlichen Kalkalpen sehr verbreitete 
Pflanze fand ich im Gebiete der Centraialpen bisher nur zwischen St. Johann 
und Stegenwacht. 

Clematis alpina (L.). Im Grossarlerthale nördlich von Stegenwacht. — Im Rad- 
städter Tauernkar noch bei nahezu 1700 m Seehöhe, während Sauter 
und Hinterhuber als obere Grenze 1300 w, beziehungsweise 1270m 
angeben. 

Thalictrum aquilegifolium L. In den Auen an der Saale bei Saalbrück. — Am 
Wege zwischen Bad Fusch und Ferleiten. — An der Radstädter Tauern- 
strasse (Nordseite) oberhalb der Klamm. 



») Nach Pernhoffer bei Tweng nicht selten. 



f!(>i(r;'ic!:<^ /.ur Flora V(^n Sal/.lnirp. IV. 



Jlinlictmm 7ninns L. Iii den ►Siil/acliöiVn hol (Jolling. — Thalictrum majna Jiioq., 
oder violnielir Crantz, welches II i n terhuber getrennt anführt, i.st nur 
eine üppige Form des ThaUctrum minus L. Die angegebenen Standorte 
Mielichhofer's beziehen sich aber oflenbar nicht auf diese Art, 

TJialictrum galioides Nestl. Diese Pflanze wurde von Hinterhube r offenbar 
mit sehmalblätterigon Formen der folgenden Art verwechselt, sonst könnte 
er sie nicht „auf den Moorwiesen an der Glan und bei Ursprung gemein" 
angeben. — ThaUctrum galioides Nestl. scheint ausserhalb Lungaus 
(Saute r) im Lande nicht vorzukommen. 

Thalictiniti lucidimi L. An einer anderen Stelle^) werde ich den Beweis 
erbringen, dass jenes ThaUctrum, welches allgemein als ThaUctrum angusti- 
foUum J?LGq. bezeichnet wird, mit Unrecht diesen Namen führt, da Linne 
unter ThaUctrum angustifoUum in erster Linie das ThaUctrum gaUoides 
Nestl. verstand. Dagegen bezieht sich der Name ThaUctrum hicidum L. 
zweifellos auf eine Form jener ausserordentlich vielgestaltigen ThaUctrum- 
Art, welche in den näheren Umgebungen der Stadt Salzburg, besonders in 
den Salzachauen, in grösster Menge wächst. Ich wende also für den ganzen 
Formenkreis den Namen ThaUctrum lucidum L. an. — Die speciell um Salz- 
burg häufigste Form hat relativ breite Blättchen und ist drüsig behaart; 
man wird dieselbe am besten als ThaUctrum nigricans Scop. bezeichnen, 
wie dies auch Saute r schon gethan hat.^) Borbäs hat ihr jüngst den 
Varietätnamen glandipilum gegeben,*) weil der Lecoyer'sche Varietätname 
glandulosum schon von Wallroth^) für eine Varietät des ThaUctrum mon- 
tanum Wallr. (= ThaUctrum minus L.) gebraucht wurde. — Es kommen 
übrigens auch um Salzburg sehr schmalblätterige Formen vor, welche mit 
ThaUctrum angustissimum Cr. zusammenfallen; diese sind aber relativ 
seltener. — Es sei übrigens nochmals hervorgehoben, dass weder ThaUc- 
trum nigricans Scop., noch ThaUctrum angustissimum Cr. als eigene Arten 
angesehen werden dürfen. — Dass ThaUctrum flavum L. in Salzburg nicht 
vorkommt, hat schon Fräulein Eysn richtig erkannt.^) 

Manunculiis Kenieri Frey«. In der Umgebung der Trauneralpe im Fuscher- 
thale sehr zahlreich. 

Ranunculus repens L. Nächst der Trauneralpe im Fuscherthale noch in 1550 m 
Seehöhe. 

Äquilegia atroviolacea (Ave-Lall.) [Aquilegia atrata Koch). Bei Unken am 
Wege zur Eibelklamm. — Die bei Hinte rhuber (2. Aufl., S. 8) von 
mehreren Standorten angeführte Aquilegia viscosa W. K. ist weder eine 
„Form von Aquilegia vulgaris L.", noch kommt sie im Lande Salzburg 



Vergl. Koch in Rohling, Deutschlands Flora, IV, S. 131. 

-) Die betreffende Abhandlung wird demnächst erscheinen. 

') Saut er, Flora der Gefässpflanzen, S. 105. Vergl. auch Beiträge, I, S. 86. 

«) Termeszetrajzi Füzetek, XVI, 1, p. 43 (1893). 

5) Wallroth, Schedae criticae, p. 255 (1822). 

«) Mittheil. d. Ges. f. Salzb. Landesk., XXXI, S. 3 des Sep.-Abdr. 



64 



Carl Fritsch. 



vor. An dem einen der angeführten Standorte (bei Grödig) habe ich 
selbst Äquilegia atroviolacea (Ave-Lall.) gesammelt; an den anderen 
(Grossgmain, Reichenhall) wächst wohl sicher ebenfalls diese letztere Art, 
Aqiiilegia Einseieana F. Schultz {Äquilegia pyrenaica Koch, Sauter, 
Hinterhuber, non DC). Eine Äquilegia pyrenaica „Linne", wie sie von 
Sauter und Hinterhuber aufgeführt wird, existirt überhaupt nicht. 
Äquilegia pyrenaica DC. wächst nicht in Oesterreich. Es können sich 
daher die auf diese Art bezüglichen Angaben wohl nur auf Äquilegia 
Einseieana F. Schultz beziehen. Ich selbst habe die Pflanze aus Salzburg 
nicht gesehen; das angegebene Vorkommen im Lungau ist aber nicht un- 
wahrscheinlich. 

Äconitum paniculatum Lam. Bei einer Alpenhütte im Kaprunerthale (ca. 1400 m) 
mit Myrrhis odorata (L.). — Im Grossarlerthale oberhalb der Liechten- 
steinklamm, — Die bei Hinterhuber (2, Aufl., S. 9) für Äconitum 
cernuum Wulf, angeführten Standorte gehören zweifellos zu Äconitum 
paniculatum Lam., mit dem Äconitum cernuum Wulf, (entgegen der An- 
sicht vieler Autoren) gar nichts zu thun hat. 

Äctaea spicata L. In Wäldern beim Bad Fusch selten. 

Papaver Ehoeas L. Sehr häufig bei Plomberg am Mondsee, — Bei St. Leonhardt 
und Hallein nicht selten. 

Papaver somniferum L, Bei Hüttenstein und auf Schutt bei Radstadt ver- 
wildert. 

Ärahis alpina L. An der Mauer bei der Kirche in St. Gilgen. — Auf der Fried- 
hofmauer in St. Leonhardt. — Bei Lofer im Thale. 

Turritis gldbra L. Bei Blankenau im Pongau am Wege zur Liechtensteinklamm. 
— Im Pinzgau am Wege zur Kitzlochklamm; ferner zwischen Bad Fusch 
und Ferleiten (selten). — Neu für Pongau. 

Cardamine impatiens L. Bei Fürstenbrunn an der Reichenhaller Strasse; auf 
der Friedhofmauer in St. Leonhardt und bei Gartenau. — Bei Blankenau 
im Pongau am Wege zur Liechtensteinklamm. — In Unterpinzgau bei der 
Haltestelle Rauris-Kitzloch und am Wege zwischen Bad Fusch und Ferleiten. 

Cardamine trifolia L. Häufig in den Wäldern bei Gartenau. 

Dentaria enneaphylla L, Im Radstädter Tauernkar in nahezu 1700 m Seehöhe. 

Stenophragma Thalianum (L.). In der Ferleiten als Unkraut auf den mit Edel- 
weiss und Edelraute bepflanzten Trögen beim Lukashanslwirth. 

Kernera saxatilis (L.). Am Wege zwischen Bad Fusch und Ferleiten. 

Roripa silvestris (L.). Bei GoUing. 

Hutchinsia alpina (L.). Diese in den Kalkalpen gemeine Pflanze ist auch in 
der Tauernkette verbreitet; ich fand sie sowohl im Radstädter Tauernkar, 
als auch auf den Fuscher und Kapruner Alpen. 

Baphanus sativus L. An der Moosstrasse bei Salzburg und auf Schutt bei der 
Eisenbahnbrücke verwildert, 

Nuphar luteum (L.), Im Krotensee bei Hüttenstein. 



noitraRO ZUV l'loi i \ Sil/lmi;; IV 



65 



Ilclimithcviion nliwstrc (.l;ic(|.). lliiulit,' im (ichiclt' des Kiuistüdtci* 'riiuoni; :iuoh 
lUH'li bei Twonj]^ im Luiigau. — Die von Fug^'or und Kastuor^) für 
„Helianthcvivm oclnndlam W;i.hlb." angTgelxfneii Standorte gehören 
zweifellos zu dieser Art, da das echte Hclianihcminn oelandicum (L.) in 
den Alpen nicht vorkommt.''^) 

Heliantheinnin obsruf iim Pers, {Helianthemum vulgare S auter, Hinter- 
huber, non Gärtu.). Das bei Salzburg gemeine Helianthemum ist Helian- 
themum ohscurum Pers. Helianthemum vulgare Gärtu. habe ich bisher 
im Lande Salzburg nicht beobachtet. 

Viola hiflora L. In der Kitzlochklamm. 

Viola arvensis Murr. Bei St. Lorenz an der Salzkammei'gutbahn. 

Herniaria glabra L. Im Gebiete der Stadt Salzburg auf Bauplätzen in der 

Auerspergstrasse. — An der Strasse nächst dem Dorfe Fusch. 
Spergula arvensis L. Bei Saalfelden am Wege zur Bürgerau an einer Stelle mit 

Trifolium arvense L., SJierardia arvensis L. und Anagallis arvensis L. 
Moehringia trinervia (L.). Am Wege zur Liechtensteinklamm; am Wege zur 

Kitzlochklamm. 

Stellaria aquatica (L. sub Cerastio). {Malachium aquaticum Fr.)^) Bei Obern- 
dorf. — Um Salzburg sehr häufig (bei Liefering; in der Umgebung des 
Bahnhofes; auf Mauern in Gnigl; bei Glaneck). — Am Wege zur Liechten- 
steinklamm. Neu für Pongau. 

Dianthus Carthusianorum L. An sonnigen Abhängen bei Oberndorf. 

Silene Armeria L. Li Sulzau verwildert. Neu für Pongau. 

Melandryum alhum (Mill.). Bei Unken vereinzelt. 

Melandryum riibrum (Wgl.). Auch im Pongau ist diese Art verbreitet und häufig. 
Besonders massenhaft findet sie sich auf Wiesen zwischen Bischofshofen 
und St. Johann. — Auf Wiesen bei Landsteg im Rauriserthale fand ich 
sie zahlreich mit hell rosenrothen und weisslichen Blüthen. Ferner wächst 
sie im Pinzgau hei Taxenbach, Bruck, Bad Fusch und in den Dieshacher 
Hohlwegen. 

Malva Alcea L. An der Strasse zwischen Unken und Lofer unweit Maurach in 
wenigen riesigen Exemplaren; der nördlichste mir bekannte Standort im 
Mittelpinzgau. 

Malva silvestris L. Diese Art ist im Lande Salzburg nicht gemein, aber ver- 
breitet und nicht gerade selten. Ich fand sie beispielsweise auf der Südseite 
des Schlosshügels bei Mattsee, in der Eichgasse bei Gnigl, an der Werfener 
Strasse bei Golling, bei Unken am Fahrwege in das Heuthal. 

Hypericum Tiumifusum L. Auf Torfgründen im Schallmoos bei Salzburg selten. 
In Wäldern beim Zwieselbad— Handlhof vereinzelt. 

Hypericum tetrapterum Fr. Auf dem Gutrathsberge bei Hallein. 



1) Mittheil. d. Ges. f. Salzb. Landesk., XXXI, S. 7 des Sep.-Abdr. 
^) Vergl. A. V. Kerner, Schedae ad floram exsiccatam Austro-Hungaricam, III, p. 69. 
3) Die Gattung Malachium wird in neuester Zeit mit Recht zu Stellaria gezogen; so von 
Prantl (Excursionsflora f.d.Königr. Baiern), Kuntze (ßevisio generum) und Pax (Natürl. Pflanzenf.). 
Z. B. Ges. B. XLIV. Abh. 9 



66 



Carl Fritsch. 



Hypericum montanum L, Am Fusse des Untersberges am Wege zur unteren 
Rosittenalpe. 

Hypericum hirsutum L. Im Pongau an der Strasse zwischen Sulzau und Werfen 
und oberhalb der Liechtensteinklamm im Grossarlerthale. — Im Mittel - 
pinzgau nächst der Eibelklamm bei Unken. 

Evonymus latifolius Scop. An Waldrändern bei St. Leonhardt vereinzelt. 

Bhamnus cathartica L. Auf dem Schlosshügel in Mattsee. — Bei Salzburg 
ausser den bekannten Standorten^) in der Freibadau und Josefsau, im 
Rochuswäldchen, bei Glaneck (Schlosshügel) und Fürstenbrunn. Im Pon- 
gau bei Radstadt; im Pinzgau bei Lofer und Saalfelden (Bürgerau). 

Euphorbia helioscopia L. Auf Aeckern bei Liefering. — Auf Schutt bei Gnigl 
zufällig vereinzelt. 

Euphorbia Cyparissias L. Am Wege zur Liechtensteinklamm. 

Juglans regia L. Zufällig ein junges Bäumchen im Walde bei Morzg. 

Geranium phaeum L. Bei St. Johann im Pongau. — Meine frühere Angabe, 
dass diese Art an der Radstädter Tauernstrasse nur bis 1100 w ansteige,^) 
muss ich dahin corrigiren, dass sie oberhalb dieser Höhe zwar nicht mehr 
so häufig ist, aber selbst noch im Tauernkar (1650 m) vorkommt. Auch 
auf der Südseite der Tauernstrasse gegen Tweng kommt sie vor, aber lange 
nicht so zahlreich als auf der Nordseite. 

Geranium pratense L. Auf Wiesen bei St. Gilgen nicht selten. 

Geranium columhinum. L. Bei Unken an der Strasse gegen Oberrain. — Zwischen 
St. Johann und Blankenau. — Neu für Pinzgau. 

Geranium molle L. Bei Unken am Fahrwege in das Heuthal an einer Stelle 
gesellschaftlich. — Neu für Pinzgau. 

Geranium Bohertianum L., flor. albis. Am Wege von St. Johann, beziehungs- 
weise Blankenau nach Stegenwacht an einer Stelle. Die Kelche waren 
normal gefärbt. Beim Trocknen wurden die Petalen blass rosenroth. 

Linum usitatissimum L. Vereinzelt verwildert bei St. Leonhardt an der Halleiner 
Strasse; zwischen St. Johann und Stegenwacht; beim Bärenwirth im 
Fuscherthal. 

Impatiens parviflora DC. In der Riedenburg unweit des Neuthors (1892, 1893); 
der dritte Standort bei Salzburg.^) 

Oenothera hiennis L. An der Giselabahn bei St. Johann. — Neu für Pongau. 

Epilobium hirsutum L. Bei Mattsee zwischen Schilf am Seeufer. 

Circaea lutetiana L. Bei Salzburg sehr häufig: im Curpark und im Parke der 
Schallmooser Badeanstalt; im Rochuswäldchen; in der Josefsau. Sehr zahl- 
reich in Holzschlägen am Gutrathsberge bei Kaltenhausen. Ferner bei 
Mattsee, Unken, Lofer, in den Diesbacher Hohlwegen ; an der von Golling 



Vergl. Hinterhuber, Prodromus, 2. Aufl., S. 49; ferner diese „Beiträge", II, S. 589. 
2) „Beiträge", II, S. 589. — Vergl. auch Eysn in Mittheil. d. Ges. f. Salzb. Landesk., XXXI, 
S. 10 des Sep.-Ahdr. 

••') Vergl. „Beiträge", II, S 590. 



Hoitr&RO /.«r IMora von Siilzburp. IV. 



07 



nach Abtonaii lulinMulen Strasse unweit der liannneröt'en ; bei St. Johann 
und am oberen Ende der Liechtensteinklanini. 

Circaea intermedia Ehrh. In der Liechtensteinklamm mit der folgenden und :^»" 
oberen Ende derselben mit der vorhergehenden Art. 

Circaea alpina L. An der von Abtenaii nach Gösau führenden Strasse unweit des 
Zwieselbades. — In der Kitzlochklamm. — Im Walde nächst der Schwarz- 
bachklamm bei Unken. 

Crataegus monogyna Jacq. Bei St. Gilgen, Golling (mehrfach), Pfarr Werfen.^) 

Agrimonia EupatoriaL. Bei Unken am Wege zur Schwarzbachklamm; bei Saal- 
felden unweit des Schlosses Lichtenberg. — An der Abtenauer Strasse 
hinter Scheffau. Bei Werfen und St. Johann im Pongau. — Neu für 
Pinzgau. 

ÄlchimiUa montana Willd. Auf sonnigen Abhängen beim Bad Fusch. — Die von 
Hinte rhuber getrennt angeführte „siibsericea^ ist von dieser Art nicht 
verschieden. 

Sanguisorha officinalis L. Häufig bei Mattsee, Eugendorf, Elexhausen; seltener 
bei St. Leonhardt. 

Riibiis suherectiis And. Bei St. Johann im Pongau an dem von Plankenau zur 

Liechtensteinklamm führenden Wege. 
Rubus pUcatus Wh. et N. Im Ursprunger Moor vereinzelt. — Im Eauriserthale 

oberhalb der Kitzlochklamm. 
Bubus sulcatus Vest. Am Abhänge des Gutrathsberges oberhalb Kaltenhausen. 
Rubus bifrons Yest. Bei Unken am Wege zur Schwarzbachklamm. — Neu für 

Pinzgau. 

Rubus rudis Wh. et N. Bei Fürstenbrunn an der nach Grossgmain führenden 
Strasse. 

Rubus caesiusXldaeus.'^) Einen zweifellosen Bastard zwischen diesen Arten fand 
ich heuer an einer Hecke des Calvarienberges bei Radstadt in ziemlich 
zahlreichen Exemplaren. Manche derselben hatten unterseits fast grüne, 
die meisten aber sammtig graufilzige Blättchen. — Von jener viel kräfti- 
geren Pflanze, die ich im Jahre 1888 bei Salzburg fand (und auch heuer 
wieder dort lebend beobachtete), ist die Eadstädter Pflanze auffallend ver- 
schieden, so dass ich jetzt der Ansicht zuneige, die Salzburger Anpflanze^) 
sei eine selbstständige Art der Corylifolii, welche allerdings mit dem Bastard 
Rubus caesius X Idaeus in genetischem Zusammenhange stehen kann, 
wie es Focke für Rubus pruinosiis Arrh. und Rubus maximus Marss. 
annimmt. ^) 



lieber salzburgische Crataegus-Form^n \Qxg\. auch Sanio in Verb. d. botan. Ver. d. Prov. 
Brandenburg, XXXII, S. 55. 

-) Die binäre Benennung dieser Hybriden unterlasse ich, so lange die verschiedenen Formen 
derselben und die verwandten Formen der Corylifolii nicht genauer studirt sind. 

3) Vergl. meine „vorläufige Mittheilung über die Rtibus-Eloxü, Salzburgs" in diesen „Verhand- 
lungen", 1888, S. 784. 

") Focke, Synopsis Ruborum Germaniae, p. 405. 

9* 



68 



Carl Fritsch. 



Potentüla sterüis (L.). In Holzschlägen bei Söllheim nächst Salzburg. 

Aruncus Silvester Kostel. Häufig in der Umgegend von St. Leonhardt — Gartenau. 
An der Abtenauer Strasse unweit der Lammeröfen. Im Pongau bei Werfen 
und oberhalb der Liechtensteinklamm. Sehr häufig von Lend über Taxen- 
bach bis Bruck im Pinzgau; im Fuscherthale unterhalb Ferleiten; ferner 
bei Lofer und Unken. 

Filipendula suhdenudata Fritsch. In der Josefsau bei Salzburg. Auf dem Gut- 
rathsberge bei Hallein in allen Zwischenformen, welche sie mit der typischen 
Filipendula ülmaria (L.) und mit Filipendula denudata (Presl) ver- 
knüpfen. Im Pinzgau bei Lofer und Bruck mit den beiden genannten 
Hauptformen. 

Prunus spinosa L. Auf dem Schlosshügel bei Mattsee. — Am Fusse des Schloss- 
hügels bei Glaneck. — Zwischen Sulzau und Werfen an der Strasse. — 
Sehr häufig im Gebiete von Unken und Lofer. 

Prunus Padus L, Bei Unken, Lofer, Taxenbach, St. Johann, Sulzau und Radstadt. 

Medicago sativa L. Im ersten Theile dieser „Beiträge" habe ich über die Aus- 
breitung dieser Art in den Umgebungen der Stadt Salzburg berichtet.^) 
Im Sommer 1892 habe ich sie nun auch im Pinzgau, und zwar beim 
Schlosse Lichtenberg nächst Saalfelden beobachtet. 1893 sah ich sie an 
der Eisenbahn bei Werfen, so dass sie also jetzt für Pongau und Pinzgau 
nachgewiesen ist. — S auter bezeichnet in beiden Auflagen seiner Flora 
von Salzburg den Luzernerklee als „Medicago caerulea L.", was wohl ein 
Schreibfehler ist. Hinterhuber hat aber dieser Schreibfehler zu folgender 

Bemerkung veranlasst : ^) „Medicago sativa L., Luzernerklee Eine 

Form davon ist: Medicago caerulea L. Wird hie und da ebenfalls ange- 
pflanzt, jedoch seltener." (!!) 

Medicago falcata L. An sonnigen Abhängen bei Oberndorf. 

Melilotus altissimus Thuill. An der Westbahn nächst der Haltestelle Berg 
Maria Piain. 

Melilotus officinalis (L.). Im Mittelpinzgau bei Unken und in den Diesbacher 
Hohlwegen. — Im Pongau bei Sulzau. 

Trifolium medium L. Bei St. Gilgen und Elexhausen. — Im Mittelpinzgau bei 
Lofer und Saalfelden. — Auf Sumpfwiesen bei Radstadt fand ich zwischen 
Schilf und anderen hohen Sumpfpflanzen eine sehr verlängerte, schlaffe 
Form dieser Art, welche dem TW/bZntm e^caZto/itm Saute r's^) entsprechen 
dürfte. 

Trifolium arvense L. Bei Saalfelden an einer Stelle des Weges zur Bürgerau. 
Trifolium hyhridum L. Schon im zweiten*) und dritten^) Theile dieser „Beiträge" 
konnte ich die Angabe der Salzburger Floristen, dass diese Art im Gebirgs- 



') Siehe diese „Verhandlungen", 1888, S. 89. 

Hinterhuber, Prodromus, 2. Aiifl., p. 52. 
3) Siehe Oesterr. botan. Wochenblatt, 1856, S. 106. 

Siehe diese „Verhandlungen", 1889, S. 591. 
=-) Siehe diese „Verhandluagen", 1891, S. 749. 



Boitrftge 7.iir I'Khm von Salzburg. IV. 



69 



lando selten sei, widerlegen, (iegciiwiirt.ig kann ich die.selbo als gemein 
im Flaelilande (Mattsee, St. FiOrenz Ixü Mondscse, St. Gilgen, Gutrathsherg, 
Abtonau), Pongau (Werfen, St. Johann), Unter- und Miltel-Piu/gau (Taxen- 
bach, Bruck, Loter, Unken) bezeichnen. — An der Radstädter Tauernstrasse 
wächst sie noch in lG50m Seehöhe. 
Trifolium aureum Poll. Bei Unken nächst der Eihelklamm. Bei Saalfelden am 
Wege 7Air Bürgerau. (An beiden Orten und überhaupt im Pinzgau nicht 
häufig.) 

Tnfolinm campestre Schreb. Bei der Haltestelle Concordiahütte der Giselabahn. 

Bei Plaukenau nächst St. Johann. — Neu für Pongau. 
Onohrychis satica Lam. Sehr zahlreich am Damme der Giselabahn hei Sulzau 

und Werfen. — Neu für Pongau. 
Vicia dumetorum L. Auf dem Gutrathsherge bei Gartenau. 
Vicia sativa L. Bei Saalfelden an einer gedüngten Stelle am Wege zur Bürgerau. 
Pisiim arvense L. Zahlreich in Haferfeldern unweit Thalgau. Sehr vereinzelt 

in Getreidefeldern nächst Gnigl und Glaneck bei Salzburg. 



70 



üeber zwei neue Myxomyeeten. 

Von 

Christian Lippert. 

(Mit Tafel III und IV.) 

(Vorgelegt in der Versammlung am 3. Jänner 1894.) 



1. KleistoholuSf novum genus Perichaenacearmn Zopf. ^) 

Sporangium einzeln, kugelig, ungestielt, braungelb, mit einem kreisrunden, 
mit gezähntem Rand versehenen Deckel. 

Peridie doppelt, die äussere dick und dunkel gefärbt, die innere zart und 
farblos; Kalk fehlt. 

Capillitium rudimentär, aus einigen kurzen Röhrchen bestehend, glatt, hyalin. 

Sporen ziemlich gross, kugelig, glatt. 

Plasmodium schwach schwärzlich braun tingirt. 

Kleistobolus pusillus nov. spec. 

Sporangium vereinzelt, kugelig, an der Basis etwas abgeplattet dem Sub- 
strat aufsitzend, braungelb oder röthlich braun, in der Jugend mit schwachem 
Seidenglanz. Deckel circa den fünften Theil des Sporangiums einnehmend, kreis- 
rund, die innere concave Fläche dicht mit runden hyalinen, glänzenden Körnern 
bedeckt, der Rand des Deckels perlenreihig gezähnt und in den gleichfalls gezähnten 
Rand der Peridie eingreifend. Sporangium 85 — 90 im Durchmesser. 

Peridie doppelt, von einer inneren zarten, farblosen und einer äusseren 
dicken, dunkel gefärbten Hautschichte gebildet; die Peridie des Deckels hat nur 
die zarte hyaline Schichte. Kalk fehlt. 

Capillitium rudimentäre kurze Röhrchen, circa 2—4/u breit und 2 — 18^ 
lang, an den Enden abgerundet, hie und da schwach keulenförmig verdickt, glatt, 
hyalin, auf der concaven Seite des Deckels entspringend. 



') W. Zopf, Die Pilzthiere oder Schleimpilze, 1885, S. 169. Separatabdrnck aus der Ency- 
klopädie der Naturwissenschaften. 



Uolior zwt^i iMMic Myxiiinyci'lon. 



71 



SiHMVii kii^^t'li^s t,'l:itt, biswoilon diircli allzu dichlu La{,'oruiig stuinplVckig 
gedrückt, in Masso rotlibraun, einzeln, insbesondere unter starker Vergrosserung, 
schwacli braun tingirt, 7—9// Durehniesser. 

Plasmodium schwach scliwiirzlicli biaun, die herrschende (Jestalt lacher- 
tormig, mit grossen Vacuolen und bisweilen mehreren Kernen, an der der fort- 
schreitenden Bewegung entgegengesetzten Seite die Köruchenmasse dicht ange- 
häuft, mit stark lichtbrechenden eckigen Körperchen, der vordere Theil ohne 
Köruchenmasse, mit hyalinem Rande. 

Auf abgestorbenem Tannenholz. 

Diesen äusserst interessanten Myxomyceten habe ich in einei- Zimmcrcultur, 
zu welcher ich das Material von der Hirschaualpe bei Hallstatt mitgenommen 
hatte, zum ersten Male Anfangs April 1893 auf einem in einer Glasdose feucht 
erhaltenen Tannenholzspahn entdeckt. Mit blossem Auge kaum sichtbar, zeigte 
sich derselbe unter der Lupe als winziges, schwach seidenglänzendes braungelbes 
Pünktchen. Die winzigen Sporangien erschienen zerstreut auf den Längsfasern 
des Spahns zwischen dem gleichfalls hier auftretenden Dichjmium oculatum Lip. 
und einer Cribraria -Art, einzelne Exemplare fanden sich sogar auf dem Pliess- 
papiere, welches die Unterlage des Holzspahns bildete. 

Bei massig starker Vergrösserung sind durch die Peridie die Sporen deut- 
lich zu erkennen, wie dies die Zeichnung eines frei im Wassertropfen gelegenen 
Sporangiums (Fig. 1) zeigt; unter ein Deckglas gebracht und nach schwachem 
Drucke auf dasselbe, traten die Sporen zum grössten Theile aus der Hülle und 
erschien letztere wie in Fig. 2 veranschaulicht. Nachdem ich über den geperlten 
Rand der Peridie keine rechte Erklärung finden konnte, gab ich das Präparat in 
die feuchte Kammer, worauf dann einige Tage später, nach erfolgter Zufuhr 
eines Tropfen Wassers unter das Deckglas, das Präparat die in Fig. 3 dargestellte 
Form zeigte. Links oben erschien ein deckelartiges Gebilde in der Form eines 
Kugelabschnittes, dessen Rand mit dicht aneinander gereihten, glänzend wasser- 
hellen kugeligen Körnchen versehen und dessen concave Seite mit ähnlichen, 
jedoch kleineren Körnchen übersäet war, zwischen welchen sich sieben rudimen- 
täre Capillitiumröhren zeigten. Ebenso wie der Rand des Deckels zeigte auch der 
Rand der zerrissenen Peridie eine ununterbrochene Körncheureihe. Meine Ver- 
muthung, dass diese den Rand des Deckels und auch der Peridie besetzt haltenden 
Körnchen als Deckelverschluss dienen, erschien durch die nachfolgenden Unter- 
suchungen an anderen Exemplaren bestätigt, wie die Fig. 4, 5 und 6 darthun. 

Fig. 4 veranschaulicht ein frei im Wassertropfen befindliches Sporangium, 
an welchem an der unteren Seite deutlich der concave Deckel mit der Körnchen- 
reihe und einigen Capillitiumröhren und ebenso am unteren Rande der Peridie 
die Körnchenreihe erkennbar ist. 

Fig. 5 zeigt dasselbe Sporangium unter dem Deckglase. Der concave Deckel 
hat sich seitwärts nach links verschoben, die Peridie hat sich etwas ausgedehnt 
und zeigt deutlich den gekörnten Rand, an welchen der Deckel angeschlossen war. 
Das weitere Präparat (Fig. 6) lässt die gleiche Erscheinung deutlich erkennen, 
besonders eine Anzahl der rudimentären Capillitiumröhren. 



72 



Christian Lippert. 



Nachdem nun noch an vielen anderen Exemplaren diese Erscheinung sich 
constant zeigte, fällt wohl die Annahme aus, dass es sich hier nur um eine zu- 
fällige regelmässige Aneinanderreihung der runden Körperchen handeln könne, 
vielmehr steht fest, dass hier eine Eigenthümlichkeit vorhanden ist, w^elche bisher 
noch bei keinem Myxomyceten, dessen Sporangien sich deckeiförmig öffnen oder 
mit Deckeln versehen sind, wie Arcyria, Perichaena, Craterium etc., beobachtet 
worden ist, weil, wie bekannt, die Deckel der letzteren mit durchaus glatten 
Kändern versehen sind. 

Aber noch eine andere von dem bisher Bekannten abweichende Eigen- 
thümlichkeit ist bei Kleistoholus zu constatiren. In allen bisher bekannten Fällen 
trennt sich der Deckel an oder nahe an der oberen Fläche des Sporangiums und 
springt ab, oder wird vom Capillitium emporgehoben. Hier tritt nun aber der 
entgegengesetzte Fall ein: der Deckel bildet die Basis des Sporangiums und 
letzteres löst sich vom ersteren los. 

Es ist ferner als besondere Eigenthümlichkeit zu bezeichnen, dass nur die 
Innenseite des Deckels mit runden glashellen Körperchen übersäet ist, während 
die übrige Innenwand des Sporangiums mit Ausnahme des geperlten Randes keine 
Spur ähnlicher Körnchen besitzt; weiters ist die Peridie des Sporangiums doppelt, 
jene des Deckels einfach. 

Es ist übrigens, strenge genommen, nicht richtig, hier von einem Deckel 
zu sprechen, indem die eigengeartete kugelabschnittförmige Fläche des Sporan- 
giums die Basis und den persistenten Theil des letzteren bildet, von welchem sich 
die mit den Sporen angefüllte weit grössere Hälfte des Sporangiums abtrennt.^) 

Die Sporen sind in Wasser leicht zum Keimen zu bringen, und es konnte 
die Entwicklung bis zum Plasmodium verfolgt werden. 

2. Uidymium oculatum noy. spec.^) 

Sporangium vereinzelt, platt gedrückte Kugel, einem dicken, braunen, 
säulenartigen Hypothallus aufsitzend, dessen oberes Ende aus einer gelblichen 
filzigen Masse besteht, in welche das Sporangium eingebettet, beziehungsweise ver- 
senkt ist; schwarzviolett bis tiefschAvarz, glänzend, — \mm hoch und ungefähr 
ebenso breit. 

Peridie einfach , hyalin , stellenweise mit äusserst kleinen rundlichen 
Körperchen bedeckt (Kalk), fest, zeigt eine ungewöhnliche Resistenz. 

Capillitium reich verzweigt und vielfach anastomosirend, an der Basis des 
Sporangiums entspringend, 2 — 4 ,a, an den Verästelungsstellen 6—7 ^ dick, ver- 
läuft in äusserst feine gegabelte und verästelte Spitzen, welche an der Peridie endigen. 

Die einzelnen Fäden an der Basis hyalin, im weiteren Verlaufe braun. 
Columella fehlt. 



Diese auffallenden Eigenthümlichkeiten dürften es viellcicM auch rechtfertigen, die gegen- 
wärtige Myxouiycetenform als fünfte Familie unter die Coelonemceu einzureihen, und zwar zwischen 
die Perichaenacccn und Liceaceeu Zopfs. 

-) W^egen der Aehulichkeit des Sporangiums mit einem Auge so benannt. 



Sporen kii},H'lig, violellltniiui, mit tViiicr Wür/cUciisculptur, 12 l;>^^ J)urcli- 
inosser; biswoilcn komnioii 8i)üreii vou ganz abnormer Form und Grösse vor 
(12X22,a ])n rch messe r). 

Plasmodium nicht bekannt. 

Auf altem Tannenholz. 

Ich habe diesen Myxomyceten in meinen Winterculturen 1892/!)o auf einem 
vou Hallstiitt (Hirschaualpe) im Herbste mitgenommenen alten Tannenholzspahn 
gezogen. Mitte December erschien das erste Sporangium, welchem dann noch 
mehrere folgten. In den von mir beobachteten Fällen ist das Sporangium zuerst 
schmutzig weiss, dann wird es gelblich, später schmutzig braun und zuletzt dunkel- 
braun bis schwarzviolett und tief schwarz (Fig. 13, 14, 15). Die Entwicklung 
geht langsam von statten und zwischen den verschiedenen Stadien der Färbung 
liegen 1—2 Tage. 

Die Sporen (Fig. 17) scheinen durch eine schleimige Masse zusammen- 
gehalten zu werden; losgelöst vom Capillitium, dem sie an der Aussenseite an- 
liegen, zeigen sie eine fest zusammenhängende sphärische Fläche. Sie keimen 
leicht in Wasser. 

Die Amöben (Fig. 18) treiben nur wenige Pseudopodien, bisweilen erscheinen 
in ihnen stark lichtbrechende Körperchen. 

Plasmodien konnte ich keine beobachten, sie leben im Innern des Sub- 
strates; das junge Sporangium erscheint plötzlich als schmutzig weisses Tröpfchen 
auf der Oberfläche des Substrates. 

Bei der Anfertigung eines Präparates, welches ich durch Halbirung eines 
Sporangiums bewerkstelligte, habe ich deutlich die Wahrnehmung gemacht, dass 
die Capillitiumfäden nicht an allen Stellen der Basalfläche des Sporangiums ent- 
springen, sondern auf einem peripherischen Eing derselben, und mit den daran 
nach aussen zu hängenden Sporen, die innere Wandung des Sporangiums aus- 
kleidend, eine sphärische Fläche darstellen, wodurch ein centraler Raum entsteht, 
der weder mit Capillitiumfäden, noch mit Sporen ausgefüllt ist. 

Diese einmalige Beobachtung konnte ich durch Wiederholung derselben 
nicht erhärten, da mir nur wenige Exemplare zur Verfügung standen und ich 
mich leider in der Hoff'nung getäuscht sah, im verflossenen Sommer an dem eigent- 
lichen Fundorte bei Hallstatt anderweitiges Untersuchungsmaterial zu finden. 



Z. B. Ges. B. XLIV. Abb. 



10 



74 



Christi au Lippert. Ucber zwei neue Myxomycefcen. 



Erklärung der Abbildungen. 



Tafel III und IV. 

Kleistobolus pusillus, (Fig. 1—12.) 

Fig. 1. Keifes Sporaugiiim, frei im Wassertropfeii (210 : 1). 
„ 2 und 3. Dasselbe Exemplar unter dem Deckglase (210 : 1). 
„ 4. Reifes Sporangium, frei im Wassertropfen (210 : 1). 
„ 5. Dasselbe Exemplar unter dem Deckglase (210 : 1). 
„ 6. Eeifes Sporangium unter dem Deckglase (210 : 1). (Nicht in Farbe 
ausgeführt, dieselbe wie Fig. 5.) 
7. Sporen (655 : 1). 

„ 8. Ein Schwärmer in wechselnder Gestalt nach der Buchstaben reihe a — d; 
bei a eine kurze Cilie sichtbar (655 : 1). 

„ 9. Amöbe in wechselnder Gestalt nach der Buchstabenreihe a—d (655 : 1). 

„ 10. Plasmodium, Gestaltveränderung nach den Buchstaben a—d (655:1). 

„ 11. Zwei etwas grössere Plasmodien, a—b und a' — c' (letzteres nicht voll- 
ständig ausgeführt), Gestaltveränderung nach den Buchstaben (655 : 1). 

„ 12. Sporen (655 : 1) kurz vor dem Ausschlüpfen des Schwärmers, a — c ein 
Schwärmer eben ausgeschlüpft; nach dem Ausschlüpfen blieb derselbe 
als hyaline Kugel fast unbeweglich längere Zeit stehend; im Innern 
einige stark lichtbrechende runde und auch eckige Körperchen. Bei a 
der Nucleus deutlich sichtbar, derselbe verschwindet nach kurzer Zeit 
und es treten im Innern des Schwärmers verschiedene Veränderungen 
auf mit schwacher, kaum bemerkbarer Bewegung der Körnchenmasse 
von rechts nach links und umgekehrt (c) und äusserst träge Orts- 
veränderung. 

Didymium oculatum, (Fig. 13—18.) 

Fig. 13. Sporangien in natürlicher Grösse; a reif, b unreif. 

„ 14. Eeifes Sporangium, Seitenansicht (25 : 1). 

„ 15. Reifes Sporangium, von oben gesehen (25 : 1). 

„ 16. Ein Stück des Capillitiumsystems mit einer Spore (605 : 1). 

„ 17. Sporen (655 : 1). 

„ 18. Amöbe, ein und dasselbe Exemplar in verschiedener Formveränderung 
nach den Buchstaben a — c (655 : 1). 



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"■'■mis 



75 



Zweiter Beitrag zur Herpetologie von Ost-Algerien. 

Von 

Dr. Franz Woriier. 



(Vorgelegt in der Versammlung am 7. Februar 1894.) 

In meinem ersten Bericht über Reptilien und Amphibien von Ost -Algerien 
konnte ich kaum etwas für die herpetologische Fauna dieser Gegend Neues oder 
sonstwie Bemerkenswerthes mittheilen. 

Diesmal glaube ich aber schon einen wesentlicheren Beitrag zur Kenntniss 
dieser Fauna liefern zu können, namentlich was die geographische Verbreitung 
einer Anzahl von Arten anbelangt, über welche ich in Bezug auf ihr Vorkommen 
theils durch eigene Beobachtung, theils durch Nachfragen (soweit dies solche 
Arten betraf, die auch von Eingebornen und Colonisten sicher identificirt werden 
können) ein ziemlich reichliches Material von Daten gesammelt habe. 

Die vorige Aufzählung nach den Fundorten habe ich diesmal fallen ge- 
lassen; einige Fundorte sind bisher in der Literatur nicht verzeichnet gewesen, 
andererseits muss ich eine Anzahl von Fundorten als irrig beanständen. Neu für 
die Wissenschaft ist eine Art. 

Die Reise erstreckte sich von der Hafenstadt Philippeville über Constan- 
tine, Batna und Lambesa, Biskra, Mraier und Tuggurt bis Temacin, etwa 510 km 
von der Küste. Dem naturwissenschaftlichen Verein zu Magdeburg bin ich für 
die gewährte Subvention sehr zu Dank verpflichtet. 

Nachstehend theile ich das Verzeichniss der gesammelten oder blos beob- 
achteten Arten mit; die Reihenfolge ist wieder nach Boulengers trefflichem 
Katalog angeordnet, auf welchen sich auch die Seitenzahlen beziehen. 

ü e p t i 1 i a. 
I. Clieloiiia. 

1. Testudo ihera Fall. (p. 104). 

Ich erbeutete ein grosses Exemplar bei Constnntine, ein grosses und ein 
kleines bei Lambesa. Die Stücke unterscheiden sich in der Färbung und in der 



') In diesen „Verhandlungen", XLII, 1892, S. 350. 



10* 



76 



Franz Werner. 



Form und Wölbung des Rückenpanzers ganz merklich und gleichen bald mehr 
der graeca, bald mehr der marginata. In Marseille sieht man diese Art in Massen 
bei Vogelhändlern. Fehlt südlich vom Felsenthor von El Kantarah, welches auch 
für die nördlichen Lacertidengattungen Lacerta, Psammodromus und Ophiops die 
Südgrenze bildet. Die Paarung geht bei dieser Art ebenso vor sich, wie bei Testudo 
graeca, ^) und konnte bei den mitgebrachten Exemplaren im Zimmer beobachtet 
werden; einen Unterschied in der Schwanzlänge der beiden Geschlechter konnte 
ich bei ibera nicht bemerken. Das 9 legte im August zwei Eier von 33 mm 
Längen- und 24 mm Querdurchmesser. 

Clemmys leprosa habe ich auch in diesem Jahre nirgends gesehen; sie 
muss in Ost -Algerien zweifellos weit seltener sein als im Westen. Bei Biskra 
scheint sie noch vorzukommen, wenigstens wird ein kleiner, runder und tiefer See 
beim Hammam Salahine als Aufenthaltsort angegeben ; auch in den Wassergräben 
der Oasengärten an der Tuggurter Strasse soll sie vorkommen. Jedenfalls geht 
sie nicht weiter südlich als höchstens bis Bordj Saada bei Biskra. 

II. Squaniata. 

1. Lacertüia. 

a) Geekonidae. 

2. Stenodactylus guttatus Cuv. (p. 107). 

Von diesem merkwürdigen Gecko besitze ich je ein Exemplar ((^f) aus 
Tuggurt und Mraier. 

Körnerschuppen glatt, convex, gleich gross; Schwanz kurz und dünn, deut- 
lich vom Rumpf abgesetzt. Oberseite auf hell graugelbem Grunde fein und un- 
regelmässig schwarz bestäubt; an jeder Rumpfseite bilden diese feinen Pünktchen 
ein ziemlich breites Längsband, darüber bei dem Exemplar aus Mraier ein gelb- 
licher Längsstreifen. Zwei gelbliche Flecken im Nacken, die von unter der Haut 
durchschimmernden Drüsenanhäufungen herrühren dürften und bei Geckoniden 
(z. B. auch bei Tarentola necßecta) sehr häufig sind. 

Dieser sehr zarte Gecko ist nicht häufig und lebt bekanntlich in den Sand- 
hügeln der Sahara, ist daher, da nichts äusserlich seine Gegenwart verräth, bei 
Tage nur zufällig zu finden. 

3. Ptyodactylus lobatus Geoffr. var. oudrii Lat. (p. III). 

Ich traf diesen Gecko äusserst zahlreich auf den Felsen des Col de Sfah 
bei Biskra an. Auch ich finde, wie Boulenger, keinen specifischen Unterschied 
zwischen den algerischen und egyptisch-syrischen Stücken. Die drei Exemplare, 
die ich mit vieler Mühe in meinen Besitz brachte, besitzen 9 — 11 Sublabialia; 
Dorsaltuberkeln bei einem Exemplar glatt, convex, bei den anderen schwach 
gekielt. Auf die Kinnschilder folgen kleine Körnerschuppen. Kopfrumpflänge 



') Siehe J. Bauhofs Aufsatz im „Zoolog. Garten" (1891, S. 275). 



Zweiter Roitnip zur Hrriioiolopio von Ost-Algoricn 



77 



.j()_52 Kopt'liing-o 11 — 1(5 mm. Aii{T:illcn(l ist. mir die Kürze der Kxt rcini- 
tiiteii. Oben graubraun mit undeutlichen dunklen Querbinden, unten weisslich. 

Obwohl CS in den Abendstunden an den hohen senkrechten Felswänden 
des Djebel Sfah von Geckos dieser Art förmlich wimmelt, ist es doch bei den 
schwierigen Terrainverhältnissen eine harte Arbeit, eines dieser Thiere zu erbeuten. 
Allerdings werden sie erst nach stundenlanger Verfolgung so scheu, dass sie 
sich aus den schmalen Felsspalten, in denen sie ihre Verstecke haben, nicht mehr 
hervorwagen, und dann, da diese Spalten finster und sehr eng sind, unter den 
günstigsten Verhältnissen mit einer Pincette herausgezogen werden können. Aber 
gerade ihr verblüffend zahlreiches Auftreten, welches die Verfolgung eines be- 
stimmten Exemplares unmöglich macht, ihre grosse Schnelligkeit und die Menge 
von Schlupfwinkeln (in denen oft eine ganze Menge dieser Thiere sitzen) macht 
den Fang recht schwierig. Von etwa 5 Uhr Nachmittags an sieht man die ersten 
vereinzelten Exemplare, welche sich theils an Steinen in allen möglichen Stel- 
lungen sonnen, theils geräuschlos umherlaufen. Aber mit dem fast plötzlichen 
Hereinbrechen der Abenddämmerung beleben sich die kahlen Felsen mit den 
schattengleich dahineilenden Geckos, die, wenn man an den Felswänden vorbei- 
geht, alle daran hinauflaufen, bis zu einer Höhe von 4 oder 5 m; dann aber 
fühlen sie sich so sicher, dass sie sich nicht einmal durch Steinwürfe vertreiben 
lassen. Diese Geckos sind jedenfalls die interessantesten Bewohner des Col de 
Sfah; unter Steinen auf der horizontalen Fläche dieser Felsenterrassen habe 
ich sie vergebens gesucht, auch sonst bei Biskra nirgends gesehen, ebenso wenig 
wie auf den sehr ähnlichen Felsen bei Batna. 

4. Hemidactylus turcicus L. (p. 115). 

Auch in diesem Jahre fing ich wieder ein (junges) Exemplar auf dem Mont 
Edough bei Böne. 

5. Tarentola mauritanica L. (p. 115). 

Ich fing zahlreiche Exemplare bei Philippeville an der Stadtmauer, w^o sie 
zwischen Mörtel und Mauerwerk wohnen. Der Fang ist bei einiger Uebung nicht 
schwer. Auch bei Böne fing ich wieder ein Stück und beobachtete ein weiteres 
bei Lambesa in einer Felsenspalte. Von der grossen, bleichgefärbten var. deserti 
Lat. besitze ich ein erwachsenes Exemplar aus Tuggurt. Ausser der Grösse und 
der bleichen, gelblichweissen Färbung ist mir besonders die starke Entwicklung 
der Tuberkeln aufgefallen, namentlich in der Nackengegend. Die deserti lebt in 
Tuggurt in den Häusern, während die zweite Art, Tarentola neglecta, daselbst 
niemals zu finden ist. 

6. Tarentola neglecta Strauch (p. 116). 

Von diesem wenigstens von Biskra bis Tuggurt durchaus nicht häufigen 
Gecko besitze ich zwei schöne Exemplare, eines von Tuggurt, eines von Mraier. 
Ein drittes, ebenfalls von Tuggurt, habe ich Herrn Dr. Alexander König tausch- 
weise für eine Coelopeltis producta abgegeben. 

Diese Tarentola -A.vt gleicht den anderen im Habitus nur sehr wenig und 
erinnert, wie Boulenger treff'end bemerkt, eher an Hemidactylus turcicus. 



78 



Fraoz Werner. 



Charakteristiscli und, wie es scheint, selten fehlend sind die dunkelbraunen Längs- 
linien des Thieres, dem in Färbung und Kopfzeichnung wohl die Tarentola annu- 
laris am nächsten kommen dürfte. Tarentola neglecta fand ich unter Haufen 
alter, trockener Palmenblätter in den Oasengärten in Gesellschaft von Grillen 
und Chalcides ocellatus. Er ist nicht sehr schnell. Sein Vorkommen nördlich 
von der Sahara, also bei Batna, muss ich entschieden bezweifeln; ich kenne keinen 
nördlicheren sicheren Fuadort als Kef-el-Dhor bei Mraier. Die Art ist charakte- 
ristisch für die ostalgerische Sahara, wie Agama Tournevillei. 

Die erwähnten Längslinien sind folgende rmassen vertheilt: 1. jederseits 
eine unter dem Auge beginnende, über die Ohröffnung und an der Seite des 
Eumpfes sich hinziehende; meist undeutlich oder fehlend; 2. jederseits eine am 
Nasenloch beginnende, durch das Auge und über den Eücken ziehende; 3. zwei 
kurze, nach hinten divergirende vorn an der Schnauze; 4. zwei ebensolche zwischen 
den Augen; 5. eine kurze Medianlinie am Hinterkopfe. 

b) Agamidae. 

7. Agama inermis Rss. (p. 117). 

Zwei halbwüchsige Exemplare aus der Sahara zwischen Tuggurt und 
Temacin. Schuppen der Unterseite (Kehle und Bauch) ganz glatt, die des Rückens 
nicht erheblich in der Grösse von einander verschieden. Bei einem Exemplar sind 
nur die grössten Dorsalschuppen gekielt, nicht aber die lateralen, bei dem anderen 
aber alle Dorsal- und Lateralschuppen. Zeichnung beim letzteren aus drei Quer- 
binden des Rückens und 16 des Schwanzes bestehend, beim ersteren typisch 
(12 Schwanzquerbinden). Kopf erwachsener Stücke zum Unterschied von ^^awa 
aspera und Tournevillei ohne Zeichnung. 

8. Agama aspera n. sp. (Zoolog. Anzeiger, 1893, Nr. 429). 

Diese Agame ist ebenso wenig flink als die inermis und kann leicht mit 
der Hand gefangen werden. Nach einem bei einem französischen Coleopteren- 
sammler gesehenen, sehr grossen Exemplar kommt die Art auch bei Tuggurt vor. 

9. Agama Tournevillei Lat. (p. 118). 

Ich erwarb von Herrn B. Soubiron in Tuggurt drei Exemplare dieser 
äusserst seltenen Eidechse, nämlich zwei erwachsene <^ und ein Junges. Diese 
Agame, welche sich im erwachsenen Zustande von allen anderen algerischen Arten 
auf den ersten Blick unterscheidet, dürfte schon südlich von Tuggurt die Nord- 
grenze ihres Verbreitungsgebietes erreichen und überhaupt auf die Strecke zwischen 
Tuggurt und Wargla beschränkt sein. Der Kehlsack ist auch bei dem Jungen, 
das also ebenfalls ein sein dürfte, schon deutlich zu bemerken. Das grössere 
cT ist fast einfarbig gelbbraun, nur Kopf- und Halszeichnung deutlich, das kleinere 
und das Junge entspricht auch in der Zeichnung des Rumpfes ganz Boulenger's 
Abbildung (Taf. VIII, Fig. 4). Schuppen der Oberseite stumpf-, die der Unterseite 
scharfgekielt, stachelspitzig; Schwanz des grösseren (das kleinere befindet sich 
im British Museum) an der Wurzel etwa fünfkantig, dann drehrund, Schuppen 



Zwoid'i- r.«>i(rii;j /,ur lltMpcloloRit» von ( Kl -A iRciioii. 



V.) 



(U'iitlich ^^'kioli. Zwei grosse, beim Jungen besonders eiil-wiukelle riirieüilscliilder 
hinter dem Occii)it;ile. Kehle dos ff grauschwarz; Fiirl)ung des .Jungen gelblic.li- 
weiss (Zeichnung graugelb), Schwanz bei allen nicht dunkel geringelt, 'rolallänge 
des 2A0 mm, Schwanzliiuge 150wm, beim Jungen erstere 99, letztere OO m?H. 

10. Uromastix acanthinurus Bell. (]>. 119). 

Ueber diese l'^idechse habe ich nichts mehr zu berichten, als dass junge 
Exemy\lare denen des Uromastix ornntus und Ilardwicicii in der Zeichnung voll- 
kommen gleichen und dass die Individuen von Biskra nicht die Grösse der süd- 
licheren (Mzab-Gebiet) erreichen. 

Uromastix, Agama, Eremias, Psammophis und Coelopeltis producta sind 
Bewohner der Steinwüste, Stenodactylus, Varanus, Scincus, Chalcides sepoides, 
Acantlwdactylus scutellatus, Zamenis algirus und diadema dagegen der Sand- 
wüste eigenthümlich; Acanthodactylus boslcianus und pardalis, sowie Cerastes 
kommen auf beiderlei Boden vor. 

c) Varanidae. 

11. Varanus griseus Daud. (p. 121). 

Ueber diese grösste der algerischen Eidechsen, die bis weit in die Sahara 
häufig ist, habe ich nicht viel mitzutheilen. Spuren und Erdlöcher dieser Art 
habe ich beim Fort Türe (Biskra) und an anderen Orten häufig gesehen, doch 
wurde mir übereinstimmend erzählt, dass man das Thier selbst nur in den ersten 
Morgenstunden sähe. Gebracht wurden mir grosse Exemplare in Biskra, kleinere 
in Mraier und Tuggurt; ganz junge sieht man nur sehr selten. Der Durchmesser 
der Waran-Höhlen, welche ganz horizontal in die Sandhügel gegraben sind, be- 
trägt etwa 15 — 20 cm. Beim Fort Türe bevorzugt der Waran die mit Tamarix 
und anderen Sträuchern dicht bewachsenen Ufer des dortigen Baches; ich zweifle 
nicht daran, dass er trotz seiner terrestrischen Lebensweise ausser Schlangen, 
Eidechsen, Mäusen, Scorpionen, Heuschrecken und Käfern auch Frösche frisst. 
Der Biss eines erwachsenen Warans ist äusserst schmerzhaft, wie ich aus Er- 
fahrung weiss, und verursacht durch die enorme Kieferkraft und die spitzen Zähne 
stark blutende Wunden. 

d) Lacertidae. 

12. Lacerta pater Lat. (p. 123). 

Obwohl meine Ansicht über die Artselbstständigkeit dieser Eidechse nicht 
mehr so unbedingt feststeht wie im Vorjahre, so glaube ich dennoch die Lacerta 
pater als Art noch immer aufrecht erhalten zu dürfen, umso mehr, als ja über- 
haupt in der Gruppe der Lacerta ocellata, viridis, agilis etc. die Unterschiede 
sehr geringfügig sind, ähnlich wie bei der Gruppe Vipera ursinii, renardi, herus, 
aspis, latastii, amnfiodytes. Die bei der Lacerta ocellata meines Wissens fehlende 
Differenz der beiden Geschlechter in der Zeichnung,^) die ich im Vorjahre 



1) Exemplare der Lacerta pater gleichen manchmal der ocellata in Färbung und Zeichnung 
vollkommen, so das Exemplar I der nachfolgenden Tabelle. 



80 



Franz Werner. 



insoferiie missdeutete, als ich die beiden ständigen Varietäten des 9 für 
und 9 hielt (was mir heute, wo mir beide Geschlechter vorliegen, zu berichtigen 
möglich ist), während ich das cT der pater als dritte Varietät (S. 353) betrachtete, 
ferner die bei weitem geringere Totallänge (keines meiner Exemplare erreicht 
0"5 m Totallänge), die mit der von Lacerta viridis übereinstimmende Form des 
Kopfes und der gestrecktere Körperbau lassen die Art wohl in Verbindung mit 
der meistens geringeren Entwicklung des Occipitale und der Zahl von acht Ven- 
tralenlängsreihen mit wenigstens eben solcher Sicherheit von ocellata unter- 
scheiden, als wie z. B. Äcanthodactylus pardalis von scutellatus oder vulgaris. 
Aufgefallen ist mir noch die häufige Auflösung mancher Kopfschilder in 
kleinere Schildchen und das ebenfalls häufige Auftreten eines Intercalar- 
schildchens zwischen den beiden Praefrontalen. Schuppen in den meisten Fällen 
glatt. Kopfschilder bei $ und Jungen (namentlich Parietalia) mit deutlichen 
concentrischen Anwachsstreifen wie die Hornplatten des Schildkrötenpanzers. 
Schenkelporen 13 — 17. Zu bemerken wäre noch die auch auf der Tafel Bou- 
lenger's (XV) angedeutete Verschiedenheit des Vorderrandes am Frontale des 
jungen (Fig. e) und erwachsenen (Fig. a) Thieres. Erwähnen will ich noch, 
dass die Grösse des Kopfes der pater, die ich bisher in Folge des ümstandes, 
dass mir ganz erwachsene der Art noch nie vorlagen, bedeutend unterschätzt 
hatte, vollkommen der von ocellata entspricht. So sind die Dimensionen des 
Kopfes von Nr. III der nebenstehenden Tabelle : Kopflänge 42 mm, Breite des 
Kopfes zwischen den Parietalen 20 mm, Totalbreite in der Temporalgegend 30 mm; 
der Kopf eines nahezu gleich grossen cT der ocellata aus Nizza (Kopfrumpf- 
länge 15 cm, Schwanzlänge 30*5 m) aber misst 44, 20, 30 mm, der der pater 
Nr. I ist aber noch breiter und hat die Masse 42, 25, 35 mm. 

Biologisch merkwürdig ist, dass beide Geschlechter wenigstens in der 
Paarungszeit (Mitte April bis Mitte Mai) wie die Lacerta viridis gemeinsam 
leben ; namentlich vollkommen erwachsene Exemplare findet man stets paarweise. 
Das cf stellt sich häufig, während das 9 flieht, muthig dem Verfolger entgegen 
und springt mit weit geöffnetem Kachen auf ihn los. Häufig ist die von dem 
gewaltigen Eidechsenpaare bewohnte Felsenspalte oder dergleichen so eng, dass 
sie sich, wenn sie hineinflüchten, nicht darin umdrehen können und hilflos an 
den Hinterbeinen herausgezogen werden können. Der Schwanz bricht äusserst 
leicht ab, besonders bei vollkräftigen Exemplaren, während er bei mageren, aus- 
gehungerten sehr resistenzfähig ist. Dasselbe gilt übrigens auch von anderen 
Lacerten. Die Eidechse läuft (auch an senkrechten Mauern) sehr schnell, springt 
auch ziemlich weit und ist in Gefangenschaft bei einiger Pflege und genügender 
Wärme sehr ausdauernd. Im Betragen erinnert sie mehr an viridis als an 
ocellata. 

Häufig bei Böne, seltener bei Philippeville, sehr häufig bei Batna und be- 
sonders bei Lambesa; auch bei Constantine ist sie keine seltene Erscheinung. 
Südlicher als El Kantarah habe ich sie nicht angetroffen, bei Biskra kommt sie 
gewiss nicht vor. 



Zwcilor Mciliiip; /.iir II.mi.lIoI, 



()s( -Al^^orioii 



Nulu luor 


I Geschlecht 


Fu.ulort 


VorhiHtuiss 
dor Broito von 
Occipitalo und 
Frontale 


Vorhilltniss der 
beiden Mittol- 
roihon dor Von- 
triilou in dor 

Breite 
(r. = rechts, 
1. = links) 


Fü III oral - 
poron 


! Kopfnimpf- 
1 länge 


Schwanz- 
läDge 


Totallänge 


in Centimetern 






Lambesa 


0. = F. 


r. > 1. 


13—13 


18 


25 


43 


II 






0. = F. 


r. = 1. 


15—16 


14-5 


19-5 


34 


iir^) 




Philippeville 


0. > F. 


r. > 1. 


15-15 


14 


30 


44 




9 


Lambesa 


0. = F. 


r. <: 1. 


14—14 


17 


21-5 


38-5 


Y*} 


9 




0. <: F. 


r. <: 1. 


14-14 


14 


27-5 


41-5 


VI 


9 




0. < F. 


r. = 1. 


14—14 


16-5 


23-5 


40 


VII ^) 


9 




0. > F. 


r. = 1. 


15-13 


12-5 


22 


34-5 


VIII«) 


9 




0. = F. 


r. > 1. 


14-14 


11 


22 


33 


IX 


9 


Böne 


0. = F. 


r. = 1. 


16-17 


13 


24-5 


37-5 


X') 


Junges 


Batna 


0. = F. 


r. = 1. 


14—14 








XI 




Lambesa 


0. = F. 


r. = 1. 


15—17 








XII«) 


n 


» 


0. = F. 


r. = 1. 


13-13 








XIII 


VI 


Böne 


0. = F. 


r, = 1. 


15-15 









') Vom Frontonasale am Vorderrande drei kleine Schildchen vollständig, eines theilweise 
abgespalten. 

^) Intercalare zwischen den Praefrontalen ; Frontonasale der Länge nach halbirt. 
■V Letztes linkes Supraoculare halbirt. 
•*) Letztes rechtes Supraoculare halbirt. 

*) Vom Frontale am Hinterrande zwei unsymmetrische Schildchen abgespalten. Intercalare 
zwischen den Praefrontalen ; Frontale der Länge nach halbirt. Interparietale quer getheilt. 
') Vom Frontale am Hinterrande zwei symmetrische Schildchen abgespalten. 

Intercalare zwischen den Praefrontalen; Frontonasale der Länge nach halbirt. 
^) Intercalare zwischen den Praefrontalen; letztes Supraoculare halbirt. 

Lacerta muralis Laur. var. fusca de Bedr. (p. 125). 

Ein Exemplar dieser in Südeuropa so enorm häufigen Eidechsenart sah ich 
in der Rumelschlucht bei Constantine. 

13. Psammodromus Bland Lat. (p. 127). 

Diese Art habe ich in diesem Jahre bei Lambesa seltener gefunden als im 
Vorjahre, und ich konnte trotz dreitägiger Bemühungen nur zwei Exemplare 
fangen, die auf dem ganzen Bauche lebhaft goldroth glänzten, oben aber pracht- 
voll smaragdgrün schimmerten. 

Ausser bei Lambesa habe ich die Art nirgends gesehen, doch fehlt sie wohl 
bei Batna nicht. 

14. Psammodromus algirus L. (p. 128). 

Ein grosses Exemplar fing ich an der Stadtmauer von Philippeville; bei 
Constantine und namentlich bei Lambesa ist das Thier äusserst häufig, aber Avegen 
seiner ausserordentlichen Schnelligkeit und Vorsicht nur sehr schwierig zu fangen. 
Z. B. Ges. B. XLIV. Abb. U 



82 



Franz Werner. 



Auch bei Batna sah ich ein Exemplar. Geht sehr weit ins Gebirge hinauf. Bei 
Biskra und Tuggurt konnte ich trotz aller Aufmerksamkeit kein einziges Stück 
zu Gesicht bekommen, sie muss daher in der Sahara zum Mindesten sehr 
selten sein, umso mehr, als ich auch bei dortigen Sammlern kein Exemplar 
gesehen habe. 

Äcanthodactylus hosManus Daud. (p. 129). 

Von dieser Art habe ich in diesem Jahre kein Exemplar gefangen. Beim 
Hammam Salahine (Biskra) ist er nicht selten und erreicht eine stattliche Grösse. 
Ausser bei Biskra habe ich ihn nirgends gesehen. 

15. Äcanthodactylus scutellatus Aud. (p. 130). 

Nicht häufig bei Biskra, wo ich in diesem und im Vorjahre (bei der Auf- 
zählung übersehen) je ein Exemplar fing, aber die einzige Äcanthodactylus -Art 
von Chegga bis Temacin. Kommt in zwei ständigen Varietäten vor, in einer 
kleineren von Biskra bis Mraier und einer grösseren von Mraier bis Temacin. 
Die grössere ist die normale, dunkel reticulirte Form, die kleinere (var. exiguus 
Lat.?) entbehrt dieser Zeichnung, besitzt dagegen an jeder Rumpfseite ein blau- 
graues, undeutliches Längsband von ziemlicher Breite, welches an den Seiten des 
Schwanzes dunkler und deutlich und scharf abgegrenzt ist. Rücken mit dunklen 
Punkten in Längsreihen. Diese Form hat das vierte Supraoculare vom dritten 
stets durch Körnerschuppen getrennt und die Schnauze ist noch spitziger als bei 
der reticulirten Form. 

16. Äcanthodactylus pardalis Licht, (p. 131). 

Bei Biskra, namentlich bei Beni Mora (daselbst in Gesellschaft von hoskianus 
und scutellatus) häufig, geht nach Süden etwa bis Chegga. Oft sehr ähnlich dem 
Äcanthodactylus vulgaris. Nasalia häufig aufgetrieben, wie bei Eremias. Ein 
Exemplar, welches zu dieser Art oder zu Äcanthodactylus vulgaris DB. gehörte 
(nach einer Mittheilung des Herrn Dr. Alexander König, eines um die Erfor- 
schung auch der herpetologischen Fauna von Algerien höchst verdienten Zoologen, 
kommen beide Arten bei Batna vor), sah ich am letzten Tage meines dortigen 
Aufenthaltes, konnte seiner aber nicht habhaft werden. 

17. Eremias guttulata Licht, (p. 132). 

Ich fing diese kleine Eidechse nicht selten bei Biskra (Beni Mora, Ham- 
mam Salahine) und ein Stück bei Chegga zwischen Biskra und Mraier. Bei 
dem Stücke von Chegga sind die Nasalia ziemlich stark angeschwollen. Bei zwei 
Stücken aus Biskra (cT wnd 9) önde ich das Halsband nur an den Seiten frei, 
in der Mitte vollkommen angewachsen, beim 9 Occipitale mit dem Inter- 
parietale verschmolzen. Bei dem Stücke aus Chegga ist das Halsband frei. 
Schenkelporen 9—13. Färbung graubraun, einfärbig oder grau mit kleinen 
schwarzweissen Ocellen in Längsreihen, oder rothbraun mit breitem grauen, auf 
jeder Seite von einer Ocellenreihe begrenzten Dorsalband. 

18. Ophiops occidentalis Blngr. (p. 134). 

Diese Eidechse, die ich im Vorjahre bei Lambesa nicht gesehen habe, traf 
ich in diesem Jahre häufiger an als Psammodronius Bland. Aeusserst gemein 



Zw(<it(M' Itoifraf:^ /iir ll(^r|u't()lopi(> von Ost -Al>,'('ri(!ii 



83 



ist (las Thier bei l];i(na. \'on sobr geringen Filrbungs- und Zeiclinungsunter- 
sehiodeu abgesehen, gleichen sieh alle von mir gefangenen Exenipbire vollkommen. 
Der Fundort „Biskra" bei Kobelt (Reiseerinnerungen aus Algerien und 'i'unis) 
ist wie einige andere sicher falsch. 

e) Scincidae. 

19. Mahwia vittata Oliv. (p. 135). 

Von dieser in Algerien im Allgemeinen durchaus nicht häufigen, sehr 
hübschen Eidechse fing ich zwei Exemplare bei Biskra, wo sie allerdings an zwei 
Stellen, nämlich beim Fort Türe und an der Tuggurter Strasse ziemlich gemein 
ist. Trotzdem ist der Fang schwierig, da sie sich gewöhnlich auf verschiedenen 
dicht belaubten und stacheligen Sträuchern herumtreibt, ein für eine Scincide 
höchst ungewöhnlicher Aufenthaltsort. Meine zwei Exemplare (ein drittes erhielt 
ich später von meinem Führer) verdanke ich blos dem Umstände, dass an dem 
betreffenden Nachmittage ein heftiger Sandsturm im Anzüge war. Die erschlafi'ende 
Schwüle, die diesem Phänomen vorausging, ermattete auch die Mabuien, welche 
ihre Kletterübungen auf den Büschen aufgaben und mit verminderter Schnellig- 
keit im Grase herumliefen; trotzdem lieferte die Jagd bei der Geschicklichkeit 
der Eidechse, sich zu verstecken oder spurlos unter den Händen des Fängers zu 
verschwinden, nur das oben erwähnte Resultat. Systematisch ist über die vor- 
liegenden Stücke nichts zu bemerken. 

20. Scincus officinalis Laur. (p. 137). 

Meine sämmtlichen Exemplare stammen aus der Gegend zwischen Tuggurt 
und El Oued (Souf-Gebiet) ; bei Tuggurt selbst scheint er nicht oder selten vor- 
zukommen, während er im Souf ausserordentlich häufig sein muss, da mir die 
Araber auf meinen Wunsch in kürzester Zeit eine ganze Menge brachten. Die 
Kinder benützen die harmlosen Thiere als Spielzeug und schleppen sie an einem 
Bindfaden mit sich herum. Die Färbung erwachsener Exemplare ist entweder 
prachtvoll schwefelgelb mit breiten dunkelbraun-violetten Querbinden und einem 
ebensolchen grossen viereckigen Flecken am Hinterkopf. Schwanz hellgrau mit 
citronengelben Flecken auf der Basis; Seiten hellgelb, Unterseite weisslich. Andere 
Exemplare sind mehr hellgelb und die Querbinden schmäler mit hellerem Mittel- 
strich in jeder Schuppe; endlich andere wieder — und darunter alle Jungen, die 
ich gesehen habe — ganz einfarbig gelblichweiss. Der Schwanz scheint bei dieser 
Art niemals abzubrechen, wenigstens habe ich unter den Dutzenden von Exem- 
plaren niemals eines mit abgebrochenem oder regenerirtem Schwanz gesehen. 
Allerdings ergreifen die wenigen Feinde des ungemein schnellen Thieres (Wüsten- 
waran und Diademschlange, ferner Raubvögel und Wüstenfüchse) dasselbe wahr- 
scheinlich stets beim Kopf. Gegen grosse Hitze ist der Skink empfindlicher als 
Uromastix, ja sogar als der Wüstenwaran. 

21. Chalcides ocellatus Forsk. (p. 138). 

Von dieser gemeinsten aller algerischen Eidechsen habe ich an nahezu 
allen besuchten Orten Exemplare gesammelt, nur bei Lambesa habe ich sie nicht 

11* 



84 



Franz Werner. 



angetroffen, obwohl sie bei Batna häufig ist, so dass ich noch am Abend meiner 
Ankunft daselbst vier Stücke fangen konnte. Von Philippeville bis Biskra findet 
man ausschliesslich die var. tiligugu Gmel., welcher die grössten Exemplare der 
Art angehören; namentlich bei Constantine findet man auf den Feldern unter 
Steinen ganz gewaltige Stücke, sehr grosse auch noch bei Batna. Von Biskra 
nach Süden, also bei Mraier, Ourlana, Tuggurt, Temacin, kommt ausschliess- 
lich die typische Form vor. Färbung und Zeichnung variiren bei dieser fast 
gar nicht, bei der var. tiligugu aber nicht unbedeutend ; so findet man z. B. bei 
Biskra — obwohl selten — rothbraune, fast nur gestreifte Exemplare. Meist 
unter Steinen, Brettern, bei Biskra an der Tuggurter Strasse in Mauerlöchern, 
bei Philippeville in Gesellschaft von Tarentola mauritanica an der Stadtmauer 
zwischen Mörtel und Mauerwerk, in Tuggurt unter Haufen trockener Palmblätter 
in Gesellschaft der Tarentola neglecta. Obwohl das Thier von den Franzosen wie 
Scincus und Chalcides sepoides als „Sandfisch" (Poisson de sable) bezeichnet 
wird, so ist er doch kein Bewohner der Sandwüste, sondern hält sich in der- 
selben nur in den Oasen und deren nächster Umgebung auf. 

22. Chalcides tridactylus Laur. (p. 140). 

Bei Lambesa angetroffen, wo diese Art den fehlenden Chalcides ocellatus 
zu ersetzen scheint. In einem Euphorbienbusche nahe bei Lambesa sah ich das 
erste Exemplar, wodurch ich zu weiterem Suchen ermuntert wurde, so dass ich 
an einem grasigen, sonnigen Abhänge am dortigen Bache weitere drei Stücke 
beobachten konnte, von denen ich wegen des hohen Grases aber nur eines einzigen, 
schönen und fehlerlosen Exemplares (gestreift) habhaft wurde. Dürfte übrigens 
in den weiten grasigen Ebenen zwischen der Küste und dem Auresgebirge nicht 
selten sein, ist aber nur bei grosser Aufmerksamkeit zu bemerken, da diese 
Schleiche so blitzschnell im Grase verschwindet, dass man eigentlich mehr die 
schlängelnde Bewegung als das Thier selbst sieht; es kommt übrigens, wenn auch 
verscheucht, manchmal noch ein oder zweimal zum Vorschein. 

Chalcides sepoides Aud. (p. 141). 

In der Sandwüste bei Tuggurt, nicht häufig. 

2. Ophidia^) 

a) Colubridae. 

23. Zamenis algirus Jan. (p. 147). 

Ich fing ein junges Exemplar beim Fort Türe (Biskra) unter einem Stein. 
Dasselbe gleicht, was die Zeichnung anbelangt, vollständig der Za7nenis hippo- 
crepis, besitzt aber die sandgelbe Wüstenfärbung von algirus, nur 23 Schuppen- 
reihen und das sechste Supralabiale berührt das Auge. Ich bin daher der Ansicht, 



^) Eryx scheint ebenso wie Naja in Ost -Algerien eine äusserst seltene Ersclieinnng zu sein, 
ihr Vorkommen hei Batna ist ebenso wie das von LytorJiynchus wohl nicht ausgeschlossen, aber doch 
zweifelhaft. 



Zwoitor l?(Mtriip 7.ur H(>r|)o)ol<ifrio von OhI -Algnrioa 



S5 



dass das Exemplar '/u aUjirus zu rocliiieii ist, und stimmon Hooll^cr und Jiou- 
lengor mir darin bei. Jedenfalls ist das 'J'hier eine Uebergangslbrni zwischen 
beiden Arten: doch ist die Unterscheidung so lange nicht zweifelliaft, als die 
wichtigsten Merkmale von algirus (23—25 Schui)penreihen, Auge mit einem Sujjra- 
labiale in Berührung) zusammen vorkommen. 10 Ober-, 11 Unterlippenschilder, 
2 Frenalia, 2 Prae- und 3 Postocularia, 2 + 3, 2 + 4 Temporalia. 

Schuppenformel: Sq. 23, V. 228, A. Vi, Sc. »»/90 + I. 
Auf den ersten Blick hat das Thier auch mit Zamenis diadema viel Aehn- 
lichkeit, allerdings nicht im Betragen, denn es zeigte sich sehr bissig, wie Zamenis 
hippocrepis. 

24. Tropidonotus viperinus Latr. (p. 149). 

Von Philippeville bis Temacin überall geraein; bei Batna allerdings nicht 
angetroffen, wohl aber bei Lambesa. Bei Philippeville und Constantine erbeutete 
ich gestreifte Exemplare (var. aurolineatus Gerv.). In der Sahara, also minde- 
stens von Biskra an, fehlt die gestreifte Varietät vollständig. Besonders 
häufig bei Constantine, Biskra und Tuggurt; an diesen Orten habe ich sehr grosse 
Stücke theils gefangen, theils gesehen, so beim Bad Sidi Mecid (Constantine) 
einmal sechs Stück (davon zwei gestreifte) unter einem Stein. Das viperine Zick- 
zackband besitzen zwei Stücke aus Constantine, die Sahara-Exemplare gleichen 
eher dem Tropidonotus tessellatus. 

Zahl der Praeocularia bei 11 Exemplaren: viermal auf beiden Seiten, 
dreimal auf einer Seite zwei, viermal auf beiden Seiten eines; Postocularia ein- 
mal 2—3, sonst immer 2 — 2. 

25. Macroprotodon cucullatus GeotFr. (p. 149). 

Ein mittelgrosses Stück bei Constantine (Sidi Mecid) unter einem Steine 
gefangen. Nicht häufig. Nur ein Postoculare auf beiden Seiten, welches unten 
vom fünften Supralabiale begrenzt wird; das sechste Supralabiale berührt das 
Parietale. 19 Schuppenreihen, 180 Bauchschilder, 50 Schwanzschilderpaare. 

26. Coelopeltis lacertina Wagl. (p. 151). 

Ein kleines Exemplar bei Batna ebenfalls unter einem Steine gefangen. 
Nicht häufig. Rechts drei Frenalia, ein vorderes, zwei übereinander liegende 
hintere, links zwei; Postocularia beiderseits drei. Schuppen in 19 Eeihen, kaum 
merklich vertieft. 

27. Coelopeltis producta Gerv, (p. 151). 

Ein Exemplar dieser im Mzab-Gebiete und in der Steinwüste nördlich 
von Tuggurt anscheinend gar nicht sehr seltenen Schlange, die nach Norden 
nach meinen Erkundigungen bis in die Gegend von Biskra (Oase Chetma) vor- 
dringt, erhielt ich im Tauschwege von Herrn Dr. A. König bei unserem Auf- 
enthalte in Tuggurt. Das Thier ist oben gelbbraun mit 5—6 Reihen undeutlicher 
brauner Flecken, ein grösserer dunkelbrauner Fleck jederseits am Mundwinkel; 
unten weisslich. Schuppen in 17 Reihen, nicht vertieft; Ventralen 165, Schwanz- 
schilderpaare 54; zwei Postocularia, 2 + 3 Temporalia. Temporalgegend backen- 
artig aufgetrieben. 



86 



Franz Werner. 



b) Viperidae. 

28. Cerastes vipera L. (p. 155). 

Ein kleines Exemplar von Tuggurt. Schwanzspitze wohl stets s c h w a r z, ^) 
wodurch sich die Art leicht auf den ersten Blick von hornlosen Stücken der 
folgenden Art unterscheiden lässt. Nicht häufig. 12 Oberlippenschilder, 13 Unter- 
lippenschilder, erstere durch vier Eeihen von Schildchen vom Auge getrennt. 
Schuppenformel: Sq. 23, V. 2 + V2 + Vi + 13 + V2 + 6 + V2 + 99, A. 1, 

Sc. + 

29. Cerastes cornutus Forsk. (p. 155). 

Ein Exemplar erbeutete ich bei Kef-el-Dhor (nördlich von Mraier); ferner 
zwei Stücke aus Mraier, darunter ein sehr grosses, und den Kopf eines zwischen 
Tuggurt und Temacin todt gefundenen Exemplares. Scheint mindestens ebenso 
häufig in der steinigen als in der sandigen Sahara zu sein; bei Biskra ist sie 
wohl sehr selten. Das grösste Exemplar misst 75 cm in der Länge. 14 Sublabialen, 
12 Supralabialen. Vier Reihen von Schuppen zwischen diesen und dem Auge. 
Schuppenformel: Sq. 27, V. 140, A. 1, Sc. 21/31 + 1. 

An dem Kopfe aus Tuggurt bemerke ich 12 Ober-, 14 Unterlippenschilder 
und fünf Schuppenreihen zwischen Auge und Oberlippenschildern. 

Batrachia. 

1. Ecaudata. 

a) Ranidae. 

30. jRana esculenta L. var. ridihunda Fall. (p. 157). 

Gemein von Philippeville bis Tuggurt, soll aber bis Wargla vorkommen. 
Sehr variabel in der Färbung und Zeichnung, namentlich in der Sahara. Ich 
besitze Stücke aus Philippeville, Constantine, Lambesa, Biskra, Mraier und Tug- 
gurt; bei Lambesa sah ich die grössten Exemplare. Auffallend ist die stark 
poröse Haut. Färbung oben braun, olivengrün, grasgrün oder meergrün, Hinter- 
beine stets mehr weniger deutlich dunkel olivengrün gefleckt oder gebändert, 
Hinterbacken milchweiss und schwarz (oder blaugrau) spärlich oder dichter mar- 
morirt. Kopf und Rumpf entweder einfarbig, mit (Mraier) oder ohne (Biskra) 
helle Medianlinie, oder mit dunkel olivengrünen grösseren oder kleineren Flecken, 
welche mitunter gross und sternförmig ausgezackt, mit kleinen Flecken unter- 
mischt (Mraier), oder ringförmig (also mit helleren Mittelflecken) (Biskra) sind. 
Medianlinie häufig fehlend, namentlich bei Sahara-Exemplaren, sonst gelblich- 
oder weisslichgrün. Bei Biskra beobachtete ich Ende April Larven in allen Ent- 
wicklungsstadien zugleich mit schon entwickelten Fröschen. 



^) Schwanz ausserdem noch mit drei schwarzen Ringen I 

2) Die Zahl V2 in der Ventralenformel bedeutet, dass das betreiFende Bauchschild nicht über 
die ganze Breite des Bauches, sondern nur bis zur Mitte reicht. 



ZwoiüT l?(«i(riiK /.m- llcr|M>l(iloKi(> \«]\ -.\ lpr,,i-i,,| 



S7 





Mriuer 


Mraior. 


l'uggurt. 


Tuggurt, 


Iticl/i-i 

UlSKI il. 




n 


o 


o • 


O • 


O • 


Tülalläiigo in Milliinoteni 


G8 


58 


52 


47 


GO 


Länge der Tibia 


34 


32 


31 


30 


32 


„ des Fusses 


33 


31 


30 


30 


30 


„ der Innenzcho . . . 


8-5 


8-5 


9 


6-5 


8-5 


„ des iun. Met.-Tub. . 


3-5 


3 


3 


2-5 


4 





Lambesa. 


Phili])peville. 


Böne. 


Constantine 




d^- 




cf. 


c^. 


Tütallänge in Millimetern 


75 


53 


40 


39 


Länge der Tibia 


41 


30 


21 


20 


„ des Fusses 


39 


31 


20 


20 


„ der Innenzehe . . . 


11 


8 


5-5 


5-5 


„ des inn. Met.-Tub, . 


4 


2-5 


1-5 


2 



b) Bufonidae. 

31. Bufo viridis Laur. (p. 158). 

In Ost -Algerien scheint diese Art nach meinen Beobachtungen nur in der 
Sahara südlich von Biskra vorzukommen und alle gegentheiligen Angaben auf 
Verwechslung mit Bufo mauritanicus zu beruhen. Ich fing vier Stücke in den 
Oasengärten von Mraier und sah zwei aus Tuggurt bei Herrn B. Soubiron 
ebenda. Larven in verschiedenen Entwicklungsstadien sammelte ich bei Mraier. 

32. Bufo mauritanicus Schleg. (p. 158). 

Zwei grosse Exemplare von Batna, eines von Philippeville, mehrere grosse 
und zahlreiche junge Exemplare von Biskra, welche Ende April schon vollständig 
entwickelt waren. Die Art fehlt südlich von Biskra und wird in der Sahara durch 
vorige Art vertreten. 

e) Diseoglossidae. 

33. Discoglossus pictus Otth. (p. 160). 

Zwei junge Exemplare von Biskra (Fort Türe) und zahlreiche Exemplare 
von Lambesa, wo dieser Frosch äusserst häufig ist und allenthalben herumhüpft, 
auf Wiesen, Feldern, an Bächen und Hecken etc. Biskra ist der südlichste Fund- 
ort der Art. — Fusslose Larven sammelte ich in einem Bache bei Philippeville. 



88 



Beitrag zur Flora von Persien. 

Bearbeitung der von J. A. Knapp im Jahre 1884 in der Provinz 
Adserbidschan gesammelten Pflanzen.^) 

Von 

Dr. Carl Rechinger. 



(Vorgelegt in der Versammlung am 7. Februar 1894.) 



V. Ranunculaceae. 

1. Clematis orientalis L., Spec. plant., ed. I, p. 543 (1753). 
Samkaleh in nemoribus secus rivum. 13. VIII. 1884. 
gandschud in dumetis. 20. VIII. 

2. Thalictrum isopyroides C. A. Mey. in Ledeb., Fl. Alt., II, p. 346 
(1830). — Vergl. Stapf, Beiträge zur Flora von Persien in Verhandl. der k. k. 
zool.-botan. Gesellsch. in Wien (1888), S. 549, und Freyn in Stapf, Botan. Er- 
gebnisse der Polak'scben Exped. nach Persien, II, S. 290 (1886). 

In glareosis montis Karnaru. 12. VI. 
In rupium fissuris montis Gelosa. 14. VI. 

3. Thalictrum Stiltanahadense Stapf, Beiträge zur Flora von Per- 
sien in Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, S. 550 (1888). 

In glareosis montis Karnaru. 12. VI. 

4. Thalictrum elatum Jacq., Hort. Vind., III, p. 49, Tab. 95 (1776). 
Verirobod in versuris agrorum. 4. VII. 

In pratis montis Gelosa. 14. VI. 
Zendjanab in pratis pinguibus. 1. VIII. 
In lapidosis montis Saehend. 6. VIII. 
Dize-siamek in graminosis. 30. VI. 

5. Anemone hlanda Schott et Ky. in Oesterr. botan. Wochenschr., 
S. 129 (1854). 

Turcia asiatica: Trapezuntum in collium argillosis. 8. IV. 



1) Vergl. diese „Verhandlungen", Bd. XXXIX^ 1889, S. 213. 



Hoitiap zur l'Mora von l'orsioii 



89 



(). Adoniii deutata Del., Fl. Ao^r, Tab. V, Fig. 1. 
Seniich in arvis. 17. V. 

7. Adonis caiidata Stev. in Bull, do la Soc. na(. de Mose, XXI, 3, 
]). 272 (1848). 

Khoi iu agris. 23. V. 

8. Adonis parviflora Fisch, in DC, Prodr., I, ji. 24 (1824). 
Ad ])edeni niontis Gelosa in argillosis. 14. VI. 

9. Ixanunculiis sphaerospermus Boiss. et Bl. in Boiss., Diagu. pl. 
Ol", nov., ser. 2, V, p. 6 (1856). 

Dize-sianiek ad rivi ripas. 30. VI. 

10. Ranunculus paucistamineus Tausch, in Flora, 8. 525 (1834). 
Khoi in aquis stagnantibus. 23. V. 

11. Ranunculus caucasicus MB., Fl. Taur.-cauc, II, p. 27 (1808). 
Tachte-Balküs ad liquescentes nives. 18. VIII. 

12. Ranunculus demissus DC, Syst., I, p. 275 (1818). 
In monte Saehend in scaturiginosis. 6. VIII. 

13. Ranunculus polyanthemos L., Spec. plant., ed. I, p. 554 (1753). 
Khoi in pratis siccis. 23. V. 

War in arvis. 29. V. 

14. Ranunculus dasycarpus Boiss., Fl. or., I, p. 281 (1867). 
Marand in collibus graminosis. 19. V. 

15. Ranunculus oxyspermus MB. in Willd., Spec. plant., II, 2 
p. 1329 (1799). 

Marand in arvis. 19. V. 

16. Ranunculus repens L., Spec. plant., ed. I, p. 554 (1753). 
Khosroes in humidis. 8. VI. 

17. Ranunculus sceleratus L., Spec. plant., ed. I, p. 551 (1753). 
Urumiah in depressis humidis. 28. VI. 

18. Ranunculus arvensis L., Spec. plant., ed. I, p. 555 (1753). 
Khosroes in arvis. 8. VI. und 9. VI. 

Marand in arvis. 20. V. 
Khoi in agri's. 23. V. 

19. Ranunculus, edulis Boiss. et Höh., Diagn., Ser. I, VIII, p. 4 
(1842-1854). 

Russia: Suchaga Fontanka in humidis. IV. 

20. Ceratocephalus testiculatus Crantz, Stirp. austr., Fase. II, p. 97 
(1763) sub Ranunculo. — Vergl. A. Kerner, Sched. ad fl. exsicc. austro-huug. 
V, p. 35 (1888). — Syn. : Ceratocephalus orthoceras DC, Syst. nat. regni veg., 
I, p. 231 (1818). 

Russia: Kinakir in lapidosis. 19. IV. 
Persia: Sadarag in lapidosis. IV. 

21. Ceratocephalus incurvus Stev. in Bull, de la Soc. nat. de Mose, 
XXI, p. 269 (1848). 

Täbris in arvis. 2. V. 

Z. B. Ges. B. XLIV. Ath. ' 12 



90 



Carl Eechinger. 



22. Ceratocephalus falcatus Pers., Syn., I, p. 341 (1805). 

Var. «. vulgaris Boiss., Fl. Orient., I, p. 58 (1867). 
War in arvis. 
Carik in lapidosis. 16. VI. 
In apricis ad pedem montis Karnaru. 10. VI. 
Khoi in agris. 23. V. 
Täbris in arvis. 2. V. 

23. Hellehorus Kochii Schiffn., Monogr. der Gatt. Hell, S. 85 (1890). 
Turcia asiatica: in collibus prope Trapezuntum. 8. IV. 

24. Garidella Nigellastrum L., Spec. plant., ed. I, p. 425 (1753). 
Ser in lapidosis. 8. VII. 

25. Nigella Persica Boiss. in Ann. de la Soc. nat., Ser. 2, XVI, 
p. 358 (1841). 

Zamesclili in lapidosis. 7. VII. 

26. Nigella arvensis L., Spec. plant., ed. I, p. 534 (1753). 
Dize-siamek in arvis et graminosis. 30. VI. 

Djök-tepe in oleraceis. 26. VI. 

27. DelpJiinium Ajacis L., Spec. plant., ed. I, p. 531 (1753). 
Digele in arvorum versuris. 28. VI. 

28. Delphinium Orientale J. Gay in Desm., Catal. Dord., p. 12 (1840). 
Karadjal inter segetes. 5. VI. 

Urumiah in agris. 28. VI. 

Gesellt in agris, 30. V. 

Khosroes in agris. 8. VI. und 12. VI. 

29. Delphinium peregrinum L., Spec. plant., ed. I, p. 531 (1753). 

Var. ß. eriocarpum Boiss., Fl. Orient., I, p. 87 (1867). 
Chamin in versuris. 26. VIII. 

30. Delphinium cappadocicum Boiss., Ann. de la Soc. nat., p. 367 

(1841). 

Digele in versuris arvorum. 28. VI. 

31. Delphinium Hohenackeri Boiss., Fl. Orient., I, p. 85 (1867). 
Ser in lapidosis, 8. VII. 

32. Delphinium dasystachyum Boiss. et Bai., Diagn., ser. II, VI, 
p. 7 (1859). 

Ser in lapidosis. 8. VII. 

33. Delphinium coerulescens Freyn in Stapf, Botan. Ergebnisse der 
Polak'schen Exped. nach Persien, II, S. 26 (1886). 

Isperehan in glareosis, 30. VII. 

Inter Sorgül et Gavilan in apricis, 21. VI. 

34. Delphinium speciosum MB., Fl, Taur.-cauc, II, p. 12 (1808). 
Zendjanab ad pratorum margines. 1, VIII. 



Boitrap zur Floni von Torsion. 



91 



VI. Berberideae. 

1. Leontice minor lioiss., Fl. Oiienl., J, p. 100 (1867). — Vergl. Stapf, 
Beitrüge zur Flora vou Persieu in Verliaiidl. der k. k. zoül.-botan. Gosellscli. in 
Wien, S. 550 (1888). 

Russia: Nakitsehewau in pratis. 24. IV. 
Persia: War in saxosis. 29. V. 

Tcäbris in collibus siccis. 11. V. 

In saxosis montis Karnaru, 10. VI. 

2. Berheris densiflora Boiss. et Buhse, Aufzähl., S. 9, Taf. III, 
Fig. 2 (1860). 

Güzilkapir in lapidosis. 14. VIII. 

In hortis inter Gogau et Zendjanab. 28. VIII. 



VII. Papaveraceae. 

1. Papaver caucaricum MB., Fl. Taur.-cauc, II, p. 5 (1808). 
In argillosis montis Gelosa. 14. VI. 

2. Papaver hracteatum Lindl., Collect., T. 23 (1831). 
In pratis montis Gelosa. 14. VI. 

Zendjanab in pratis. 1. VIII. 

3. Papaver duhium L., Spec. plant., ed. I, Nachtrag, p. 1196 (1753). 
War in argillosis. 29. V. 

4. Closterandra maerostoma Boiss. et Huet in sched. pl. Huet sub 
Papavere ex Boiss., Fl. Orient., I, p. 115 (1867). — Vergl. Stapf, Botan. Er- 
gebnisse der Polak'schen Exped. nach Persien, II, p. 27 (1886). 

Urumiah ad ripas rivi Ser, Tschai. 2. VII. 

5. Boemeria dodecandra Forsk., Fl. Aegypt., p. 100 (1775), sub 
Chelidonio. 

Täbris in arvis. 2. V. 

6. Boemeria hyhrida L., Spec. plant., ed. I, p. 506 (1753), sub Chelidonio. 
Khoi in arvis. 25. V. und 23. V. 

Marand in arvis. 20. V. 
Zendjire in arvis. 21. V. 
Khoi in cultis. 6. VI. 

7. Glaucium corniculatum L., Spec. plant., ed. I, p. 506 (1753), sub 
Chelidonio. 

In glareosis montis Carik. 17. VI. 

In sterilibus ad pedem montis Karnaru. 10. VI. 

Ser in lapidosis. 8. VII. 

8. Glaucium grandiflorum Boiss. et Huet, Diagn., ser. II, V, p. 15 (1856). 
War in arvis. 29. V. 



92 



Carl Recliinger. Beitrag zur Flora von Persien. 



9. Glaucium luteum Scop., Fl. Carn., I, p. 369 (1760). 
Zendjire in lapidosis. 21. V. 

10. Hypecoum pendulum L., Spec, plant., ed. I, p. 124 (1753). 
Khoi in agris. 23. V. 

Täbris in arvis. 2. V. 

VIII. Fumariaceae. 

1. Corydalis persica Cham, et Sehl, in Linnaea, I, p. 576 (1826). 
Livan in lapidosis. 8. V. 

2. Fumaria Vaillantii Lois., Not., p. 102 (1810). 
Khoi in arvis. 25. V. und 23. V. 

Täbris in arvis. 2. V. 
Khosroes in agris. 9. VI. 
Marand in arvis. 19. V. 

3. Fumaria asepala Boiss., Fl. Orient., I, p. 135 (1867), 
Khoi in lapidosis. 27. V. und 25. V. 

Zendjire in arvis. 21. V. 
War in glareosis. 29. V. 
Marand in arvis. 19. V. 



93 



Beiträge zur Flora der Balkanhalbinsel, 

mit besouderer Berücksichtigung von Serbien. 
Erster Theil. 

Voo 

Dl. Carl Fritsch. 



(Vorgelegt in der Versammlung am 7. Februar 1894.) 



Im botanischen Museum der k. k. Universität in Wien befindet sich eine 
Eeihe von Pflanzencollectionen aus der Balkanhalbinsel, insbesondere aus Serbien, 
Bosnien und der Hercegovina, welche ich zur Bearbeitung übernahm. Da das 
vorliegende Material ein sehr reichliches und zumeist mit Verständniss gesammelt 
und gut präparirt war, so lohnte es sich, die Pflanzen nicht nur zu determiniren, 
sondern dieselben auch wissenschaftlich zu bearbeiten. So entstand die vorliegende 
Arbeit, welche allerdings in diesem ersten Theile nur die Familie der Ranun- 
culaceen umfasst, aber in den später erscheinenden Fortsetzungen die Bearbeitung 
des gesammten oben erwähnten Materiales bringen soll. Es erscheint zunächst 
geboten, über die einzelnen hier bearbeiteten Collectionen einige Mittheilungen 
zu machen. 

Im Mittelpunkte dieser Bearbeitung steht eine grosse CoUection, welche 
von Herrn G. Ilic in Südserbien in den Jahren 1888—1891 gesammelt und vom 
botanischen Museum der Wiener Universität erworben wurde. Diese Pflanzen 
stammen durchwegs aus dem südlichsten Theile Serbiens, und zwar zumeist aus 
den näheren Umgebungen von Nisch, ferner aus den östlich (Pirot etc.) und süd- 
lich (Leskowatz, Vranja) von Nisch gelegenen Theilen des Landes. Ein bedauer- 
licher Uebelstand ist der, dass nicht wenige der von Ilic gesammelten Pflanzen 
ohne genauere Angabe des Standortes eingesendet wurden. Da aber das Gebiet, 
in welchem Ilic sammelte, kein sehr grosses und ein pflanzengeographisch ein- 
heitliches ist, so sind auch diese vom Sammler nicht etiquettirten Pflanzen durch- 
aus nicht werthlos; ich habe dieselben also in die Bearbeitung einbezogen und 
als Fundort nur „Südserbien" angeführt, worunter stets das oben bezeichnete 
Gebiet zu verstehen ist. 



94 



Carl Fritsch. 



Eine Serie kleinerer Collectionen, nebst einer bedeutend grösseren aus dem 
Jahre 1893 verdankt das botanische Museum Herrn L. Adamovic. Die kleinen 
Collectionen, welche von dem Genannten in den Jahren 1888—1892 eingesendet 
wurden, stammen theils aus Süddalmatien und Montenegro, theils aus Südbosnien 
und der Hercegovina, theils aus Südserbien. Im Jahre 1893 sammelte Adamovic 
im ersten Frühjahre in Gornji Milanovac, also in einem recht wenig durch- 
forschten Gebiete Serbiens, später in Vranja, Pirot und Umgebungen, also in dem- 
selben Gebiete wie Ilic. Da alle diese Collectionen, ebenso wie die von Ilic 
Eigenthum des botanischen Universitätsmuseums sind, so findet man alle Belege 
zu meinen darauf bezüglichen Angaben in dem Herbare dieses Museums. 

Eine dritte Collection, welche besonders werthvoll ist, stammt von Herrn 
Prof. Dr. R. v. Wettstein, welcher im Jahre 1890 in Ostbosnien und den an- 
grenzenden Theilen Serbiens (im Drinathale) s'ammelte.^) Ueber die pflanzen- 
geographischen Verhältnisse dieses Gebietes sind die von Wettstein selbst in 
seinen Mittheilungen über die Omorica-Yichte^) gemachten Angaben zu vergleichen. 
Diese Collection ist aus mehrfachen Gründen sehr werthvoll: einerseits mit Rück- 
sicht darauf, dass sie aus einem sehr wenig durchforschten Gebiete stammt, 
andererseits dadurch, dass sie von einem Fachbotaniker mit wissenschaftlichem 
Verständnisse gesammelt und mit werthvollen Notizen über die Bodenverhältnisse, 
das Vorkommen der einzelnen Arten etc. versehen worden ist. Ich bin Herrn Prof. 
V. Wettstein sehr zu Dank verpflichtet für die Ueberlassung dieser Collection 
zum Zwecke wissenschaftlicher Bearbeitung. Auch diese Collection ist Eigenthum 
des Wiener Universitätsmuseums, dem sie von ihrem Sammler als Geschenk über- 
lassen wurde. 

Eine vierte Collection, welche wieder südserbisches Material enthält, wurde 
von Herrn G. Nicic zur Bestimmung an Herrn Hofrath v. Kerner eingesendet, 
welch' Letzterer die Güte hatte, mir dieselbe zur Bearbeitung zu überlassen. Die 
Pflanzen stammen zumeist aus der Umgebung von Vranja, einige auch von Pirot, 
und sind vorläufig noch Privateigenthum des Sammlers. 

Eine fünfte Collection wurde von Herrn Dr. R. Simonovic an Herrn 
Hofrath v. Kerner zur Bestimmung übersendet und gleichfalls mir übergeben. 
Diese Collection enthält durchwegs Pflanzen aus der Hercegovina, und zwar 
speciell aus den Umgebungen von Mostar. Die dortige Flora ist ziemlich gut 
durchforscht,^) aber gleichwohl bieten die von Simonovic gesammelten Pflanzen 
manches Interessante. 

Eine sechste, ganz kleine Collection stammt von Herrn J. Dörfler her. 
Es sind dies Pflanzen, welche der Genannte im Jahre 1890 in den Umgebungen 

1) Ueber das Gebiet, welches von Wettstein durchforsclit wurde, vergl. Oesterr. botan. 
Zeitscbr., 1890, S. 353. 

2) Wettstein, Das Vorkommen der Picea Omorica (Panc.) Willk. in Bosnien. Oesterr. botan. 
Zeitschr., 1890, S. 357. — Derselbe, Die Omorica-Ficbte, Picea Omorica (Panc.). Sitzungsber. der 
kais. Akad. der Wissenscb. in Wien, Bd. XCIX. 

3) Vergl. Murbeck, Beiträge zur Kenntniss der Flora von Südbosnien und der Hercegovina 
(Lunds Universitets Arsskrift, XXVII), insbesondere auch das in dieser Abhandlung S. 13—14 ent- 
haltene Literaturverzeichniss. 



IJcitrilRO zur V\ov;i dci Italkiinlialbinscl 



von TiOskowatz in SiidstM*bieii gosainmclt hat. Dörfler s lieisuzicl war damals 
der Sar-Dajjfh in Albauioii; seine Ausbeute wurde bekanntlich von Wettstein 
bearbeitet.^) Auf der Hinreise hielt sich Dörfler in Leskowatz auf^) und sam- 
melte dort einige wenige Pflanzenarten, deren Standorte ich in diese Bearbeitung 
mit aufgenommen habe. 

Wie aus dem Gesagten hervorgeht, enthält die Mehrzahl der von mir be- 
arbeiteten Collectioncu serbische Pflanzen. In Folge dessen ist die vor- 
liegende Arbeit auch in erster Linie ein Beitrag zur Flora von 
Serbien. Aus Serbien habe ich alle Standorte angegeben, von denen mir die 
einzelnen Arten vorlagen, ohne Rücksicht darauf, ob diese Standorte schon be- 
kannt sind oder nicht. Ich glaubte dies thun zu sollen, weil die Angaben über 
serbische Flora, welche in der Literatur vorhanden sind, durchaus nicht voll- 
kommen verlässlich sind. Unsere heutigen Kenntnisse über die Flora von Serbien 
schöpfen wir in erster Linie aus den Werken von Pancic^) und Petrovic.*) 
Diese Werke sind gewiss nicht zu unterschätzen; insbesondere Panöic' Verdienste 
um die botanische Erforschung Serbiens sind zu allgemein bekannt, als dass sie 
besonders hervorgehoben werden müssten. Ein entschiedener Uebelstand ist der 
Gebrauch der serbischen Sprache und der cyrillischen Lettern in den meisten 
Publicationen der genannten Autoren. Besonders aber ist zu betonen, dass die 
Bestimmungen der Arten nicht immer verlässlich sind. Unter den Ranunculaceeu 
beispielsweise sind in Pancic' „Flora principatus Serbiae" Pulsatilla montana 
(Hoppe), Banimculus psilostachys Gris., Banunculus lateriflorus DC, Banun- 
culus platanifoUus L. unter unrichtigen Namen angeführt. Insbesondere sind 
auch die von Pancic, Petrovic u. A. aufgestellten neuen serbischen Arten einer 
Revision zu unterziehen, da sie wenigstens theilweise gewiss mit schon früher 
bekannten zusammenfallen. Diese letztere Aufgabe wird mir dadurch sehr er- 
leichtert, dass im Herbar des Herrn Hofrathes v. Kerner viele Originale von 
Pancic, in dem des Herrn Dr. y. Haläcsy dagegen solche von Petrovic ent- 
halten sind, die ich einsehen und vergleichen kann. Ich nehme in die vorliegende 
Arbeit auch Standorte auf, die ich älterem, bereits bestimmtem serbischen Herbar- 
materiale entnehme, so beispielsweise Bornmüller'schen Exsiccaten, welche das 
Wiener Universitätsherbarium besitzt. 

Was die übrigen Länder der Balkanhalbinsel anbelangt, so habe ich die 
in den von mir bearbeiteten CoUectionen von Wettstein, Adamovic und 
Simonovic vorkommenden bosnischen und hercegovinischen Standorte gleichfalls 
ohne Rücksicht auf das bereits Bekannte aufgenommen. Fand ich in den von mir 

1) Wettstein, Beitrag zur Flora Albaniens (Bibliotheca botanica, XXVI), Cassel, 1892. 
-) Vergl. Oesterr. botan. Zeitscbr., 1890, S. 353; ferner diese „Verbandlungen", XLI, 1891, 
Sitzungsberichte, S. 9. 

^) Das Hauptwerk von Pancic ist bekanntlich die „Flora principatus Serbiae^' (Belgrad, 1874). 
Die anderen Publicationen desselben hat H. Braun in der Oesterr. botan. Zeitscbr., 1888, S. 810 
bis 312 zusammengestellt. 

*) Petrovic' Hauptwerk ist die „Flora agri Nyssani" (Belgrad, 1882), zu welcher später noch 
„Additamenta" erschienen. Auch in Magnier, Scrinia Florae Selectae, findet man Notizen über 
serbische Pflanzen von Petrovic. 



96 



Carl Fritsch. 



benützten Herbarien andere Standorte aus dem Gebiete der Balkanhalbinsel, so 
habe icb auch diese aufgenommen, insbesondere dann, wenn dieselben nicht publi- 
cirt waren. So findet man beispielsweise in der vorliegenden Arbeit griechische 
Standorte von Thalictrum aquilegifolium L., Eanunculus ficarioides Bory et 
Chaub., Eanunculus chaerophyllus L., Eanunculus hrevifolius Ten., Eanunculus 
Serbiens Vis. u. a. m., albanische Standorte von Thalictrum minus L. var. 
glandulosum (Wallr.), Eanunculus hrevifolius Ten. etc. etc. Auch Rectificationen 
von Bestimmungen in verschiedenen Exsiccaten habe ich hier gegeben; so unter 
Ädonis atroruhens (lt.), Thalictrum Orientale Boiss., Eanunculus platanifolius L. 

Ich möchte noch besonders hervorheben, dass ich mich in keinem Falle 
mit der Bestimmung einer Pflanze nach Boissier's „Flora Orientalis" oder irgend 
einem anderen Handbuche begnügte. Bei jeder einzelnen Art war es mein Be- 
streben, die Bezeichnung der Art unter Rücksichtnahme auf die ältesten Quellen 
sicherzustellen. In Folge dessen findet man in meiner Arbeit nur selbst nachge- 
schlagene, dagegen gar keine abgeschriebenen Citate, mit Ausnahme der- 
jenigen, welche durch „sec. ..." ausdrücklich als solche bezeichnet wurden, deren 
Originalquelle mir nicht zugänglich war. Von Synonymen habe ich in der Regel 
nur diejenigen citirt, welche von mir selbst ermittelt wurden, oder solche, die aus 
irgend welchem Grunde wichtig waren. Dies gilt insbesondere von solchen Fällen, 
wo sich Nomenclaturänderungen als nothwendig herausstellten, Ueber manche 
Arten findet man sehr ausführliche Darlegungen, die sich entweder wegen kritischer 
Sichtung bisher confundirter Arten (so bei Eanunculus platanifolius L., Aconitum 
ranunculifolium Rchb. u. a.) oder wegen Aenderungen in der Nomenclatur (so bei 
Thalictrum lucidum L. u. a.) als nothwendig herausstellten. Ich hielt auch die 
Angabe des Datums nicht für unnöthig; dasselbe bezieht sich, wo nicht anders 
bemerkt, auf blühende Pflanzen. 

Die Reihenfolge der Familien und Gattungen, sowie in der Regel auch der 
Arten richtet sich nach Nyman's „Conspectus Florae Europaeae". In Bezug auf 
die Umgrenzung der Gattungen und Arten konnte mir aber dieses Werk nicht 
massgebend sein; ebenso wenig in Bezug auf die Nomenclatur. Speciell bei den 
Ranunculaceen habe ich die Gattungen in demselben Umfange genommen, wie 
Prantl in den „natürlichen Pflanzenfamilien" (III. Theil, 2. Abth.), üso Hepatica 
mit Anemone, Ficaria und Batrachium mit Eanunculus vereinigt. Nur die 
Prantl'sche Untergattung Eulsatilla schien mir doch besser als eigene Gattung 
(natürlich mit Einschluss von Preonanthus Ehrh.) beizubehalten, da sie durch 
die Ausbildung der Früchte scharf charakterisirt und durch keine Mittelformen 
mit Anemone (s. str.) verbunden ist. 

In Bezug auf die Nomenclatur bin ich den Principien gefolgt, welche heute 
ziemlich allgemein gelten, und insbesondere in den „Schedae ad floram exsic- 
catam Austro-Hungaricam" von Kerner durchgeführt werden. Da Beck in seinen 
systematischen Arbeiten^) einem anderen Principe folgt, so sei besonders betont, 



1) Ich meine damit in erster Linie Beck 's „Flora von Niederösterreich" und „Flora von 
Südbosnien". 



ReitraRO 7,iir IMoia ilor Hiilkiiiiliiilliiiisol 



dass ich stets jede Art mit dem iilti-slou Niimcii bc/oicliiK', oliiic lviicksi(;lil daraul", 
ob derselbe als Art- oder Varietiitnanie, ob in Verbindung mit demselben 
oder einem anderen Gattungsnamen, ursprünglich gebrauclil wurde, lieber 
Consoquenzen, welche sich aus diesem Principe ergaben, veigleiche das unter 
Adonis phocnicca (L.) und Äctaea nigra (L.) Gesagte. Wenn auch zugegeben 
werden muss, dass die Nomencia tur der Pflanzen etwas wissenschaftlich ganz 
Nebensächliches ist, so kann doch meiner Ansicht nach nur dadurch (Jrdnung 
in das heutige Chaos gebracht werden, dass man mit Cousequenz den Kegeln des 
Prioritiitsgesetzes folgt. ^) Mit dem Beibehalten der „allgemein üblichen" Namen 
würde ich mich sofort einverstanden erklären, wenn man wirklich dadurch eine 
einheitliche Benennung erzielen könnte. Ich wiederhole hier die drin- 
gende Nothwendigkeit eines botanischen Congresses, der die Nomen- 
claturfrage — natürlich vorher sorgfältigst vorbereitet — als Hauptpunkt, 
wenn nicht als einzigen auf seine Tagesordnung zu setzen hätte.^J 



Die vorliegende Arbeit wurde im botanischen Museum der k. k. Universität 
in Wien ausgeführt. Das Herbar dieses Museums, sowie das Privatherbar des 
Herrn Hofrathes v. Kern er, welches mir in liberalster Weise zur Verfügung 
gestellt wurde, wurden in erster Linie benützt. Sehr oft verglich ich auch das 
Herbar des Herrn Dr. E. v. Haläcsy, welches namentlich an Pflanzen aus der 
Balkanhalbinsel sehr reich ist. Wo es sich um die Feststellung der geographischen 
Verbreitung einzelner Arten handelte, nahm ich insbesondere noch das Herbarium 
des k. k. naturhistorischen Hofmuseiims und das der k. k. zoologisch-botanischen 
Gesellschaft zu Hilfe. Herr Gustos Dr. v. Beck hatte die Güte, mir aus seinem 
Herbarium das gesammte Material von Banunculus aconitifolius L. und JRanun- 
culus platanifolius L. zur Verfügung zu stellen, ohne welches ich über die Ver- 
breitung dieser beiden Arten in Bosnien im Unklaren geblieben wäre. Auch aus 
dem Herbar des Herrn Dr. C. Rechinger, sowie aus meinem eigenen Herbar 
konnte ich einige Standortsangaben entnehmen.^) Allen den genannten Herren 
sei mein herzlichster Dank ausgesprochen! 



') Allerdings iu der Voraussetzung, dass alle Botaniker dieselben Regeln anerkennen! 
-) Vergl. auch meine Besprecliung von 0. Kuntze's „Revisio geuerum plantarum" in diesen 
„Verhandlungen", 1892, Sitzungsberichte, S. 24. 

^) Die Herbarien sind in folgender Weise abgekürzt citirt : 

U. oder hb. U. = Herbar des Universitätsmuseums iu Wien. 

M. „ hb. M. = Herbar des k. k. naturhistorischen Hofmuseums in Wien. 

Z. „ hb. Z. = Herbar der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien. 

K. „ hb. K., hb. Kern. = Herbar Kerner. 

H. „ hb. H. = Herbar Halacsy. 

B. „ hb. B. — Herbar Beck. 

R. „ hb. R. = Herbar Rechinger. 

F. „ hb. F. = mein Herbarium. 



Z. B. Ges. B. XLIV. Abh. 



18 



98 



Carl Fritsch. 



üanLinculaceae. 

Cleniatis L. 

1. Clematis Viticeila L., Spec. pl., ed. 1, p. 543 (1753). 
Hercegüvina. In Zäunen der Mostarer Gärten wild (Simonovic, 1890); 
Anfangs Juni im Aufblühen. 

Die vorliegende Form halte ich für die typische Clematis Viticella L., da 
sie unter allen mir bekannten Formen aus dieser Verwandtschaft die häufigste 
ist. Sie hat mittelgrosse Blüthen, deren Kelchzipfel einen kahlen oder doch nur 
spärlich behaarten Mittelstreifen^) aufweisen, und unterseits zerstreut behaarte 
Blättchen. Im Universitätsherbar liegt diese typische Form vom österreichischen 
Litorale (Tommasini), von Eagusa und aus Nordpersien (Szovits); im Herbar 
Kern er von Fiume (Kerner), Spalato in Dalmatien (Fetter) und Forli in 
Mittelitalien (Sommier); in meinem Herbar von Pirano in Istrien (Salvietti). 
Um Wien wird sie nicht selten cultivirt. 

Von dieser Pflanze ist auffallend verschieden eine Clematis, welche S in- 
ten is am Berge Ida („in rupibus marmor. prope Kareikos") gesammelt hat.^) 
Die Blüthen derselben sind bedeutend grösser, die Kelchzipfel sind nach oben zu 
allmälig verbreitert und gleichmässig gerundet (statt eckig), ihr Mittelstreifen ist, 
ebenso wie die Unterseite der Blättchen, filzig behaart. Ascherson, der die be- 
treffende Sintenis'sche Ausbeute bearbeitete, bezeichnete die Pflanze als Clematis 
Viticella L. yiiY. purpurea Sweet?; Kuntze führt sie als var. gigantiflora auf.^j 
Letzterer confundirt aber damit grossblüthige Culturforraen der Clematis Viti- 
cella L., wie aus der Bemerkung „in hortis artefacta" hervorgeht; er führt auch 
als einziges Merkmal die Grösse der Sepalen an.^) Immerhin mag die Pflanze 
Clematis (jigantiflora (0. Ktze.) heissen. Die Entscheidung der Frage, ob diese 
und die typische Clematis Viticella L. durch eine lückenlose Reihe von Mittel- 
formen verknüpft sind, muss weiteren Untersuchungen vorbehalten werden. Dass 
es stärker behaarte Formen gibt, die von der typischen Clematis Viticella L. 
absolut nicht geschieden werden können, beweist ein im Universitätsherbar liegendes 
Exemplar aus Thessalien,^) welches der var. villosa C. Koch^) zuzurechnen sein 
dürfte. Dieses Exemplar ist aber von Clematis gigantiflora (0. Ktze.) noch weit 
verschieden. 



1) Da dieser Mittelstreifen allein in der Knospe nach aussen liegt, so erscheint die Knospe 
kabl oder fast kalil und nur die eingeschlagenen Ränder der Sepalen bilden weissfilzige Streifen. 
-) Sintenis, Iter trojanum, 1883, Nr. 423h. 

') Kuntze, Monographie der Gattung Clematis (Verh. des bot. Ver. der Prov. Brandenburg, 
XXVI), S. 136. 

*) Die moderne Methode, unter Varietätnauien Farbenspielarten und Abnormitäten (wie z. B. 
gefüllt blühende Formen) neben Localrassen und sogar verkannten Arten in einer Reihe anzuführen, 
ist sehr bedenklich ! 

s) Heldreich, Iter quartum per Thessaliam (1885). 

*■') Vcrgl. Kuntze, Monographie, S. 136. 



Heil nitro /Ml- Floni <1.m- Hiilki.iilinll.inscl . 



2. Clenidfis r/€fiiiiiftf/(( Ii., Spcc. ]»!., cd. I, p. 5-14 (175:;). 

Hercogüviua. In der Most;iror Kbone und „im unteren Karsl." (Siniono- 
vie); vor Moslar beim Südlager, August iu Frücht (Adamo v iej. 

o. Clrtnafls Vif alba L., Spec. pl., ed. 1, ]). (Ml'hl). 

Südserbieu (Ilic). — Eine Form mit zienilicli kleinen, ilieilweise ge/iUmten, 
unterseits ziemlich diclit behaarten Blättchen. 

Sa. Clematis Vitalba L. var. vestita Fritseli. 

Canlcs, petioU, peduncuU tomento suhvilloso canescentcs. 

Serhia aiistralis. In dumeiis et ad sepes agri Pii-otcnsis (Adamovic, 
hb. U.). 

Unter allen Exemplaren des Wiener Universitätsherbars fand ich keines 
mit so dichter, graulicher Behaarung der Achsen und Blattstiele. Die Blattzipfel 
sind mässig gross, ganzrandig oder mit vereinzelten Zähnen. Zweifellos ist diese 
Form nur durch den Standort bedingt und gewiss auch durch alle Mittelformen 
mit der typischen Clematis Vitalha L. verbunden. Sie ist aber doch so auffallend, 
dass sie einen eigenen Namen verdient. 

4. Clematis integrifoUa L., Spec. pl., ed. 1, p. 544 (1753). 
Südserbien (Ilic). — Vollständig identisch mit der in Niederösterreich 

wachsenden typischen Form dieser Art. 

Pulsatilla Adaus. 

5. Pulsatilla montana [Hoppe in Sturm, Deutschi. Flora, Heft 46, 
Taf. 4 (1826), sub Anemone] Reicheub., Fl. germ. excurs., p. 733 (1830—1832). 

Syn. : Pulsatilla intermedia Hoppe et Hornsch., Tagebuch einer Reise etc., 
S. 278 (1818), nomen nudum. — Beck, Flora von Niederösterr., S. 409 (1890). 

Anemone Pulsatilla et Pulsatilla vulgaris aut. Serb., saltem p. p. 

In Serbien verbreitet: Topcider prope Belgrad, in collibus apricis (Born- 
müller, PI. exsicc. Serb. bor., Nr. 138); um Zajcar am Eande lichter Waldungen, 
Ende März blühend (Adamovic); auf trockenen Stellen bei Pirot, Mitte April 
blühend (Ni cid, Adamovic); in subalpinis monte Basara prope Pirot, 1200 w 
s. m., 4. V. deflorata (Bornmüller); Südserbien, ohne Standort (Ilic). 

Nachdem Beck a. a. 0. den allgemein gebräuchlichen Namen Pulsatilla 
montana (Hoppe) durch Pulsatilla intermedia Hoppe et Hornsch. ersetzt hat, so 
bedarf die Beibehaltung des ersteren Namens der Begründung. An dem von Beck 
citirten Orte (Hoppe und Hornschuh, Reise etc., S. 183) wird über eine bei 
Lippiza im Karste gefundene Pulsatilla Folgendes gesagt: „Die Pulsatilla kennen 
wir nicht, Sie ist eine species intermedia von vulgaris und xoratensis, aber von 
beiden verschieden." (Folgt die Angabe der Unterschiede.) Einen Namen erhält 
diese Pflanze hier nicht, wohl aber in den von Hoppe und Hornschuh aus- 
gegebenen Exsiccaten (Decas IL), deren Verzeichniss auf S. 278 der „Reise" ge- 
geben wird. In diesem Verzeichnisse steht „Pidsatil. intermed. H. et H." zwischen 
„OrnitJiogalum Liotardi ^t.''^ und „Linaria alpina Persoon", ohne Diagnose und 
Standortangabe, ohne Hinweis auf die S. 183 gegebene Beschreibung. Da ohne 

13* 



100 



Carl Fritsch. 



Einsicht der Exsiccaten der Name PulsatiUa intermedia nicht verständlich ist 
und daher nur als „nomen nudum" betrachtet werden kann, da ferner Hoppe 
selbst die Pflanze später unter einem anderen Namen beschrieb, welcher allgemeine 
Annahme fand, so schien mir die Beibehaltung dieses letzteren Namens {Pulsa- 
tiUa, beziehungsweise Anemone montana Hoppe) gerechtfertigt. Auch wird hier- 
durch die Verwechslung mit PulsatiUa intermedia Lasch ^) und Anemone (Pulsa- 
tiUa) intermedia Schult. (1809!)^) vermieden.^) 

Mir liegt aus Serbien keine andere PulsatiUa vor, als diese; es ist daher 
sehr wahrscheinlich, dass Pancic und Petrovic unter ^Anemone PulsatiUa'^, 
beziehungsweise „PulsatiUa vulgaris"' diese Art allein verstehen. Da gleichwohl 
das Vorkommen anderer Arten nicht unmöglich ist, so habe ich meinem Citat 
die Worte „saltem p. p." beigesetzt. Die serbischen Exemplare stimmen mit 
solchen vom Karst bei Triest (Bornmüller, Prihoda, Tommasini) vollkommen 
überein. Nur scheint die Blüthenfarbe der serbischen Pflanze durchschnittlich 
heller violett zu sein. Auch die siebenbürgische Pflanze, welche von Schur seiner- 
zeit als PulsatiUa transsilvanica beschrieben wurde, ^) ist von der vorliegenden 
serbischen Pflanze nicht zu unterscheiden. Ich sah Exemplare derselben von 
Hammersdorf und Talmosch (Fuss), ferner von Langenthal (Barth, hb. K.). 
Simonkai^) vereinigte diese Pflanze mit der — allerdings nahe verwandten — 
PulsatiUa nigricans Stork Niederösterreichs und Oberungarns. 

Anemone L. 

6. Anemone hortensis L., Spec. pl, ed. 1, p. 540 (1753). 

Syn.: Anemone stellata Lam., Dict. Encycl. d. bot., I, p. 166 (1783). 

Hercegovina. Auf einem Friedhof am Südende von Mostar und im unteren 
Narentathale in grosser Menge. Ende März, Anfangs April. Blüht weiss, hellrosa 
und dunkelrosa. Fehlt in der oberen Hercegovina (Simonovic). 

In neuerer Zeit wird, dem Beispiele De Candolle's®) und Boissier's') 
folgend, sehr häufig der Name Anemone stellata Lam. vorangestellt und dazu 
„Anemone Jiortensis L. p. p." als Synonym citirt. Lamarck selbst citirt bei 
seiner Beschreibung der Anemone stellata a. a. 0. „Anemone hortensis Lin, ex- 
cluso Casp. Bauhini synonymo primo". Dieses unrichtige Synonym „Anemone 
Jiortensis latifolia Bauh. pin. 176" kommt aber in der ersten Ausgabe der Spec. 
plant., die allein für die Nomenclatur dieser Art massgebend ist, noch gar nicht 
vor, sondern erst in der zweiten Ausgabe. Alle in der ersten Ausgabe von Linne 



') Lasch in Linnaea, III, p. 164. 

^) Vergl. Pritzel, Anemonarum revisio, p. 37. 

^) Wenn man mit Prantl PulsatiUa mit Anemone vereinigt, so wird die Confusion bei Ge- 
brauch des Namens „Anemone intermedia!''' noch grösser. 
Schur, Ennmeratio plant. Transs., p. 5. 
*) Simonkai, Enumeratio Florae Transs., p. 39. 
«) De Candolle, Systema naturale, I, p. 198—199. 
'') Boissier, Flora Orientalis, I, p. 12. 



Hoitiiipo zur l'Moni tlor lialkiiiiliiilliiiisol. 



101 



imgoführton Synonymo wiodcM-liolt Lamarck selbst bei (l(!r Aurstelliiiif,' sciiKT 
Anemone Stella ta. De CandoUo hat aucli ganz richtig die Liiiiie'scli(j und 
die Lainarck'sche Art, idontilioirt, stellt jedoch den Namen Laniarck's voran. 
Uebrigens si)rechen alle Angaben Linnc's^) so unbedingt dafür, dass er nur diese 
vorliegende Art unter dem Namen Anemone hortensis verstand, dass eine weitere 
Beweisführung überflüssig erseheint. Boissier ist daher im Unrechte, wenn er 
zu der Linne oft'enbar unbekannten Anemone fulgens Gay als Synonym „Ane- 
mone hortensis L. ex parte" citirt. 

7. A^iemoue narcissiflora L., Si)ec. pl, cd. 1, p. 542 (1753) (err. typ. 
^narcissifoUa''). 

Bosnien: Auf Alpentriften der Maglic-Phmina, Juli blühend (Adamovic). 
Serbien: Stara Planina (Ilic). 

Murbeck^) und Beck-'') diifcriren in den Angaben bezüglich der relativen 
Länge der Blüthenstiele bei der auf der Treskavica-Planina wachsenden Anemone 
narcissiflora L. Vom Maglic liegen mir drei Individuen vor: ein niedriges, eben 
aufgeblüht, bei welchem die Blüthenstiele ihre Stützblätter kaum überragen, und 
zwei höher gewachsene, stärker aufgeblühte, deren Blüthenstiele sehr weit über 
die Stützblätter hinausragen. Auch auf der Raxalpe in Niederösterreich kann 
man beobachten, dass einerseits die Länge der Blüthenstiele überhaupt sehr ver- 
änderlich ist, andererseits aber dieselben auch während der Anthese sich 
beträchtlich verlängern. 

8. Anemone nemorosa L., Spec. pl., ed. 1, p. 541 (1753). 
Hercegovina. Nevesinje, April blühend. Li der oberen Hercegovina über 

1000m im Gebüsche sehr verbreitet (Simonovic). 

Serbien. Gornji Milanovac, April blühend (Adamovic), Gemein in der 
Umgebung von Nisch, im März blühend; Gabrovac (Ilic). Vranja (Adamovic). 
— In der f. Bosniaca Beck (Flora von Südbosnien, II, S. 67 [89]) bei Belgrad 
(Bornmüller). 

Die südserbischen Exemplare sind sehr gross und üppig, sonst aber typisch. 
Die Belgrader Exemplare fallen auf den ersten Blick durch die fein zertheilten 
Hüllblätter sehr auf, können aber mit Rücksicht auf die Variabilität der Blatt- 
theilung bei dieser Art nicht etwa als eine andere Art gedeutet werden. 

9. Anemone ranunculoides L., Spec. pl., ed. 1, p. 541 (1758). 
Serbien. Gornji Milanovac, April blühend (Adamovic). Gemein in Wäl- 
dern bei Nisch; im März blühend (Ilic). 

10. Anemone apennina L., Spec. pl., ed. 1, p. 541 (1753). 
Montenegro. Ad confines Dalmatiae in monte Lovcen (Heid er). 



Instesondere erwähne ich: das Citat ^A. fol. dig. . . . petalis lanceolatis nume.ro sis, 
Ger. prov. 380" (in Syst., XII); ferner die Bemerkung ^variat floruin plenitudine et colore" 
(Hort. Cliff.); endlich die ausführlichen Standortsangahen (Hort. Cliff.). 

Murheck, Beiträge zur Kenntniss der Flora von Südhosnien und der Hercegovina (Lunds 
Universitets Ärsskrift, XXVII), S. 175. 

*) Beck, Flora von Südhosnien und der angrenzenden Hercegovina, VI, S. 337 (95). 



102 



Carl Fritsch. 



11. Anemone Hepatica L., Spec. pl., ed. 1, p. 588 (1753). 
Südserbien (Ilic). 

Adonis L. 

12. Adonis vernalis L., Spec. pl., ed. 1, p. 547 (1753). 
Südserbien. Gemein bei Nisch, Februar bis März blühend; in der Um- 
gebung des Dorfes Matejevci (Ilic). 

13. Adonis lihoenicea L., Spec. pl., ed. 1, p. 547 (1753), pro varietate 
Ädonidis annuae. 

Syn.: Adonis aestivalis L., Spec. pl., ed. 2, p. 771 (1762). 

Serbien. Gornji Milanovac, Mai blühend; Vranja, Juni blühend (Adam o- 
vic). Leskovac; Belanovce (Ilic). 

Ich habe schon wiederholt^) den Standpunkt vertreten, dass man das 
Prioritätsgesetz nur dann consequent anwendet, wenn man auch von zwei Namen, 
welche derselbe Autor einer Art gegeben hat, den älteren acceptirt. Linne 
hat in der ersten Ausgabe der „Speeles plantarum" eine Adonis annua mit 
zwei Varietäten: phoenicea (= Adonis aestivalis L., Spec. pl., ed. 2) und atro- 
rubens (= Adonis autumnalis L., Spec. pl., ed. 2). Der Name Adonis annua ist 
als Collectivname^) gegenstandslos; dagegen sind die Varietätnamen ^:)/ioe^ucm und 
atrorubens mit demselben Eechte zu acceptiren, mit dem man die Namen Crocus 
offlcinalis^) und Ophrys myodes^) anwendet. 

14. Adonis ßmnmea Jacq., Flor. Austr., IV, p. 29, Tab. 355 (1776). 
Serbien. Gornji Milanovac, Mai blühend (Adamovic). Pirot, in lapidosis 

mont., 600m s. m., 4. V. anthesi ineunte (Bornmüller). Pirot und Sitschevo 
(Ilic). 

Die Bornmüller 'sehen Exemplare sind mit der Wurzel kaum l dm hoch 
und sehr dicht beblättert. 

15. Adonis atrorubens L., Spec. pl., ed. 1, p. 547 (1753), pro varie- 
tate Adonidis annuae. 

Syn.: Adonis autumnalis L., Spec. pl., ed. 2, p. 771 (1762), 

Sintenis sammelte diese Art am 16. April 1888 an einem weit nach dem 

Südosten Asiens vorgeschobenen Standorte: bei Biredjik am Euphrat (Seitun 

baghtsche). ^) 

Myosiirus L. 

16. Myosnrus minimus L., Spec. pl., ed. 1, p. 284 (1753). 
Serbien. Jajna, April (mit Blüthen und auch schon 5 cm. langen Frucht- 
spindeln) (Ilic). 



1) Vergl. Oesterr. botan. Zeitschr., 1888, S. 81 ; 1892, S. 229. 

Bei solchen Linue'sclien CoUectivarten, deren Varietäten nicht benannt sind, wird be- 
kanntlich der Artuame auf die var. u) übertragen; so bei Prunns doiuentica, Crafaegns Aria u. a. m. 
^) Vergl. Beck, Flora von Niederösterreich, S. 187. 

") Vergl. A. Kerner, Schedae ad floram exsiccatam Austro-Huugaricam, V, p. 84. 
5) P. Sintenis, Iter Orientale, 1888, Nr. 327; ausgegeben als ^Adonis aestivalis L.". 



Tluilict IIIIII I.. 

17. Thalivtl'unt Orientale Boiss. in Ann. de sc. iiat., Ser. 2, 'J'oiii. H\ 
y. 341» (1841). 

Die Verbreitung,^ dieser schönen Art reiclit nach Boissicr (Flora Orientali.s, 
1, }). 5) von Griechenland über die i)anii)hylischen und cilicischen Gebirge bis /um 
Libanon. Nun hat Siutenis in Armenien ein Thalictrum gesammelt, welches 
von Freyn als Thalictrum Orientale Boiss. bestimmt wurde*) (Sintenis, Iter 
Orientale, 1890, Nr. 2216), aber mit dieser Art nichts zu thun hat. Die Pflanze 
ist vielmehr nichts anderes als Thalictrum isojri/roides CA. Mey. (in Ledeb., 
Fl. Alt., II, p. o46), welches schon Tournefort aus Armenien kannte (vergl. 
Boissier, Fl. Orient., I, p. 6). 

18. Thalietrimi aqiiilegifoliimi L., Öpec. })1., ed. 1, p. 547 (1753). 
Ostbosnien. Wälder und steinige Stellen des Igrisnik bei Srebrenica, 1400 

bis 1518 (Wettstein). 

Wettstein fielen beim Sammeln dieser Pflanze die derb lederigen Blätter 
auf, deren Consistenz jedenfalls auf den Standort zurückzuführen ist. — Die Form 
der Blättchen ist bei Thalictrum aquilegifolium L. ziemlich veränderlich; im 
Allgemeinen sind sie bei Exemplaren aus dem südlichen Europa häufig schmäler 
und ihre Lappen spitzer (so bei den unten citirten Stücken vom Pindus). Es 
lässt sich jedoch absolut keine Grenze zwischen diesen Blattformen ziehen, somit 
auch nicht einmal Varietäten unterscheiden. 

Lecoyer (Monogr. du genre Thalictrum,^) p. 151) gibt an, dass diese Art 
in Europa den 40. Breitegrad nicht zu erreichen scheint; dem gegenüber niuss 
ich bemerken, dass sie Heldreich am Pindus (Agrapha, in oropedio Neuropolis, 
3500') unweit des 39. Breitegrades gesammelt hat.^) Sibthorp und Smith 
(Fl. Graecae Prodromus, I, p. 379) geben die Art sogar „in silvis Laconiae", also 
etwa am 37. Breitegrad, an. Wenn auch spätere Sammler die Pflanze dort nicht 
fanden (Boissier, Fl. Orient., I, p. 5), so ist doch eine Verwechslung dieser 
charakteristischen Art kaum denkbar. 

In den Formenkreis des Thalictrum aquilegifolium L. gehört auch Tha- 
lictrum Crossaeum Heldr. et Charr., Oesterr. botan. Zeit., 1891, S. 374 
(nomen solum!), wie ich mit Hilfe der im Herbar Haläcsy liegenden Original- 
Exemplare sofort zu erkennen in der Lage war. L. Charrel, oder Abd-Ur-Rah- 
man Nadji, wie sich dieser „Botaniker" in türkischer Sprache nennt, hat zwar 



1) Eine Verwechslung der Etiquetten ist nicht gut denkbar ; denn erstens findet sich in der 
gani;eu Collection von Sintenis kein Thalictrum Orientale Boiss., und zweitens ist sowohl das 
Exemplar des Universitätsmuseums, wie das im Herhar Haläcsy und jenes im Herhar Eichenfeld 
als Thalictrum Orientale bezeichnet. 

^) Bulletin de la Societe royale de botanique de Belgique, Tome XXIV. Bruxelles, 1885. 
Belegexemplare im Herbar des botanischen Museums der Wiener Universität. — Inzwischen 
hat Haussknecht in den Mittheil. des thüriug. botan. Vereins (Neue Folge, III. und IV. Heft, 18U3, 
S. 1)7) diesen Staudort publicirt. 



104 



Carl Fritsch. 



in seiner „Geographie botunique" ^) (p. 7) eine kurze französische Beschreibung 
der Pflanze gegeben; aus dieser Beschreibung ist aber nicht einmal zu ersehen, 
in welche Artengruppe dieses Thalictrum gehört. Da ich Gelegenheit hatte, die 
Pflanze zu sehen, so will ich hier alles Wesentliche darüber mittheilen. Sie hat 
im Allgemeinen die wesentlichen Merkmale des Thalictrum aquilegifolnwi L., 
unterscheidet sich aber von den gewöhnlichen Formen desselben ziemlich auf- 
fallend durch die relativ schmalen und spitzen, vielfach ganzraudigen Blättchen, ^) 
durch die compacte Inflorescenz mit relativ kurzen und dicken Blüthenstielen, 
gelbe Blüthen und auffallend kurze Staubblätter. Kein einziges dieser Merkmale 
ist jedoch von solcher Bedeutung, dass man Thalictrum Crossaeum Heldr. et 
Charr. unbedingt als eine eigene Art auffassen müsste ; vielmehr spricht Manches 
dafür, dass man es mit Exemplaren des Thalictrum aqiiilegifülium L., welche 
an stark besonnten Standorten wuchsen, zu thun hat. Gelbe Blüthen wurden 
speciell im Gebiete der Balkanländer schon wiederholt an unzweifelhaftem Tha- 
lictrum aquilegifolium L. beobachtet (vergl. Velen ovsky, Flora Bulgarica, p. 4). 
Die Früchte sind von denen des Thalictrum aquilegifolium L. nicht zu unter- 
scheiden. Die von mir gesehenen Exemplare des Thalictrum Crossaeum Heldr. 
et Charr. stammen vom Khortadj (700 7w) bei Saloniki; ausserdem wird die Pflanze 
am Tchairli-Dagh angegeben, wo aber andererseits nach einer Bemerkung auf 
der Herbaretiqiiette das echte Thalictrum aquilegifolium wachsen soll. Die end- 
gilt ige Entscheidung darüber, ob Thalictrum Crossaeum Heldr. et Charr. von 
Thalictrum aquilegifolium L. geschieden werden kann, muss ferneren Unter- 
suchungen an reichlicherem macedonischen Material vorbehalten werden.^) 

19. Thalictrum luciclmri L,, Spec. pL, ed. 1, p. 546 (1753). 

Sjn.: Thalictrum angustifolium Jacq., Enum. stirp. Vienn., p. 96 (1762) 
et Hort. Vind., III, p. 25, Tab. 43 (1776), noii Linne (1753). 

Jene verbreitete Thalictrum -kri, welche von den meisten Autoren als Tha- 
lictrum angustifolium J-Acq., oder auch wohl „Linne pro parte" bezeichnet wird, 
darf unter keinen Umständen diesen gangbarsten Namen führen, wenn man den 
Prioritätsgesetzen folgt. Denn Linne 's Thalictrum angustifolium, beschrieben 
in der ersten Ausgabe der „Species plantarum" (p. 546), fällt zweifellos mit Tha- 
lictrum galioides Nestl. zusammen, wie ich in den folgenden Zeilen beweisen 
will. Die Diagnose Linne 's „foliolis lanceolato-linearibus integerrimis^ kann 
sowohl auf Thalictrum angustissimum Crantz, wie auf Thalictrum galioides 
Nestler bezogen werden. Unter den zahlreichen Citaten steht an erster Stelle : 
„Hort, clifi". 226". An der citirten Stelle des „Hortus Cliffortianus" finden wir 
folgende Standortangabe: „Crescit in pratis Michel feldensihus et ad fluvium 
Lycum prope Äugustam Vindelicorum"" . Der erstere Standort ist aus Bauhin 
entnommen (siehe unten); am Lechfelde aber wächst wohl Thalictrum galioides 

1) Die diesen stolzen Titel führende kleine Abhandlung erschien: Salonique, Aoüt 1892. 

2) Leider sind nur die obersten Stengelhlätter an den Exemplaren im Herbar Haläcsy 
vorhanden I 

Thalictrum aquilegifolium ji. umbelliforme Costa aus Spanien scheint dem Th. Crossaeum 
ähnlich zu sein. Vergl. "Willkomm im „Prodromus Florae Hispanicae", III, p. 95.5. 



ll.'ilrii^'.« Zill' l'loi:, ,l,.r l!.ilK;iiili:ilKili ,rl 



Nestl., uiclit aber Thalidrum aH()its(ifoliutu J;u;q.^j Ik'aclitonswerUi ist das zvvoilo 
Citat: „PI. hybrid. 28". Dasselbe bezieh! sich auf die Dissertation „Plaiitae 
bybridae" von J. Haart mau, verölVent licht iu Liuuc's „Auioeuitates academicae'*, 
Vol. III. Hier wird Thaliciruin atujuatifoliiim als Bastard von Thalictrum ininus 
und Thalictrum flavum aufgeführt, der im botanischen Garten von selbst ent- 
stand. Ich lege auf die dortige Beschreibung kein besonderes Gewicht, obschon 
einige Worte derselben {Jloribus iwaesertim ante florescentiam nutantibus^' ) sehr 
für meine Ansicht sprechen; denn es kann sich ja hier wirklich um einen Garteu- 
bastard gehandelt haben. Wenn aber Linne später eine wildwachsende Pflanze 
mit diesem muthmasslicheu Bastard identificirte, so kann, das nur Thalictrum 
galioides Nestl. gewesen sein; denn Jacquin's Thalictrum angustifolium hat 
doch kein einziges Merkmal, welches an Thalictrum minus L. erinnern würde. 
Die Citate aus Royen, Ha 11 er und Sau vage gehen keine Anhaltspunkte; um 
so mehr aber die citirten Abbildungen Bauhin's und Plukenet's. Die Ab- 
bildung in Bauhin's „Prodromus", p. 14G, sowie die dazugehörige Beschreibung 
beziehen sich höchst wahrscheinlich, die Abbildung in Plukenet's „Phytographia" 
(Tab. 65, Fig. C) ganz zweifellos auf Thalictrum galioides Nestl. Nicht unwichtig 
ist auch die Bemerkung Linne's: „Petala 4, stamina 16, pistilla 7" gegenüber: 
„Petala 4, stamina 24, pistilla 10 — iß" bei Thalictrum flavum. Weder die Zahl 
der Staubblätter, noch die der Fruchtblätter ist hei jeder Art constant; aher 
Thalictrum galioides Nestl. hat thatsächlich durchschnittlich weniger von beiden 
als die Formen aus der Gruppe des Thalictrum flavum L. — Alle Angaben 
Linne's sprechen also dafür, dass dessen Thalictrum angustifolium 
mit Thalictrum galioides Nestl., nicht iih^Y mit Thalictrum angusti- 
folium Jacq. zusammenfällt; keine seiner Angaben spricht dagegen. 

Ich würde nun ohne Weiteres den Vorschlag machen, die als Thalictrum 
galioides Nestl. allgemein bekannte Pflanze als Thalictrum angustifolium Linne 
zu bezeichnen, wenn dies nicht vom praktischen Standpunkte aus zu missbilligen 
wäre. Jahrzehnte lang hat man jene Art, welche Jacquin unter Thalictrum 
angustifolium verstand, mit diesem Namen bezeichnet. Würde ich nun, wie es 
bei strenger Durchführung des Prioritätsprincipes unbedingt geschehen müsste, 
den Namen Thalictrum angustifolium einer Art beilegen, welche ohnedies oft 
genug mit dem Jacquin'schen Thalictrum angustifolium verwechselt wurde, so 
wäre eine heillose Verwirrung die Folge davon. Manche würden meinem Vor- 
schlage folgen, andere nicht; manche würden die Autoren Linne und Jacquin 
nicht auseinander halten und zu der Jacquin'schen Pflanze Linne citiren; kurz, 
man wüsste bei Nennung des Namens Thalictrum angustifolium sehr oft nicht, 
was in dem betreffenden Falle damit gemeint sei. Wenn man ferner den Umstand 



1) Vergl. Sendtner, Die Vegetationsverhältnisse Südbayerns, S. 723; Prantl, Excursions- 
flora für das Königreicli Bayern, S. 197. 

2) Auf die Diagnose : ^foliolis lanceolafo-linearibus'* ist wohl kein Gewicht zu legen, da auch 
Thalictrum galioides Nestl. mit breiteren, nicht linealen Blättern vorkommt. Grisebach und 
Schenk (Iter hungaricum, Wiegmann 's Archiv, 1852, S. 311) haben hierauf wohl zu viel Ge- 
wicht gelegt. 

Z. B. Ges. B. XLIV. Abb. 14 



106 



Carl Fritscli 



berücksichtigt, dass Linne die eigentlich chjM-aiüteristischen Merkmale des Tha- 
lictrum galioides Nestl., welche in der Inflorescenz und den Antheren liegen, 
nirgends hervorhebt; wenn man weiss, dass im Linne'schen Herbar unter dem 
Namen Thalictnim angustifolium sowohl Thalictrum galioides Nestl., als auch 
Tlialictrum angustifolium Jacq. liegt, ^) so kann wohl auch vom Standpunkte des 
strengen Prioritätsprincipes nichts gegen die Eliminirung des Namens Thalictrum 
angustifolium L. eingewendet werden. 

In neuerer Zeit wird für Thalictrum galioides Nestl. nicht selten der Name 
Thalictrum Bauhini Cr. gebraucht; so z. B. in Nyman's „Conspectus", p. 6. 
Dies ist aber unter allen Umständen unzulässig. Es ist allerdings richtig, dass 
Crantz (Stirp. Austr., II, p. 76) zu seinem Thalictrum Bauhini nur solche Stellen 
citirt, welche sich auf Thalictrum galioides Nestl. beziehen. Der Standort aber, 
„in valle Breynina", macht es äusserst wahrscheinlich, dass Crantz nur eine 
schmalblätterige Form des Thalictrum angustifolium Jacq. vor sich hatte.^) Aber 
selbst wenn Thalictrum galioides Nestl. in der Prein vorkäme, so müsste doch 
der Crantz'sche Name fallen gelassen werden. Denn es geht nicht an, eine 
Pflanze, die schon Linne (mit Angabe derselben Citate!) benannt hat, ohne 
Angabe eines Grundes anders zu nennen. In Persoon's „Synopsis" aber, wo 
(Vol. II, p. 101) Thalictrum galioides Nestl. aufgestellt wird, ist diese Pflanze — 
wenn auch ihre wesentlichen Unterscheidungsmerkmale nicht klar genug ausein- 
andergesetzt werden — doch so gut charakterisirt, dass — namentlich auch unter 
gleichzeitiger Berücksichtigung der angegebenen Standorte (Strassburg und Basel) 
— eine Verwechslung ausgeschlossen ist. Der Name Thalictrum galioides Nestl. 
ist also mit Kecht von der Mehrzahl der Autoren angenommen worden. 

In Linne's „Speeles plantarum" (ed. 1, p. 546) findet sich aber eine andere 
Thalictrum -k\% deren Identität mit Thalictrum angustifolium Jacq. unschwer 
zu erweisen ist, \\im\\Q\i Thalictrum lucidum. Linne schliesst diese Art an 
Thalictrum flavum an und sagt noch dazu: „Planta, an satis distincta, a Th. 
flavo? videtur temporis ßia^. Es kann also nur irgend eine Form aus der in 
Rede stehenden Gruppe damit gemeint sein. Die Diagnose „caule folioso sulcato, 
foliis linearihus carnosis^^ passt recht gut auf gewisse Formen des Thalictrum 
angustifolium Jacq. Dieselbe ist übrigens aus D alibar d entnommen, welcher 
dieses Thalictrum in seinem Prodromus,^) p. 162, anführt mit der Bemerkung: 
„Tlialictrum minus alterum Parisiensium, foliis crassiorihus et lucidis. Hort, 
reg. par.^\ Dieses Citat stammt wieder aus To um ef ort, den Linne gleichfalls 
citirt.^) Tournefort aber citirt wieder als Synonym dazu „Thalictrum 5 vel 
pratense 1, Clus., Hist., 234", Dieses letztere Thalictrum fällt aber zweifellos 
mit Thalictrum angustifolium Jacq. zusammen, denn Clusius sagt a. a. 0. Fol- 
gendes : „ Sed quoniam in Thalictri mentionem incidimus, ohsei'väbam in Austriae 



1) De Candolle, Syst. nat., I, p. 181. — Lecoyer, Monogr., p. 251. 

2) Zu diesem Resultate kamen auch Lecoyer (Monogr., p. 255) und Beck (Flora von Nieder- 
österreich, I, S. 423). 

3) Dalibard, Florae Parisiensis Prodromus. Paris, 1749. 
") Tournefort, Institutiones rei herbariae, I, p. 271. 



ISoitriigo zur Floni dor llalkiiulialbinsi l. 



107 



inferioris, sive infra Anisum flumen sitae, et Pannoniae prcitis, süvis et mon- 
tanis, varia ejus (jenem"' . . . [Folgen Nr. 1, 2, 3, 4.) ... „Pratensia diiu lomjiori- 
bus, et magis atris sunt foUis, et quodammodo splcndeniibus : altcrum (5!) 
pallide floris colore, elatius; alternm (6), candicante, idque humilius.'^ Auf Wiesen 
in Niederösterreich wächst nur ein Thalictrum, auf welches die Beschreibung des 
Thalictrum 5 (vel pratense 1) passt, häufig, nämlich Thalictrum anguslifoliurti 
Jacq. Bei Linne steht in Folge eines Schreib- oder Druckfehlers „2'halictrum I 
(statt 5!), vel pratense 1. Clus.". Thalictrum 1 des Clusius ist Thalictrum 
speciosiim (L.) = Thalictrum glaucum Desf. ^) — Ausserdem gibt Linne noch 
das Citat: „Thalictrum minus lucidum, lihanotidis coronariae foliis. Pluk. 
alm.'^) 363. t. 65. f. 5". Diese Abbildung von Plukenet stellt zweifellos eine 
Form des Thalictrum angustifolium Jacq. dar. Es unterliegt also keinem 
Zweifel, dass Linne unter dem 'Namen Thalictrum lucidum Fildinzen 
verstanden hat, welche in den Formenkreis des Jacquin'schen Tha- 
lictrum angustifolium gehören. 

Als Standorte gibt Linne für sein Thalictrum lucidum an: Paris und 
Spanien.^} Was zunächst das Vorkommen bei Paris anbelangt, so hat schon 
Jordan in seinen „Diagnoses" ■*) darauf aufmerksam gemacht, dass das „T/m- 
lictrum minus alterum^ etc. des Touruefort, welches Linne zu seinem Tha- 
lictrum lucidum citirt, wahrscheinlich Thalictrum angustifolium Jacq. ist, welches 
auch bei Paris gefunden wurde. Dass auch in Spanien diese Art that- 



1) Es ist nicht im Geringsten zweifelhaft, dass Thalictrum Jlavum j^. speciosuviL., Spec. pL, 
ed. 1, p. 546, mit Thalictrum glaucum Desf. zusammenfällt. Linne stützt sich auf das ,^T/(aZ«cf>-Mwi 
majus flavum, florihus luteis s. glauco folio'-'' Bauhin 's, und dieser citirt — nehen Anderem, was 
nicht dazu gehört — das ohen erwähnte „Thalictrum 1 vel Hispanicum'-'' des Clusius, von welchem 
Letzterer (Hist., II, 233) sagt, dass es Blätter wie eine -^^MiVegria habe, aher gelb blühe. Willkomm 
hat übrigens im „Prodromus Florae Hispanicae" (III, p. 958) ganz richtig Thalictrum flavum ^i. spe- 
ciosiim L. als Synonym zu Thalictrum glaucum Desf. citirt. Der Linne 'sehe Varietätname muss 
aber vorangestellt werden. XJebrigens ist Thalictrum glaucum Desf, erst 1818 in De Candolle's 
„Systema" beschrieben worden, während Persoon den Namen Thalictrum speciosum für diese Art 
schon im Jahre 1807 gebrauchte. Dagegen ist Mi Her 's und Poiret's Thalictrum sptciosum eine 
andere Pflanze. Die wichtigste Synonymie der in Rede stehenden spanischen Pflanze ist: 

Thalictrum speciosum (Linne, Spec. pl., ed. 1, p. 546 [1753] pro var, Th.flavi) Per- 
soon, Synops, plant., p, 101 (1807); non Miller, Dict., VII, p. 332 (178.5); non Poiret, EncycL, V, 
p. 315 (1804). 

Thalictrum glaucum Desf. in De Cand., Syst. nat., I, p. 184 (1818). (Als „nomen solum" 
schon in Desf ontaines, Tableau de l'ecole de botanique, ed. 1, p. 123 [1804], und ed. 2, p. 146 
[1815].) Willkomm in Willkomm et Lange, Prodromus Florae Hispanicae, III, p. 958 (1880). 

De Candolle citirt a. a. 0. : „TTi. glaucum Desf. I Cat. bort, par., ed. 2, p. 126." Nun heisst 
aber dieser Pariser Catalog erst in dritter Auflage „Catalogus horti Parisiensis", in der ersten und 
zweiten „Tableau de l'ecole de botanique". Ferner kommt Thalictrum glaucum schon in der 1804 
erschienenen ersten Auflage vor, und steht in der zweiten nicht auf p. 126, sondern auf p. 146. Will- 
komm hat dieses Citat aus De Candolle entnommen. 

2) Plukenet, „Almagestum botanicum siva Phytographiae Plucenetianae Onomasticon". 
Londini, 1696. Ferner: „Phytographia, sive stirpium illustriorum, et minus cognitarum Icones". 
Londini, 1691. 

2) „Habitat Parisiis et in Hispania." Spec. pl., ed. 1, p. 547. 

^) Jordan, Diagnoses d'especes nouvelles ou meconnues, J, p. 41 (Paris, 1864). 

14* 



108 



Carl F ritsch. 



sächlich vorkommt, erfahren wir durch das soehen erschienene „Supplementum 
Prodrom! Florae Hispanicao" von Willkomm (p. 319).^) 

Es steht also fest, dass der Name Thalictrum lucidum L. sich auf Formen 
des Thalictrum angustifolium im Sinne Lecoyer's hezieht, und diejenigen, 
welche die Art in dem Umfange wie Lecoyer^) nehmen, werden dafür am besten 
den Linne 'sehen Namen Thalictrum lucidum verwenden. 

Es entsteht nun die Frage, ob innerhalb des Formenkreises des Thalictrum 
„angustifolium^^ Lecoyer's Arten unterscheidbar sind. Thatsache ist, dass die 
Pflanzen dieses Formenkreises sich habituell oft sehr unähnlich sehen. Dies wird 
in erster Linie durch die Form der Blätter, beziehungsweise der Theilblättchen 
bedingt, die von der schmallinealen bis zu der breit keilförmigen, dreispaltigen 
Gestalt in allen möglichen Uebergangsstufen zu finden sind. Zweitens variiren 
diese Formen in der Behaarung, auf Grund deren Lecoyer^) die beiden Varie- 
täten pilosum und glandulosum^) unterscheidet, die aber auch sehr spärlich sein 
kann, ja manchmal geradezu fehlt. 

Was zunächst die Blatt formen anbelangt, so unterscheiden die meisten 
Autoren die ganz schmalblätterigen Formen von den breiterblätterigen; zu den 
ersteren gehören u. a.: Thalictrum flavum ß. angustisectum Neilr. (Flora von 
Wien, S. 453), Th. angustifolium y. stenophyllum Wimm, et Grab. (Flora Silesiae, 
II, 1, p. 157), Th. peucedanifolium Griseb. et. Schenk^) (Iter hung., p. 312), Th. 
Bulgaricum Yehn.^) (Flora Bulgarica, p. 4); zu den letzteren: Thalictrum nigri- 
cans Scop. (Flora Garn., ed. 2, I, p. 391), Th. angustifolium a. dilatatum und 
ß. heterophyllum Wimm, et Grab. (1. c), Th. flavum y. variifolium Neilr. (1. c), 
Th. angustifolium a. latisectum und ß. variisectum Neilr. (Verhandl. der k. k. 
zool.-botan. Gesellsch. in Wien, 1869, Abb., S. 279), Th. angustifolium y. fallax 
Celak. (Prodr, der Flora von Böhmen, S. 404). Der Umstand, dass fast überall, 
wo die in Rede stehende Art vorkommt, Individuen mit schmalen und breiteren 
Blättchen neben einander gefunden werden, ferner dass an schattigen und feuchten 
Orten die letzteren, an trockenen und sonnigen Orten aber die ersteren vor- 
herrschen, spricht sehr gegen die Annahme, dass man auf Grund dieser Merkmale 
Arten zu unterscheiden berechtigt wäre. Auch haben sich schon viele Autoren 
auf Grund von Beobachtungen in der freien Natur ausdrücklich für die Zusammen- 
fassung dieser Formen ausgesprochen. So sagen Wimmer und Grabowski 
(Flora Silesiae, II, 1, p. 158): „Formas tres a nobis huc relatas cum synonymis 
allatis ad unam speciem pertinere longa observatione edocti sumus; folia dilatari 
et angustari in bis plantis pro loci natalis natura satis apertum est et botanici 
multi frustra desudant in distinguendis plantis, quarum communem originem 

') Die von Willkomm a. a. 0. gegebene Diagnose, sowie das Citat „Gr. -Gedr., Fl. Fr., I, 
p. 8" gehören zu Thalictrum galioides Nestl. ; die ebenfalls citirten Ahhildungen Reichenbach's 
stellen aber unsere Pflanze dar. 

2) Lecoyer, Monographie, p. 206. 

^) Lecoyer, Monographie, p. 208. 

") Var. glandipilum Borbäs in Termeszetrajzi Füzetek, XVI, 1, p. 43 (1893). 
•'^) Auf diese Pflanzen komme ich noch weiter unten zurück. 



nritiiiRO zur V\«r.i (i<M Ilalkimbitll.ins. l. 



10!) 



facilo licet pcrspiccre". Neilroich kam zu demselben Rcsullalc ( Flora von Wien, 
S. 453): „Vieljährigo in der IVoieu Natur angestellte Tieobnchtungen haben rnit-li 
auch hier überzeugt, dass alle zwischen Th. flavum,^) Th. nigricans und Th. 
angustifolium der Autoren angegebenen Unterscheidungsmerkmale unzulänglich 
und veränderlich und dass sie daher nur als Varietäten einer einzigen Art be- 
trachtet werden können". In neuester Zeit hat Fräulein M. Kysn in den Um- 
gebungen von Salzburg dieselbe Wahrnehmung gemacht^) und ich selbst kann 
nach meinen eigenen, bei Salzburg gemachten Beobachtungen ihre Angaben nur 
bestätigen. Uebrigens hat Fräulein Eysn für die „Flora exsiccata Austro- 
Hungarica" zwei Centurien der Salzburger Pflanze eingesendet, welche in dieser 
Beziehung sehr instructiv sind. Einzelne Exemplare haben grösstentheils drei- 
spaltige und so breite Blätter, dass man sie von Thalictrum flavum L. fast nur 
durch den Mangel der Stipellen und die Behaarung unterscheiden kann; die Mehr- 
zahl der Exemplare aber stellen Mittelformen zwischen den Extremen dar, während 
ganz schmalblätterige wieder verhältnissmässig selten vorkommen. Gerade so ver- 
hält es sich mit Exemplaren, welche Ilic in Südserbien (bei Vranja und Pro- 
kuplje) gesammelt hat, nur dass sich hier die Extreme noch weiter von einander 
entfernen. 

Ein Vergleich zahlreicher Herbarexemplare aus den verschiedensten Ge- 
bieten Europas hat mir gezeigt, dass im Allgemeinen die Formen mit ganz 
schmalen, oft an den Rändern umgerollten Blättchen hauptsächlich im südöst- 
lichen Europa, im Gebiete der pontischen Flora, zu finden sind (Niederösterreich, 
Ungarn, Serbien, Bulgarien), während in den westlichen Ländern, wo die Art 
übrigens nicht so gemein ist, die breitblätterigen Formen vorherrschen. Letztere 
kommen aber auch im pannonischen Gebiete überall neben den schmalblätterigen 
vor, während ich andererseits auch aus Sachsen und aus Salzburg Exemplare mit 
so schmalen Blättchen gesehen habe, dass sie den extremsten östlichen Formen 
schon sehr nahe kommen. 

Die Blattform lässt also eine scharfe Abgrenzung von Unterarten absolut 
nicht zu. — Zu ganz ähnlichen Resultaten führten meine Untersuchungen über 
die Behaarung. Sehr starke Behaarung der Blätter (von der Blattscheide über 
die Blattspindeln bis zur Unterseite der Blättchen) zeichnet namentlich die Mehr- 
zahl der schmalblätterigen Formen Niederösterreichs und Ungarns aus. Uebrigens 
sind auch Formen mit breiteren Blättern aus Niederösterreich, Salzburg und 
Böhmen oft auffallend stark behaart. Im Allgemeinen scheinen Exemplare sonniger 
Standorte durchschnittlich stärker behaart zu sein, was auch die von Fräulein 
Eysn bei Salzburg gesammelten Pflanzen bestätigen. Interessant ist, dass gerade 
im pannonischen Gebiete, wo die am stärksten behaarten Formen zu finden sind, 



') Später (Verliandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, 1869) hat Neilreich das 
Thalictrum flavum L. als Art ausgeschieden. 

2) Mittheilungen der Gesellschaft für Salzhurger Landeskunde, XXXI. Band, wo M. Eysn 

schreibt: ,,Thalictrum avgustifolivm Jaeq an sonnigen Stellen sind die Blättchen schmal und 

fast kahl, in den Auen und an schattigen Stellen werden sie breiter und stärker behaart". (Sep.-Abdr. 
der „Beiträge zur Flora des Herzogthumes Salzburg" von Fugger und Kastner, S. 3.) 



110 Carl Frits.ch. 

daneben wieder fast ganz kahle ^) Formen auftreten, wie insbesondere Grise- 
b ach 's Thalictrum peucedanifolium.^) In Serbien und Bulgarien sind wieder 
die kahlen Formen vorherrschend, wenn ich nach dem spärlichen Herbarmaterial, 
welches mir aus diesen Gebieten vorliegt, überhaupt einen Schluss ziehen darf. 
Unter den Exemplaren, welche Ilic in Südserbien gesammelt hat, zeigen nur 
wenige eine schwache Behaarung; die meisten erscheinen ganz kahl. Thalictrum 
Bulgarieum Velen, ist gleichfalls fast gar nicht behaart. 

Lecoyer hat in seiner Monographie (p. 208) zwei Varietäten des Tha- 
lictrum angustifolium Jacq. unterschieden: „1. La variete pilosum, ä poils ru- 
bannes simples ou articules, qui s'observe sur les bords du Danube, de la Vistule, 
aux environs de Moscou, en Carie, etc.; 2. la variete glandulosum, ä poils simples, 
termines par un capitule ou glande et ä nervures d'un jaune pale proeminentes, 
qui s'observe ä l'ile d'Oland, aux environs de Moscou, de Constantinople, en Tran- 
sylvanie et vers le Rhone inferieur, en Corse, etc. Cette deuxieme variete forme 
seule le Th. nigricans du Prodromus". Ich habe nun auch thatsächlich diese 
beiden Varietäten Lecoyer 's beobachtet, muss aber vor Allem hervorheben, dass 
die beiden von Lecoyer unterschiedenen Haarformen nur graduell, nicht aber 
wesentlich von einander verschieden sind. Die Drüsenhaare von Thalictrum 
..nigricans'^ sind einzellige, dünnwandige Haare, deren Ende keulenförmig oder 
kopfförmig angeschwollen ist und gewöhnlich dicht mit stark lichtbrechendem 
Inhalte erfüllt erscheint. Diese Haare, deren Drüsenköpfchen nicht nur nicht 
durch eine Querwand abgegrenzt, sondern überhaupt gewöhnlich vom „Stiele" 
nur ganz undeutlich geschieden sind, hat schon Vesqu e^) bei „Thalictrum nigri- 
cans Jacq." beobachtet; ganz ähnlich sind die von diesem Autor abgebildeten 
Haare von Hellehorus foetidus L. gebaut.^) Wir haben also eine der primitivsten 
Formen von Drüsenhaaren vor uns. — Die „gegliederten" Haare der var. pilosum, 
welche Lecoyer ganz abenteuerlich abbildet,^) unterscheiden sich von diesen 
Drüsenhaaren nur durch das Auftreten von 1 — 2 Querwänden und das Fehlen 
der kopfförmigen Anschwellung an der Spitze.^) 



Icli wage nicht zu behaupten, dass es absolut kahle Formen dieser Art gibt. An den Herbar- 
exemplareu fehlen sehr oft die unteren Blätter, welche oft auch behaart sind, wenn die oberen ganz 
kahl erscheinen. Ausserdem ist die Behaarung oft so spärlich und so fein, dass sie auch bei sorg- 
fältiger Betrachtung mit der Lupe leicht entgehen kann. 

2) Was ich bis jetzt in Herbarien als Thalictrum peiicedanifolium Gris. gesehen habe, war 
immer mehr oder weniger behaart, Simonkai (Enum. Fl. Transs., p. 36) sagt darüber: „Folii (! !) 
aut omnes, aut saltem medü superioresque cum petiolis et vaginis glahri et nitentes'*. 

3) Vesque, „De Tanatomie des tissus appliquee ä la Classification des plantes". Nouvelles 
archives d. Mus., Ser. 2, Tom. IV, p. 1 ff. 

1. c, PL I. 

5) Lecoyer, Monographie, PI. I, Fig. 7. Offenbar hat Lecoyer stark geschrumpfte und 
gedrehte Haare vor sich gehabt. Auch die anderen Abbildungen dieser Tafel sind ganz ungeheuerlich 
und erwecken ganz falsche Vorstellungen von dem Aussehen der so einfach gebauten Thalictrum-'H.a.sive. 

<■') In der oben citirten Abhandlung vonVesque wird als Charakter der ßanunculaceen die 
Einzelligkeit der Haare angeführt. VV^ie man sieht, bildet die Gattung Thalictrum insoferne eine 
Ausnahme, als hier neben einzelligen auch mehrzellige Haare vorkommen. Vergl. auch Nest 1er in 
Oesterr. botan. Zeitschr., 1893, S. 167. 



HiMtiilgo zur Flora der llalKanliiilliiiivfl. 



Gleicliwohl wären diese Ilaarfonneii reclii gut zur Unlersclieiduug zu ver- 
wenden, wenn nicht zwisolien denselben alle möglichen Uebergangsstufen, und 
zwar oft an einem und demselben Individuum, sich finden würden. Im Allgemeinen 
stellte sich durch meine Untersuchungen heraus, dass die breitblätterigen west- 
lichen Formen vorherrschend einzellige Drüsenhaare, die schmalblätterigen, oft 
fast grauhaarigen Formen des ])annonischen Gebietes vorherrschend mehrzellige 
Haare ohne deutliche Drüsenköpfchen haben; es existiren also thatsächlich die 
beiden von Lecoyer unterschiedenen Varietäten. Um über die Variabilität des 
Haarüberzuges ein Bild zu geben, sei im Folgenden der mikroskopische Befund 
an mehreren, von verschiedenen Gegenden stammenden Exemplaren des „T/ta- 
lictrum angustifolium Jacq." mitgethcilt. 

1. Breitblätterige Form von den Salzachauen bei Salzburg. 
Sowohl die Haare an der Blattspindel, wie jene an den Blättchen erwiesen sich 
einzellig und wiesen ein mehr oder minder deutlich abgesetztes, mit stark licht- 
brechendem Inhalt erfülltes Köpfchen auf. Frische Exemplare sind wenigstens 
in der Jugend entschieden klebrig, was sich auch durch das Anhaften von Staub etc. 
erkennen lässt. Ob der ziemlich starke Geruch der jungen Pflanze in den Drüsen 
seine Ursache hat, kann ich nicht behaupten. — Ganz ebenso verhalten sich 
breitblätterige Exemplare von Neuwaldegg in Niederösterreich, von Lienz in Tirol 
und von Ober-Drauburg in Kärnten. Die Blattscheiden sind bei dieser var. 
glandulosum meist wenig oder gar nicht behaart; auch diese Haare sind einzellig 
und drüsig. — Schmalblätterige Formen von Salzburg verhalten sich ebenso. 

2. Schmalblätterige Form von der Csepel-Insel in Ungarn. Diese 
auffallend dicht grauhaarige Pflanze hat vorherrschend zweizeilige Haare, an 
denen die Bildung eines Köpfchens höchstens durch eine leichte Anschwellung 
und Wandverdickung am Ende des Haares angedeutet ist. Ein anderes Exemplar 
von demselben Standorte zeigt jedoch mehr einzellige als zweizeilige Haare, und 
einzelne der ersteren tragen ausgesprochene Drüsenköpfe. — Ein Exemplar von 
der Mätra in Ungarn besitzt an den Blattscheiden und Blättchen 1 — 2 zellige 
Haare; die Mehrzahl derselben ist ausgesprochen drüsig. 

3. Stark behaarte Form von den Elbewiesen in Böhmen. Haare 
1—3 zellig, zum Theile ausgesprochen drüsig. — Nestler in Prag (Oesterr. 
botan. Zeitschr., 1893, S. 167) hat bei „Thalictrum angustifolium Jacq." sogar 
sechszellige Trichome beobachtet. Wahrscheinlich lagen ihm auch Exemplare aus 
Böhmen vor. 

4. Schmalblätterige Form aus Prokuplje in Südserbien. Haare 
der Blattscheiden einzellig, aber ohne deutlich abgesetztes Drüsenköpfchen. 

Weitere Specialfälle anzuführen, scheint mir überflüssig, da aus den eben 
mitgetheilten zur Genüge hervorgeht, dass zwischen den beiden Lecoyer 'sehen 
Varietäten eine scharfe Grenze unmöglich gezogen werden kann. — Man sieht 
also, dass weder die Blattform, noch die Behaarung die Unterscheidung von Arten 
innerhalb des Formenkreises unserer Pflanze zulässt. — Das einzige Merkmal, 
von welchem vielleicht noch neue Gesichtspunkte zur Unterscheidung zu erwarten 



112 



Carl Fritsch. 



sind, scheint mir in der Gestalt der Früchte zu liegen. Die rundlichen Früchte 
des Thalictrum Bulgaricum Velen, z. B. sind von denen unseres niederöster- 
reichischen Thalictrum angustifoUum Jacq. so verschieden, dass ich trotz voll- 
ständiger Uebereinstimmung des Habitus doch nicht ohne Weiteres diese Art als 
unberechtigt hinstellen möchte. Da aber Herbarexemplare mit reifen Früchten 
nur selten zu sehen sind, so kann ich ein definitives Urtheil hierüber heute nicht 
fällen.^) Sicher ist, dass Thalictrum Bulgaricum Velen., von welchem mir der 
Autor freundlichst ein Original-Exemplar zur Verfügung stellte, ohne Früchte 
von gewissen schmalblätterigen Formen des „Thalictrum angustifoUum^^ absolut 
nicht unterscheidbar ist,^) 

Wir kommen also zu dem Resultate, dass die unter dem Namen Thalictrum 
angustifoUum Jacq. allgemein bekannte Pflanze eine einzige, sehr formen- 
reiche Art darstellt, eine Art, welche in Entwicklung begriffen ist 
und in manchen Gegenden recht charakteristische Localrasscn ausbildet, die aber 
nirgends so scharf ausgeprägt sind, dass es sich verlohnen würde, dieselben mit 
eigenen Namen zu belegen. Wenn man übrigens die breitblätterigen, drüsigen 
Formen als Thalictrum nigricans Scop.,^j die schmalblätterigen behaarten als 
Thalictrum angustissimum Crantz,^) die schmalblätterigen, fast kahlen dagegen 
als Thalictrum peucedanifolium Gris. et Schenk bezeichnet, so begeht man nur 
den einen Fehler, dass man Formen, die nicht specifisch trennbar sind, mit 
binären Namen bezeichnet. 

Die gesammte Art aber muss als Thalictrum lucidum Linne 
aufgeführt werden, da der Name Thalictrum angustifoUum aus den früher dar- 
gelegten Gründen unzulässig ist. 



') Vergleiche über rundfrüchtige Formen auch Borhäs in Termeszetrajzi Fiizetek, XVI, 

1, p. 4.3. 

2) Die Angahe Velenovsky 's, dass Thalictrum Bulgaricum kahl ist, ist nicht ganz richtig. 
Vielmehr zeigen die unteren Blätter, namentlich deren Scheiden, eine deutliche, wenn auch sehr feine 
Behaarung. 

Thalictrum nigricans -wurde -von Scopoli in der zweiten Ausgabe der „Flora Carniolica", 
I, p. 391 (1772), aufgestellt und später von Jacquin, Flor. Austr., V, Tab. 421 (1778) abgebildet. 
Sehr häufig wird Jacquin irrthümlich als Autor citirt. Ein Unterschied zwischen diesem Thalictrum 
nigricans Scop. und Jacq. und der gleichnamigen Pflanze De Candolle's (Syst. nat., I, p. 182) 
existirt absolut nicht; es ist daher ganz ungerechtfertigt, letzteres zu Thalictrum angustifoUum 
({. heterophyllum, ersteres zu Thalictrum flavum L. als Synonym zu setzen, wie dies z. B. Koch 
(Synopsis, ed. 1, p. 6) und nach ihm viele Andere gethan haben. Das Thalictrum nigricans Scopoli 's 
und Jacquin 's ist gewiss nicht Thalictrum flavum L., wie auch Neilreich richtig erkannte (Vcrh. 
der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, 1869, S. 279). Lecoyer (Monogr., p. 298) ist meiner Ansicht 
nach hierin im Irrthum. 

") Während der Name Thalictrum Bauhini Crantz, wie früher auseinandergesetzt wurde, un- 
haltbar ist, bezieht sich der Name Thalictrum angustissimum Cr. (Stirp. Austr., II, p. 76 [1763]) 
zweifellos auf die in der Wiener Gegend häufigen schmalblätterigen Formen des Thalictrum lucidum L. 
Würde der letztere Name nicht existiren oder als unklar zu verwerfen sein, so müsste der Name 
Thalictrum angustissimum Crantz an seine Stelle treten, da dieser vor dem Jacquin 'sehen Tha- 
lictrum angustifoUum die Priorität hat. Letzteres wurde zwar von Jacquin schon in der „Enume- 
ratio stirp. Vienn." (1762), p. 96, aufgeführt, aber ohne Beschreibung; erst 1776 erschienen Beschrei- 
bung und Abbildung im III. Bande des Hort. Vindob. 



lUutiaKo '/.ur Klein iWv Kalkaiiliull.iiiscI. 



20. T/ialicfriini strivtttni Ledeboiir, Flura lossica, J, \). 10 (1842). 

ISyii.: Thalivlrnm exaltalam C. A. Moy. in Ledubour, Fluni Altaicii, 11, 
p. 352 (1830), iioii (iiiu<liii (1828). 

Diese interessante Pflanze war urs])rüuglich nur aus Sibirien bekannt, 
wurde aber dann auch in Ungarn und Siebenbürgen gefunden,^) Nun finde icli 
unter den von Ilie in Südserbien gesammelten Pflanzen drei p]xemplare dieser 
Art aus Pirot. Dieselben stimmen mit der Abbildung Ledebour's^) vollkommen 
überein. 

Die Frage, ob Thalictrum strictum Ledeb. eine Standortsform des Tha- 
Uctrum Simplex L. oder eine selbstständige Art ist, ist an Herbarmaterial selbst- 
verständlich nicht zu entscheiden. Schur^) und Lecoy er,'*) sowie auch RegeP) 
sprachen sich für das erstere aus. Jedoch ist die Angahe C. A. Meyer 's,") dass 
die Wurzel faserig und nicht kriechend sei, wohl zu beachten. Habituell sind 
die beiden Pflanzen in ihrer typischen Gestalt sehr auffallend verschieden; jedoch 
gibt es Exemplare, welche im Herbar den Eindruck von Mittelformen machen; 
solche sammelte beispielsweise Karo bei Nertsehinsk in Dahurien.*) 

Auch die Nomenclatur dieser Art könnte angefochten werden, und zwar in 
zweierlei Hinsicht: erstens könnte der älteste Name, Thalictrum exaltatum C. 
A. Mey. eventuell in Anwendung gebracht werden, wenn Thalictrum exaltatum 
Gaud. keine selbstständige Art ist; andererseits hat Koch in der ersten Auflage 
seiner „Synopsis" (also 1837!) schon ein Thalictrum minus strictum aufgestellt, 
welches mit desselben Autors späterem Thalictrum silcaticum zusammenfällt. Was 
zunächst Thalictrum exaltatum Gaud.^) anbelangt, so scheint mir dasselbe nach 
der Original-Beschreibung in den Formenkreis des Thalictrum lucidum L. zu 
gehören ;^^) da dasselbe aber von den meisten neueren Autoren als Art anerkannt 
wird, so geht es wohl nicht an, eine andere, später beschriebene Art mit diesem 
Namen zu bezeichnen. Thalictrum silvaticum Koch") ist eine zweifelhafte Art, 
für die sich bei genauerem Studium der europäischen Formen aus der Gruppe 
des Thalictrum minus L. vielleicht ein noch älteres Synonym finden wird; den 
von Koch selbst später geänderten Namen strictum für diese Pflanze anzuwenden, 
wäre nur die Ursache neuerlicher Confusionen in dieser ausserordentlich schwie- 
rigen Gattung. — Ich behalte also den Namen Thalictrum strictum Ledeb. für 
CA. Mey er 's Thalictrum exaltatum hei. 



») Vergl. Nyman, Conspectus, p. 6. — Simonkai, Enumeratio, p. 35. 

2) Ledetour, Icones plantarum novarum etc., II, Tab. 158. 

3) Oesterr. botan. Zeitschr., 1860, S. 250 {Thalictrum simplex var. soboliferum Schur). 
Lecoyer, Monographie, p. 270 {Th. exaltatum C. A. Mey.) und p. 319 (Th. strictum Ledeb.). 

ä) Regel, Uebersicht der Arten der Gattung Thalictrum, S. 40. 
«) Ledebour, Flora Altaica, II, p. 353. 

Die serbischen Exemplare sind leider ohne Wurzel gesammelt. 
«) F. Karo, Plantae Dahuricae (1889), Nr. 238. 
9) Gaud in, Flora Helvetica, III, p. 515. 

1°) Hiefür spricht namentlich auch der Umstand, dass Gaudin unter Thalictrum angusti- 
folium (p. 509) das Thalictrum galioides Nestl. versteht. 
") Koch in Flora, 1841, S. 426. 
Z. B. Ges. B. XLIV. Abh. 15 



114 



Carl Fritsch. 



21. Thalictrum simplex L., Flora suecica, ed. 2, p. 191 (1755). 

Diese Art fehlt in Velenovsky's „Flora Bulgarica", wird aber von dem- 
selben Autor in einem Nachtrage ^) von Sadovo bei Philippopel angeführt. Ausser- 
dem sah ich die Art im Herbar Haläcsy, gesammelt von Gheorghieff 1891 
im Ehodope-Gebirge. 

22. Thalictrum flexuosum Bernh., Cat. Hort. Erf. (1815), sec. Beck, 
Flora von Niederösterreich, I, S. 425. 

Serbien. Steinige Stellen des Drinathales gegenüber von Novoselo, Juli 
(Wettstein). 

22 a. Thalictrum flexuosum Bernh. var. puherulum Schur, 
Enum. pl. Transs., p. 8 (1866). 

Bulgaria. In pratis planitiei Sadovo-Philippopolis ; leg. Stf ibrny (comm. 
Velenovsky, hb. U.).^) 

Wenn ich diese Pflanze mit Schur als Varietät des Thalictrum flexuosum 
Bernh. ansehe, so geschieht dies deshalb, weil sich dieselbe von der in Nieder- 
österreich wachsenden Pflanze, welche Beck a. a. 0. als Thalictrum flexuosum 
Bernh. aufführt, einzig und allein durch die Behaarung unterscheidet, der ich 
einen specifischen Werth nicht beimessen kann. Diese Behaarung erstreckt sich 
bei den bulgarischen Exemplaren, sowie bei solchen aus Grossscheuern in Sieben- 
bürgen^) (einem Schur 'sehen Original-Standort) nur auf die untersten Inter- 
nodien, bei Exemplaren aus der Pester Gegend*) höher hinauf. Die Blätter, 
Blüthenstandzweige und Früchte sind stets kahl. Hierdurch unterscheidet sich 
die Pflanze leicht von dem jüngst beschriebenen Thalictrum Arpadinum Borb.,^) 
bei welchem alle Blätter, Blüthenstiele und Früchte dicht drüsig erscheinen. 
Thalictrum minus ym'. glandtilosum Yelen.^) (Original-Exemplar: „in collibus ad 
Razgrad", ab ipso autore lectum) stimmt mit Thalictrum Ärpadinum Borb. in 
der Behaarung vollständig überein. 

23. Thalictrum tninus L., Spec. pl., ed. 1, p. 546 (1753). 

var. glandulosum [Wallr., Sched. crit., p. 255 (1822), pro var. Thalictri 
montani Wallr.] Koch, Syn., ed. 1, p. 4 (1837). 

Albania. In umbrosis mt. Cika (Acroceraunia) ; leg. A. Baldacci 1892 
(Nr. 101). (Hb. U.) 

Die Pflanze gleicht habituell vollständig dem Thalictrum minus der Wiener 
Kalkberge, ist aber drüsig behaart. Die Behaarung erstreckt sich auf die ganze 



') Velenovsky, Neue Nachträge zur Flora von Bulgarien. Sitzungsberichte der kgl. böhm. 
Gesellscb. der Wissensch., 1892 (Sep.-Abdr., p. 2). 

-) Genau dieselbe Pflanze sah ich von den Elbewiesen bei Dresden (leg. Lodny) im hb. U. 

3) Leg. Fuss (hb. Kern.). Kerner sammelte ebendort ganz kahle, aber sonst vollkommen 
identische Exemplare. 

*) Blocksberg, leg. Freyn (hb. Z.); Adlersberg, leg. Kerner, leg. Tauscher (hb. Kern.). 
5) Borbäs in Termeszetrajzi Füzetek, Vol. XVI, 1, p. 42 (1893). 

*) Velenovsky, Flora Bulgarica, p. 4 (1891). — Dass schon Koch ein Thalictrum minus 
var. (jlandulosum kannte, scheint Velenovsky entgangen zu sein. 

^) Thalictrum Arpadiniim^oTi^i.VQmiQ ich durch ein im Herbar Kerner liegendes, von Bor- 
bäs selbst bei Herkulesbad gesammeltes Exemplar. 



HoUräl^o zur Flora der ItiillviiiiliiilliiMscl. 



115 



Pflanze mit Kinscliluss der PoriantlibliittcM-. lioi den von Dörfler im Scardus 
gesanimolteu Exomplareu ^) ist dagegen die lieliaarung auf die unteren 'i'lieilo der 
Pflanze beschränkt. 

Man pflegt gewölmlicli Thalictrum minus var. (jlandulosum (Wallr.) mit 
Thalictrum }mhesccns (Schleich.) DC.'') zu identificiren; ja Wallroth und Koch 
selbst citiren dasselbe als Synonym. Jedoch geht aus der Beschreibung De Cau- 
d olle 's unzweifelhaft hervor, dass eine Form aus der Gruppe des Thalictrum 
flexHOSiwi Beruh, gemeint ist, wenn nicht gar eine solche des Thalictrum foe- 
tidum L. oder eine Hybride des letzteren. Die Worte ^foliis secus caulem a collo 
ad paniculam. sparsis nee versus medium suh panicula congestis^ schliessen die 
hier in Rede stehende Pflanze vollständig aus. Die Frage, inwieweit überhaupt 
die Beblätterung des Stengels, respective alle von den Autoren als Kennzeichen 
des Thalictrum flexuosiim Beruh., beziehungsweise Thalictrum coUinum Wallr."'') 
und Thalictrum saxatile DC. *) gegenüber dem Thalictrum minus L. angeführten 
Merkmale von systematischem Werthe sind, kann wohl nur durch eingehende 
Studien in der freien Natur und durch Culturversuche entschieden werden. In 
den Herbarien findet man alle möglichen Uebergangsformen zwischen beiden 
Typen, sowohl bei den kahlen, wie bei den drüsigen Formen. So ist z. B. das 
von Dörfler gesammelte, oben citirte Thalictrum mimis L. var. glandulosum 
(Wallr.) von Thalictrum Arpadinum Borb. auf den ersten Blick weit verschieden; 
die von Baldacci gesammelten, höher gewachsenen und reichlicher drüsigen Exem- 
plare sind aber von Velenovsky's bulgarischem ,,Thalictrum minus var. glandu- 
losum^ kaum mehr zu unterscheiden, und letzteres steht dem Thalictrum Arpa- 
dinum schon sehr nahe.^) Andererseits würde die Zusammenfassung der drüsigen 
Formen zu einer, von dem kahlen Thalictrum minus L. zu trennenden Art ganz 
unnatürlich sein. Bei Durchsicht sehr reichlichen Herbarmaterials erscheint es 
begreiflich, dass Lecoyer den ganzen Formenkreis in eine Art {Thalictrum 
minus L.) zusammengefasst hat.^) 

Bevor ich mich zur nächsten Art wende, möchte ich noch erwähnen, dass 
ich das von Dörfler „ac? saxa montis Serdarica-Buran'' im Scardus gesammelte 
Thalictrum, welches Wettstein als „Thalictrum majus Murr. var. Olympicum 
Boiss." anführt,') nur für eine Schattenform des Thalictrum minus y^iY . glandu- 
losum halten kann, welches derselbe Sammler gleichfalls im Scardus gefunden 



1) Vergl. Wettstein, Beitrag zur Flora Albaniens (Bibl. bot., XXVI), S. 15. 

2) De Candolle, Flore fran^aise, V, p. 633 (181.5); Syst. nat., I, p. 176 (1818). 

3) Wallrotb, Scliedulae criticae, p. 259 (1822). 

De Candolle, Flore franfaise, V, p. 683 (1815); Syst. nat., I, p. 178 (1818). 

^) Thalictrum Arpadimim Borb. fällt hauptsäcblich durcb die grossen, stumpf gelappten 
Blätteben auf, ist aber ganz gewiss keine specifisch selbstständige Pflanze. — Die Velenovsky'scbe 
Pflanze kann vorläufig den Namen Thalictrum minus var. glandulosum bebalten, obwohl sie im Habitus 
sich schon mehr dem Thalictrum flexuosum Beruh, nähert. Auf sie würde auch die Diagnose des 
De Candolle 'sehen Thalictrum puhescens passen; schweizerische Exemplare von Favrat, Des- 
eglise u. A. sind ihm auch sehr ähnlich, aber weniger drüsig. 

") Lecoyer, Monographie, p. 199—204. 

Wettstein, Beitrag zur Flora Albaniens, S. 15. 

15* 



116 



Carl Fritsch. 



hat. Die Behaarung ist ganz dieselbe; der Unterschied liegt lediglich in der 
Grösse und Consistenz der Blattabschnitte, sowie in dem höheren, weniger ge- 
drungenen Wuchs der Pflanze überhaupt. Thalictrum majus Crantz*) ist sicher 
nur ein üppiges Thalictrum minus L., wie schon Koch^) und Neilreich^) 
richtig erkannten und ich nach meinen Beobachtungen auf den Mödlinger Kalk- 
bergen nur bestätigen kann. Im Herbar sehen allerdings derartige üppige gross- 
blätterige Formen so eigenartig aus, dass es sehr begreiflich ist, dass viele 
Autoren dieselben für specifisch selbstständig hielten.*) 

24. Thalictrum foetidum L., Spec. pl., ed. 1, p. 545 (1753). 

Mir liegen typische Exemplare dieser Art aus Serbien vor: 1. „in saxosis 
m. Stol Serb. bor. oriental.", leg. Pancic (hb. K.); 2. auf Felsen bei Pirot, leg. 
Nicic, Borbäs hat kürzlich^) eine var. Serbicum und eine var, Jieterotomum 
aufgestellt, welche jedoch nach den angegebenen Merkmalen gewiss nicht von dem 
typischen Thalictrum foetidum- L. abgegrenzt werden können. Die Art variirt 
sowohl in Bezug auf Grösse und Form der Blättchen, als auch in Bezug auf die 
Stärke und Ausdehnung der Behaarung innerhalb gewisser (übrigens ziemlich 
enger) Grenzen; besonders kleine Blättchen haben die Formen der schweizerischen 
Alpen. Das andere Extrem stellt das ^Thalictrum foetidum''^ des Himalaya vor, 
welches wohl schon so weit abweicht, dass es mit gutem Rechte als selbstständige 
Art angesehen werden kann. Wenn Hook er und Thomson*') mit Recht zu 
ihrer „var. foetidum^^ des Thalictrum minus L. als Synonym „Thalictrum vagi- 
natum Royle III. 52" citiren, so hat die Himalayapflanze diesen letzteren Namen 
zu führen. Nachdem die Diagnose Royle 's') zwar nicht ausreicht, um die Pflanze 
zu erkennen, aber doch vollständig auf die Pflanze passt; ausserdem diese Art 
dort das gemeinste Thalictrum aus dieser Gruppe ist, so stehe ich nicht an, 
diesen Namen für die Pflanze in Anwendung zu bringen. Jäschke hat einem 
im Wiener Universitätsherbar liegenden Exemplar eine ausführliche Beschreibung 
dieser Art gegeben, welche um so werthvoller ist, als sie auf der Beobachtung 
der Pflanze an ihren natürlichen Standorten beruht. Ich vermag die Art nicht 
besser zu beschreiben als mit den Worten Jäschke 's. 

Thalictrum vaginatum Royle, Illustrations of the Botany 

and other Branches of the Natural History of the Himalayan Mountains 

and of the Flora of Cashmere, p. 52 (1839). 

') Crantz, Stirp. austr., Fase. II, p. 80 (1763), und gewiss aucli Jacquin, Flora austr., 
V, p. 420, Tal). 9 (1778). — Murray ist nicht der Autor dieser Art. 
•^) In Rohling, Deutschlands Flora, IV, S. 131. 
=*) Neil reich, Flora von Wien, S. 452. 

*) Was verschiedene spätere Autoren, wie Regel, Ledehour, Boissier u. A. unter Tha- 
lictrum majus verstanden haben, ist hier gleichgiltig. — Mit Rücksicht auf den unklaren Begriff des 
Thalictrum minus L. wäre die Frage zu erwägen, oh nicht die unter diesem Namen gewöhnlich ver- 
standene Pflanze besser als Thalictmm majus Cr. zu bezeichnen wäre. 

s) Termeszetrajzi Füzetek, XVI, 1, p. 43 (1893). — Warum wurden dabei die von Schur 
(Enum. pl. Trauss., p. 7) aufgestellten Varietäten des Thalictrum foetidum L. ignorirt? 

<■•) Flora of British India, I, p. 14. 

') Royle 's Diagnose des Thalictrum vaginatum findet man auch abgedruckt in W alpers' 
Repertorium, I, p. 12. 



HoiiniRO zur rioni .Irr l!;ilkimliiill.iiisol. 



117 



8yn.: Thalictrum viinns var. foelidum Hook. f. et Tlioins., Flora, 
Indica, p. 17 (1855). 

„Stoiigol an den Gelenken durch den iimfassendon Blattstiel ein 
wenij^ verdickt, ein wenig liin und her gehogen, zuweilen schwach schliin- 
gelig, etwas zusammengedrückt, nicht gerieft, mit äusserst kurzen, al)- 
steheuden, nacli ohen dicliter und drüsig werdenden Härchen besetzt. 
Blätter dreifach gefiedert. Blättclien rundlich oder keilförmig, stark netz- 
aderig, gezähnt, die grösseren dreilappig, mit gezähnten Lappen; unterseils 
mit starken, kurzen, weissen, drüsigen Haaren besetzt. Oehrchen der Blatt- 
scheiden verbreitert, eckig gezähnt, abstehend, zurückgerollt. Nebeublättchen 
fehlen. Eispe dem Umrisse nach ein zusammengedrücktes Ellipsoid bil- 
dend; Aeste abstehend; Blüthen zerstreut, auch an der Spitze nie doldig, 
etwas hängend. Staubgefässe ganz niederhängend; Staubfäden purpurbrann; 
Staubbeutel stachelspitzig, anfangs bräunlichgrün, später hellgelb. Narbe 
breit dreieckig, anfangs hell purpurn, dann weiss, bei der Reife schwarz- 
braun. Früchte sitzend, längsfurchig, an der Spitze gerade." 

In Lahul (Himalaja) gemein (Jäschke, hb. U., K.); sowohl im Thale^j als auf 
der Höhe des Rotong-Passes (ca. 12.000'). 2) Feiner in Ladak (10—12.000'; Herb. 
Hook. f. et Thoms. als Thalictrum minus L., hb. M.) und Kashmir (9—10.000'; 
Herb. Hook. f. et Thoms. als Thalictrum minus L., hb. M.). Blüthezeit nach 
Jäschke Juni bis August. 

Thalictrum vaginatum Royle ist in allen Theilen grösser als Thalictrum 
foetidum. L.; die Blätter, welche (nach Jäschke) nach der Blüthezeit noch be- 
deutend nachwachsen, haben zuletzt Theilblättchen von 20 mm und mehr Durch- 
messer. Der Stengel ist gleichmässiger beblättert als bei Tlialictrum foetidum L.; 
die Inflorescenz ist meist stark durchblättert und die Einzelblüthen sind sehr 
zerstreut. Die Narbe ist grösser und namentlich breiter als bei unserem Tha- 
lictrum foetidum L., mit welchem übrigens Thalictrum vaginatum Royle (nach 
Jäschke) auch den Geruch gemein hat. 

Im Anschlüsse an die Besprechung des Thalictrum foetidum L. erscheint 
es nicht unnöthig, auf die kahle Form desselben, das Thalictrum alpestre 
Gaudi n's, hinzuweisen. Es hat zwar schon Koch^) die Gaudin'sche Pflanze 
vollkommen richtig gedeutet, aber in neuerer Zeit haben verschiedene Autoreu 
andere Ansichten geäussert. Boissier z. B.*) glaubt dasselbe zu Thalictrum 
minus L. stellen zu sollen; Nyman^) citirt es zwar zu Thalictrum foetidum L., 
aber mit Fragezeichen. Lecoyer^) hat in seiner confusen Besprechung des Tha- 
lictrum alpestre Gaud. dasselbe gar mit Thalictrum alpinum L. in Verbindung 



') Dieses „Thal" Jäschke 's liegt zweifellos schon in hedeutender Seehöhe! 

Von diesem Standorte gah Hans (Herrnhut) die Pflanze aus (hb. Kern.). 
3) In Rohling, Deutschlands Flora, IV, S. 125. 
«) Flora Orientalis, I, p. 8. 
ä) Conspectus flor. Europ., p. 7. 
*) Lecoyer, Monographie, p. 246. 



118 



Carl Fritsch, 



gebracht, obwohl die Diagnose Gaudin's^) {„caule superne paniculato folioso^^) 
diese Pflanze vollkommen ausschliesst und Gaudi n selbst am Schlüsse seiner 
Beschreibung die Unterschiede beider Arten klar hervorhebt. Wer Exemplare, 
wie z. B, die von Lagger nächst Binn in der Schweiz gesammelten, gesehen hat, 
kann keinen Moment darüber im Zweifel sein, dass Gaudin solche kahle, klein- 
blätterige Formen des Thalictrum foetidum L. vorgelegen sind. Ich habe ganz 
kahle Exemplare des Thalictrum foetidum L. nur aus der Schweiz (in valle Binn, 
leg. Lagger, hb. Z., hb. M.), aus Tirol (Pinstermünz und Rofen im Oetzthal, 
leg. Kerner, hb. K. ; Seisser-Alpe, leg. Bernard, leg. Sonklar, hb. U.) und der 
angrenzenden Lombardei (Bormio, Pelsen bei Sta. Cattarina, leg. Petter, hb. R.) 
gesehen. Angegeben ist zwar Thalictrum alpestre Gaud. auch von anderen Ge- 
bieten,^) aber diese Angaben sind nicht alle verlässlich; namentlich scheinen öfters 
Exemplare des Thalictrum foetidum L., bei welchen die Behaarung nur die 
untersten Internodien einnimmt, hierher gerechnet worden zu sein. Solche Ueber- 
gangsformen sah ich z. B. aus Piemont (Cogne, Huet d, P, exs., hb. M.), so- 
wie auch aus Tirol und der Schweiz. Diese Formen sind namentlich auch dafür 
beweisend, dass Thalictrum, alpestre Gaud. nicht für eine selbstständige Art ge- 
halten werden darf, 

Ranunciilus L. 

25. Ranunculus Ficaria L., Spec. pl., ed. 1, p. 550 (1753). 
Serbien. Gornji Milanovac, im Mai blühend (Ad am o vi c). In Wäldern 

bei Vranja, im April blühend (Nicic). 

26. Mannnculus calthaefoUns [Reicheub., Flor. Germ, exe, p. 718 
(1830—32), sub Ficaria] BlulT-Kees-Schauer, Compendium, ed. 2, I, 2, p. 295 
(1837), non Jordan (1847). 

Syn. : Ficaria nudicaulis Kern., Oesterr. bot. Zeitschr., XIII, S. 188 (1863). 

Ficaria pumila Velenovsky in Sitzungsber. der k. böhra, Gesellsch. der 
Wissensch., Jahrg. 1887, p. 438 (1888). (Vidi spec. orig.!) 

Ranunculus ficariaefolius Beck, Flora von Niederösterr., S. 416 (1890). 

Dalmatien. Kostac, im Mai blühend (Heider, hb. U.). 

Montenegro. In subalpinis mt. Lovcen; Mai, im Verblühen (Bornmüller, 
hb. Kern.). 

') Gaudin, Flora Helvetica, III, p. 502 (1828). 

*) Ledebour (Flora Rossica, I, p. 7) führt sowohl von dem typischen Thalictrum foetidum L. 
wie von Thalictrmn acutilobum DC. eine Form h) „totwn glabmm^^ auf, ohne aher specielle Stand- 
orte für die kahlen Formen anzugeben. — Aus Siebenbürgen hat Schur (Phytogr. Mitth., S. 11) 
eine var. calvnm angegeben (von Thorda), welche er selbst mit Thalictrum alpestre Gaud. identificirt. 
Mir liegt eine ganze Centurie von Thalictrum foetidum L. aus Thorda vor, welche von G. und J. Wolff 
für die Flora exsiccata Austro-Hungarica gesammelt wurde ; es befindet sich aber kein einziges kahles 
Exemplar darunter. Ganz ebenso verhält es sich mit einer zweiten Oenturie, welche Pantocsek im 
Barser Comitate in Ungarn sammelte. Auch aus Böhmen und Steiermark (von dem bekannten Stand- 
orte bei Peggau) habe ich zahlreiche, aber durchwegs nur behaarte Exemplare des Thalictrum foeti- 
dum L. gesehen. — In neuester Zeit gibt Borbüs (Term. Füz., XVI, 1, p. 43) Thalictrum alpestre 
Gaud. für die Abruzzen an. 



Hoitriigo zur Flora dor nalkaiiliiilltiiisol. 



Südsorbien. Eniinova-Kutina boi Nisch, Riuhirc, Grdolica, Selilsovi(;a (Iii« ). 

Bulgarien. Ad Stanimaka, April (8tribrny, ed. Vclonovsky sab iioin. 
Ficaria vema var. pumilal, hb. U.). 

Im Herbar lässt sich zwischen dieser und der vorhergehenden Art absolut 
keine Grenze ziehen. Dass es in der freien Natur auch nicht wesentlich anders 
ist, beweisen die Mittheiluugen von Schur^) und Freyn.'^) Hingegen bleiben 
die beiden Arten im Wiener botanischen Garten, wo sie seit Jahren neben ein- 
ander cultivirt werden, constant und unterscheiden sich namentlich nach der 
Blüthezeit sehr auffallend: Banunculus Ficaria entwickelt fast gar keine Früchte, 
aber sehr zahlreiche Brutknospen; Banunculus calthaefolius jedoch entwickelt 
sehr reichlich Früchte und ist daher auch noch längere Zeit grün, nachdem der 
erstere bereits verwelkt ist. 

27. JRanunculus ficaHaeformis F. Schultz, Archives de Flore, 
p. 123 (1855). 

Syn. : Ficaria grandiflora Robert, Plant, phan., qui er. nat. aux env. de 
Toulon, p. 57 et 112 (1838), sec. Grenier et Godron; Freyn in Willkomm 
et Lange, Prodr. flor. Hisp., III, p. 943; non Banunculus grandiflorus L. 

Banunculus calthaefolius Jord., Observ., VI, p. 2 (1847); Boissier, Fl. 
Orient, I, p. 24; non Bluff (1837). 

Ficaria calthaefolia Gren. et Godr., Flore de France, I, p. 39 (1848), non 
Reichenb. (1830—32). 

Ficaria Boherti F. Schultz, Archives de Flore, p. 346 (1866). 

Attica. Aecker bei Monido (Pichle r, PI. Graec. exs., hb. Kern.). 

Die Pflanze hat wohl entwickelte Früchte und keine Brutknospen. — Auch 
diese Art lässt sich gegen die beiden vorhergehenden nicht scharf abgrenzen. 
Vergleiche hierüber auch F. Schultz in Archives de Flore, p. 224. 

Es zeigt sich also, dass die europäischen Formen aus der Section Ficaria 
— mit Ausnahme des auch habituell sehr auffallenden Banunculus ficarioides 
Bory et Chaub., der in der alpinen Region Griechenlands wächst — durch Mittel- 
glieder unter einander verknüpft sind. Wir haben da eine weit verbreitete Art, 
Banunculus Ficaria L., welche im Süden ihres Verbreitungsgebietes zwei Tochter- 
arten (?) ausgebildet hat: Banunculus calthaefolius (Rchb.) im pannonischen Ge- 
lbiete und den gemässigteren Theilen des östlichen Mediterrangebietes, und Banun- 
culus ficariaeformis F. Schultz in den wärmeren Theilen des Mediterrangebietes. 
Diese Tochterarten sind heute noch nicht ganz selbstständig geworden, können 
sich aber durch Aussterben der Mittelformen in späteren Zeiten isoliren. 

28. Mammculus ficarioides Bory et Chaulb., Nouvelle Flore du 
Peloponnese, p. 55, Tab. XVI, Fig. 2 (1838); sec. Boissier, Fl. Orient., I, p. 24. 



^) Vergleiche insbesoudere Schur, Phytogr. Mitth., S. 29—33, in den Verb, des naturf. Ver. 
^in Brünn, XV, 2 (1876). 

2) Freyn, Flora von Südistrien, in Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, 
I XXVII, S. 269 (1877). 



120 



Carl Fritsch. 



Griechenland. In regione alpina montis Kyllenes Achaiae, Jimio flor. 
(Orphanides, ed. Heldreich in Reliqu. Orph., hb. U.). 

29. Ranunculus chaerophyllos L., Spec. pl, ed. 1, p. 555 (1753). 
Graecia. Tatoi pr. Athen (Th. Pichler, PI. Graec. exs., hb. Kern.), det. 

cl. Freyn. 

lieber die Synonymie vergl. Freyn in Oesterr. botan. Zeitschr., 1876, S. 126. 

30. Ranunculus lllyvicus L., Spec. pl., ed. 1, p. 552 (1753). 
Serbien. In arenosis ad Kladova (Pancic, hb. Kern.); Pirot (Adamovic); 

Kamenitza (Ilic). 

31. Ranunculus psilostachys Griseb., Spicileg. fl. rumel. et bithyn., 
I, p. 304 (1843). 

Syn. : Ranunculus Nyssanus Petrovic, Additamenta ad flor. agri Nyssani, 
p. 21 (1885). 

In Südserbien verbreitet und sehr häufig. Bords des prairies de Nisch 
(Petrovic, H., K., spec. orig. B. Nyssani!; Ilic, Adamovic); Turekovatz, Emi- 
nova-Kutina, Felder bei Mramov (Anfangs Mai blühend), Dobra Glava im Lesko- 
vatzer Bezirke (Ilic); Gabrovatzer Berg bei Nisch (April, Mai blühend), Pirot 
(Adamovic); Vranja (Petrovic, H. ; Ilic). 

Die Identität des Hanunculus Nyssanus Petrovic mit Ranunculus psilo- 
stachys Griseb., welche schon Velenovsky^) erkannte, wird mir durch Herrn 
Dr. E. V. Haläcsy, der sich in letzter Zeit gerade mit dieser Artengruppe be- 
schäftigte, bestätigt. — Ilic hat auch zahlreiche Exemplare im October gesam- 
melt, welche die Herbstblätter zeigen, die von den im Frühjahre erscheinenden 
Blättern der blühenden Pflanze wesentlich abweichen. Diese Herbstblätter der 
jungen, noch nicht blühenden Exemplare sind ungetheilt, im Umrisse nahezu 
kreisförmig und grob gekerbt; nur selten ist die Dreitheilung der späteren Blätter 
durch seichte Lappung angedeutet. Diese ungetheilten, rundlichen Blätter sind 
auch phylogenetisch sehr interessant. Bei der Section Ficaria, welche olFenbar 
eine sehr alte ist, ist diese Blattform zeitlebens die einzige. Bei vielen anderen 
Ranunculus -kvtQW tritt sie nur noch in den ersten Blättern der jungen Pflanze 
auf; so sehr schön bei Ranunculus Lingua L.^) Aehnliche Verhältnisse zeigen 
Ranunculus arvensis L., Anemone hortensis L. und viele andere Kanunculaceen. 
Auch bei der Gattung Clematis ist das Fortschreiten von der einfachen Blatt- 
gestalt [Clematis integrifolia L.) zur getheilten sehr schön wahrzunehmen; 
Clematis recta L. hat an der Basis der Sprosse ungetheilte Blätter.^) 

32. Ranunculus pedatus W. K,, Descr. et icon. pl. Hung., II, p. 112, 
Tab. 108 (1805). 

Südserbien (Ilic). 



•) Velenovsky, Flora Bulgarica, p. 7 — 8. 

-) Vergleiche hierüber Schur in Verb, des naturf. Ver. in Brünn, XV, 2, S. 33. — Auch die 
ersten Blätter des Ranunculus ßdbellatus Desf. sind ungetheilt (vgl. Freyn in „Flora", 1880, S. 190). 

^) Vergl. Prantl in Engler, Botan. Jahrb., IX, S. 250. — In derselben Abhandlung kommt 
Prantl auch (S. 265) auf die primäre Ranunculus-Wi&tiioim zu sprechen. 



Uoitrilgo v.wr I'Moni der l5alk;mli;illiiiiM'l 



121 



33. BmutnnifHS mlllefoliafiisyM^ Symb. hol., II, p.GB/J ab. 37(1791). 
Horcegovina. Im iiuleron Narciitatlialc und „aucli im Karst'* (Simoiiovi('). 
Serbien. Goruji Milanovac, im Mai (Adamovi c). In lier])idis apricis ad 

Zajubica, im April schon im Abblühen (Pau^ic, hb. K.); Hügel Goritza bei Niscli, 
Umgebung des Dorfes Wukmanowo (Selitsevica), Medja, April bis Mai (Ilic). 
Pirot, in pratis montis Sarlak, 4. Mai blühend (Bornmüller). Vranja. Juni 
(Adamovic). 

Bulgarien. In ])ratis moutis Vitosa, im Mai blühend (Pichler, det. 
Velenovsky). 

34. Kanunculus hrevifoliiis Ten., Fl. Nap. Prodr., p. LXVIII (1811). 
Albanien. In declivibus glareosis orient. mt. Tomor, 11. August in Frucht 

(Baldacci, Iter albanicum, 1892, Nr. 254). 

Heldreich hat diese Art in seinem „Herbarium graecum normale" unter 
Nr. 901 ausgegeben, und zwar blühend vom Taygetus (Psarides), in Frucht von 
der KjUene (Held reich). Die Exemplare von der Kyllene haben zahlreichere 
und tiefer eingeschnittene Grundblätter und nähern sich dadurch der von Hauss- 
kuecht beschriebenen Varietät imidicus^) 

85. Ranunciiliis idutamfolius L., Mantissa plantarum, I, p. 79 (17G7). 

Serbien. Balkan (Adamovic). 

Es gibt Autoren, welche Bmiunculus platanifolius L. einfach als Synonym 
zu lianunculus aconitifoUus L. citireu (z. B. Bertolon i,^) Neilreich,^) Cela- 
kovsky, ^) Velenovsky),^) dagegen wieder andere, welche beide als getrennte 
Arten behandeln (so Grenier und Godron,'^) Kerner, Gremli,^) Dalla 
Torre,^) Simonkai,^") Prantl,") Briquet).^^) Die überwiegende Mehrzahl 
der Autoren aber führt Ranunculus platanifolius L. als „Varietät", „üppigere 
Form", „Thalform" etc. des Ranunculus aconitifoUus L. an. Das sorgfältige 
Studium eines reichlichen Herbarmateriales hat mir gezeigt, dass 
unbedingt jene im Kechte sind, welche die beiden Arten trennen. 
Die Ursache der Confusion liegt nur darin, dass man oft üppige Thalformen des 
Ranunculus aconitifoUus L. für Ranunculus platanifolius L. und umgekehrt 
kleine, alpine Exemplare des letzteren für Ranunculus aconitifoUus L. gehalten 



1) Haussknecht, Symbolae ad fioraiu graecain. Mittbeilungcn des Thür, liotau. Vereins, 
Neue Folge, Heft III und IV, S. 98. 

-) Bertoloni, Flora Italica, V, p. 517. 

3) Neil reich, Flora von Niederösterreich, S. 685. 

") Celakovsky, Prodromus der Flora von Böhmen, S. 413. 

^) Velenovsky, Flora Bulgarica, p. 6. 

•■•) Grenier et Godron, Flore de France, I, p. 27. 

Kerner in Oesterr. botan. Zeitschr., 1867, S. 215. 

Gremli, Excursionsflora für die Schweiz, 3. Aufl., S. 56. 
'••) Dalla Torre in „Anleitung zu wissenschaftl. Beob. auf Alpenreisen", II, S. 167. (Wien, 
Alpenverein, 1882.) 

Simonkai, Enumeratio florae Transsilvanicae, p. 46. 
»1) Prantl in Engler's Botan. Jahrb., IX, S. 267. 

Briquet in Revue generale de botanique, V, p. 371 (1833). 
Z. B. Ges. B. XLIV. Abh. 16 



122 



Carl Fritsch. 



hat, und dies wieder deshalb, weil die eigentlichen unterscheidenden Merkmale 
dieser beiden Arten Vielen nicht bekannt waren. Insbesondere jene Autoren, welche 
nur Materiale eines beschränkten Gebietes bearbeiteten, in welchem nur eine der 
beiden Arten vorkommt, begingen diesen Fehler, indem sie die grösseren, reich- 
blüthigen Formen für Banunculus platanifoUus L. hielten und natürlich zwischen 
diesen und den kleineren Formen derselben Art alle möglichen Uebergänge fanden. 

Der erste Autor nach Linne, welcher die beiden Arten klar auseinander- 
hielt und auch die Mehrzahl der Unterscheidungsmerkmale richtig angab, war 
Sternberg. ^) Von späteren Autoren sind in erster Linie Grenier und Godron 
(a. a. 0.) zu nennen. — Ich selbst bin nun in der angenehmen Lage, die Resul- 
tate noch viel genauerer Untersuchungen mitzutheilen, die mir Herr Hofrath 
A. V. Kerner in liberalster Weise zur Verfügung gestellt hat. Der genannte 
Forscher hatte Gelegenheit, die beiden Arten nicht nur in der freien Natur, 
sondern auch in Cultur (im Innsbrucker und Wiener botanischen Garten) genau 
zu beobachten und hat die sich constant erweisenden Unterscheidungsmerkmale 
derselben folgendermassen notirt: 



Ummnculus acouitifolius L. 

„Stengel am Grunde aufsteigend, 
mit abstehenden, spreizenden Ae s t e n, 
an der Basis weich, zusammendrückbar 
und biegsam, hohl, unten so wie die 
Blattstiele kahl, seltener mit zerstreuten 
Härchen besetzt, gegen die Blattansätze 
zu stumpfkantig. 

Blätter unterseits von kurzen 
Härchen mehr oder weniger flaumig. 
Blatt abschnitte rhombisch - ei- 
förmig oder länglich-rhombisch, 
die der grundständigen Blätter sich 
deckend oder doch berührend, IV2- l^is 
2 mal so lang als breit, die der stengel- 
ständigen Blätter 2 — 3 mal so lang als 
breit, über derMitte am breitesten, 
gegen die Basis ziemlich plötzlich ver- 
schmälert. Die obersten Blätter 
sitzend , mit r h m b i s c h - 1 a n z e 1 1- 
lichen Abschnitten, welche bis zur 
Spitze oder bis nahe zur Spitze 
gleichmässig gesägt sind. 

Blüthenstiele aufrecht abste- 
hend bis spreizend, steif, 1— 3mal 



Haimnciilus idatanifolius L. 

„Stengel höher, aufrecht, mit 
aufrecht abstehenden Aesten, an 
der Basis sehr fest, nicht zusammen- 
drückbar und kaum biegsam, hohl, so 
wie die Blattstiele mit zerstreuten, ab- 
stehenden Haaren besetzt, seltener ganz 
kahl, gegen die Blattansätze zu stielrund. 

Blätter unterseits mit zerstreuten 
Haaren besetzt. Blattabschnitte 
lanzettlich oder länglich, in eine 
ganzrandige Spitze vorgezogen, 
die der grundständigen Blätter sich nicht 
deckend, sondern auseinanderfahrend, 
2 mal, die der stengelständigen Blätter 
3 mal so lang als breit, in der Mitte 
am breitesten, gegen die Basis sehr 
allmälig verschmälert. Die obersten 
Blätter sitzend, mit schmallanzett- 
lichen Abschnitten, welche nur 
in der Mitte gesägt und in eine 
lange, ganzrandige Spitze aus- 
gezogen sind. 

Blüthenstiele aufrecht und 
schlank, sehr verlängert, 4 — 5mal 



') Sternberg in Regenst. botan. Zeitg., 1806, S. 33. 



r.oidiicro /nr l'loiii .|(-r I!;ilkaiili:ill.iiis. l. 



SO lang als die sie stiitzondoii 
Hochblätter, uuter der Bliitho 
von kurzen, aufrecht abstehen- 
den und anliegenden Härchen 
flau mig. 

Blüthen grösser. 

Staubblätter nur so lang als das 
Gynoeceuni, so dass dieses letztere in 
der Bliithe deutlich sichtbar ist. 

Reife Carpelle ohne Griffel 2 5 mm 
lang, 2 mm breit und 15 mm dick; 
Griffel 1 mm lang. Der Rücken der 
Carpelle gewölbt, so dass der Griffel 
mit deren Rückenlinie immer einen 
deutlichen Winkel bildet." 



1 T.) 

länger als das sie stützende Hoch- 
blatt, u n t e r d e r B 1 ü t h e stets kahl 
und nur tiefer abwärts manchmal mit 
zerstreuten abstehenden Haaren be- 
wimpert. 

Blüthen kleiner. 

Die Staubblätter überragen die 
Griffel um die Länge der Anthere, so 
dass die Carjuden in der Blüthe nicht 
sichtbar sind. 

Reife Carpelle ohne Griffel 3"5 mm 
lang, 3 mm breit und 2mm dick; Griffel 
1*5 — rS mm lang. Der Rücken der Car- 
pelle gerade oder kaum merklich ge- 
wölbt, so dass der Griffel in der geraden 
Verlängerung ihrer Rückenlinie liegt." 



Es ist selbstverständlich, dass manche dieser Merkmale nicht bei jedem 
Individuum genau zutreffen, aber bei einiger Uebung wird man schon habituell 
die meisten Exemplare der beiden Arten sofort erkennen. Die Blatttheilung ist 
bei beiden Arten bis zu einer gewissen Grenze veränderlich; jedoch ist bei Ramm- 
ciilus aconitifolius L. stets der Mittelzipfel von den seitlichen Abschnitten voll- 
ständig getrennt, meist sogar deutlich stielförmig zusammengezogen, während bei 
Ranuncidus platcmifolms L. alle Zipfel am Grunde zusammenhängen und nur 
ausnahmsweise bei einzelnen Blättern üppiger Exemplare nahezu oder selbst voll- 
ständig getrennt sind. Das sicherste „technische" Merkmal gibt die Behaarung 
des Blüthenstieles ab, welche in allen etwa zweifelhaften Fällen bei Herbar- 
exemplaren als ausschlaggebend bezeichnet werden kann.^) In Bezug auf die 
Standortsverhältnisse muss noch betont werden, dass, wie schon von Grenier und 
Godron richtig angegeben wird, Ranuncidus aconitifolius L. eine Pflanze feuchter 
und sumpfiger Orte ist, während Ranuncidus platanifolius L. an relativ trockenen 
Orten vorkommt. Im Lande Salzburg hatte ich Gelegenheit, den dort sehr häufigen 
Ranuncidus aconitifolius L. an verschiedenen Orten zu beobachten; gewöhnlich 
findet man ihn am Ufer der Gebirgsbäche, wie z. B. im Rosittenthale des Unters- 
berges, mit welchen er auch in die Thäler und selbst in das Hügelland herab- 
steigt. Manchmal bedeckt er aber auch geradezu in geschlossenen Beständen 
sumpfige Wiesen, wie z. B. auf der Höhe des Radstädter Tauern. Hingegen findet 
sich Ranuncidus platanifolius L. in Buchenwäldern und in felsigen Schluchten, 
wohl auch zwischen Krummholz und Rhododendron hirsiitum L., niemals aber 
als ausgesprochener Bewohner nasser Standorte. Im Innsbrucker botanischen 
Garten cultivirt, blühte Ranunculus platanifolius L. nach den Beobachtungen 
Kerner 's durchschnittlich um 14 Tage später als Ranunculus aconitifolius L. 



'■} Nach dem Verblühen wird die Behaarung einzelner Blüthenstiele manchmal etwas undeutlich. 

16* 



124 



Carl Fritsch. 



Um die geographische Verbreitung der beiden in Rede stehenden Arten 
möglichst genau zu eruiren, habe ich folgende in Wien befindlichen Herbarien 
durchgesehen: das Herbar der botanischen Abtheilung des Hofmuseums (M.), das 
Herbar des botanischen Museums der Universität (U.), das der zoologisch-botani- 
schen Gesellschaft (Z.), ferner die Privatherbarien der Herren Hofrath v. Kerner 
(K.), Gustos V. Beck (B.), Dr. v. Haläcsy (H.), Dr. Rechinger (R.) und mein 
Herbar (F.). Es folgt nun hier das Verzeichniss der Standorte, von welchen sich 
die beiden Banunculus- Arten in den genannten Herbarien finden. 

Banunculus aconitifoUus L. 

Frankreich. Gebiet der Pyrenäen: Luchon (Fages, H.); Cierp. m. 
(Cauvet, M,, eine auffallend zottig behaarte Form!). Dep. Allier: La Palisse 
(Billiet, H.). Dep. Loire: St. Etienne, 600m (Glastien, H.); Mt. Pilat (Jor- 
dan, Z.). Savoyen: Chambery, Dent de Nicolet ä la Gornaz (Huguenin, U.); 
Brizon (Puech, H.); La Gorge (Chenevard, H.); Mt. Saleve (Z.); Les Voirons, 
endroits humides des montagnes, 1450 m (Gave in Magnier, Flora selecta, 2125, 
U.); bords des torrents, 1. Allemands au dessus de Samoens (Deseglise, K., eine 
sehr üppige Form); Chamounix, Col de Balme (Kotschy, Iter per Helv., 1860, 
M., sub nomine B. platanifolii L.). Hautes Alpes (Puech, H.). 

Schweiz. St. Bernhard (Kotschy, Iter per Helv., 1860, M.); Bern, an 
der Papiermühle (Wilms, K.); Jura (Schleicher?, M.). „Schweiz" ohne näheren 
Standort (Schleicher, M., flore pleno). 

Württemberg. Freudenstadt im Schwarzwalde (Haug, Z.). 

„Wetterauische Flora", Nr. 710 (Z.). 

Baiern. Schliersee (Winter, H.), 

Böhmen. Böhmerwald (Ressmann, R.). 

Tirol. In pratis alpinis ad paludem „Gleisersee" supra Matrei, solo 
schistoso (Kern er, R.); an kalten Quellen bei der Waldrast ober Matrei (Ker- 
ner, K.); im Sumpfe bei der Knappenkuchel ober der Klammeralm in Navis 
(Kern er, K.); in ungeheurer Menge am Bache unter der Krimpenbachalpe am 
Rosskogel bei Innsbruck (Kerner, K.); auf feuchten Wiesen bei Buchau am 
Achensee, 3000' (Kerner, K.); auf feuchten Plätzen der Bergabhänge bei Joch- 
berg (Aust, M., Z.). In Alpentriften bei Innergschlöss (Beck, B.). 

Salzburg. Untersberg, bei der unteren Rosittenalpe am Bache (Fritsch, 
F.); Salzachau bei Bergheim, 410 m (Eysn in Baenitz, Herb. Europ., 3398, 
U., K., H., M.); in einem Graben am östlichen Fusse des Nocksteines bei Salz- 
burg (Fritsch, F.); an Sumpfstellen in Wäldern bei Neumarkt (Pernhoffer, 
K.). Zell am See, in Voralpen an feuchten Orten (Saute r in Reichenbach, 
Fl. germ. exsicc, 1085, M.). Wildbad Gastein, Zitteraueralm in grosser Menge 
(Beck, B.). Radstädter Tauernkar, auf feuchten Wiesen und an Wasserläufen in 
grosser Menge (Fritsch, F.). 

Ober Österreich. Nächst Mondsee (Hinter huber, M.). Sumpf nächst 
Niederbrunn bei Ried (Dörfler, U.). Schneeberg bei Reichraming, Ortbauer- 
alni (Steininger, U.). 



BoitrÜRC zur Flora <ior l>;ilk:iiili;ill>ins('l. 



125 



Niederösterreich. Rottes im Waldviertel (Kissliiig, B.). lsi)erthal 
(Pepscb, K.). Au versumpften Bachut'eru bei Seitenstetten sehr häufig (Strasse r, 
U.). Bachriinder bei Waidhofeu a. d. Ybbs (Glatz, Z.). Sattelbauer Gschaid bei 
St. Egyd (Richter, H.). 

Steiermark. Wiener Brückl bei Mariazell (Richter, Z., H.). Moorige 
Stellen unterhalb des Dorfes Veitsch (Heimerl, Z.). Gross-Knallstein (Beck, B.). 

Kärnten. Koralpe (Kristof, K.). 

Bosnien. Vranica-Planina, ad fontes et in locis humidis prope Prokoske 
staje in declivibus montis Matorac, ca. 1700 solo schistoso (Beck, B.). 

Es ergibt sich also, dass Manunculus aconitifolius L. ausserhalb des Alpen- 
zuges nur in den Pyrenäen, im mittleren Frankreich, im Schweizer Jura, im 
Schwarzwalde ^) und Böhmerwalde, sowie (sehr selten) auf Alpen in Bosnien an- 
zutreffen ist, nicht aber im Zuge der Sudeten und Karpathen und auch nicht 
in Scandinavien, wo offenbar nur Hanunculus platanifolius L. vorkommt. Ver- 
gleiche übrigens das unten nach der Aufzählung der Standorte der letzteren Art 
Gesagte. 

Ranunculus platanifolius L. 

Scandinavien. Dovre, Drivstuen (Zetterstedt, U.); Opdal, reg. silv. 
(Fritze, K.). Jemtland, Storlien (Warodell, H., Indebetou, H.); inter Tydalen 
et Kälahögen (Angström, M.); Jemtland (Andersson, M.); Herjedalen (Ahl- 
berg, K., M., Andersson, K.). 

Belgien. Louette — St. Pierre, prov. Namur, bois montueux frais, bords 
des ruisseaux ombrages (Aubert, ed. Thielens, U.). „Obs. Cette plante est 
assez rare en Belgique: on la trouve surtout dans FArdenne. Dans les terrains 
calcaires, on ne le rencontre qu'ä Goe et Vignee." 

Frankreich. Hautes Pyrenees, Gavarnie (Bordere, K., M.). Puy de 
Dome, Mont Dore, 1300 m (Billiet, H.). Alpes maritimes, Mont Aution, les 
bois (Reverchon, U.). Haute Savoie, Les Voirons, forets des montagnes, dans 
les clairieres, 1500m (Gave in Magnier, Flora selecta, 2126, U.); Argentiere 
(Kotschy, Iter helv., 1860, sub nomine B. aconitifolii L.). 

Schweiz. Canton Waadt, Bois du Plans, 1300 m (Masson, H.). Jura, 
Creux du Vent (Lerch, K., H., Z.). 

Rheinpfalz. Burrweiler im Haardt (F. Schultz, Herb, norm., 1002, H.). 

„Wetterauische Flora", Nr. 711 (Z.). 

Corsica. Serra di Scopamene, par Sartene, Mt. Coscione (Reverchon, 
PI. de la Corse, 1879, Nr. 114, Z., eine sehr zarte, kleinblätterige Form). 

Italien. Alto Apennino Modenese, Prati alle falde del Cimone (Gi- 
beiii, H.). 

Tirol. In Alpenwiesen am Monte Altissimo (Beck, B., eine Form mit 
stark zerschlitzten Blättern und schmalen Zipfeln). Trient, Alpen- und Voralpen- 
region des Bondon (Val de Lievre, U.). Bei Paneveggio (Kremer, Z.). Schiern, 



Nach Prantl (Engler's Botan, Jahrb., IX, S. 267) wächst Ranunculus aconitifolius L. 
auch in den Vogesen, was auch sehr Avahrscheinlich ist. 



126 



Carl Fritsch. 



Wormserjoch etc. (Hausmann, M.). Bergwiesen bei Ahrn (Huter, M.). Alpe 
am „Sambock" bei Brunneck (Schönacb, K.). Weissenbach am Lech (Kerner, 
Z.); zwischen Buchen und Leutasch (Kern er, K.); Zirler Mähder bei Innsbruck 
(Kerner, K.); Hallthal (Kerner, K.); schattige feuchte Plätze am Rande des 
Längensees bei Kufstein (Kern er, K.). 

Salzburg. Nassfeld bei Gastein (Fetter, R.). 

Böhmen. Bei Teplitz (Winkler, Z.). Rehhorn (Kablik, Z.); Riesen- 
grund im Riesengebirge (Kablik, M.). 

Preussisch-Schlesien. Görbersdorf, an der Strassenlehne bei Reinis- 
waldau auf Hauen (Strähl er, K.); Hohe Mense (Fitz, Z.) Glatzer Schneeberg 
(E. Weiss, Z.). 

Oesterr. -Schlesien. In Bergwäldern bei Karlsbrunn (Aichinger, K.); 
Köpernik im Gesenke (E. Weiss, Z.). 

Nieder Österreich. Im Einsiedelgraben bei Karlstift (Beck, B.). Sehr 
häufig im Gebiete des Schneeberges und dessen Umgebungen: im gemischten 
Walde am südwestlichen Aufstiege zum Handlesberge, ca. 950 m (Beck, B.); auf 
der Spitze des Handlesberges zwischen Voralpenkräutern, ca. 1300 m (Beck, B.); 
Mamauwiese bei Buchberg (Kirchstetter, Z.); Wiesen am Gahns (Sonklar, 
IT., Haläcsy, H.); am Alpel des Schneeberges, Nordseite, 4000' (Fritsch sen., 
F., Haläcsy, H.); Alpeleck (Richter, H.); unter Krummholz längs des Weges 
von der Bockgrube in den Saugraben (Spreitzenhofer, Z.); Schneeberg (Porten- 
schlag, M.); Krummbachgraben (Brandmayr, Z.); zwischen Buschwerk und 
unter Felsen am Kuhwege im oberen Krummbachgraben (Beck, B.); Thalhof- 
wiese bei Reichenau (Ostermeyer, Z., Petter, R.); Enge bei Reichenau (Oster- 
meyer, H.); am Wege von den Kahlmäuern der Raxalpe ins Reisthal (Spreitzen- 
hofer, Z.); Abhang des Jacobskogels der Raxalpe (Rechinger, R.); sumpfige 
Waldstellen in der unteren Griesleiten (Beck, B.); Breitenstein am Semmering 
(Richter, H.j; in silv. umbr. subalp. mt. Semmering (Braun, Z.); in Wäldern 
dei' subalpinen Region des Sonnwendstein (Beck, B.). 

Steiermark. Semmeringkogl (Beck, B.); Schneealpe, gemein (Sonklar, 
U.); Niederalpe bei Mürzsteg (Haläcsy, H.); hohe Veitsch bei Krieglach, Thon- 
schiefer, 4000' (Pittoni, M.); in Wäldern des Mariazeller Bezirkes (Hölzl, Z.); 
Bürgeralpe bei Aflenz (Richter, H.); Reichenstein bei Vordernberg (Breidler, 
U.); bei Trieben in der Sunk (Heimerl, H.). Turracher See (Krenb erger, 
H.). Schock el bei Graz, 4000' (Obergmeiner, K.). Wiese am Medvejak bei 
Riez (Kocbek, U.). 

Kärnten. Pasterze (Hoppe, M.). Haidenhöhe bei der Fladnitzalpe (Kren- 
berger, H.). Bärenthal bei Klagenfurt (Krenberger, H.). Villacher Alpe 
(Krenb erger, H.). Kanal thal (Ressmann, H.). Rankwiese bei Malborgeth 
(Ressmann, R.). Vellacher Kotschna (Krenberger, H.). 

Krain. Steiner Alpen (Mayr, K.); Kreutzer Alpe bei Stein (Rastern, 
K.), Cfna pfst, ca. 1500m (Rech Inger, U.). Nanos, 4000' (Tommasini, Z., 
Stapf, U.). Krainer Schneeberg (Kerner, K., Heufler, Z.). 



Iloitnipo zur Kldra tlor l'.:ilk:iiili:ill.iii^cl 



127 



Istrien. Monte Majj:ij:ioro, Biichonwaldimgoii, JUJOO— -1200 auch auf 
Wiesen in Menge (Beek, B., Loebisch, K., Smith, K., Freyn, K., Toninia- 
sini, Z.)- 

Croatien. Vinodool, im Walde nördlich von Cernikal (Lorenz, U.). 

Bosnien. In silvis (Fagus silvatica) subalpinis mt. Osjeöeuica prope 
Potrovac, solo calcar., ca. 1500?«, rare (Beck, B.); in pratis subalpinis mt. Siisa- 
Planiua prope Kljue, solo schistoso (Beck, B.); in pratis .subalpinis mt. Lisina 
ju'ope Yarcar Vakuf, ca. 1400?», solo scliistoso (Beck, B.); in alpinis mt. Vlasiö 
l)rope Travnik, ca. 1600??«, solo calcar. (Beck, B., Franjic, B.); in subalpinis 
mt. Klekovaca, ca. 1700 ??i, solo calcar. (Beck, B.); Grada und Matorac, Abhänge, 
häufig, auf Schiefer (Schwarz, B.); Gluboki potok prope Fojnica (Schwarz, B.); 
Ozren-Planina nächst Sarajevo (Fiala, B.); ad silvarum margines prope Vuöia 
Luka, prox. Sarajevo (Beck, B.); Trebovic (Beck, B.); Bjela voda auf der Bje- 
lasnica (Beck, B.); Abhänge des Maglic (Beck, B.). 

Serbien. Stara Planina bei Pirot (Petrovic, H., Ad am o vi c, U.). 

Ungarn. Lichte Waldstellen der Karpathen (Scherffel, M., Laube, Z.); 
Babiagora (Kolbenheyer, Z.); in nemoribus ad Teplitz (Scherffel, Z.); sil- 
vatica in monte Strassow, Com. Trencsin (Kochel, K.). Schlagendorfer Spitze, 
auf Granit (B.). Porphyrschluchten des Bohodei im Bihariagebirge (Kerner, K.). 

Siebenbürgen. In alpibus, Avrischel bei Freck (Fuss, K.). In summis 
alpibus, Arpascher Alpen, Podritschel (Fuss, K., eine kleinere, von Fuss für B. 
aconitifolius L. gehaltene Form). In monte „Schuler" prope Coronam (Römer, 
H.). In rupestribus humidis in monte Aupäs (Schur, M,). 

Rumänien. (Brandza, M.) 

Banunculus platanifolius L. ist sonach viel weiter verbreitet als Ranun- 
culus aconitifolius L. Es wächst ausserhalb des Alpenzuges in Scandinavien, 
Belgien, Mittelfrankreich (Puy de Dome), im Schweizer Jura, im Haardt, in den 
Pyrenäen, in Corsica, in den Apenninen, im Gebiete der Sudeten und Karpathen, 
auf den bosnischen Alpen und auf dem Balkan. Im Alpenzuge selbst geht er weiter 
nach Osten und besonders Südosten, so dass er in Krain, Istrien und Croatien, 
sowie im Schneeberggebiete Niederösterreichs ausschliesslich wächst. Aus Spanien 
;sah ich kein Material; jedoch kann man wohl annehmen, dass — wenigstens in 
'den Pyrenäen — beide Arten vorkommen, da ich vom Nordabhang der Pyrenäen 
beide gesehen habe.^) Auf den bosnischen Alpen ist Banunculus platanifolius L. 
sehr häufig, während Banunculus aconitifolius L. bisher nur auf der Vranica- 
Planina gefunden wurde (ein sehr interessanter, isolirter Standort!).^) Wir sehen 
also, dass das Verbreitungsgebiet des Banunculus aconitifolius L. dem viel 
grösseren Verbreitungsgebiete des Banunculus platanifolius L. eingeschrieben 



1) Freyn gibt in Willkomm et Lange, Prodr. fl. Hisp., III, p. 915, auch beide für 
Spanien an. 

^) Alle von Beck (Flora von Südbosnien, II, S. 67, VI, S. 338) für Ranunmlus aconitifolius L. 
angegebenen Standorte gehören — wie das mir von dem Genannten in liebenswürdigster Weise zur 
Verfügung gestellte Material beweist — zu Banunculus platanifolius L. Erst im Jahre 1892 war 
Beck so glücklich, auf der Vranica-Planina den echten Rammculus aconitifolius L. aufzufinden. 



128 



Carl Pritseh. 



ist. Auf Grund dieser Thatsache und mit Berücksichtigung des weiteren Um- 
standes, dass die weiter gehende Blatttheilung bei Manunculus aconüifoUus L. 
eine progressive^) Bildung ist, sind wir wohl berechtigt, Ranunculus pla- 
tanifolius L. als die phylogenetisch ältere Form zu betrachten, aus 
der sich in einem Theile ihres Verbreitungsgebietes später die andere, heute als 
selbstständige Art auftretende Form herausgebildet hat. 

Es könnte noch die Frage aufgeworfen werden, ob Linne unter Ramm- 
culus aconitifoUus und platanifolius wirklich dieselben zwei Arten gemeint hat, 
welche wir heute so bezeichnen. Es ist die Beantwortung dieser Frage nament- 
lich deshalb wichtig, weil manche Autoren, wie z.B. Eeichenbach, die beiden 
Namen gerade in umgekehrtem Sinne auffassen.^) In Linne 's „Species plan- 
tarum" kommt (ed. 1, p. 551, ed. 2, p. 776) nur Ranunculus aconitifoUus mit 
zwei nicht benannten Varietäten [ß und y) vor, von denen die var. y als gefüllt 
blühende Bildungsabweichung nicht weiter von Belang ist. Erst in der „Mantissa" 
(I, p. 79) wird Ranunculus platanifolius aufgestellt. Die von Linne gegebene 
Diagnose Ranunculus foliis palmatis laevihus incisis, caule erecto, bracteis 
linearihus'"'' allein weist schon deutlich auf unseren Ranunculus platanifolius 
hin; die Bemerkung non composita, verum palmata, minus crassa, magis 

incisa; flores majores'''' schliesst jeden Zweifel aus. Auch das Citat aus Bauhin^) 
und die citirte Abbildung Lobel's^) beziehen sich zweifellos auf diese Art. 
Endlich die Standortsangabe „m Germaniae et Italiae alpinis^ ist gleichfalls 
wichtig, weil in Italien wirklich nur Ranunculus platanifolius wächst. Im 
„Systema naturae" (ed. 12, Tom. II, p. 379) ist zwar die Abbildung der „Flora 
Danica" ^) fälschlich zu Ranunculus aconitifoUus citirt; in der 13. Ausgabe ist 
aber dieser Fehler (p. 429) verbessert. Es kann also auch bezüglich der Nomen- 
clatur der beiden Arten kein Zweifel entstehen. 

Dalla Torre hat in neuerer Zeit^) einen Ranunculus Pacheri aufgestellt, 
welcher sich von Ranunculus aconitifoUus L. durch kleinere Blüthen, oben be- 
haarte Stengel und filzige Fruchtknoten unterscheiden soll. Nach freundlicher 
Mittheilung Dalla Torre 's basirt sich diese Diagnose nicht auf eingesehene 
Exemplare, sondern lediglich auf eine Notiz von Bacher im Jahrbuch des 
kärntnerischen Landesmuseums. Diese Notiz lautet: „Ranunculus aconitifoUus L. 



^) Ueber progressive und regressive Formen vergleiche man n. A. meinen Aufsatz: 
„Zur Phylogenie der Gattung Salix'-' in diesen „Verliandlungen", Band XXXVIIl, Sitzungsbericlite, 
S. 55 (1888). 

2) Auf Taf. VII der EanunciUaceae in Reichenbacli's „Icones flor. germ. et helv." sind 
beide Arten selir gut abgebildet und auch richtig bezeichnet; im Texte aber (III, p. 10) sind sie 
verwechselt ! 

') In Bauhin 's „Pinax", p. 182, steht bei IIX. in Folge eines Druckfehlers „flore majore", 
statt „flore minore". 

«) In Lobel's „Icones", p. 668, findet man beide Arten neben einander ganz leidlich abge- 
bildet und richtig unterschieden. 

5) Flora Danica, Tab. III. 

•■■) Anleitung zu wissenschaftlichen Beobachtungen auf Alpenreisen (Wien, Alpenverein, 1882), 
Band II, S. 167. 



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129 



et ;■>'. plat(wifolh(S. Die letztere Form ist iiiicii KeirhonbiK^h's Besch reibung 
die bei uns häufigere; die erstere Form ist in ihren Wurzelblättern ausgezeichnet 
eisenhutblätterig • und kommt aucli feinhaarig mit ])edeutend kleineren 
Blüthen vor, so dass der obere Theil der Blütheustielchen sehr dicht feinhaarig, 
die Samenträger filzig werden. In der Malnitz gegen den Nassfelder Tauern 
zu fand ich diese Form." — Unter den „Samenträgern" meint Fächer offenbar 
die Receptakeln (welche bei beiden Arten behaart sind); Dalla Torre schreibt 
aber: „Fruchtknoten filzig", was offenbar unrichtig ist. Ranunculus Facheri 
Dalla Torre ist gewiss nichts anderes als Banimculvs aconitifolius L., dessen 
Merkmale aber weder Fächer noch Da IIa Torre klar waren; denn beide Autoren 
stellen sich als Typus des Ranunculus aconitifolius L. offenbar eine Pflanze mit 
kahlen Blüthenstielen vor, die nur zu Ranunculus platanifolius L. gehören kann. 

36. Hanunculifft Serbieus Visiaiii [Cat. sem. liort. bot. Patav. Suppl. 
1858, nomen nudum], Plantarum Serbicarum Pemptas (in Memorie deir istituto 
Veneto di scienze etc., IX), p. 6 (Sep.-Abdr.), Tab. II (1860). 

Serbien. Djep, Mitte Mai blühend ; Togacew (Ilic)- In spongiosis montium 
Serbiae australis (Pancic in hb. Kern.). In paludibus montanis prope Nisch 
(Petrovic in Schultz, Herb. norm., nov.ser., 1904, H.). Vranja, Juli (Adamovic). 

Griechenland. In mt. Oeta Phthiotidis, in pascuis subalpinis, 5500—6300' 
(Heldreich, Iter per Graec. sept., 1879, hb. K., H., Z.). 

Der Standort am Oeta ist bereits von Boissier (Fl. Orient., Suppl., p. 13) 
angegeben, aber mit der Bemerkung „non vidi". Die Pflanze vom Oeta stimmt 
mit der serbischen genau überein. Ihre Verbreitung in den dazwischen liegenden 
Gegenden der Türkei ist sehr wahrscheinlich. 

37. Ranunculus repens L., Spec. pl., ed. 1, p. 554 (1753). 
Hercegovina. Auf nassen Wiesen bei Mostar (Simonovic). 
Serbien. Leskovatz, Bukova glava (grosse Wiese) (Dörfler). 

38. Ranunculus lanuginosus L,, Spec. pl., ed. 1, p. 554 (1753). 
Serbien. Gornji Milanovac, Mai, eben aufblühend (Adamovic). Auf Berg- 
wiesen bei Vranja, Ende April aufblühend (Nicic). 

39. Ranunculus Steveni Andrzejoivski in Besser, Supplem. III ad 
catal. plant, hört, botan. Gymnas. Volhyn. Cremeneci cult., 1814, p. 19. 

Serbien. Belgrad, Wiesen bei Eipanj, im Mai blühend (Bornmüller). 
Nisch, Vranja (Adamovic). Pirot (Ilic). 

Ueber die Variabilität dieser Art vergl. Freyn in Kerner, Schedae ad fl, 

Iexs. Austro-Hung., Nr. 1720. Die serbischen Exemplare sind durchaus viel zarter 
gebaut und kleinblätteriger als die in der Flora Austro-Hungarica sub Nr. 1720 
aus Siebenbürgen ausgegebenen. 
40. Ranunculus auHcomus L., Spec. pl., ed. 1, p. 551 (1753). 
Südserbien, ohne näheren Standort (Ilic). 
40 a. Ranunculus auricomus L. Tar. ineisifolius Reichenb., 
Icon. fl. germ. et helv., III. Banunculaceae, Tab. XII, Fig. 4599 (1838—39). 
Serbien. Umgebung des Dorfes Wlase (Ilic). 



130 



Carl Fritsch. 



Bulgarien. In fruticetis prope Dragalevce, Mai blühend (Pichl er, 1890). 
Das Exemplar von Wlase hat unterseits ziemlich dicht behaarte Grundblätter. 
40 b. üanunculus auricomus L. var. monanthus Fritsch. 

Syn. : Ranuncuhis auricomus var. alpinus Schur, Enum. plant. Transs., 
p. 23 (1866). 

Planta graciUs, circa 15 cm alta. Folia radialia minima (10—15 mm 
lata), reniformia crenata vel lohata, rarius pedato-partita. Folia caulina duo, 
multipartita ; laciniae integrae, rarius suhcrenatae. Flores solitarii, sat magni, 
aurantiaci. 

Serbia australis. In alpinis ad Vranja, M. flor. (Ädamovic). 

Diese habituell sehr auffallende Form ist zweifellos durch den alpinen 
Standort bedingt. Unter den von Adamovic gesendeten 12 Individuen trägt nur 
eines in der Achsel des unteren Stengelblattes einen einblüthigen Seitenspross, 
ist also zweiblüthig; alle anderen sind einblüthig. Den Namen „alpinus^\ den 
Schur für diese (oder eine sehr ähnliche, gleichfalls alpine) Form angewendet 
hat, habe ich vermieden, weil derselbe Name wiederholt (auch schon vor Schur) 
für alpine Formen anderer Arten gebraucht wurde und daher zu Verwechslungen 
Anlass geben könnte. 

41. JRanimculus velutimis Teiiore, Semina anno 1825 coli., quae 
hortus bot. Neapolitanus . . . offert, p. 12. 

Serbien. Nakriwanj (Ilic). In Wäldern und Weingärten bei Vranja (Nicic). 

42. Rammculus I/ingua L., Spec. pl., ed. 1, p. 549 (1753). 
Serbien. Nisch (Ilic). 

43. Manunculus JFlmmmila L., Spec. pl., ed. 1, p. 548 (1753). 
Serbien. Vlasina-See (Ilic). 

44. Rammculus arvensis L., Spec. pl., ed. 1, p. 555 (1753). 
Hercegovina. Häufig auf Aeckern im unteren Narentathale; Zitomislic, 

26. April, im Aufblühen (Simonovic). 

Serbien. Gornji Milanovac, Mai (Adamovic). 

45. Manunculus sarclous Crantz, Stirp. austr., ed. 1, Fase. II, p. 84 (1763). 
Dalmatien. Cattaro, in lapidosis maritimis, Mai (Bornmüller). 
Serbien. Belgrad, in pratis humidis, Mai blühend (Bornmüller). Vranja, 

auf sandigem Boden, auch an der Eisenbahn, 2. Mai blühend (Nicic). 

46. Manunculus chius De Candolle, Systema natur., I, p. 299 (1818). 
Dalmatien. Zara, Boccagnazzo, 16. April im Beginn der Anthese (Born- 
müller). 

Attica. In locis petrosis umbrosis, in raontis Hymetti faucibus, April 
(Heldreich); ad Ilissum (Heldreich). 

47. Manunculus parviflorus L., Syst. nat., ed. 10, p. 1087 (1759). 
Serbien. Auf Gartenland bei Belgrad, im Mai in Frucht (Panöic, K.). 

48. Manunculus ophioglossifolius Tillars, Histoire des plantes de 
Dauphine, III, p. 731, PI. 49 (1789). 



l^oitrÜRO zur V\or.\ <1.m- i::.IK:inli;in.in .»I ]?)] 



Dalmatien. Oiiiblathal bei Ra^^usa, in (jinbcn der Kboiit', Mai (liorii- 
müUer, U.). In fossis in Zupj)a ])roj)e Cattaro, Mai (richler, K.). 
Serbien. Dorf Moschtanitza bei Vranja, an Bächen (Ilic). 

49. Kanuneiilus fontanus Presl, Deliciao Pragenses, p. G (1822). 
Südserbien. Ostrozub; Vlasina-See, Mai (Ilic). Bukova glava bei Lesko- 

vatz (Dörfler). 

liammcidiis fontanus Presl ist dem Itcmimculus ophiocßossifoUus Vill. 
sehr ähnlich, aber an den nicht warzigen, stark zusammengedrückten und länger 
geschnäbelten Früchten leicht zu erkennen. Ferner sind bei ersterem die Blüthen- 
stiele stets kahl, bei letzterem mehr oder weniger dicht (nur selten sehr spärlich, 
so bei Exemplaren von der Insel Gotland!) angedrückt behaart, wie die oberen 
Theile der Pflanze überhaupt. Ttammculus fontanus Presl ist überhaupt eine 
ganz kahle Pflanze; nur am Rande der Blattscheiden finden sich öfters, wie auch 
bei B. ophioglossifoUus Vill. und Ii. Flammida L., lange Wimpern vor, seltener 
vereinzelte Härchen am Rande der Blattfläche oder an den Blattstielen. Breit- 
blätterige Formen des Ranuncuhis Flammula L. sind an den viel grösseren 
Blüthen, sowie namentlich an den aufgeblasenen, nicht gekielten Früchten leicht 
zu erkennen.^) 

Das Vorkommen des Ranunculus fontanus Presl, der bisher nur aus dem 
südlichsten Italien und Sicilien bekannt war, in Südserbien ist pflanzengeographisch 
sehr interessant. Ich verglich Exemplare aus Calabrien (Hut er, Porta, Rigo, 
It. ital., III, Nr. 219, hb. K.) und Sicilien (Lojacono, Nr. 658, hb. U.; Todaro, 
hb. K. und U.; Strobl, hb. K.). Durchschnittlich haben die serbischen Exem- 
plare etwas schmälere Blätter mit schärferen Sägezähnen, was übrigens bei der 
Variabilität der Blattform aller verwandter Arten nicht einmal die Aufstellung 
einer Varietät rechtfertigen würde. 

50. Ranunculus lateriflorus De Caiidolle, Syst. nat., I, p. 251 (1818). 
Syn.: Ranunculus nodiflorus Pancic, Flora agri Belgradensis, non Linne. 
Serbien. In fossis ad Grocka, Mai (Pancic, K.); in pratis udis sub monte 

Ostrelj, Mai (Pancic, K., als „R. nodiflorus W. K."); in lacustribus supra Gorn- 

Ijane, solo granitico (Pancic, K.); Jajna (Ilic). 
Türkei (Frivaldszky, K.). 
51. Ranunculus aquatilis L., Spec. pl., ed. 1, p. 556 (1753), excl. 
var. — Haläcsy et Braun, Nachträge zur Flora von Niederösterreiqh, S. 148. 
— Beck, Flora von Niederösterreich, S. 415. 
Serbien. Belanovce; Vlasina-See; Vranja (Ilic); in Sümpfen bei Vranja, 
1. Mai, mit Blüthen und nahezu reifen Früchten (Nicic). 
52. Ranunculus paucistamineus Tausch in „Flora", XVII, S. 525 
(1834). 
Serbien. Belgrad, Visnica, Juni (Bornmüller); Medjuluzje— Ripanj, im 
April blühend (Bornmüller); in Bächen beim Dorfe Gabrovatz, Mai (Ilic). 



') Vergleiche über die Unterschiede dieser drei Arten auch Bertoloni, Flora Italica, V, 
p. 497—501. 

17* 



132 



Carl Fritsch. 



— Eine grossblüthige, zweifelhafte Form sammelte Ilic bei Pirot in einem 
Exemplar. 

Den Namen Banunculus trichophyllus Chaix habe ich aus den von Freyn 
im Botanischen Centralblatt, Band VI, Beilage, S. 1, angeführten Gründen 
vermieden. 

Nigella L. 

53. Nigella damascena L., Spec. pl., ed. 1, p. 534 (1753). 
Hercegovina. Im unteren Karst bei Mostar im Gebüsch und in Wein- 
gärten, Ende Mai blühend (Simonovic). 

Serbien. In arvis ad Alexinac, Mai in Frucht (Pancic, K., IT.). 

54. Nigella arvensis L., Spec. pl., ed. 1, p. 534 (1753). 
Südserbien. Pirot, Juni (Adamovic, Ilic); Vlasotince (Dörfler); Vranja 

(Adamovic). 

Helleborus 

55. Helleborus odorus W. K. in Willd., Enum. pl. horti reg. botan. 
Berolinensis, p. 592 (1809). 

Hercegovina. Avtovac Kazanci, April blühend. Ungemein verbreitet in der 
oberen Hercegovina von Nevesinje bis Montenegro (Simonovic). 

Ostbosnien. Dürre Serpentiufelsen nördlich von Zwornik; auf dem Udrc 
bei Drinjaca, auf Kalk, Juli, in Frucht; Spitze des Igrisnik bei Srebrenica an 
steinigen Stellen, 1500 m (Wettstein). 

Serbien. Gornji Milanovac, März blühend (Adamovic); Trnjane (Ilic). 

56. Helleborus atroriibeus W. K., Descr. et icon. pl. rar. Hung., III, 
p. 301, Tab. 271 (1812). 

Hercegovina. In der Nevesinjer Ebene mit Helleborus odorus W. K., 
aber seltener; April blühend (Simonovic). — Einer der südlichsten Standorte 
dieser Art! 

Trollius L. 

57. Trollius em^opaeus L,, Spec. pl., ed. 1, p. 556 (1753). 
Hercegovina. Crvanj, 2000m, Juli blühend (Simonovic). 
Serbien. Stara Planina, Juli blühend (Adamovic). 

Aqiiilegia L. 

58. Aquilegia dinarica Beck, Flora von Südbosnien, VI, S. (99) 341, 
Tab. IX (1891). 

Hercegovina. Am Eande der Schneekessel auf dem Orlen, 1900 m 
(Adamovic). 

Die Pflanze stimmt vollkommen mit der Beschreibung und Abbildung 
Beck 's überein; nur sind die Exemplare vom Orlen durchschnittlich grösser, 
reicher beblättert und ihre Stengel meist dreiblüthig. 



Hoitrapjo zur Kloni (1<m- l?ulk;m)iiill>iiisnl . 



Aeoiiitiini L. 

59. Aconitimi Vtilparki Kclib,, Ueboisicht der G.ittiing Aconitum, 
S. 70 (1819). 

Syii.: Aconitum Lycoctonum aut. plur., Panßiö, Petrovic etc., non Linne. 

Südserbien, ohne nähereu Standort (Ilic); eine sehr hochwüchsige Form 
mit reichlich verästelten! Blüthenstand. 

Mit Recht hat Reicheubach ^) den Namen Aconitum Lycoctonum L. auf 
das nordische Aconitum septentrionale Kölle angewendet.^) Die in Mitteleuropa 
verbreitetste gelbblühende Aconitum- Art wurde von Reichenbach zwar iu 
ziemlich zahlreiche, ganz unhaltbare Arten gespalten^) (ebenso wie Aconitum 
Napellus L.), aber es empfiehlt sich doch, einen dieser Reicheubach'schen 
Namen für den Typus dieser verbreiteten Art anzuwenden. Hiezu eignet sich am 
besten der Name Aconitum Vulparia, der durch die Citate: „Syn. A. Lycoc- 
tonum Jacq. etc." und die Standortsangaben: ^Hah. in suhalp. Austritte etc."*) 
vollkommen sichergestellt ist und auch dem Arttypus am besten entspricht. Mit 
Recht haben daher neuere Autoren, wie z. B. Simonkai, ^) Beck*') u. A., diesen 
Namen angewendet. 

60. Aconitum ranunculifolium Rchb., Icon. fl. Germ, et Helv., IV, 
p. 22, Tab. LXXXI (1840). 

Syn.: Aconitum stenotomum Borbäs in Termeszetrajzi Füzetek, XVI, 1, 
p. 44 (1893). 

Serbien. Im Bergwalde bei Pirot (Nicic). 

Dieses von Nicic bei Pirot gesammelte Aconitum wurde von Borbas 
a. a. 0. als neue Art beschrieben. Von Aconitum ranunculifolium Rchb. soll sich 
dieselbe y,foliorum partibus non adeo crebre dissectis, galea haud cu/rvata etc." 
unterscheiden. Nun hat aber Reichenbach eine Form mit besonders fein ge- 
theilten Blättern abgebildet, während an dem Original-Standorte Reichenbach 's 
(Schiern in Tirol) neben der ganz seiner Abbildung entsprechenden Form auch 
Exemplare mit bedeutend breiteren Blattzipfeln vorkommen (leg. Val de Lievre, 
hb. U.), welche in der Blattform vollkommen der Piroter Pflanze entsprechen. 
Die Krümmung des Helmes ist von Reichenbach entschieden übertrieben dar- 
gestellt, übrigens, wie die Beobachtung lebender ^com^i^w -Arten lehrt, ein ganz 
unwesentliches Merkmal. Die Bracteen sind bei dem mir vorliegenden Piroter 
Exemplar (mit Ausnahme der untersten) viel kürzer als die Blüthenstiele. 

Aconitum ranunculifolium Rchb. unterscheidet sich von Aconitum Vul- 
paria Rchb. nicht nur durch die tiefer getheilten Blätter, sondern auch durch 



') Reichenbach, lUustratio specierum Aconiti generis, Tab. LH. 

*) Mit Rücksicht auf die Linne 'sehen Angaben wäre es eigentlich noch richtiger, den Namen 
Aconitum Lycoctonum als CoUectivnamen ganz fallen zu lassen. 

^) Vergl. Reichenbach 's „Uebersicht" \ind „lUustratio". 
*) Reichenbach, Uebersicht, S. 70. 
ä) Simonkai, Enumeratio florae Transs., p. 61. 
«) Beck, Flora von Niederösterreich, S. 402. 



134 



Carl Fritscli. 



die Inflorescenz, welche sehr diehtblüthig und gar nicht oder nur sehr wenig 
verzweigt ist, während sie bei typischem Aconitum Vulparia Echb. stark ver- 
zweigt und lockerblüthig ist. Die Behaarung ist durchschnittlich bei Aconitum 
ranunculifolium Rchb. eine dichtere, namentlich die des Stengels und der Blätter; 
jedoch verhalten sich in dieser Beziehung beide Arten nicht immer gleich. Die 
Carpelle sind bei beiden Arten in der Regel kahl ; es gibt aber von beiden behaart- 
früchtige Formen, die kaum den Werth eigener Arten haben dürften. 

In den mir vorliegenden Herbarien finde ich Aconitum ranunculifolium 
Echb. von folgenden Standorten: 

Spanien. Nur im Gebiete der Sierra Nevada, hier aber offenbar häufig: 
Carbario (Jimenes, comm. Winkler, hb. K.); loc. irrigatis pinguibus ad fl. 
Jenil ad pedem mt. Alcazaba, 2000— 2300 m (Huter, Porta, Eigo, Iter hispan., 
1879, Nr. 6, als A. pyrenaicum L.,^) hb. M.); in humidis 5000—9000' (Boissier 
als A. Lycoctonum L., hb. M.); in pascuis humidis in valle Monachill, solo schis- 
toso, 2300— 2500 m (Porta et Eigo, Iter hispan., 1891, Nr. 469, als A. pyre- 
naicum L., hb. H.); Sierra Nevada (Willkomm, Nr. 245, als A. Lycoctonum L.). 

Schweiz. Wallis, St. Bernhard, 2400 m (Deseglise, hb. K.). 

Tirol. Sulden, 1850 m (Eysn, hb. Eysn); Oetzthal, oberhalb Fend gegen 
Eofen zwischen Felsblöcken, Südabhang, 6000', auf Schiefer (Kerner, hb. K.); 
Mendel bei Kaltem, in Wäldern (Morandel, hb. M.); Sumada im Fassathal, auf 
Kalk (Pacher,^) hb. M.); Schiern, im schattigen Gebüsch zwischen Felsen, 
5—6000', auf Kalk (Val de Liövre, hb. U.; Sonklar, hb. U.); Grödnerthal, 
bei der Fischiburg (Brandmayer, hb. Z.); Klein— Fannes -Alpe bei St. Vigil, ca. 
7500' (Sonklar, hb. K.). 

Venetien. Mt. Baldo, in valle dei Ossi, 5—6000', solo calcareo (Eigo, 
hb. K.); in pascuis subalpinis mt. Baldi, solo calcareo, 1600— 2000m (Eigo, 
hb. H.).^) 

Krain. Traunik-Berg am Mangart bei Weissenfeis (Frey er, hb. Lai- 
bach);'*) Kerma-Alpe (Frey er, hb. Laibach); Ovzerije in der Wochein (Frey er, 
hb. Laibach); Crna pfst, 1600m (Eechinger, IT.). 

Siebenbürgen. Tordaer Alpen, Waldlichtungen der Skerisoara, 1000 m, 
auf Jurakalk (Freyn, hb. Freyn). 

Serbien. Bergwald bei Pirot (Nicic, hb. ü.); Stara Planina bei Pirot 
(Petrovic als A. Lycoctonum L., hb. H.); Balkan (Jovanovic, hb. M.). 

Bulgarien. In lapidosis alp. sub cacumine mt. Vitosa (Velenovsky als 
A. Vulparia Echb., hb. H.). 



') Dieses Exemplar nähert sich durch die starke Behaarung der Blumenkrone dem Aconitum 
maiiolüanum Ten. Ueberhaupt variirt die Pflanze der Sierra Nevada so sehr, dass einzelne Exem- 
plare der genannten italienischen Art, andere dem Aconitum pjjrenaicum L. sehr nahe stehen; die 
Mehrzahl entspricht aber ganz dem Typus des Aconitum ranunculifolium Echh. 

2) Diese von Fächer gesammelte Pflanze entspricht in Bezug auf die Inflorescenz und die 
gekrümmten Helme ganz der Abbildung Reichenbach 's; es scheint eine Schattenform zu sein, 

3) Eine extrem schmalzipfelige, sehr auffallende Form! 
*) Herbar des krainerischen Landesmuseums in Laibach. 



ISoitrilR« zur Floiu .I<>r Italkiiiiliii IIhiim I . 



Aconituvi rammculifolium Rchb. ist, also in 8iidoui-ü])a viel verhreitotcr, 
als bisher aiigcnoniineii wurde. Es steht in seinen Merkmalen dem Aconitum 
pyrenaicum L. ^) näher als dem Aconitum Vulj)aria Kehb. ; trotzdem ist es mit 
letzterem augenscheinlich durch Mittelformen verbunden. Solche Mittelformeu 
sah ich insbesondere aus den Alpen Krains, wo sie als Hybride gedeutet werden 
könnten ; es kommen aber auch am Nordabfalle der österreichischen Alpen Formen 
des Aconitum Vidparia IJchb. vor, welche sich wenigstens in der Blatttheilung 
von Aconitum ranimculifolium Rclib. kaum mehr unterscheiden lassen.'-^) Aco- 
nitum pyrenaicum L., A. neapolitanum Ten.^) und A. lasianthum {^ohh.Y) sind 
insbesondere durch dicht zottig-filzige Kelche und behaarte Früchte von Aconitum 
rammculifolium Rchb. verschieden; unter einander sind diese drei Arten sehr 
nahe verwandt. Die Früchte des Aconitum ranunculifolium Rchb. sind schon in 
der Jugend in der Regel ganz kahl.^) 

61. Aconitum Anthora L., Spec. pl., ed. 1, p. 532 (1753), 
Serbien. Stara Planina (Ilic). 

Delpliiiüum L. 

62. Delphinium halteratum Sibth, et Sm., Florae Graecae Pro- 
dromus, I, p. 371 (1806). 

Serbien. Vranja, in vinetis (Bornmüller, U.). 

Macedonien. Inter Katharin et Malathria, 27. VII. flor. (S inten is et 
Bornmüller, Iter turc, 1891, T^^r^ 1151), det. Haläesy. 

Thessalien. In mt. Ossa, 3000', pr. Spilaca, ad vineta (Held reich, Iter 
Thessalum, 72, hb. U.). 

63. Delphiniuiu peregrinum L., Spec. pl., ed. 1, p. 531 (1753).^) 
Montenegro. In saxosis ad Boljevici (Pancic, K.). 

64. DeljMniiim Ajacis L., Spec. pl, ed. 1, p. 531 (1753). 
Hercegovina. Auf Getreidefeldern um Bileca (Adamovic). 

1) Linne beschrieb eigentlich unter dem Namen Aconitum pyrenaicum eine sibirische Pflanze, 
welche entweder in den Formenkreis des Aconitum harhatum Patr. oder zu Aconitum pallidum Rchb. 
gehört (vergl. De Candolle, Systema, I, p. 368; Ledebour, Flora Rossica, I, p. 67). Da aber 
Linne mit dieser in seinem .,Hortus Upsaliensis" (p. 152) beschriebenen Pflanze unser heutiges 
Aconitum pyrenaicum confundirt (wie aus dem Citate „Raj. europ. 367" hervorgeht) und als Vater- 
land neben Sibirien auch die Pyrenäen angibt (Spec. pl., ed. 1, p. 532), so sind wir wohl berechtigt, 
den Namen Aconitum pyrenaicum L. (p. p. oder excl. plantam Sibiricam) anzuwenden. 

-) Ji&s Aconitum ranunculifolium Beck 's aus Niederösterreich (Flora von Niederösterreich, 
S. 403) dürfte eine derartige Annäherungsform sein, schwerlich aber typisches Aconitum ranuncicli- 
folium Rchb. 

') Aconitum neapolitamim Tenore (Sylloge, p. 262) kenne ich durch zwei von Groves (hb. 
Freyn) und Orsini (hb. M.) in den Abruzzen gesammelte Exemplare. Tenore 's Beschreibung ist 
unzureichend. 

*) Vergl. Simonkai, Enumeratio florae Transs., p. 61. 

5) Behaart sah ich die Früchte nur bei Exemplaren vom St. Bernhard und vom Monte Baldo. 
'■) Die falsche Angabe „capsulis solitariis''' hat Linne in der zweiten Ausgabe der „Species 
plantarum" (p. 749) verbessert. 



136 



Carl Fritscli. Beiträge zur Flora der Balkanhalbinsel. 



65. Del2)hinium Orientale Gay in Des Mo u lins, Catal. rais. d. pl. 
d. 1. Dord., p. 12 (1840), sec. Boiss., Fl. Orient, I, p. 79. 

Serbien. In arvis ad Zarkovo, Juni (Pancic, K.); in arvis ad Alexinac, 
Juni (Pancic, K.); Nisch (Ilic). 

66. Uelphiniuni Cotisolida L., Spec. pl., ed. 1, p. 530 (1753). 
Serbien. Medja (Ilic); Pirot, August (Adamovic, Ilic); in cultis ad 

Vranja, Juli (Adamovic); Leskovatz (Ilic), 



Paeonia L. 

67. Paeonia corallina Ketzins, Observ. botan., Fase. III, p. 34 (1783). 
Dalmatien. Ragusa (Adamovic). 

Serbien. In pratis silvestribus ad Brdjane, August in Fruchtreife (Pan- 
cic, hb. K.). 

Actaea L. 

68. Actaea nigra L., Spec. pl., ed. 1, p. 504 (1753), pro var. A. spicatae. 
Hercegovina. Hochgebirgswald in Cemerno, an Quellen, Juli blühend 

(Simonovic). 

Südserbien. Nisch (Ilic). 

Der allgemein übliche Name Actaea spicata L. ist ein Collectivname, der 
ausser unserer Actaea nigra (L.) auch die amerikanische Actaea alba (L. als 
var. ß.) umfasst, und ist daher ebenso wie die Namen Ophrys insectifera,^) 
Adonis annua,^) Crocus sativus^) u. a. m. zu verwerfen. Nur dann ist meiner 
Ansicht nach ein Linne 'scher Collectivname auf die var. a. zu übertragen, wenn 
diese selbst keinen zweiten Namen von Linne erhalten hat; so z. B. bei Circaea 
lutetiana,^) Thalictrum ßavum,^) Banunculus Thora^) und sehr vielen anderen Arten. 

Eines der von Ilic bei Nisch gesammelten Exemplare hat ganz abnorm 
gestaltete Blattzipfel, deren Lappen abgerundet sind und kurze, aufgesetzte Spitzen 
tragen. Ich habe diese Form nirgends beschrieben gefunden, gebe ihr aber ab- 
sichtlich keinen Varietätnamen, weil ich sie für eine durch irgend welche äussere 
Einflüsse bedingte Hemmungsform halte. Eine annähernd ähnliche Form sah 
ich im Herbar Kerner von Siebenbürgen (leg. Fuss). 



1) Linne, Spec. pl., ed. 1, p. 948. — Kerner, Schedae ad flor. exs. Austr.-Hung., V, p. 84. 

2) Linne, Spec. pl., ed. 1, p. 547. — Vergl. oben, S. 102. 

3) Linne, Spec. pl., ed. 1, p. 36. — Beet, Flora von Niederösterreich, S. 187. 
Linne, Spec. pl., ed. 1, p. 9. 

5) Linne, Spec. pl., ed. 1, p. 546. — Vergl. oben, S. 107. 

Linne, Spec. pl., ed. 1, p. 550. — Die yar. ß. ist bekanntlich Ranunculus Phthora Cr. = 
R. hybridus Biria. 



Beiträge zur Anatomie und Systematik der luiiden. 

Versuch einer natürlichen Gruppirung derselben.^) 

Von 

Dr. phil. Carl Yerhoeff 

in Bonn am Rhein. 

(Mit Tafel V und VI und 6 Figuren im Texte.) 



(Vorgelegt in der Versammlung am 3. Jänner 1894.) 



Die subtropischen und tropischen luliden weichen von den arktischen in 
verschiedenen wichtigen Eigenthümlichkeiten, so vor Allem im Bau der Copu- 
lationsorgane, erheblich ab. Ich betrachte sie daher als eine eigene Familie, 
für welche ich den Namen Spirobolidae vorschlug. ^) 

Jene Tropenbewohner gehören zu den Gattungen Spiroholus, Spirostrep- 
tus, Paraiulus, Älloporus, Stemmiiulus (?), Glyphiiulus u. a. 

Von den arktischen luliden unterschied man bisher nur die Gattungen 
lulus, Blaniulus und Isohates. 

Meine Einsicht in die alte Gattung lulus musste sich in dem Masse ver- 
tiefen, als ich den Körperbau dieser Thiere untersuchte, vor Allem der Männchen. 
Auch eröffnete mir die Entdeckung des Schaltstadiums neue Gesichtspunkte. 

Gerade diese bewirken, dass wir heute von einer „luliden-Monographie", 
zu welcher F. Karsch^) bereits vor 12 Jahren einen „Prodromus" schrieb, fast 
weiter entfernt sind als damals. Wie gesagt, muss sich diese Aufgabe heutzutage 
überhaupt in zweie zerlegen. 

Da die Copulationsorgane und andere Theile der tropischen „luliden", 
respective Spiroboliden zur Zeit noch nicht ausreichend studirt worden sind, 
wage ich es auch nicht, jetzt schon eine Uebersicht über die wichtigsten Unter- 
schiede beider genannten Familien zu geben. 



1) Eine vorläufige Mittheilung über dieses Thema findet man im „Zoologischen Anzeiger" von 
1893, Nr. 436. Dort wurden übrigens einige Verhältnisse anders angedeutet, als sie hier ausgeführt 
sind, denn ich konnte meine Untersuchungen inzwischen noch verbessern. 
Zeitschrift für die ges. Naturwissensch., 1881. 
Z. B. Ges. B. XLIV. Abb. 18 



138 



Carl Verhoeff. 



In vorliegender Arbeit beschäftige ich mich ausschliesslich mit den arkti- 
schen, eigentlichen luliden und vor Allem mit der alten Gattung lulus. Iso- 
hates und Blaniuhis sind arm an Formen, desto reicher ist die Gattung lulus. 

Versuche, in dieser Gattung eine Zerlegung in Untergattungen vorzunehmen, 
wurden bereits mehrere gemacht. So gründete Brandt für den lulus foetidus 
C. Koch die Untergattung Unciger, zog aber nur die ventrale Analplatte in Betracht. 

Eine Gruppirung der ganzen Gattung lulus versuchte Latzel in seinem 
Werke „Die Myriopoden der österreichisch-ungarischen Monarchie", Buch II, 
S. 67 und 260 etc., Wien, 1882. Seine Uebersicht auf S. 67 lautet: 

„1. a. Augen aus zahlreichen, deutlich unterscheidbaren, in 5—9 Querreihen jeder- 
seits zusammengedrängten Ocellen gebildet. Ommatoiulus Latzel. 
ß. Die Augen sind undeutlich oder bestehen aus nur sehr wenigen Ocellen 

oder fehlen vollständig 2 

2. «. Die Ocellen sind zusammengeflossen, sehr undeutlich, das geglättete Augen- 
feld ist schwarz. Ällaiulus C. Koch. 
ß. Jederseits am Kopfe stehen eine oder zwei deutliche Ocellen (Columbien, 
Portorico). Stemmiiulus Gervais (?). 
/. Die Ocellen fehlen vollständig, Augenfeld hell. Typhloiulus Latzel." 

In früheren Arbeiten habe ich zwei Arten beschrieben, welche vollständig 
in der Mitte stehen zwischen Ommatoiulus und Ällaiulus, das ist lulus frisius 
Verh. und lulus nitidus Verh. Mussten mir schon durch die Aufstellung der 
Ocellen als oberstes Eintheilungsprincip Bedenken entstehen, so war auch an und 
für sich die Verwendung nur eines einzigen Merkmales zur Gruppirung dieser 
formenreichen „Gattung" verv/erflich. 

Thatsächlich sind Latzel 's Untergattungen Ommatoiulus und Ällaiulus 
ganz unnatürlich, denn es werden unter Ommatoiulus Formen vereinigt, welche 
im Bau der Copulatiousorgane höchst different sind, während andererseits ein 
Theil derselben sich in dieser Beziehung eng an die meisten Ällaiulus anschliesst. 
Ällaiulus selbst aber enthält noch den lulus nanus Latzel, von welchem der Autor 
ausdrücklich sagt, dass er kein Flagellum besitze, während ein solches den übrigen 
Ällaiulus zukommt. 

In einer natürlichen Gruppirung darf aber überhaupt nicht ein einzelnes 
Merkmal verwendet werden, sondern mehrere, womöglich viele. 

Vor Allem muss dasjenige Organ in erster Linie verwendet werden, welches 
sich durch Complication seines Baues auszeichnet, oder ein solches, welches von 
der einen Artgruppe zur anderen recht diflferirt, und das umso mehr, je weniger 
Uebergänge zwischen den verschiedenen Ausprägungen noch vorkommen. Dass die 
Copulntionsorgane der luliden in deren Morphologie das complicirteste und darum 
am besten zu verwendende Organsystem sind, ist lange bekannt, aber noch immer 
zu wenig gewürdigt. 

Jedenfalls war es viel glücklicher, wenn Berlese die alte Gattung luJus 
auf Grund der Copulationsorgane in die beiden Untergattungen Diploiulus und 
Fachyiulus eintheilte. Latzel hat aber, statt diesem Vorgehen vollkommen zu 



Hoifnipc /.ni Aiiiit.Miiic mid SysIciiKil il< .In lulKlm 



folgen, diese [Inter«?;it1imgeii Herlese s seiner Uiiicrg-nl tiiiig (hmnaioirUns Mih- 
suinniirt. während es selion besser gewesen wäre, wenn er der I)n(erg;it<iing 
JHploiuhfS lierlese s AllaiuluK nnd Tiiphloinhiii subordinirt hätte. 

Die Trennung der Copulationshiälter aber in Proandrium du])h'x luid l*]j)i- 
andriiim, welche Berlese vornahm, hat Latzel mit Kecht (1. c, 8. 277 nnd 278) 
dadurch zurückgewiesen, dass er sagt: „Das Proandrium duplex besteht nach 
Berlese aus dem vorderen und mittleren Klammerblatte, welch' letzteres j(!doch 
mit dem hinteren Klammerblatte fest verbunden ist und mit dem vorderen nur 
lose zusammenhängt, also zu jenem und nicht zu diesem gehört". 

Ich nehme an, dass Latzel hierdurch auf den genetischen Zusammen- 
hang des Mittel- und Hinterblattes hinweisen wollte. Was die reine Festigkeit 
der Verknüpfung von Mittel- und Hinterblatt einerseits und Mittel- und Vorder- 
blatt andererseits anbelangt, so muss ich bemerken, dass mir bei lulus m. kein 
nennenswerther Unterschied aufgefallen ist. Das Mittelblatt ist auch, an das 
Vorderblatt angeheftet. 

Latzel bemerkt ferner auf S. 277, dass „einige das nicht besitzen, was 
Berlese ein Proandrium duplex nennt". Er gibt aber gar nicht an, welche 
Arten er mit dieser Ausnahmestellung im Sinne gehabt hat, auf solche hätte doch 
besonders hingewiesen werden müssen. Das Verdienst Berlese "s bestand jeden- 
falls darin, dass er erkannte, dass das Vorhandensein oder Fehlen eines Flagellum 
für unsere lulus als oberstes Eintheilungsprincip zu verwenden sei. Auf diesem 
Wege ist er jedoch nicht weiter gelangt, insbesondere hat er sich die Frage nach 
der Phylogenie und den Aequivalenten des Flagellums bei den Formen, welche 
desselben entbehren, nicht vorgelegt. Latzel hat meines Wissens nur an einer 
Stelle, nämlich bei lulus sabulosus L. sich nach dieser Eichtung geäussert, in- 
dem er auf S. 330 von demselben sagt: „Ein Geisseiapparat von gewöhnlicher 
Form ist nicht vorhanden; dagegen scheint ein bewegliches, am Ende stumpf 
zugerundetes und hakig umgebogenes Blatt das Aequivalent desselben zu sein". 
Dies ist jedoch ein Irrthum, denn das so markirte Blatt, welches ich auf der 
beigegebenen Tafel V in Fig. 4 mit h bezeichnete, enthält keinen Spermagang, 
derselbe durchsetzt vielmehr den Arm s. f. Wo sind nun die Arten, welche „das 
nicht besitzen, was Berlese ein Proandrium duplex nennt"? Ich habe alle Arten 
geprüft, welche Latzel unter Biploiulus Berlese aufführt, muss aber Berlese 
bezüglich des Proandrium duplex durchaus Kecht geben, d. h. ich habe bei 
allen dicht hinter dem Vorderblatte ein deutliches Mittelblatt aufgefunden. Dabei 
bin ich jedoch zu der Ueberzeugung gelaugt, dass Latzel mit seinen Ausnahme- 
arten den lulus ligulifer Latzel und terrestris Porat im Sinne gehabt hat. Diese 
beiden Arten (conf. Taf. V, Fig. 3 und 9) besitzen allerdings relativ kleine Mittel- 
blätter (M), aber ein wesentlicher Unterschied von den Mittelblättern der 
übrigen nnter Diploiulus aufgeführten Arten existirt nicht. Latzel scheint mir 
daher mit jener Behauptung Unrecht zu haben. 

Nach diesen Vorbemerkungen möchte ich die Copulationsorgane von lulus 
vergleichend -anatomisch etwas näher betrachten, denn zum Verständniss der 
weiterhin aufgeführten neuen Gruppirung ist dies unumgänglich nothwendig. 

18* 



140 



Carl Verhoeff. 



Die Copulationsorgaiie nehmen im siebeuten Segmente den Kaum ein, den 
an fast jedem anderen Doppelsegmente zwei Paare von Laufbeinen innehaben. 
Da sie auf zwei Paaren von Traeheentaschen^) aufsitzen, wie an anderen Segmenten 
zwei Beinpaare, so liegt es auf der Hand, dass man es auch hier mit zwei Glied- 
massenpaaren zu thun hat, welche sich im Dienste der Begattung allmälig zu 
Copulationsorganen umgebildet haben. Das siebente Segment besitzt auch ausser- 
dem die wesentlichen Eigenschaften eines Doppelsegmentes, die fast ringförmige 
Dorsalplatte mit Wehrdrüsen und zwei Ventralplatten. Letztere sind im Zu- 
sammenhange mit den Copulationsorganen umgemodelt und rudimentär. 

Voges^) bemerkt richtig: „Die Medianlinie theilt den Copulationsapparat 
in zwei seitlich gleiche Hälften, denen gleiche Theilstücke zukommen". Es ist 
dagegen unrichtig, wenn er weiter von den Theilstücken behauptet: „Im Ganzen 
sind es deren sieben, fünf paarige und zwei unpaarige". 

Die Auffassung Voges', welche sich ungefähr mit derjenigen B erlese 's 
zu decken scheint, ist nämlich folgende: 

Zum ersten Gliedmassenpaare und ersten Segment der Copu- 
lationsorgane gehören nach ihm: 

a) die Vord erblätter,^) welche er als „äussere Klammerblätter" der 
„Lamina biceps anterior" aufführt, 

1)) die Mittelblätter, die er „innere Klammerblätter" der „Lamina 
biceps anterior" nennt, 

c) beide Paare von Tracheentaschen! („Stigmentaschen"), 

d) die Flageila („Borsten"). 

(Beide Ventralplatten hat er richtig gedeutet.) 

Zum zweiten Gliedmassenpaare und zweiten Segment rechnet er 
nur die Hinterblätter, „Laminae posteriores". 

Der Name „Borsten" ist durchaus verwerflich, denn als solche pflegt man 
meist kleine, vorwiegend massive, jedenfalls am Ende geschlossene und von einer 
Matrixzelle gebildete Cuticularanhänge zu bezeichnen. Ein solcher Name darf 
aber nicht für ein relativ grosses, jedenfalls sehr auffälliges, von einem deut- 
lichen Canal (dem Spermagang) durchzogenes, mit einem Basalbulbus, in den der 
Canal endigt, versehenes und durch besondere Muskeln bewegtes Organ, wie es 
das Fl agell um ist, verwendet werden. 

Was die Sache aber selbst betrifft, so liegt der von Voges begangene 
Fehler hauptsächlich in der unrichtigen Auffassung des Mittelblattes und der 
hinteren Tracheentaschen. 

Wie können denn beide Paare von Tracheentaschen zum vorderen Seg- 
mente des siebenten Doppelsegmentes gehören? 

1) Dieser von Latzel gebrauchte Ausdruck ist riclitiger als Voges' Bezeichnung „Stigmen- 
taschen". Ich gehrauche ausserdem noch den Ausdruck Stützen. 

2) Beiträge zur Kenntniss der luliden (Zeitschr. für wissensch. Zoologie, 31. Bd., S. 151). 
Zugleich Dissertation, 1878, Göttingen. 

•■<) Ich henütze hier wie in früheren Arbeiten die auch von Latzel gebrauchten Termina: 
Vorder-, Mittel- und Hinterblatt. 



Hoitnlpo 7,\ir Aimdmiio und Systouuitik der liiliilcu. 



141 



In einem typischen Doppeliinf? linden wir (ioeh zu Jedem seiner ))eiden 
Segmente gehörifj: ein Beini>aar und zu jedem Beinj)a:ir gcliörig ein P:iar von 
Stigmentaschen. Hier, wo es sich um einen stark metamorphosirten Ring und 
die Zurückfülirung desselben auf ein typisches Doppelsegment handelt, müssen 
die Traeheentaschen ja gerade die Wegweiser zur Erkenntniss der Theile des 
Copulationsapparates sein ! 

Handelt es sich also auch im siebenten Segmente um zwei Paare von 
Tracheentaschen, so ist es klar, dass das vordere zum vorderen, das hintere zum 
hinteren Ringe gehört. Dasjenige Stück des Copulationsapparates aber, welches 
mit dem vorderen Paare der Tracheentaschen verschmolz, ist eben deshalb 
ein Theil des umgewandelten vorderen Beinpaares und ebenso das mit dem 
hinteren Paare der Tracheentaschen verschmolzene Stück des Copulations- 
apparates ein Theil des umgewandelten hinteren Beinpaares. 

Somit können die Mittelblätter nur zum hinteren Gliedmassen- 
paare gehören (nicht aber zum vorderen), denn sie sitzen auf den hinte- 
ren Tracheentaschen und sind mit denselben verschmolzen. 

Wenn das von Voges nicht erkannt wurde, so ist es kein Mangel an ge- 
nügender Untersuchung (Voges hat die genannte Thatsache selbst beschrieben 
und mehrfach abgebildet!), sondern es ist einfach ein Denkfehler. 

Erkennen wir also, dass die Miitelblätter Umbildungsproducte 
der hinteren Beine, die Vorderblätter aber Umbildungsproducte der 
vorderen Beine sind, so kann die Grenze zwischen beiden Paaren nicht mehr 
strittig sein, denn Vorder- und Mittelblätter liegen dicht hinter einander, häufig 
mittelst eines Gelenkes (Höcker und Pfanne) in einander eingreifend. Es folgt 
weiter, dass die Hinterblätter nicht zum vorderen Gliedmassenpaare 
gehören können, dass vielmehr, wenn sie überhaupt auf einen Theil 
eines solchen zurückführbar sind, dieses nur das hintere Glied- 
massenpaar sein kann. 

Dass die Vorder- und Mittelblätter Umbildungen der Vorder- und Hinter- 
beine sind, ist klar, denn sie hängen mit den entsprechenden Tracheentaschen 
eng zusammen. Für die Hinterblätter gilt das nicht; sie sind mit den Mittel- 
blättern zwar durch Chitinhaut verbunden, aber in einer Knickung abgesetzt. 

Wenn ich gleichwohl die Hinterblätter als Abkömmlinge der 
Mittelblätter ansehe und somit auch auf die hinteren Gliedmassen zurück- 
führe, so geschieht es, weil sie mit den Mittelblättern bei den Pachyiulus- Arten 
der Länge nach verwachsen sind. Da nun die Pachi/iulns (wie sich im Folgenden 
ergeben wird) zu den ältesten jetzt lebenden luliden zählen, so darf diese Ver- 
wachsung von Hinter- und Mittelblättern als ein primäres Verhalten angesehen 
werden und wir müssen vielmehr sagen: Das Paar der Hinte rblätter hat 
sich bei lulus m. allmälig durch Abspaltung von den Mittelblättern 
zu eigenen Organtheilen diff erencirt. 

Die mir bekannten Pachyiulus -Arten, bei welchen Mittel- und Hinter- 
blätter noch nicht von einander abgetrennt sind, führe ich auf: 1. Pachyiulus 



142 



Carl Verhoeff. 



unicolor C. Koch, 2. flavipes C. Koch, 3. cattarensis Latzel, 4. hungaricus Karsch, 
5. fuscipes C. Koch. Diese fünf Formen leben in einem zusammenhängenden 
Areal, das sich über Südungarn, die südöstlichen Alpenländer, ihre südöstlichen 
Nachbargebiete und den Balkan erstreckt. {lulus atticus Karsch dürfte auch 
dahin gehören, ist aber unvollständig beschrieben.) 

Ich muss nun noch erklären, wie Voges zu dem oben geschilderten Fehler 
veranlasst worden sein mtig. Er hat nämlich die an sich sorgfältige Auseinander- 
setzung des Copulationsapparates von lulus nur an lulus londinensis Leach. 
genauer vorgenommen. Im Uebrigen scheint er nur noch drei lulus -Arten ge- 
kannt zu haben, von denen zwei zur Gattung lulus mihi gehören (der lulus 
cornutus n. sp. Voges ist nichts anderes als lulus silvarum Mein.), während die 
dritte allerdings einer der von mir im Folgenden abgetrennten Gattungen ange- 
hört; es ist Tachypoäoiulus alhipes C. Koch (= lulus lividus n. sp. Yoges). Von 
diesem hatte er nur ein vorliegen, was ihn zu der fälschlichen Behauptung 
verleitete: „Borsten habe ich nicht mit Sicherheit nachweisen können, wahr- 
scheinlich aber ist, dass solche vorhanden sind" (S. 163). Thatsächlich aber be- 
sitzt alhipes keine Flagella. Voges hatte sich aber offenbar die feste Vorstel- 
lung gebildet, ohne „Borsten" gehe es bei lulus nicht. Der Tachypoäoiulus 
alhipes, welcher geeignet gewesen wäre, Voges auf eine richtigere Fährte zu 
führen, hat ihn im Gegentheil zu einer unrichtigen Behauptung verleitet. Voges 
kannte also von echten luliden im Grunde nur die Gattung lulus mihi. 

In dieser Gattung wiederum hat er sich fast ausschliesslich mit lulus 
londinensis beschäftigt. Wir erkennen somit, dass es Voges unmöglich sein 
musste, sich auf einen vergleichend-anatomischen Standpunkt zu 
stellen. 

Wenn er Vergleiche mit Spiroboliden zog, so ergibt sich nun von selbst, 
dass solche von vorneherein einen höchst zweifelhaften Werth haben, denn er hat 
den Copulationsapparat von lulus gar nicht zu erklären vermocht. 

Da nun bei lulus londinensis, den er „vorwiegend" betrachtete, das Hinter- 
blatt jederseits aus zwei, ziemlich gut gegeneinander abgesetzten Lappen besteht 
(vergl. auch Fig. 24 in meinem „Beitrag zur mitteleuropäischen Diplopodenfauna". 
1891), so glaubte er diese beiden Lappen, welche mit „Basalstück" und „End- 
stück" bezeichnet wurden [op. und sop. seiner Fig. 19), als Analoga der Vorder- 
und Mittelblätter, also seiner „äusseren" und „inneren Klammerblätter" ansehen 
zu müssen. Thatsächlich sind aber jene Lappen der Hinterblätter nichts als 
Thelle desselben Organes, welche ein einziges zusammenhängendes Stück vorstellen 
und in ihrer Ausbildung bei verschiedenen Arten sehr verschieden auftreten. Vor 
allen Dingen ist hervorzuheben, dass sie gar nicht bei allen Arten vorkommen, 
vielmehr kann das Hinterblatt bald aus einem, bald aus zwei oder auch drei 
Hauptlappen bestehen und es können noch sonstige Differencirungen vorkommen. 
Niemals tritt zwischen diesen Lappen eine so scharfe Trennung ein, wie sie zwischen 
Mittel- und Vorder- und Mittel- und Hinterblatt besteht. 

Das Gesagte dürfte genügen, die Unrichtigkeit der Theorie Voges" klar- 
zustellen. 



Hoitrilgo zur Aiiiitomin und Systomatik iI(m- lulidon. 

Hinsichtlich seiner 'rerminoU)^rie ist, nocli Polg-cnde.s /u erörtern. Auf S. 151, 
1. c, heisst es: „Das vordeix» Klanunerblatt, Laniin:i. biccp.s anterior, l)este}it aus 
einem unpaarigen Stück, der V'entralplatte mit den dazugehörigen St ignicntasclu'n 
und aus drei paarigen Lateralstücken". Auf S. 153: „Das hintere Klammerbhitt, 
Laraina posterior, .... besteht aus dem kahnförmigen uupaaren Medianstück und 
aus zwei Lateralstücken, welche je aus zwei ungleich grossen und ungleich ge- 
stalteten Stücken zusammengesetzt sind". (Diese Sätze enthalten den K(;i-n der 
Theorie Yoges'.) 

Ich frage nun, wie kann mau eine Summe von einem uupaaren und drei 
paarigen Stücken eine Lamina nennen V Das ist doch in hohem Grade un- 
logisch. Ebenso wird im zweiten Falle die Summe von einem unpaaren und zwei 
paarigen Stücken fälschlich Laraina genannt. 

Aber auch in der Sache selbst liegt ein schwerer Fehler, wenn Voges von 
„der Ventralplatte mit den dazugehörigen Stigmentaschen" spricht. Die Tracheen- 
taschen gehören nämlich (und das nach Voges' eigenen Erklärungen und Ab- 
bildungen!) gar nicht zur Ventralplatte, sondern zu den Vorder- und Mittelblättern, 
mit denen sie ja verschmolzen sind. 

Es bleibt uns nun mit dem Flagellum („Borste" bei Voges) der schwie- 
rigste, aber auch phylogenetisch interessanteste Theil der Copulationsorgane übrig. 
Nach dem oben Gesagten ist es selbstredend, dass Voges das Verständniss^) für 
dieses Organ abgegangen ist. Er erklärt dasselbe auf S. 153 kurzweg für einen 
Theil des „vorderen Klammerblattes", ohne eine Spur von Beweis dafür zu 
liefern! Derselbe ist freilich nicht so einfach. 

Das Flagellum ist thatsächlich ein von einem Canal durchzogenes Organ, 
welches an der Basis eine Anschwellung besitzt und am Ende äusserst dünn 
ausläuft. Der Canal, den ich den Spermagang nenne, ^) erweitert sich in der 
Anschwellung blasenartig und mündet am Ende nach aussen (conf. Taf. V, Fig. 1, 
4, 5, 9, 10)^) Dieses Flagellum besitzt jeder echte luliis mihi. 

Bei denjenigen luliden, welchen ein Flagellum fehlt, muss das Homo- 
logen desselben ausfindig gemacht werden. Dass aber ein solches Homologen vor- 
handen sei, darf man schon wegen der grossen habituellen und sculpturellen 
Aehnlichkeit zwischen den eigentlichen lulus mit Flagellum und anderen Formen, 
welche desselben entbehren, annehmen. 

Es ist mir in der That gelungen, solche Homologa aufzufinden und damit 
den Schlüssel für das Verständniss der Copulationsorgane unserer luliden im 
Allgemeinen. 

Untersuchen wir zunächst die Copulationsorgane von lulus sahulosus Jj^) 
In Fig. 6 sieht man ein isolirtes Vorder blatt auf der dazugehörigen Tracheen- 



^) Fr. Stein hat die Flagella ganz richtig ^als Canäle gedeutet', was Voges anscheinend 
skeptisch mittheilt (S. 153). 

2) Eine physiologische Mittheilung hehalte ich mir noch vor. 

3) Ziemlich deutlich ist der Canal auch hei Voges in Fig. 19 und 20 zu sehen. 

4) Eine zwar unrichtige, aber doch interessante Aeusserung Latzel's über das fragliche 
Aeciuivalent des Flagellums theilte ich oben bereits mit. 



144 



Carl Verhoeff. 



tasche s. Diese Tracheentaschen haben übrigens ihre Haiiptfunction darin, dass 
sie Bewegungsmuskeln zum Ansatz dienen und die Vorder- und Mittelblätter 
tragen (Stützen). Desgleichen erkennt man in Fig. 7 ein isolirtes Mittelblatt mit 
seiner Tracheentasche und Stütze s. Die vorderen Stützen sind scharf gegen die 
Vorderblätter abgesetzt. Die hinteren Stützen gehen ohne markirte Grenze in die 
Mittelblätter über, 

Fig. 4 zeigt die Hälfte der Mittel- und Hinterblätter nebst deren bewe- 
gender Muskelmasse auseinandergelegt. Ausser dem seitlich und aussen vor- 
schauenden Mittelblatt Verkennen wir an der Innenseite: 1. einen langen, dünnen 
Fortsatz {s. f.), darunter 2. ein hyalines, dreieckiges und spitz vortretendes Chitin- 
blatt, weiter aussen 3. einen eigenthümlich geformten Theil k, welcher aus einem 
ungefähr dreieckigen Grundtheil, einer halsartigen mittleren Verdünnung und 
einem kopfartigen Ende besteht, welch' letzteres oben noch zahnartig umgebogen ist. 

Bei stärkerer Vergrösserung überzeugt man sich leicht, dass der erste der 
drei genannten Theile des Hinterblattes in seinem Innern von einem Canal durch- 
zogen ist, den man auch leicht bis zum Ende des Astes verfolgen kann, woselbst 
er mündet. Je weiter nach unten wir den Canal verfolgen, desto undeutlicher 
wird er, weil die Dicke des Chitinskelettes zunimmt. Dennoch habe ich ihn 
deutlich eine Strecke weit verfolgen können, wie das in der Figur angegeben ist. 
Im Grunde der unteren Partie des Blattes erkennt man aber, gerade gegenüber 
der Stelle, wo der Canal zu verschwinden scheint, einen dunklen Körper, welcher 
durchschimmert und etwas weiter ab von seinem Rande von einer ihn ungefähr 
kreisförmig umgebenden Contour umgürtet wird. Diese Contour wird gerade dort 
undeutlicher, wo auch der Canal, welcher von oben herabführt, verschwommen 
erschien. Kein Zweifel mehr, wir haben es in diesem Gebilde mit dem Homo- 
logen des Flagellums von lulus m. zu thun. Das Organ hat sich aber erst im 
oberen Theile astartig aus dem Hinterblatte herausgeschnürt und ist auch dort 
noch nicht so dünn geworden, wie es für das typische Flagellum gilt. Ich nenne 
daher jenen vom Spermagang durchzogenen Ast das Semiflagellum {s. f.). 
Betrachten wir das Hinterblatt von der anderen Seite (Fig. 5) und trennen dabei 
gleichzeitig die äussere Partie mit dem Aste k, welche sich mit ihrem Grunde 
zum Theil vor die besonders interessante Region vorlegt, ab, so lässt sich der 
Spermagang noch deutlicher erkennen wie vorher, ebenso die Grundblase, deren 
Contour wir vorher bereits durchschimmern sahen. Nur durch die Chitinkante x 
wird die Ansicht etwas beeinträchtigt. Die dunkle, körnige Masse (Fig. 4, S) 
innerhalb der Contour der Blase B ist die durch Alkohol contrahirte Sperma- 
masse. Die Grundzüge des Flagellums sind also auch hier vorhanden, nur 
nicht als isolirtes Gebilde, sondern eingeschlossen in das Skelett des Hinterblattes. 
Im Aste k ist von einem Spermagang nichts zu sehen, derselbe kann also auch 
kein Homologon des Flagellums vorstellen. 

Dass das Semiflagellum nun wirklich von einem am Ende offenen Canal 
durchzogen wird und nicht etwa eine oberflächliche Rinne vorliegt, lässt sich 
leicht dadurch beweisen, dass man das Organ etwas trocken liegen lässt und dann 
wieder in Alkohol oder Glycerin bringt. Die in den Spermagang eingedrungene 



lUMin'ip> -/MV Aimtomio und Sysloiiiatik dor liilidcii 



Luft iiKirkirt dcMisolbon iilsdimii sehr «,miI. Dasselbe! liahc icli hoi dein ('clilcii 
Fhigvlluni boobacht et . 

Die Blase uud dunkle Spernianiasse scheiui auch Lalzel g^eselien zu liabeii, 
weun er 1. c, S. 330, schreibt: „Man bemerkt in der Mitte des hinteren Klanuner- 
blattcs einen rothbrauuen, last halbkugeligen bis sphärisch-tetraederähnlichen 
Körper von unbekannter Bedeutung." 

Ich habe mich nun sowohl an dieser wie auch an iindeiTU Arten der von 
mir als Falaioiulus abgetrennten Gattung überzeugt, d.iss der „Körper von un- 
bekannter Bedeutung" nichts anderes ist als die durch Alkohol contrahirte 
Spermamasse {S, Fig. 4, 5 u. a.). Diese lagert bei allen Palaioiulus- Arien in 
einer blasenartigen Höhle und gibt daher nach der Contraction in ihrer äusseren 
Figur die Gestalt dieser Blase wieder. Als sehr wichtig muss hervorgehoben werden, 
dass diese blasenartige Höhlung, welche ich als Fovea bezeichne, nach vorne und 
innen mit einer weiten Oeffuung mündet und dass fast am ganzen Umfange 
dieser Mündung ein dicker Wall lagert {R, Taf. V, Fig. 5, 10; Taf. VI, Fig. 14, 
16, 22 und 23), welcher kurz als Randwulst hervorgehoben werden mag. In 
Fig. 5 sieht man in die OelFnung der Blase oder Fovea B hinein und kann von 
aussen die darin lagernde Samenmasse erkennen, nur seitlich etwas verdeckt 
durch die vom Semiflagellum her herablaufende Kante x. Am Rande der Sperma- 
masse kann mau meist bei stärkerer Vergrösserung (250 — 300 fach) deutlich die 
rundlichen Spermatozoen wahrnehmen, besonders da, wo, wie in Fig. 22, der 
Samenballen sich noch etwas in die Mündung der Fovea hinein erstreckt. In den 
Figuren wurden die Spermatozoen nur zum Theile angegeben, da es im Uebrigen 
genügte, die Contoiir der Spermamasse zu markiren. 

Im Gegensatz zu dem kräftigen Randwulst ist die Wand der Fovea recht 
dünn, und man kann sich, wenn man ihren oberen Theil mit dem Randwulst 
abtrennt, überzeugen, dass der Rest eine Halbkugel von zarter, chitiniger und 
geschlossener Wand repräsentirt. Da ich bei mehreren Palaioiulus im Innern 
jenes das Semiflagellum durchziehenden Canales ebenfalls grössere oder geringere 
Mengen von rundlichen Spermatozoen gefunden habe (conf. Fig. 14), so ist es 
klar, dass dieser Gang wirklich von Samenzellen passirt wird, und da er gerade 
in einen langen Ast ausläuft, so liegt es auf der Hand, dass mittelst dieses Canales 
und des Semiflagellum das Sperma in die „Samenbläschen" unter den Vulvenschalen 
der Weibchen übertragen wird. Ich bezeichne den Canal als Spermagang. ^) 
In der Nähe des Randwulstes lässt sich am oberen Saume desselben eine rinnen- 
artige Stelle constatiren (Fig. 5, 14, 16, «). Hier mündet der Spermagang 
in die Fovea. Nach dem Gesagten müssen wir den Spermagang und das Semi- 
flagellum als dem Flagellum und die Fovea als dem Basalbulbus des Flagellums 
homolog erklären. 

Während es mir bisher aber nicht gelungen ist, im Basalbulbus des Fla- 
gellums irgend eine Oeffnung wahrzunehmen, mündet die Fovea mit sehr weitem 
Loche nach aussen. Auch ist der Basalbulbus der Fovea gegenüber als ein 



Mit diesem Namen ist der Morphologie und Physiologie zugleich Genüge gethan. 
Z. B. Ges. B. XLIV. Abh. 19 



146 



Carl Verhoeff. 



winziges Gebilde zu bezeichnen. Letztere ist mit unbewaffnetem Auge gut zu er- 
kennen, selbst ihre Oeffnung nicht ausgenommen. Den Basalbulbus des Flagel- 
lums zu erkennen verursacht schon einige Mühe. Bemerkt werden muss übrigens, 
dass die Palaioiulus durchschnittlich ^/g — ^/2mal grösser sind als die lulus m. 
Von der Fovea aus führen also zwei Wege nach aussen: 

1. eine weite Oeffnung, durch welche der Spermaballen aus dem Penis auf- 
genommen wird, 

2. eine sehr lange und enge, canalartige Ausmündung, durch welche ver- 
mittelst des Semiflagellums die Spermatozoen wahrscheinlich in die Vulven des 
Weibchens gelangen. 

Bei lulus m. kommen Spermaballen meines Wissens nicht vor, wenig- 
stens wüsste ich nicht, wo dieselben lagern sollten. Ich erkläre mir den Unter- 
schied zwischen dem Spermalapparat von Palaioiulus einerseits und lulus (nebst 
anderen Gattungen) andererseits durch die Annahme, dass die Palaioiulus auf 
einmal das ganze Sperma in die Copulationsorgane übertragen, während es bei 
lulus und anderen Gattungen in verschiedenen kleinen Partien ausgestossen 
wird. Wir haben nämlich in einem Falle einen grossen, im anderen einen kleinen 
Raum zur Aufnahme des Sperma. 

Das Mittelblatt von Palaioiulus sabulosus schliesst sich zwar so dicht an 
das Hinterblatt an, dass es in einem besonderen Innen aste (Fig. 7, i) damit 
verschmolzen ist, aber in toto bildet es ein durchaus gut abgesetztes, selbst- 
ständiges Gebilde. Und das gilt für alle bekannten Palaioiulus -kvim, welche 
ich im Folgenden noch näher besprechen werde. 

Vorläufig betrachte man die Figuren von sahulosus und vergleiche sie mit 
denen der übrigen Palaioiulus auf Taf. V und VI. Wie steht es mit dem Aequi- 
valent eines Flagellums bei den schon oben namentlich aufgeführten Pachyiulus- 
Arten? Drei derselben habe ich selbst im männlichen Geschlechte untersuchen 
können, nämlich flavipes, unicolor und fuscipes C. Koch. Von hungaricus Karsch 
kenne ich nur das 9- Da übrigens Latzel, 1. c, S. 341, von den Copulations- 
organen dieser Form sagt, sie seien „denen von lulus fuscipes am ähnlichsten", 
und zu denen des cattarensis Latz, auf S. 344 den unicolor als sehr ähnlich an- 
führt, so besteht für mich kein Zweifel, dass die beiden letzteren Arten ebenfalls 
echte Pachyiulus sind. 

Die Copulationsorgane der Pachyiulus sind in ihren sämmtlichen Blättern 
im Allgemeinen schlanker als bei lulus und Palaioiulus. Wir finden hier 
nichts von einem Flagellum, und auch nach einem gut markirten Semiflagellum 
habe ich vergeblich gesucht. Ebenso wenig lässt sich etwas von einer wulstig 
gerandeten Fovea entdecken. Das Interessanteste aber liegt in dem Mangel 
gut markirter Mittelblätter. Es lassen sich nämlich factisch nur zwei 
Paare von scharf gegen einander abgesetzten Blättern wahrnehmen. 
Gleichwohl sind hier wie immer zwei Paare von gut ausgebildeten Stützen 
oder Tracheentaschen vorhanden. Das hintere Paar derselben trägt die 
hinteren Blätter, welche daher den Hinterblättern von lulus auch nicht homolog 
sein können. Da sich aber an diesen im Ganzen als ein einheitliches Blatt 



IJoitnifjo zur Aimloniic uikI Sv lciiial ili .l. i- liilid. 



147 



orschoiiioiuleii Ilinterbliil (eni (loniiouli stets zwei tloutlicli ab^^-'sctzte L;i|)i»oii er- 
kennen lassen, von (ienen sich nur der vordere nach unten direct in die hintere 
Stütze fortsetzt, der hintere nicht, und da der vordere La])pen conii)iicter gebildet 
ist (wie das für das Mittelblatt von lulus gilt), der hintere zarter und von 
zerfasertem Ende, mit Grannen oder Lappen (wie das am Hinterblatt von 
lulus bemerkt wird), so ist es klar, dass wir es hier mit einem Gebilde zu thun 
haben, welches Mittel- + Hinterblatt von lulus zusammengenommen 
homolog ist. Da hier bei Pachi/iulus aber ferner 1. die Flageila fehlen und 
2. nur zwei Paare gut abgesetzter Blätter vorhanden sind, also ])rimitivere Cha- 
raktere, so nenne ich die Hinterblätter von Pachyiulus primäre oder Ur- 
hinterblätter. 

Die Copulationsorgaue des siebenten Ringes sind ja auf zwei Gliedmassen- 
paare zurückzuführen und daher ist es klar, dass diejenigen Co])ulationsorgane, 
welche wirklich noch aus nur zwei Blätterpaaren (und überhaupt Organtheilen) 
bestehen, die primitivsten sind. 

Die Mittelblätter von lulus haben sich also — das lehrt uns 
Pachyiulus — von den Hinterblättern allmälig so abgespalten, dass 
sie je ein selbstständiges Blattpaar repräsentiren, während sie ur- 
sprünglich zu einem Blattpaare verbunden waren. 

Dementsprechend findet man auch bei den noch unfertigen Copulations- 
organen der Schaltmännchen derjenigen luliden, welche im Reifezustand wohl- 
markirte Mittelblätter aufweisen, die Mittel- und Hinterblätter besonders eng 
aneinander gedrängt, so dass ihre Trennung schwer fällt, während man beide 
leicht von den Vorderblättern abzulösen vermag. Wir haben hier somit einen neuen 
Beweis für die Unrichtigkeit der Theorie Voges'. 

Wo steckt bei Pachyiulus das Homologen der Flageila V Zur Beantwortung 
dieser Frage nahm ich eine genaue Untersuchung der primären Hinterblätter vor, 
denn ich hatte ja bereits bei Palaioiulus in den Hinterblättern die Aequivalente 
der Flagella gesucht und gefunden. Auch hier bei Pachyiulus forschte ich nicht 
vergeblich. Schon in Latzel's Figur 171 und 172 [unicolor C. Koch) war mir 
ein an ein Semiflagellum erinnernder, dünner Fortsatz aufgefallen, welcher sich 
über das Ende des primären Hinterblattes erhebt. Latzel nennt denselben auf 
S. 349 „röhrenartig" und fügt hinzu: „Ein Geisseiapparat (von gewöhnlicher 
Form) fehlt". Hieraus ergibt sich, dass er ein Homologon des Flagellums zwar 
nicht gefunden, sich aber doch mit einer unausgesprochenen Vermuthung getragen 
hat, zu welcher ihm eine Stütze fehlte. 

Jenen „röhrenartigen" Fortsatz habe ich nun genauer untersucht und ihn 
bei unicolor und flavipes C. Koch kräftiger, bei fuscipes schwächer entwickelt 
gefunden. Bei allen aber handelt es sich thatsächlich um eine Röhre, deren 
Darstellung man in Fig. 15 vergleichen möge; bei oe befindet sich die Oeffnung 
der Röhre nach aussen. Schwieriger ist es, den Verlauf derselben nach unten zu 
verfolgen. Nach einer Untersuchung verschiedener macerirter und nicht mace- 
rirter Copulationsorgaue, wobei ein Zerzupfen derselben unerlässlich war, gelang 
es mir, die Röhre auf einer bedeutenden Strecke hinab zu verfolgen. Man erkennt 

19* 



148 



Carl Verhoeff. 



dieselbe in Fig. 15 (flavipes) recht deutlich, wie sie von der Ellipse oe^ bis zu a 
unter einer Chitinkante hinläuft, bei a, wo diese Kante abbiegt, noch deutlicher 
durchschimmert und schliesslich unten frei heraushängt, wo das Blatt selbst, 
unter der Mitte seiner Gesammtlänge, im oberen inneren Theile abgetrennt wurde. 
Wir haben also auch hier den Spermagang und damit das Homologon des 
Flagellums gefunden; auch habe ich bei einem Exemplar von flavipes in dem- 
selben thatsächlich die kleinen rundlichen Spermatozoon angetrolfen. Bei oe^ be- 
findet sich noch eine zweite, elliptische Oeffnung des Spermaganges nach aussen. 
Ueber die Endigung des Spermaganges nach unten kann ich leider nichts Sicheres 
mittheilen, da mir jetzt zu weiteren Untersuchungen das Material und die Zeit 
fehlen. Doch kann ich constatiren, dass ich einerseits den Spermagang bis zum 
Grunde des primären Hinterblattes verfolgt habe (und so weit ist er auch in 
Fig. 15 gezeichnet), andererseits durch Verdampfenlassen des Alkohols, in welchem 
das Organ lag, und nach Eintreten von Luft im Grunde jedes primären Hinter- 
blattes eine glänzende Luftblase wahrnahm, welche die Grundblase repräsentiren 
dürfte. Jedenfalls ist sie wegen sehr zarter Wand so schwer auffindbar.^) 

Nach dem Gesagten. können wir aber bereits genügend erkennen, dass die 
primären Hinterblätl er von Pachyiulus nicht nur, wie oben gesagt, der 
Summe von Mittel- und Hinterblättern, sondern sogar der Summe von Mittel-, 
Hinterblättern und Flagella der Gattung lulus homolog sind. 

Pachyiulus lehrt daher ferner, dass die Flagella von lulus aus 
dem Urhinterblatt sich allmälig herausgeschnürt haben und zu 
einem ganz selbstständigen Paa r von Organtheilen der Copulations- 
organe geworden sind. 

Verschiedene Uebergangsformen des Spermaganges auf seinem phylo- 
genetischen Wege der Herausschnüi-ung aus dem Hinterblatte führen uns die 
Palaioiulus -Arien säbulosus, mediterraneus, Porati und Karschi vor, auch ist 
bei Pachyiulus selbst ja schon ein Anfang dazu in dem „röhrenartigeu" Fortsatz 
gemacht worden. Natürlich weichen die Palaioiulus in anderen Punkten ihrer 
Organisation, so besonders in Fovea, Randwulst und Spermaballen von den 
beiden anderen Gattungen ab. Sie sind also keine absoluten, sondern (wie immer 
bei höheren verwandtschaftlichen Gruppen, als es Arten sind) nur relative Ueber- 
gangsformen, d. h. sie machen uns verständlich, wie sich Urhinterblätter, wie die 
von Pachyiulus, allmälig zu den diversen Organtheilen von lulus difFcrencirt 
haben, ohne selbst total zwischen beiden Gattungen zu stehen. 

Hier ist der geeignete Ort, einige Worte über die von mir als Gattung 
Micropodoiulus abgetrennten lulus -Arten einzuflechten. Es sind deren vorläufig 
nur zwei bekannt, nämlich terrestris (L.) v. Porat (Taf. V, Fig. 1—3) und ligulifer 
Latzel (Taf. V, Fig. 8 und 9). Die Mittelblätter sind zwar deutlich und selbst- 
ständig ausgebildet, aber doch kurz und klein (Taf. V, Fig. 3 und 9, M). Die 
Flagella sind denen von lulus m. zwar ähnlich, weichen aber doch dadurch be- 
merkenswerth ab, dass sie 1. auffallend gross und kräftig, 2. gegen das Ende 



') Nach Erlangen geeigneten Materials hoffe ich diesen Punkt bald klären zu können. 



Hoilräpo zur Atm(onii(> iiiul Systematik der liilidcii 



14!) 



iiic'lit liiiarroin verschniiilort, [). am Ende selbst mit oinom AhIimii^o vcrsohcn sind, 
inilto'lst dessen sie sieli wie mit einem Enterhaken im oberen Theile des Hintei'- 
blattes verankern, also noch meehaniseh an der Stelle haften, wo ihr phylogene- 
tischer Urs])riinp: liegt. (Eine Rinne für die Anfnahme der Flagella findet sich 
ja anch noch bei echten lulus.) 

Sehr charakteristisch gestaltet sind das erste und zweite Beinpaar der 
männlichen Micropodohdus. Das erste Bein, welches zum Gattungsnamen Ver- 
anlassung gab, hat Latzel, 1. c, Fig. 130, bereits abgebildet; es stellt kein 
Häkchenbein dar, sondern ist nur ein länglicher, bcborstetei-, sehr kurzer Höcker, 
Während es sich hier also um ein Rudiment handelt, hat — als physiologischen 
Ersatz für das Häkchenpaar*) — das zweite Beinpaar an seinen Hüften einen 
langen, sehr auffallenden Portsatz getrieben, welcher auch Veranlassung zu dem 
Namen Ugulifer = „Löffelträger" wurde. Nennen wir das Ding also auch kurz 
Ligula (Fig. 8, Ii.). Latzel und Po rat scheinen die Ligula dem Hüftanhange 
von lulus vagabundus Latzel und dessen Verwandten für homolog erachtet zu 
haben. Solches ist aber nicht der Fall, Bei dem in Rheinland voi-kommenden 
Micropodoiulus Ugulifer sitzt nämlich ein krummer Fortsatz (cor.) auf der Coxa, 
welcher dem Ugulifer Latzel's fehlt, denn weder in der Zeichnung noch im Text 
gibt Latzel über denselben eine Mittheilung. Ich betrachte daher die rheinische 
Form vorläufig als Unterart Ugulifer corniger mihi. (Sollten sich auch in den 
Copulationsorganen auffallende Unterschiede bemerkbar machen, so müsste der 
corniger eine eigene Art bilden.) 

Dieser Hüftfortsatz des corniger sitzt nun genau an derselben Stelle wie 
der Hüftanhang jener Arten um vagabundus Latzel, auch trägt er am Ende eine 
Tastborste, an welche eine Nervenfaser heranläuft, während eine solche Bo-rste 
dort gleichfalls steht, an der Seite. Die Ligula dagegen ist zwar auch ein 
Coxalanhang, aber sie entspringt nicht aus dem Ende der Coxa, auch ist sie völlig 
nackt, borstenlos. Somit ist sie dem Hüftanhange hei vagabundus nicht homo- 
log, vielmehr ein besonderes Gebilde, an welches sich das Weibchen bei der Copula 
anklammert, statt an das erste Beinpaar. 

Was endlich die von mir abgetrennte Gattung Tachypodoiulus mit der 
einzigen bekannten Art albipes C. Koch betrifft, so fehlt ihr ein Flagellum. Sie 
besitzt Vorder- und Mittelblätter ähnlich denen von lulus, aber die Hinterblätter 
sind eigenthümlich zerlappt. An den letzteren habe ich von einem Spermagang 
nichts finden können. Die Art ist überhaupt die einzige unter unseren luliden, 
bei welcher ich momentan den Spermalapparat nicht kenne, behalte mir aber 
eine genauere Untersuchung vor. 



Ich will nun an Stelle der fehlerhaften Darstellung Voges' und Berlese's 
im Nachfolgenden eine kurze, neue Uebersicht über die Copulationsorgane der 
hier behandelten luliden aufstellen. 



1) Die 9 von Juhis halten sich hei der Copula mit den Mundtheilen an den Häkchenbeinen fest. 



150 



Carl Verhoeff. 



Vorderbein. 



Hinterbein. 



Vorderblatt mit Tra- 
cheentasche. 



I. Fachyiulus m. 

Urhinterblatt mit Tracheentasche, enthaltend 

den Spermagang. 
Anfänge zu einem Semiflagellum vorhanden, 

II. Palaioiulus m. 



Vorderblatt mit Tra- 
cheentasche. 



Mittelblatt mit einem 
Innenast an das se- 
cundäre Hinterblatt an- 
gewachsen. Mit Tra- 
cheentasche. 



Vorderblatt mit 
cheentasche. 



Tra- 



III. lulus m. 

Mittelblatt an Vorder- 
und Hinterblatt ange- 
heftet; ohne Innenast. 
Mit T r a c h e e n t a s c h e. 



Secundäres Hinter- 
blatt mehr weniger 
eng verbunden mit dem 
Spermalapparat, be- 
stehend aus Fovea mit 
Randwulst. 
Spermagang meist vor- 
handen. 
Häufig ein Semiflagel- 
lum. 

Secundäres Hinter- 
blatt mit sehr mannig- 
faltigen Lappen- und 
Spitzenbildungen. 
Flagellum peitschen- 
förmig, ohne Enter- 
haken. 

IV. Micropodohilus m. 

stimmt im Uebrigen mit lulus in der Hauptsache überein, nur ist das Flagellum 
nicht peitschenförmig verdünnt, besitzt vielmehr am Ende einen Enterhaken, 

Ich gehe nun zu einer tabellarischen Uebersicht^) der hier betrachteten 
luliden über und gebe damit eine Diagnose der neuen Gattungen und Unter- 
gattungen : 

1, Flagellum vorhanden 2 

Flagellum fehlt 11 

2, Erstes Beinpaar höcker förmig, zweites Beinpaar mit Ligulae an den Hüften. 
Flagellum dick und gross, nicht haarförmig endigend, mit Anhang. Fora- 
mina hinter der Naht gelegen. Dorsale Analplatte mit spitzem Fortsatz. 
Ocellen deutlich unterscheidbar. Gattung MicropodoiiUus m. 
Erstes Beinpaar häkchenförmig, zweites Beinpaar ohne Ligulae. Flagellum 
peitschenförmig, am Ende haarförmig auslaufend, ohne Anhang. 

Gattung lulus m 3 



1) Die Tabelle ist nur für Männchen giltig. 



Heitriipo zur Aniitoniio iintl Systoiniitik dor lulidon. If)! 

l). Vputralo Annlplatte mit Hakenfortsatz, welcher nach vorne umgeschlagen ist. 
Ocellon deutlich. Vorderringe der Segmente ghiK, Hinterringe grol> gefurcht. 
Körper etwas rosenkranzförmig. Foramina berühren die Naht von hinten her. 
Scheitelgruben fehlen. Dorsale Analplatte ohne Fortsatz. 

Untergattung Oncoiulus m. 
Ventrale Analplatte ohne Hakenfortsatz 4 

4. Dorsale Analplatte ohne Fortsatz. Die Foramina berühren die Naht bald von 
vorne, bald von hinten. Ocellen vorhanden, meist deutlich, bisweilen undeut- 
lich. Vorderringe der Segmente glatt, Hinterringe gestreift. Scheitelgruben 
fehlen (Imcus, londinensis, hrüanniciis, occuUus, holeti) oder sind vorhanden 
(pusillus, frisius). Untergattung Änoploiulus m. 
Dorsale Aualplatte m i t Fortsatz 5 

5. Hinter ringe der Segmente oben und in den Flanken furchenlos oder nur 
äusserst seicht gestreift. Dorsale Analplatte mit langem, spitzen Fortsatz. 
Vorderringe glatt. Scheitelgruben vorhanden. Ocellen deutlich oder undeut- 
lich. Foramina die Naht von hinten berührend oder wenig dahinter. Hinter- 
blätter der Copulationsorgane mit drei Paar verschiedenartiger Theillappen. 

Untergattung Xestoiulus m. 
Hinterringe oben und in den Flanken deutlich gefurcht^) ... 6 

6. Ocellen fehlen vollständig, auch kein schwarzes Pigment an deren Stelle. 
Dorsale Analplatte mit spitzem Fortsatze. Scheitelgruben vorhanden. Fora- 
mina dicht hinter der Naht gelegen. Vorderringe glatt, Hinterringe gefurcht 
(bei psilonotus nur unterhalb der Foramina). 

Untergattung Typhloiulus Latzel. 
Ocellen vorhanden, aber bisweilen so undeutlich, dass man sie nur an der 
schwarzen Pigmentmasse erkennt 7 

7. Dorsale Analplatte mit einem deutlichen, aber auf dem Querschnitt runden 
Fortsatz und hinten knopfartigem oder völlig abgerundetem Ende. Körper 
nicht blass. Foramina berühren die Naht. Vorderringe glatt, Hinterringe 

gefurcht. Keine Scheitelgruben. Ocellen deutlich 8 

Dorsale Analplatte mit spitzem Fortsatz. Körper bei einer Gruppe blass. 
Foramina von der Naht deutlich weg nach hinten abgerückt, wenn sie aber 
die Naht berühren, sind die Arten entweder blass oder besitzen Scheitel- 
gruben 9 

8. cT mit einem Schaltstadium (in der Entwicklung), welches bereits häkchen- 
förmige Beine am ersten Segment besitzt. Hinterblatt des Reifemännchens 
mit kräftigem Arm, welcher einem bezahnten Kiefer ähnelt. 

Untergattung Cryptoiulus m. 
ohne Schaltstadium. (Ob immer?) Hinterblatt anders gestaltet, ohne 
Kieferast. Untergattung Cylindroiulus m. 



1) Bei psilonotus Latz, sind an den Hinterringen deutliclie Furchen nur unterhalb der Fora- 
mina vorhanden; diese Art ist aber völlig augenlos. 



152 



Carl Verhoeff. 



9. Fonimina deutlich von der Naht weg nach hinten gerückt. Vorderringe 
glatt, Hinterringe gefurcht. Ocellen deutlich. Dorsale Analplatte mit 
spitzem Fortsatze. Scheitelgrübchen vorhanden. Körper stets schlank. 

Untergattung Leptoiulus m. 
Die Foramina berühren die Naht 10 

10. Körper mit hellen und dunkeln Längsbändern geziert. Dorsale Analplatte 
mit spitzem Fortsatz. Scheitelgruben vorhanden. Ocellen deutlich. Vorder- 
ringe glatt, bisweilen in den Flanken nadelrissig gestreift. Hinterringe ge- 
furcht. Untergattung Chromat oiulus m. 
Körper blass. Dorsale Analplatte mit spitzem Fortsatz. Scheitelgruben 
fehlen. Ocellen verwischt oder nur schwach. Vorderringe glatt, Hinter- 
ringe gefurcht. Untergattung Leucoiulus m. 

11. Primäre Hinterblätter der Copulationsorgane vorhanden, mit 
Spermagang. Mittelblätter noch nicht dif f erencirt. Keine Fovea. 
Anfänge eines Semiflagellums vorhanden, kein deutliches Semiflagellum. Fora- 
mina deutlich hinter der Naht gelegen. Ocellen immer sehr deutlich. Vorder- 
ringe oben glatt, in den Flanken oft querfurchig. Hinterriuge gefurcht. 

Körper gedrungen, dick. Gattung Pachyiuliis m 12 

Primäre Hinterblätter als solche nicht mehr vorhanden. Mittel- 
blätter stets deutlich differencirt 13 

12. Dorsale Analplatte ohne Fortsatz. Scheitelgruben fehlen. Hinterblätter mit 
deutlichem Anfang eines Semiflagellum. Untergattung Megaiulus m. 
Dorsale Analplatte mit Fortsatz. Scheitelgruben vorhanden. Hinterblätter 
ohne deutlichen Anfang eines Semiflagellum. 

Untergattung Äcanthoiulus m. 

13. Semiflagellum, Spermagang, Fovea und Innenast der Mittel- 
blätter fehlen. Mittelblätter einfach, abgerundet-oblong, wie meist bei 
lulus. Vorderringe. mit deutlichen, quer über den Kücken ziehenden, 
etwas unregelmässig ge schlängelten Furchen. Hinterringe tief gefurcht. 
Ocellen sehr convex. Stirngruben fehlen. Foramina weit hinter der 
Naht gelegen. Dorsale Analplatte mit spitzem Fortsatz. Körper schlank. 

Gattung Tachypodoiulus iii. 
Eine Fovea mit Eandwulst, kräftiger Innenast der Mittelblätter 
und (meist auch) Spermagang und Semiflagellum vorhanden. Mit 
einem Schaltstadium, in welchem das erste Beinpaar mehrgliedrig ist. Dorsale 
Analplatte mit spitzem Fortsatz. Stirngruben fehlen. Ocellen sehr deutlich. 

Gattung Palaioiulus m 14 

14. Semiflagellum fehlt. Spermagang kurz. Mittelblatt zweihakig. 
Hinterblatt mit einem Theile, welcher reichlich kleinbestachelt ist. Stirn- 
gruben fehlen. Ocellen sehr deutlich. Foramina in der Naht oder sehr wenig 
hinter derselben gelegen. Dorsale Analplatte mit spitzem Fortsatz. Hinter- 
ringe längsgestreift. Vorderringe in den Pleuren längsgestreift, oben mehr 
quergestreift. Untergattung Eleutheroiulus m. 



Uoitrfigo zur Aii;ili>iii"u> iiinl Systematik diT liiliilcn 



SeniifhigoUuin und Sporniagaiig soh r deutlich. Mittclblatt zwei- 
hakig. Hiuterblatt mit iisliger (ieweihbildung. Stiriigrubeii t'(!liloii. Ocellen 
sehr deutlich. Foramiua iu der Naht gelegen. Dorsale Analplatte mit sj)itzeni 
Forttiatz. Hinterringe längsgestreift. Vorderringe iu den Pleureu längsgestreift, 
oben mehr und mehr quergestreift. Untergattung Mesoiulus m. 

Semif lagellum und Spermagang sehr deutlich. Mittelblatt ein- 
fach. Hinterblatt eiuästig. Stirngruben fehlen. Ocellen recht deutlich. 
Foramina deutlich hinter der Naht gelegen. Dorsale Analplatte mit spitzem 
Fortsatz. Hinterringe längsgestreift. Vorderringe bei Porati glatt, sonst mit 
Quer- und Längsnadelrissen. Untergattung Bothroiuliis m. 



Zu den einzelnen Gattungen und Untergattungen, welche in der Tabelle 
diagnosticirt wurden, will ich nun übersichtlich diejenigen Arten namhaft machen, 
über deren natürliche verwandtschaftliche Stellung ich genauer unterrichtet bin. 



I. Gattung Micropodoiuliis. 

1. M. ligulifer Latzel. 

2. 31. terrestris v. Porat. 
II. Gattung Itilus, 

A. Untergattung Oncoiulus. 
1. I. foetidus C. Koch. 

B. Untergattung Anoploiulus. 

1. I. pusilhis Leach. 

2. I. boleti C. Koch. 

3. I. occiiltus Verh. 

4. 1. britannicus Verh. 

5. I. frisiiis Verh. 

6. I. luscus Latzel. 

7. I. londinensis Leach. 

C. Untergattung Xestoiulus. 

1. I. hlaniuloides Verh. 

2. I. imhecülus Latzel. 

D. Untergattung Typhloiulus. 

1. /. psilonotus LatzeL 

2. I. strictus Latzel. 

E. Untergattung Cryptoiulus. 
1. I. italicus Latzel. 

F. Untergattung Cylindroiulus. 
1. I. silvarum Meinert. 



2. I. Meinerti Verh. 

3. I. luridus Latzel. 

4. I. fulviceps Latzel. 

5. I. Molleri Verh.i) 

G. Untergattung Leptoiulus.^) 

1. I. trilineatus C. Koch. 

2. I. albovittatus Verh. 

3. I. riparius Verh. 

4. I. fallax Meinert. 

5. I. minutus v. Porat. 

6. I. laeticoUis v. Porat. 

7. I. montivagus Latzel. 

8. I. nigrofuscus Verh. 

9. I. oribates Latzel. 

10. I. vagabundus Latzel. 
n. I. alemannicus Verh. 

12. I. helveticus Verh. 

13. I. trilobatus Verh. 

H. Untergattung Chromatoiulus. 

1. I. podabrus Latzel. 

2. I. unüineatus C. Koch. 

3. I. austriacus Latzel. 

I. Untergattung Leucoiulus. 
1. I. molybdinus C. Koch. 



1) Diese Art besitzt auch eiu Flagellum, allerdings ist dasselbe kürzer wie meist 
sonst. In meiner Diagnose (Zoologiscber Anzeiger, Nr. 403) bitte ich das zu ändern. 

2) Eine üebersicht der Leptoiulus -Arten findet man in meinen „Beiträgen zur Diplopoden- 
Fauna Tirols" in diesen „Verhandlungen''. 

Z. B. Ges. B. XXIV. Abh. 20 



154 



Carl Verboeff. 



2. I. dicentrus Latzel. 

3. I. pelidnus Latzel. 

4. I. nitidus Verh. 



IV. 



Ä. Untergatt. Eleutheroiulus. 

1. P. Oliveirae Verh. 

2. P. dorsovittatus Verh. 



Gattung JPalaioiulus. 



III. Gattung Pachyiulus, 

A. Untergattung Megaiulus. 



B. Untergattung Mesoiulus. 
1. P. Karschi Verh. 



1. P. unicolor C. Koch. 

2. P. flavipes C. Koch. 

3. P. cattarensis Latzel. 



C. Untergattung Bothroiulus. 

1. P. mediterraneus Latzel. 

2. P. sahulosus (L.) Latzel. 

3. P. Porati Yerh. 



B. Untergattung Acanthoiulu 



s. 



1. P. fuscipes C. Koch. 

2. P. hungaricus Karsch. 



V. 



Gattung Tachypodoiulus. 

1. P. a?&ipes C. Koch. 



Von Latzel wurde ein lulus nanus beschrieben, in dessen Copulations- 
apparat ein Flagellum fehlen soll. Ich bin indessen nicht im Stande zu sagen, 
ob in dieser Art ein Tachypodoiulus vorliegt. Es muss eine genaue Untersuchung 
dieser Art vorgenommen werden. Die dazugehörige Fig. 180 zeigt eine auffallende 
Einbuchtung des Mittelblattes C. Die Stellung des lulus platyurus Latzel kann 
ich ebenfalls nicht bestimmen, da der Autor die Copulationsorgane weder be- 
schrieben, noch abgebildet hat. 

Bezüglich aller der von Latzel, mir selbst und Anderen beschriebenen 
„ZÄs", welche nur im weiblichen Geschlechte bekannt sind, bemerke ich, 
dass man ihre Stellung im natürlichen System selbstverständlich erst nach Be- 
kanntwerden der Männchen sicher bestimmen kann. Vorläufig sind 
solche Formen dahin zu stellen, wo man sie auf Grund ihrer übrigen Merkmale 
hinstellen zu können meint. Dergleichen Weibchen müssen natürlich besonders 
sorgfältig beschrieben und ihre Unterschiede von den ähnlichsten Arten genau 
angegeben werden. Man sei aber überhaupt vorsichtig damit, auf ein Weibchen 
eine neue Art aufzustellen. 

Zu obiger Tabelle bleibt noch Verschiedenes zu bemerken : Die Copulations- 
organe wurden bei der Definition der Gattungen überhaupt und der Unter- 
gattungen von Pachyiulus und Palaioiulus verwendet. Die Untergattungen 
von lulus gründete ich vorwiegend auf andere Körpermerkmale, denn zu einer 
genaueren Verwendung der Copulationsorgane auch hier bedarf es noch der ein- 
gehenderen Untersuchung recht mancher Art. Verwendbar sind sie natürlich auch 
bei diesen Untergattungen, und die Zukunft wird zweifellos noch eine Vermehrung, 
vielleicht aber auch Veränderung der jetzt eingeführten Untergattungen bringen. 

Für einen Anfänger in der Myriopodenkunde, welcher nordwärts der Alpen 
zu Hause ist, will ich folgende praktischen Winke bezüglich der Bestimmung der 
Arten einflechten: 

Die meisten in Mitteleuropa und besonders in Deutschland, Scandinavien, 
Dänemark, Holland, Belgien und dem nordwestlichen Oesterreich (also Böhmen, 
Mähren, Oesterreich, Salzburg, Nordtirol und Steiermark) heimatenden luliden 



KiMtniRt' /.ur Aiiutomic iinil Systoiiialik diT lulidon. 



gehören zur (Jattuiig JiiIks im hier (leiinirteii Siiiue. A iiss(; rdoiii sind, wenn 
ich von din hoidon leicht kenntlichen Grittungen Blaniulus und Isobates absehe, 
nur noch tünC Arten in Betracht zu ziehen, nämlich: 

1 . 3fH'r()j}0(h)iuhis ligulifer Latzel. ^) 

2. Micropodomlus terrestris Porat (östliche Form). 

3. Tachypodoiuhis alhipes C. Koch (westliche Form). 

4. ralaiomlus sabulosus (L.) Latzel. 

5. Palaioiulus mediterraneits LatzeP) (westliche Form). 

Die eigentlichen lulus sind aber auch im weiblichen Geschlechte in der 
obigen Tabelle nach Untergattungen zu bestimmen, ausgenommen Crypto- 
iulus, dessen einzige Art im genannten Gebiete ebenfalls nicht vorkommt. 

Das Schaltstadium der Männchen ist zweifellos für die natürliche 
Gruppirung der luliden von grosser Wichtigkeit. Da es aber erst bei wenigen 
Arten bekannt wurde, während es zweifellos bei vielen vorhanden ist (vielleicht 
sogar bei allen), mochte ich ihm in der obigen Uebersicht keine bedeutende Rolle 
zutheilen, umso mehr, als ich fand, dass das erste Beinpaar des Schaltmännchens 
von Palaioiulus sabulosus im Tarsus bald deutlich zweigliederig ist, bald nur 
eine schwache Einschnürung zeigt, also etwas variabel ist. 

Aus eben diesem Grunde, d, h. überhaupt durch die Auffindung eines Schalt- 
stadiums bei sabulosus, welches dem der „Hemipodoiulus mihi" sehr nahe 
steht, und besonders durch die Entdeckung der Gattung Palaioiulus, ist die im 
„Zoologischen Anzeiger", 1892, Nr. 403, aufgestellte Untergattung „Hemipodo- 
iulus^ überflüssig geworden, denn sie bildet eine Enclave von Palaioiulus. Ich 
mochte sie aber auch dort nicht als Untergattung bestehen lassen, weil der Name 
nun unzweckmässig erschien. Die typische Art Karschi ist eine hübsche Mittel- 
form zwischen Eleutheroiulus und Bothroiulus. Daher gründete ich für Karschi 
die Untergattung Mesoiulus. 

Dass meine Gattung Pachyiulus nicht mit der gleichnamigen Untergattung 
Berlese s zusammenfällt, brauche ich, nach Inhalt und Definition beider, wohl 
kaum besonders hervorzuheben. 

Gattung Mieropodoiulus mihi. 

31, terrestHs Porat ist nur geographisch als mit „terrestris L." iden- 
tisch nachweisbar, darum erkenne ich letzteren Artnamen nicht an. 

Das Flagellum (Taf. V, Fig. 1) trägt zu seiner Befestigung am Hinter- 
blatte einige Endzähnchen; es kann durch Basalmuskeln bewegt werden. Vorder- 
und Mittelblatt (Fig. 3) sind sehr einfach. Das Hinterblatt endigt aussen zahn-, 
innen lappenartig und trägt am Innenrande einen Dorn (Fig. 2, «), wie man ihn 
bei den Leptoiulus meist antritft. 



') Vielleicht ist aber corniger Yeih. eine besondere Art. 
-) Vielleicht ist auch germanicus Verh. eine besondere Art. 

20* 



156 



Carl Verhoeff 



M, ligulifer Latzel corniger Yerli. (Taf. V, Fig. 8 und 9) ist in allen 
drei Blätterpaaren der vorigen Art sehr ähnlich, die Geissei endigt aber mit einem 
umgebogenen Anhang und der Aussenzahn {z) am Hinterblatte ist erheblich breiter. 

Gattung Palaioiulus mihi. 

Das Heimatland dieser Gattung ist olfenbar die Pyrenäenhalbinsel. Von 
dort ist sie in einigen Formen nach Norden und Osten vorgedrungen. Weit nach 
Norden, d. h. bis nach Scandinavien, wanderte nur sahulosus. 

P, sahulosus „L."^) tritt, wie gesagt, auch in einem Schaltstadium 
auf, und ein solches kommt zweifellos bei allen Palaioiulus vor. In diesem 
Stadium ist, wie schon an anderer Stelle hervoi-gelioben wurde, der kurze, zwei- 
höckerige Doppelpenis (Fig. I) noch geschlossen. Die Oeffnung 
der Ventralseite des siebenten Einges (Fig. II, A) ist noch 
J\ Ii klein, aber die Enden K der Vorderblätter ragen hinter den 

f' Ii Hüften CO bereits deutlich etwas vor, (Fig. II ist eine Ansicht 

«=^==ss^==^=^°^ von oben und von der Seite, V ein Stück des Vorder-, II ein 
Fig. I. Stück des Hinterringes.) An den Copulationsorganen, welche in 

toto noch kurz und ziemlich klein sind, erscheinen die Vorder- 
_A jBl blätter relativ schon am stärksten entwickelt. Das Mittelblatt 

ist schon erkennbar, das Hinterblatt aber erst wenig differencirt. 
Der Tarsus des ersten Beines ist bald deutlich zweigliederig, 
bald nur durch eine unvollständige Einschnürung abgetheilt. 
Vollkommen eingliederig habe ich ihn aber noch nicht gesehen. 
P, Oliveirae Yerli. (Portugal) besitzt am Hinterblatte 
jj^ -jr (Fig. III) eine kräftige Grundplatte P, über welche ein finger- 

p.^ artiger nackter Ast emporragt, F. Diese beiden Theile bilden 

das eigentliche Hinterblatt. Nach innen aber lagert ein grosser, 
am Ende noch etwas erweiterter und den Theil F an Länge und besonders an 
Breite übertreffender Ast Sta, welcher ein ganz eigenthümliches Gebilde dieser 
Art vorstellt. Er ist auf seiner Oberfläche allenthalben mit kleinen Stachelchen 
besetzt, welche in der Figur nur zum Theile eingezeichnet wurden. Unterhalb 
des etwas dachartig vortretenden Endes des Stachellappen ist derselbe etwas 
rinnenartig eingetieft und es lagert im unteren Theile der Rinne ein Gebilde Sp, 
welches man daran, dass es 1. eine Eöhre vorstellt und 2. mit rundlichen Sperma- 
tozoen {S) erfüllt ist, welche am Ende noch etwas hervorquellen, als den Beginn 
zu einem Semiflagellum erkennt. Unten ragt die Basis der Blase B hervor, deren 
weite, mit Randwulst versehene Oeffnung man sogleich wahrnimmt, wenn man 
das Organ umdreht, so dass die Vorderseite zu Gesicht kommt. (Die Ansicht ist 
dann ganz ähnlich der in Fig, 22 auf Taf, VI.) Fig. III ist eine Aufnahme von 
der Rückseite. Neben dem rudimentären Semiflagellum erhebt sich noch eine 
Dornspitze, welche wenige Stachelchen trägt. Der Spermagang mündet an der 
Decke der Blase B. 




1) Auch hier ist es richtiger, Latzel als Autor anzuführen. 



lUMtnipro 7.ur Aiiii(t)ini»> mid SystciiiiiHk dor Iiilid( 



Das VonUM-blati ('hit'. VI, Fig. 27) ist sehr oiulacli, das Mitlclhlalt (Fig. 28) 
cliaiaktorisirt durch den Innouast i und die zwei Endspitzon « und ß. 

J*. <fo^'sot'iffaf^fs Tcrli. (Pyroniioulialbinsol), 'I af. VT, Fig. 22, zeigt ein 
MiKel- und Iliiitci-ltlat t von vorne gesellen. Das Mittelblatt ist vermöge des 
kräftigen Innenastes i an das Hinterblatt angewachsen. An letzterem schaut die 
Spermamasse aus der Oeft'uung der mit kräftigem Randwulst versehenen lilase 
hervor. Der Randwulst selbst ist in Fig. 23 noch stärker vergrössert abgebildet, 
genau von vorne gesehen. Bei cc ist eine 
etwas rinnenartige Stelle, so dass ich hier 
die Einmündungsgegeud eines sehr kurzen 
Spermaganges vermuthe. Einen solchen Gang 
selbst habe ich nicht wahrnehmen können, 
und ein Semiflagellum fehlt vollständig. Am 
Hinterblatt fällt eine stachelige Gegend Z 
auf, welche einer Mulde gleicht, umgeben 
von einem zackigen Rande r. Die Mulde 
ist im Innern dicht mit Stachelchen besetzt. 
Die stachelige Partie schliesst sich an einen 
grossen Lappenfortsatz la an, welcher so 
hoch hinaufragt wie das Mittelblatt und 
nach aussen eine stumpfe Ecke bildet, welche 
man durch das Mittelblattende durch- 
schimmern sieht. Unterhalb der Ecke tritt 
das Hinterblatt in einen daumenartigen 
Fortsatz 2 vor, dessen Hals stark quergerieft 
erscheint. Der balkenartige Anhang ve, 
welcher nur theilweise in der Figur sicht- 
bar ist, scheint den Copulationsorganen 
selbst nicht anzugehören. 

Das Vorderblatt (Taf. VI, Fig. 24) ist 
von seiner Stütze s deutlich abgesetzt und 
tritt an der Innenseite oben und unten in 
einen Zapfen vor. Beide Zapfen sind bereits deutlich am Vorderblatte des Schalt- 
männchens (Fig. 26) ausgebildet. Am Hinterblatte desselben (Fig. 25), welches dem 
Mittelblatte sehr eng anliegt, sieht man deutlich die Anlage der runden Blase B. 

JP, Karschi Terh. (Pjrenäenhalbinsel) (Taf. VI, Fig. 16—21). In Fig. 16 
blickt man von vorne in die Fovea, welche auch hier von dem starken Randwulst J? 
an der Mündung umgeben ist. Oben mündet der deutliche Spermagang im Ende 
des frei aufragenden Semiflagellums, unten an der Decke der Fovea, über welcher 
ein langer und spitzer Zahn z aufragt. Vom Semiflagellum steht seitwärts ein 
grosser, aber zarter Lappen l ab. An diesen in Fig. 16 vorgeführten Spermal- 
apparat schliesst sich das eigentliche Hinterblatt (Fig. 18) eng an. Dasselbe be- 
steht aus einer Grundplatte P, welche sich nach oben in einen geweihartigen, 
dreiästigen Aufsatz fortsetzt. 




Fig. III. 



158 



Carl Verhoeff. 



Am Mittelblatte (Taf. VI, Fig. 17) sind der Innenfortsatz i und die beiden 
Endzähne a und ß deutlich vorhanden, doch ist « bedeutend kürzer als ß. 

Das Vorderblatt (Taf. VI, Fig. 19 und 20) trägt an der Hinterseite vor 
dem Ende einen nach hinten vorragenden Höcker e, welcher in Fig. 19 etw^as zu 
klein gezeichnet wurde. Gegen die Stütze ist das Blatt deutlich abgesetzt. Das 
erste Bein, welches beim Eeifemännchen häkchenförmig gestaltet ist (Fig. 21), 
erscheint beim Schaltmännchen (ebenso wie bei dorsovittatus) über der Ventral- 
platte V (Fig. IV) ausser der Coxa aus drei Gliedern zusammengesetzt, Femur, 




Fig. IV. Fig. V. 



Tibia, Tarsus. An letzterer fehlt die Spur einer Zweitheilung vollständig. Die End- 
kralle h' läuft in eine Chitinsehne aus, welche durch zwei Muskeln angezogen wird. 

An den Copulationsorganen des Schaltmännchens erscheinen die sämmt- 
lichen Blätter beträchtlich kürzer. Die Vorderblätter tragen bereits vor dem Ende 
den Höcker in der Mitte lagert eine auffallende rundliche Pigmentmasse (Fig. V). 
Auch hier schliessen, wie Fig. VI zeigt, Mittel- (C) und Hinterblätter [B] auf- 
fallend eng aneinander. Das Mittelblatt ist noch besonders kurz, trägt aber be- 
reits die Anlage zu einem der beiden Endzähne (f. Semiflagellum a, Sperma- 
gang sp, Lappen ß und Fortsatz y sind gut ausgebildet. Es entspricht ß dem 
Lappen l der Fig. IQ, y der Spitze z. Die Ventralplatte Fist zweitheilig. B ist 
übrigens die Anlage des Spermalapparates, die des eigentlichen Hinterblattes habe 
ich nicht deutlich gesehen. 

-P. mediten^aneus Latzel (Taf. VI, Fig. 12—14). Mit den hier gegebenen 
Figuren vergleiche man diejenigen des Autors^) (6 und 7), welche ich bereits im 



Myriopodes de la Normandie. Ronen, 1884. 



BoitrÜRO zur Aiwitoiuio iiiul Systematik der lulidoii. 



„Zoologischon Anzeiger", Nr. 418, als „nicht ausreichend" bezeichnet, habe. Ks 
sind niinüich drei verschiedene Zahnbihliuigen am Vorderblatte vergessen worden! 
Ausserdem geschieht des merkwürdigen Hpcrmalapparates mit keiner Silbe eine 
Erwähnung. Das Stück ß, in Latzel's Fig. 7 ist ganz mysteriös, stimmt nho.v 
(als Rohzeichuung) mit dem Hinter- 
blatte von OUveirae Verh. ziemlich 
übe rein ! 

Das Mittelblatt (Taf. VI, Fig. 13) 
(dessen Nachweis ich bei Latzel 
ganz vermisse!) ist einfach finger- 
förmig, aber an der Innenseite fehlt 
der lunenast i nicht, nach unten 
folgt, ohne scharfe Grenze, die nach 
unten verbreiterte Stütze. Die Zahn- 
bildungen des Vorderblattes stehen 
alle auf der Rückseite, eine in der 
Mitte, zwei am Ende. Von den beiden 
letzteren steht eine an der Innen- 
seite, und zwar hinten an einem 
Höckervorsprung, die andere, welche 
stumpf erscheint, an der Aussen- 
seite. Gegen die Stütze besteht eine 
scharfe Absetzung. Das gekrümrate, 
einfache und hornartige Hinterblatt 
ist nur noch in schwachem Zu- 
sammenhang mit dem Spermal- 
apparat. Der Spermagang (Fig. 14, 
Sp) ist hier besonders deutlich und 
kann gar nicht übersehen werden. 
In ihm lagern oft Gruppen von 
Spermatozoen. Der schmale Lappen l 
erinnert an das homologe Gebilde 

bei Karschi. Fovea und Randwulst fallen sehr in die Augen. Die Sperma- 
masse S ist in der Figur in die Mündung hineingefallen gezeichnet. 

JP. JPorati Yerh. ist habituell von mediterraneus sehr verschieden, in den 
wesentlichsten Eigenschaften aber steht er ihm sehr nahe, wie aus den Fig. 10 
und 11 auf Taf. V zur Genüge hervorgeht. Das Hinterblatt und das Semiflagellum 
kreuzen sich zangenartig. Das Mittelblatt ist ebenso einfach wie bei der vorigen Art. 




Fig. VI. 



160 



Carl Verhoeff. 



Erklärung der Ablbildungen. 



Tafel V. 

Fig. 1 — 3. Micropodoiulus terrestris (L.) v. Porat. 

Fig. 1. Flagellum mit Endbezahnung und Basalbewegungsmuskeln (m). 
„ 2. Ein Hinterblatt desselben mit Aussenfortsatz {z} und dem häufig 

auftretenden Innenzahn [a). 
„ 3. Vorder- und Mittelblatt mit ihren Stützen (s) und Muskeln (m) 
von der Vorderseite. 

Fig. 4 — 7. Palaioiulus sabulosus (L.) Latzel. 
Fig. 4. Ein Hinter- und Mittelblatt (ilf). 

s. f. = Semiflagellum mit dem zur Samenhöhle (B) hinab- 
führenden Spermagang Die geschrumpfte Spermamasse S 
schimmert durch. 
tu = hyalines fortsatzartiges Blatt unter dem Semiflagellum. 
k = knopfartiger Aussentheil des Hinterblattes. 
„ 5. Theil des Hinterblattes, welcher Spermagang und Samenhöhle 
enthält, von dem übrigen Hinterblatt abgetrennt. Vom Semi- 
flagellum aus zieht sich eine Falte hinab, welche unten als 
Kante x über der Samenhöhle B liegt. 
„ 6. Vorderblatt mit seiner Stütze s. 
„ 7. Mittelblatt, desgleichen mit Stütze. 

Fig. 8 und 9. Micropodoiulus ligulifer Latzel var. corniger Verh. 
Fig. 8. Partie des zweiten Beinpaares. 

Ii = ligula, Hüftfortsatz mit löff'elartiger Aushöhlung. 

cor = cornu, Hornfortsatz der Hüfte co. 

d = Fortsatz, aus welchem eine Coxaldrüse secernirt. 

tr = Trochanter. 

fe = Femur. 

„ 9. Copulationsorgane (Hälfte), von der Innenseite gesehen. 
V Vorderblatt. 
M= Mittelblatt. 
H-= Hinterblatt. 

f — Flagellum, mit dem Fortsatze e in das Hinterblatt ein- 
gehängt. 
z = Aussenfortsatz. 
« = Innen zähnchen. 



noitrilRO '/.ur Aiialomit' und Systcnialik dor liiliilc 



i<;i 



10 1111(1 II. ralaioiulus Porati Vorhooff. 
Kit;-. 10. Hiiit(M-blatt., dossoii /vvoi Arme ziiugeuiirtit; überciiiMiider gicireu. 
h — compact Ol- Ann. 
s, f. = Semiflag'elliiiri. 
B = Samenhöhle. 
„ n. Fingerförmiges Mittelblatt. 



Tafel VI. 

. 12—14. Palaioiulus mediterraneus Latzel. 

Fig. 12. Ein Vorderblatt. Die Stütze s ist nur zum Theil gezeiclmet. 
„ 18. Fingerförmiges Mittelblatt. 

i = Innenast, welcber abgebrochen wurde. 

s — kräftige Stütze. 
„ 14. Hinterblatt und Spermalapparat. 

H = Hiuterblatt. 

8 — Spermaballen. 

B = Spermablase. 

s. f. = Semiflagellum. 

Sp = Spermagang. 

a = Einmündungsstelle des Spermaganges in die Sperma- 
blase, oe nach aussen. 
B — Randwulst der Fovea, 

. 15. Pachyiulus flavipes C. Koch. Innerer Endtheil des Hinterblattes. 
Bei X, y vom eigentlichen Hinterblatt losgerissen. 

Sp = Spermagang, welcher bei 8p ^ frei heraushängt (zum 
Theile über Fig. 22 gelagert). 

. 16—21. Palaioiulus Karschi Verhoeff. 

Fig. 16. Foveaabschnitt mit dem Spermagang Sp (sonst Bezeichnung wie 
bei Fig. 14). 

l = zarter Lappenanhang. 

z — langer, spitzer und kräftiger Seitenfortsatz. 
„ 17. Mittelblatt. 

„ 18. Hinterblatt, welches aus einer Grundplatte P und einem hirsch- 
geweihartigen Endtheil Hh besteht. 
„ 19. Vorderblatt. 

„ 20. Endhälfte desselben, um den Anhang e deutlicher zu zeigen. 
„ 21. Häkchenförmiges erstes Bein. 

. 22—24. Palaioiulus dorsovittatus Verhoeff. 

Fig. 22. Mittel- {M) und Hinterblatt in natürlicher Lage, zusammen- 
hängend durch den Querast i des Mittelblattes. 
Z. B. Ges. B. XLIY. Abh. 21 



162 Carl Verhoeff. Beiträge zur Anatomie und Systematik der luliden. 



a und ß — Endzähne des Mittelblattes. 

Z ■= mit Zähnchen erfüllte, schalenartige Grube, welche 

ein zackiger Rand r begrenzt. 
S — Spermaballen. 
B, = Randwulst der Fovea (J5). 
Me = Medianlinie der Copulationsorgane. 
la ■= grosser Endlappen des Hinterblattes. 
z — Zahnvorsprung, welcher Querriefen trägt. 
ve = balkenartiger Anhang. 
Fig. 23. Eingang in die Fovea, stärker vergrössert. 
S = Spermaballen. 
„ 24. Vorderblatt. 

Fig. 25 und 26. Copulationsorgane vom Schaltmännchen des Palaioiulus 
dorsovittatus Verhoeff. 
Fig. 25. Mittel- und Hinterblatt. 

B == Anlage der Fovea. 
„ 26. Vorderblatt. 

Fig. 27 und 28. Palaioiulus Oliveirae Verhoeff. 

Fig. 27. Vorderblatt. (Die Stütze s ist zum Theile weggelassen.) 
„ 28. Mittelblatt. 

i = Innenast. 



üeber die Larve von Ogcodes. 



Von 

Anton König. 

(Mit Tafel VII.) 



(Vorgelegt in der Versammlung am 7. Febriiar 1894.) 



Anfangs August fand Herr Prof. Brauer auf einer Wiese am Gmundner- 
berge Eier und Larven einer Acroceride, und zwar nach den am selben Orte 
gesammelten Fliegen, von Ogcodes gibhosus oder Ogcodes Donatus. Herr Prof. 
Brauer war so gütig mir die Untersuchung dieser Larven anzuvertrauen, wofür 
ich, wie auch für seine liebenswürdige Unterstützung bei der Ausführung dieser 
kleinen Arbeit ihm meinen herzlichsten Dank ausspreche. 

Von der Gruppe der Acroceriden kannte man genauer nur Larven in 
voi'geschrittenen Stadien der Entwicklung, welche als Entoparasiten in Cocons 
oder im Köi'per von verschiedenen Spinnen lebten. Es wurden Ogcodes sanguinea 
Latr. und Ogcodes trigramma Low von C. Koch aus den orangegelben Cocons 
von Tegenaria agilis gezogen (nach einer brieflichen Mittheilung an Schiner 
aus Tirol), vide Brauer, Zweiflügler des kais. naturh. Museums in Wien (Denkschr. 
der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, mathem.-naturw. Classe, Bd. XLVII, I. Abth., 
S. 61); ebenso Henops marginatus = Ogcodes pallipes Er., welcher von Menge 
aus Clubiona putris (Schriften der Danziger nat. Ges., n. Folge, Bd. I, 1863 bis 
1866, S. 37) gezogen wurde, oder Ästomella Lindeni Br. Letztere wurde von 
Prof. Brauer aus Ctenim ariana K. von Corfu stammend beschrieben und ab- 
gebildet (Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, Bd. XIX, 1869, 
S. 737 ff., Taf. XIII, Fig. 1—6 und Denkschr. der kais. Akad. der Wissensch, in 
Wien, mathem.-naturw. Classe, Bd. XLVII, Taf. V, Fig. 89—92). In neuester 
Zeit wurde in den Transact. and Proceed. of the New-Zealand Instit., 1887, 
Vol. XX, III a. new Ser., May 1888, p. 106, die junge Larve von Henops brim- 
neus von W. M. Maskell beschrieben. Die Abbildungen und Beschreibungen in 
der letztcitirten Arbeit sind aber doch, wohl Mangels ausreichender Instrumente, 
nicht so ausführlich und deutlich — und das gilt namentlich von den hier sehr 
in Frage kommenden Mundtheilen — , als dass eine eingehendere Erörterung 
überflüssig wäre. 

21* 



164 



Anton König. 



Zuerst einige Worte über den Fundort. Die Larven wurden, wie bereits 
erwähnt, auf einer Wiese an der Sonnenseite des Gmundnerberges bei Gmunden 
in Oberösterreich gefunden, und zwar auf dürren Stauden, die man zu den Seiten 
eines die Wiese durchquerenden Weges eingesteckt hatte. Die kleinsten Zweiglein 
der Stauden waren stellenweise ganz bedeckt mit in Reihen angeordneten schwar- 
zen Punkten — den Eiern, welche beiläufig birnförmig gestaltet und tief schwarz- 
braun im durchfallenden Lichte gefärbt sind. Mit dem schmäleren Ende sitzen 
sie an den Zweigen fest; sie ölfnen sich mit einem kleinen Deckelchen am gegen- 
überliegenden Ende. Bei genauerer Beobachtung sah man auch ab und zu 
zwischen den Eiern ganz feine, dunkle Borsten schnurgerade von dem Zweiglein 
abstehen. Es sind dies die Larven. An den Zweigen bemerkt man oft auch 
Netze von kleinen Radspinnen. Unter ganz ähnlichen Verhältnissen fand ich später 
Larven und Eier auf der Höhe des Gmundnerberges, bei Altmünster und gegen 
den Hongar zu. Die Larven, welche uns zunächst interessiren, sind 0"3— 0'4mm 
lang, dunkelbraun, fast schwarz gefärbt und mit zahlreichen Borsten versehen. 
Fig. 1 gibt ein Bild von dem Aussehen derselben. Man sieht, dass ein eigentlicher 
Kopf fehlt, und dass die eilf Segmente mit Ausnahme des ersten und der beiden 
letzten breiter als lang sind. An den hinteren Winkeln ragt bei den Thieren im 
ausgestreckten Zustand jedes vorangehende Segment über das nachfolgende etwas 
vor. Ausserdem zeigt sich eine schmale, ganz lichte Zone des Chitins, welche 
das Segment nach hinten abgrenzt. Bei zusammengezogenen Thieren erscheinen 
dann die folgenden Segmente etwas in die vorangehenden hineingeschoben, eine 
Einrichtung, deren Bedeutung man erkennt, wenn man die ausserordentlich 
energischen Bewegungen beobachtet, welche das Thier ausführt. Gewöhnlieh 
sitzt es mit dem später zu beschreibenden Haftapparate fest und steht ganz ge- 
rade vom Zweige ab. Wird es aber gestört, so krümmt es den Körper stark 
zusammen (Fig. 2) und schnellt sich, wohl auch mit Unterstützung der Spring- 
borsten, vorwärts. Auch kriecht es auf ähnliche Weise — also spannerartig — 
ziemlich rasch. Herr Prof. Brauer fand auch Larven, welche auf Poduriden 
mit ihrem Haftapparate festsassen. 

Jedes Segment trägt mehrere Borsten, und zwar stehen meist acht in einer 
Reihe gegen den hinteren Rand, während die übrigen unregelmässiger, doch 
immer symmetrisch zur Mittellinie vertheilt sind. Alle Borsten stehen in der 
Mitte von kleinen, hellen Scheibchen. Die Dorsalseite der Larve ist gewölbt und 
ziemlich stark gekrümmt, die Ventralseite hingegen ganz flach, so dass die 
Form eine entfernte Aehnlichkeit mit Stratiomyidenlarven erhält. Ganz vorne 
am ersten Segment bemerkte ich — jedoch nicht bei allen — zwei röthlich- 
braune Flecken, wahrscheinlich Pigmentflecken. Die Larve ist metapneustisch, sie 
besitzt zwei Haupttracheenstämme, welche sich nach vorne zu in ein ausserordent- 
lich feines Netz von Tracheen auflösen und so an vielen Stellen miteinander in 
Verbindung treten. Erwähnenswerth ist eine sehr deutliche, in kurzer Entfernung 
vor den Stigmen gelegene Verbindung der beiden Hauptstämme der Tracheen 
(Fig. 3). wie auch ähnliche Verbindungen bei anderen Diptereularven bekannt 
sind. Uebrigens sind die Tracheen bei in Canadabalsam präparirten Individuen 



Ut'l»i>r tlic 1-iirvo von Oficixh/i. 



sehr oft vollstiiiidis: imsi('htl)!ir. Dass dio Hau])tstäinnuf der 'rnichccii einen so 
stark posrliliin^elten Verlauf nelimen, findet seine Erklärung wolil auch in den 
starken Contractionon und DihUatioucn, die das 'J'hier hei der Bewegung durch- 
in;u'ht. Die Stigmen sind trichterförmige Einsenkungen, welche am Hinteri-ande 
eines dreieckigen Schildchens vor den das Körperendc hildenden Haftapparat liegen. 
Sie sind ohne Deckel oder sonstige Schutzvorrichtung. Durch ihre helle Farhe 
fallen sie auf und wurden auch bei der Larve von Hcnops hriinnetis von Maskell, 
1. c, beschrieben. Das letzte Segment ist umgewandelt zu einem sehr charakte- 
ristischen Haft- und Springa])parat, den Fig. 4 wiederzugeben sucht. An dem- 
selben fällt eine Gruppe starker, eigenthümlicher Häkchen (JS.) auf, ferner vier 
Borsten ; die ersteren, in der Nähe der Häkchen stehend, sind etwas kürzer und 
dicker, die zweiten (J3.) sind lang und kräftig und dienen augenscheinlich zum 
Abschnellen, Aveun die Larve springt. Eine gewisse Aehnlichkeit hiemit weisen 
auch die letzten Segmente der Bombyliden- und Asilidenlarven auf. Man ver- 
gleiche die Figuren 57 und 64 in der oben citirten Arbeit Prof. Brauer 's. Bei 
den weiter vorgeschrittenen Astomella-Lurven ist der Haftapparat rückgebildet. 

Ich gehe nun über zur Beschreibung der sehr complicirten und der Klein- 
heit Avegen schwierig zu untersuchenden Mundtheile. Schon bei schwacher Ver- 
grösserung sieht man einen dunklen Chitinstab, der in der Mitte des ersten 
Segmentes eine kugelige Anschwellung zeigt und dann sich in vier schwächere 
Gräten auflöst. Diese erstrecken sich bis in das dritte Segment. Bei sehr starker 
Vergrösserung, 1200 : 1 (Obj. Zeiss, Immers. 2, Ocul. IV), erscheint dieser Stab 
als eine Halbröhre, wenigstens bis zu der kolbigen Anschwellung (Fig. 5). Nach 
vorne geht diese unter eine sehr dunkel gefärbte, bogenförmig gekrümmte Platte, 
welche man am deutlichsten in der Seitenansicht erkennt (Fig. 6, ^T.), die Kiefer- 
kapsel; über die Kieferkapsel hinaus ragt, gelenkig abgesetzt, eine Chitinspitze {Sj).). 
Die Kieferkapsel trägt nun nach seitwärts und abwärts zwei Haken (Fortsätze) 
(H.), welche bei manchen Stellungen sehr deutlich nach auswärts gerichtet sind. 
In der Abbildung Maskell's sind diese Haken deutlich zu sehen, wenn auch 
ihre Verbindung mit der Kieferkapsel nicht ersichtlich ist. 

Weiter nach vorne erscheinen gelenkig eingesetzt zwei gekrümmte Haken 
(0.). welche nach abwärts sich bewegen; man könnte sie vielleicht als Oberkiefer 
deuten. Nach abwärts sieht man zwei blasse Lappen, welche von einigen dunkleren 
Chitinstücken {Ch. St. in Fig. 5 und 6) gestützt werden. Diese bewegen sich beim 
lebenden Thier beständig scheerenförmig gegeneinandei'. An ihrem äusseren Rande 
tragen sie mehrere feine Borsten (T.), welche die Rolle von Tastern spielen. 
Schliesslich finden wir noch eine halbmondförmige, flache Platte, die Kinnplatte 
(Kp.), welche zwei sehr feine, lange Borsten trägt. Auch auf der doi'salen Seite 
der Kieferkapsel entspringen einige Borsten. Eine kuopfförmige Vorragung hinter 
dei- Kieferkapsel könnte eventuell als Fühler angesprochen werden, doch ist die 
Deutung solcher unentwickelter Gebilde immer eine etwas missliche. Vergleicht 
man die hier beschriebenen Mundtheile mit jenen der Astomella-Lurve, so sieht 
man sofort die bedeutenden, wohl auf Rechnung der parasitischen Lebensweise 
kommenden Unterschiede. Hingegen sind die Mundtheile der Ogcodes-LiwYe 



166 



Anton König. lieber die Larve von Ogcodes. 



ausserordentlicli ähnlich denen der Bombyliden und Nemestriniden, wie man 
sich durch den Vergleich mit den Abbildungen Brau er 's am angegebenen Orte 
überzeugen kann. Dies ist in systematischer Beziehung umso wichtiger, als damit 
eine neuerliche Bestätigung für die systematische Stellung der Acroceriden ge- 
wonnen ist. 

Die Chitingerüststäbe der Unterkieferplatten liegen horizontal, die Larve 
unterscheidet sich also von denen der Orthogenia, bei welchen diese Gräten 
winkelig gebogen erscheinen und im Profil aussehen wie der Unterkiefer eines 
Säugethieres. An der Ästomella-L^rYe liess sieh dies nicht so sicher feststellen, 
da die Mundtheile keine deutlichen Chitinstützen zeigen. Die Undurchsichtigkeit 
der Larve infolge der braunen Farbe liess von der inneren Organisation nichts 
erkennen, und Schnitte anzufertigen unterliess ich, da sie wohl kaum zu einem 
günstigen Resultat geführt hätten. Nur so viel sieht man, dass in den einzelnen 
Segmenten am hinteren Rande die Matrix der Cuticula aus dichter beisammen 
liegenden Zellen besteht. 

Ich habe mich seither viel bemüht, spätere Stadien der Larve zu finden, 
doch fand ich bislang keine. 



Erklärung der Abbildung eii. 
Tafel VII. 

Fig. 1. Ansicht der Larve von Ogcodes von der Dorsalseite. (Zeiss A, Ocular IV.) 
„ 2. Die kriechende Larve. (Zeiss A, Ocular IV.) 

„ 3. Hauptstämme des Tracheensystems Tr. mit Verbindung. (Zeiss A, 
Ocular IV.) 

„ 4. Hinterende der Larve mit Hafthaken if. und Springborsten JB., Stigmen ä 
(Zeiss D, Ocular IV.) 

„ 5. Mundtheile etwas schematisch; Sp. = Spitze; U. K. = Unterkiefer; 
0. K. = Oberkiefer; Ch. St. = Chitinstützen des Unterkiefers ; T. = Tast- 
borsten; Kp. = Kinnplatte; K. ^ Kieferkapsel; Zg. = Zopfgräten. 
(Zeiss, Immersion 2, Ocular IV.) 

„ 6. Mundtheile von der Seite; Bedeutung der Buchstaben wie in Fig. 5. 
(Zeiss, Immersion 2, Ocular IV.) 



Vevluwdl (Icrk'k aüoI hol Lies 
b'nnil XLlVim 



Tnf.VII. 



./ Köiiui 

Litrnr iipii Oqrodrs 




Iit?iJnst.r7?.5aiDiwajiÄ,Tf?9n. 



r 



1()7 



Beiträge zur Lepidopterenfaiiua Galizieiis. 

Von 

Dl. St. Klemeiisiewicz. 

(Vorgelegt in der Versammlung am 7. März 1894.) 



Die vorliegende kleine Abhandlung enthält einige Beiträge zur Schmetterlings- 
fauna Galiziens, mit besonderer Berücksichtigung jener Arten, deren Kenntnis 
hinsichtlich ihrer geographischen Verbreitung und selbst ihres Vorkommens im 
Gebiete so manche Vervollständigung noch erheischt. 

Die vorwiegend eigener, langjähriger Erfahrung entnommenen Daten, 
sammt vielen biologischen und morphologischen Notizen beziehen sich grössten- 
theils auf Arten, die aus weit entlegenen und in physiographischer Hinsicht sehr 
interessanten Grenzdistricten Galiziens (Brodj, Krakau, Neu-Sandec) .stammend, 
in Bezug auf die Formverschiedenheit grosse Mannigfaltigkeit aufweisen. In 
zweifelhaften Fällen wurden die vorwiegend in den „Sprawozdania Komisyi 
fizyograficznej etc." (Berichte der physiographischen Commission in Krakau) in 
polnischer Sprache publicirten Arbeiten heimischer Faunisten zu Rathe gezogen, 
unter denen für das engere Gebiet von Brody A. Viertl,^) für jenes von Krakau 
J. Zebrawski,^) L. Muszyk^) und Hedemann,*) endlich für Neu-Sandec 
und Umgebung mein verehrter Freund Fr. Schille, Oberförster in Rytro, dessen 
lepidopterologischer Routine ich manche werthvolle Notizen verdanke, hervor- 
zuheben wären. Die Fauna Ostgaliziens behandelte in lateinischer Sprache 
M. Nowicki in der fleissig zusammengestellten „Enumeratio lepidopterorum 
Haliciae Orientalis, Leopoli, 1860", jene der Macrolepidopteren von ganz Galizien, 
wenn auch nur unvollständig, T. Garbo wski in seiner ein wenig phantastisch 
angehauchten, immerhin jedoch durch Anführung vieler Citate werthvollen Ab- 
handlung „Materialien zu einer Lepidopterenfauna Galiziens etc.", Wien, 1892. 

Ich fühle mich veranlasst, dem Herrn Gustos A. Rogen hofer für die 
freundliche Hilfe bei Bestimmung zweifelhafter Arten, sowie dem Herrn Ober- 



1) Bericht der physiogr. Commiss. der k. k. Krakauer wissensch. Gesellsch., Bd. VI, p. 57— G.ö. 

2) Ibid., Bd. I, p. 144—158; Bd. II, p. 127—129 und Bericht der physiogr. Commiss. der k. k. 
Akad. der Wissensch, in Krakau, Bd. XII, p. 61 — 67. 

') Bericht der physiogr. Commiss. der k. k. Krakauer wissensch. Gesellsch., Bd. II, p. 130 — 131. 
^) Ibid., Bd. III, p. 43—49. 



168 



St. Klemensiewicz. 



förster F. Schille für die Ermöglichimg mancher schwieriger, namentlich nächt- 
licher Excursionen (mit Lampe, Köder und dem sonstigen complicirten F^mg- 
apparat, oft inmitten der unfreundlichsten Gebirgswildniss im Popradthale) meinen 
verbindlichsten Dank hiemit auszusprechen. 



I. Physiographisches aus der Umgebung von Neu-Sandec 

und Brody. 

Bevor ich zum eigentlichen Thema übergehe, will ich die äussere Physio- 
gnomie, nam.entlich der Neu-Sandecer und Brodjer Gegend mit einigen Worten 
berühren, da über Krakau und seine Umgebung in physiographischer Beziehung 
so Vieles schon berichtet wurde. ^) Durch die Erforschung klimatischer, geologischer 
und floristischer Verhältnisse einzelner Landstrecken kommt man nämlich zur 
Erkenntniss jener Gesetze und Bedingungen, unter welchen sich verschiedene 
thierische Typen allmälig entwickeln und die individuellen Gestalten im Ver- 
hältniss zu ihren Grundformen gewissen Veränderungen unterliegen. 

Die Stadt Neu-Sandec liegt im Vorgebirge der Westkarpathen, am 
nördlichen Eande des prächtigen und geräumigen Dunajecthales, rings umgeben 
von malerisch gruppirten Bergen, deren südliche Kette sich stellenweise zu der 
beträchtlichen Höhe von 1200 m erhebt. Der pittoreske Charakter der Ebene wird 
bedeutend gehoben durch drei Seitenthäler der in den Dunajec sich dortselbst 
am rechten Ufer ergiessenden Nebenflüsse, deren einer, Kamienica, unmittelbar an 
der Stadt, der kleine Bach Lubinka 2 hm nördlich, der reissende Strom Poprad 
etwa 5 km südlich in den Dunajec mündet. Die Neu-Sandecer Ebene ^) stellt 
zweifellos den Boden eines gewesenen Sees dar, dessen Spiegel sich in dem Masse 
senkte, als sich der Dunajec in der bedeutenden Gebirgskette, die von Grybow 
an über Mogilno gegen Limanowa sich hinzieht, immer tiefere Bahnen brach. 
Dies beweisen die mächtigen Massen von Flussgerölle, die im ganzen Thale be- 
deutende Terrassen bilden. Das Geröll ist undeutlich horizontal geschichtet und 
besteht grösstentheils aus Sandstein, dem stellenweise grössere Blöcke desselben 
beigemengt sind. Die hie und da durch Erosion des Wassers blossgelegten Fels- 
wände weisen fast ausschliesslich mehr oder weniger mächtige Sandsteinschichten 
von grünlicher Farbe auf, die oft mit ähnlich gefärbten Mergelschiefern abwechseln. 

Die Berge, namentlich die südlich gelegenen, sind grösstentheils von 
finsteren, wasserreichen Fichtenwaldungen bedeckt, die nur in weiterer Entfernung 
von Neu-Sandec (Zbyszyce, Rytro) durch grössere Buchenbestände ersetzt werden ; 
Kiefer und Tanne sind seltener, Eiche nur zerstreut anzutreffen. Die den Flüssen 

i) Das Wichtigste hierüber ist zu entnehmen aus Dr. S. Zareczny, „Studya geologiczne w 
KrakowsWm okr^gu" (Geologische Studien im Krakauer Bezirke); Bericht der physiogr. Commiss. 
der k. k. Krakauer wissensch. Gesellsch,, Bd. XXIII u. w., sowie aus J. Krupa, „Wykaz roslin 
zebranych w obr^hie W. Ks. Krakowskiego etc." (Pflanzen des Krakauer Grossherzogthums etc.); 
ibid., Bd. XI. 

-) Die Seehöhe des Neu-Sandecer Bahnhofes beträgt 297-8 m. 



Itoidilpi' 7.ur Ij(>puli>ii(i'r(Miliuiha (i;ill/,ii'iis. 

7,ii^ok(>hr(i>n L(^hnen bodockf ein dichtes Gostrüpix» von J'rnnm apinom, (h'al<i('(jns, 
HuhKK, J\os(i otc, sowie üppige 1v;is(mi niederer (Jewiiclise. Im Tlinle findet 
man keine Wälder, dalnr f'rnclitbiire Felder und (Järten, und liiiigs der Fliiss(! 
weit, nusfredelnite, dichte Gebüsche von 8trauchweide und Erle, mit einf^'est reuten 
Birken, - Wolinorto der seltenen Lopliopteryx Carmelita P]sj). 

Am südlichen Rande der Ncu-Sandecer Ebene, dort, wo der von Süden 
komnunide PopradHuss sein Thal verlässt, um in den üunajec zu münden, lie^t 
die kleine Stadt Alt-Sandec. Der Poprad bildet in hydrographischer Beziehung 
eine originelle Ausnahme von allen auf der Südseite der Karpathenkette entsprin- 
genden Flüssen, indem er, statt in die Donau zu münden, das riesige Gebirge 
in nördlicher Richtung durchbricht, um sich weiterhin mit dem Dunajec zu ver- 
binden. Das Popradthal mit seiner Tarnow — Leluchowcr Bahn gehört in 
landschaftliclier Beziehung zu einer der schönsten Gegenden Galizicus, Der Fluss 
rauscht dahin in gewundenen, mit Felsblöcken dicht verschütteten Bahnen.^) 
begleitet beiderseits theils von steilen, dicht bewaldeten, oft phantastisch felsigen 
Abhängen, theils von kleinen, gegen den Fluss sich sanft neigenden Feldern und 
Weiden. In dieses riesige Querthal der Karpathenkette münden zahlreiche secun- 
däre Bachthäler, lange, wild bewaldete Schluchten, welche unter anderen Selten- 
heiten Hahryntis Scita Hb. und Plusia Chryson Esp. bergen; sie werden von 
den bedeutendsten Erhöhungen der Karpathen in Form stumpfer Kegel und sanft 
geneigter Wipfel — beliebter Tummelplätze des P. Apollo L. — überragt. Am 
linken Ufer des Poprad steigt am höchsten der mächtige Rücken Radziejowa, 
1261m, am rechten die Pusta Wielka, 1079'2 m. 

Die Flora dieser Gegend setzt sich zusammen aus Wäldern, Wiesen und 
Gebüsch, welches letztere, gemischt mit verschiedenen niederen Pflanzen, vorzüglich 
an felsigen Stellen gedeiht. Das Haupteontingent der Wälder besteht aus Nadel- 
bäumen, namentlich aus Fichten, seltener Tannen; stellenweise, vorzüglich auf 
steilen Abhängen, begegnet man auch beträchtliche Buchenbestände (Zegestow, 
Rytro), mit vereinzelt eingestreuten Fichten und Tannen. Steile, magere Ab- 
hänge werden ausschliesslich von jungen Birken, die tiefer gelegenen, mehr 
fruchtbaren von Haselnuss, Hainbuche, theilweise auch von Bergahorn bewachsen. 
Auf Viehweiden gedeiht in grosser Menge Wacholder. Sonst findet man an 
feuchten Stellen im Thale verschiedene Weidenarten (Salix alba, fragilis, viminea, 
aurita, purpurea, caprea), an Waldrändern und auf Rainen ein dichtes Gestrüppe 
von Schlehen, Rosen, Weissdorn, Brombeeren etc. Von der alpinen Flora sind 
hervorzuheben: Salix silesiaca Willd., Lonicera nigra L., Rihes alpinuni L. 
(Gipfel der Pusta Wielka) und von Kräuterpflanzen unter anderen die Gebirgs- 
arten Äspidium Braunii Spenner, Homogyne alpina Gass., Circaea alpina L. 
u. V. a. — Eine der interessantesten und in entomologischer Beziehung bestens 
situirten Ortschaften des Popradthales ist das herrlich gelegene Dorf Rytro, 
mein Lieblingsaufenthaltsort. 



^) Das Gefälle des Poprad beträgt, von der galizischen Grenze bis zur Mündung gerechnet, 
d. h. auf einer Länge von 62 fcm, durcbsclinittlich 3-44to per 7m. 

Z. B. Ges. B. XLIV. Abb. 22 



170 



St. Klemensiewicz. 



Einer ganz anderen Welt begegnet man in der Umgebung von Brody. Diese 
Stadt liegt in der nördlichen Tiefebene, an der äussersten nordöstlichen Grenze 
Galiziens, eben an der Stelle, wo jene Ebene südlich an die steile Kante des podoli- 
schen Plateaus sich anschliesst. Gleich dem ganzen nördlichen Theile Ostgaliziens 
ist auch die Umgebung von Brody ein tiefer, ebener, an sandigen Feldern, stehenden 
Gewässern, verschlamm.ten Bächen, feuchten, morastigen Wiesen reicher Land- 
strich. Meilenweit erstrecken sich in der Ebene dunkle, fast ausschliesslich aus 
Nadelbäumen, namentlich Kiefern (Pinns süvestris) bestehende Wälder. Auch 
der Waldboden ist sandig und stellenweise morastig. Zwischen den Kiefernwäldern 
treten, namentlich an höher gelegenen Orten, hie und da kleine Bestände von 
Laubholz, vorwiegend Roth- und Hainbuche auf. Man findet aber auch ältere 
Schläge (Lipki, Folwarki Wielkie) mit einer üppigen, an Eichen-, Linden-, 
Zitterpappel-, Sahlweiden-, Ebereschen- und anderen Büschen, sowie an mannig- 
fach strauchartigen und niederen Pflanzen überreichen Vegetation,^) wahrhafte 
Eldorados für allerlei Insecteu. Wenn auch die Grenze zwischen der südlich 
gelegenen podolischen Steppe mit ihrem Continentalklima und dem tiefen, nord- 
östlichen Reiche der Kiefernwälder und Moräste eine recht scharfe ist, lässt sich 
in der Brodyer Gegend die Nachbarschaft der ersteren sowohl in der Flora 
{Äster amellus L., Senecio umhrosusW. K., Serratnla heterophylla Desf., Äpo- 
seris foetida Less., Adonis vernalis L., Hesperis tristis L., Erysimum Orientale 
R. Br., Physalis Alkekengi L., Euphorbia Gerardiana Jacq., Astragalus Ono- 
hrychis L. u. s. w.), wie auch in der Schmetterlingsfauna {Dianthoecia Luteago 
Hb., Taeniocampa Miniosa F., Cleoceris Viminalis F., Lygris Testata L. u. a. m.) 
schon recht deutlich fühlen. Ausser vielen Brody eigenen Specialitäten (z. B. der 
für sandige Gegenden charakteristischen Nola Togatulalis Hb , dei- in Menge 
erscheinenden Ocneria Detrita Esp., Simyra Nervosa F., Cidaria Blomeri Curt., 
der nördlichen Cidaria Lapidata Hb.) findet man auch mehr südliche Formen 
wie: Thecla Acaciac F., DiantJioecia Luteago Hb., Eriopus Purpureofasciata 
Piller und selbst Paida Rufeola Rbr. 

II. Specieller Theil. 

Das Verzeichniss ist nach Staudinger's Catalog (1871) geordnet. Die 
aus Galizien zunächst von mir verzeichneten Arten sind mit einem Sternchen 
versehen. 

Mhopalocera, 

I. Papilionidae. 

Papilio L. Machaon L. Erscheint in zwei Generationen von Ende April 
bis September, überall bis in die montane Region recht häufig.^) 

•) Ueber die Flora von Brody siebe E. Klöber, „Wykaz roslin z olcolicy Bredow" (Pflanzen 
aus der Brodyer Gegend) ; Beriebt der pbysiogr. Commiss. der k. k. Krakauer wissensch. Gesellscb., 18G9. 

-) Die von Garbo wski als Aberration, dann als Monstrosität Watzkai aufgestellte und in 
der Societas Eatomolog., V. Jabrg., Nr. 20, ausfübrlicb bescbriebene Missbildung von Machaon L., 



HoitniRo zur LoiiiddjilcnMif'auna (iiili/.iciis. 



171 



Pnninssius Latr. Apollo L. Hoho Tatra, vorziifii^lich in deren V()r^'('lMi-j,'('n ; 
Rytro, 8zozawnic'a, rioninen, Krosciciiko, ('zorsztyii ; einzeln an felsi|^eii A))li;in<,n'n, 
auch im Tliale. In ()s(«;-alizicn bislier ;iiis den Karpathen hei Zabio hekaiml:. 
Fliegt, in der zweiten Julihält'te ; vonSchille auf dem 1000 7» hohen »Skalkil)erge 
bei Rytro noch bis Endo September ziemlich zahlreich angetroffen. 

II. Pieridae. 

Colins F. Myrmidone Esp. Vorwiegend in Ostgalizien, stellenweise (Lem- 
berg, Brody) nicht selten; in zwei Generationen, Mai und Juni, Mitte Juli und 
August. Die seltene 

ab. 9 ^^öo^ Stgr. traf ich in Brody (Lipki) unter gewöhnlichen Exem- 
plaren der ersten Generation, Ende Mai; nach Viertl und Garbowski in Brody, 
respective Lemberg einzeln, von Mitte Juli bis Ende August. 

III. Lycaenidae. 

Thecla F. Äcaciae F. Verbreitet, doch nur local imd vorwiegend sehr 
selten. Kleczany bei Neu-Sandec im Juli; Brody (Lipki) in mehreren Exem- 
plaren aus der hellgrünen Raupe auf Prunus spmosa, in der zweiten Junihälfte 
(Klein ensiewicz). Sonst nur aus Podolien angeführt, wo sie namentlicli bei 
Stanislau die häufigste Art sein soll. 

Thecla Pruni L. Rytro, jedes Jahr aus Raupen auf Prunus spinosa; 
sonst im ganzen Gebiete verbreitet, wenn auch nirgends häufig; Mai, Juni. 

Lycaena F. Baten Berg. Von Viertl und mir in Brody, Ende Mai er- 
beutet. Sonst nur aus Janow, im Juni, und Bilcze (Podolien), Anfangs August, 
in einzelnen Stücken bekannt. 

IV. Nymphalidae. 

Vanessa F, Xanthomelas Esp. Bekannt nur aus wenigen Orten Ostgaliziens; 
Szkio, Krzywczyce (bei Lemberg), Stanislau; im Juli. Ich habe in Brody mehrere 
Exemplare Ende Juni aus Raupen gezogen; dieselben leben auf Weidenbüschen 
(Salix cinerea) im morastigen Grunde. Der Schmetterling soll auch überwintern. 

Melitaea F. Phoehe Knoch. Brody, Juni; auch aus Raupen auf Centaurea 
Scabiosa. Viertl fand ihre Raupen ebenfalls in Brody, regelmässig am Grunde 
der Disteln in eingesponnenen Blättern. Sonst nur aus Janow und Stanislau 
verzeichnet. 

Melitaea Didyma 0. Brody, vorzüglich im Waldschlage Lipki, jedes Jahr 
im Juni und Juli äusserst gemein; oft in schönen Abarten. Raupen auf Linaria 
und Veronica. Diese Art bildet zusammen mit Melitaea Äthalia Rott., Erehia 

die der Autor „etwas nicht Dagewesenes" nennt, obwohl sie hekanntlich bei den Schmetterlingen in 
ähnlicher Weise öfter angetroffen wird (vergl. St. Klemensiewicz, Zur Teratologie der Schmetter- 
linge; Societas Entomolog., V. Jahrg., Nr. 10), kann einen besonderen Namen nicht beanspruchen, 
weil Monstrositäten nicht zur Kategorie systematischer Einheiten gehören. 

22* 



172 



St. Klemcusiewicz. 



Medusa F., Coenonympha Iphis Schiff, und Coenonympha Arcania L. das Gros 
des dortigen Tagfalterlebens. In Westgalizien fast noch gar nicht bekannt. 

3Ielitaea Dictynna Esp. Wie die vorige, doch seltener; sonst auch bei 
Lemberg, Sambor, Drohobycz und Stanislau beobachtet. 

V. Satyridae. 

Erebia B. Medusa F. Verbreitet im ganzen Gebiete bis in das Vorgebirge 
(1000 w), doch stellenweise sehr selten (z. B. bei Neu-Sandec). 

Erebia Aethiops Esp. Wohl im ganzen Gebiete verbreitet, doch viel 
häufiger in den Gebirgsgegenden Westgaliziens. Bei Brody fehlt sie gänzlich, 
dafür in der Neu-Sandecer Gegend (Alt-Sandec, Eytro, Zegestow), Szczawnica, 
Pieninen, Tatra bis 1200 die nllerhäufigste Erebia. Von Mitte Juli bis Ende 
August. 

Erebia Ligea L. Diesen Gebirgsfalter fand ich öfter im Popradthale und 
Zakopane (Tatra), gleichzeitig mit dem vorigen; auch aus dem ostgalizischen 
Vorgebirge bekannt, (Solotwina, Berg Husla bei Sambor, Krasne bei Kalusz, 
Drohobycz, Zabie). 

Satyrus F. Alcyone Schiff. Brody, am Kande eines stark gelichteten, 
sandigen Kiefernwaldes in zahlreichen Exemplaren, die sich, fortwährend herum- 
flatternd, für kurze Zeit bald auf dem Boden, bald auf Baumstämmen setzten;^) 
Juli bis Mitte August. 

Satyrus Semele L. Verbreitet, doch nicht überall gemein.^) Ich habe 
diese Art sowohl in der Brodyer, wie in der Neu-Sandecer Umgebung nur einzeln 
und nicht jedes Jahr angetroffen. Juli, August. 

Satyrus Statilinus Hufn. Westgalizien; meist sehr selten und local. In 
sandigen Wäldern bei Krakau und Tarnow. Flugzeit August. 

Pararge Hb. Maera L. Verbreitet, vorzüglich in Gebirgsgegenden West- 
galiziens; Neu-Sandec, Rytro, Zakopane. Erscheint im Juli, in der Ebene (Brody) 
schon Anfangs Juni. In Rytro begegnet man Abänderungen, die sich von der 
echten var. Adrasta Hb., wie ich solche in Triest sammelte, durch geringere 
Ausdehnung der rothgelben Pleckenbinde unterscheiden. 

Pararge Achine Sc Bekannt vorwiegend nur aus wenigen Orten Ost- 
galiziens: Stanislau, Sambor, Lemberg. Auch bei Brody (Lipki) von mir jedes 
Jahr in mannigfachen Abänderungen (betreffend die Zahl und Deutlichkeit der 
Augen) beobachtet. Fliegt auch bei Rzeszow. Juni, Juli. 

Epinephele Hb. Lycaon Rott. Verbreitet im ganzen Gebiete; Brody, 
Lemberg, Zaleszczyki, Krakau, Neu-Sandec, Krynica, Pieninen. Am häufigsten 
auf den Alt-Sandecer Wald wiesen im Juli und August von mir angetroffen. 



1) Die von einer Seite gestellte Behauptung, diese Art habe .,besonders in Westgalizien in 
felsigen Nadelwäldern ihre Flugstätten", trifft insofern nicht zu, als dieselbe in Westgalizien bisher 
nur einmal (Myslachowice) von Zebrawski, im Osten des Gebietes aber ausser mir noch von Nowicki 
in Lwowiec und von Vier tl in der sumpfig-saudigen Ebene bei Brody öfters beobachtet wurde. 
Vergl. Garbowski, 1. c, p. 46. 



Hoilriif;«! /iir Lcpiilniiloiciiriumii (iaIi/.iciiH, 



VI. Hesperidae. 

St/richfhits B. SvrratKlac Kbr. Bisher mir aus wonigcii Orten Oslgaliziens 
verzoiehiiet, z. B. Leinberg, .Taiiow. Holosko; im Mai mid Juni. Allerdings selten, 
dürfte jedoch wegen seiner grossen Aelmliclikeit mit Alixiis IIb. öfter verwechselt 
werden. Ich habe ihn auch in Brody beobachtet. 

Heterocera. 

A. Sphinges. 

I. Sphingidae B. 

Deilephila 0. Livornica Esp. Ich habe diesen bei uns seltenen Schwärmer 
vor mehreren Jahren am 31. August in Gruszow (bei Tarnow) und im vorigen, 
für diese Deilephila sehr günstigen Jahre ^) wieder in Brody Anfangs September 
mehrmals auf Blumen erbeutet. Sonst bekannt aus der Gegend von Stryj, Sanok, 
Lemberg. 

II. Sesiidae H.-S. 

Sciapteron Stgr. Tabaniforme Rott. Diesen seltenen Schmetterling habe 
ich in Chelmiec (bei Neu-Sandec) Anfangs August angetroffen ; sonst aus S;imbor, 
Stanislau und Drohobycz vom Juni verzeichnet. 

Sesia F. Tipuliformis Gl. Verbreitet und nicht selten, doch leicht zu 
übersehen. Ich habe sie bei Neu-Sandec am häufigsten durch Abstreifen blühen- 
der Wolfsmilchpflanzen, auf denen sie sich gerne setzen, bekommen. Auch in 
Brody viele Exemplare aus Raupen in Johannisbeerenstengeln gezogen. Flugzeit 
Ende Mai bis Anfang September. 

Sesia Myopaeformis Bkh. Unter der Rinde eines alten, einsamen .Birn- 
baumes in Biecz mehrere Raupen aufgefunden, die mir nach leichter Zucht in 
der zweiten Junihälfte ebenso viele schöne Schmetterlinge lieferten. Bekannt 
auch aus Lezajsk und Lemberg. 

Sesia Culiciformis L, Podegrodzie bei Neu-Sandec, in zwei Exemplaren 
Ende Juni von mir erbeutet; auch bei Sambor und Lemberg. 

* Bemhecia Hb. Hylaeiformis Lasp. Entdeckt am 17. August 1883 auf 
einem Pflaumenbaumzweige in Siedliska bei Grybow (Kiemensie wicz); sonst 
als Imago noch nirgends im Gebiete angetroffen. Garbo wski gibt an. Raupen 
dieser Art in seinem Garten (Lemberg) zahlreich beobachtet zu haben. 

III. Zygaenidae B. 

Ino Leach. Pruni Schiff. Brody, jedes Jahr Ende Juni und im Juli in 
mehreren Exemplaren aus Raupen; manche Stücke auffallend klein (Flügellänge 
Smm). Die Raupen sind polyphag; ich fand solche schon auf laichen, Pflaumen 



') Vergl. W. Weissmantel, lieber Deilephila Livornica ; ^ociet. Entom., VIII. Jahrg., Nr. 3. 



174 



St. Klemeusiewicz. 



und Erdbeeren, bei welcher Kost sie ganz gut gedeihen. Wird auch aus Stanislau, 
Lemberg und Rzeszow gemeldet. 

Zygaena F. Cynarae Esp. Brody, im Juli aus Raupen in mehreren 
Exemplaren. Die noch wenig bekannte Raupe ist hell gelblich, fast weiss, mit 
sehr kleinen braunen Punkten; Gespinnst ebenfalls sehr licht. Der Schmetterling 
fliegt auch bei Lemberg (Holosko). 

Zygaena Angelicae 0. Verbreitet, doch nicht überall gleichmässig ver- 
theilt, indem sie z. B. bei Neu-Sandec zu den Seltenheiten gehört; im Tatra- 
gebirge steigt sie sehr hoch. Juni, Juli. 

Zygaena Ephialtes L. In der Stammform sehr selten und local. 

Ab. Äthamanthae Esp. etwas häufiger und weiter verbreitet; Bilcze (Podo- 
lien), Brody, Lemberg, Krakau ; im Juli und August. 

IV. Syntomidae H.-S. 

Syntomis III. Phegea L. Verbreitet (Podolien, Brody, Lemberg, Krakau, 
Neu-Sandec), doch sehr ungleichmässig vertheilt und stellenweise sehr selten. 
Häufig soll sie nur an manchen Orten bei Lemberg und Halicz sein.^) 

B. Bombyces. 

I. Wycteolidae H.-S. 

Sarrothripa Gn. ündulana Hb. Brody, wo man sie jedes Jahr in vielen 
Abänderungen : ab. Dilutana Hb., ab. Punctana Hb., ab. Ramosana Hb. aus 
Raupen auf Eicheubüschen bekommen kann; Flugzeit Juni bis Mitte Juli. Auch 
in Rytro bei Alt-Sandec habe ich sie einzeln beobachtet. Sonst noch aus Lem- 
berg, Sambor und Stanislau verzeichnet. 

II. Lithosidae H.-S. 

Nola Leach Togatulalis Hb. Bisher nur aus Brody bekannt (Klemeusie- 
wicz). Diese vorzüglich in sandigen Gegenden lebende Seltenheit habe ich in 
Brody (Lipki) in mehreren Exemplaren Ende Juni aus Raupen gezogen. Die 
sehr zeitig im Frühjahr an Eichenbüschen erscheinenden (wahrscheinlich über- 
winternden) Hfüssigen Raupen sind ausgewachsen 11 mm lang, schmutzig gelb- 
grau, mit eben solchen, sehr langen Haaren dicht bewachsen; der Nackenschild 
ist schwarz. Sie zeichnen sich durch eine interessante Eigenschaft aus, die 



1) Wie wenig zuverlässig manchmal die Angaben Garbowski 's sind, beweist wieder einmal 
die sichere Behauptung desselben (1. c, p. 57), die Phegea L. wäre in Galizien ^.jährlich überall 
höchst gemein", was sowohl mit den Verzeichnissen heimischer Paunisten (vergl. z. 13. Nowicki, 
Enumeratio etc., p. 27, oder Werchrat ski, Motyle wie^ksze Stanislawowa etc. [Die Grossschmetter- 
linge von Stanislau und der Umgebung. Krakau, 1892]), wie auch mit meiner nahezu 25 jährigen 
Erfahrung im crassen Widerspruche steht. Ich habe Phegea während dieser langen Zeit in West- 
galizien nur einmal (bei Neu-Sandec), in Brody durch vier Jahre niemals angetroffen; so kann diese Art 
denn doch nicht ..jährlich überall höchst gemein" genannt werden. 



Koitnipro zur LoiiidoiilcrcMiCiuniii (iaii/ions. 



ich boi allen nioinoii I*]x(>m])l;i.n'n oluic Ausiialinio bcolmclitoto. J)io nach jeder 
Häutung: sicli l(>sen(len Kopriiüllen, welclie ('bcnralls Ix'lwiait sind, bleil)en zwischen 
den friselien Kopfhanren stet^ken, welche Erscheinung niicli jeder Häutung stärker 
hervortritt; so sieht man z. 13. nach der dritten Häutung einen hohen Scho])f am 
Kopfe, der aus drei Kopfhüllchen zusammengesetzt ist, die übereinander liegen 
und gegen die Spitze zu immer kleiner werden. Dieser Schoi)f fällt selbst nach 
der Verpuppung nicht ab, sondern bleibt an der eckigen PJrhöhung des kahn- 
oder sargförmigen dichten Gespinustes wie ein Federbusch liaften. Diese Er- 
scheinung lässt sich durch die Raiihheit der Kopfhaare erklären, die unter dem 
Vergrösserungsglas wie begrannt erscheinen und hiedurch beim Abstreifen der 
Kopfhüllen jedesmal zwischen den neuen Haaren sich verfangen. 

Nola Cuculatella L. Rytro (bei Alt-Sandec) im Juni und Juli, vorwiegend 
aus Raupen auf Schlehen gezogen. Auch bei Stanislau, Sambor und Brody. 

* Nola Ccntonalis Hb. Brody, im Juli mehrere Exemplare zum Licht. 

* Nola Cristatula Hb. Bochnia, im Gebüsch am 25. April drei Exemplare. 

* Paida H.-S. Rufeola Rbr. Dieser ausserordentlich seltene, südeuropäische 
Spinner ist in meine im 1. Stocke gelegene Wohnung in Brody am 13. Juli zur 
Lampe angeflogen. Es ist kaum anzunehmen, dass man es da mit einem durch 
Winde so weit verschlagenen Individuum zu thun hat, da selbes vollkommen gut 
erhalten in meine Hände gelangte. 

Lithosia F. Lutarella L. Verbreitet, doch noch wenig bekannt; Bilcze, 
Stanislau, Lemberg, Brody, Gruszow bei Tarnow. Im Juli und August. Ich 
habe sie in Brody auch zu Hause gezogen. 

Lithosia Sororcula Hufn. (Äureola Hb.). Verbreitet im ganzen Gebiete, 
doch nur stellenweise häufig (z. B. bei Lemberg); fliegt Ende April bis Juni. 

Gnophria Stph. RuhricolUs L. Weit verbreitet; in Brody jährlich in 
vielen Exemplaren ex larva. Raupen geklopft von Eichenbüschen, mit deren 
Flechten sie leben. Getriebene Puppen ergeben den Schmetterling schon Mitte 
April. Ich fand den Schmetterling Mitte Juli auch zahlreich an jungen Fichten 
in der Ebene von Czarny-Dunajec (am Fusse der hohen Tatra). In manchen 
Jahren soll sie stellenweise (Bii'ohorszcze bei Lemberg) in grosser Menge erscheinen, 

III. Aretiidae Stph. 

Ärctia Schrk. Äulica L. Dieser vorwiegend aus dem östlichen Theile des 
Gebietes bekannte Schmetterling (Lemberg, Stanislau) wohnt in Menge hoch im 
Gebirge bei Rytro. Ich habe mit Oberförster Schille im April während einer 
Excursion in genannter Gegend an einer grossen, nur mit Gras bewachsenen, 
hoch gelegenen Lehne nahezu 100 Stück ausgewachsene Raupen gesammelt; — 
wir hätten gewiss noch zehnmal so viel mitnehmen können, wenn wir mehr Raum 
in unseren Excursionsschachteln gehabt hätten. Im nächsten Jahre war um die- 
selbe Zeit keine Spur von ihnen zu finden. Die Zucht ist sehr leicht. 

Spilosoma Stph. Mendica Gl. Verbreitet, doch selten; in Brody Ende 
Mai von mir beobachtet. 



176 



St. Klemensiewicz. 



IV. Cossidae H.-S. 

Zeuzera Latr. Pyrina L. Sehr selten, nur in wenigen Exemplaren aus 
verschiedenen Orten Galiziens bekannt; Stanislau, Sambor, Lemberg, Rzeszow, 
Neu-Sandec, Krakau. In Brody zweimal von mir angetroflPen, Ende Juni und 
Mitte Juli; das zweite Exemplar wurde, kaum der Puppe entschlüpft, noch mit 
völlig verkümmerten Flügeln von einem Lindenbaumstamme nach Hause gebracht, 
wo es sich zu einem prachtvollen Weibchen entwickelte. Am nächsten Tage legte 
es einen grossen Haufen länglicher, wachsgelber, leider tauber Eier. 

V. Coehliopodae B. 

Heterogenea Knoch. Äsella Schiff. Zerstreut und selten; bei Lemberg, 
Stanislau, Krakau und Brody, in welch' letzterem Orte ich sie aus einer auf 
Vogelkirsche gefundenen Raupe Ende Mai durch Zucht erhielt. 

VI. Psyehidae B. 

Psyche Schrk. Hirsutella Hb. {Calvella 0.). Brody und Neu-Sandec im 
Juni ex larva (Klemensiewicz); noch am leichtesten durch Zucht zu erlangen. 
Sonst noch wenig beobachtet; Lemberg, Stanislau. 

E^nchnopteryx Hb. Bomhycella Schiff. Verbreitet bis in die Tatra; Stanis- 
lau, Sambor, Krakau, GoJabkowice bei Neu-Sandec. Flugzeit Juni, Juli, im Ge- 
birge noch August. 

Fumea Hb. Intermediella Brd. {Nitidella Hof.). Brody im Juni und Juli, 
namentlich als Raupe häufig; sonst noch wenig beobachtet. 

VII. Liparidae B. 

Orgyia 0. Antiqua L. Verbreitet; wird von Ende Mai bis in den October, 
wahrscheinlich in drei Generationen, recht häufig angetroffen. Die Männchen 
trifft man öfter in raschem Fluge in Gärten und Hainen; Weibchen fast nur 
durch Zucht erhältlich. Ich besitze zwei gezogene männliche Exemplare, die 
durch ihre dunkle Grundfarbe, verschwommene Zeichnung und den kleinen, mehr 
rundlichen Innenrandfieck lebhaft an die Bamburü Mab. erinnern. 

* Ocneria H.-S. Detrita Esp. Eine Specialität Brodys, wo sie namentlich 
als Raupe auf jungen Eichenbüschen jedes Jahr in Menge vorkommt. Die Raupen 
können im ausgewachsenen Zustande Ende Mai und im Juni mühelos geklopft 
werden. Entwickelung Anfangs Juli. Es ist merkwürdig, dass diese Art bis jetzt 
von keinem heimischen Sammler, nicht einmal von Viertl, der in Brody viel 
sammelte, beobachtet wurde. 

VIII. Bombycidae B. 

Lasiocampa Latr. Lunigera Esp. ab. Lohulina Esp. Diesen sehr seltenen 
Spinner habe ich in einem ausgedehnten Fichtenwalde bei Czarny-Dunajec 



Boitriipo zur lioi>i(l()i)loronfaniia Galizions. 



177 



(Hoohobono von Nou-Markt, am Fusso der hohon Tatra) am 2G. Juli l)t'i Soiiuoii- 
untergaiii,' im Flu{^i> »^rfMnjjfon. Sonst, nur von H odomann aus der Krakauer 
Umgebung in einem weibliclien Exemplare angeführt. 

IX. Saturnidae B. 

Saturnia Sclirk. Pavonia L. Verbreitet, doch vorwiegend selten. In Neu- 
Sandec habe ich an einem Himbecreustrauche viele Raupen aufgefunden, die sich 
Ende April des folgenden Jahres zu Schmetterlingen verwandelten. ^) 

X. Drepanulidae B. 

Drepana Schrk. Falcataria L. Verbreitet, in zwei Generationen von 
Mitte April bis August. Aus getriebenen Puppen beginnen die Thierchen schon 
Anfangs März zu kriechen. 

Drepana Curvatula Bkh. Ueberall, doch ungleichmässig verbreitet; in 
zwei Generationen, Mai bis Juni, August; Stanislau, Sambor, Lemberg, Rzeszow, 
Tarnow (Gruszow). In Krakau viele Exemplare aus den auf Erlenbüschen im 
Herbste lebenden Raupen. Getriebene Puppen schlüpfen schon Ende Februar. 

Drepana Lacertinaria L. Verbreitet, doch meistens recht selten, in zwei 
Generationen von Ende März bis August. Von mir in Brody, Krakau, Neu-Sandec 
und Rytro beobachtet. Raupen .findet man vorzüglich auf einsamen jungen 
Birken im Herbste. 

Drepana Binaria Hufn. Zerstreut und selten. Ich habe ein Exemplar 
in Biesna bei Grybow Mitte August bei Tage erbeutet; sie erscheint aber auch 
im Juni. Sonst aus Lemberg, Sambor, Podolien verzeichnet. 

Drepana CuUraria F. {Unguimla Hb.). Sehr selten; nur spärlich bei 
Sambor, Stanislau, Drohobycz, Lemberg und Krakau beobachtet. Ich habe in 
einer Fichtenwaldschlucht bei Rytro am 10. Juli ein Stück am Licht erbeutet. 
Beobachtete Erscheinungszeit: Mai, Juni, Juli, September. 

Cüix Leach. Glaucata Sc. {Spinula Schiff.). Verbreitet; Brody, Stanislau, 
Sambor, Lemberg, Krakau, Rytro ; in zwei Generationen von April bis August. 
In Rytro sind die Raupen durch Beklopfen der Schlehenbüsche jedes Jahr in 
Anzahl zu bekommen. 

XI. Notodontidae B. 

Harpyia 0. Furcula L. Zerstreut und selten; Brody, Lemberg, Drohobycz, 
Sambor, Neu-Sandec. Schon im Jahre 1859 von Nowicki aus der Lemberger 
Umgebung verzeichnet. Flugzeit Mai, nach Werchratski auch im Juli. 

Harpyia Erminea Esp. Verbreitet, im Juni. Nach Nowicki bei Sambor 
und Lemberg fast häufiger als Vinula L.; in Neu-Sandec recht selten, jedenfalls 
viel seltener als die letztere. 



Saturnia Pyri Schiff, wurde im Jalire 1868 von J. Werchratski aus Zaleszczyki ver- 
zeichnet (Sprawozdanie etc. [Bericht der physiogr. Commiss. der k. k, Krakauer wissensch. Gesellsch., 
Bd. III, p. 50]). 

Z. B. Ges. B. XLIV. Ahh. 23 



178 



St. Klemensiewicz. 



Notodonta 0. Tritophus F. Wird im ganzen Gebiete, aber nur selten 
angetroffen; Brody, Stanislau, Lemberg, Krakau, Neu-Sandec, Szezawnica; Juli, 
August. In Brody ist mir ein Exemplar aus getriebener Puppe schon Mitte 
April gekrochen. Garbowski gibt an, bei Szklo zahlreiche Raupen gefunden 
zu haben. 

Notodonta Trepida Esp. Ostgalizien; sehr selten, nur in einer Generation; 
Lemberg, Stanislau, Brody, in welch' letzterem Orte ich zwei Raupen auf einer 
Eiche entdeckte. Die Raupen verpuppen sich im August und ergeben im Mai 
oder Juni des nächsten Jahres den Schmetterling. 

* Lophopteryx Stph. Carmelita Esp. Eine ausgezeichnete Seltenheit, von 
mir am 14. Mai 1870 bei Neu-Sandec in einem aus Strauchwerk und Birken 
bestehenden Gebüsche am Dunajec entdeckt; seither von Niemandem wieder 
gefunden. 

Gluphisia B. Crenata Esp. Sehr selten und local; bisher nur aus Ost- 
galizien in wenigen Exemplaren verzeichnet. Nowicki fand seine vier Stücke 
bei Sambor im Juni; mir sind in der zweiten Julihälfte zwei Exemplare in Brody 
zum Licht gekommen. 

Pygaera 0. Anastomosis L. Zerstreut; die seltenste Pygaera im Gebiete. 
Ich habe sie nur in Brody zum Licht in einigen Exemplaren im Juli und August 
bekommen. Zebrawski fand sie bei Krakau im Juni und September, Wer- 
chratski bei Stanislau im Juni und August;" nach Letzterem soll die von der 
zweiten Generation stammende Raupe überwintern. 

XII. Cymatophoridae H.-S. 

Äsphalia Hb. Flavicornis L. Diese wegen ihres frühen Erscheinens ver- 
hältnissmässig noch wenig beachtete Art dürfte im Gebiete verbreitet und nicht 
selten sein. In Rytro haben wir mit Oberförster Schille im März und April 
zahlreiche Exemplare erbeutet, indem wir die noch unbelaubten jungen Birken 
mittelst Klopfkeule schüttelten. 

C. Noduae. 

* Simyra 0. Nervosa F. Brody, heuer in einem Exemplare aus Raupe 
gezogen; dieselbe wurde mit vielen anderen, auf niederen Pflanzen lebenden Raupen 
in einem grossen Zwinger, leider unbeachtet, aufgezogen. Die Puppe überwinterte 
und lieferte den seltenen Schmetterling am 30. Mai. Sonst bisher von Niemandem 
im Gebiete beobachtet worden. 

Äcronycta 0. Strigosa F. Zerstreut und nicht häufig. Brody, Stanislau, 
Sambor, Lemberg, Neu-Sandec; im Juni und Juli; aus getriebenen Puppen in 
Brody schon Mitte April. 

Äcronycta Aiiricoma F. Wird selten und nur stellenweise getroffen; 
•Rzeszow, Lemberg, Szk'lo, Stanislau. In Brody ex larva Mitte Juli, nach Vier tl 
auch Ende Mai. 



IJoitriiRc /ur I,<»iii(l()|it<'i('iir;uiiiii (iiilizioiiH. 



17!) 



Avromjvta lAißistri F. Zerstreut, imd iiiclit liäiifij^; Stanislau, .Sanilior, 
Lemberg, lirody. C/arny-Diiuajec bei Neii-Markt. Am liiiiiligsten liabe ich sie 
noch in den zwei zuletzt genannten Orten an Planken getrollen. VÄw Mitt;e Juli 
in Brody gefangenes Exemj)lar zeichnet sich dadurch aus, dass an den Flügeln 
weisse Stellen völlig fehlen. Flugzeit Mitte Mai bis Mitte Juli. 

Agrotis 0. Fimhria L. Sehr selten und local; Lemberg, Stanislau, Ki-akau. 
Ein Exemplar auch in Kleczany bei Neu-Saudec lioch in einem liuchenwaldc 
Mitte August am Köder von mir erbeutet. 

Agrotis Orbona Hufn. {Siibseqim Hb.). Diese im Gebiete sehr seltene 
Art Avurde vor Jahren am 30. Juli in Szczawnica aufgefunden (Kiemensie wicz). 
Sonst nur von Werchratski^) aus Poznanka (Podolien) angeführt. 

* Agrotis Collina B. Diese alpine Art habe ich in Czarny-Dunajcc am 
22. Juli entdeckt. 

* Agrotis Cuprea Hb. Seltenheit, am 27. Juni 1872 in Krynica von mir 
einzeln entdeckt. Schille sammelte in Rytro mehrere Exemplare auf blühen- 
den Disteln.^) 

Agrotis Lucipeta F. In Podegrodzie (bei Neu-Sandec) Mitte Juli Abends 
auf Blumen in zwei Exemplaren angeti'olfen fKlemensie wicz) ; sonst nur aus 
der Lemberger Umgebung gemeldet. 

Agrotis Birivia Hb. Sehr selten, mehr im Gebirge; Neu-Sandec und 
Rytro im Juli. Auch aus Sambor und Stanislau bekannt. 

Agrotis Tritici L. Selten; Poznanka gnila (Podolien), Lemberg, Neu-Sandec, 
Brody (zahlreicher); im August. 

Agrotis Obelisca Hb. Zerstreut und recht selten; Brody, Neu-Sandec, im 
Juli und August ; auch bei Janow. 

Agrotis Vestigialis Rott. {Valligera Hb.). Nicht überall und selten; Krakau, 
Lemberg. Nur bei Brody recht häutig, wo ich sie jährlich zum Licht, auch ex 
larva, im August erhielt. 

Agrotis Prasina F. Zerstreut, mehr im Westen des Gebietes. Neu-Sandec, 
Rytro, in dichten Gebirgswäldern zum Licht, im Juli und August; Brody, ex 
larva Mitte Juni. Diese Art wurde auch Mitte Mai bei Krakau und Anfangs Juni 
bei Stanislau beobachtet; also wahrscheinlich schwärmt sie in zwei Generationen, 

Neuronia Hb. Popularis F. Verbreitet und nicht selten, doch keines- 
wegs „höchst gemein", wie Garbowski (1. c.) berichtet. Es gibt ganze Land- 
striche, wo sie ungeachtet der Anwendung aller Fangmethoden bisher nicht 
angetroffen wurde. Mir nur aus der Neu-Sandecer Gegend in grösserer Zahl 
bekannt. Fliegt von Mitte August bis September. 

Neuronia Cespitis F. Zerstreut und selten. In Brody Ende August zwei 
Exemplare zum Licht (Klemensiewicz); sonst nur bei Stanislau und Krakau. 

Mamestra Tr. Leucophaea View. Verbreitet, aber nur einzeln und selten. 
Mein Stück stammt aus Neu-Sandec. Ende Mai, Juni. 



•) Bericht der physiogr. Commiss. der k. k. Krakauer wissensch. Gesellsch., Bd. III, p. (51). 
Wurde neulich auch von Garbowski (I.e.) ohne Angahe irgend welcher Fundorte erwähnt. 

23* 



180 



St. Klemensiewic; 



Mamestra Contigua Vill. Scheint auf den östlichen Theil des Gebietes 
beschränkt zu sein. In Brody sammelte ich jährlich viele Eaupen auf niederen 
Pflanzen und auf der Vogelkirsche, die mir getrieben schon im April und Mai 
Schmetterlinge lieferten; auch am Köder Ende Juni. Sonst nur um Lemberg 
und Stanislau beobachtet. Nach Werchratski (1. c.) sollen die Eaupen an 
Birken leben. 

Mamestra Persicariae L. ab. Unicolor Stgr, (al. ant. ahsque macida alba). 
In mehreren Stücken zum Licht in Brody. 

Mamestra Trifolii Eott. {Chenopodii F.). Verbreitet, stellenweise recht 
häufig; bei Neu-Sandec noch nicht beobachtet. Fliegt in zwei Generationen von 
Ende Mai bis September ununterbrochen. 

Mamestra Chrysozona Bkh. {JDysodea Hb.). Zerstreut und nur stellen- 
weise häufiger. Ich habe viele Exemplare in Neu-Sandec an Blumen und in 
Brody zum Licht gefangen. Ende Juni bis August. 

Dianthoecia B. Luteago Hb. Diese südeuropäische Form wird im äussersten 
Osten des Gebietes angetroffen. In Brody sind mir jedes Jahr einige Exemplare 
zum Lampenlicht in meine Wohnung angeflogen. ^) Flugzeit Juni, Juli. 

Dianthoecia Nana Eott. {Conspersa Esp.). Verbreitet, doch selten; Stanis- 
lau, Sambor, Lemberg, Krakau, Neu-Sandec. Fliegt im Mai und Juni, nach 
Zebrawski noch im Juli. 

Dianthoecia Compta F. Sehr selten ; bekannt nur in einzelnen Exemplaren 
aus Lemberg, Stanislau und Neu-Sandec (Kiemensie wicz). 

Ämmoconia Ld. Caecimacula F. Brody, vier Exemplare ex larva und 
eines am Köder im September. Sonst nur von Nowicki in einem Stücke aus 
Lemberg angeführt. 

Polia Tr. Chi L. Sehr selten, bis nun von Viertl in Brody (19. August) 
und von mir bei Neu-Sandec (20. September) einzeln angetroffen. 

Äpamea Tr. Testacea Hb. Zerstreut und selten; Lemberg (im Juli), 
Krakau, Neu-Sandec (im August und September). 

Hadena Tr. Porphyrea Esp. [Satura Hb.). Selten und local; vorzüglich 
in Westgalizien; Krakau, Neu-Sandec. Ich habe sie neulich auch in Eytro am 
27. August gefunden. 

* Hadena Suhlustris Esp. Diese von Leder er als Abart von LithoxyleaF. 
erklärte Form habe ich in Brody Ende Juni und Anfangs Juli auf einer Wald- 
wiese (Lipki) schwärmend Abends erbeutet. Sie ist durch die stark rostrothe 
Beimischung von der verwandten Lithoxylea F. leicht zu unterscheiden. 

Hadena Burea F. Zerstreut und nur stellenweise (Sambor) häufiger. 
Ab. Älopecurus Esp. bei Neu-Sandec Mitte Juni in drei Exemplaren gefunden. 

* Hadena Ophiogramma Esp. Diese hervorragende Seltenheit wurde in 
Czarny-Dunajec (unweit vom Fusse der Tatra) auf einer Friedhofmauer sitzend 
am 22. Juli 1887 von mir entdeckt; sonst von Niemandem bemerkt. 

1) Es ist interessant, dass ich in dem genannten, ganz eben gelegenen Orte beim Lichte einer 
Lampe, welche ich im Fenster meiner im ersten Stocke befindlichen Wohnung aufzustellen pflegte, 
eine Menge mitunter sehr seltener Nachtschmetterlinge erbeutete. 



HiMlrilj^o 7,iir ljci)i(loi)tor("iifiUiiiii (iali/,i<MiK. 



Eriopus Tr. Vurpnrcofasviata riller. Solir selten, nur in Osf^iilizien. 
Eutdeekt von Nüwieki bei llolosko Anfangs Juni; nachträglich wurde diese 
schöne ]*aile auch von Viertl und von mir bei lirody im Juli einzeln angetroflen. 

JJahryntis JA. Scita Hb. Zerstreut und sehr selten. Wir haben sie; mit 
Schille in einer Waldschlucht von Rytro Ende Juli in zwei Exemplaren zum 
Licht bekommen. Soll auch bei Lemberg vorkommen. 

* Hydroccia Gn. Micacea Esp. Bis jetzt nur von mir mehrere Exemj)lare 
bei Neu-Sandoc im Juli und August aufgefunden. Die Euleu erbeutete ich 
Abends in der Nähe eines Teiches, wo sie gerne an Gräsern schwärmen. 

* Leucania 0. Impura Hb. Brody, zum Licht am 10. Juni (Klemensiewicz). 

* Leucania Pallens L. ab. Ecti/pa Hb. Unter der Menge am Köder 
gefangener, gewöhnlicher Exemplare erhielt ich in Brody Ende August zwei 
Stücke, die infolge ihres stark röthlichen Anfluges als ab. Ectypa Hb. aufgefasst 
werden müssen. 

Leucania Ohsoleta Hb. Sehr selten, bis jetzt nur aus wenigen Orten Ost- 
galiziens bekannt; Winniki, Brody, an einer Gartenplanke im Juni (Klemen- 
siewicz). 

Leucania L. alhum L. Verbreitet, doch nicht überall und vorwiegend selten. ^) 
Leucania Turca L. Ostgalizien, selten; Sambor, Lemberg, Stanislau. In 

Brody kommen sie zuweilen zum Licht; Juni, Juli. 

Taeniocampa Gn. Miniosa F. Local und recht selten; sie wurde bisher 

nur in Brody (Viertl, Klemensiewicz) und bei Stanislau (Werchratski) im 

April beobachtet. 

Taeniocampa Opima Hb. Ostgalizien, selten; Zubrze bei Lemberg, Stanis- 
lau; Brody, wo ich sie Ende April am Köder traf. 

Panolis Hb. Piniperda Panz. Verbreitet, doch vorwiegend nicht häufig. 
In Neu-Sandec wurde sie nur einzeln, dafür aber bei Brody Ende April in Menge 
am Köder von mir beobachtet. 

Bicycla Gn. Oo L. Brody, in mehreren Exemplaren ex larva (Klemen- 
siewicz). Die Raupen leben in zusammengesponnenen Eichenblättern und ent- 
wickeln sich Anfangs Juli zu Schmetterlingen. Auch von Jaroslau und Stanislau 
einzeln angegeben. 

Cosmia 0. Paleacea Esp. Ich habe diese seltene Eule in Podegrodzie bei 
Neu-Sandec Anfangs Juli erbeutet. Sonst nur bei Kahisz und Stanislau einzeln 
gefunden. 

Cleoceris B. Viminalis F. Eine Seltenheit, von mir in Brody am 16. Juni 
und von Werchratski bei Stanislau Mitte Juli aus Raupen gezogen. 

Xanthia Tr. Citrago L. Bei Krakau und Neu-Sandec (Rytro) im Sep- 
tember (Kiemensie wicz). Auch in Ostgalizien stellenweise beobachtet; Ottynia, 
Stanislau häufiger. 

1) Die Behauptung, Leucania alhum L. wäre die „häufigste und allenthalben fliegende Art" 
(Tergl. Garhowski, 1. c, p. 94), steht in grellem Widerspruche zu den Berichten aller heimischen 
Faunisten. Ausser Nowicki (1. c, „Leopoli infrequens"), Werchratski (1. c, „hei Stanislau nicht 
häufig") und mir („Neu-Sandec selten") hat diese Art sonst Niemand verzeichnet. 



182 



St. Klemensiewicz. 



Xanthia Flamgo F. Verbreitet und nirgends selten. Ich besitze viele 
Exemplare, die ich seit 1888 in Brodj, Bochnia und Krakau durch Beklopfen 
des dichten Gestrüppes erbeutete. Flugzeit September bis Anfang October. 

Xa7ithia Gilvago Esi^. Zerstreut und selten; Bednaröwka. In Krakau schon 
am 7. September von mir angetroffen; sonst pflegt sie erst im October zu erscheinen. 

Hoporina B. Croccago F. Bisher nur aus dem Osten des Gebietes be- 
kannt; Brody, Lemberg, Stanislau. Erscheint im September und October; in 
Brody ein Exemplar noch Anfangs November von mir geklopft. 

ScoUopteryx Lihatrix L. Ueberall, bis in die montane Kegion sehr gemein ; 
der Schmetterling überwintert und wird fast das ganze Jahr hindurch angetroffen. 

Xylina 0. Furcifera Hufn. Verbreitet, doch vorwiegend selten. Meine 
Exemplare stammen aus Eytro und Brody, wo ich sie im September und nach 
der Ueberwinterung wieder im Frühjahre geködert habe. 

Calocampa Stph. Vetusta Hb. Verbreitet und stellenweise recht häufig, 
jedenfalls viel häufiger wie die nicht zu verwechselnde Exoleta L. In Brody 
und Eytro habe ich diese Art jedes Jahr im September und wieder im April 
zahlreich am Köder bekommen. Schon im Jahre 1870 von Schaitter^) aus 
Ezeszow angeführt. 

Ästeroscopus B. Sphinx Hufn. Verbreitet, jedoch sehr selten; Brody, 
Stanislau, Holosko, Eytro. In Krakau wurde ein Pärchen Anfangs October an 
einem Baumstamme von mir angetrofi'en. Sie erscheint dann wieder im nächsten 
Frühjahre (Schille). 

Plusia 0. Moneta F. Scheint nur in Ostgalizien stellenweise (bei Lemberg, 
Sambor) häufiger zu sein. Ich habe sie nur einmal als Eaupe in Neu-Sandec 
angetroffen. Dieselbe bewohnte ein an der äussersten Spitze des Aconitum zu- 
sammengesponnenes Blättergehäuse und verpuppte sich Ende Juni in einem 
schwefelgelben, geräumigen Gespinnste. Die Puppe ist weisslich grün und hat 
schwarze Querstreifen am Eücken. Der Schmetterling erschien am 15. Juli. 
Von Werchratski im Juni, August und Anfang September beobachtet. 

* Plusia Chryson Esp. Diese ausgezeichnete Seltenheit haben wir mit 
Oberförster Schille von Eytro in einer dicht bewaldeten, hoch gelegenen Gebirgs- 
schlucht von Eostoka-Mal^a am Poprad während unserer Nachtexcursionen mehr- 
mals zum Licht erbeutet. Man wird förmlich elektrisirt, wenn man in der 
Einsamkeit des Waldes diese prachtvollen Nachtschmetterlinge von Zeit zu Zeit 
funkelnd anfliegen sieht. Sie erscheinen spät, gegen zehn Uhr Abends und 
fliegen recht niedrig. Flugzeit Mitte Juli. Sonst unbekannt. 

Plusia Festucae L. Verbreitet im ganzen Gebiete und nicht selten, jedoch 
viel seltener wie Plusia Chrysitis L. Von mir beobachtet im Mai, Juni und 
August, was auf eine doppelte Generation hinweist. 

Plusia Gutta Gn. Vorwiegend in Ostgalizien und selten; in zwei Gene- 
rationen. Ich sammelte sie in Brody Mitte Mai und Anfangs Juli, in Neu-Sandec 
Anfangs September. 



') Bericht der physiogr. Commiss. der \. k. Krakauer wissensch. Gesellsch., Bd. IV, p. 32. 



noihüRO /.iir Ijopidoptoronfinma (JiilizionH. 1 H.'i 

TTclioUm Tr. J)ipsacci(s L. Vorbreitot, :il)cr s])iirlich und vorwiegend in» 
Osten dos Ciobiotes; auch bei Krakau und Nou-Sandoc (K lomensiowicz). Von 
Juni bis Septembor. 

Heliothis Armiger IIb. Zerstreut und selten; Sannbor, Lemberg, N(.'U- 
Sandec; im August und September. 

Acontia 0. Liiciuosa Esp. Mehr in Ostgalizien; erscheint im Mai und 
wieder häufiger im Juli, August. Kommt auch zum Licht. 

Thnlpochares JA. Paula Hb. Zerstreut und vorwiegend selten; Brody, 
Janow, Krakau, Tarnow. Mai bis Juli; von mir noch Ende August bei Tarnow 
angetroffen. 

Erastria 0. Ärgentula Hb. Diese Art wird im östlichen Theile des Gebietes 
meistens sehr häufig, in Westgalizien dagegen spärlich angetroffen. Bei Brod}^ 
auf Waldwiesen jährlich im Mai und Juni beinahe gemein. Ein Exemplar in 
Gruszow (bei Tarnow) erst am 30. August vorgekommen. 

Erastria Pitsilla View. Verbreitet, doch häufiger in Ostgalizien, auf Wald- 
wiesen; Juni bis August. Kommt gerne zum Licht. 

Erastria Venustida Hb. Bisher nur einzeln bei Krakau, Lemberg (Holosko) 
und von mir bei Brody gefunden; Juni, Juli, 

Erastria Deceptoria Sc. Zerstreut, im Mai und Juni; Krakau, Janow, 
Brodj; im letzteren Orte auf Waldwiesen sehr gemein. 

Catephia 0. Alchymisfa Schiff. Eine sehr seltene und nur stellenweise 
beobachtete Art; bei Sambor, Lemberg, Brody am Köder (Kiemensie wicz), in 
Rytro aus Raupen auf Eiche (Schille). Flugzeit Mai, Juni. 

Toxocampa Gn. Craccae F. Nicht überall und recht selten; Czerniejöw 
(bei Stanislau), Lemberg, Brody, Krakau; Ende Juni und im Juli. Bei Krakau 
noch am 7. September von mir angetroffen. 

Toxocampa Viciae Hb. Seltener wie die vorige; noch im Jahre 1866 in 
Mnikow bei Krakan von Zebrawski aufgefunden^) und nachträglich auch von 
mir in Brody (10. Juni), von Anderen bei Janow, Holosko und Lemberg beobachtet. 

Helia Gn. Calvaria F. Weit verbreitet, aber selten; Stanislau, Lemberg, 
Drohobycz, Sambor, Rzeszow, Krakau, Brody ; von Juni bis Anfang August. 

Zanclognatha Ld. Emortualis Schiff. Im Gebiete verbreitet, jedoch sehr 
einzeln; bei Stanislau, Lemberg, Rzeszow, Krakau, Brody. Erscheint im Mai, in 
Podolien bis Juni. 

Madopa Stph. Salicalis Schiff. Nur stellenweise häufiger, z. B. bei Lem- 
berg, Sambor, Neu-Sandec; sonst vereinzelt. Mai bis Anfang Juli. s 

Herminia Latr. Derivalis Hb. Vorwiegend zerstreut in Ostgalizien; bei 
Stanislau häufiger. Ich sammelte sie einzeln in Brody und Rytro. Flugzeit Juli. 

Bomolocha Hb. Fontis Thnb. Wurde nur bei Kalusz, Hotosko und Krakau 
häufiger beobachtet, sonst vereinzelt. Juni bis August; bei Krakau schon Ende 
Mai von mir angetroffen. 

Ab. Terricularis Hb. bei Lemberg. 

') Bericht der physiogr. Commiss. der k. k. Krakauer wissenscb. Gesellsch., Bd. I, p. (150). 



V 



184 



St. Klemensiewicz. 



D. Geometrae. 

Pseiidoterpna H.-S. Priiinata Hufn. Brody, jährlich in mehreren Exem- 
plaren ex larva, im Juni (Klemensiewicz); fliegt auch im Juli und Anfang 
August. Vorzüglich in Ostgalizien verbreitet. 

Geometra B. Vernaria Hb. In Brody zwei Exemplare zum Licht erbeutet; 
sonst nur aus wenigen Orten Ostgaliziens einzeln verzeichnet. Stanislau, Lemberg, 
Sambor (Anfang September); gewöhnlich im Juni und Anfang Juli. 

Acidalia Tr. Muricata Hufn. Verbreitet, aber nirgends häufig. In Brody 
habe ich zwei Exemplare aus der zimmtrothen, dunkelfleckigen, gegen vorn ver- 
jüngten Eaupe auf niederen Pflanzen gezogen. Ende Juni und Juli; in Gruszow 
(bei Tarnow) ein Stück noch Mitte August von mir gefangen. 

Acidalia Herhariata F. Diesen niedlichen, bis jetzt nur aus Lemberg in 
zwei Exemplaren bekannten Spanner habe ich auch in Krakau und Neu-Sandec 
einzeln im Zimmer getroffen. Die auffallende Erscheinung, dass diese Art meistens 
in Wohnzimmern angetrofi'en wird, erklärt sich durch die Lebensweise ihrer 
Eaupen, die von allerlei getrockneten Pflanzenresten leben. Gärtner^) fand 
ganze Raupengesellschaften in einem Herbarium. 

Acidalia Humiliata Hufn. Stanislau, Lemberg, Janow, Krakau; vorwiegend 
nicht häufig. In Brody auf trockenen Wiesen, an den Waldrändern recht zahl- 
reich von mir gesammelt. Fliegt im Juli. 

Acidalia Inornata Hw. Bei Sambor von Nowicki im Juli 1865 entdeckt 
und erst von mir in Golabkowice bei Neu-Sandec am 10. August wieder 
gefunden. 

. Zonosoma Ld. Punctaria L. Im ganzen Gebiete bis in das Vorgebirge 
verbreitet, häufiger im Osten. Bei Brody als Raupe in der zweiten Generation 
zusammen mit Zonosoma Porata F. in Menge an Eichenbüschen. Getriebene 
Puppen entwickeln sich schon im Februar; sonst erscheint der Schmetterling 
von Mai bis September; variirt sehr. 

Var. Suhpunctaria Z. ist selten; Neu-Sandec, Stanislau, Lemberg. 

Timandra Dup. Amata L. Ueberall häufig, in zwei Generationen von Mai 
bis Anfang September. 

Eine sehr interessante Aberration dieser Art habe ich am 16. August 1893 
in Neu-Sandec gefunden, für die ich, falls sie noch nicht getauft ist, einen be- 
sonderen Namen vorschlagen möchte: 

Timandrae Amatae L. Aberratio Effusaria. 

Alis dense griseo pulverulentis, fascia purpurea marginem versus latissime 
effusa, striga exteriore distinctissima. 

Diese Aberration, die zu ihrer Stammform in demselben Verhältnisse wie 
etwa ab. Infuscata Stgr, oder besser ab. Carpinaria Hb. zur Quercinaria Hufn. 
steht, zeichnet sich namentlich durch den dunkelpurpurrothen Streifen aus, der 
nach aussen sehr breit, in der Innenrandhälfte der Hinterflügel selbst bis zu der 



') Fauna von Brünn, S. 27. 



Uoitlügo zur Lopiil(iiit('i('iirtiiiii;i (hili/.ioiis. 



185 



scharf ausgi'priiijfton hiutoren Quorlinio aust,n'^'()sscn ist. Audi der woitcrc Ivauiri 
bis /u d(.'ii Fransen ist bi'douteiicl gerütlKd. 

Abraxas Leach. Grossulariata L. Bis in das Vorf?o)>irgo weit v(irbroitel 
und vorwiegend häufig; es gibt dennoch Orte (z. B. Nou-Sandec), wo sie un- 
geachtet vieler Stachelbeer- und Schlehensträucher noch nie angetrolfen wurde. 
Schwärmt von Juni bis August. 

Abraxas Sylvata Sc. Brody, Anfangs Juli zum Licht; sonst nur bei 
Lemberg und Sambor beobachtet. 

Bapta Stph. Bimaculata F. Nur im Osten des Gebietes verbreitet, bei 
Lemberg sogar recht häufig; in Westgalizien bisher nur aus Krakau einzeln an- 
gegeben. Bei Brody im trockenen Gebüsch. Mai, Juni. 

Bapta Temerata Hb. Vorwiegend in Ostgalizien. In Brody gleichzeitig 
mit der vorigen; sonst noch im Juli, 

Ellopia Tr. Prosapiaria L. In der bräunlich rothen Stammform (?) selten 
und nur stellenweise bekannt; die grüne 

ab. Prasinaria Hb. viel häufiger, namentlich im Gebirge; ich fand sie 
zahlreich an gebirgigen Stellen bei Neu-Sandec, Szczawnica, Zakopane (Tatra) 
im Juli und August. 

* Ellopia Cinereostrigaria Klem. Höchst wahrscheinlich eine gute Art. 
Ich habe diesen schönen Spanner in zwei Exemplaren, deren eines gezogen, das 
andere gefangen wurde, in Brody entdeckt. Flugzeit Ende Mai. 

Eugonia Hb. Quercinaria Hufn. Vorzüglich in westlichen Gebirgsgegenden, 
stellenweise recht häufig (z. B. bei Neu- und Alt-Sandec, Rytro); Schille findet 
in ßytro jährlich zahlreiche Raupen auf Eichen und Buchen. Der Schmetterling 
variirt sehr; in Brody ein sehr bleiches, fast weisses Weibchen, ohne Querstreif 
der Hinterflügel aus Raupe gezogen (Kiemen sie wicz). Auch die 

ab. Infuscata Stgr. gehört in genannten Gebirgsorten zu keinen Besonder- 
heiten. Die seltene 

ab. Carpinaria Hb. erhielt ich durch Zucht in Brody. Flugzeit Juni bis 
Anfang August. 

Eugonia Autumnaria Wernb. Weit verbreitet und vorwiegend recht häufig, 
gehört sie jedenfalls zu den häufigsten Arten dieser Gattung. Bei Krakau und 
Neu-Sandec jedes Jahr in zahlreichen Exemplaren, auch ex larva. Garbo wski 
sah sie nur einmal und nennt sie eine grosse Seltenheit. Erscheint von Ende 
Juli bis in den October. 

Eugonia Alniaria L. Sehr selten, nur in einem frisch geschlüpften Exem- 
plare in Wola-Justowska (bei Krakau) am 11. September von mir aufgefunden; 
auch bei Stanislau Anfangs Juni einmal angetrofi'en (Werchratski). 

* Eugonia Fuscantaria Hw. Eine hervorragende Seltenheit, am 13. Sep- 
tember 1881 von mir in einem Exemplare bei Neu-Sandec entdeckt und sonst 
nirgends verzeichnet. Um so merkwürdiger klingt die von Garbo wski (1. c.) 
über die Verbreitung dieser Art gemachte Aeusserung; der Autor dürfte dieselbe 
mit einer anderen verwechselt haben. 

Z. B. Ges. B. XLIV. Abk. 24 



186 



St. Klemensiewicz. 



Eugonia Erosaria Bkh. Vorwiegend in Ostgalizien, wo sie stellenweise 
(Stanislau) zu den häufigsten Arten gehören soll. Ich habe sie in Brody sammt 
der hellen 

ab. Tiliaria Hb. durch Zucht erhalten. Flugzeit Juli bis Anfang September. 

Selenia Hb. Tetralunaria Hufn. ab. II. gen. Aestiva Stgr. Brody, zum 
Licht Mitte Juli; auch bei Rytro und Stanislau. Gewiss weit verbreitet, nur 
noch wenig beachtet. 

Pericallia Stph. Syringaria L. Brody, Ende August aus einem Flieder- 
busche von mir aufgescheucht; sonst nur aus wenigen Orten Ostgaliziens bekannt 
(Stanislau, Lemberg). Erscheint schon Ende Juni. 

Himera Dup. Pennaria L. Verbreitet, doch häufiger nur im Osten. Aus 
Westgalizien wird sie einzeln nur aus Krakau, Rzeszow und von mir aus Neu- 
Sandec verzeichnet, wo ich den Schmetterling aus einer Ende Mai gefundenen 
Raupe erst Ende September erhielt. Bei Rytro etwas häufiger. Schwärmt bis 
in den October. 

Epione Dup. Advenaria Hb. Wohl verbreitet, doch ungleichmässig ver- 
theilt; bei Stanislau, Lemberg, Krakau nicht selten; dafür bei Neu-Sandec nur 
einmal, bei Brody nie von mir angetroffen worden. Mai, Juni. 

Hypoplectis Hb. Adspersaria Hb. Brody, namentlich in der ersten Gene- 
ration, April, Mai, auf Waldwiesen recht häufig; auch als Raupe im Herbste. 
Sonst nur bei Janow beobachtet. Die Exemplare der im Juli schwärmenden 
zweiten Generation sind meist viel gröber gesprenkelt und haben breite, aus- 
gesprochene, zusammenhängende Querstreifen, so dass man diese Form füglich 
als eine besondere Saisonvarietät betrachten könnte. (? Var. Sylvanaria H.-S.) 

Caustoloma Ld. Flavicaria Hb. Nur in Ostgalizien; stellenweise recht 
häufig (z. B. bei Stanislau und Lemberg). In Brody wurden Mitte Juni in 
meinem Garten zwei Weibchen gefunden, aus deren Eiern ich schon am 29. und 
30. Juli fast lauter Weibchen bekommen habe. Nowicki^) lieferte eine gute 
Beschreibung der auf Lamium- Arten lebenden Raupe, der noch hinzugefügt 
werden mag, dass der R.iupeukörper nach vorne stark verjüngt ist. 

Venilia Dup. Macularia L. Dieser an vielen Stellen Ostgaliziens häufige, 
bei Brody sogar sehr gemeine Spanner wurde im Westen bisher nur bei Rytro 
und Alt-Sandec spärlich beobachtet. Die Exemplare aus den letztgenannten zwei 
Orten zeichnen sich durch vollkommen blassgelbe Grundfarbe aus, „alis lividis, 
nigro maculatis^\ Eine ähnliche Form habe ich nur in Mürzzuschlag einmal 
angetroffen; sie dürfte den Gebirgsgegenden eigen sein. Eigen thümlich ist das 
hornige, scharf hakenförmige Pygidium bei dieser Art. 

Phigalia Dup. Pedaria F. Ueberall, aber nur einzeln; Stanislau, Brody, 
Lemberg, Sambor, Bochnia, Krakau, Rytro. Erscheint im März und April. 

Biston Leach. Hirtarius Gl. Ueberall nicht selten, von März bis Anfang 
Mai. Ich besitze viele Exemplare aus Neu-Sandec, Krakau und Brody, die 
sämmtlich an Gartenplanken und Mauern gesammelt wurden. 



') Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellscb. in Wien, Bd. XV, S. 180. 



ll(>i(nif?o /.III- h('i(i(lo|>i(>roiiriiniia (ializions, 



Biffton Sfmtarius Hufii. Wurde mir bei St:misl;iu iiiid Lemberg stellen- 
weise hänfipM- beobaebfet, sonst im ganzen (Jebiete zerstreut und selten ; im April. 

lioannid 'l'r. Sici(n<l<(n<( Ksp. Westgalizien ; vorwiegend in Gebirgsgegen- 
den, Obelmiee bei Neu-iSandec, Krynica, Czarny-Dunajec, wo ich l'Jide Juli und 
Anfangs August melirere P]xemplare sammelte.^) Sonst nur aus Bielany bei 
Krakau verzeichnet (Muszyk, 1. c). 

Boarmia Roboraria Schiff'. Verbreitet, doch selten, im Juni. In Brody 
ein ExempLir aus der an Crataegus gefundenen und im Zwinger überwinterten 
Raupe (Klemeusiewicz). Die seltene 

ab. Infnscata Stgr. in Rytro, auch ex hirva (Schille); sonst auch bei 
Lemberg beobachtet. 

Boarmia Consortaria F. Verbreitet und recht selten; häufiger nur bei 
Lemberg und Brody, wo ich sie Mitte Juni zum Licht mehrmals erbeutete; 
dortselbst ein Exemplar schon am 26. März zu Htiuse gekrochen. 

Boarmia Crepuscularia Hb. Ueberall sehr gemein, in mannigfachen Ab- 
änderungen betreffend die Grundfarbe und die Deutlichkeit der Zeichnung, deren 
extreme Form 

* ab. Schillei Klem. zu Seltenheiten gehört. ^) 

Boarmia Luridata Bkh. Viel häufiger im Osten des Gebietes; in West- 
galizien mehr zerstreut und selten; Ende Mai bis Juli. Mein Exemplar stammt 
aus Brody (am Köder). 

* Gnophos Tr. PuUata Tr. Ich habe diesen Spanner in Rytro am 12. Juli 
1888 entdeckt. Dass man diese allerdings seltene Art noch nirgends aus dem 
Gebiete verzeichnet findet, dürfte sich nur durch Verwechslung mit der ihr 
ähnlichen Dilucidaria Hb. erklären. 

Fidonia Tr. Boraria F. Selten; Krakau, Sambor, Lemberg, Drohobycz, 
Stanislau (häufiger). Ich fand mein Stück in Biecz (bei Jaslo) den 21. August 
am Licht. Erscheint in zwei Generationen im Mai und Juni, dann wieder Ende 
Juli und August. 

Phasiane Dup. Petraria Hb. Diese seltene, bisher nur aus Ostgalizien 
(Stanislau, Drohobycz, Lemberg) bekannt gewesene Art wurde auch im Westen 
bei Krakau (Bielany) einzeln von mir entdeckt. In Brody habe ich sie heuer 
auf einer Waldwiese Ende Mai öfter beobachtet. Flugzeit Mai und Juni. 

Phasiane Glarearia Brahm. Vorwiegend in Ostgalizien (bei Stanislau, 
Zaleszczyki, Janow nicht selten); sonst nur aus Rzeszow verzeichnet. Ich habe 
meine zwei Exemplare bei Brody (Lipki) im Juni erbeutet. — Die in Triest von 



1) Garbowski (1. c.) zweifelt daran, dass ich meine Secundaria richtig bestimmt habe ; der 
Autor würde dies nicht thun, wenn er die Einleitung zu meiner von ihm benützten Arbeit gelesen 
hätte. Ich kann den Autor beruhigen, dass die fraglichen Spanner mindestens ebenso gut bestimmt 
waren, wie manche der von ihm verzeichneten Aberrationen und Formen. 

-) Vergl. Klemensiewicz, Boarmia Crepuscularia Wo. ah. Schillei Klem. (Societas Entom., 
Jahrg. VIII, Nr. 3). — Die Synon. Defessaria Frr. ist eine namentlich im Frühjahre sehr oft wieder- 
kehrende dunkle üebergangsform zur ab. Schillei. 

24* 



188 



St. Klemensiewicz. 



mir gesammelten Exemplare unterscheiden sich von den hiesigen durch be- 
deutendere Grösse und mehr zusammengeflossene Querstreifen. 

OrthoUtha Hb. Moeniata Sc. Verbreitet, aber sehr vereinzelt; Krakau, 
Sambor, Lemberg, Zaleszczyki; bei Stanislau etwas häufiger. Ein Exemplar 
auch in Biesna (bei Grybow) von mir gefunden. Erscheinungszeit Ende Juni bis 
Anfang September. 

* Lygris Hb. Beticulata F. Diese Seltenheit habe ich in dichten Fichten- 
wäldern bei Krynica Ende Juli entdeckt; sie wurde nachträglich auch in Kytro 
und Perenöwska bei Lemberg angetroffen. 

Lygris Testata L. Eine echt podolische, bei Stanislau, wenn auch nicht 
häufig, im September vorkommende Art. Ich habe sie auch in Brody Ende August 
am Köder angetroffen. 

Lygris Populata L. In der Stammform verbreitet, vorwiegend in aus- 
gedehnten Wäldern; schwärmt von Ende Juni, im Gebirge bis Anfang September. 

* Ab. Musauaria Frr. ist eine echte Gebirgsform. Sie wurde noch im 
Jahre 1872 Ende August im Tatragebirge (Meerauge, 1577 m) in mehreren Exem- 
plaren von mir entdeckt; später fand ich sie auch in Czarny-Dunajec Ende 
Juli. Ueberhaupt zeigt diese Art im Hochgebirge eine grosse Neigung zum 
Melanismus. 

Lygris Associata Bkh. In Brody häufig, namentlich als Eaupe an Johannis- 
beeren; die Zucht ist leicht. Auch als Schmetterling nicht selten, im Juli und 
Anfang August. 

Cidaria Tr. Variata Schiff. In der Stammform bis in das Hochgebirge, 
weit verbreitet; vorwiegend in Nadelwäldern. 

Ab. Oheliscata Hb. viel seltener und mehr local (bei Janow, Lemberg, 
Brody, Czarny-Dunajec). In Brody, das von lauter Pinns silvestris -W^l^^vn 
umgeben ist, habe ich immer nur die ab. Oheliscata Hb., nie die Stammform 
angetrofl'en, wodurch die Behauptung Rö ssler 's, dass die Raupe der ersteren 
nur auf genannter Baumart lebe, bestätigt wird. — Beide Formen schwärmen 
von Mai bis Ende October ununterbrochen. 

Cidaria Truncata Hafn. Vorzüglich im Gebirge Westgaliziens (bis zu 
1400 m) von Ende Juni bis Anfang September. 

Unter den vielen von mir gesammelten Abänderungen verdient eine in der 
hohen Tatra in zwei übereinstimmenden Exemplaren gefundene hervorgehoben zu 
werden, da sie mit keiner der von Staudinger und Gumppenberg^) an- 
geführten Aberrationen übereinstimmt: ^Alarum anteriorum fascia media uni- 
colore atrofusca, non alho limhata, marginem versus macula costali magna, 
dilute ochreacea"" . 

Cidaria Ferrugata Gl. Im ganzen Gebiete bis zur Krummholzregion 
häufig; Mai bis August. Die im Gebirge lebende Form zeichnet sich meist durch 
viel schmäleres und bleicheres Mittelfeld aus. 

Ab. Spadicearia Bkh. viel seltener, vorwiegend in Gebirgsgegenden. 



') Systema Geometrarum etc. 



15oilriip:(> zur Lopitloiitoionriiuim (lidiziciis. 



Cidarin Poviovraria Ev. Zerstreut, docli häufiger iu Wcstgali/ion ; I.cni- 
berg, Sauibor, l\zos/.o\v, Krakau. Von mir in Ivytro boobachtct. April, Mai, 
seltener im Juli. 

('{darin Jksifpiata liott. leb habe diesen im Gebiete seltenen Spanner 
in mannigfachen Abiinderungen, betreffend die Deutlichkeit der Mittelbinde, bei 
Neu-Sandec, Tarnow und Hochnia mehrmals gefunden; sonst nur aus Sambor 
und Krakau verzeichnet. Juni bis August. 

Cidaria Vittata Bkh. Zerstreut und sehr selten; bei Krakau (Knde Juli), 
Lemberg und Stanislau (im Juni). Von mir noch im Jahre 1884 in Neu-Sandec 
(im Zimmer) gefunden. 

Cidaria Caesiata Lang. Lebt vorzüglich im Hochgebirge als die häufigste 
Art; wurde auch bei Sambor (Berg Husla), Krakau und RzeszowV beobachtet. 
Juli, August. 

* Ab. Glaciata Germ. Sehr selten, in der Tatra (Koscieliska) am 28. Juli 
in einem Exem])lare von mir entdeckt. 

Cidaria Flavicinctata Hb. Ausschliesslich im Hochgebirge (Tatra). Die 
Angabe Nowicki's,^) dass diese Form nur in der Krummholzregion zu 
finden wäre, ist unrichtig, da sie auch in Bachthälern (Koscieliska) von mir 
beobachtet wurde. 

Cidaria Picata Hb. Ich habe diesen seltenen S])anner in einer wilden 
Waldschlucht bei Rjtro am 11. Juli zum Licht erbeutet; sonst nur aus Stanislau 
und Saniboi' gemeldet. Schwärmt im Juni und Juli, 

Cidaria Sociata Bkh. Ueberall gemeiu. 

Bemerkenswerth ist eine dunkle Aberration dieser Art, welche ich auf 
einer Wiese bei Brody am 26. August entdeckte; für den Fall, dass sie noch un- 
bekannt ist, gebe ich hier eine kurze Beschreibung derselben: 

Minor; area limhali alarum latissime griseofusca, area media anteriorum 
perangnsta in 2 albe interrupta, fascia alba exteriore lata, obliterata, mediam 
alam percurrenti. 

Diese Form zeichnet sich vorzüglich durch das ausserordentlich verengte, 
gegen den Innenrand fast zugespitzte, in Zelle 2 weisslich unterbrochene Mittel- 
feld der Vorderflügel aus. Ausserdem ist die dunkle Beschattung der Wellenlinie 
innen auf allen Flügeln sehr breit und gegen die Basis verwaschen, wodurch das 
äussere, das Mittelfeld begrenzende schmutzig weisse Band fast in der Mitte der 
Flügel liegt; dasselbe ist auf den Hinterflügeln sehr breit und gleich allen 
Zeichnungen ganz verwaschen. Unten ist die Aussenhälfte der Flügel stark ge- 
bräunt und verwaschen, mit undeutlicher Wellenlinie; sonst bemerkt man ausser 
den Mittelpunkten keine Spur von den übrigen Zeichnungen. 

Cidaria Testaceata Don. Verbreitet, aber vereinzelt und selten; Stanislau, 
Sambor, Lemberg, Drohobycz. Ich fand einige Exemplare bei Neu-Sandec und 
nur eines in Brody. Von Ende Mai bis Juli. 



') Verhandl. der Ic. k. zooL-botan. Gesellsch. in Wien. Bd. XV, S. 182. 



190 St. Kleinensiewicz. Beiträge zur Lepidopterenfauna Galiziens. 

* Cidaria Blomeri Curt. Eine ausgezeichnete Seltenheit, in Brody von 
mir entdeckt; innerhalb zweier Jahre sind in meine Wohnung Ende Juni und 
im Juli drei Exemplare zum Licht erschienen. Sonst unbekannt. 

Cidaria Decolorata Hb. Häufiger nur stellenweise in Ostgalizien (bei 
Stanislau, Lemberg, Sambor); im Westen bisher nur bei Krakau und Tarnow 
einzeln beobachtet. Mai bis August. 

Cidaria Luteata Schiff. Verbreitet, meist späi'lich; häufiger nur bei 
Lemberg und Sambor. Meine drei Exemplare stammen aus Podegrodzie (bei 
Neu-Sandee) und Krakau. Mai bis Juli. 

Cidaria Capitata H.-S. Selten, Anfangs August 1887 in Eytro angetroffen 
(Kiemensie wicz); sonst wahrscheinlich wegen ihrer Aehnlichkeit mit Silaceata 
Hb. noch wenig beachtet. 

Cidaria Bubidata F. Zerstreut und selten; Lemberg, Sambor, Stanislau 
(häufiger). In Westgalizien bisher nur bei Neu-Sandec im Mai und Juni sehr 
vereinzelt angetroffen. 

* Cidaria Lapidata Hb. Diese seltene Art habe ich noch im Jahre 1890 
in einem üppigen, mit niederen Pflanzen bewachsenen Waldschlage bei Brody 
(Lipki) am 30. September entdeckt. 

Cidaria Polygrammata Bkh. Sehr selten; ich fand sie in einem Garten 
bei Neu-Sandec Ende August. 

Collix Gn. Sparsata Tr. Zersti'eut und sehr selten. So viel mir bekannt, 
sind ausser meinem in Neu-Sandec noch im Jahre 1879 gefundenen Exemplare 
nur drei andere in Drohomirczany (bei Stanislau) und Lwowiec (bei Sambor) 
zum Vorschein gekommen. Schwärmt im Juni. 

Eupithecia Curt. Suhnotata Hb. Brody, im Juli zahlreich zum Licht 
erschienen; sonst nur in einzelnen Stücken aus Stanislau, Lemberg und Rzeszow 
verzeichnet. 

Eupithecia Linariata F. Ich habe zwei Exemplare dieser schönen Art 
in Brody zum Licht erbeutet ; sonst einzeln bei Krakau und Janow. Juni bis 
Ende August. 

Eupithecia Behiliata Hb. Bisher sehr selten beobachtet; Golabkowice bei 
Neu-Sandec^) und Czarny-Dunajec. Im Juli. 

* Eupithecia Indigata Hb. In einem Kiefernwalde bei Neu-Sandec (Na- 
sciszowa) Anfangs Mai aufgefunden. 

* Eupithecia Sobrinata Hb. Bisher wahrscheinlich nur von mir an 
mehreren Orten des westgalizischen Vorgebirges (Podegrodzie, Rytro, Czarny- 
Dunajec) im Juli und August beobachtet worden. 



') Angeführt schon in meinem „Wykaz motyli etc." (Verzeichniss der Lepidopteren aus der 
Neu-Sandecer Gegend. Bericht der physiogr. Commiss. der k.k. Krakauer wissensch. Gesellsch., 1883). 



191 



Lichciiologiselie Beiträge. 

Von 

Prof. E. Keriistock. 



(Vorgelegt in der Versammlung am 4. April 1894.) 



VI. Möltener Alpen. 

Vom Dorfe Jenesien (1081 m) zieht sich in anfangs nord-nordöstlicher, 
später fast genau nördlicher Richtung, in mehreren Terrassen ansteigend, der 
breite Rücken der Wasserscheide zwischen dem Etschthale — von Bozen bis Meran 
— und dem Sarnthale hinan. Während die Flanken mit ihren beiderseitigen 
charakteristisch schroffen Abfällen bis hoch hinauf dem grossen Bozener Porphyr- 
massiv angehören, wird die Kammhöhe ihrer ganzen Länge nach, das sind circa 
18 Tcm von dem genannten Dorfe aus, bis an die tief eingerissene Schlucht des 
Sinichbaches vom Sandstein der Werfener Schichten (geologische Karte von Tirol) 
gebildet, welcher — sammt dem Porphyr — jenseits des genannten Baches durch 
den Tonalit des Iffingerstockes abgelöst wird. 

Die Culminationen dieses Zuges, welchen ich unter dem Namen „Möltener 
Alpen" zusammenfasse, und zwar vom Süden beginnend: Möltener Joch, 1750 m, 
Kaserböden („steinerne Mandeln"), ca. 1950 m, südliches Kreuzjoch, 2083 m, und 
nördliches Kreuzjoch, 2087 m, liegen vollständig im Sandstein. Derselbe, in mannig- 
fachen Zungen nach Westen und Osten sich vorstreckend, beherrscht eine grössere 
Fläche im Westen des Kammes, während im Osten die correspondirenden Aus- 
buchtungen des Porphyrs bis nahe an die Culminationen heranreichen, so auf den 
östlichen Kaserböden und dem östlich streichenden Rücken des südlichen Kreuz- 
joches. Während der Porphyr bei den Steinmandeln zurückweicht, unterbricht 
er den Sandsteinzug in der Einsenkung zwischen jenen und dem südlichen Kreuz- 
joch völlig — hier in grossen, flachen, kaum aus dem Boden hervorragenden 
Platten anstehend — und greift bis in den östlichen Kompatschergraben über; 
die kleineren und grösseren Blöcke sind mit Bhizocarpon geographicum über 
und über bedeckt. 

Mit Ausnahme auf den Kaserböden, wo zahlreiche Platten röthlichen Sand- 
steines auf nackter Erde herumliegen, aus welchen hier die sogenannten „steinernen 
Mandeln" (ca. 2—4 m hohe Steinpyramiden) aufgebaut sind, steht der Sandstein 



192 



E. Kern sto ck. 



Überall in mehr oder minder grossen zerstreut herumliegenden Blöcken an; nur 
stellenweise, besonders gegen den Porphyr auf den östlichen Kaserböden gibt es 
Reihen von Sandsteinklippen aus plattigem Material. 

Wenn man von der Möltener Käser den Waldweg zum südlichen Kreuzjoch 
verfolgt, so wird nach dem Ueberschreiten der Waldgrenze der Blick sofort durch 
eine jenseits des tiefen Kompatschergrabens auf grünem ebenem Rücken^) gelegene 
lange horizontale Felsbank gefesselt; diese erwies sich beim Besuche als eine ca. 
3 — 5 m hohe Mauer von massiven, fast kubischen Sandsteinblöcken mit tiefen 
Quernischen; in diesem Sandsteine glaubte ich die Contactwirkung mit dem an- 
grenzenden Porphj^r zu erblicken. 

Die Flechtenflora dieses Sandsteines zu untersuchen, machte ich in den 
Jahren 1891—1893 schwache Versuche, deren Resultat, trotz der geringen Anzahl 
von Tagen, welche ich da oben zubrachte, mit einiger Wahrscheinlichkeit erweisen 
dürfte, dass das Gebiet ein in keiner Weise besonders interessantes genannt werden 
darf. Dies kann auch nicht Wunder nehmen, da einerseits die geringe absolute 
Höhe, andererseits aber die zu ausgebreitete Rasenbedeckung der Abhänge der 
Entwicklung einer reichen Alpenflora im Wege stehen und grössere zusammen- 
hängende GesteinsanhäufuDgen fehlen. Die individuenreiche, aber artenarme 
Phanerogamenflora dieser Höhen widerspricht dieser Ansicht nicht. Auf dem 
mageren Grasboden und der nackten Erde des südlichen Kreuzjoches und der 
Kaserböden vermochte ich nur folgende in die Augen fallende Formen zu beob- 
achten : Phyteuma hemisphaericum, Campanula Scheuchzeri und alpina, Gentiana 
nivalis, Euphrasia minima und officinalis, Saxifraga muscoides, Hieraciiim 
(albidum?) und Chrysanthemum alpinum. 

Eine flüchtige Uebersicht der steinbewohnenden Flechten erweist den im 
Allgemeinen nur subalpinen Charakter dieser Höhen ; denn abgesehen von einigen 
alpinen Arten ist die grössere Mehrzahl der übrigen auch in Jenesien, also ca. 
1000 771 tiefer, häufig. Im Einzelnen fällt auf, dass die Lecideen im engeren Sinne 
neben grossem Individuenreichthum auch einige Mannigfaltigkeit aufweisen; die 
Arten plana, lithophila — letztere hier oben mit constant schwarzen Apothecien 
— platycarpa und meiospora neigen stark zur Varietätenbildung; letztgenannte 
zwei täuschen durch mancherlei Verkappung. Auffallend ist das Fehlen der Gruppe 
armeniaca kaum, da die Arten derselben härteres Gestein vorziehen. Die Graphi- 
deen fehlen gänzlich, wie es scheint, und Verrucaria sensu strictiore wird man 
auf Sandstein überhaupt nicht viele zu suchen haben. Eine Beobachtung, die mir 
vorläufig sehr zu denken gibt, ist das vollständige Fehlen des Haematomma ven- 
tosum auf Porphyr, da es doch auf einem einzigen grossen Blocke im Remp- 
walde bei Jenesien wuchert. Sollte bei der Natriumvorliebe dieser Flechte der 
besagte Block etwa „Porphyrit" sein? Eine spätere Untersuchung dieses Gesteins 
muss Aufschluss geben. Und woher — das heisst von welchem nahen Gebirge 
stammt jener Pflanzenfindling in einem subalpinen Gebiete, welches auch eine 
Tomasellia arthonioides und Blastodesmia nitida, Buellia italica etc. beherbergt? 



') Einem Ausläufer des Vöraner .Joches von etwa 1900 ?n absoluter Hohe. 



liicliotioloRisclio Hoitrilijo. 



Von den Parasiten erinnert die selKhie Dnctylosporn macnlann lebliaft an 
jenes liehenologisclie Dorado am KoUepass, vvelclies selbst die v(!rwölinten Au- 
si)riiclie eines Arnold zu befriedigen vermochte; aber es bleibt auch die einzige, 
wehmüthige Erinnerung. Dagegen gelang es, eines interessanten Parasiten, der 
Lecidea aggregantula Müll, habhaft zu werden, welche anscheinend die Stelle der 
Lecidea supersparsa Nyl. auf dem Thallus der Lecanora polytropa hier oben 
einnimmt; sie wächst auch auf den Apothecien der Candelaria vitellina gemein- 
schaftlich mit Lecidea vitellinaria. Eine Verwechslung mit der Nylan der 'sehen 
Art ist ausgeschlossen. 

Behufs bequemer Besichtigung der Umgebung verweilte ich einige Tage 
f im August des Jahres 1892 auf der Kirchsteiger Alpe im obersten Sinichthale; 
leider zwangen mich aber ein länger dauerndes stürmisches Wetter und plötzlich 
eingetretenes Unwohlsein, auf meine Zwecke zu verzichten; somit musste auch 
von einer geplanten Untersuchung des Iffinger Granites, der von hier aus am 
leichtesten erreicht wird, abgesehen werden. 

Das südlich gelegene Möltener Joch liegt noch innerhalb der Waldgrenze 
und Avurde deshalb, und weil grössere Felsmassen fehlen, nicht weiter berücksichtigt. 



Verzeiehniss der Abkürzungen. 



In allen drei Unterlagsgruppen — von denen die erste: „Lichenes saxi- 
colae" die Sandstein- und Porphyrflora diesmal aus verschiedenen Gründen ge- 
meinsam umfasst — sind folgende Abkürzungen angewandt: 



W. I 




Wald in der nächsten Umgebung der Möltener Käser (ca. 1750 m). 


W. II 




Wald längs des Weges von hier zum Kreuzjoch (ca. 1750—1850 m). 


K. 




Kaserböden, Culmination (ca. 1950 m). 


n. K. 




nördliche Kaserböden, Abhang zur Mulde zwischen den Kaserböden und 






dem Kreuzjoch (ca. 1900 w). 


ö. K. 




östliche Kaserböden, östliche Terrassen (ca. 1850 m). 


N. 




Nördliches Kreuzjoch (2087 m). 


S. 




Südliches Kreuzjoch (2083 w). 


V. 




Vöraner Joch, Sandsteinbank (1900 m). 


Ki. 




Kirchsteigeralpe (ca. 1900 m). 



I. Speeles saxicolae. 

Sandstein (aren.) nnd Porphyr (porph.). 

1. Bamalina polymorpha Ach. porph. ö. K. 

2. Cornicularia tristis Web. porph. ö. K. 

3. Platysma Fahlunense L. aren. N., S., ö. K. ; porph. S. 

Z. B. Ges. B. XLIV. Abh. 25 



194 



E. Kernstock. 



4. Imbricaria saxatilis L. aren. K. : forma imbricata, sublaevis, reactionib. con- 

veniens; porph. ö. K, 
f. furfuracea Schär, porph. ö. K. 

5. Imbricaria encausta Sm. aren. N., S. ; porph. S., V., ö. K. 

6. Imbricaria stygia L. porph. ö. K. 

7. Imbricaria lanata L. aren. N., S. ; porph. S., V. 

8. Imbricaria sorediata Ach. aren. ö. K. 

9. Imbricaria prolixa Ach. aren. K. 

10. Parmelia tribacia Ach. aren. ö. K. 

11. Parmelia obscura f. virella Ach. aren. ö. K. : a planta corticola vix diversa, 

paullo obscurior, sicca virenticinerea, humida virescens; sterilis. 

12. Gyrophora spodochroa Ehrh. porph. ö. K. 

13. Gyrophora criistulosa Ach. aren. ö. K.; porph. ö. K.; V. 

14. Gyrophora cylindrica L. aren. N., S., K., ö. K. ; porph. S., V., ö. K. 
f. nudiuscula Schär, porph. ö. K. 

f. mesenteriformis Wulf. aren. porph. ö. K.: stimmt mit der Beschreibung 
„thallus polyphyllus vel complicatus, imbricato-lobatus, oris nudiusculis^^ 
vollkommen; doch ist die Pflanze etwas grösser und an den Eändern 
weniger charakteristisch als Arn. 749: thallus Cl —. 

15. Gyrophora polyphylla L. Sterilis, porph. ö. K. 

16. Gyrophora flocculosa Wulf. Sterilis, aren. N., K.; porph. S., ö. K. 

17. Gyrophora cinerascens Ach. porph. ö. K. : thallus submonophyllus, membrana- 

ceus, subflaccidus, ambitu laceratus reclinatusque, supra cinereus, centro 
albus, infra glaber nec scabrosus, fuscus vel aterrimus; Cl rub. 

18. Physcia elegans Lk. aren. N., ö. K. 

19. Physcia miniata HfFm.? aren. ö. K. : Arn. exs. 1035 similis; thallus areolatus, 

flavus, effigurationem non vidi (non est Callopisma), ap. confertissima, 
subminuta, aurantiaca, marg. albopruinoso, sp. 11 X 5. ^) 

20. Physcia tegularis Ehrh., Nyl. Flora 1883 p. 106, aren. ö. K.; thallus disperso- 

lobularis, flavus, nec thallus nec ap. pruinosa, sp. 9X4. 

21. Candelaria vitellina Ehrh. aren. N., ö. K., K.; porph. S., V. 

22. Gyalolechia aurella Kbr. aren. S., ö. K., V. : supra et inter thallum Stigma- 

tommatis. 

23. Callopisma aurantiacum Lightf. aren. S., K. ; porph. S. 

24. Callopisma cerinum cyanolepra Fr. aren. K. 

25. Blastenia ferruginea saxicola Mass. aren. K., ö. K. : thallus albus, subareolatus, 

ap. numerosa, submediocria, sordide ferrugineorufa, excip. gonidia continet, 
sp. 16—19X8—9; porph. S. 
f. obliterata Kbr. aren. K.: thallus nullus vel subnullus, ap. subconferta, 
aurantiaca et sordide ferruginea, excip. nulla gonidia continet, sp. 
ellipsoid., 12—14X5. 



1) Sp. 11 y^5 — 011 mm longae et 0-005 mm latae. 



I,ic.lit<iioli)>?isclui ItoitrüRo. 



2(>. Pi/rcnodcswia (liphpci Nyl. iiron. K.: thnllus albus, suharcolatus, ap. (idmila, 
parnda, (jreparitir confertissimn, lecidcina, atra vd lii'ido-atra, plana, 
angtdosa, marg. tenui, suh(h'xuoso, ep. sordide viride, K purpurco- 
molascens, hijp. lutescens vel fuscescens, sp. ellipsoid., polaridyhlastae, 
12X5-6. 

27. Placodiiim Murale Schreb. aren. N., K.; i)ori)h. S. : bcno evoluta, sed noii 

Garovaglü, V. 
f. diff'ractnm Ach. arcn. N. 
f. versicolor Pers. porph. V. 

28. Acarospora glaucocarpa Wbg. aren. K. 

29. Acarospora fuscata Schrad. aren. ihallus pallidus vel cervinus: N., S., K., 

ö. K. ; porph. S. 

30. Acarospora rufescens Borr, [smaragdida Kbr.). aren. N., K., ö. K. 

31. Binodina trachytica Mass. aren. V.: thallus albus verrucosus, K ap. 

adnata, numerosa, disco nigricante, marg. albo, sp. 19—22 X 8—9, medio 
non constrictae, sporobl. rotundatis; porph. S.: mit Arn. 493 überein- 
stimmend, bis auf die Sporoblasten, welche bei Arnold 943 hauteiförmig, 
bei der hiesigen Pflanze rundlich sind; auch ist der Thallus rein weiss 
und dicker. 

32. Binodina milvina Wbg. (— sophodes saxicola?). aren. N., V., K.; porph. 

S., V. Worin der wesentliche Unterschied zwischen dieser und der sophodes 
saxicola liegt, habe ich bis nun nicht finden können; vide auch Arn. 
Lieh. Ausfl. XXII S. 8. 

33. Binodina lecanorina Mass. aren. K. : thallus incanus, diffractoareolatus, 

K =, ap. numerosa, innata, subaequantia vel tumida, atra, sp. constrictae, 
11—16X7-8. 

34. Lecanora atra Huds. aren. K.: atryneae hujus loci simillima, sed ap. intus 

alia, N.; porph. V. 

35. Lecanora atrynea Ach. [cenisea: atrynea, vide Arn. Lieh. Ausfl. XXV, S. 18). 

aren. N. : thallus verrucosus, albus, K-\-, ap). majuscula, demum convexa, 
pallide testacea vel fere rubina, subnuda, sperm. arcuata, 24—27X1; 
non est f. rubricosa Wain. Adj. I p. 157; ö. K.: ap. ampla, fusco-atra, 
minus crassa, subnuda, sperm. arcuata, 16 — 24X1; S., K. ; porph. ö. K. 

36. Lecanora cenisea Ach. aren. S., V., K., ö. K. ; porph. S. V. 

37. Lecanora sordida Pers. Super saxa utriusque generis frequens. 

38. Lecanora dispersa Pers. aren. N., V., K., ö. K. 

f. conferta Duby, Arn. Jura 1885 S. 118. aren. K.: thallus evolutus, cinereus, 
ap. confertissima, fusca vel violaceo-fusca, nuda, margine tenui cinereo 
vel demisso, sp. 9—14X4 — 5. 

f. coniotropa Fr. aren. N., ö. K. 

39. Ijccanora polytropa Ehrh. Frequens. 
f. illusoria Ach. aren. V., K. 

f. alpigena Arn. aren. N., ö. K. ; porph. S. 
f. alpigena ecrustacea Sch. N., K. 

25* 



196 E. Kernstock. 

40. Lecanora intricata Schrad. Super saxa aren. frequens; porph. S. 

f. ustidata Fw. aren. S. Die Apothecien erscheinen durch eine mir un- 
bekannte Ursache völlig degenerirt und schwarze Flecke bildend; ein 
Aufschnitt zeigt unter dem Mikroskop keine Spur ehemaliger Apothecien, 
dafür ein Gewirre von dicken dunklen Zellen, welche durch K purpurroth 
gefärbt werden. 

41. Lecanora badia Pers. Thallus badius vel nigricans, aren. N., S., K., ö. K.; 

porph. S., ö. K. 
f. cinerascens Nyl. S., K., ö. K. 

42. Lecanora nitens Pers.? Thallus cinereus, ap. majuscula, fusco-atra, nitida; 

sp. angustae, 11—16X3—4, oblong o-fusiformes, J hym. persistenter 
coerulescens. Düi-fte wohl nur die f. cinerascens Nyl. sein, stimmt aber 
in den inneren Merkmalen auffallend mit dem Exemplare in Lojka 
hung. 155. 

43. Aspicilia gibbosa Ach. aren. S.: a) habitu omnino cinereae, thallus albus, 

rimoso-areolatus, areolae planae, K—, J=, sp. 8nae, 27X14 — 16, sperm. 
frustra qiiaesivi; b) sp. solito angustiores, 22 X 9, sperm. (in spermog. 
majusculis maculiformibus) recta, acicularia, 11X1; ö. K.: porph. S.: 
sperm. recta, 9X1. 

44. Aspicilia polychroma f. Candida Anzi Cat. 59, aren. N. : extus simillima 

calcareae (ap. pruinosis), sed sp. 8nae, ovales, 20—22 X 6—14, sperm. 
(aegre invenienda) levissime curvula, 22X1; Thallus weniger dick und 
nicht so rein weiss als in Arn. exs. 999, sonst dieselbe. 

45. Aspicilia cinerea L. aren. N., S. ßeaction nicht immer prompt. 

46. Aspicilia alpina Sommerf. aren. N. : sp. solito majores, 14—20 X 5 — 8, re- 

actiones normales; S., K.; porph. S. 

47. Aspicilia einer eo-rufescens Ach. aren. N., K. 

48. Aspicilia flavida f. rufescens Arn. aren. ö. K. : thallus obscure ochraceus, 

rimulosus, laevigatus, maculas minutas dispersas formans, ap. minuta, 
concaviuscula, innata, atra vel coeruleo-atra, sp. 8nae, ellips., 14 X 7—8; 
sperm. brevia, recta, 3 — 4 X 1. 

49. Aspicilia lacustris f. diamartoides Nyl.? aren. humida, K. : thallus saxi 

rimas tegens, tenuis, sat ochraceus (ut in L. Bicksonii) rimulosus, J — , 
ap. paullo obscuriora, rufescentia, urceolata, minuta, hyp. incol., gonidia 
sub hyp. adsunt, sp. ellips., 11X5, J hym. vinose fulvescit. 

50. Aspicilia ceracea Arn. aren. N. : a) thallus et ap. pallida, sp. in ascis 

subcylindricis 8nae, acutato-ellips., 15—19 X 7—9; gonidia Aspiciliae; 
b) thallus solito obscurior, obscure rufescens, rarius lutescens, sp. ellips., 
11—14X5; S.: thallus ochraceo-lutescens, ap. disco fuscescente, sp. 12X5. 

51. Jonaspis chrysophana Kbr. aren. N. : thallus rufescens, ap. minuta, nigri- 

cantia, ep. laete smaragdulum, sp. subglobosae, 9—12X8; chrysogonidia 
cum halone 31 — 49 X 24— 34; K.: thallus cinereus, effusus, tenuis, ap. 
immersa, obscuriora, ep. K distincte pallide violascens, sp. 8nae, 8—11 X 
4—5; chrysogonidia concatenata 32—42 X 19—35 cum halone. Die Kali- 



11)7 



färbunf? des E|). und Hyni. fand kh auch boi Arn. llo, d()(;li diHt'iiii'n 
die Sporen; iiiisserlich ist Arn. 113 bosscr entwickelt. 

52. Sphyridium bi/ssoides f. sessile Nyl. aren. K. 

53. rsora cenea Diif. porpb. V.: bene evoliita. 

54. Psora atrobrunnea Rani. aren. N.: thallus sterilis, med. J coerulesc. 

55. Biatora conrctata Sni. aren. S.; porph. S. 

50. Biatora Brujeriana f. deplanata m. aren. N.: a tijpo differt tliallo de- 
planato, suhdispcrso-areolato, areoUs planis, passim convexis, pallidc 
ochraccis; ap. gregaria conferta ayigulosa vel varie flexuosa, elevata, con- 
cava, atra, scabrida, margine tenui varie flexuoso; sp. in ascis cylindraceo- 
clavatis 8nae, saepe uniseriales, acutato-ellipsoideae, cum guttula oleosa 
majore, 19—20 X 7—9, par. liberae, ßlifortnes, J liym. fulvescens. (Speeles : 
Arn. in litt.) 

57. Biatora Kochiana Hepp. aren. K. : thallus cinereus, ap. innata, sub- 

aequantia, sp. globoso-ellipsoideae, 7 — 8 X 5—8, saepius uniserialiter dis- 
positae, N.; porph. V.: a) planta habitu rivulosam aemulans, sed sp. 
subglobosae; b) thallus orbicularis, albescens, nigrolimitatus, ap. innata, 
subaequantia, sp. breviter ellipsoideae, 8—9X5—7. 

58. Lecidea speirea Ach. aren. N. : neben der normalen eine fragliche Form: 

thallo omnino ut in conßuenti, modo paullo tenuiore, ap. innatis, parvis, 
aequantibus, marg. subpruinoso, disco fere semper nudo, sp. dacryoideis 
vel saepius oblongis vel elongato-oblongis, 11—15X4—5; K. 

59. Lecidea confluens Web. aren. N., S.; K.: thallus hujus, sed sp. oblongae, 

14X4; forma: thallo obscure coeruleo-cinereo, ap. innatis, ep. atroviridi, 
hym. sub lente smaragdulo, sub microscopio incol., hyp. fuscoatro, ascis 
angustis, sp. oblongis, 11 — 14 X 4; ö. "K. : forma thallo subalbido, ap. 
minoribus, mimerosis, planis, sp. 11—14 X 4. 
f. plana m. ö. K. : thallus coeruleseenti-cinereus, rimulosus, ap. mediocria, 
subaequantia, plana, subpruinosa, sp. oblongae, 12 — 15 X 4( — 5); die Sporen 
und die Farbe des Thallus verbieten die Zuziehung zur speirea: mit f. con- 
nectens Wain. Adj. II p. 53 ähnlich, doch thallus effusus, continuus. 

60. Lecidea leucitica Fw. aren. K. : thallus caesio-albus, diffracto-areolatus, 

K — , / +, Gl — , ap. gregariter conferta, adpressa, marginata, ep. obscure 
viride, hyp. fuscum, sp. oblongae, 14X5; ö. K.: thallus tenuissimus, dis- 
persus, albidus, K — , J +, ap. dispersa, ampla, deynum convexa, marg. 
tenui flexuoso, disco tenuiter caesiopruinoso, ep. obscure viride, hyp. 
fuscum, sp. oblongae, 12—14X3—4; sperm. recta, 8—12X1; porph. S.: 
pl. albissima, thallus crassus, diffractus, K — , sp. oblongae, 12 — 14X4. 

61. Lecidea spilota Fr. f. ecrustacea Nyl.? porph. S.: thallus albus, disperso- 

areolatus, K — , / +, ap. parva planiuscula tenuiter pruinosa, ep. obscure 
smaragdulum, hym. sub lente viride, sub microsc. incol., hyp. fuscescens, 
sp. oblongae, 14X4; auffallend sind die schmalen, an Lecidea plana er- 
innernden Sporen. 



198 



E. Kernstock. 



62. Lecidea lactea Flk. ThaUiis K rubens, J coenilesc; aren. N. : wohlaiisge- 

bildete Hochgebii-gsform; S.: tliallus saepius coeruleo-cinerascens, diffracto- 
areolatus, reactione K passim non distincta, sp. normales; non pertinet 
ad declinantem ; K. ; porph. S. : reactione indistincta; V.: typica. 
f. sublactea Lamy. aren, ö. K. : thallus normalis, ap. parvula, numerosa, 
tenuiter pruinosa. 

63. Lecidea decUnans Nyl. aren. N.: forma thallo crassiusculo, caesio einer eo, 

rimoso-diffracto ; ap. innata, planiuscula, marg. tenui elevato, nuda, ep. 
ohscure viride, hym. viridulum, tenuissime sectum incol., hyp. fuscum, 
sp. oUongo-ellipsoid., 14—16X5; K.: alle Individuen ziemlich typisch. 

64. Lecidea decolor kvn. aren. S.: thallus minus evolutus, K — , med. J coerulesc, 

ap. parva, plana, conferta, numerosa, adpressa, marginata, atra, nuda, 
hyp. fuscoatrum, hym. incol., ep. fuligin., sp. elipsoid., 9X5; cum Arn. 
679 quadrat excepto thallo, qui in nostra planta multo minus evolutus; 
N. : Arn. 679 ex omnibus partibus, thallus tenuis, rimulosus, med. J passim 
coerulesc, ap. minuta, numerosissima, plana, nuda, marg. prominente, 
ep. ohscure olivaceum, hyp. fuscum, sp. 12 X 5—1. 

65. Lecidea promiscua Nyl. aren. K.: thallus suhnullus, K — , med. J hene 

coerul., ap. suhparvula, dispersa, planiuscula, nuda, atra, hym. suh lente 
smaragdulum, ep. smaragdulum, excip. crassum, fuscoatrum, hyp. fuscum, 
sp. ohlongae, 12X4; V.: a priore differt hym. pallidiore, sp. 11—14X4. 

66. Lecidea lithophila Ach, aren. N. : forma normalis et eadem ac Beiträge IV 

S. 17 Nr, 39 (plana), sed sp. habet distincte latiores, suhellipsoideas, 
12 — 16X4—6; ap. in formis omnibus hujus loci etiam humecta atra. 

f, geographica Arn. Lieh. Ausfl. XIII S, 9. aren. N. : thallus rimulosus, oxy- 
datus, K—, J — , lineis protothallinis nigris latis varie decussatus, ap. 
adpressa, tenuia, parvula vel mediocria, angulosa vel auriculata, plana, 
disco pruinoso, etiam humecto atro, hyp. incol., sp. ellips., 11 — 14X5. 

f. ochracea Ach. aren. N., S.,K., ö. K.; semper ap. etiam humida atra; porph. S. 

f. macularis m. aren. S.: a typo differt ap. maculari-aggregatis, planis, 
angulosis, tenuissime marginatis, marg. varie flexuoso nudis, juvenilibus 
pruinosis, etiam humectis atris; die Pflanze kommt in diesen Höhen häufig 
vor und ist habituell constant. V.: ap. leviter pruinosa humecta fusco- 
atra, sed minus aggregata; ö. K., K. ; porph. S. 

67. Lecidea plana Lahm. aren. N.: hijp. subincolor, sp. 11 X2 — 3; ö. K.: forma 

habitu lithophila maculari simillima, sed sp. oblongae et ap. magis ele- 
vata; cum f. elevata Lahm, non quadrat. 
f. perfecta Avu. aren. N. : thallus tenuis, rimulosus, J — , ap. numerosa, 
dispersa vel contigua, parvula, plana, varie lobulata, disco opaco, marg. 
nitidiusculo, ep. obscure olivac, N roseoviolasc, hym. hyp. incol., sp. 
robustae, oblongae, 14—17X2—4, apicibus saepius attenuatae; S.: thallus 
albus, K — , med. J passim levissime coerulesc, ap. ut in priore, hyp. 
subincolor vel centro rosaceum, sp. oblongae, 14X4, sperm. acicularia 
recta, 16X1; K., ö. K. : sp. 15—20X4. 



liiclllMlolitpisclir I'.ritl:if,M'. 



f. ecnistacca Nyl. arcn. N.: ihnlliis suhnulhift, med. 7—, ap. (jreifaritcr 
conferta, atcrrima, opnca, raric lohnlata, viarg. parum prominente, ep. 
nigric, hym. hi/p. incol, sp. elongnto-ohlongac, 12—16X3—4; ö. K.: 
liabituüll an lithophila macularis ciiuncmd, sp. 11—12X4. 

(IS. Lccidea proludens Nyl. areii. K.: excip. K purpureum; a) thallus tenuissi- 
mus, minus evolutus, K — , J —, ap. numerosa, parva, urceolata vcl plana, 
marg. crasso, ep. sordide viride, hyp. pallidum, sp.8X4; habituell ab- 
weichend; h) thallus disperso-glehosus vel glehoso-areolatus, albus, K 
flavus, J — , ap. mediocria, convexa vel tuherculata, atcrrima, marg. niti- 
dulo, ßexuoso, hym. glaucum, sp. SX3; sperm. in spermog. innatis nume- 
rosis atris acicularia, recta, 8X1; c) thallus K flavens, hym. smarag- 
dulum, sp. oblongae, 11X4; ö. K. : thallo solito macriore; porph. ö. K. 

09. Lecidea sarcogynoides Kbr. aren. N.; K.: thallus rimulosus, paullo ferru- 
ginosus, maculas orhiculares formans semipoUicares, med. J — , ap. 
confertissima, adpressa, plana, a^igulosa, nuda, ep. atrum cum excip. N 
roseopurpurasc, hym. cerasinum, hyp. ohscurum, sp. 9 — 11X4—4 5; 
dürfte trotz des abweichenden ThaUus doch hierher gehören. 

70. Lecidea promiscens Nyl. aren. N. : thallus alhidus, suhcontinuus vel minute 

rimulosus vel dispersus, K — , J med. coerulesc, ap. atcrrima, gregaria 
vel serialia, plana vel demum convexula, ep. atroviride, hym. suh lente 
smaragdulum, hyp. fusco-atrum, tenuiter sectum fuscum, sp. oblongae, 
11X3 5; der mehr als gewöhnlich entwickelte Thallus ist vielleicht der 
Unterlage zuzuschreiben; S. : normalis; K. : thallo melius evoluto, ccterum 
planta normalis; ö. K,, fraglich: thallus tenuis, K — , <7+, ap. convexa, 
immarginata, atra, opaca, ep. viridiatrum, hyp. fuscum, sp. 9 — 11 X 3—4. 

71. Lecidea platycarpa Ach. aren. normalis: N., K., ö K.; K. : forma? thallus 

subverrucoso-arcolatus, sordidus, passim albus, K—, J—, ap. majuscula 
fusco-atra, valde convexa et confluentia, ccterum dispersa, juniora sub- 
pruinosa, intus a typo non diver sa, sp. 18 — 22X7—8. 

f. steriza Ach. porph. S. 

f. convexa Arn. aren. N. : = Arn. 192. 

f. oxydata Kbr. aren. N.; thallus obsciire ochraceus, K — , / — , ap. mediocria, 
plana, sp. 16—20X7 — 8; K.: forma excip. K subpurpurascente; S. : ap. 
paullo minoribus. 

f. microcarpa Hepp. aren. S. : thallus subnullus, ap. dispersa, parvula, 
sp. 22X8. 

f. caesioconvexa Wain. Adj. II p. 68: „est quasi steriza, sed apoth. pruinosis"; 
aren. N.: thallus nullus, ap. mediocria, convexa, tenuiter marginata et 
hic illinc pruinosa, sp. minores, 14 — 16 X 8. 

f. pruinosa Wain. Adj. II p. 68, aren. K.: thallus tenuissimus, obsoletus, albus, 
J — , ap. dispersa vel gregaria, elevato-sessilia, plana, marg. elevato crasso 
saepe flexuoso, disco levitcr pruinoso, sp. 18X8—9; die zwei letzt- 
genannten Formen passen nicht zu albocoerulescens. 

72. Lecidea albocoerulescens Wulf. aren. N., S., K., V. 



200 



E. Kernstock. 



f. flavocoerulescens Horn. aren. N., K., ö. K.; Thonschiefer Ki. 

73. Lecidea meiospora Nyl. aren. formae variae, non semper certae; N.: 

a) thallus albus, minute areolato-diffractus, ap. adnata, parva, concava, 
disco pruinoso, 7narg. crasso, nudo, sp. 14X7; h) thallus tenuis, albus, 
areolatus, ap. parvula, suhinnata, nuda, sp. 16X8; S.: thallus tenuis, 
albus, ap. plana, adpressa, subpruinosa, sp. 16—18X8 — 9; K.: a) thallus 
subnullus, ap. numerosissima, adnata, plana, disco pruinoso; b) thallus 
tenuis, rimoso-areolatus, albus, ap. minuta, numerosa, plana; c) wie b), 
doch ap. subinnata, disco subpruinoso; d) thallus bene evolutus, albus, 
rimoso-areolatus, K — , J — , ap. parva, innata, numerosa, saepe contigua, 
sp. oblong o-ellipsoid. vel dacryoideae, 16—20—24X8—9!, cum guttula 
oleosa unica majore; porph. Ki., S. 
f. oxydata m. aren. N.: thallus melius evolutus, tartareus, diffracto-areol., 
oxydatus, K — , J—, ap. parva, numerosa, subinnata, disco pruinoso, marg. 
crasso, nudo, sp. 16X5—6. 

74. Lecidea crustulata Ach. aren. N., K. 

75. Lecidea petrosa Arn. aren. ö. K. : thallus subnullus, ap. parvula, plana, 

marg. plerumque demisso, ep. olivaceum, hyp. nigrum, supra olivaceum 
K subimmutatum, sp. 20—22 X 9 — 11, sperm. non inveni. 

76. Lecidea rhaetica Hepp. aren. K.: thallus crassiusculus, disperso-areolatus, 

albus, K — , J — , ap. adpressa, plana, conferta, nitidula, marg. tenui, 
ep. atroviolaceum, hyp. cum excip. K violasc, sp. latae, 18 — 22 X 11 vel 
16X8. 

77. Lecidea vorticosa Flk. aren. bene evoluta: N., S., K., ö. K.; porph. V. 

78. Lecidea DicJcsonii Ach. aren. K. 

79. Lecidea fumosa HlFm. aren. K. : thallus verrucoso-areolatus, cervinus, K — , 

med. J — , strat. subcorticale Gl rub., ap. pruinosa. 

80. Lecidea elata Schär. Spie. 137. aren. V. : cum descriptione omnino congruens, 

praec. „ap. disco piano crustae farina vulgo suffuso^; sp. 11X5. 

81. Lecidea tenebrosa Fw. aren. N., K.; porph. ö. K., V.: thallo solito pallidiore. 

82. Lecidea latypea Ach. aren. N., S., ö. K. ; V. : forma thallo solito crassiore, 

verrucoso-areolato-albo , K-\-, med. J — , ap. demum convexis, ep. sordide 
smaragdulo, hym. infra roseolo, hyp. fulvesc, sp. et par. normalibus; 
porph. S. 

83. Lecidea enteroleuca Ach. aren N.: thallo bene evoluto, rimoso-areolato, ap. 

hic illinc subpruinosis, ep. coeruleonigric, hyp. incolorato; sperm. arcuatis, 
20X1; S., K.: forma thallo verrucoso-areolato, ap. gregariis, numerosis, 
ep. Smaragd., hym. hyp. incol., par. cohaerentib., sperm. arcuatis, 
14—8X1; b) thallo tenui, leproso-tartareo vel rimoso-areol., ap. parvulis, 
numerosis, confertis, ep. sordide fusco, par. liberis; ö. K. : hym. roseo, ep. 
obscure viridi; porph. S., V. 
f. pungens Kbr. aren. ö. K., V. 

f. pruinosa m. aren. K.: ap. albopruinosis ; thallus disperso-areolatus, 
albus, K-\-, med. J — , ap. parvula, planiuscula, subimmarginata, ep. 



liiclioiioloRisclio l{<'itriino. 



201 



excip. extus smnrmjdul., hyp. et c.rc. nitns incol., sp. cliipaoid., .VX''>j 
par. solito ralidiorcs, snhramosac, suJdibernc; spcrm. frnstra quaesivi. 

84. Lecidca riridmis Fw. aron. ö. K.: reactiono mala. 

85. Lecidea itiscrcna Nyl.V porph. S.: thallus incanus, suhverriicoso-areolatus, 

K — , med. J—, ap. parva, planiuscula, nitida, ep. olivac, hym. hyp. 
incol, par. non. discretae, sp. elUps., 11—12X5, sperm. arcuata, modo 
16—20X1. 

86. Lecidea — . areu. ö. K.: thallus dispersus, tenuis, albus vel suhnullus, liic 

illinc oxydatus, K—, med. J coerulesc, ap. gregaria vel dispersa, plana 
vel convexa, submediocria, marg. crassiusculo, atra, opaca; ep. atroviride, 
par. validiusculae, viridi-clavatae, hyp. fuscum, exc. intus pallidior, K 
violascens, sp. 9—11 X 3—4. 

87. Lecidea — . porph. S.: habitu exteriore cum lactea omnino congrnens, sed 

thallo K— (J-i-), sp. paullo angustioribus, 11— 14X4— 4 5; thallus 
crassus, albidus vel cinerascens, tenuiter diffractus, ap. innata, atra, 
nuda, plana, marg. passim subsuffuso, ep. obscure viride, hyp. fuscum, 
par. robustae; sperm. acicularia, recta, 8 — 11X1; möglich, dass sie doch 
zur lactea gehört. 

88. Lecidea — . aren. N.: thallus tenuis, disperso-areolatus, albus, K — , med. 

J — , ap. subinnata, contigua, angulosa, plana, aterrima, opaca, marg. 
erecto, ep. obscure viride, hym. sub lente viride, hyp. obscurum, sp. 
ellips., 9—11 X 5—7; stimmt am besten mit subumbonata Nyl., Hue p. 189, 
Arn. XXIII S. 43. 

89. Biatorina — . aren. K.: thallus subnullus, ap. minufa, plana, nigricantia, 

marg. thallino accessorio ochraceo tenui, intus incoloria, hyp. fuscescens, 
sp. 8nae, ellipsoid.-oblongae, 9—11 X4—5, Isept., par. apice non clavatae; 
zu lenticularis kaum gehörig. 

90. Bilimbia coprodes Kbr. porph. V.: thallus granulosus, indistinctus, ap. 

atra, tandem convexa, marginata, ep. sordide, viride, par apice viridi- 
capitatae, hym. angustum, hyp. sordide viridifuscum, inferne K purpurasc, 
sp. subbacillares, obtusae, Ssept., 14—18X3—4; Jhym. vinose rubens, 
praeced. coerulesc. levissima. 

91. Scoliciosporum umbrinum Ach. aren. N., K. 

92. Sarcogyne simplex Dav. porph. N., K. : thallus subnullus, ap. in rimis saxi 

serialiter disposita, ruguloso-difformia. 

93. Sporastatia morio Kam. porph. N., K. 

94. Buellia leptocline Fw. aren. S.: bene evoluta. 

95. Buellia contermina Arn. porph. ö. K.: thallus orbicularis, cinereo-incanus, 

planus, diffracto-areolatus, K — , Cl — , med. J coerul., ap. innata, 
aequantia, plana, ep. sordide virescens, hyp. fuscescens, sp. 12X4 — 5, J 
hym. coerulesc; par. sunt articulatae. Mit Ausnahme der fehlenden 
Reaction und des graulichen Thallus vom Habitus der italica; ob sie nicht 
besser zu uberior Ami neos. 12 zu ziehen sei, vermag ich nicht zu beurtheilen. 

96. Buellia verruculosa Borr. aren. N. 

Z. B. Ges. B. XLIV. Abb, 26 



202 



E. Kernstock. 



97. Buellia — . aren. K.: thallus ?, ap. gregaria, parva, plana, marg. tenui, 

ep. hyp. fuscum, par. apice clavatae, fuscae, K fere violaceo-fuscae ; sp. 
11 — 16X7 — 8, J hym. sat coerulesc; die Bestimmung dürfte wegen des 
fehlenden Thallus und der wenigen Apothecien kaum möglich sein. 

98. Diplotomma epipolium Ach. aren. ö. K. 

99. Catocarpus polycarpus Hepp. aren. N., S., K., ö. K. 

100. Catocarpus applanatus Fr. aren. N. : thallus sordide cinereus vel fuscocin., 

areolatus, med. J — , ap. parva, adnata, ep. smaragdulum, par. viridi- 
capitatae, sp. suhincolores, 20—22X11. 

101. Bhizocarpon geographicum L. Frequens. 

102. Bhizocarpon viridiatrum Flk. aren. K.: thallus sterilis. 

103. Bhizocarpon distinctum Th. Fr. porph. S. 

104. Bhizocarpon ohscuratum Ach. aren. N. ; porph. Ki., ö. K. 

105. Bhizocarpon lavatum Ach. aren. N. : thallus laevigatus, tenuiter rimulosus, 

ap. innata, plana, non papillata, saepius ferrosa (habitu pl. Arn. 1059 
omnino similis); ö. K. : thallus atrolimitatus, ferruginosus, rimulos., sp. 
incolores, 35X11. 

106. Bhizocarpon excentricum Nyl. aren. N., K., V.; porph. S., V. 

107. Bhizocarpon concentricum Dav. aren. K. 

108. Stigmatomma clopimum Wbg. aren. V. 

109. Lithoicea cataleptoides Nyl. aren. N. : thallus areolatus, fusco-cinereus, 

ap. parvula, solo apice prominula, sp. ohlongo-ellipsoid., 16—20X7—9. 

110. Lithoicea elaeomelaena Mass. aren. aqua irrig. K.: thallus tenuis, effusus, 

macularis, laevigatus, aeneus, ap. parva, modo apice prominentia, sp. 
ohtusissime ohlongo-ellipsoid., 19—22 X 7 — 11, J hym. vinose fulvesc. 

111. Verrucaria muralis Ach. aren. N. : thallus albidus, subnullus, ap. mediocria, 

emersa, numerosissima, inquinata, sp. ellipsoid., 24—27 X 11 — 14, J hym. 
vinose ruhens; K. 

f. ferruginea Nyl. Scand. p. 275; aren. ö. k. : thallus tenuissimus, e saxo 
ferruginosus, sp. 23 — 24 XU. 

112. Verrucaria tapetica Kbr. S. 349. aren. N. : thallus fuscescens, areolato- 

rimulosus, humectus nec gelatinosus, ap. parvula, numerosa, semi-emersa, 
sp. ohlongae vel ellips., 16 — 22X5 — 8; stimmt mit keiner anderen Art. 

113. Polyhlastia hyperhorea Th. Fr. aren. K. : thallus sordidus, tenuiter rimu- 

losus, ap. conferta, mediocria, semiemersa, ohtuse conica vel hemisphaerica, 
pertusa, amphithec. crassum, dimidiatum, perith. infra tenue, integrum, 
gonidia hym. desunt, sp. ellipsoid., ohtusae, 22—32 X 15 — 19, 8nae, muri- 
formi-polyl)lastae. 

114. Polyhlastia scotinospora f. monstrum Kbr. aren. V.: thallus alhus, sub- 

nullus, ap. mediocria, emersa, gonidia hymenialia desunt, sp. ovales, oh- 
tusae, 31 — 38X14—19, polyhlastae, demum fuscae, asci late saccati. 

115. Sagedia Koerheri Fw. porph. V.: thallus subnullus, sordidus, chrysogonidia 

diam. 19, ap. minuta, perithec. violaceo-atrum, N magis purpureum, K 



Liclioiiolopisclio Hoi trüge. 



203 



glmiciim, sp. anguste fusiformes, lUrinque vel altera apice acuminatae, 
7 Sept., 27—33X4—5. 

116. Sagedia hyssophüa Kbr. aren. K.: thallus dispersus, fuscoater, ap. minuta, 

emersa, perithcc. K sordide atroviride, N purpureofuscum, par. validius- 
culae, sp. anguste fusiformes, 18—22X4, 3sept.; chrysogonidia 16—35X 
11—18 cum halone. 

Parasitae. 

117. Lecidea insularis N}!. Auf dem Thallus der Lecanora sordida: N., K. 

118. Lecidea vitellinaria Nyl. Super thallum Lecanorae polytropae; aren. N.: 

ap. lecideina, minuta, plana, ep. laete smaragdulum, hyp. lutescens vel 
incolor, sp. ohtuse ellips., 9 — 11 X4—5; S., K.: supra thallum et ap. Cande- 
lariae vitellinae. 

119. Lecidea aggregantula Müll. Fl. 1874 S. 533, super ap. Candelariae vitellinae. 

aren. N. : ap. minuta, convexa, atra, conglomerata, immarginata, ep. 
atrovirens, hyp. ruf um, par. conglutinatae, sp. anguste oNongae, rectae 
vel curvulae, obtusae vel altero apice sensim attenuatae, 9 — 14 X3 —4 
K., S. : supra thallum Lecanorae polytropae; ap. conglomerata, convexa, 
nitida, atra, ep. sordide coeruleoglaucum, hyp. fuscum, par. conglut., sp. 
in ascis siibpyriformih. 8nae, ohlongae, obtusae, 9—14X3; Jhym.vinose 
fulvescens. 

120. Celidium varians Dav. Supra ap. Lecanorae sordidae, aren. N., S., K., ö. K. ; 

frequens. 

121. Conida subvarians Nyl. Supra ap. Lecanorae polytropae, aren. N. : ap. 

minuta, tumida, confluentia, intus sordide luteo-olivacea, asci pyriformes, 
sp. subaequaliter oblongae vel cuneato-oblongae, 8 — 9 X 3, indistincte 
septatae. 

122. Dactylospora maculans Arn. Inter thallum Lecanorae sordidae, K. : ap. 

gregaria, lecideina, maculas magnitudine lentis formantia, ep. hyp. fuscum, 
par. conglutinatae, sp. dactyloideae, obtusae, 18 — 24 X 5—8, 3 — 4sept., 
demum fuscae (cum Arn. exs. 1250 omnino quadrans). 

123. Arthopyrenia lichenum f. fuscatae Arn. Super squam. Äcar. fuscatae, 

aren. K. : ap. minutissima, dispersa vel conferta, sp. in ascis oblongis 
8nae, cuneatae, 8 — 11X3—4, Isept.; par. non vidi. Auf dem benachbarten 
Thallus der Imb. prolixa sah ich die Pflanze nicht. 

124. Tichothecium gemmiferum Tayl. Supra thallum Lee. albo-coerulesc. aren. 

V., Aspiciliae ein. S. 

125. Tichothecium pygmaeum Kbr. aren. N. : supra thallum album, K lut, J — ; 

supra thallum Lee. meiosporae, albo-coerulesc; S.: supra thallum L. 
enteroleucae, Lecan. intric. ustulatae, L. latypeae; K., ö. K. : Lee. crustu- 
latae, Lecan. intricatae. 
f. grandiusculum Arn. aren. N. : supra thallum Lee. enteroleucae et Lecideae 
cujusdam thallo albo; S. : Lee. confluentis, L. meiosporae; K,: Lecan. 
intricatae, polytropae, Lee. vorticosae; ö. K. : JRhizoc. geographici. 

26* 



204 



E. Kernstock. 



126. Tichothecium macrosporum Hepp. Supra thallum Ehiz. geographici, aren.ö.K. 

127. 3IueUerella thallophila Arn. Supra thallum Lecideae vorticosae, aren. V.: 

ap. immer sa, magnitudinis Tichothecii pygmaei grandiuscuU, perith. 
fuscum, par. distinctae, articulatae, apice fuscae, sp. in ascis oblongo- 
saccatis numerosae (minimo 50), ohlongae vel elUpsoid., fuscae, simpUces, 
8—14X4 — 5, Jhym. coerulesc, mox vinose fulvescens; nur wenig vor- 
handen. 

128. Phaeospora rimosicola Leight. Supra thallum Ehizoc. excentrici, aren. K. 

II. Speeles muscicolae et terrigenae. 

Diese Gruppe ist, wenn man von den unvermeidlichen Cladonien absieht, 
auf diesen Höhen sehr schlecht vertreten. Der Grund davon liegt in der ausge- 
breiteten, wenn auch mageren Grasbedeckung der Kuppen und Eücken und in 
dem Mangel grösserer Felsanhäufungen mit feuchteren Nischen und Eissen. 

1. Cetraria islandica L. N., S. (porph.), K. 
f. crispa Ach. S. (porph.). 

2. Cladonia uncialis L. N., S., K. 

3. Cladonia rangiferina L. S. (aren.), K. 

4. Cladonia alpestris L. S. (aren.), K. 

5. Cladonia hellidiflora Ach. K. 

6. Cladonia deformis L. Cum f. gonecJia Ach. K. 

7. Cladonia coccifera L. PI. sterilis alpina: N., K. 

8. Cladonia furcata var. racemosa Hoffm. N. 

9. Cladonia pyxidata neglecta Flk. (aren.), S., K. 

10. Cladonia gracilis L. K. 

11. Cladonia fimhriata fibula Ach. K. (aren.). 

12. Cladonia Papillaria Ehrh. N., S., K. 

13. Tliamnolia vermicularis Sw. Cum ap., K. : par. capillares, parcae, sp. in ascis 

anguste cylindricis (60X4—5) 8nae, extus ascos aegre invenienda, fusi- 
formi-ellips., 7 — 8X3, saepe cum guttulis oleosis; thallus et pustula fert. 
K extus intusque intense flau.; S. (aren. et porph.). 

14. Platysma cucullatum Bell. S. (aren.). 

15. Imhricaria saxatilis L. S. (aren.). 
IG. Peltigera rufescens Hffm. N. 

17. Solorina hispora Njl. K. 

18. Blastenia caesio-rufa Ach. Supra musco ad truncos Äbietis, W. II. 

19. Icmadophila aeruginosa Scop. N., K. 

20. Sphyridium byssoides L. K. 

21. Baeomyces roseus Pers. Sterilis, (aren.) K. 

22. Psora demissa Rutst. N., K. (aren.). 

23. Biatora sanguineo-atra Wulf. K. (aren.) : thallus bene evolutus, verruculosus, 

albidus, K — , med. J — , ap. nigricantia vel atrofusca, convexa, ep. hyp. 
fuscum, granula coeridea adsunt, sp. oblongae. 



Ijichfiiologisoliü Hcitiiij^ü. 



205 



2i. Biatora atrofusca Fw. N., K. (imisc.i). 

25. Biatora Bcrcmjeriana Mass. N. (imisci): thalliis crassiusculus, albus, verru- 
cosus, ap. mciUocria, atra vel fnsco-alra, cp. hyp. fiiscum, sp. fusiformi- 
cllipsoid., II— 14X5— 6, J hym. oinosum. 

2t>. Biatora granulosa Ehrh. K. (aren.). 

27. Biatora uliginosa Schnid. K. (aren.). 

28. Lccidca Wulfenii Hepp. S. (musci). 

29. Ixhaphiospora flacovirescens Dcks. N. (aren.): ap. unicum vidi, sp. acicul, 

57—04 X 3, glohiilis oleosis pluribus, tli. normalis. 

30. Buellia insignis f. muscorum Hepp. V. (musci): sp. 27— 30X8— 11. 

ol. Flacidium daedaleum Kplh. N., K. (aren.): sterilis (Arnold in litt. 27. Oc- 
tober 1893). 

II. Speeles corticolae. 

1. Rhododendron ferrugineum. 

In den aus Fichten und Lärchen bestehenden Wäldern in der Nähe der 
Möltener Käser (I) und längs des Fussweges auf das Kreuzjoch (II) findet man 
förmliche Alpenrosendickichte, welche trotz theilweise höheren Alters fast keine 
andere Flechte beherbergen, als sehr üppiges, aber steriles Platysma pinastri. 
(Die Bhododendron-Büsche im Föhrenwalde an der Nordseite des Krummenbühel 
bei Jenesien, also um fast 1000 ?w tiefer gelegen, weisen eine mannigfaltigere 
Flora auf.) Was aber die Alpenrosen der höheren Lagen betrifft, so war auch hier 
in Anbetracht der zu schildernden Umstände nicht viel zu erwarten. 

Sowohl am nördlichen Abhänge der Kaserböden, wie in der Einsenkung 
zwischen diesen und dem südlichen Kreuzjoche ist der trockene Boden, dem. nir- 
gends eine Quelle entspringt, mit einem kurzen scharfen Grase bedeckt, über 
welches, mehr oder minder zerstreut, Polster oder Hügel von Vaccinium Myr- 
tilliis,^) Äzalea, Calluna, oft untermischt mit kleinen Bhododendron-^tsiuden, 
sowie zahlreiche einzelne Mughus-Best'inde und Alpenrosenbüsche hervorragen. 
Nirgends lehnt sich diese Vegetation an eine ausgedehntere Gesteinsmasse an. Die 
Ausbeute war denn hier auch gering. 

Auf dem östlichen Abhänge des südlichen Kreuzjoches stehen unmittelbar 
unter den Sandsteinklippen und in deren Nischen zahlreiche, zum Theile verdorrte 
JRJwdodendron-Bnsche, deren wie Knochen in der Sonne gebleichte Aeste fast gar 
keine Flechten ernährten. 

1. Platysma pinastri Scop. Ki., K., W. I. 

2. Platysma sepincolum Ehrh. K.: cum ap. 

3. Parmeliopsis hyperopta Ach. W. I, K., S. 

4. Binodina pyrina Ach. W. I, K. 



1) Merkwürdiger Weise gediehen die Sträuclilein von Vaccinium Myrtillus hier oben sehr gut, 
während sie in den Wäldern um Jenesien in Folge des strengen Winters 1892/93 fast sämmtlich 
erfroren waren. Abgedorrte Zweiglein auch dieser Pflanze beherbergten nicht eine einzige Flechte. 



206 



E. Kernstock. 



5. Binodina metäbolica Anzi. K, 

6. Lecanora subfusca L. Ki. 
f. chlarona Ach. K., S. 

7. Lecanora Gisleri Hepp. K., W. I, S. 

8. Lecanora — . S. : ap. lutescentia, hiatorina, Stratum gonidiale sub hyp. adest, 

ep. incolor., par. conglutinat., sp. oNongae, 8 — 11 X 3 — 4, J hym. sordide 
vinose fulvescit, praec. coerulescentia; sperm. non inveni. 

9. Biatora vernalis f. minor Nyl. W. I, Ki. 

10. Biatora sylvana f. Ehododendri Hepp. S. 

11. Biatora fuscescens Smmf. n. K.: ap. pallide fuscescentia, pseudolecanorina, 

sp. glohosae, diam. 5. 

Den sterilen Thallus von Biatora pullata konnte ich nirgends entdecken 
(vide Arn. Lieh. Ausfl.). 

12. Lecidea parasema Ach. W. I, n. K., ö. K., S., Ki. 

13. Arthonia astroidea Ach. n. K., S. 

14. Arthonia excipienda f. Ehododendri Arn. n. K. : ap. minutissima, elongata, 

sp. in ascis pyriformibus 8nae, late ovales, 18 — 19X7—8, Isept., dem. 
fuscescentes, J hym. vinose fulvesc. 

15. Arthonia mediella Njl. W. I.: ap. minuta, lecideina, ep. e clavis nigris 

paraph. leviter solutis compositum, sp. graciles, 3sept., altero apice 
acutiusculo, 14—16 X 3—4. 

16. Arthopyrenia punctiformis Ach. W. I. 

2. Salix retusa (Kirchsteiger Alpe). 

Lecidea platycarpa Ach. Corticola: ap. parva, plana, margine crasso, intus a 
pl. saxicola non diversa, sp. dacryoideae, 16—22X7—9; vide Arn. XVI 
S. 27 (super cortic. Bhodod.). 

3. Pinns Mughus. 

1. Usnea barb. ö. K. 

2. Evernia furfuracea L. ö. K. 

3. Platysma pinastri Scop. ö. K. 

4. Platysma sepincolum Ehrh. n. K., cum ap., frequens. 

5. Imbricaria physodes Ach. n. K., ö. K. 

6. Imbricaria exasperatula Nyl. ö. K. 

7. Parmeliopsis ambigua Wulf. n. K. 

8. Parmeliopsis hyperopta Ach. n. K. 

9. Blastenia ferruginea corticola Anzi. n. K., ö. K. 

10. Binodina pyrina Ach. n. K., ö. K. 

11. Lecanora subfusca coilocarpa Ach. n. K., ö. K. 

12. Lecanora angulosa Schreb. ö. K. 

13. Lecanora symmictera Nyl. n, K. 

14. Lecanora Pumilionis Rehm. Frequens: n. K., ö. K. 



liichonologisclio Hoitnipo. 



207 



IT). Leennora mnghicola Nvl. ö. K. 

1(1. Biatora fuscesvenn Sniinf. n. K.: thallus verrucosus, albus, K—, sp. glohul, 
(iiam. 5 — 6; fre([iiens. 

17. Lecidea parasema Ach. u. K. 

18. Lecidea olivacea Hffin. ö. K. 

19. Melaspilea proximella Nyl. Frequens: n. K,, ö. K. 

4. Pinns Abies und LaHx. 

An sehr alten Bäumen ist in den Wtäldern kein üeberfluss; auf den öst- 
lichen Kaserböden stehen einzelne zu Hexenbesen verkrüppelte Fichten- und 
Liirchenbäumchen, deren Flora kaum abweicht. Mit Rücksicht auf die sehr ähn- 
liche Flora beider Nadelhölzer wird ein gemeinsames Verzcichniss genügen. 

1. Usnea harbata florida L. Frequens. 
f. plicata Schrad. Larix, I. 

f. hirta L. Ahies II, Larix, I. 
f. sorediifera Arn. Abies, I. 

2. Usnea scahrata Nyl. Abies, II. 

3. Alectoria jubata prolixa f. sublustris Stizb. Alect. p. 128. Abies, I. 

4. Alectoria implexa Hffm. (= cana f. fuscidula Arn. exs. sec. Stizb. Alect.): 

thallus fuscescens (cum cano mixtus), K flavens, nec rubens. Abies, II. 

5. Alectoria cana Ach. Abies, I, II. 

f. fuscidula Arn. hb. (non exs.): thallus olivaceo fuscescens, K demum rubens. 
Abies, I. Es ist dies dieselbe Form, welche ich aus den steiermärkischen 
Bergen als f. rubens m. anführte, als Stizb. Alect. noch nicht im Drucke 
vorlag. 

6. Evernia divaricata L. Abies, I, K.; Larix, I. 

7. Evernia prunastri L. Abies, I, II. 

8. Evernia thamnodes Fw. Abies, I; Larix, I, ö. K. 

9. Evernia furfuracea L. Cum ap. Abies, I, II, K., ö. K. ; Larix, I, cum ap., II. 

10. Mamalina pollinaria Ach. Abies, II. 

11. Cladonia digitata K. Ad pedem Laricis, I, cum ap., II. 

12. Platysma complicatum Laur. Abies, 11; Larix, 1, 11; Semper sterilis. 

13. Platysma Odkesianum Tuck. Larix, I. 

14. Platysma pinastri Scop. Abies, I, ö. K.; Larix, I, II. 

15. Platysma ulophyllum Ach. Abies et Larix, I, II. 

Platysma glaucum L. habe ich nirgends gesehen. 

16. Parmeliopsis ambiguaWuU. Abies, II, ö. K.; Larix, I, II. 

17. Parmeliopsis hyperopta kch. Abies, ö. K.; Larix, I, II. 

18. Imbricaria saxatilis L. Abies, 1, 11, ö. K.; Larix, I, II. 
f. furfuracea Schär. Larix, II. 

19. Imbricaria omphalodes f. panniformis Wulf. Larix, II: thallus dense im- 

bricatus, laevis, lineari-laciniatus, cinereus. 

20. Imbricaria physodes L. cum f. labrosa Ach. Frequens. 



208 



E. Kernstock. 



21. Imhricaria austerodes Nyl. Larix, II: thallus partim in fuscesc. vergens, 

atrovariegatus sorediosusque, adpressus, orbicularis. 

22. Imhricaria exasperatula Nyl. Ahies, I, II, K., ö. K. ; Larix, ö. K. 

23. Imhricaria fuliginosa Fr. Ahies, II. 
f. laetevirens Fw. Ahies, I, II. 

Imhricaria caperata sah ich nicht. 

24. Anaptychia ciliaris L. Ahies, I. 

25. Parmelia stellaris L. Ahies, ö. K. 
f. hispida Fr. Ahies, I. 

26. Parmelia tenella Scop. Larix, ö. K. 

A^^^cia pulm., Nephromium laevigatum, Pannaria triptopliylla sah 
ich nicht. 

27. Xanthoria candelaria L. Ahies, ö. K., rara; Larix, ö. K. 

28. Candelaria vitellina Ehrh. ^&^es, I, K. : frequens, ö. K. ; Larix, ö. K. 

29. Blastenia ferruginea corticola Anzi. ^&ies, ö. K. ; Larix, I, ö. K. 

30. Blastenia caesiorufa Ach. Ahies, I: thallus granulosus, cinereus, ap. sine 

gonidiis, aurantiaca; in hyp. discrimen non vidi; II, K,, ö. K.; Larix, II, 
ö. K.: thallus alhido-cinerascens, dense suhisidiose-granulosus. 

31. Binodina pyrina Ach. Ahies, I, K.: frequens, ö. K.; Larix, I, ö. K. 

32. Binodina corticola Arn. Ahies, II, K. : frequens. 

33. Ochrolechia parella f. tumidula Pers. J.&^■es et Larix, I, II. 

34. Lecanora atra Huds. Corticola: J^&tes, II, K.: thallus verrucosus, alhido- 

cinereus, K flav., ap. confertissima, convexa, marg. saepius demisso, disco 
atro, hym. atroviolaceum. 

35. Lecanora suhfusca L. f. coilocarpa Ach. Ahies et Larix, I, II, ö. K. 

36. Lecanora angulosa Schreb. Ahies, 1, K.; ö. K., frequentissima ; Larix, I, ö. K. 

37. Lecanora umhrina Ehrh. Larix, ö. K. 

38. Lecanora varia Ehrh. Supra ramulos decorticatos Ahietis et Laricis, II. 

39. Lecanora conizaea Ach. Larix, I (ramuli.). 

40. Lecanora symmictera Nyl. Ahies, I, K., ö. K. ; Larix, I, ö. K. 

41. Lecanora Pumilionis Rehm. Supra ramulos Laricis, I; Ahietis, ö. K. 

42. Lecanora suhintricata Nyl. Larix, I. 

43. Pertusaria amara Ach. Ahies, II. 

44. Biatora granulosa Ehrh. Sterilis, Larix, II. 

45. Biatora Caduhriae Mass. Larix, II: thallus alhus, verrucoso-granulatus, 

K lut., Cl =, ap. minuta, plana, marginata, fusca vel atro-fusca, ep. 
fuscum, hym. hyp. incol., par. coh., apice fuscocapitatae, sp. ellipsoid., 
7—8X3 — 45, Jhym. vinose fulvescens, praec. coerulescentia; sperm. 
hacillaria, suhrecta vel curvula, 4—5X1 — 1'5. 

46. Biatora turgidula Fr. Larix, I: thallus granulös., alhus, ap. convexa vel 

hotryosa, atra, caesiopruinosa, intus sordide olivacea, ep. N sordide rosa- 
ceum, sp. ohlongae, 11X4; Jhym. coerulesc; ob nicht die pulveracea 
Th. Fr. Sc. 470, weiss ich nicht. 

47. Lecidea parasema Ach. Frequens. 



liichoiiolopischo Koitnipo. 



48. Lecidcn oliracca Hilm. Ahies, I. K., ö K.; Larix, <». K. 

49. liacidia nccrina Tors. Ahics, J. 

50. Ihiellia puncHforims HlVni. Lariv, 1. 

51. Bncllia Schaercri De Not. Larix, II. 

52. riatygrapha abietina Ehrh. Abies, II: thallus albus, humcctus romceus, 

continct chrysogonidia aiirantiaca K nigricaniia, ap. extus intusque 
optime evoluta, sp. 32—34X4, 3sept., curvatae, J hym. ohscure vinose 
fulvcsccns. 

53. Ärthonia pimti Kbr. Abies, I, II: hym. luteum, K violascens, hyp. fuscum, 

sp. demum fuscae, 15—16X5—8. 

54. Xylographa parallela Fr. Super ramulos Äbietis decorticatos, II. 

55. Mclaspüea proximella Nyl. Freqiiens. Abies, K., ö. K. 
5G. Acolium tigillare Pers. II. 

f. ecrustaceum Nyl. Sc. G4. Larix, I, II: vestigiis thalli nullis vel ]7arcis 
circa ap. citrini. 
57. Cyphelium chrysocephalum Turn. Larix, I. 
f. filare Ach. Larix, II. 



Zu: II. Bozen. 

Das Studium einiger namhafter Exsiccatenwerke aus dem Eggerth 'sehen 
Nachlasse, nunmehr im Besitze der k. k. Universität in Wien, dessen Ermöglichung 
ich der ausserordentlich liebenswürdigen Vermittlung des Herrn Hofrathes Prof. 
A. V. Kerner in Wien verdanke, hielt mich längere Zeit in der Stube zurück, 
als für die weitere Erforschung der Lichenenflora von Bozen wünschenswerth war. 
Immerhin dürfte es gerathen sein, die Ergebnisse einiger Ausflüge im verflossenen 
und in früheren Jahren zu fixiren. In der näheren Umgebung von Bozen sam- 
melte ich einige Flechten für die Flora exsiccata Austro-Hungarica (ed. Kerner) 
und sind dieselben — mit Rücksicht darauf, dass ihre laufende Nummer in der 
genannten grossen Sammlung dermalen noch nicht bestimmt werden kann — mit 
(Kerne r) bezeichnet. 

A. Bozen. 

1. Wegmauern in Gries. 

Placynthium nigrum Huds. ~ Dermatocarpon pusilhm Lönnr. — Collema 
pulposum Beruh. 

2. Bäume ober Grries. 

Arfhonia punctiformis Ach. Auf Celtis australis; stimmt mit A. Celtidis nicht 

überein. Sp. 22 — 24 X 4 — 6, J hym. vinose rubens. 
Mycoporum ptelaeodes Ach. Auf Quercus pubescens; die Pflanze ist in Bozen 

gemein. 

Z. B. Ges. B. XLIV. Abb. 27 



210 



E. Kernstock. 



3. Fraxinus Ornus bei Moritzing*. 

1. Ärthonia excipienda Nyl. Sc. 261: ap. ut in dispersa, magis emersa, sp. in 

ascis rotundatopyriformibus, 16X5—6, Isept., obtusae. 

2. Ärthonia populina Mass. 

3. Mycoporum ptelaeodes Ach.: ap. parvula, conferta, verrucaroidea, par. suh- 

distinctae, sp. eUipsoid., Ssept., uno vel altero loculo semel divisis, 19—22X 
9—10; von hier in Arn. 1573 niedergelegt. (Kerner.) Vide Arn. Lieh. 
Ausfl. XXV S. 45. 

4. Arthopyrenia atomaria Ach.: ap. numerosissima minutissima, in orhiculos 

disposita, par. nullae, sp. Isept., constrictae, 12—15X3—4. (Kerner.) 

5. Arthopyrenia cinereopruinosa Schär. : thallus hijpophloeodes, albus, ap. thallo 

obtecta, par. adsunt, sp. Ugulatae, Isept., 18 — 20X4—5. 

6. Arthopyrenia Fraxini Mass.: thallus nigrozonatus. 

7. Arthopyrenia cinerescens Mass.: thallus non visibilis, protothalli lineis atris 

decussatus, ap. mediocria, perith. smaragdulo-coeruleum, par. distinctae, 
sp. in ascis subcylindricis 8nae, Isept., loculo superiore saepius latiore, 
inferiore sublinear i, 12—14X4, vel 18X5; die Pflanze in Erb. critt.it. 
I 949 scheint mir nicht hieher zu gehören, ist übrigens in der Collection 
Eggerth schlecht entwickelt. Die nöthige Anzahl Exemplare für Arn. 
exs. habe ich leider nicht erlangen können. 

8. Tomasellia arthonioides Mass. Verdrängt alles üebrige. 

9. Blastodesmia nitida Mass. Nicht häufig. 

4. Juglans regia iu Kuepach. 

Parmelia aipolia. — P. obscura. — P. adglutinata Kplh. — Xanth. pariet. — 
Cand. aurella. — Callop. cerin. cyanolepra. — C. pyraceum. — C. ceri- 
nellum Nyl. — Rinod. polyspora. — Lecanora subfusca. — Lecidea para- 
sema. — Coniangium exile Flk. — Arthopyrenia — : thallus indistinctus, 
ap. minutissima, par. nullae, sp. oblongae, Ssept., 16X4; nach ihrer 
Gestalt auf eine jugendliche A. pluriseptata Nyl. nicht hinweisend. 

5. Populus nigra in der Kaiserau. 

Imhricaria fuliginosa. — Parmelia stellaris. — P. adglutinata Kplh. — Xanth. 
pariet. — Candelaria vitellina. — Callop. cerin. cyanolepra. — C. pyrac. 

— C. cerinellum Nyl. — Blastenia ferruginea Huds. — Rinod. polyspora. 

— Lecan. subf. glabrata. — L. intumescens Rebt. — L. sambuci Pers. 

— Lecid. parasema. — Biatorina nigroclav. — Bilimbia Naegelii Hepp. 

— Arthrosporum accline. — Coniangitm exile Flk. (Kerner.) — Ärthonia 
astroidea. — A. populina Mass. Sporas non vidi. — Mycoporum popul- 
nellum Nyl. 

Calicium populnellum Brond. Häufig. (Kern er.) — Arthopyrenia fallax Nyl. — 

Leptorhaphis tremulae Kbr. 
Lecanora symmictera Nyl. Auf Föhren in der Kaiserau. (Kerner.) 



LicliciioloKiscIui |5oiträ>;o. 



211 



(). HUuliic im Taircrpiirke. 

Mycoporum popuhwUnni Nyl. Auf Vopuliis nigra: thallus tenuiter macularis, 
griseus, ap. minuta, siihconflucntia, par. nullae, sp. in ascis rotundatis 
Snae, oviformcs, 3scpt., uno vel altera loculo scmcl divisis, 15X6; J lujm. 
fulvescens. 

Coccodinium Bartschii Mass. Auf alten Lindenzweigen; von hier in Arn. 
niedergelegt (vide Arn. Lieh. Ausfl. XXV S. 45). 



7. BewlisseruiigsgrSben gegen SigmuiKlskron. 

Verrucaria aquatilis Mudd. Gut entwickelt und häufig. Mit grünem Thallus 
und grösseren Sporen, aber undeutlichen Ascis; mit schwarzem Thallus 
und den typisch kleinen rundlichen Sporen und deutlichen gestielten Ascis ; 
von hier in Arn. 1566. (Kerner.) Vide Arn. Lieh. Ausfl. XXV S. 45. 

Arthopyrenia rivulorum m. Parasitisch auf Voriger, Diagnose vide in Arn. Lieh. 
Ausfl. XXV S. 45; von hier in Arn. 1567. 



B. Gasten Feder (F.) und Montan (M.). 

1. Saxa porphyrica. 

Ramalina pollinaria. M. — Imbricaria conspersa. M. — I. fuUgimsa. Cum 
ap., M. — Parmelia caesia. F. — P. tribacia Ach. F., M.: reactionibus 
et Jiabitu omnino stellaris, sed laciniae ad oras sorediosae. — P. lithotea 
Ach. M. — Xanthoria lychnea. F. — Guepinia polyspora Hepp. F. — 
Physcia murorum f. lobulata Flk. F., M. — Candel. vitelUna. F., M. — 
Callopisma aurantiacum. M. — C. flavovirescens. F., M. — Gyalolechia 
aurella. F. — G. lactea. M. — Placodium radios. F. — P. saxicolum. 
F., M. — f. versicolor Pers. F., M. — f. diffractum. F. — Pannaria 
microphylla. M. — Acarospora rufescens. F., M. — Binodina cana. F. 

— Lecanora subfusca campestris. F., M. — L. crenulata Dcks. M. — 
L. dispersa. F., M. — L. frustulosa. M. — Lecania Rabenhorstii. M. — 
Aspicilia calcar., concreta et contorta. M. — f. Hoffmanni koh. M. : ap. 
elevata, majuscula, pruinosa. — f. farinosa Flk. F. — A. cinerea. F., M. 

— Pertusaria globuUfera (saxicola). M. : thallus reagentiis soUtis non 
mutatus, sorediis orbicularibus obsitus. — Urceolaria scruposa. M. — 
Biatora rup. ruf. F. — B. rivulosa. M. — Lecidea grisella. M. — L. 
enteroleuca. F.: normalis. — Catillaria chalybeia. F. — Buellia italica. 
F., M. — B. leptocline Mass. M. : thallus albus, verrucosoareolatus, Kflav., 
Gl—, med. J— (vide Erb. eritt. it. I 272 und II 618), ap. adnata, 
mediocria, convexa, opaca, sp. 14—16 X 5—7, J hym. sat coerulescens. 

— Sarcogyne pruinosa. M. — S. simplex. M. — Mhizocarpon Mon- 
tagnei. F., M. — Bh. excentricum Ach. F. — Endocarpon miniat. com- 
plic. M. — Stigmatomma clopimum. M. — Lithoicea nigrescens. F. — 

27* 



212 



E. Kernstock. 



Collema furvutn f. conchilohum Fw. F.: thallus ater, auriculato-lohatus, 
nitidus, rigidus, crassiusculus. — Letlia(jrium flaccidum. F. — L. poly- 
carpim. Mit Voriger gesellig. 
Cercidospora caudata m. M. : parasitaiis super ap. Gyalol. lacteae: perithecium 
coeruleo-smaragdulum, par. filiformes, sp. in ascis ohlongo-cylindricis, 
apice obtusatis 8nae, simplices et Iseptatae, incol, alter o apice saepissime 
curvato caudatae, 19—28 X 4—5, / liym. fvlvescens; mit Rücksicht auf 
die auffallend geschwänzten Sporen vielleicht eine neue Art; leider nur 
wenig vorhanden. 

2. Terra porphyrica. 

Stereocaulon cdpinum. F., M. — Cladonia endiviaefoUa Dcks. M. : nicht üppig. 

— Cl. furcata subtd. M. — Cl. rangiformis. M. — Pannaria micro- 

phylla. F. — Psora decipiens Ehrh. Cum ap., F. — Thalloidima coeruleo- 

nigricans. M. — Placidium hepaticum. F. 
Dermatocarp. glomeruliferum Mass. M. : sp. fuscae, polyhlastae, gonid. hymenial. 

öblonga, 7X3—4. 

3. Musci. 

Cladonia pyxidata. F. — Parm. pulv. et f. muscigena. M, — Callop. cerinum 
stillicid. F. — Urceol. hryophila. F. — Pertusaria glohulifera. M. — 
Mallotium Hildenhrandii. F.: lieber Moosen auf Eichen. — Leptog. 
lacerum pulvinatum.. F. 

4. Quercus pubescens. 

Parm. tenella. F. — P. pulverulenta. F. — P. ohscura. F. — Xanthor. lychnea. 
F. — Lethagrium verruculosum Hepp. F. 

C. Weissenstein (1510 m). 

Nach dem berühmten, inmitten grosser Lärchenwälder liegenden Wallfahrts- 
ort führt der meist begangene, im Frühjahre durch seine üppige Vegetation an- 
muthende Weg von Leifers hoch auf der linken Seite des Brantenthales. Felspartien 
unterbrechen malerisch die Monotonie des Fichtenwaldes. Der Spaziergang von 
Weissenstein nach Aldein hinab ist phanerogamistisch wichtiger; an Flechten 
bieten selbst die alten Lärchen wenig. 

1. Porphyrfelseii im Braiiteuthale. 

Imbriearia conspersa Ehrh. Cum ap. — Parmelia stellaris L. — Äspicilia 
cinerea. — Pertusaria rupestris DC: thalli med. K aurantiaca, thallus 
amhitu zonatus, sericeus. — Biat. rivulosa. — Lecidea speirea. — 
L. soredisa Nyl. : thallus coeruleo-albidus, tenuiter rimulosus, sorediis 
orbicularibus parvis dense obsitus, med. J coerulesc, ap. ab Ulis albo- 
coerulescentis alpinae vix diversa, parva — majuscula, disco caesio — 
pruinoso, paullo convexo, s^). fusiformi-ellipsoid., 16 — 24 X 5 — 8. — L. 



Ijiolionologi.solio licitiaRo. 



lithophila. — L. (dhococrulcsccns alpina Hchär, — L. enlerolmca pun- 
(jcns. — Uhizocarpon ohscundum Ach. — Lithoicca nüjrcscenis Perb.: 
sp. 24—27 X 12. — Lethagrinm riipcslrc. Cum 

2. Erde und 3loose ebenda. 

Clad. pyxid. syntlida. — Cl. squamosa. — Feltidea venosa. — Stictina fuli- 
ginosa Deks. (inusci). — Pannaria coerideohadia (iiiiisci). — Urccolaria 
hryoplüla (iiiusci). — Pertusaria amara (musci). — Biatora atrofusca 
Hepp. Granula coeiulea desunt. 

3. Baumrinden ebenda. 

Alectoria prolixa sublustris Stizb. Auf Fichten. — Lecan. subfusca. — Bilimhia 
Naegelii. — Buellia paras. vidgata. — Ärthonia nstroidea. — Artho- 
pyrenia atomaria. Alle diese auf Fagus. 

4. Larix europaea g"e^en Aldein. 

Usnea harh. — Alectoria juh. prolixa. — Evernia vulpina. Steril. — E. fur- 
furacea. — Imhric. exasperatula. — Blastenia ferrug. corticola. — Bino- 
dina metabolica. — Lecanora suhf. coilocarpa. — L. angulosa. — Lecidea 
olivacea. 

D. Salurn im Etschthale. 

1. Saxa calcica. 

Wilmsia radiosa. — Physcia cirrJiochroa. — Biat. rup. ruf esc. — Biatorina 
lenticidaris. — Sarcog. pruinosa. — LitJioic. nigrescens. — Verrucaria 
cdlciseda. — V. muralis Ach. — Tichothecium pygmaeum Kbr. Super 
thallum LitJwiceae nigresc. 

2. Terra calcis. 

Psora lurida. — Thalloidima candidum. — Collema granosum Wulf. 

3. Morus alba. 

Parmelia aipolia. — P. tenella. — P. ohscura. — Xanthor. pariet. — X. 
lychnea. — Callopisma cerin. — C. pyraceum. — C. cerinellum. — 
Lecanora suhf. — f. allophana. — L. pallida. — L, samhuci. — Einodina 
metabolica. — Lecania syringea. — Lecidea parasema. — Artlirospormn 
accline. — Coniangium exile. 

Arthopyrenia analepta Ach.'? Par. nullae, sp. Isept., cum 4 guttulis, oblongo- 
cuneatae, 14 — 15 X4. — Lethagrium verruculosum. 

E. Lago di Caldonazzo. 



Einer von den mehreren Streifzügen zu den Ufern des östlich von Trient 
liegenden malerischen Sees brachte folgende Ausbeute von den Bäumen längs 



214 



E. Kernstock. 



desselben. Der prachtvolle Hain uralter Kastanien gegen Calceranica harrt 
noch seiner Untersuchung. 

1. Fopulus nigra. 

Farm, tenella. — P. pulverul argypJiaea. — P. ohscura. — Xanthor. pariet. 

— Callop. cerin. — C. pyraceum. — Lecan. subf. allophana. — L. 
samhuci. — Lecania si/ringea. — Lee. paras. — Mallotium Hilden- 
hrandii, optime. — Lethagrium verruculosum Hepp. 

2. Salix spec. 

Parm. stellaris. — P. aipoUa. — P. tenella. — P. pulverulenta. — P. ohscura. 

— Imbric. tiliacea. — I. verruculifera Nyl. — Xanth. pariet. — Callo- 
pisma cerin. — C. pyraceum. — Binodina polyspora. — R. colobina 
Ach. Vereinzelt. — Lecanora subf. gldbrata. — L. angulosa. — L. sambuci. 

— Lecania syringea. — Lecidea paras. 

Sagedia — : thallus tenuissimus, albus, ap. minutissima, sp. in ascis oblongis, 

obtuse fusiformes, Ssept., 16—20X4. 
Mallotium Hildenbr. Optime. — Lethagrium verruculosum Hepp, 

3. Morus alba. 

hnbric. tiliacea. — I. verruculifera. — Parmelia tenella. — P. obscura. — 
Xanthoria lychnea. — Callop. cerin. — C. pyraceum. — Binodina colo- 
bina Ach. — Lecan. subf. allophana. — Lecania syringea. — Pertusaria 
globulifera Turn. — Lecidea paras. 

Die Florula dieser drei Rindengattungen ist somit eine auffallend ähnliche. 

F. Lavarone (1170 m) und S. Sebastiane. 

Die Strasse von Caldonazzo nach dem als Sommeraufenthalt beliebten 
Lavarone fesselt durch kühne Bauanlage, sowie reizende Rückblicke auf das 
Paradies von Pergine, die Kastanienhaine von Genta etc. Der Blick aufs Einzelne 
haftet an den von Ammoniten strotzenden jurassischen Prellsteinen; von Flechten 
bekommt man wenig zu Gesicht. Erst wenn die Höhe erreicht ist, laden alte 
Lärchen und Buchen, und kurz vor Lavarone Kalksteinmauern zur Besichtigung ein.*) 

1. Saxa calcica et cementum. 

Callopisma ßavovirescens Wulf, (cement.). 
Lecania Babenhorstii Mass. (cement.). 

Lecidea enteroleuca ptungens. — Coniangium lapidicolum Tayl. 

Thelidium — ; thallus albidus, continuus, ap. minuta, semiemersa, perith. dimi- 
diatum (?), sp. oblongo-ellipsoid., Isept., 24—28X9—12, J hym. vinose 
rubens, praeced, coerulesc. levissima; forsan Borreri Hepp; schlecht ent- 
wickelt. 



1) Uebrigens führten nicht lediglich lichenologische Zwecke mich auf jene luftigen Orte. 



I.ichoiioloRisclio HoitriiRO. 



215 



2. Larix, Laviirone (L.) und S. Sebasiiaiio (S ) 

Usnea harh. S. — f. sorcdiifcrn Avu. S. — Ercrnia prunmtri. — J'J. furfuracea. S. 

— Imhric. saxatilis. Cum aji. — /. phyi^odes. Cum a]). — f. lahrosa. — /. 
cxasperaUda. — Parm. Mcllnris. L., S. — P. pulverid. S. — AnapUichia 
cilinris. L., S. — Candd. vitcll. xnnthostüjnm. S. — Callop. pyrac. S. 

— Blastenia ferrug. corticola. — Lecan. mhf. chlarona. — f. pinasiri. 

— L. angtdosa. — L. symmictcra. — Lecid. parasema. S. — L. olimcca 
L., S. — Bilimbia Naegelii. S. 

3. FaguSf Lavaroiic und S. Sebastiaiio. 

Bamalina fraxineo. Cum ap. L., S. — Imhricaria saxatil. — I. tiliacea. — I. 
fidiginosa. — Änaptychia ciliaris. — Lecan. suhf. allophana. — f. rugosa 
Pers., Stizb., Lecan. suhf. — L. albella. — Lecid. paras. — L. olivacea. 

— Biatorina nigroclavata. — Buellia parasema. — f. vulgata. — 
f. microspora Wain. Adj. II 112: sp. 11— 15 X 5— 8. — Opegrapha 
herpetica. — Jjeptorhaphis oxyspora Nyl. Sp. fusiformi-acicidares, paidlo 
curvidae, Isept., 27X3. 

4. Prunus spinosa, Lavaroiie. 

Parm. tenella. — Xanthor. parietina. — Callop. cerinim. — C. pyrac. — 

Binodina metaholica. — Lecid. paras. 
Ärthopyrenia — : par. nullae, sp. ohlongae, Isept., 14—15X4. 

G. Karrersee (1610 w?). 

Im Sommer vergangenen Jahres besuchte ich den etwas entlegenen Karrer- 
see, um in dem dichten und feuchten Fichtenwalde womöglich eine grössere 
Ausbeute an Lobaria amplissima zu machen. Wurde auch dieser Zweck nicht 
erreicht, so gingen doch einige andere Flechten darein. In Anbetracht des be- 
stimmten Zweckes wurden Hammer und Meissel zu Hause gelassen; ich hatte 
Gelegenheit, dies sehr zu bedauern. 

Das Becken des sowohl durch seine Lage mitten im dunklen Walde unter 
den Wänden des Lattemar als durch das Farbenspiel seiner Gewässer weit in 
Tirol bekannten Sees ist durch zwei Querriegel in drei Abtheilungeu getheilt, 
von welchen die östliche, seichteste, bei normalem Wasserstande völlig trocken 
gelegt ist; in diesem Theile ist der Seeboden mit zahlreichen kleinen Kalk- 
plättchen bedeckt, welche eine einförmige Flora von sterilem Lethagrium multi- 
partitum aufweisen; auf dem flachen, trennenden Rücken stehen einige grosse, 
sehr verwitterte Kalksteinblöcke, von denen ich einige Fragmente mit den Fingern 
loszubröckeln vermochte. Die Untersuchung des Hochwaldes gegen den Lattemar, 
eines Waldes, der in solcher Urwüchsigkeit kaum von jenem im Hintergrunde 
des Travignolo-Thales übertroffen wird, konnte ich nicht nach Wunsch vornehmen; 
sie muss dem heurigen Sommer überlassen bleiben. 



216 



E. Kernstock. 



1. Kalkl)löcke auf dem Seebodeii. 

1. Placynthium nigrum Huds. 

2. Jonaspis epulotica Ach.: thallus pallide ochraceiis, tenuis, ap. innata, carnea, 

demum nigricantia, cJirysogonidia diam. 28, sp. late ellips., 15X9; J hym. 
vinose fulvescens. 

3. Jonaspis suaveolens Ach. Thallus crassiusculus, rosaceus, rwioso-areolatus, ap. 

innata vel adpressa, plana, nigricantia, marg. cinereo, ep. sordide glaucum, 
sp. non vidi; chrysogonid. aurantiaca,30—36X19—24; thallus humectus 
violodorus. 

4. Amphoridium Hochstetten Fr. Thallus albus, ap. immersa, sp. ohtusae, late 

ellipsoid., 30— 36 X 19— 20, J hym. vinose ruhens. 

5. Amphoridium Veronense Mass.: thallus crassiusculus, alhidus, ap. parvula, 

immersa, sp. late ellipsoid., 19X11. 

6. Verrucaria muralis Ach. 

7. Staurothele rupifragaMass.? Thallus cretaceus albissimus, suhfarinosus, ap. 

immersa, demum parte superiore prominentia, mediocria, poro lato per- 
forata, par. nullae, gonidia hymenialia rotunda numerosa; sp. in ascis 
4nae, ohlongae, sporohl. minutissimis numerosissimis, pallide purpura- 
scentes, 49—68X18—24; J hym. post coerulesc. vinose ruhens. Von der 
gewöhnlichen Form abweichend durch Thallus und Apothecien und die 
röthlichen Sporen, welch' letztere überdies besser zur Gruppe Porphyrio- 
spora Mass. passen. 

8. Polyhlastia singularis Kplh. S^). solito paullo longiorcs, sporohl. plurihus, 

6 — 8, 15 — 18 X 7 ; ceterum normalis. 

9. Lethagrium polycarpum Schär. 

10. Lethagrium multipartitum Sm. Auf den Kalksteinchen des Seebodens. 

11. Sirosiphon-^^G^GiQ^ ? 

2. Terra, musci supra riipes calc. in sylva. 

1. Cladonia cariosa Flk. Musci, optime. 

2. Solorina saccata L. 

3. Peltigera rufescens Hoffm. Cum Parasit. 

4. Icmadophila aeruginosa Scop. Musci. 

5. Toninia syncomista Flk. Musci; ap. intus paullo recedentia: ep. nec 

glaucum sed fuscescens, sp. minus evolutae, saepissime simplices vel rarius 
1 — 3 Sept.; thallus normalis. 

6. Biatora Berengeriana Mass. Musci, optime. 

7. Biatora atrofusca Hepp. Musci, granula adsunt. 

8. Biatora uUginosa Schrad. Terra humosa: normalis. 

9. Bilimhia sphaeroides Dcks. Musci: ap pallide carnea, intus incolorata, sp. 

16—20 X 4—5, 3sept. 
10. Bilimhia caesiomarginata m. Musci: thallus leproso- granulosus, ohducens 
vel dispersus, vircscenti-cinereus, ap. numerosa, suhmediocria, primum 



liiclionolopisclio noitrüRO. 



217 



nrcrolaia rcl plana, mnrißnc cai'siojmdvoso, pscvdolvcnMorino, mox dcnu- 
dato, (Jcmnvi courcxa rcl svbscunplohosa, iiniuanjinaia, ficwpc.r suhnilide 
atra, cxs. hyp. fnscum, cp. imllidc glaucum, par. cohacrcntes, apice viridi- 
claratae, sp. clongato-oblongae, ohtnsae, rectae, medio vix crassiores, 
l—3scpt., 11 — 19 X 3—4; Jhym. post cocrulefic. fugacissimam mox pulchre 
vinose ruhcns. Nach den gegebenen Merkmalen scheint mir die Fleclite 
neu. Arnold in litt, bemerkte, .sie sei ihm unbekannt. 

11. Endocarpon decipiens Mass. Super terram desiccatam in lacu. 

12. Vlacidium hepaticum Ach. Cum ap. 

13. Polyhlastia Sendtneri Kplh, Musci desicc. in lacu: thalhis cras.siumdus, 

alhis, verrucoso-inaequalis, ap. numerosa, thalU verrucis inclusa, apice 
solo libera velamine tlialli tenuissimo quasi ohducta, par. et gonid. hym. 
mdla, sp. Snae, ovales, 22—26X11 — 14, J hym. vinose rubens. 

14. Leptogium. atrocoeruleum Hall. Musci. 

15. Scutula epiblastematica Wallr. Supra Peltigeram rufesc. vetustam: sp. an- 

guste ohlongae, Isept., 9—11X3. 

16. JDactylospora urceolata Th. Fr. Supra thallum tenuissimum adglutinatum 

albidum sterilem (Microglaenae?): ap. minuta, dispersa, urceolata, hiato- 
rina, fuscoatra, ep. hyp. fuscescens, par. conglutinatae, sp. dactyloideae, 
fuscae, 3—4sept., 18—27X5—7; Jhym. sat coerulescens, dein ohscure 
vinose ruhens; transiens in thallum Biat. atrofuscae. 

3. Laridc, Picea; Karrerwald. 

Ramalina thrausta Ach. Larix et Picea (Kerner). — Platysma Oakesianmn 
Tuck. Picea. — Imhricaria saxatilis L. Picea. — Sticta pulmonaria L. 
Picea: sterilis. — Biatora vernalis f. fallax Hepp. Picea: thallus granu- 
losus, viridulocinereus, ap. convexa, lutescentia, intus incoloria, sp. typi, 
ohlongae, 12— 16 X 3— 4; J hym. vinose fulvescens. 

Biatora albofuscescens Nyl. Picea: thallus glaber, cartilagineo-obducens, albus, 
K—, Cl—, nitidulus, hic illinc in soredia flavoviridula efflorescens; ap. 
numerosa, adnata, parvula, plana, marginata, margine nitido, vel im- 
marginata, atra vel atrosanguinea, ep. subincol., hyp. fuscum, exc. extus 
pallid., intus cum hyp. concolore confluens, hym. angustum, 41 alt., par. 
conglut., sp. fusiformi-ellips., 9—11 X 4; J hym. sat coerulescens. Der 
Thallus ist mit seinem Pertusaria-'ihnlichen Habitus etwas fremdartig. 

Zu: III. Jenesien. 

Nachfolgend die letzten Nachträge zur Flora von Jenesien, in welcher sub- 
alpine und südliche Formen zusammenstossen. Einen der letzten Tage der vor- 
jährigen Sommerferien widmete ich dem Zwecke, die Flora der Porphyrzunge 
auf dem Remp näher zu untersuchen. Im Fichtenwalde desselben, sowie — den 
Sonnenstrahlen seit einigen Jahren ausgesetzt — auf der Rodung gegen Afers 

Z. B. Ges. B. XLIV. Abh. 28 



218 



E. Kernstock. 



liegen grössere und kleinere Blöcke zerstreut herum, ohne die Gesammtausdehnung 
wie auf dem „Krummenbühel" zu erreichen. Diese Porphyrflora ist ziemlich 
mannigfach, bietet aber nichts Merkwürdiges, ausser der in VI. auf S. 192 schon 
erwähnten Haematomma ventosum, welche weit und breit auch in höheren Lagen 
nicht wieder vorkommt. Im lichten Lärchenhaine vor dem Remp-Hofe befindet 
sich ein ca. 10 m im Durchmesser breites Gehege aus trocken übereinander ge- 
legten Porphyr- und Glimmersteinen, deren Zweck sich nicht erkennen liess; auch 
auf diesen Steinen fand sich Einiges. 

I. Saxa porphyrica (Remp). 

1. Ramalina polUnaria rupestris Flk. Inter muscos ad saxa, 

2. Imbricaria saxatüis L. 

3. Imhricaria perlata ciliata DC. 

4. Imhricaria caperata Dill. 

5. Imhricaria conspersa Ehrh. Cum ap. 
f. stenophylla Ach. 

f. isidiata Anzi. Optime evoluta versus Afers. 

6. Imhricaria prolixa Ach. 

7. Imhricaria fuliginosa Fr.: thallus totus isidiosus, med. Cl ruh. 

8. Umhilicaria pustulata L. 

9. GyropTiora flocculosa Wulf. 

10. Pannaria lanuginosa Ach. 

11. Candelaria vitellina Ehrh. Etiam supra thallum et ap. Binodinae et Äspi- 

ciliae gihhosae pseudoparasitica. 

12. Placodium murale Schreb. 

13. Acarospora fuscata Schrad. 

14. Einodina sophodes Ach, saxicola (vel milvina Wbg.?). 

15. Lecanora atra Huds. 

16. Lecanora atrynea Ach. 

17. Lecanora cenisea Ach, 

18. Lecanora sordida Pers. 

19. Lecanora polytropa illusoria Ach, 
f. alpigena ecrustacea Schär. 

20. Lecanora intricata Schrad. 

21. Lecanora badia Pers. cum f. cinerascens Nyl. 

22. Haematomma ventosum L. Die nach Süden geneigte, fast lothrechte Seite 

eines grossen Felsblockes im Walde gänzlich überziehend: thallus cinereo- 
viridis, ap. optime evoluta. 

23. Aspicilia cinerea L. 

24. Aspicilia gihhosa Ach. 

25. Aspicilia ceracea Arn, 

26. Pertusaria lactea Schär. 

27. Pertusaria corallina L. Beide steril. 



liicliüUülügiNch») licitiiigo. 



219 



28. Biatora rimilosa Ach. 
20. Lccidca spilota Fr. 

30. Lecidea lactea Flk. Forniae variae, reactiono nonnali ])lii.s minus dislincta. 

a) ap. iunatis rcl adjyrcssis, contiguis, angidosis, hyp. subincolor., reactionc 
minus distincta; b) ap. minus contiguis, hyp. fusco; c) habitu aridius- 
culo, ap. innatis, confertissimis, angulosis, concavis, marg. erccto; d) thallo 
tenui, lineis atris decussato, ap. siibdispersis, minoribus. 
f. ochromela Schär. 

31. Lecidea lithophila Ach. 

32. Lecidea platycarpa Ach. 

33. Lecidea albocoerulescens f. flavocoerulescens H. 

34. Lecidea crustulata f. macrospora Kbr. : thallus leproso-tartareus, inter- 

ruptus, ap. numerosa, parvula, plana, marg. crassiusculo, nitidulo, sp. 
18-22 X 7—S. 

35. Lecidea fumosa Hffm. 

36. Lecidea grisella Flk. 

f. subcontigua Fr.: thallus planus, diffracto-areolatus, cinereus, ap. centro 
thalli confertissima, minuta, subconfluentia, in areolis plura, planiuscula, 
nuda, marg. accessorio thallino, hyp. fuscum, ep. obscure viride, sp. 
15—19X3—5; thallus Cl distincte et intense rubel, med. J = ; cum Arn. 
1392 subconveniens, sed ap. nudis. 

37. Lecidea tenebrosa Fw. 

38. Lecidea latypea Ach. 

39. Lecidea enteroleuca Ach. 

40. Scoliciosporum umbrinum Ach. 

41. Buellia stigmatea Ach. 

42. Buellia verruculosa Borr. 

43. Catocarpus polycarpus Hepp. 

44. Rhizocarpon geographicum L. 

45. Rhizocarpon distinctum Th. Fr. 

46. Rhizocarpon excentricum Ach. 

47. Rhizocarpon subpostumum Nyl. : thallus sordide albidus, disperso-verrucosus 

vel verrucoso-areolatus, K — , med. J — , ap. minuta, adnata, ep. sordide 
viride, sp. obtusae, 6—8loculares, 18—24X9 — 11; fraglich. 

48. Microthelia anthracina Anzi. Sporae non bene evolutae. 

49. Gonionema velutinum Ach. : thallus pulvinatus, ater, dense pannosus, cellulae 

in vaginis uniserialiter dispositae; cum Lojka Lieh. Univ. 51 congruens. 

50. Spilonema paradoxum Born. ? Thallus minutissimus, ramosiis, teres, „intus 

granulis gonimis magnis transversim stratosus^ (Nyl. Scand. p. 23). 

51. Lecidea intumescens Flk. Inter thallum Lecanorae sordidae. 

52. Celidium varians Dav. Super ap. ejusdem. 



Collema furvum var. conchilobum Fw. (Beitr. III S. 12). Von hier in Arn. 1596 
niedergelegt. 

28* 



220 



E. Kernstock. 



II. Saxa mica-schistosa. 

Cand. vitellina. — Äcarosp. fuscata. — Lecid. lactea Flk. — f. ochromela 
Schär. — Scoliciosp. umhrinum. — Uhizoc. excentricum. 

III. Terra et musci (Remp). 

Cladonia silvatica. — C. alpestris. — C. coccifera. Sterilis alpina. — C. furcata 
racemosa. — f. palamaea. — C. fimhriata tubaef. — C. pyxidata. — 
C. gracil. macroc. — Imhric. saxatiUs (musci). — I. pertusa Schrk, 
(musci). — Peltig. horizontalis. — Pannaria coeruleohadia conoplea 
(musci). — Urceol. hryophila (musci). — Fertus. glohulifera (musci). — 
Normandina pulchella Borr, (musci). 

Cladonia uncialis L. forma silvestris et C. alpestris L. Vom Krummenbühel 
in (Kerner) niedergelegt. 

IV. Cortices. 

Zu den Ergänzungen der Rindenflora sei bemerkt, dass die mit (Kerner) 
bezeichneten Arten in der Flora exs. Austro-Hungarica (ed. Kerner), vorläufig 
ohne Nummer, niedergelegt sind. 

1. Pinus Abies (Weg nach Flaas und Remp; comp. III p. 720). 
Usnea harh. — Evernia prun. — E. furfuracea. — Imbric. physodes. — I. 
exasperatula. — Farmelia stell, hispida. — F. tenella. — Cand. vitell. 
xanthostigma. — Blastenia ferrug. corticola. — Einöd, corticola. — 
Ochrol. tartarea f. androgyna Hlfm. : thallus laevigatus, passim sore- 
diosus, Cl rubens, Na roseus. — Lecan. subf. coilocarpa. — L. sub- 
albella Nyl.? Habitu pallidae Schreb., ap. disco fusco, leviter subcaesio- 
pruiyioso, Cl =, liym. cum ascis J persistenter coerulesc. — L. symmictera. 
— Lecid. parasema. 

Bacidia violacea Arn.: ejj. coeruleum vel violac, hyp. incol., sp. gracillimae, 

apicibus sensim attenuatae, 64 X 2; ap. nigricantia. 
Scoliciosporum corticolum Kwtä. Vom Remp (Kern er). — Melaspilea proximella. 

2. Pinns Picea (Remp; comp. III p. 721). 
Artlionia astroidea. — Ä. mediella Nyl.: ap. miniitissima. sp. angustae, altero 

apice acutatae, 11 — 15X3—4, 3sept. — Ärtlioptyrenia punctiformis Ach. 
Atichia Mosigii f. minor Miliard, Arn. exs. 338. Auf den noch lebenden Nadeln 

gut entwickelt (Kerner). 

3. Pinns silvestris (Krummenbühel; comp. III p. 722). 
Lecanora conizaea Ach.: thallus granuloso-leprosus, viridulo-flavescens, K — , 
ap. gregaria, plana, marg. flavescenti, tenui, integro, subleproso, ep. 
flavum, granulosum, par. conglutinatae, sp. ellipsoid., 8X5, J liym. sordide 
violaceo-vinosum, praec. coerulescentia ; sperm. frustra quaesivi. 



Lichüiiüh>Kibcliü IJeitnlgo. 



1. TAirlM ciiropaea, 

Xanthoria candiiariu L. (Comp. III p. 723.) (Küriier). 
Jmhriearia exasperatula Nyl. (Ebenso.) (Keruer.) 

Blastenia ferriujinea corticola Aiizi. (mixta cum B. cacsiorufa Ach.). Vom 
Kemp imd Finus silvestris vom Krummeiibühel (Kerner). 

14. Fraximis Ormis (Weg nach Afing; comp. IV p. 344). 
Ärthopyrenia cinereopruinosa Schär.: thallus albidus, macularis, ap. parva, 

numerosa, dispersa, par. distinctae, capillares, sp. constricto-lsept., 

16—19X4—7; sperm. frustra quaesivi. 
Microthelia micula Kbr., Wain. Adj. II 195. Thallus albus, hypophloeod., ap. 

subminuta, hemisphaerica, passim poro impresso, par. distinctae, parcae, 

ramulosae, sp. 8nae, fuscae, Isept., 14X7, J liym. ftdvescens. 

15. Sorbus Aucuparia (comp. III p. 732). 
(Fu. = Furcherhof, Fl. = Weg nach Flaas.) 

Usnea barh. (Spuren.) Fl. — Imhric. saxatilis. Fu. — I. fuliginosa cum f. 
subaurifera Nyl. Fl. — /. aspera. Fu., Fl. — I. exasperatula. Fu., Fl. 

— I. verruailifera. Fu., Fl. — Farmelia stellaris. Fu., Fl. — f. hispida. Fu. 

— P. aipoUa. Fu. — F. pulverulenta, et in f. venustam vergens. Fu. — 
F. obscura. Fl. — Anapt. ciliaris. Fu. — Candel. vitell. Fu., Fl. — 
f. xantliostigma. Fu. — Callop. cerinum. Fu., Fl. — G. pyraceum. Fu., 
FI. — C. cerinellum. Fl. — Einöd, metabolica. Anzi. Fu., Fl. — Lecanora 
subf. glabrata. Fu. — f. allophana. Fu. — f. chlarona. Fu. — L. in- 
tumescens. Fu. — L. angulosa. Fu., Fl. — Fertus. globulifera. Fu. — 
Lecid. parasema. Fu., Fl. — Biatorina nigroclav. Fu. 

Bilimbia Naegelii Hepp. Fl.: ap. convexa fusco-rubra, hym. hyp. incol., ep. 

violaceofuscescens, sp. simplices vel 1 — Ssept. subfusiformes, rectae vel 

curvulae, 14—20X4. 
Bacidia — . Fl.: thallus granulosus, virescens, ap. fusco-atra, ep. sordide oliva- 

ceum, hym. hyp. incol., sp. 30—35 X 2, subrectae, altero apice sensim 

attenuatae. 

Scolic. corticol. Fl. — Buellia paras. Fu., Fl. — f. vulgata. Fu. — Ärthonia 

astroidea. Fu. — A. populina. Fl. — Coniangiimi exile. Fu., Fl. 
Ärthopyrenia punctif. Fl. — Mallotium tomentosum. Fu. 

16. Juglans regia. 

Callopisma cerinellum Nyl. (comp. III p. 732) (Kerne r). 

Lethagrimn verruculosum Hepp. (comp. III p. 733). Von hier in Arn. 1597 
niedergelegt. 

19. Prunus Cerasus (im Dorfe; comp. III p. 735). 
Ein im Umfange der Krone fast abgestorbener und vor Allem mit Far- 
melia stellaris über und über bedeckter Baum. 



222 



E. Kernstock. 



Imb. aspera. — Farm, stell. — P. pulverulenta. — Xanth. pariet. — Candel. 
concolor. — Callop. cerin. — C. cerinellum. — Einöd, exigua. — Lecan. 
siibf. clilarona. — Lecid. parasema. — Biatorina nigroclav. — Scolic. 
corticolum. — ArtJionia astroidea. — Ä. punctiformis Ach. — Melaspilea 
proximella. 

Calicium pusillimi Flk. Stipites minutissimi, 1 mm longi, ap. crass. O'l mm; 

sp. smipUces et Isept., suhfusiformes, 8 — 14X3 — 4. 
Leptorliaphis oxyspora Nyl.? ist mir verdächtig ob der sichelförmig gebogenen, 

deutlich vierzelligen und hie und da schwach gefärbten Sporen. 

20. Prunus domestica (comp. III p. 735). 
Parm. stellaris. (Kern er.) 

22. JPyrus communis (comp. III p. 736). 
Imbricaria aspera Mass. (Kerner.) 
Candelaria concolor Dcks. (Malus, Avium.) (Kern er.) 
Lethagrimn flaccidum Ach. 

23. Juniperus communis (comp. IV p. 345). 
(R. = Remp, K. = Krummenbühel.) 

Cladonia (pliyllocladia). R. — Imbric. saxatilis. K. — I. physodes. K. — Imbric. 
fuUginosa. K. — I. exasperatula. U., K. — Parm. stellaris. K. — P. 
tenella. R. — Candelaria concolor f. citrina. Kplh. K. — C. vitellina. R. — 
f. xantliostigma. R. — Callop. cerinum. K. — Blastenia ferrug. corticola. 
R., K. — Binod. pyrina. R. — Lecan. subf. chlarona. R., K. — f. coilo- 
carpa. R. — Lecid. parasema. R., K. — Biatorina nigroclavata. K. — 
Buellia paras. discif. K. — Phlyctis — , K. — Melaspilea proximella 
Nyl. Vom Remp und Krummenbühel (Kern er). 

25. Alnus viridis (Weg nach Flaas; comp. IV p. 346). 
Lecan. subf. glabrata. — L. symmictera. — Lecid. parasema. — Ärthonia 
astroidea. — Calicium praecedens Nyl. — ÄrtJiopyrenia punctiformis 
Ach. (ad pyrenastrellam Nyl. vergens) (Kern er). 

26. Fraxinus excelsior (Furch^rhof ; comp. IV p. 346). 
hnbric. verruculifera. — Parm. stellaris. — P. pulverul. — P. obscura. — 
Xanthor. pariet. — Anaptych. ciliaris. — Cand. concolor. — Callop. 
cerinum. — C. pyraceum. — C. cerinellum. — Binod. colobina Ach. — 
B. polySpora. — Lecanora subf. allophana. — f. glabrata. — Lecania 
syringea. — Lecidea paras. — L. Laureri Hepp. Sechs Apothecien auf 
wohl ausgebildetem, dickwarzigem weissen Thallus, dieser K flav., K-{- 
Cl rubens. — Ärthonia astroid. — ÄrtJiopyrenia punctiformis Ach. 
Pseudoparasit. supra thallum prioris; ap. et sp. normalibus. — Ä. fallax 
Nyl. — Mallot. tomentos. — Lethagrium verruculos. — [Lahmia Kunzei Fw.) 



Lirlionolopisclin Ftoiträgo. 



27. Arcr l'srifdo- l*faffnnis. 

Beim Furcliorhof stobt (lio Kuine oinos vom Blitz zorstörton Baumos, dcssoii 
gebleichter entrindeter Stamm üppige Rasen von Parmelia tenella nnd Mallolium 
tomcvtosim beberbergt. 

28. Castanea vulgaris (comp. IV p. ?A7). 
Mycoporum ptclaeoäes Njl. ist die in 1. c. sub Nr. 2ö genannte Art; von liior in 
Arn. 1595 verölfentlicht. 

33. Berheris vulgaris (Remp; comp. IV p. 348). 
In der Nähe des Remphofes stehen mehrere sehr veraltete Stauden, die eine 
ziemlich mannigfaltige Florula beherbergen. 

Imbricaria exaspcratula. Cum ap. — I. verruculifera. — Parmelia aijwlia. — 

P. stellaris. — P. tenella. — P. pulverul. — P. ohscura. — Xanth. 

parietina. — X. hjchnea. — Cand. vitellma xanthostigma. — C. concolor. 
Callopisma salicinum Schrad. Vestigiae: thallus citrinus, verriicoso-inaeqiialis. — 

C. cerinum. — C. pyraceum. — C. cerinellum. — Blastenia ferruginea 

corticola. — Einöd, polyspora. — Lecanora suhfusca chlarona. — L. 

angulosa. — L. Hageni f. utiibrina Ehrh. — Lecidea parasema. — L. 

olivacea. — Bilimhia Naegeli Hepp. — Buellia pimctiformis. — Ärthonia 

astroidea Ach. Forma: ap. minuta angulosa, intus normalia. 
Ärthonia excipienda Nyl. Sc. 261: thallus nullus visibilis, ap. minutissima, 

numerosa, dispersa, punctiformia vel varie angulosa, nec elongata, ep. 

oUvaceum, K —, sp. 14 — 18 X 5—7, Isept., suhsoleaef armes, ohtusae; Jhym. 

vinose violascens praec. coerulesc. 

35. Lonicera Xylosteum. 
(St. = Steiflerhof; die übrigen auf dem Wege nach Flaas.) 

Imbricaria fuliginosa. — 1. exaspcratula. — I. verruculifera. St. — Parmelia 
stellaris et aipolia. St. — P. hispida. — P. obscura. — Xanth. parietina. 
St. — Callop. cerinum. — C. pijraceum. — C. cerinellum. — Lecanora 
Hageni. — Lecidea parasema. — Bilimbia Naegelii Hepp: thallus in- 
distinctus, ap. lecideina, atra, planiuscula, ep. obscure glaucum, hym. 
incol., saepe ob ascos steriles roseo-fuscescens, hyp. incol., sp. oblongo- 
ellips., 3 Sept., 18X4; etiam forma normalis. — Bacidia muscorum corti- 
cola. — Coniangium exile. 

36. Lonicera aljngeiifi (Weg nach Flaas). 
Bamalina pollinaria. — Evernia divaricata (vestigiae: in der Nähe ein Fichten- 
wald). — Imbric. fuliginosa. — f. subaurifera. — L verruculifera. — 
Parm. stellaris. — f. hispida. — Cand. vitellina xanthostigma. — Callo- 
pisma cerin. — C. pyraceum. Juvenile: ap. minuta, gregaria, subflava, 
habitu cerinello simillima, sed sp. 8nae. — Blast, ferrug. corticola. — 
Pinod. corticola Arn.: sp. SO— 22X11— 12, sporobl. truncato-conicis vel 



224 



E. Kernstock. Lichenologisclie Beiträge. 



saepms globosis. — Lecan. suhfusca. — L. symmictera. — Lecidea para- 
sema. — Bilimbia Naegelii Hepp. — Bacidia muscorum f. corticola: ap. 
minuta, atra, elevato-sessilia, ep. glaucum, hyp. rufofuscum, sp. clavato- 
aciculares, 24—43X2, Ssept. 

37. Rhamnus Frangula. 

Der Strauch ist überall häufig, erreicht aber nur selten grössere Stärke; im 
„Kästenbaumerwalde" Hessen sich auf der Rinde einige gemeine Formen entdecken. 
Callop. pyraceum. — Lecan. subfusca. — Lecidea parasema. — Buellia puncti- 

formis (1 Apoth.). 

Arthonia astroidea. — A. punctiformis Ach. Ap. pro specie majora et partim 
conferta: ob sie nicht etwa die A. pyrenastrella Nyl. ist, kann ich nicht 
entscheiden. 

Arthopyrenia fdllax Nyl. — A. atomaria Ach.: ap. minutissima, sp. anguste 

oblongae, cum guttulis quattuor. 
Arthopyrenia pluriseptata Nyl.: sp. quidem Ssept., sed planta forma sporarum 

et magnitudine dispositioneque apotheciorum cum pl. certa vicinitatis 

congrua. 

V. Ligna fabrefacta. 

Ein schmaler Föhrenwaldsaum gegen den Kreuzwegerhof ist von den be- 
nachbarten Feldern durch einen Bretterzaun abgetrennt, durch welchen eine 
Thür aus entrindeten Coniferenstämmchen den Durchlass gewährt. Auf beiderlei 
Holz fand ich folgende Florula: 

Usnea harb. hirta. — Cladonia (phyllocl). — Evernia prun. — E. furfuracea. 

— Ramalina pollinaria. — Imbric. saxatilis. — J. caperata. — /. 
fuliginosa. — f. subaurifera. — Parmeliopsis aleurites Ach. Cum ap. 

— Barm, stellaris. — Cand. vitellina. — Blastenia ferruginea. — Rino- 
dina maculiformis Hepp: ap. majora, confertissima, sp. oblong o-ellips., 
18—20X7—8, sporobl. malleiformib. vel rotundis. 

Rinodina lecideoides Nyl. Sc. 149? Thallus subnullus, ap. minuta, omnino 
atra, marg. nitidulo atro, Ulis Buelliae punctiformis simillima, sed intus 
incolorata, sp. oblong o-ellipsoid.; 18 — 20X7 — 8, sporobl. rotundis. 

Lecanora subf. — L. Hageni. — L. varia pallescens. — L. symmictera. — Biatora 
viridescens Schrad. — Lecidea paras. — L. xanthococea Smmf. Sterilis: 
thallus hypophloeod., granulis lutescentibus adspersus, K e flavorubens. 

Biatorina synothea Ach. Globuli spermatiorum adsunt, — Scoliciosp. corticolum. 

Buellia paras. disciformis. — f. albocincta Th. Fr. Sc. 591: ap. pruinosa. — 
B. punctiformis cum f. chloropolia. 

Xylographa parallela. — Sphinctrina microcephala Sm. : thallus lutescens, 
granuloso-furfuraceus, sp. globosae, 7 — 8 diam. 

Rinodina exigua Anzi. Auf Bretterzäunen im Dorfe Jenesien (Kerner). 



225 



Die Reptilien- und Batraehierfauiia derjonisehen Inseln. 

Von 

Dr. Franz Werner. 



(Vorgelegt in der Versammlung am G. Juni 1894.) 



Obwohl die jonischen Inseln von reisenden und Scimmelnden Zoologen nicht 
gerade selten besucht werden und namentlich Korfu eine grosse Anziehungskraft 
auf Entomologen und Conchyliologen seit jeher ausgeübt hat, ist es überraschend 
zu sehen, wie wenig gerade in herpetologischer Beziehung von diesen Inseln be- 
kannt ist, wie widersprechend die Angaben über das Vorkommen mancher Arten 
sind und was für unwahrscheinliche — wenn auch gerade nicht unmögliche — 
Fundortsangaben vorliegen. Die Arbeiten, die sich mit der Herpetologie der joni- 
schen Inseln beschäftigen, sind nicht sehr zahlreich; es sind im Wesentlichen 
folgende : 

Bedriaga, J. de: Die Reptilien und Amphibien Griechenlands (Bull, de la Soc. 
Imp. Natur, de Moscou, Tome LVI, 1881, I, p. 243, II, p. 13 und 279). 

Betta, E. de: I rettili ed anfibi della Grecia (Atti del regio Istituto di science, 
lettere ed arti, XIII, 1867—1868, p. 876). 

Boettger: I., Verzeichniss der von Herrn E. v. Oertzen aus Griechenland und 
aus Kleinasien mitgebrachten Batrachier und Reptilien (Sitzungsberichte 
der kgl. preuss. Akademie der Wissensch, zu Berlin, 1888, S. 139). 
— II., Herpetologische Miscellen (Bericht der Senkenb. naturf. Ges., Frank- 
furt, 1889, S. 267 und 273). 

Erber: Ergebnisse einer Reise nach Griechenland (Verh. der k. k. zool.-botan. 
Ges. in Wien, Bd. XVI, 1866, S. 825). 

Erhard: Fauna der Cycladen. I. Theil: Die Wirbelthiere der Cycladen. Leipzig, 
1858. 

Held reich, Th. de: La Faune de Grece. I. Partie: Animaux Vertebres, p. 61. 
Athenes, 1878. 

Ich gehe nun an die Beschreibung der von mir auf den fünf jonischen 
Inseln Korfu (Kerkyra), Santa Maura (Levkäs), Kephallonia (Kephallinia), Ithaka 
(Thiäki) und Zante (Zäkyntho) gesammelten oder bloss beobachteten Reptilien- 

Z. B. Ges. B. XLIV. Abh. 29 



226 



Franz Werner. 



und Batrachierarten, nicht ohne zuerst dem naturhistorischen Museum in Magde- 
burg für die auch in diesem Jahre gewährte Subvention, ferner dem öster- 
reichischen Consul Herrn Toole in Argostoli und ganz besonders Herrn 
Prof. Dr. Josef Partsch in Breslau für werth volle Rathschläge und Mittheilungen 
und sonstige Förderung meines Reisezweckes meinen aufrichtigsten Dank abzu- 
statten. 

I. Chelonia. 

Eine meiner Hauptaufgaben, die Erforschung der Verbreitung der vier 
griechischen Schildkrötenarten auf den jonischen Inseln, ist mir leider nur zum 
Theile gelungen. Trotz meiner Bemühungen ist es mir nur auf Korfu möglich 
geworden, Landschildkröten zu erlangen; die Leute wussten manchmal nicht ein- 
mal, was eine Schildkröte sei, behaupteten meist, dass sie äusserst selten seien 
und brachten nur nach Versprechung erheblicher Belohnungen überhaupt Exem- 
plare herbei, aber, wie schon erwähnt, fast stets Wasserschildkröten. Auf Kephal- 
lonia behauptete man steif und fest, es gebe überhaupt keine Schildkröten auf 
der Insel, obwohl ich schon bei meinem ersten Ausfluge eine Emys beobachten 
konnte, und auf Ithaka wurde bald das Vorkommen von Wasser-, bald das von 
Landschildkröten geleugnet.^) Obwohl ich Testudo marginata nirgends gesehen 
habe, so glaube ich doch, dass sie wenigstens auf Santa Maura vorkommt, da diese 
Insel nur sehr wenig von der epirotischen Hafenstadt Prevesa entfernt ist, wo die 
Art nach einer brieflichen Mittheilung Prof. Dr. Boettger's vorkommt und eine 
vormalige Festlandverbindung mit Santa Maura anzunehmen ist. Ebenso dürfte 
marginata auf Kephallonia vorkommen, woher im Wiener Hofmuseum zwei Exem- 
plare aufgestellt sind,^) obwohl bei älteren Sammlungsexemplaren die Fundorts- 
angaben nicht immer zuverlässig sind. So besitzt dasselbe auch Zamenis 
hippocrepis angeblich von den jonischen Inseln, welche Art dort gewiss nicht 
vorkommt. 

1. Testudo graeca L. — De Betta, p. 889 — 890. — x^Xwvr] xou ßouvoG. 
Ich besitze noch ein aussergewöhnlich grosses Exemplar dieser Art von 

Korfu, wo dieselbe in Gärten nicht selten ist und ich sie in jeder beliebigen 
Grösse haben konnte. Meine Exemplare stammen aus einem Garten am Wege 
zum „Canone"; in voller Freiheit habe ich sie nicht beobachtet. Landschildkröten 
kommen nach den Mittheilungen der Einwohner auf allen fünf Inseln vor; De 
Betta erwähnt die Art von Korfu und Santa Maura. 

2. Clemmys caspia (Gmel.) var. rivulata Val. — De Betta, p. 893. 
Emys caspiea (Korfu, Santa Maura). — Boettger, IL, S. 276. — x^^^^^ "^^^ 
7COT:a[xou. 

Auf Korfu in einem Teich zwischen Korfu und Palaeo kastrizza vier Exem- 
plare gefangen; ebenso bei Sami auf Kephallonia zwei Exemplare gefangen und 

Im Rumili-Flusse im Norden von Ithaka sollen Wasserschildkröten vorkommen. 
2) Siehe auch Fitzinger, Versuch einer Geschichte der Menagerie des kais. österreichischen 
Hofes, S. G61. 



])io Ko|)tilioii- tiiiil lialnicliioi riiuiia dor jüiiibchou Inseln. 



227 



in oiiiem Buch zwischou der Stadt, Zanto und dem Borg 8kop6s ein lialbcs Dnizend 
Kxeniplaro von versi hiodoucr (Jlrösse beobachtet. 

Die Exemplare von Korfu zeichnen sich vor meinen dalmatinischen durch 
die sehr scharfe Schuauzeukante, das Fehlen der Zeichnung auf der Oberseite 
des Kopfes und durch die bunte Färbung der inneren Theile des Panzers (schwarz- 
blutroth-gelblichweiss gemarmelt) aus. 

3. Emys orbicularis (L.). — De Betta, p, 892. Cistudo europaea. — 
Localname wie bei voriger. 

Ich erbeutete sechs Stücke auf Korfu in demselben Teiche wie Clemmys, 
ferner vier grosse Exemplare auf Santa Maura in den grossen Wassergräben, 
welche, ein sich rechtwinkelig kreuzendes System bildend, theils ins Meer münden, 
theils der Küste parallel laufen; hier lebt Emys in grosser Zahl mit Mana escu- 
lenta var. ridihunda, Molge vulgaris var. meridionalis, Palaemonetes varians etc. 
Da ich auch in den ins Meer mündenden Gräben wenige Schritte vom Meere 
entfernt noch Schildkröten gefangen habe, so ist wohl anzunehmen, dass sie in 
Brackwasser ohne Schaden leben können. Bei Sami auf Kephallonia erbeutete 
ich ein Stück. Die Art dürfte wie die vorige keiner der fünf Inseln fehlen. Die 
Exemplare von Korfu sind vorwiegend gelb wie die von mir ^) beschriebene Varietät 
vom Boccagnazzasee in Dalmatien, die Schulter und Flanke rein hellgelb, die 
Unterschale gelbroth, Kopf und Extremitäten mit vielen gelben Flecken auf 
schwarzgrünem Grunde, die auf der Oberseite des Kopfes schwarz eingefasst sein 
können. Oberschale mit zahlreichen kleinen gelben Flecken oder Eadiärstreifen, 
welche die dunkle Grundfarbe auf ein Minimum zurückdrängen. Auch die Unter- 
seite des Kopfes, Halses und der Extremitäten ist vorwiegend gelb. Eine zweite 
Form (Kephallonia und Korfu) besitzt grünlichgelben Kopf und Hals, ebenso 
gefärbte Extremitäten, die Oberseite des Kopfes ist braun mit schwarzen den- 
dritischen Zeichnungen, Oberschale schwarz mit sehr kleinen zahlreichen gelb- 
grünen Punkten. Die dritte, normale Form, vorwiegend schwarz mit gelb 
punktirtem Kopf, radiärstreifiger Ober- und einfarbig hellgelber Unterschale, lebt 
auf Korfu und Santa Maura. Die Bauchschale meines grössten Exemplars ist 
14 m lang. 

Thalassochelys caretta soll im August in Vollmondnächten in grosser Zahl 
an die Küsten von Zante — auch von Korfu — kommen, um dort die Eier ab- 
zulegen. Alle Erzähler überboten sich in der Beschreibung der gewaltigen Grösse 
dieser Schildkröten. 

II. Sauria. 

4, Tarentola mauritanica (L.). 

Ich fand diese meines Wissens von den jonischen Inseln, ja überhaupt von 
Griechenland noch nicht bekannte Art zahlreich auf Kephallonia, wo ich Exem- 
plare in der Stadt Argostoli, auf dem Telegraphenberg, auf dem Agios Georgios, 



1) Beitr. zur Kenntniss der Rept. n. Amph. von Istrien u. Dalmatien (siehe diese „Verhand- 
lungen", 1891, S. 761, 767). 

29* 



228 



Franz Werner. 



ferner bei Sami theils beobachtete, theils sammelte; ferner auf Ithaka zwischen 
Opiss' Aito und Stawros an der Strasse, wo ich drei Exemplare aus einer Felsspalte 
herauszog (wo übrigens noch ein viertes hauste), ferner auf dem Skopös bei Zante, 
wo ich von zwei kleinen Exemplaren, die ich beobachtete, eines fangen konnte. 
Es ist mir unbegreiflich, wie dieses so häufige Thier den bisherigen Beobachtern 
entgangen ist. Die Art erreicht namentlich auf Ithaka eine ganz stattliche Grösse. 

5. Gymnodactylus Kotschyi Stdchnr. 

Ein einziges Exemplar (9) erbeutete ich auf dem Wege von Sami nach 
Agios Gerasimos auf Kephallonia am Abend des 8. April in einer Felsspalte, und 
glaube noch ein zweites gesehen zu haben. Auch dieser Gecko ist neu für die 
jonischen Inseln. Das Exemplar, welches im Leben fast schwarz war, wurde im 
Todeskampfe hellgrau, wobei die dunkeln Querbinden deutlich hervortraten. 

Hemidactylus turcicus (L.) (Boettger, II., S. 274) habe ich nirgends 
gesehen. 

Agama stellio (L.) ist, wie schon Boettger (I., S. 155) angibt, aus der 
Fauna der jonischen Inseln (Kephallonia), für welche sie Erhard (1. c, S. 82) 
erwähnt, zu streichen; vielleicht ist Erhard 's Stellio vulgaris identisch mit der 
Tarentola mauritanica, da die starken, stachelartigen Schwanztuberkeln der 
Tarentola wohl den Eindruck eines Stachelschwanzes wie bei Stellio hervorrufen 
können, auch ist Tarentola von Erhard für Jonien nicht erwähnt worden. 

6. Lacerta peloponnesiaca DeB. — Boulenger, Cat. Lizards Brit. Mus., 
III, p. 27 (Korfu). — De Bedriaga, Lacertidenfamilie, S.-A., p. 315, 18 (Kephal- 
lonia). — De Betta, p. 907: Jonische Inseln, namentlich Korfu (Podarcis taurica). 
— Held reich (Zante: Lacerta muralis var. tiliguerta). 

Das 9 ist sehr deutlich längsgestreift, merklich kleiner als das (mein 
grösstes 200 mm, Schwanz 128 mm; meingrösstes 9 178 mm, Schwanz 126 mm); 

ziemlich stark pyramidocephal, 9 mebr platycephal, die Schläfen mit ziemlich 
grossen Schildchen oder grösseren rundlichen Körnerschuppen. Färbung durch- 
gehends grün, namentlich die Exemplare von Kephallonia sind prachtvoll gefärbt. 
Unterseite gelb, seltener rosenroth (Koutavos bei Argostoli). Die var. striata m. ^) 
der muralis neapolitana (siehe meine „Beitr. z. Kenntniss d. Rept. u. Amph. v. 
Istrien u. Dalmatien" in diesen Verhandlungen, 1891, S. 753) unterscheidet sich 
von dem sehr ähnlichen 9 der jonischen peloponnesiaca schon dadurch, dass sie 
Unterseite und Eückenstreifen weiss, statt gelb hat, und dass die hellen Streifen 
eine deutliche schwarze Einfassung besitzen. 

Das (mitunter sehr stark) gezähnelte Halsband besteht aus 9—13 Tafeln, 
wovon die mittelste meistens merklich grösser ist als die übrigen; die Schläfen- 
schildchen, die bei einem Exemplare geradezu auffallend gross sind, enthalten 
fast ausnahmslos ein Massetericum von sehr variabler Grösse in ihrer Mitte. 
Auch das Occipitale variirt sehr in Breite und Höhe, ist bald breiter, bald 
schmäler als das Interparietale. Schenkelporen 21—25. Die Dorsalschuppen sind 
häufig recht deutlich gekielt, namentlich bei jüngeren cf , die durch diesen Um- 



1) Zu welcher meine var. fiumana (S. 753) als cT gehören dürfte! 



Dio Koptilion- uiul Katnicliicilaima dor joiiisclion Iiisclii. 



229 



stand, verbimdLMi mit doin weiteren des {,'czähnelteii Halsbandes und des meist 
sehr deutlichen Sulcus guliiris, sowie der doch selten gänzlich fehlenden (jlnmula- 
reihe zwischen Supraocularen und Supraciliaren, eine grosse Aehnlichkeit mit der 
Lacerta taurica besitzen. Drei (selten vier) Reihen von Schildchen um das Anale. 
Nasenloch wenigstens in einem Punkte das Auge berührend. 

Das der jonischen peloponnesiaca ist gefleckt, und zwar findet sich am 
Rande der von der Lateralzone des Rumpfes durch eine weissliche oder grünliche 
Linie (die bei ganz erwachsenen Exemplaren sehr undeutlich wird) abgegrenzten 
Dorsalzone je eine Reihe grösserer oder kleinerer schwarzer Flecken, in der Regel 
auch eine unregelmässige Medianreihe schwarzer Punkte. Seiten schwarz reticulirt 
oder gefleckt, im ersteren Falle in zwei, im letzteren in drei Längsreihen. Scheitel 
bei erwachsenen schwarz punktirt, bei jüngeren und 9 einfarbig olivengrün. 
Schwanz und Extremitäten braun, mit blauen Bauchrandschildchen. Keine 
Ocellen über der Basis der Vorderextremität. Das 9 besitzt auf grünem Grunde 
vier hellgelbe oder grünlichgelbe Streifen und ist ungefleckt. Die Zone zwischen 
den zwei Längsstreifen derselben Seite häufig braun. 

Die der mumlis tiliguerta sehr ähnliche Eidechse, deren specifische Ver- 
schiedenheit von der muralis mir erst in Folge einer brieflichen Mittheilung 
von Herrn Bou lenger aufgefallen ist, ist nicht eben häufig auf Korfu; auf 
Santa Maura habe ich sie trotz meiner Bemühungen nirgends gefunden. Dagegen 
ist sie gemein auf Kephallonia (Argostoli, Agios Georgios, Rasata, Dilinata, 
Pharaklata, Sami etc.), Ithaka und Zante.^) 

In enormer Anzahl wohnt sie am Meeresufer bei Argostoli, nahe der Lagune 
Kontavos; hier lebt sie unter Steinen und sucht, wenn verfolgt, ohne Bedenken 
das Meer auf und verbirgt sich unter den dichten Massen von braunen faulenden 
Tangen, oder in den Wasserpflanzen des Baches, viele Minuten unter Wasser ver- 
weilend. Es ist ein ganz sonderbarer Anblick, wenn man diese Eidechse, die 
man gewöhnlich auf den trockensten und wasserärmsten Stellen hausen sieht, im 
Meere schwimmend oder auf den schwimmenden Tangmassen herumkriechend 
findet, oder sie gar tief aus dem Bodenschlamm des Meeres ausgräbt. Uebrigens 
gehen auch Algiroides moreoticus und (wie ich in Dalmatien auf Solta gesehen 
habe) Ophisaurus, wenn sie verfolgt werden, unbedenklich ins Meer; letztere 
sogar ins tiefe. 

7. Lacerta viridis (Laur.) var. major Blngr. — De Bett a, p. 904 (Korfu). 

— DeBedriaga, p. 75 (Korfu); Lacertidenfamilie, S.-A., p. 99 (Kephallonia). 

- Boettger, S. 275 (Korfu). — Heldreich (Zante). 

Localname dieser und anderer Lacertiden : auf Korfu ixouaxspaCa (aus dem in 
Dalmatien allgemein gebräuchlichen „gusterica" [guschtjerizza], welches sich nach 



1) Bei der Kevision meiner istrianisch-dalraatinischen Exemplare von Lacerta muralis neapoli- 
tana (var. merremi Schinz. = tiliguerta Gmel. = campestris De Betta) finde ich unter den Fest- 
land-Exemplaren nicht wenige, die mit meinen jonischen peloponnesiaca bis auf gewisse con- 
stante Zeichnungsverschiedenheiten (Fehlen oder sehr geringe Entwicklung der Medianfleckenreihe 
bei peloponnesiaca) vollkommen übereinstimmen ; typisch scheinen mir aber meine peloponnesiaca 
doch nicht zu sein ! 



230 



Franz Werner. 



Raul in auf Kreta unverändert als „youcrT£pi<a" wiederfindet); auf Kephallonia 
„axopBaiviT^a" und „aaXaßpuj^a". 

Erwachsene Exemplare sah ich auf Santa Maura, Kephallonia (bei Sami); 
eines auch auf Ithaka; gefangen habe ich ein erwachsenes 9 ö^it fünf hellen 
Längsstreifen in einem hohlen Baum auf Santa Maura. Junge fing ich auf 
Santa Maura (gestreift und einfarbig), Korfu (Strasse nach Gasturi) (gestreift), 
Kephallonia (Sami) und Ithaka (Strasse nach Stawros) (einfarbig). Da v. Held- 
reich die viridis von Zante anführt, so kommt also die Art auf allen fünf Inseln 
vor. — Die erwachsenen Exemplare sind wegen ihrer grossen Schnelligkeit in 
dem dichten Gestrüpp, in dem sie sich aufzuhalten pflegen, kaum zu erjagen. 
Auf Santa Maura ist die viridis die gewöhnlichste Eidechsenart, und in dem 
Olivenwald, der in grosser Ausdehnung die weite Ebene hinter der Stadt umgibt, 
beherbergt fast jeder Baum in seinem Wurzelgeflecht und seinem hohlen Inneren 
ein oder zwei Junge dieser Art, die, wenn auch nicht so behend wie die Alten, 
doch dem Fänger genug zu schafi'en machen. 

Das 9 von Santa Maura gleicht vollkommen den fünfstreifigen 9 , die ich 
in Dalmatien gefangen habe, ist grasgrün, die Halsseiten lebhaft citronengelb, 
die Längsstreifen grünlichweiss. 16 Femoralporen. 

Da ich gleichalterige gestreifte und streifenlose Junge ohne Uebergänge 
zwischen beiden Formen gefunden habe, so vermuthe ich, dass die ersteren junge 
9, die letzteren, welche höchstens zwei Reihen weisser Punkte an jeder Rumpf- 
seite besitzen, junge sind. Eine Art Masseterschild ist häufig. Der äusserste 
helle Streifen an jeder Bauchseite ist fast immer in eine Fleckenreihe aufgelöst. 

8. Älgiroides nigropunctatus (D. B.). — Boettger (L, S. 165; IL, S. 275); 
Korfu, Kephallonia (Ainos, v. Oertzen). — Boulenger, Cat. Lizards Brit. Mus., 
III, p. 45 (Korfu). — De Betta, p. 903 (Korfu). 

Ich fand diese Eidechse sehr zahlreich an einer langen Mauer am Wege 
zum „Canone" auf Korfu, auch an Agaven und Opuntien am selben Wege und 
am Wege nach Gasturi; ebenso ein einziges Exemplar auf Santa Maura (an der 
Mauer eines Hauses im Süden der Insel) und auf Kephallonia (Sami, an der 
Mauer eines Hauses im Orte selbst), an beiden letzteren Orten beobachtete ich 
noch ein weiteres Exemplar. 

Diese Eidechse ist, wie ich schon früher^) angegeben habe und jetzt fast 
durchwegs bestätigt finde, eine „anthropophile" Eidechse und findet sich nahezu 
ausschliesslich an Mauern in der Nähe bewohnter Orte oder sogar in diesen selbst; 
sie ist auch auf Korfu sehr scheu, vorsichtig und ungemein schnell, weshalb ich nur 
zwei ganz erwachsene unter meiner Ausbeute besitze; junge Exemplare sind 
noch leichter zu erbeuten, doch ist es mir z. B. auf einem grossen Steinhaufen 
an der vorerwähnten Mauer auf Korfu, wo es von Eidechsen dieser Art förmlich 
wimmelte, nicht gelungen, auch nur eines einzigen Exemplares habhaft zu werden. 
Das Verbreitungsgebiet dieser Art erstreckt sich von Krain über Görz, Triest und 
Fiume (bei Fiume habe ich sie in diesem Jahre häufig beobachtet und wieder 



>) „Zoologischer Garten", XXXII, 1891, Nr. 8, S. 226. 



Die Hoptilion- und niitrachicrluumi der jonischon Insoln. 



ein Exemplar i^ofanfxon), übor dio boidon Inseln Cherso und Veglia*) und fehlt in 
Dalniatien''') nahe/u vollständig (Monte Mossor bei Spalato - Kolombatovic 
— ist der einzige mir bekannte dalmatinische Fundort), ist auch in der Herce- 
govina') selten, in Albanien noch nicht sicher constatirt, tritt aber auf Korfu, 
Santa Maura und Kcphallonia wieder auf und fehlt kaum auf Ithaka, wo ich 
sie sogar an einer Mauer auf dem schmalen Landrücken, der die Süd- und Nord- 
hälfte der Insel verbindet, gesehen zu haben glaube. Nach v. Bedriaga (p. 73) 
kommt sie auch in Acarnanien vor. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich also un- 
gefähr vom 40. bis zum 38." n. B. und vom 31. zum 38.® ö. L., wenn sie nicht 
gar, was wohl nicht unwahrscheinlich ist, auf Zante und im Norden des Pelo- 
ponnes noch vorkommt. 

lieber die Pholidose ist wenig zu sagen. Ein Massetericum fehlt nur selten. 
Die Kiele der hintereinander liegenden Dorsalschuppen bilden miteinander Längs- 
leisten, die nach hinten unter einem spitzen Winkel convergiren ; die Anzahl der 
Femoralporen schwankt zwischen 13 (ein Exemplar aus Korfu) und 22 (Kephal- 
lonia) und ist fast immer auf beiden Seiten um eines verschieden. — Die rothe 
Bauchfärbung erstreckt sich bei ganz erwachsenen (Kopfrumpflänge 62 mm) 
an den Eumpf- und Halsseiten hinauf, die Bauchränder zieren blaugefärbte 
Schildchen. Das Verhältniss der Schwanzlänge zur Kopf rumpflänge schwankt 
zwischen 2 26 : 1 und 1'4Q : 1, das der Kopflänge zur grössten Kopfbreite ist 
ungefähr wie 3 : 2. 

9. Älgiroides moreoticus (Bibr.-Bory). — De Bedriaga, Beiträge zur 
Kenntniss der Lacertidenfamilie (Abhandl. der Senkenb. naturf. Ges., Frankfurt, 
Bd. XIV, 1886, S.-A., S. 382): Zante. — De Bedriaga, 1. c, S. 73: Taygetos- 
gebirge (?). — Bibron-Bory, Expedition Scientifique de Moree (III, p. 67, PI. X, 
Fig. 5, a, h, c): Plateau von Kubeh, Messenien. 

Von dieser seltenen Eidechse habe ich bereits (Zool. Anzeiger, 1894, Nr. 450, 
25. Juni) das Wichtigste erwähnt. Sie ist auf Kephallonia ebenso häufig, wie ihre 
Verwandte auf Korfu, liebt aber im Gegensatz zu dieser die Nähe menschlicher 
Wohnungen durchaus nicht, bewohnt daher Steinhaufen, altes Gemäuer u. dergl. 
Auf Ithaka glaube ich sie gleichfalls beobachtet zu haben, und zwar wie die 
vorige Art auf der Landenge von Opiss Aitö, konnte aber von beiden Arten kein 
Exemplar erbeuten, bin aber meiner Bestimmung ziemlich sicher, da sich beide 
Arten durch Lebensweise und Färbung nicht unwesentlich unterscheiden. Auf 
Zante, wo sie nach De Bedriaga Marquis Doria gefunden hat, habe ich sie 
nicht beobachtet, sie wird wohl nur die nördlichen Berge bewohnen. 

Moreoticus ist eine weit weniger schnelle und vorsichtige Eidechse, als die 
vorige, kann daher noch unter Umständen gefangen werden, unter denen die 

1) Sie dürfte wohl auch in Westcroatien und auf der Insel Lussin nicht fehlen. 

2) Jan. (Cenni sul Museo Civico di Milano, p. 40; Milano, 1857) führt sie allerdings auch 
von Dalmatien an. 

') V. Tommasini (Skizzen aus dem Reptilienlehen Bosniens und der Hercegovina; Wiss. 
Mitth. aus Bosnien u. der Hercegovina, Bd. II, 1894) führt als Fundort des einzigen von ihm erbeu- 
teten Exemplares Fatnica in der Hercegovina an (S.-A., S. 4 und 23). 



232 



Franz Werner. 



Erbeutung eines nigropunctatus unmöglieli wäre. Sie lässt sich mit der Hand 
viel näher kommen, mit der Pincette nicht nur aus ihren Schhipfwinkeln heraus- 
ziehen, sondern überhaupt überall fangen, wo man die Hand selbst nicht ge- 
brauchen kann. Nur der Umstand, dass die Art nur an wenigen, bestimmten 
Stellen vorkommt — ich kenne nur drei Fundorte auf der Insel — und sich nur 
bei grosser Hitze auf wenige Stunden des Tages sehen lässt, verhinderte mich, 
eine grössere Zahl von Exemplaren zu erbeuten. 

Moreotieus steht dem corsikanisch-sardinischen Fitzingeri viel näher als 
dem nigropunctatus, mit dem er auf Kephallonia und Ithaka zusammen vor- 
kommt, soweit man eben von zwei Eidechsen, von denen die eine die Nähe be- 
wohnter Orte aufsucht, die andere dieselben meidet, von „Zusammenvorkommen" 
reden kann. Es unterliegt keinem Zweifel für mich, dass sich auch auf dem 
Festland von Italien Algiroides-Fovmm finden lassen würden. 

10. Änguis fragilis L. var. graeea De Bedr. und var. cephallonica m. — 
Boettger, IL, S. 274 (Korfu). — De Bedriaga, p. 49. 

Die Blindschleiche habe ich mit Ausnahme von Ithaka, wo sie aber auch 
nicht fehlen dürfte, auf allen jonischen Inseln, welche ich besuchte, gefunden. 
Auf Korfu fing ich zwei, auf Santa Maura ein Stück der var. graeea, während 
ich auf Kephallonia an verschiedenen Stellen (in der Nähe der Lagune Koutavos 
bei Argostoli, beim Berge Agios Georgios, bei Sami) vier, auf Zante auf dem 
Berg Skopos ein Exemplar einer Varietät erbeutete, welche sich durch tiefschwarze 
Färbung der Unterseiten und der Seiten und hellgelbe oder weissliche Färbung 
der Oberseite, welche mit acht hellbraunen Längslinien oder Punktreihen geziert 
ist, auszeichnet, und welche ich als var. cephallonica bezeichen möchte. Die var. 
graeea ist übrigens auch in Oesterreich eine gewöhnliche Erscheinung^), und im 
Seengebiete des Salzkammergutes in Oberösterreich habe ich fast niemals eine 
andere Form der Blindschleiche gefangen. 

Die Blindschleiche, welche auf den jonischen Inseln unter dem Namen 
„Konaki", den auch Boettger (IL, S. 269) von Prevesa angibt, allgemein be- 
kannt ist, gilt als ungeheuer giftiges Thier. 

11. Ählepharus pannonicus Fitz. — Boettger, L, S. 167, IL, S. 271 
(Zante: Oertzen). — Erb er (jonische Inseln, jedenfalls Korfu, da Erber meines 
Wissens auf keiner anderen gesammelt hat). — Localname auf Kephallonia: 
zovaxi jAixpd. 

Das erste Exemplar der Art erbeutete ich auf Santa Maura im Olivenwald 
nahe der Stadt unter einem Steine; ein weiteres nahe der Lagune Koutavos bei 
Argostoli auf Kephallonia, ferner eines auf dem Berg Agios Georgios im Gemäuer 
der alten Festung, zwei weitere bei Sami; ferner eines auf Ithaka beim Kloster 
Katharä in etwa 500 m Meereshöhe und beobachtete eines auf Zante auf dem 
Berg Skopos. Auf Kephallonia scheint das Thier besonders häufig zu sein, da 
ich ausser den vier erbeuteten Exemplaren noch eine Anzahl beobachten konnte. 
Alle meine Exemplare sind erwachsen und besitzen ein dunkelbraunes Dorsalband, 



') Ebenso wie die blaugefleclcte var. colchica Dem. bei Wien gemein ist. 



Dio Koptilion- und niitnichioi ruuim tlci jiinis( li(>ii liisoln. 



233 



welches auf beiden Seiten (hinkel einjjefasst und auf der vorderen Körpcrhälfto 
undeutlicher ist. Zwischen dem Dorsal- und schwarzbraunen Laterall)and ver- 
läuft jederscits eine dunkle Tiiin^^slinie. 

III. Ophidia. 

Wegen der für Schlangen relativ frühen und ausserdem häufig ungünstigen 
Jahreszeit war meine Schlangenausbeute, wie ich auch nicht anders erwartete, 
eine sehr geringe. Weder Typlüops noch Tropidonotus tessellatiis, noch eine der 
beiden Zamenis -Arten konnte ich zu Gesicht bekommen, ganz zu schweigen da- 
von, dass ich etwa die für die jonischen Inseln bezüglich ihres Vorkommens höchst 
fragliche und nur ein einziges Mal (in Gray 's Catalog) von Korfu angeführte 
Ei'i/x oder die zweifellos vorkommenden, aber bisher noch nicht gefundenen 
Coluber aesculapii (nach ihrem Vorkommen bei Prevesa in Epirus — siehe 
Boettger, II., S. 271 — wenigstens auf Santa Maura zu erwarten) und Tarho- 
phis aufgefunden hätte. 

12. Tropidonotus natrix (L.) var. persa Pall. — Boettger, II., S. 275. 
Ein junges Stück (9) J^uf Korfu in einem Bache bei Palaeo Kastrizza 

gefangen. Die Zeichnung der Unterseite gleicht sehr der von Tropidonotus vit- 
tatus. 183 Bauchschilder, 82 Subcaudalschilderpaare. 

Ein Exemplar sah ich auch in einem Bache auf Zante schwimmen, in 
demselben, in welchem ich auch Clemmys beobachtete. 

13. Coluber leopardinus Bonap. tjp. — Erber, S. 826 (Korfu). 
Schuppenformel: Sq. 27, V. 235, A. Vi, Sc. «^/84 + l. 

Ein leider todtes und beschädigtes erwachsenes Exemplar {(^) wurde mir 
in dem Dorfe am Agios Georgios auf Kephallonia gebracht. Dasselbe hatte fünf 
junge Mäuse im Magen, was ganz meinen Beobachtungen an gefangen gehaltenen 
Exemplaren entspricht, denen zufolge die Art im erwachsenen Zustande sich aus- 
schliesslich von Mäusen ernährt. 

14. Coluber quaterradiatus Gmel. 

Herr Prof. Partsch hatte die Freundlichkeit, mir zwei Stücke von der 
Haut einer grossen Schlange zu senden, welche er im Jahre 1886 auf der Strasse 
nach Atsupades auf Kephallonia gefunden hatte. Die makro- und mikroskopische 
Untersuchung der beiden Hautfragmente lässt keinen Zweifel darüber aufkommen, 
dass sie von einem erwachsenen und — wie aus dem Vergleiche der Schuppen 
mit solchen von Exemplaren, die ich selbst gemessen habe, hervorgeht — etwa 
l'5w langen Exemplare abgestreift wurde. Diese Art ist meines Wissens noch 
nicht von den jonischen Inseln bekannt. 

15. Coelopeltis lacertina Wagl. typ. (insignitus). — De Betta, p.940 (Korfu). 
Ein prachtvolles junges Exemplar (9) fing ich auf dem Berg Skopös auf 

Zante unter einem Stein. 

Schuppenformel: Sq. 17, V. 172, A. 1, Sc. «"/so + 1 ; 8 Oberlippen-, 2 Zügel- 
schilder. 

Z. B. Ges. B. XLIV. Abb. 30 



234 



Franz Werner. 



16. Vipera ammodytes L. — De Betta, p. 943. 

Ein Exemplar ( 9 erbeutete ich auf Ithaka an der Strasse nach Stawrös, 
wo es eben lebhaft zischend einen Abhang herabkam (um die Mittagszeit). 
Schuppenformel: Sq. 21, V. 139, A. 1, Sc. ^Vsi + 1. 

4—6 Schuppen zwischen den Supraocularen, 9 Oberlippenschilder. Horn 
kurz, nach rückwärts gerichtet. Färbung oben hell graubraun mit dunkelbrauner 
Zeichnung; Unterseite dunkelgrau, weiss punktirt. 

Batrachia anura. 

17. Rana esculenta L. var. ridibunda Pall. — Boettger, II., p. 274 (Korfu). 
— Heldreich (Zante). — Localname auf Korfu: xapXa^, auf Zante: TiopXa^. 

Häufig auf Korfu (zwei Junge), Santa Maura (in den Wassergräben am 
Meere und in einem Teiche im Inneren der Insel sehr grosse Exemplare gefangen), 
weniger auf Kephallonia (nur in der Nähe der Lagune Koutavos bei Argostoli in 
Wassergräben) und Zante (in dem früher erwähnten Bache ein Junges gefangen). 
Auf Ithaka nicht gesehen, aber zweifellos vorkommend. 

Färbung braun, häufig mit grünem, in Alkohol bald verschwindendem An- 
flug. Spinalstreifen häufig fehlend, Oberseite mit grossen schwarzgrauen oder 
schwarzbraunen Flecken. Eine starke Tarsalfalte vorhanden. Ganz junge Exem- 
plare häufig oben ganz grün, fast fleckenlos. 

Dimensionen zweier erwachsener Exemplare von Santa Maura: 



d 9 

Totallänge 71 71 mm 

Länge des Femur 40 43 „ 

der Tibia 40 43 „ 

„ des Fusses bis zur Spitze der vierten Zehe 41 37 „ 

„ des Tarsus 22 21 „ 

„ der Innenzehe 11 10 „ 

„ des inneren Metatarsustuberkels .... 5 4 „ 

18. Bufo vulgaris Laur. — Held reich (Zante). 



Ein grosses 9 Santa Maura unter einem Stein am Flusse gefangen. 

19. Bufo viridis Laur. — De Betta, p. 952 (Korfu). — Boettger, 
IL, S. 274. 

Ein grosses 9 bei Sami auf Kephallonia unter einem Stein gefangen. Ein 
Pärchen in Begattung und ein welche ich an der Strasse von Sami nach 
Agios Gerasimos fing, entwischten mir in der Nacht im dortigen Kloster. 

20. Hyla arhorea (L.) typ. — Bou lenger, Cat. Batr. Sal. Brit. Mus., p. 27. 
— Boettger, IL, S. 274. 

Auf Korfu, am Wege zum „Canone" auf Agaven und Opuntien häufig und 
durch lebhaft gelbgrüne, nahezu gelbe Färbung von dem graugrünen Grunde der 
Blätter ab.stechend. Auf Santa Maura fing ich ein Exemplar im Grase eines 



1 



Die Koptilioii- und Hatriichiorfauim der joniscUoii Insoln. 



235 



Gomüsogarfons, hörte dio Art auch hoi Arf^ost.oli auf Kcplianonia in j^rossor Mongo 
quacken. In j^oradozu vorblüllVndcM- Monge liaust dieser Froscli al)er auf Zante, wo er 
ebenfalls auf den A<;-aven sicli aufhält, aber auch auf Bäumen und in (jieniiiscgärlen 
lebt und in schönen Frühliugsnächten einen geradezu betäubenden liärni vollführt. 
Der Laubfrosch von Zante ist im männlichen Geschlecht viel kleiner als der 
mitteleuropäische, doch gibt er seinen nördlicheren Artgenossen in der lSI:u"k(> d(!r 
Stimme durchaus nichts nach (cT 'SO mm, $ 42 mm lang). 

Batrachia Lirodela. 

21. Molge vulgaris (L.) var. vieridionalis Blugr. — Boettger, IL, S. 273. 
— Bouleuger, Cat. Batr. Grad., p. 14. — De Bedriaga, p. 287 [Triton para- 
doxus Razoum.). — Schreiber, Herp. Eur., p. 29. 

Obwohl der griechische Molch sich von der mitteleuropäischen Form recht 
auffallend unterscheidet, wage ich es doch einstweilen noch nicht, denselben als 
besondere Art aufzuführen, bis nicht die Untersuchung des Schädels eine solche 
Trennung rechtfertigt. 

Die auffallendsten Unterscheidungsmerkmale der 3Iolge meriäionalis von 
vulgaris sind die beiden starken Längsfalten oder Längswülste zu beiden Seiten 
des fast ganzrandigen Kammes (beim 9 schwächer entwickelt), ferner der Schwanz- 
faden, der dem von Molge palmata, nicht dem von Molge montandoni gleicht 
und oft sehr lang ist (beim 9 auch wieder kurz), und schliesslich die Zeichnung 
des 9, die vollständig der von Molge palmata gleicht, während das ^ die Molge 
wZgfam-Zeichnung trägt, aber allerdings auf Kehle und Bauch deutlich gefleckt ist. 

Diesen Molch fand ich auf Korfu zuerst in demselben Brunnen auf dem 
Agi Kyriaki, wie Herr Henneberg, dann am Wege zum „Canone" in einem 
Brunnen und in einem kleinen Tümpel, schliesslich auch in dem Bache bei 
Palaeo Kastrizza; ferner auf Santa Maura in den Wassergräben nahe dem Meere. 
Sonst habe ich die Art nirgends gefunden, auch in der Nähe von Argostoli nicht, 
wo die günstigsten Bedingungen für das Vorkommen derselben wären. Ich glaube 
daher, dass Molge meridionalis auf den jonischen Inseln nicht südlicher geht 
als bis Santa Maura. 



Die Reptilien- und Batrachierfauna der jonischen Inseln zählt also 27 
sichere und 6 zweifelhafte oder bisher noch nicht gefundene, wenn auch wahr- 
scheinlich vorkommende (mit einem Sternchen bezeichnete) Arten. Es sind dies 
in systematischer Reihenfolge folgende Arten (die von mir selbst constatirten 
sind mit gesperrten Lettern gedruckt): 

1. Testudo graeca L. 
* 2. Testudo marginata SchpfF. (Fitzinger: Kephallonia). 
3. Emys orhicularis (L.). 

30* 



236 



Franz We r n e r. 



4. Clemmys caspia (Gmel.) var. rivulata Val. 

5. Gymnodactylus Kotschyi Stdchr. 

6. Hemidactylus Uircicus (L.) (Boettger: Korfu). 

7. Tarentola mauritanica (L.). 
*8. Ophisaurus apus (Pall.). 

9. Lacerta viridis (Laur.). 

10. Lacerta muralis (Laur.) subsp. neapolitana De Bedr. var. tiliguerta Gmel. 

(Boettger: Korfu). 

11. Lacerta peloponnesiaca Bibr, 

12. Algiroides 7noreoticus (Bibr.-Bory). 

13. Algiroides nigroptmctatus (D. B.). 

14. Änguis fragilis L. 

15. Ablepharus pannonicus Fitz. 

16. Typhlops vermicularis Merr. (De Betta: Korfu). 

* 17. Ery X j acutus (L.) (Gray: Korfu). 

18. Tropidonotus natrix L. var. persa Pall. 

19. Tropidonotus tessellatus Laur. (De Betta: Santa Maura). 

20. Zamenis gemonensis (Laur.) var. caspius (Erber: Korfu). 

21. Zamenis dahlii Fitz. (Straucb: Korfu). 

22. Coluber leopardinus Bonap. 

* 23. Coluber aesculapii Host. 

24. Coluber quaterradiatus Gmel. 

25. Coelopeltis lacertina Wagl. 

* 26. Tarbophis vivax (Fitz.). 

27. Vipera ammodytes L. 

28. Bana esculenta L. var. ridibunda Pall. 

29. Bufo viridis Laur. , 
80. Bufo vulgaris Laur. 
31. Hyla arborea L. 

* 32. Liscoglossus pictus Otth. (De Betta: Santa Maura). 
33. Molge vulgaris var. meridionalis BIngr. 

Von diesen 33 Arten sind also 27 Reptilien, 6 Batrachier. Von den 
27 Reptilien: 4 Schildkröten (3 sieber vorkommend), 11 Eidechsen (10 sichere) und 
12 Schlangen (9 sichere); davon sind Griechenland eigenthümlich drei Arten 
(Testudo marginata [?], Lacerta peloponnesiaca und Algiroides moreoticus). 

Mit Morea gemeinsam, ohne im Norden des griechischen Festlandes vor- 
zukommen: Algiroides moreoticus, Lacerta peloponnesiaca; mit Kreta gemein- 
sam, aber nicht in Griechenhind: Tarentola mauritanica. Von den 46 griechischen 
Arten (zwei davon: Lacerta danfordi und Discoglossus pictus zweifelhaft) kommen 
wenigstens 14 auf den jonischen Inseln nicht vor (Agama, Ophiomorus, Chalcides, 
Coronella, Vipera lebetina, Bana temporaria, agilis, graeca, Bombinator, Sdla- 
mandra, Molge cristata, alpestris). 



Dio Hopt iliiMi- uuil üiitrachitul'iiuLiii der jouischou IqsoIu. 



237 



Hier möchte ich noch oini^^e weitere Bcnierkungeu zu meinen „Beiträgen 
zur Kenntniss der Reptilien und Ami)hihien von Lstrien und Dalniatien" (sielic 
diese „Verhandlungen", 1801, S. 751) unschlie.sseu. 

In der zoologischen Sammlung der Marine -Akademie in Fiunie fand ich 
zwei für die Fauna Südösterreichs sehr interessante Arten: Vipera ursinii 
Bona]), aus Castelmuschio auf der istrianischen Insel Veglia, von Zöglingen der 
Akademie ein Exem])lar (ganz typisch) nebst einer Vij^ei'a ammodytes gefangen; 
ferner Eana arvalis Nilss., ein sehr grosses Exemplar aus der Gegend von 
Fiume. 

Gesammelt habe ich in diesem Jahre bei Fiunie: Zamenis gemonensis 
Laur. var. carbonarius Gthr., welche Form in lstrien und Westcroatien colossale 
Dimensionen erreicht und der var. caspius an Länge kaum nachstehen dürfte: 
ferner Älgiroides nigropunctatus De B. ziemlich häufig und die Lacerta miircdis 
(fusca typica, neapoUtana fmmana, striata, olivacea). Aus der Triester Gegend ist 
mir Coluber aescidapii Host bekannt geworden (bei Herrn Dr. Graeffe gesehen); 
aus Fiume erhielt ich ihn durch Herrn A. Belar daselbst. 

Die auf S. 761 und 764 von Spalato, respective Brazza angeführte Lacerta 
viridis strigata Eichw. dürfte doch nur das weibliche Junge von Lacerta viridis 
rnajor Blngr. gewesen sein. 

Statt „lissana^ ist bei Lacerta muralis von Lesina (S. 764) zu lesen: 
„ßumana'*. 

Die Acantliodactylus-ähnlich. gezeichnete muralis-'F orm (S. 752) besitze ich 
auch von Sardinien. 

Bemerken will ich noch, dass die bisher noch wenig bekannte Reptilien- 
fauna Westcroatiens, wie unter Anderem aus Mittheilungen von Herrn A. Belar 
in Fiume hervorgeht, der norddalmatinischen bereits sehr gleicht; TarbopMs 
und Coluber leopardinus kommen hier wie auf Veglia (Moj siso vics) vor. 



239 



Vorarlbergiselie Lebermoose. 

Von 

K. Loitlesberger. 



(Vorgelegt in der Versammlung am 3. Octobcr 1894.) 



Das Quellengebiet der III wie jenes der Bregenzer Ache wurde von mir 
in den letzten drei Jahren vielfach durchwandert, der Rhätikon wiederholt be- 
sucht, seine Flussläufe und Tobel hauptsächlich unter Berücksichtigung ihrer 
Lebermoosflora verfolgt; die letzteren, die häufigen tiefen Erosionsbette des 
Landes, die in ihren herrlichen Wildbachscenerien und wechselreichen Vegetations- 
bildern dem Naturfreund viel Freude, dem Geologen und Botaniker mannigfaches 
Interesse gewähren, diese Tobel bergen auch — zumal in der Uebergangszone 
— eine üppige und artenreiche Moosflora und sichern bei jedesmaligem Besuche 
lohnende Ausbeute. 

Manche neunenswerthe Funde verdanke ich solcher Wanderung: Haplo- 
mitrium HooJceri Nees, Scapania apiculata Spruce, Hygrohiella myriocarpa 
Spruce, Cephalozia pleniceps Austin wurden für die hiesige Pflanzenwelt nach- 
gewiesen, einige seltenere Arten wie Jungermannia ohtusa Lindb., Aplozia cordi- 
folia (Hook.), Pallavicinien etc. in grösserer Menge gesammelt; sie als Beitrag 
zur alpinen Kryptogamenflora zu veröffentlichen, ist Hauptzweck vorliegender 
Arbeit, bei der ich die freundliche Unterstützung des Herrn Heeg, der Herren 
Jack und Slater, sowie das gütige Entgegenkommen der Leitung der botani- 
schen Abtheilung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums und jener der k. k. 
zoologisch -botanischen Gesellschaft in Wien dankschuldigst erwähne; da ferner 
eine einschlägige Publication aus Vorarlberg nicht vorliegt^), gebe ich eine Auf- 
zählung sämmtlicher bisher bestimmten (110) Species und deren Standorte. 

Auf die nördliche Zone des Bregenzerwaldes, die Umgebung der Algäuer- 
alpen, sowie die Hochgebirgsregion der Silvretta erstreckten sich meine Excur- 
sionen nicht; am genauesten wurden die im Gebiet liegenden Auen des Rheins 
und jene der III (Diluvium), die nächste Umgebung Feldkirchs einschliesslich des 
Samina- und Gamperdonthales (Kalk und Filsch), das Klosterthal mit dem Nenzi- 
gast und ein Theil Montavons (Uebergangsgebirge und Urgestein) durchsucht. 



Siehe Nachtrag. 
Z. B. Ges. B. XLIV, Ahh, 



31 



240 



K. Loitlesberger. 



Relativ am reichhaltigsten erscheint die Kryptogamenwelt vertreten in den Sumpf- 
wiesen des Göfiser Waldes, darunter die Galgenwiese, in den in der Uehergangsfor- 
raatiou liegenden Toheln bei Dalaas und Vaudans, dem „Winkler"- und Rells-Tobel, 



Haplomitrium Hoolceri (Lyell) Nees, Europ. Leberm., I, S. III. 

Unter Pallavieinia am Bludenzer Alpenweg bei Langen (1600—1700 m), 
Silicatboden. 

Im vorigen Herbste zufällig in einigen weiblichen Pflänzchen beim Reinigen 
der Pallavicinia-Ucisen entdeckt, hatte ich vor Kurzem das Glück, sie 
eben nach der Schneeschmelze mit Antheridien und halbentwickelten 
Früchten, die wohl durch Cultur ausreifen dürften, wieder zu sammeln; 
sie wächst daselbst spärlich — ich fand noch nie mehr denn 5 bis 
10 Individuen beisammen — auf dem von abgestorbenen Gräsern und 
Farnen bedeckten Humusboden in den dortigen ausgedehnten Vac- 
cwmm-Beständen ; ausser Pallavieinia Blyttii gehören hier Kantia 
trichomanis, Cephalozien, Nardia scalaris und Jungermannia Floericei 
zu ihrer Gesellschaft. Die Stämmchen, meist 2 — 3, selten 3—4 cm 
lang, sind fast zur Hälfte mit dem blattlosen, wurzelähnliche Sprossen 
tragenden Basaltheil im Humus begraben. 

Im Hooker 'sehen Bilde ist unsere Pflanze allerdings schwer zu erkennen; 
darnach möchte man auf schlafferen Bau schliessen, während der 
Stengel dick und ziemlich rigid, die Blätter straff und dabei — ab- 
gesehen von ihrer Vielgestaltigkeit — breiter, ja gegen die gipfelständige 
Haube mitunter so gross sind, dass hier die Pflanze bis zu ^/a cm an 
Breite erhält; sie stehen dabei entsprechend den Angaben Gottscheds 
„patentissima'^ oder y^patenti reßexa.'^ Ueberhaupt stimmen die Exem- 
plare aus dem Klosterthal zu Gott sehe 's Ausführungen (Anatom. - 
physiol. Untersuchungen über Haplomitrium HooJceri), soweit ich sie 
bis heute vergleichen konnte, vollständig. 
Cesia concinnata (Lightf.) Gray et B. {Gymnomitrium Corda). 

Zamangspitze im Montavon (2000— 2300 m), Ochsenthal in der Silvretta 
(über 2000 m); einmal im Nenzigast unter der Baumgrenze in einem 
zusammenhängenden Rasen (1500 m). 

Marsupella emarginata (Ehrh.) Dum. 

Mit Nardia compressa im Vermontthal (1800 m), Ochsenthal; Satteinser- 
alpe im Nenzigast (1800 m) (f. aquatica Nees). 
Marsupella Fmikii (W. et M.) Dum. 

Lehmige Alpenwege im Gebiet des Hohen Preschen, Hirschberg und 
Pfänder; Kristberghöhe, Vermont, Umgebung des Dilisunasees. 
Nardia scalaris (Schrad.) Gray et B. 

Montavon und dessen Seitenthäler; Tschuggenalpe und Hausachalpe im 
Bi-egenzer Wald; den lehmig-kiesigen Hohlweg auf den Kristberg 



Vonirlbcrgisclic Lobonnooso. 



241 



grosso Strockon boidorseits auskloidcnd (ausgt'gobcii in „Kryi)k)g. ex.sicc", 
Cent. 1, Nr. 91). 
Nardia coni'pressa (Hook.) Gray et B, 

Mit Scapania ulüjinosa: Zamangjoch (200Ü w), Verinout. 
Nardia geosci/pha (De Not.) Liudb. in Carr., Brit. Hep., p. 27. 

Ochsenthal beim „Veltlincr Hüsli". Wie Quer- und Längsschnitt durch 
das Blatt zeigen, ist dasselbe im unteren Drittel 3—2 Zelllagcn dick! 
Nach den Rändern geht die Textur in die normale über; das gleiche 
Texturverhältniss bieten die Blätter der in Exs. Nr. 101 ausHusnot's 
Hep. Gall. und Hep. Eur. Exs., Nr. 470 (Gottsche's Jungermannia 
Sylvrettae) ausgegebenen Pflanzen, die ich beide Herrn Jack verdanke. 
Nardia öhovata (Nees) Carr. 

Arlberg (1800 m, fr. VI.), Nenzigast, Rellstobel, zwischen Scapania uligi- 
nosa bei der Albonaalpe. 
Nardia subelliptica Lindb., Meddel. af Soc. pro Fauna et Flora Fenn., 1883. 

Felsen im Winklertobel (fr. V.), im Rellsthal zwischen Blasia. 
Nardia hyalina (Lyell) Carr. 

Hohlwege am Victorsberg, Kristberg, hier über Glimmerschutt in mehrere 
fassender Ausdehnung (fr. V.). 
Nardia crenulata (Sm.) Lindb. {Aplozia Dum.). 

Lehmige Erdstellen im Göfiser Wald, bei Maria-Grün (fr, IV.), Victorsberg. 
Var. gracillima (Sm.). 

Am Weg auf den Kristberg (fr. V.). 
Flagiochila interrupta (Nees) Dum. 

Kalkfelsen unter dem Stadtschroffen und dem Känzele bei Feldkirch; 
Gamperdonthal, Ruine Tosters (fr. V.), beim Schwarzensee. 
Flagiochila asplenioides (L.) Dum. 

Mit Früchten: Rellsthal (fr. V.), Fratte im Montavon (fr. VII.), Kristberg 
(fr. V.). 

Scapania Bartlingii (Hampe) Nees. 

An Gneis im Rellstobel (fr. V.). 
Scapania aequiloba (Schwägr.) Dum. 

An Kalkfelsen in verschiedenen durch den Standort bedingten Abänderungen; 
in höheren, sonnigen Lagen als sqiiarrosa (Bernet). 
Scapania undulata (L.) Dum. 

Vermont, Nenzigast, Arlberg, gewöhnlich in Uebergangsformen zur 
folgenden. 
Scapania dentata Dum. 

Untergetaucht und an Felsen im inneren Nenzigastthal, am Arlberg (fr. VI.). 
Scapania uliginosa (Sw.) Dum. 

In umfangreichen schwellenden Kotzen an den Wässern der höher gelegenen 
Thalstufen des Silicatbodens : Zamangjoch (fr. VII.), Bielerhöhe, Arl- 
berg; Umgebung der Albonaalpe und Satteinseralpe, stellenweise mit 
der vorhergehenden (fr. VI. /VII.). 

31* 



242 



K. Loitle sbergcr. 



Scapania irrigua (Nees) Dum. 

In der von Nees als var. laxifolia beschriebenen Form nur in männliclien 
Exemplaren in den Moorlöchern einer Sumpfwiese des Göfiser Waldes. 
Scapania aspera Bernet. Catal. des Hepat., p. 42. 

Kalkfelsen und erratische Blöcke (!) im Saminathal, längs der Lutz im 
Walserthal, Wirtatobel bei Bregenz. 
Scapania nemorosa (L.) Dum. 

Steinwald und Ardetzenberg, Nenzingerhimmel. 
Scapania umhrosa (Schrad.) Dum. 

Vereinzelt im Samina-, Mellauthal, Tschuggenalpe, bei Schröcken, Fratte; 
häufiger an Felsen und über Holz am Kristberg (fr. V./VI.). 
Scapania curia (Mart.) Dum. 

Göfiser Wald, Ardetzenberg, Victorsberg, Kristberg. 
Scapania apiculata Spruce, Hep. pyren. in Trans. Bot. Soc. of Edinburgh, V, 3, 
p. 201. 

An einer verfaulenden Buche im Saminathal (Lichteustein, ca. 1000 m) 
mit zahlreichen Kelchen, halbentwickelten Kapseln, Antheridien und 
Gemmen (VI. 1891); im folgenden Jahr war sie durch die mitwachsende 
BlepJiaro Stoma fast gänzlich verdrängt; trotz wiederholten Suchens 
wurde diese seltene Scapania, die der Originalpflanze aus den Pyre- 
näen durchaus gleicht, an keinem zweiten Platze gefunden. Lindberg, 
der sie am Jenisei und Ob an morschen Stämmen sammelte, beschreibt 
sie in Musci Asiae borealis, I. Th. auch in Bezug auf Früchte und 
Gemmen. Mir war durch die Güte der Herren Jack und Slater 
Vergleichsmaterial genügend geboten, um diese interessante Speeles 
studiren zu können; die Jack 'sehe Pflanze aus Kärnten trennt Lind- 
berg bereits 1880 (Rev. Bryol.) als Scapania carinthiaca ab, die aus 
dem Spruce 'sehen Herbar stammende pyrenäische führt die gleichen 
dunkelbraunen einzelligen Gemmen, wie sie Lindberg am genannten 
Orte beschreibt; Blattzellen bis 21 ^. 
Diplophylleia albicans (L.) Trev. 

An Silicatfelsen : Winklertobel (fr. V., ausgegeben in den „Kryptog. exsicc." 

Cent. I, Nr. 93), Nenzigast, Montavon. 
Var. taxifolia (Wahlb.). 

An den Illfällen im Vermont, Albonaalpe bei Langen. 
Diplophylleia obtusifolia (Hook.) Trev. 

Victorsberg, Kristberg. 
Mylia Taylori (Hook.) Gray et B. 

An morschem Holz: bei den Wasserfällen im Mellauthal, bei Schröcken; 
an Holz und Felsen im Nenzigast (fr. X.). Am Kristberg sammelte ich 
einen isolirten weiblichen Rasen, mit vielen unentwickelten, nackt am 
Stengel sitzenden Perianthien geziert, wie solche z. B. Nees an Junger- 
mannia cordifolia (III, S. 537) beschreibt; wie bei Jungermannia 
hantriensis in Folge des nassen Standortes, so scheint hier die Trocken- 



VoriirllKMRiselic IjoboniiiKtso. 



243 



heifc — vielleicht aber auch der Mangel an iiiäiiiilichfii IMlaii/eii — 
diese oft schon uach 4—5 Blattpaareu wiederkehrende Halbbildung zu 
veranlassen. 
Var. anomala (Hook,). 

Ueber tiefem Humusboden am Formarin.see (1800 ü\m- Sphagmuu 
auf der Galgenwiese (mit Äplozia auiumnalis), unter Vaccinium bei 
Schröcken (in nächster Nachbarschaft der Stammform), Bielerhöhe. 
Aplozia antumnaUs (De Cand.). Nach Heeg, Die Lebermoose Niederösterr., S. 18. 
Sehr häufig an Holz: Stadtschroffen, Kanzele, Schwarzensee, Samina- und 
Gamperdoüthal; über Sphagnim und Leucohryum auf den Sumpfwiesen 
des Göfiser Waldes (fr. V.), polsterförmig mit wiederholter Kelchbilduug 
am Waldesrand der Galgenwiese; mit sehr blassen Perianthien (fr. X.) 
bei Schröcken. 
Aplozia lanceolata (L.) Dum, 

Samina- und Gamperdoüthal; Nenzigast, Schröcken; an Gneis im Rellsthal. 
Aplozia riparia (Tayl.) Dum. 

Ueber KalktufF und nassen Kalkfelsen: Amerlügen, Samina- und Gamper- 
doüthal, Schwarzensee; über Conglomerat an der Nob, bei Hohenweiler 
im Leiblachthal. 
Var. rimdaris Bernet (Catal. des Hepat., p. 59). 

An Steinen in einem Quellbach des Gamperdons, ebenso bei Schaanwald 
(Lichtenstein), stets steril; wächst unter ganz ähnlichen Vegetations- 
verhältnissen wie Chiloscyphus polyanthus var. rivularis. 
Aplozia pxmiila (With.) Dum. 

An nassen Fermcano-Felsen im Winklertobel (fr. im Herbst und Früh- 
jahr); im Frühjahr mit Früchten und paröcischen Knospen. — Sporen 
gross, bis 24 fi. 
Aplozia cordifolia (Hook.) Dum. 

Bäche im inneren Nenzigast (1600 m); in dunkel braun- oder violettgrünen 
Polstern neben Scapania dentata untergetaucht und wie die Wasser- 
formen von Chiloscyphus und Aplozia riparia an Steinen, auch in 
stärkster Strömung, festgewachsen; von zweierlei Habitus: die schlanken 
Stämmchen der sterilen weiblichen Pflanze angehörig (nach Mit- 
theilungen der Herren Jack und Heeg), die kleineren männlichen 
entsprechen ganz dem Bilde, welches Ekart auf Taf. IX, Fig. 75 seiner 
Synopsis Jungerm. gibt; dieselben trugen jetzt im Frühjahr in ihren 
Blattsäcken einzelne auf zweizeiligem Träger sitzende[Antheridien. 
Aplozia sphaerocarpa (Hook.) Dum. 

Lehmige Erdbrüche im Mellauthal und bei Schröcken, gemein auf Silicat- 
erde: Arlberg, Kristberg (fr. V.), Rellsthal, gerne von Nardia ohovata 
begleitet. 
Jungermannia Muelleri Nees. 

Kalkfelsen: Samina- und Gamperdoüthal, Schwarzensee; in braungrünen 
üeberzügen auf den Kalk und Glimmer führenden Sandhalden des 



244 



K. Loitlesberger. 



Winklertobels in unmittelbarer Nachbarschaft von Aplozia sphaerocarpa 
und JSfardia ohovata!, sonst mit Aplozia riparia und Äneura pinguis 
zur mageren Lebermoosvegetation der Gerinne kalkhaltiger Wasser 
und deren Tuffhügel gehörig: Amerlügen, Laternserthal. 
Jungermannia bantriensis Hook. 

Sumpfige Waldplätze am Kristberg, mit verkümmerten Kelchen, längs des 
Salonienbaches bei der Zirsalpe (1500 m). 
Jungermannia turbinata Eaddi. 

Im Sande der Rheinauen zwischen Bendern und Schaan (Lichtenstein, 
fr. IV.), dort und da in den Illauen, längs der Samina, im Thal der 
Bregenzer Ache sogar noch unterhalb Schröcken (1100 m). Blattbucht 
wie Lappen variiren bei den Exemplaren von den Rheinauen und 
sind bald spitz, bald stumpf. 
Jungermannia inflata Huds. 

Bielerhöhe im Vermont (2000 m). 
Jungermannia ventricosa Dicks. 

Göfiser Wald, verbreitet an Stöcken und über Sphagnum: Tschuggenalpe, 
Mellauthal, Nenzigast, Kristberg. 
Jungermannia guttulata Lindb. et Arnell, Musci Asiae bor., I. Th., p. 51. 

Nenzigast, Umgebung der Albonaalpe (1500 m); durch ihre Kleinheit und 
die wurmförmigen , von hohlen Blättern dicht besetzten männlichen 
Stämme auffallend. 
Jungermannia alpestris Schleich. 

Gemraifera: Nenzigast, bei Langen im Klosterthal, Zamangspitze (2000 m). 
Jungermannia capitata Hook. 

Spärlich am Waldesrand in Steinwald (fr. VI.). 
Jungermannia incisa Schrad. 

Zumeist an Holz (fr. V.), stellenweise an Silicatgestein (Kristberg), in die 
alpine Region hinansteigend (Zamangspitze). 
Jungermannia Michauxii Web. 

An faulendem Holze im Marulthal (Vogtswald, 1200 m, fr. VI), bei 
Schröcken mit Scapania umbrosa, Harpanthus scutatus und Junger- 
mannia gracilis. 
Jungermannia minuta Crantz. 

Häufig als var. protracta Nees im Gamperdon- und Klosterthal; mit ent- 
wickelten Perianthien: an den Illfällen (1700 m), längs des Albonabaches 
bei Langen (1500 m); mit Kelchen besitze ich diese Art bisher nur von 
höheren Lagen. 
Jungermannia exsecta Schmid. 

Samina- und Gamperdonthal, auf Waldboden am Kristberg, oft gesellt zu 
Jungermannia incisa. 
Jungermannia Floerkei Web. et M. 

An den Illfällen, in den Mooren der Bielerhöhe mit Jungermannia inflata, 
sehr gemein am Bludenzer Alpenweg bei Langen (1500— 1800 m), im 



Voriulborpisclio Loboniiooso. 



245 



Saminatlial, nuf tieflxMuooshMn Waldesf^niiid \mt Jinififrvinvnia orm- 
dcnsis am Kristberg (f. arcunta Neos). 
Jimgermannia gracilis Sclileicli. [attcnuata Lindb.). 

Kristborg, Nenzigast, zum Sareiserjoch, bei Scyirückcu. 
Jimgermannia harhata Schreb. 

Victorsberg, Kristberg, Rellsthal, Grosses Walserl lial, an alten Buclien- 
strüukcn mit der folgenden bei Hopfreben (1000 ?w) im Bregenzer Wald. 
Jungermannia quinquedentata Web. 

An erratischen Blöcken um Amerliigen, im Montavon und dessen Seitcn- 
thälern, 

Jungermannia ohtusa Lindb., Muse. Scand., p. 7. 

Ueber einem vermoderten Reisighaufen am Kristberg (1200^)^), recht 
üppig, doch steril; hie und da mit verkümmerten Perianthien, wie sie 
Bernet in seinem Catal. des Hepat. auf PI. IV darstellt; bei der 
Albonaalpe. 
Jungermannia orcadensis Hook. 

Ueber Humusboden mit Moosen in schlanker, kräftigster Entwicklung, aber 
steril am Kristberg; Nenzigast, bei St. Gallenkirchen im Montavon 
(gemmifera), vereinzelt am Formarinsee. 
Cephalozia hicuspidata (L.) Dum. 

Wege des Göfiser Waldes (im Spätherbst mit Gemmen), sehr verbreitet 
am Kristberg und dessen Umgebung. 
Var. alpicola Massal. 

An den lUfällen und der Bielerhöhe. 
Cephalozia media Lindb. {multiflora Spruce). 

Göfiser Wald, Klosterthal, Bludenzer Alpenweg (birnförmige Gemmen); an 
einem morschen Stock nächst der Schiessstätte unterm Stadtschroffen 
eine Varietät mit vieleckigen Gemmen ! 
Cephalozia connivens (Dicks.) Spruce, On Cephalozia, p. 46. — Blattzellen 
50—60 ^a, Sporen bis 15 ^. 
Ueber abgestorbenem Sphagnum auf der Galgenwiese und den umliegenden 
Sumpfwiesen, mit der folgenden wie der vorgenannten oft durchwachsen 
(fr. Anfangs Mai 1893 und 1894); sie variirt hier in der Consistenz 
der Kelchwand, indem dieselbe wenigstens im unteren Drittel doppel- 
schichtig wird; auch Flagellenbildung ist, wie ich mehrmals constatiren 
konnte, bei ihr nicht ausgeschlossen! Hüllblätter und Kelchmündung 
bleiben stets höchst charakteristisch. 
Cephalozia pleniceps Aust. in Proc. Acad. Nat. Sc. of Philad. 1869, p. 222. — 
Blattzellen 40 ^. 

Humusboden: Formarinhöhe (1800m), unterhalb Schröcken im Bregenzer 
Walde (1200 m), in Gesellschaft von Mylia, Cephalozia media und 
hicuspidata (det. Heeg). 

Auf abgestorbenem Sphagnum auf der Galgenwiese und im Klosterthal 
bei Braz .und Dalaas geht sie in eine sehr laxe Moorform über, in 



246 



K. Loitlesberger. 



welcher manclie die typische Form gut zeichnende Merkmale verwischt 
sind: sie wächst kriechend bedeutend in die Länge, die dichte Blatt- 
lage ist ganz aufgelöst, die Blätter stellen sich viel schiefer und laufen 
am Stengel herab, so dass man eine Cephalosia connivens vor sich 
zu haben glauben möchte, zumal mit diesem Wuchs in die Breite die 
fleischige Structur sehr abnimmt; betreffs Flagellen, Wurzelhaare wie 
Fructificationsorgane konnte ich keine wesentlichen Veränderungen 
wahrnehmen ; länglich-ovale bis birnförmige einzellige Gemmen wurden 
an endständigen Köpfchen, die zahllosen weissen Wurzelhaare fremd- 
artig mit kopfförmigen Saugenden beobachtet; zur Beleuchtung der 
Veränderlichkeit unserer Pflanze und zugleich zur Bestätigung für 
Lindberg's Ansicht (in Lindberg und Arnell, Musci Aslae bor.), 
die Spruce'sche Cephalozia crassiflora betreffend, sei noch erwähnt, 
dass manche Schnitte für die Basis der Hüllblätter doppelte Zellenlage 
aufweisen ! 

Der Zusammenhang der hier kurz geschilderten laxen Varietät mit der 
typischen Pflanze scheint mir nach wiederholten Beobachtungen an 
lebendem Material nicht mehr zweifelhaft; sie ist von der ihr nahe- 
stehenden media durch den monoecischen Blüthenstand, die Flagellen 
und das weite Zellnetz (bis 50 ^), von connivens und bicuspidata, mit 
denen sie den monoecischen Charakter gemein hat, einerseits durch 
die Hüllblätter und Kelchmündung, andererseits durch die minder tief 
getheilten, mehr oder weniger herablaufenden Blätter und die eonstant 
fleischigen Perianthien hinlänglich geschieden. 
Cephalozia curvifolia (Dicks.) Dum. 

Samina-, Gamperdon-, Leiblachthal, Ardetzenberg und Känzele. 
Cephalozia albescens (Hook.) Dum. 

Zamangspitze (2000—2300 m). 
Cephalozia reclusa Dum. 

An morschem Holze : Aelplewald (1000 m), Mellauthal, Nenzigast (1200 w), 
bei der Gaudenziusalpe im Saminathal (1200 m) mit der folgenden. 
— Gemmen rundlich, einzellig, endständig. 
(kphalozia leucantha Spruce. 

Faulendes Holz überziehend: Bludenzer Alpenweg (1600m), an den 111- 
fällen, Mellauthal, Gaudenziusalpe. 
Cephalozia Jackii Limpr. in Spruce, On Cephalozia, p. 67. 

Lehmboden: bei Schellenberg (Lichtenstein), Ardetzenberg. 
Cephalozia hyssacea (Roth sub Jungermannia) Heeg, Die Lebermoose Nieder- 
österreichs, S. 34. 

Dalaasertobel (det. Heeg); Steinwald. 
Hygrohiella myriocarpa Spruce, On Cephalozia, p. 75. — Jungermannia myrio- 
carpa Carr. in Trans. Bot. Soc. Edinb., 1879, p. 466, PI. 18, Fig. 4. 
In einer nassen Felsennische längs des Salonienbaches im Eellsthal (ca. 
1200 m) in kleinen, weibliche und männliche Pflanzen bergenden 



Voniilborpisclio Loboriiiooso. 



247 



Raschen, die ich beim Samniohi für eine verkümmcrto Marsupclln 
hielt; sie trug ganz entwickelte Pcriantliien und icli liollto si(; wieder 
zu linden, doch blieben die Nachsucluingen vorläufig ohne Krfolg. 
Die männliche Ptlanze zeigt, abweichend von der wcibliclicn, breitere, niclit 
selten abgerundete Blattlappen, die Blätter, hohl gefaltet, stehen kaniin- 
förniig unter 45" am Stamm. Bisher nur aus dem Norden bekannt, 
wurde sie von Carriugton, 1. c, gut abgebildet, von Spruce mit vor- 
trefflicher Beschreibung in seine neue Gattung Hygrohiella aufge- 
nommen. Die Pflanze aus dem Khätikon ist dem in Hepat. Brit. exs., 
Fase. II, Nr. 96, unter Diplophi/lhim myriocarpa Carr. ausgegebenen 
Original, sowie einer von Finiand (Insel Aland) stammenden })eide 
aus dem Herbar des Herrn Jack — in allen Theilen gleich. 
Blepharostoma tricJiophtjUum (L.) Dum. 

Verbreitet in den umliegenden Wäldern. 
Änthelia julacea (Lightf.) Dum. 

Umgebung der Bielerhöhe, neben Nardia compressa und Marsupella 
emarginata. 
Odonfoschisma denudatum Dum. 

Mit Perianthien im Grossen Walser- und Klosterthal, längs der Schwarzach, 
Achrain, mit Holz bewohnenden Cephalozien, 
LopJiocolea hidentata Dum. 

Auf feuchtem Waldboden und über abgestorbenen Pflanzen bei Amberg, im 
Göfiser Wald, Laternserthal, Reilsthal. 
Lophocolea heterophylla (Schrad.) Dum. 

Verbreitet an morschem Holz. 
Lophocolea minor Nees. Spärlich zwischen Moosen an Felsen des Ardetzenberges, 
Hnrpanthiis scutatus (Web. et M.) Spruce. 

In geschlossener Decke an einem modernden Stock unter dem Stadtschroff'en, 
über Sphagnum im Winklertobel (fr. VI.), im Wirtatobel, bei Schröcken, 
Fratte im Montavon; an den letztgenannten Orten mit Gemmen, die 
neben den weiblichen und männlichen Knospen, an kurzen Aesten end- 
ständig gebildet, hellgrün, langoval (22X8^), etwas gebogen und 
quergetheilt sind. 
Harpanthus Flotowianus Nees. 

Sterile, 5 — 8 cm hohe Polster neben Scapania uliginosa bei der Albona- 
alpe (1600 m). 
Chiloscyphus polyanthus (L.) Corda. 

Waldwiese bei St. Corneli, Hohlwege bei Schellenberg, Reilsthal. 
Var. rivularis Nees. 

Quellbäche am Kristberg, unter der Zirsalpe (1400 m) ; in grossen schwim- 
menden Massen in Aubächen bei Bezau. 
Var. pallescens. 

Gam^perdon- und Laternserthal (Bäckenwald), im Winklertobel auf dem 
kalkhaltigen Glimmerschutt. 

Z. B. Ges. B. XLIV. Abb. 32 



248 



K. Loitlesberger. 



Geocälyx graveolens (Schrad.) Nees. 

lieber Moder im Auwald an der III unweit Satteins, längs des Salonien- 
baches (1400 m); vom Regen durchfeuchtet, trieb sie das eine Mal im 
Zimmer in kürzester Zeit Früchte (lY. 1893), das andere Mal brachte 
sie dieselben nicht minder zahlreich unter der Presse hervor! (V. 1894, 
Sporen 10—12^1). 
Kantia tricJiomanis Gray et B, 

Galgen wiese, Klosterthal (fr. VI.). 
Var. Neesiana Massal. et Garest. 

Formarinhöhe neben Mylia und Cephalozien (1800 m). 
Lepidozia reptans (L.) Dum. 

Allenthalben; Wälder um Amerlügen und Schwarzensee. 
Lepidozia setacea (Web.) Mitten. 

lUfälle; über Moosen an Felsen beim Eingang ins Winklertobel bei Dalaas 
(ausgegeben in „Krjptog. exsicc", Cent. I, Nr. 94); hier erbeutete ich 
im November 1892 einen tellergrossen Rasen im Stadium schönster 
Fruchtbildung (seta bis 2 cm lang!), auch an der Baumgrenze bei der 
Satteinseralpe traf ich sie mit ausgebildeten Perianthien; sie fruchtet 
im Spätsommer und Herbst. 
Bazzania trilohata (L.) Gray et B. 

Waldesrand der Galgenwiese, Victorsberg, Fratte, Nenzinger Berg im 
Gamperdon, Grosses Walserthal. 
Bazzania triangularis (Schleich.) Lindb. 

Allerorts an Silicatgestein; im Winklertobel mit entwickelten Perianthien 
(fr. im Herbste 1892). 
Trichocolea tomentella (Ehrh.) Nees. 

Göfiser Wald, am oberen Ufer des Schwarzonsees, bei Hohen weiler; stets steril. 
Blepharozia ciliaris (L.) Dum. 

Zwischen Sphagnum bei Braz. 
Var. pulclierriyna Web. 

Zum Formarinsee, unter Krummholz im Gamperdon, Fratte, Tschuggen- 
alpe, Nenzigast. 
Badula complanata (L.) Dum. 

An Waldbäumen; an Felsen vereinzelt im Reils-, Gamperdon- und Mellauthal. 
Badula Lindbergiana Gottsche. 

An Bäumen in Schluchten und Waldsümpfen mit der vorher genannten 
verbreitet: Saminathal (fr. IV., Sporen 28— 35 ^a), beim Schwarzensee, 
im Göfiser Wald, Gschwindtobel bei Egg; an einem Gneisfels längs 
des Salonienbaches (fr. V., Sporen 35— 44/^!), an Silicatblöcken vor 
Stuben am Arlberg [Badula germana Jack, Die europ. Badula -Arten). 
Porella laevigata (Schrad.) Lindb. 

Stadtschrolfen, Aelple, Fratte, Wirtatobel (Kalkfelsen), Saminathal (Strünke). 
Porella plaiijphylla (L.) Lindb. 

An Bäumen und Strünken: Ardetzenberg, Grosses Walscrthal. 



ViirarllMM-i;i seile liolicniiodsp. 



Lejvunia vdvifoUd (Kliili.) Liiidb. {scr))i/lli/ulia lÄh.}. 

Illaii bi'i Nol'ols, (i;iiu]HM'don, Kristbcrg; über Silicailelscn im Kcllslbiil 
und Nenzigast als var. planiuscula Lindb. 
l^cjcnnia calcarea Lib. 

Ueber Neclem an Kalkfelseu bei CUiiiiia, iiin den Scliwarzensee, Fulsen- 
galerien hinter Garina und unter dem Kanzele, Saniinathal,. Madonna- 
kopf bei Ludescb. 
FntUania dilafata (L.) Dum. 

An Waldbäumen wie liadula. 
FruUania JacJiii Gottsche. 

Bisher nur an einem Gneisfelsen im Rellstobel mit FruUania tamarisci 
und Lejeunia cavifolia. 
FruUania fragilifolia Tayl. 

An Tannen im Winklertobel. 
FruUania tamarisci (L.) Dum. 

An erratischen Blöcken bei Planken und im Aelplewald, über Kalk und 
Sandstein im Schwarzachthal, an Stöcken bei Uebersaxen. 
Fossomhronia pusiUa Dum. 

Lehmige Hohlwege bei Schellenberg, Göfiser Wald und Steinwald, in welchem 
sie Herr Jack schon vor Jahren sammelte, in den Holzschlägen 
zwischen Amerlügen und Frastanz (fr. VII.). 
FaUavicinia liihernica (Hook.) Gray et B. {Moerclcia Gottsche). 

Im Winklertobel neben Jungermannia MueUeri und Aneura pinguis. 
PaUavicinia Blyttii (Moerck) Lindb. 

Umgebung der Albonaalpe, zwischen dieser und der Satteinseralpe (1500 
bis 1800 m) über Humusboden eingestreut in den dortigen Vaccinium- 
Beständen, in Gesellschaft von Nardia scalaris, Jungermannia Floerlcei, 
Kantia, Cephalozien und hie und da Haplomitrium. 
Kobuster als die vorige und bedeutend spröder; letzthin heimgebrachte 
weibliche Pflanzen fruchten jetzt (VII.) im Zimmer; Sporen 34—4'2/u, 
die auf ihrer Oberfläche unregelmässig sitzenden, verbreiterten Protu- 
beranzen 3—4 /ii lang. 
PeUia cpiphyUa Corda. 

Torfgräben zwischen Tisis und Mauren (Lichtenstein, fr. IV.), Sumpf- 
wiesen des Göfiser Waldes. 
PeUia Neesiana Limpr. 

Gemein im Rellsthaltobel neben Blasia (fr. V.); die häufigste FeUia im 
Silicatboden des Klosterthals (1000— 1500 w), bei Schröcken und im 
Saminathal. 
PeUia endiviaefolia Dum. {calycina Nees). 

Quellbach bei Schaanwald, Rheinauen bei Bendern (Lichtenstein, fr. IV.), 
Illauen; als var. furcigera in lehmigen Waldwegen, sogar auf Feldern 
längs der III bei Giesingen. 

32* 



250 



K. Loitlesterger. Vorarlbergische Lebermoose. 



Blasia pusilla L. 

Längs der Wasserläufe im Urgestein: Kristberg, Nenzigast, Kellsthal (fr. V.). 
Aneura pinguis (L.) Dum. 

Einnsale bei Amerlügen, Rheinauen. 
Aneura muUifida (L.) Dum. 

Torfgräben gegen Mauren (fr. V.), Göfiser Wald, am Salonienbach. 
Aneura latifrons Lindb. 

Mit der folgenden im Walde am Nordabhange des Aelple. 
Aneura palmata Dum. 

An faulendem Holz: Aelple, Steinwald, Laternser- und Mellauthal. 
Metzgeria furcata Lindb. 

Saminathal, Ardetzenberg (Buchenwald). 
Metzgeria conjugata Lindb. 

Känzele (fr. IX.), Silicatfelsen im Rellsthal, Montavon. 
Metzgeria pubescens Raddi. 

An Kalk im Samina-, Gamperdon-, Mellauthal, Wirtatobel, bei Tschagguns. 
Lunularia cruciata Dum. 

Unter Marchantia im botanischen Garten der „Stella matutina". (Mit 
Brutbechern.) 
Marchantia polymorpha L. 

An quelligen Stellen allerorten. 
Preissia quadrata (Scop.) Bernet [commutata Nees). 

III- und Rheinauen mit Pellia; längs der Plussläufe im Kalk; über 
Nagelfluh im Gschwindtobel (Bregen zer Wald). 
Conoceplialus conicus Dum. 

In den genannten Tobein; unter dem Stadtschroffen, am Schwarzensee, am 
Wege ins Gamperdon. 
Rieda glauca L. 

Felder im lUthal, besonders um Giesingen und Nofels. 
Riccia crystallina L. 

Auwege zwischen Bendern und Schaan (Licht enstein), stellenweise mit 
der vorgenannten bei Giesingen. 
Anthoceros punctatus L. 

Auf Feldern in Stein bei Feldkirch 



Nachtrag. 

In J. Breidler's „Die Lebermoose Steiermarks" (Mittheil, des natur- 
wissenschaftl, Ver. f. Steiermark, Jahrg. 1893) erscheinen unter anderen Stand- 
ortsangaben hauptsächlich vom Gross-Vermont und dem Aweilkopf auch Asterella 
Lindenbergiana Lindb. von der Todtenalpe der Scesaplana und Jungermannia 
Kunzeana Hüben von der Grenze am Zeinisjoch angeführt. 



251 



Beiträge zur Naturgeseliielite der Meloidengattuug 

Lytta Fab. 

Von 

Dl. K. Esclierich. 

(Mit Tafel VIII— X, Fig. 1 auf Tafel XI und 2 Figuren im Texte.) 

(Vorgelegt in der Versammlung am 7. November 1894.) 

1. Capitel. 

Allgemeines (Geschichte, Metamorphose etc.). 

Keine Coleopterenfamilie hat die Naturforscher so sehr beschäftigt als die 
Familie der Meloiden, und unter diesen die Gattung Lytta Fab. Physiologen, 
Biologen, Auatomen, Pharmacologen, Medi einer und Systematiker haben sich für 
diese Thiere interessirt und eingehend damit beschäftigt. Mit Eecht, bieten denn 
auch diese Insecten des Interessanten und Wissenswerthen genug, um auf eine 
Bevorzugung seitens der Naturforscher Anspruch machen zu dürfen. 

In Folge der eigenthümlichen b 1 a s e n z i e h e n d e n, e n t z ü n d u n g s e r r e g e n- 
den Beschaffenheit haben die genannten Käfer schon die Aufmerksamkeit 
der alten Griechen und Römer auf sich gezogen. Der weise Aristoteles erwähnt 
schon die Canthariden (IIspi xa X>^ol latop(ai), und Plinius^) berichtet über die 
Giftigkeit und die Heilkraft derselben. So stark sollte die erstere sein, dass ein 
Rind, welches einen solchen Käfer (resp. einen Meloe) zufällig verschluckte, von 
einer solchen Entzündung befallen wurde, dass es platzte. 

Die Giftigkeit der Canthariden muss im Alterthume allgemein bekannt 
gewesen sein, da man sie sogar den zum Tode Verurtheilten an Stelle des 
gewöhnlichen Schierlingstrankes verabreichte. Bei Cicero finden sich zwei 
Stellen, in denen der Canthariden erwähnt wird; einmal, Cicero, Tuscul., V, 
40. 117: „Theodoras Lysimacho mortem minitandi: Magnum vero, inquit, efFe- 
cisti, si cantharidis vim consecutus es." „Du hast in der That etwas Grosses 



Hist. nat., Lib. 11. 41. 



252 



K. Escherich. 



erreicht, wenn du es bis zur Macht einer Cantharis gebracht hast."*) Eine zweite 
Stelle in Cicero, Ad famil,, IX, 21. 3 lautet: „G. Garbo accusante Grasso can- 
tharidas sumpsisse dicitur."^) 

Ueber die Heilkraft der Meloiden wurde unglaublich viel geschrieben 
und disputirt. Der berühmte griechische Arzt Hippokrates^) führte dieses 
Medicament in die medicinische Wissenschaft ein, und zwar zur Heilung von 
schmutzigen Geschwüren; er empfiehlt ein Gemisch, xb xapubv genannt, das 
folgend ermassen zusammengesetzt ist: „veratro nigro, sondaracha, aeris squa- 
ma, plumbo eloto, cum multo sulphure, auripigmento et cantharidibus." 
Auch die schädliche Wirkung auf die Blase, ferner die harntreibende, diuretische 
Wirkung war dem Vater der Medicin schon bekannt 

Aretaeus Cappadox,*) der unter Kaiser Trajanus zu Rom lebte und 
sehr grosses Ansehen genoss, empfiehlt die Ganthariden gegen Epilepsie, sein 
Zeitgenosse Dioscorid^) gegen Lepra, Garcinom und Hautausschläge, ferner 
als Diureticum. Galenus und Aetius^) empfehlen ebenfalls dieses Mittel gegen 
verschiedene Krankheiten; immer grösser wurde das Ansehen der Ganthariden, 
immer vielseitiger die Verwendung, so dass sie allmälig ein Universalmittel 
gegen fast alle Krankheiten geworden, welchen Rufes sie sich noch Ende des 
vorigen und Anfang unseres Jahrhunderts erfreuten. Man möge nur die inter- 
essante, umfangreiche Schrift von R.Forsten, „Gantharidum historia naturalis" 
(1775), lesen, um einen Begriff von der grossen Bedeutung, die die Lytta vesi- 
catoria in der damaligen Zeit in der Medicin spielte, zu bekommen. Wasser- 
scheu, Fieber, Keuchhusten, Wassersucht, Rippenfellentzündung, Nieren- und 
Blasenleiden aller Art, und besonders die verschiedenen Affectionen des Nerven- 
systems, alle diese Gebrechen der Menschheit sollten durch Anwendung der 
spanischen Fliege geheilt oder wenigstens gebessert werden. Auch als den 
Geschlechtstrieb vermehrendes Mittel, als sogenanntes Aphrodisiacum, standen 
die Ganthariden schon im Alterthume in hohem Ansehen und auch heute noch 
wird in dieser Richtung Missbrauch getrieben;') die sogenannten „Liebestränke" 
(Wein, Punsch etc. versetzt mit pulverisirten Ganthariden) bilden gar nicht 
selten den Gegenstand forensischer Untersuchung. Interessant ist, dass schon im 
Alterthume den römischen Salbenhändlern (pignientarii) der unvorsichtige Ver- 
kauf der Ganthariden verboten war, was aus L. 3, §. 3, D. ad Leg. Gornel. de 
sicariis et veneficis, 48. 8. hervorgeht:^) „Alio Senatus consulto etFectum est, ut 



1) Lysimachus liess den Tlieodorus (von Cyrene) 280 v. Chr. wegen freier Aeusserungcu 
hinricTiten. 

2) In selbstmörderischer Absicht. 

^) Conf. Ei(6rstcn, Hist. nat. cant., 1875, p. 58. 

^) De curat, acut, et diuturn. morb., Lih. IV, Osoniae, 1423. 

ä) De Mat. Med., Lib. II, Cap. 54. 

*■■) Tetrabibl., II, Lerm., II, Cap. etc. 

Mit den verschiedensten Namen wurden diese Präparate beglückt : Diabolini de Naples, 
Beauraes de Gilead, Beaumes de Salomen, Tablettes de Ginseng, Pastilles aromatiques etc. (Beau- 
regard). 

Marcianus, Liber quartus institutionem. 



Hoitrftffo /.ur NiitiirROschiclito <l<>r Moloidonpalf nnp /,»///« Fal), 



25-5 



liigmontarii, si ciii loinerc ('icutain, Salaiiiaudraiii, Aconitum, l'il uocaiiipiis auf, 
Bubrostim, Maiulragorani, et id (luod lustrami'nti causa, dcdcriiif, (lantharides, 
poena teueantur liuius legis etc."''^) 

Uol)er die Art der Aiiweudung wurde auch viel gestritten; die Einen 
sclirieben den Flügeldecken allein Heilkraft zu, während der übrige Theil des 
Thieres giftig sein sollte (PI i u ins), Andere dagegen benützten nur das Abdomen, 
nachdem sie Beine, Kopf und Flügeldecken getrennt hatten; man gab die Käfer 
ganz, pulverisirt oder als Extract. Lange wurde darüber disputirt, in welcher 
Form die Canthariden am wirksamsten seien, worüber man in den verschiedenen 
Jahrgängen (1820, 1828, 1829 etc.) des Journ. d. Pharmacie nachlesen möge 
(Fariue, De rh ei nies de Saint- Omer, Limouz in-Lamothe und andere 
Autoreu). 

So gross das Ansehen war, das die spanische Fliege vom Alterthume bis 
zum Ende des vorigen Jahrhunderts genoss, so kleinlich und unbedeutend ist 
die Rolle, die sie in der jetzigen Therapie spielt. Höchstens noch als ent- 
zündungserregendes, ableitendes Mittel wird sie, respective der extrahirte wirk- 
same Stoif, äusserlich in Form von Pflaster gegeben; ferner will man auch 
durch das Cantharidin den Haarwuchs befördern können, was aber mehr als 
zweifelhaft sein dürfte. Vor einigen Jahren glaubte man in dem cantharidin- 
sauerem Kali ein Specificum gegen Tuberculose gefunden zu haben (Liebreich), 
welche Hotfnung sich aber leider nur zu bald als nichtig erwies. 

Der wirksame, blasenziehende Stoff ist das Cantharidin, ent- 
deckt von Robiquet 1810 (Ann. de Chimie, Tom. 7G, 1810, p. 302); über den 
Sitz desselben wurden die verschiedensten Ansichten aufgestellt; nach einigen 
Autoren sollte es in den harten Bestandtheilen (Kopf, Flügeldecken, Beine) ent- 
halten sein, nach anderen in den weichen Partieen (Abdomen). Fariue s und 
Zier^) geben die Genitalorgane (besonders den Eierstock) als den Hauptsitz 
an, und berichten, dass die Thiere, die während der Copula gefangen wurden, 
mehr Cantharidin enthielten, als die anderen."*) 

Eingehende Untersuchungen in dieser Richtung machte ferner Leidy, 
der zu folgendem Schlüsse kommt: „Das blasenziehende Princip der Lytta vittata 
scheint im Blute, in dem Inhalte einiger accessorischer Drüsen der Genital- 
organe und in den Eiern ihren Sitz zu haben." ^) 

Auch F. Leydig beschäftigte sich mit dieser Frage und spricht 
die Ansicht aus, dass das Cantharidin ein Bestandtheil der Blut- 



') Manche Autoren übersetzen „lustramenti causa": zum Zwecke der Reinigung, als Eeinigungs- 
mittel etc. und beziehen sich auf eine Stelle in Galen (De simplic. medicam., Lib.4): KavOapi? 
OiaxaOaipsi vscppou? (Cantharis reinigt die Nieren). — Nach meiner Ansicht ist es viel richtiger, 
lustramentum von lustrum = Bordell, lustrare = Huren abzuleiten; denn jedenfalls wurden von den 
Griechen und Römern die Canthariden zu diesem Zwecke mehr begehrt als zum „Nierenreinigen". 

-) lieber die Canthariden als Aphrodisiacum lese man den betreffenden Abschnitt in der 
oben erwähnten Dissertatio von Forsten nach, der dort äusserst drastische Beispiele anführt. 

3) Brandes, Archiv, XXIII, S. 26. 

") Farines in: .Tourn. d. Pharmacie, Tom. 15, 1829, p. 2G7. 
^) Amer. Journ. of the Medic. Sciences, 1800. 



254 



K. Escherich. 



fiüssigkeit sei. ^) In neuester Zeit wurde diese Ansicht bestätigt durch 
Cuenot.-) 

Beauregard dagegen, der ein sehr umfangreiches Werk (Les insectes 
vesicants, Paris, 1890) über die Meloiden geschrieben, stellt sich auf denselben 
Standpunkt wie Leidy und geht sogar noch etwas weiter, indem er die Bil- 
dungsstätte des Cantharidins in die acce ssorischen Drüsen des 
Genitalsystems verlegen zu dürfen glaubt (p. 179). Dies ist höchst unwahr- 
scheinlich, denn wie sollte das hier gebildete Cantharidin in die Blutflüssigkeit 
gelangen, die aus den Fussgelenkeu hervorquillt? Ferner sind ja auch die 
kleinsten Larven, bei denen diese Anhangsdrüsen noch gar nicht gebildet 
sind, nach den Angaben von Beauregard schon blasenziehend. Gegen den 
Satz dagegen, den genannter Autor weiter unten (p. 180) ausspricht: „en re- 
sume, le siege du principe actif chez les vesicants est parfaitement localise, 
d'une part dans les organes genitaux, et d'autre part dans le sang", ist nichts 
einzuwenden. 

Wenn auch das Cantharidin sich in der langen Anhangsdrüse (Mesadenic) 
des Vas deferens in grösserer Quantität findet, so folgt daraus noch lange 
nicht, dass dasselbe dort secernirt wird. Es kann auch durch Osmose 
dorthin gelangen, was mir um so wahrscheinlicher dünkt, als die Wand der 
fraglichen Drüsen ungeheuer zart und dünn ist, nur aus einer dünnen 
Zellenlage besteht, die Drüse selbst sehr lang und vielfach gewunden ist und 
einen ziemlichen Eaum im Abdomen einnimmt, also mit dem Blute in aus- 
reichende Berührung kommt. Die Bedingungen für osmotische Pro- 
cesse sind durch den Bau der Drüse vollkommen gegeben. Es 
wäre auch höchst merkwürdig, wenn derselbe Stoff, der ein integrirender 
Bestandtheil der Blutflüssigkeit ist, ganz unabhängig, zufällig auch in einer 
Drüse secernirt werden sollte. 

Die biologische Bedeutung des Cantharidins für das Individuum 
soll darin bestehen, dass es einen Schutz gegen Angriff'e seitens der Vögel etc. 
gewähren soll (Cuenot, 1. c). Ganz zutreffend dürfte diese Ansicht nicht sein, 
nachdem ich im Magen eines schwarzstirnigen Würgers (Lanius minor), 
den ich der Güte des Herrn Dr. C. Parrot in München verdankte, einen Meloe 
proscarabaeus fand. Ferner ist auch durch andere Autoren festgestellt, dass 
das Cantharidin für manche Thiere ohne jede Wirkung ist, z. B. für 
Igel, Hühner, Truthühner und Frösche; dagegen für andere Thiere ein starkes 
Gift, z. B. für Kaninchen, Hunde, Katzen und Enten (vgl. Drage ndorf. Die 
gerichtlich- chemische Ermittlung von Giften, Petersburg, 1876, S. 288). Es wäre 
eine sehr dankenswerthe Aufgabe der Biologen, diese interessante Frage weiter 
zu verfolgen. 

lieber die Metamorphose der Lytta vesicatoria wussten wir bis vor 
fünfzehn Jahren so viel wie gar nichts. Man kannte zwar die erste Larve, 



') Müll., Archiv, 1859. 

2) Bull. Soc. zool. Franco, Tom. 15, Nr. fi, p. 124—128. 



Hoitrilpn v.wr NaliirRoscliiclito dor IVIoloidciifjiiI I uiip /.t/lta. I'ali, 



bosohrit'b sio und bildcto sie ;il>, doch üIxm- ihre LidxMiswoiso und ilirc Wcitor- 
iMitwioklung- golang os nicht, Aufsdihiss zu erhalten. Nur dariil)er wurde man 
bald klar, dass die Nahrung, überhaupt die Lebensweise von der der Meloe- und 
ÄVon.s-Larven verschieden sei (Zier, Ratzeburg etc.). Erst im Jahre 1878 
gelang es L ichtenstein,^) die ganze Metamorphose zu verfolgen; jedoch sind 
seine Angaben sehr unvollständig. Beauregard versuchte fünf Jahre später 
ebenfalls die Aufzucht der Ljjtta aus dem Ei und hatte dabei die besten 
Resultate; er beschreibt die Versuche, die er angestellt, die Lebensweise der 
einzelnen Larvenstadien, die Anatomie etc. mit grosser Ausführlichkeit und 
Genauigkeit in seinem ausgezeichneten Werke „Les insectes vesicants" und 
gibt sehr schöne und zahlreiche Abbildungen dazu. i]s ist hier nicht der Platz, 
eine ausführliche Uebersetzung der Arbeit Beauregard's zu geben, sondern 
ich muss mich damit begnügen, in ganz kurzen Zügen die Metamorphose vor- 
zuführen. 

Die Eierablage erfolgt gewöhnlich im Monate Juni, und zwar auf Art 
der meisten Meloiden, in den Boden (in Haufen von 50—200 Stück). Das ein- 
zelne Ei misst 15 mm in der Länge und circa 5 mm in der Breite; seine 
Farbe ist anfangs schwefelgelb, verblasst aber (nach circa 14 Tagen) mehr und 
mehr, und nach drei Wochen kann man schon ganz deutlich den im Chorion 
liegenden Embryo durchschimmern sehen (die Augen, die braunen Maxillen, die 
Segmentation etc.), wie ich in diesem Jahre selbst zu beobachten Gelegenheit 
hatte. Circa vier Wochen nach der Eiablage erscheinen die jungen Larven; sie 
sind anfangs einfarbig gelb, nach 1—2 Tagen aber bekommen Kopf und erstes 
Thoracalsegment eine braune Färbung, die übrigen Segmente werden schwarz, 
nur die zwei letzten behalten die ursprüngliche gelbliche Färbung. Das erste 
Thoracalsegment zeichnet sich vor den übrigen durch seine Länge aus; es ist 
ebenso lang als breit, während die übrigen bedeutend breiter als lang sind. 
Stigmenpaare sind neun vorhanden: ein Mesothoracalstigma und acht Paare 
Abdominalstigmen (Segment 1—8). Das Abdomen besitzt neun Segmente (nach 
der Abbildung von Beauregard); jedes Segment ist an dem Hinterrand 
mit langen Borstenhaaren besetzt; das letzte ist durch zwei sehr lange (an 
Länge den drei letzten Segmenten gleichkommende) Borsten ausgezeichnet. Die 
Mandibeln sind sehr kräftig ausgebildet und an ihrer Innenseite ge- 
zähnelt. 

Dieser kleine Dreiklauer (Triongulin) geht, nachdem er dem Ei entschlüpft, 
einen ganz anderen Weg als seine Verwandten (Meloe, Sitaris); nicht Blüthen 
sucht er zu erklimmen, um dort eine honigsammelnde Biene zu überfallen; nein 
im Gegentheil: er strebt der finsteren Erde zu, vergräbt sich hier und 
bleibt mehrere Tage, bis sein Skelet die nöthige Härte bekommen, unthätig 
liegen. Erst wenn ihn der Hunger plagt, macht er sich auf die Wanderung 
und sucht die Nester mehrerer unter der Erde bauender Hymenopteren auf. 



Ann. d.Soc.ent. France (Bull.), 1875 und 1879 und Comptes rendusAcad. Sc, Tom. LXXXVIII, 
Nr. 21, 1879. 

Z. B. Ges. B. XLIV. Abb. 33 



256 



K. Esclierich. 



Besonders zu bevorzugen scheinen die jungen Larven die Zellen von Col- 
letes, deren äusserst zarte membranöse Haut den kräftigen Mandibeln keinen 
Widerstand bieten kann, auch, die Bauten von Megachile und Halictus 
scheinen sie nicht zu verschmähen. Nachdem nun die Larve in eine Zelle ein- 
gedrungen ist, stürzt sie sich nicht auf das darin befindliche Ei, sondern hält 
sich am ßande des Honigsees fest und schlürft in tiefen Zügen die süsse Flüssig- 
keit, bis das Thier eine solche Grösse erreicht hat, dass es auf dem Honig zu 
schwimmen vermag. 

Nach wenigen (8—10) Tagen verwandelt sich die erste Larve in die 
zweite. Dieselbe unterscheidet sich von der ersten durch den Besitz von nur 
einer Klaue, durch die einfärbig grau weisse Färbung, das dickere un- 
behaarte Abdomen, durch die kürzeren, aber stärkeren Mandibeln etc. 
Die zweite Larve verbleibt vorläufig in derselben Zelle, bis der Honig ganz 
aufgezehrt ist; dann macht sie sich auf die Wanderung und beglückt andere 
Zellen mit ihrem Besuche. Denn der Honig einer einzigen Zelle würde, 
wie Beauregard durch Experimente festgestellt, bei weitem nicht den 
Bedürfnissen unseres Thieres entsprechen. Man kann dies auch dar- 
aus ersehen, dass die Larve in dieser Zeit von 2 mm Länge bis zu 20 mm 
heranwächst und sie zwei Häutungen durchzumachen hat. Wenn sie diese 
Grösse erreicht haben (10. — 14. Tag), verlassen sie ihre Nahrungsquelle (die 
Zelle) und steigen noch tiefer in die Erde hinab (bis zu Iw Tiefe), bauen 
sich dort eine Höhle, und nachdem sie eine dritte Häutung durchgemacht, ver- 
wandeln sie sich in das dritte Stadium der Meloidenmetamorphose, von Fahre 
als „Pseudochrysalide" bezeichnet. 

In neuester Zeit machte J. Künkel d'Herculais ^) in einer inter- 
essanten Notiz darauf aufmerksam, dass der Ausdruck „Pseudochrysalide" un- 
passend sei, da ja eine Larve und nicht eine Chrjsalide in der Umhüllung ent- 
halten sei. Künkel d'Herculais vergleicht die Pseudochrysalide mit einer 
Cyste, mit der Encystirung, wie man Beispiele genug im Thierreiche hat, 
z. B. bei den Protozoen, den Flagellaten, den Nematoden etc. Dieser Vergleich 
ist nach meiner Meinung sehr richtig; die Larven machen ja gar keine Ver- 
änderung während der „Pseudochrysalidenzeit" durch, und die Dauer dieser Zeit 
kann sehr verschieden sein (von neun Monaten bis drei Jahre). Die Entwicklung 
der Meloiden geht so rasch, dass die neue Generation noch in demselben 
Jahre erscheinen würde, und dann in Folge Nahrungsmangels und Kälte zu 
Grunde ginge. Um diesem vorzubeugen, ist eben ein Euhestadium, eine En- 
cystirung noth wendig. Künkel d'Herculais schlägt vor, den Namen „Pseudo- 
chrysalide" durch „Hypnotheque" zu ersetzen, und die ebenfalls unpassende Be- 
zeichnung „Hypermetamorphose" durch „Hypnodie". Ich möchte mir erlauben, 
die Pseudochrysalide einfach als „Cyste" oder „Cystenstadium" zu bezeichnen. 

Um nun wieder zur Metamorphose von Lijtta vesicatoria zurückzukommen, 
so ist der weitere Verlauf folgender: Nachdem sich also die zweite Larve (circa 



') Ann. (1. Soc. ent. France, 1894, p. 130. 



|!ci(rii)?o /.iir NiitiirRoscliii-hlo d. r Mi loidiMipiiKiiiiR l.iitli> 



257 



(Iri'i VVoc-heu luicli dem Aiisscbluprcn) (Micystii l h;i,t (1 vi imloi- dci- l'jdc), vcrbloilil 
sie hier als Cysto bis zum ii:ubs((Mi Ki übjalir (oder no(;li oiii Jahr län^,'ei ). Dann 
erscheint die dritte i^arve, die sieh vollständig von dci* Cystenhaut befreit und 
der zweiten Larve sehr iihnlieh ist. Die Nyni})he erscheint nach zehn Tagen 
und nach weiteren 10 — 14 Tagen ist das Jnsect fertig. 

Die ganze Entwicklung von Lytta refiicatoria dauert also gewi)hnlich 
10—11 Monate, nur wenn das Cystenstadium länger dauert, so können fast zwei 
Jahre vergehen. Die Metamorphose bietet mancherlei Dilfercnzcn gegenüber 
derjenigen anderer Meloiden, worüber unten im systematischen Theilc noch die 
Rede sein wird. 

* 

Bevor ich den allgemeinen Theil verlasse, muss ich noch auf einen Punkt 
eingehen, nämlich auf die Nomencia tu r: hat unsere Gattung oder 
Cantharis zu heisseu'? Eine Uneinigkeit herrscht über diesen Punkt gegen- 
wärtig in den Catalogen und Monographien, wie sie grösser nicht sein könnte. 
Und doch liegt die Sache so einfach. 

Linne^) schuf im Jahre 1736 die Gattung Cantharis für die Käfer, die 
später (1766) von Schäffer^) TelepJiorus genannt wurden; hier hat doch der 
Linne 'sehe Name die Priorität. Im Jahre 1764 (oder später) wandte Geof- 
froy^) den Namen Cantharis für die officinelle spanische Fliege an und Fa- 
bricius*) änderte diesen Namen, um Collisionen mit der prioritätsberechtigten 
Gattung Cantharis Linne zu verhüten, in Lytta um (1775). Diese Handlungs- 
weise von Fabricius ist vollkommen exact und entspricht ganz den mo- 
dernen Gesetzen der Nomenclatur. Unsere Gattung hat auf jeden Fall „Lytta^^ 
zu heissen. 

Der Grund, den Katter^) gegen die Einführung des Namens Lytta an- 
gibt, dass nämlich der Name Cantharis deswegen an Stelle von Lytta zu treten 
habe, weil „die alten Eömer und Griechen dieselben Käfer mit dem Namen 
Canthariden bezeichneten, die wir auch heute Canthariden nennen", wird wohl 
keinem mit nomenclatorischen Gesetzen vertrauten Zoologen Schwierigkeiten 
bereiten. Auch ist längst bekannt, dass die KavOapt? der Griechen gar keine 
Lytta war, sondern eine Zonahris (cichorii). In Rom dürften mehrere Meloiden 
(vielleicht auch Lytta) unten dem Namen KavGapt; bekannt gewesen sein. 

Zum Schlüsse endlich kann ich mir nicht versagen, den vielen hoch- 
geschätzten Herren, die mich in der liebenswürdigsten Weise bei vorliegender 
Arbeit unterstützten, hier meinen herzlichsten Dank auszusprechen. Es ist dies vor 



1) Act. Upsal., 1736, p. 19. 

3) Elem. ent., 1766, Tom. 123. 

^) Hist. des Insect. des Env. de Paris, I, p. 330. 

Syst. ent., 1775, p. 260. 
5) Monogr. Meloe, 1883, S. 5. 

33* 



258 



K. Esche ricli. 



Allem Herr Geheiinratli Prof. Dr. F. Leydig, ferner Herr Dr. Kraatz in Berlin, 
der mir alle schwer zugängliche Literatur zur Verfügung stellte; L. Gangibauer 
in Wien, G. Severin in Brüssel und J. v. Frivaldszky in Budapest: für üeber- 
lassung des Materials des k. k. Hofmuseums in Wien, des Musee royal d'histoire na- 
turelle de Belgique und des k. ungarischen Nationalmuseums. Ferner schulde ich 
Dank meinem verehrten Freund E. Reitter in Paskau für Uebersendung seines 
Sammlungsmaterials, E. Ragnsa in Palermo für eine Anzahl Cantharis segetum 
Fab., Dr. K. M. Heller für Aufschluss über die im Dresdener Museum enthaltene 
Lytta palaestina Kirsch., Herrn Prof. G. Steinmetz in Regensburg für die 
werthvollen Rathschläge beim Studium der lateinischen und griechischen Lite- 
ratur und Dr. Staudinger in Blasewitz für Uebersendung seines feinen turke- 
stani sehen Materials. 

2. Capitel. 

lieber den Bau des Abdomens und des Genitalsystems. 

Nicht nur für den vergleichenden Anatomen, sondern auch für den reinen 
Systematiker ist das Studium des Insectenabdomens und der Geuitalanhänge 
unbedingte Forderung geworden. Allerdings ist die Präcisirung der Grenzen des 
systematischen Werthes der genannten Skelettheile heute noch ein Ding der Un- 
möglichkeit und gehören dazu noch eine Unzahl von genauesten Untersuchungen, 
die immerhin noch mehr als einige Jahre beanspruchen dürften. Als durchaus 
verfrüht und unstatthaft muss es deshalb bezeichnet werden, wenn man sich mit 
ein Paar oberflächlichen Untersuchungen über das Abdomen begnügt, um Aende- 
rungen in unserem jetzigen Systeme vorzunehmen, das keineswegs so werthlos 
und gekünstelt sein dürfte, als es jüngst von einem Autor hingestellt wurde. 

Eines wissen wir schon mit ziemlicher Sicherheit, nämlich dass die Form 
der Genitalanhänge für die Speeles charakteristisch ist. Die Unter- 
suchungen hierüber sind so zahlreich, das Urtheil aller Autoren so überein- 
stimmend, dass wir diesen Satz wohl als feststehend betrachten dürfen. Auch 
in der Gattung Lytta Fab. trilft dies in der vollkommensten Weise zu, wie unten 
des Näheren ausgeführt wird. 

Das Abdomen. 

Was das Abdomen von Lytta vesicatoria L. betrifft, so ist es beim 
folgendermassen zusammengesetzt : 

Di_8 vollständig, normal, sichtbar. 

Dg getheilt, weit getrennt, nur noch in zwei dreieckigen behaarten Platten 

erhalten, die vertical stehen. 
Dio getheilt, jedoch einander genähert, über der Afteröffnung liegend. 
Fl fehlt. 

F2 stark reducirt, getheilt, als kleine dreieckige Plättchen, unter den Hinter- 
hüften verborgen. 



Hoitnipr zur N:aiilgflSühirlUo dci iHMl. riKad miR /-.'/'/" I'nl'. 25^' 

Va-H normiil, stark cliil iuisirt, si(Oit.h;ir. 

Vh JIM der Spitze linlhkroisrörmig aus^csdmil (cii iiiid iiiicli iiiiicii miij^csrliln^n-ii, 
so dass auf der luui'iiscite des Abdomens sich ein 'J'lieil der äusseren grün- 
glänzenden Fläche befindet (Taf. VHI, Fig. (3). 

To in Form eines dünnen, am hinteren Ende sich gabeluden Stalxis. An den 
beiden Zinken heften sich die beiden Flutten des Do au (Taf. VIII, Fig. 10). 

l'io uugetheilt, schwach chitiuisirt, grünglänzend, unter der Afteröff'nung 
liegend. 

In dem Öegmentriuge 9, der von der Gabel und den beiden Platten des 
J>j, gebildet wird, liegt der Copulationsapparat. 

In dem Segmentringe 10, der gebildet wird von der getheilten Dm und 
der ungetheilten Fjo, liegt die Afteröttnung. 

Fio scheidet die Afterötfnuug von der Geschlechtsöflfuung. 

Die Formel für das männliche Abdomen von Lytta vesicatoria ist also 
folgende : 

A A A D4 -P5 A A [D9I [DioV) 
(Fx) [V,] V, V, F5 Fe F, Vs [F9] [Fio] 

Das weibliche Abdomeu vei'hält sich in Bezug auf Segment 1 — 8 wie das 
männliche. 

A getheilt, zwei längliche ovale Platten. 
Ao ebenso. 

F9 getheilt. zwei grössere, ungefähr i-echteckige Platten; auf diesen sitzen ge- 
lenkig verbunden zwei kleine behaarte Stäbchen, die Styli (sternorhabdites 
Lacaze-Duthier's). 

Die Formel für das weibliche Abdomen ist also: 

A A A A A A Dl A [A] [Ao] 

(Vr) [V,] F3 F4 F5 Fe V, F« [V,] (Fio) 

Stigmen sind sieben Paare vorhanden; das Stigmenpaar des ersten Seg- 
mentes ist sehr gross, lang-oval, fast schlitzförmig (Metathoracalstigma) ; die 
übrigen (2 — 7) sind mehr rund und liegen in der Pleurahaut ganz dem Eande 
der Ventralplatten genähert. Stigma 2 und 3 liegen mehr gegenüber des vorderen 
Eckes der Ventralplatten, die übrigen nähern sich mehr und mehr der Mitte des 
Randes derselben (Taf. VIII, Fig. 1). 

Die fünf Arten, die ich in Bezug auf das Abdomen untersucht, stimmen 
mit dem von Lytta vesicatoria überein, mit Ausnahme kleiner Differenzen in 
der Form von A und Ao, F9 und Fio- 

Lagorina sericea dagegen, die man bisher zu Lytta gestellt, weicht 
ziemlich erheblich davon ab, und zwar hauptsächlich in Bezug auf A — A- 



1) Die mit [ ] versehenen Platten sind in modificirter Form vorhanden, die mit ( ) versehenen 
fehlen ganz. Die ohne Zeichen sind aussen sichtbar. 



260 



K. Escherich. 



Diese PlatteD sind nämlicli in ihrer Breite stark reducirt, und in Folge dessen 
gewinnt die Pleurahaut ganz beträchtlich an Ausdehnung (Taf. VIII, Fig. 3). 
Dio besteht nicht wie bei vesicatoria a.us zwei dreieckigen, genäherten Platten, 
sondern nur aus zwei weit getrennten schmalen gebogenen Stücken, die ich als 
Fragmente eines vollständigen halbkreisförmigen Bogens auffasse. Fjo ist nur in 
zwei kleinen getheilten runden Plättchen erhalten. 

Die Zehngliedrigkeit des Insecteuabdomens, die J. Kolbe ^) zuerst näher 
begründete, lässt sich also bei Lytta unschwer nachweisen. 

Beauregard beschäftigt sich ziemlich eingehend mit dem Abdomen der 
Meloiden,^) nimmt aber nur neun Segmente an, da er die Gabel und die beiden 
Platten des Dg nicht für Segmentrudimente hält. Vio bezeichnet er als Fg, 
Dio als Dg. Die beiden Platten des Fg nennt er „les epimerites du neuvieme 
zoonite". Die Gabel (Fg) hält er für ein Gebilde für sich: Enfin, tout ä fait ä 
la face ventrale, immediatement au-dessus du huitieme sternite, on trouve une 
piece chitineuse (Piece anale inferieure, d'apres Strauss-Du rkheim), sorte de 
longue tige mediane (Y) epaisse, dirigee parallelement au grand axe du corps et 
qui, posterieurement, se bifurque en deux longues branches divergentes. Cette 
piece impaire affecte la forme de l'Y et, par son extremite inferieure, est fixee 
ä la base de l'organe copulateur. Des muscles retrac- 
teurs s'y attachent. Chacun de ses branches se pro- 
longe lateralement jusqu'ä l'epimerite correspondant 
Sur lequel eile s appuie. ^) 

Diese Darstellung des neunten Segmentringes 
ist, obwohl unter anderer Bezeichnung, sehr brauch- 
bar; überhaupt ist Beauregard's Bearbeitung des 
Abdomens sehr genau und klar. Besonders werthvoll 
für das Verständniss sind seine prächtigen Diagramme 
durch das Hinterende des Abdomens, von denen ich 
das von Lytta (cT) hier wiederzugeben mir erlaube 
(mit den Aenderungen in der Bezeichnung). Auch 
in dem Diagramme durch das weibliche Abdomen gibt Beauregard eine Fxo 
(resp. Fg) an, die ich aber nicht constatiren konnte. 

Auch Verhoeff berichtet in seiner Arbeit über das Abdomen der Coleo- 
pteren*) einiges über das Abdomen der Meloiden. Doch entspricht seine Dar- 
stellung in vielen Punkten nicht den Thatsachen, so in Bezug auf F2, Di 
und D2, Fio etc.^) 




') Einführung in die Kenntn. d. Ins., S. 305. 

2) 1. c, p. 131 ff. 

•■') 1. c, p. 183. 

«) Deutsche cnt. Zeit., 1893. 

5) Da Verhoeff zu einer „heschlcunigten Tublication" veranlasst war, so ist zu ent- 
schuldigen, dass er sich um frühere Literatur gar nicht kümmerte. Von Orraancey z. B. schweigt 
Verhoeff ebenso wie von Beauregard, Lacaze-Duthiers u. A., obwohl diese schon Manches 
bringen, was Verhoeff als neue Entdeckung hinstellen zu können glaubte. 



HoitniRo zur NiilurRoscliiclito »lor MoloiilnnKiittiiiiR r.iilla Vnh. 



Dio Genitalanhänge. 

Eine ausgczoiclinote, von zahlreiclioii klaren Abbildiiiigoii hoglcitoto Ik'scliroi- 
bimg dorCouitalaiiliiinge liefert vviedeniin JJeaui-cgard in soinoni grossen Meloiden- 
vverke. Seine Darstellung stimmt vollkümmen mit meinen Untersuchungen überein, 
wonach sich der Copulatiousapparat (von vesicatoria) folgendermassen zusammensetzt : 

1. Der Penis. Derselbe ist stark chitinisirt, nach hinten zugespitzt, 
nach vorne sich erweiternd und au seinem proximalen Ende abgerundet. Er ist 
nur in seiner distalen Hälfte geschlossen gleich einer Röhre, in seiner proximalen 
Hälfte ist er auf der einen Seite offen, rinnenförmig. In dieser Rinne liegt der 
Duetuo ejaculatorius, bis er in den geschlossenen röhrenförmigen Theil eintritt. 
An dem distalen, zugespitzten Ende des Penis befinden sich auf der rechten 
(dorsalen) Seite zwei scharfe, nach vorn gerichtete Widerhaken, auf der anderen 
(ventralen) Seite liegt die OefFnung (Ostium penis), durch die der Ductus ejacu- 
latorius nach aussen mündet. Häutig ragt das Ende des letzteren etwas über 
das Ostium penis hervor und man kann dann die merkwürdige Structur der 
Intima des Ductus gewahren. Wie ich schon bei Trichodes und Zonitis be- 
schrieben, zeigt auch bei Lytta die Intima kein glattes Aussehen, sondern ist 
vielmehr mit einer Unzahl feiner Spitzen besetzt fTa.f. IX, Fig. 5b). 
Diese Structur ist nicht nur am Ende des Ductus, sondern sie lässt sich 
ziemlich weit nach vorne (proximalwärts) verfolgen. Noch eine andere 
Eigenthümlichkeit zeigt der Ductus ejaculatorius, wie sie mir bis jetzt unter 
den Käfern nicht mehr bekannt ist. In der einen Wand des Ductus ist 
nämlich ein kräftiger Widerhaken (ähnlich denen auf der anderen Seite) 
befestigt; derselbe zeigt auf der dem Ductus zugewandten Seite dieselbe rauhe, 
mit Spitzen besetzte Structur wie jener (Taf. IX, Fig. 5a). Nach 
meiner Ansicht gehört dieses Gebilde nicht zu dem Penis, sondern zu dem Ductus 
ejaculatorius und ist ein Product desselben, etwa entstanden durch besondere 
Ausbildung einer der chitinösen Spitzen der Intima. 

Da das Ende des Ductus manchmal über das Ostium penis hervorragt, 
manchmal nicht, und da ich den Widerhaken in den verschiedensten Stellungen 
fand, so ist entschieden daran zudenken, dass der Ductus nicht unbeweglich 
im Penis befestigt ist. In wie fern und in wie weit müssten Versuche am leben- 
den Thiere am besten lehren. Bei einer Lytta suturella Mut, einer Cataganae 
Pall. und mehreren anderen fand ich aus dem Ostium penis einige Millimeter 
weit den Ductus ejaculatorius ausgestülpt hervorragen; ich bildete dieses 
Stück ab (Taf. VIII, Fig. 12). Leider wissen wir über die Mechanik noch gar nichts. 

2. Die Parameren. Dieselben besitzen eine Basalplatte (le tambour 
oder piece basilaire Beauregard' s), die von den zangenförmigen Endtheilen 
getrennt, aber durch Bindegewebe fest daran geheftet ist. Der ungefähr runde 
Basaltheil liegt (in natürlicher Lage) mit der convexen Seite nach links, mit der 
concaven, schüsseiförmig ausgehöhlten Seite nach rechts gewendet. In dieser 
Aushöhlung befindet sich der proximale, rinnenförmige Abschnitt des Penis und 
eine grosse Anzahl Muskelbündel. 



262 



K. Escherich. 



Die beiden Endstücke sind auf der linken (resp. ventralen) Seite ziemlich 
weit distalwärts verAvachsen, auf der rechten (dorsalen) Seite sind sie vollständig 
getrennt. Zwischen diesen verwachsenen Endstücken der Parameren liegt der 
distale röhrenförmige Abschnitt des Penis, welcher nach hinten noch etwas über 
die Enden der Parameren hervorragt. Die Spitzen der letzteren sind haken- 
förmig umgebogen. Die distale Hälfte der Paramerenendstücke ist deutlich mit 
Haaren und Borsten besetzt (Cirrus).^) 

Der Penis ist mit den Parameren nicht unbeweglich verbunden, sondern 
kann nach hinten oder vorn verschoben werden. Ich beobachtete dieses häufig 
bei Lydus viridissimus Luc, die ich in Tunis zahlreich in Copula traf; trennte 
ich die beiden Thiere, so war immer der Penis weit aus den Parameren 
herausgetreten. Die Parameren scheinen bei Lytta keine grosse Be- 
deutung als Haltorgane zu besitzen, wenigstens waren dieselben bei ver- 
suchter Trennung zweier sich begattender Thiere vollständig ausser Function; 
als Haftorgane wirken die drei Widerhaken, die sich an der Spitze des Penis 
befinden, und zwar mit solchem Erfolge, dass die Trennung nur schwer bewerk- 
stelligt werden kann. Wie sollen auch die Parameren, die in Folge der Ver- 
wachsung das Vermögen, sich einander zu nähern oder zu ent- 
fernen, verloren haben, das Haltgeschäft erfüllen können? Ich komme 
immer mehr davon ab, die Parameren lediglich für Haftorgane zu halten; 
bei den Insecten, bei denen die Parameren freie Beweglichkeit besitzen, ist ja 
eine solche Function höchst wahrscheinlich. Doch im anderen Falle, bei Ver- 
wachsung, glaube ich, spielen die Parameren eher die Rolle eines 
Sinnesorganes. Die eigenthümliche streifenförmige Structur an der Spitze 
der Parameren, ferner die vielen Gruben und Sinnesborsten geben dieser An- 
nahme einige Berechtigung. 

Möglich ist es ja, das^ die Parameren primär als Haftorgane angelegt 
waren, dass dieselben aber im Laufe der Zeit modificirt verschiedene Functionen 
übernahmen. So z. B. ist es höchst wahrscheinlich, dass dieselben bei Dytiscus 
als Schutzorgane zu dienen haben. 

Die Lage des Copulationsapparates im Abdomen ist parallel zur Körper- 
axe und vertical, d. i. die beiden Schenkel der Parameren liegeji nicht in einer 
horizontalen, sondern in einer verticalen Ebene, so dass man also eigentlich 
statt ventral und dorsal rechts und links zu sagen gezwungen wäre, was auch 
Beauregard gethan hat. Doch hielt ich es für zweckmässiger, die Seite, auf 
der die Gabel, F9, liegt, als ventral und die gegenüber liegende als dorsal zu be- 
zeichnen. Darnach liegt also das Basalstück ventral und die Verwachsung der 
Parameren ist ebenfalls auf der ventralen Seite. 

Was nun die Differenzen, die der Copulationsapparat in unserer Gattung 
bei den verschiedenen Arten aufweist, betrifft, so sind diese ziemlich beträchtlich 
zu nennen. Der Penis variirt besonders in Bezug auf die Form und Lage der 
Widerhaken. Gewöhnlich befinden sich auf der einen Seite zwei, auf der anderen 



') Verhoeff spricht <leu Mcloiden einon Cirims ah. 



lloitnipo zur Niiiurgoschiclilo dor Moloiilongattiiiip l^ijUa Fiili 



263 



einer, der zum Ductus ejuculatorius geliört. Nur in den vvoni}^ston Füllen ist 
auch auf der rechten (ventralen) Seite nur ein Haken vorlianden (hiteovittata 
Kraatz, segvtum Fab.); bei caraganae Fall, sind die beiden so g(!n:lliert, dass 
sie fast den Anscboiu eines einzigen bekommen (Taf. IX). 

Die Parameren variiren in der mannigfachsten Weise: theils besitzen 
sie au den distalen Enden nach einwärts gekrümmte Haken, theils fehlen diese und 
enden sie dann einfach; die Verwachsung der beiden Schenkel reicht sehr 
verschieden weit, in den extremen Fällen reicht sie fast bis zur Spitze, wodurch 
die Parameren ein wenig an den Kapseltypus erinnern (Taf. X, Fig. 10). 
Sehr verschieden verhalten sich die Parameren auch in Bezug auf die Be- 
haarung (Cirrus); bei manchen fehlt diese ganz {djerhensis mihi), bei manchen 
finden sich nur wenige zerstreute Härchen, bei anderen aber ist ein ausge- 
sprochener deutlicher Cirrus vorhanden (Taf. X). 

Als bemerkenswerth dürfte noch hervorgehoben werden, dass die ein- 
zelnen Gruppen unserer Gattung, wie sie unten aufgestellt w^erden, eine 
charakteristische Form des Copulationsapparates besitzen; so ist z. B. 
die vesicaiona-Gruppe durch das Vorhandensein eines Hakens an der Spitze der 
Parameren ausgezeichnet; die ffes-Gruppe ist charakterisirt durch sehr lange 
dünne Haken am Penis etc. 

Das männliche Genitalsystem. 

Ausser den älteren Insectenanatomen Andouin, Leon Dufour, Bur- 
meister, Brandt und Ratzeburg und Anderen beschäftigte sich in neuerer 
Zeit auch Beauregard mit dem männlichen Genitalsystem von Lytta (1. c). 
Er gibt eine sehr ausführliche Beschreibung davon, ebenso mehrere Abbildungen ; 
doch leider vermisst man hier die Klarheit und Genauigkeit, wie sie bei der 
Darstellung des Abdomens zu constatiren war. Das liegt hauptsächlich daran, 
dass man damals für das männliche Genitalsystem der Coleopteren, das ja be- 
kanntlich in unglaublicher Mannigfaltigkeit auftritt, noch keinen einheitlichen 
Gesichtspunkt kannte. Man beschrieb daher jede Form für sich ohne Vergleich 
mit anderen Systemen, was auch zahlreiche verschiedene Bezeichnungen für 
morphologisch gleichwerthige Organe zur Folge hatte. 

Wenn wir auch heute noch weit entfernt davon sind, ein einheitliches 
Schema für das Genitalsystem der Coleopteren aufzustellen, so glaube ich doch, 
dass wenigstens der richtige Weg angebahnt ist, auf dem man zu einem solchen 
gelangen kann. 

Palmen hat in seiner wunderschönen Arbeit über „paarige Ausführungs- 
gänge" ^) gezeigt, dass sich für die verschiedenen Insectenfamilien verschiedene 
Schemata des Genitalsystems aufstellen lassen, und zwar hauptsächlich auf Grund 
der verschiedenen Grenzen zwischen den Organen ectodermalen und mesodermalen 
Ursprungs. So ist bei den einen Insecten der Ductus ejaculatorius durch 



') Uel)er paarige Ausfülirurtgsgänge der Geschlechtsorgane bei Insecten, 1884. 
Z. B. Ges. B. XLIV. Abb. 34 



264 



K. Escherich. 



Verschmelzung der mesodermalen Vasa deferentia, bei den anderen durcb Ein- 
stülpung des Integumentes (ectodermal) entstanden. 

Auf diese Anregung Palme n's bin unternahm ich es, das Genitalsystem 
einiger Coleopteren dieser Eicbtung zu analysiren und kam dabei zu dem Re- 
sultate, dass die Integumentaleinstülpung nicht nur den unpaaren Ductus eja- 
culatorius bildet, sondern dass diese noch weiter reicht, indem sie sich am 
proximalen Ende des Ductus ejaculatorius gabelt und zwei grossen Drüsen die 
Entstehung gibt (Zeit, für wissensch. Zoologie, LVII). Dadurch ist wenigstens 
eines gewonnen, nämlich dass man das grosse Heer von Anhangsdrüsen in zwei 
Gruppen theilen kann, in die ectodermalen (Ektadenien) und die mesodermalen 
(Mesadenien). Die Organe des Mesoderms bezeichnete ich als „primäre", die 
des Ektoderms als „secundäre Geschlechtsorgane". Die Einwände, die 
gegen diese Bezeichnung von einer Seite ^) erhoben wurden, wonach die Ge- 
schlechtsdrüsen, da sie aus dem Mesoderm, dem tertiären Keimblatte, entstanden, 
auch tertiäre Geschlechtsorgane genannt werden müssten, wird wohl kein 
Zoologe ernstlich nehmen. 

Möge mir der verehrte Leser diese kleine Abschweifung, die ich zur Ver- 
einfachung des Folgenden für nöthig hielt, verzeihen. 

Das männliche Geuitalsystem von Lytta vesicatoria ist wie folgt zu- 
sammengesetzt : 

Der Hoden zeigt eine annähernd runde Form und besteht aus vielen 
radiär verlaufenden Blindschläuchen, die sich zum Vas deferens vereinigen. Bur- 
meister^) reiht den Hoden von Lytta in seine Gruppe der „Testiculi capitato- 
simplices". „Jeder Hode besteht aus einem einzigen verschieden gestalteten Drüsen- 
körper. Bei Lytta und Meloe ist dieser Körper kugelig, aber uneben, körnig; 
bei Sialis, Phryganea und Apis nierenförmig etc." 

Burmeister begeht hier denselben Fehler, wie bei Blaps, dessen Hoden 
er ebenfalls für eine Blase ansieht, die mit lauter feinen Körnchen besetzt ist 
(conf. Escherich, I.e.). Das Vas deferens ist anfangs dünn und erweitert 
sich gegen den Ductus zu immer mehr, so dass es bei seiner Mündung eine an- 
sehnliche Stärke erreicht hat. Man gewahrt schon mit blossem Auge eine 
deutliche Ringelung, ähnlich wie bei den Tracheen. Die mikroskopische 
Untersuchung belehrt uns, dass dieselbe durch in das Lumen vorspringende 
Epithelfalten gebildet wird. Querschnitte ergaben dieselben Bilder wie ich sie 
bei Carahus morhillosus, dessen Vas deferens dasselbe geringelte Aussehen dar- 
bietet, fand und abbildete (Zeit, für wissensch. Zoologie, LVII, Taf. XXVI, Fig. 3). 
Diese Falten haben auch bei Lijtta jedenfalls die Function von Schleim- 
drüsen zu erfüllen, wie bei Carahus. Wie der sonst so exacte Forscher Beau- 
regard sagen kann, dass die Ringelung hervorgerufen wird durch „des faisceaux 
de fibres musculaires circulaires",^) ist mir nicht klar, da ein einziger Querschnitt 



Ent. Nachr., 94, S. 103. 
Handb., I, S. 219. 
1. c, p. 105. 



lioilrilRO zur Natiirpcscliiclilf iIit McloidiMipathmi; r.i/lla Tai». 



2m 



über ilio olx-u goscliildorto Organisation Anlklürung gil)(. Die lioidcn Viisa 
(leioreutia vereinigiMi (?) sieh zu oinoi' liorzlorniigen Ani|)iill(' und münden schein- 
bar vereinigte?) in den Ductus ejaeulatorius. Aus dein einzigen Präparate, das 
mir zur Verfügung stand, konnte ich leider nicht ganz khir werden über diesen 
Abschnitt. Vor der Mündung nehmen die Vasa deferentia noch zwei Paare 
Drüsen auf (Mesadenien), von denen das erste Paar kurz und massiv, das andere 
sehr lang und zart ist. Die letzteren (Taf. VIII, Fig. 7, M^) nennt Deauregard 
„tubes a cantharidinc", da die Epithelieu derselben Cantharidin secerniren sollen. 
Dass das höchst unwahrscheinlich ist, habe ich schon in der Einleitung berührt. 
Ausser dem Cantharidin fand Beauregard stets Spermatozoen darin und be- 
zeichnet sie deshalb auch als „reservoirs serainaux". Auch dem kann ich nicht 
beipflichten ; die Samenblasen werden durch das erweiterte Ende des Vas deferens 
gebildet, was Beauregard auch angibt: „cette portion renflec du canal defcrent 
forme un reservoir sperniatique". Von 
dieser Samenblase aus können bei üeber- 
füllung dieser wohl eine Anzahl Sperma- 
tozoon in den in die Samenblase mün- 
denden Schlauch gelangen. Man ist aber 
deshalb nicht berechtigt, letzteren als 
Samenblase zu bezeichnen. 

Die Ektadenieu sind ziemlich aus- 
gebildet und rollen sich am Ende spiralen- 
förmig auf; sie vereinigen sich zu dem 
unpaaren, ziemlich langen Ductus ejaeu- 
latorius. Die Ektadenien und der Ductus 
ejaeulatorius besitzen eine chitinöse In- 
tima, die sich durch Behandlung mit Kali- 
lauge recht gut isoliren lässt. Die eigen- 

thümliche Structur, die die Intima am Ende des Ductus ejaeulatorius darbietet, 
wurde oben bei der Beschreibung des Penis schon erwähnt. 

Beigegebenes Schema^) soll das Verständniss erleichtern: Die dick ausge- 
zogenen Linien stellen die ektodermalen (secundären) Geschlechtsorgane dar, die 
dünneren Linien die mesodermalen (primären). 




3. CapiteL 
Systematische Studien, 
a) Das Gfeiiiis Lytta Fab. 

Die Definition der Gattung Lytta ist mit sehr grossen Schwierigkeiten 
verbunden; einestheils, weil sich ziemlich vollkommene Uebergänge zu den 



*) Die Buchstaben sind dieselben wie auf Taf. VIII, Fig. 7). 



34* 



266 



K. Esche rieb. 



verwandten Genera herstellen lassen, anderntheils, weil es nicht gelingen Avill, 
constante plastische Merkmale zu finden, um eine Anzahl von Arten, die dem 
Habitus nach sicher nichts mit Lytta zu thun haben, von genannter Gattung 
trennen zu können. Die Autoren, die über dieses Thema handelten, alle hier 
anzuführen und durchzugehen, ist bei der grossen Zahl derselben nicht zweck- 
mässig, zumal sich in den vielen Monographien der Meloiden schon mehrfach 
ausführliche Zusammenstellungen über die verschiedene systematische Auffassung 
unserer Gattung finden.^) Nur auf die neueren Bearbeiter glaube ich kurz ein- 
gehen zu müssen. 

Den Mittelpunkt der Differenzen bildete die Frage, ob die von Redte n- 
b ach er gegründete Gattung Epicauta als selbstständiges Genus neben Lytta 
aufrecht zu erhalten sei, oder ob die Arten der genannten Gattung zu Lytta zu 
ziehen seien. 

Haag-Rutenberg, der vielleicht das grösste Material in Händen hatte, 
spricht sich für letztere Ansicht aus, indem er geltend macht, dass die Form 
der Fühler zu viele Uebergänge besitze, als dass darauf ein präcises System ge- 
gründet werden könnte.^) Leconte und Horn dagegen theilten die Haag- 
Rutenberg'sche Gattung I^ytta in viele Genera und trennten auch Epicauta 
als eigene Gattung von Lytta Fab.;^) ebenso E. Duges in seinem „Tableau 
synopt. des genres de Vesic. du Mexique".*) 

Gorriz y Munoz^) betrachtet Epicauta ebenfalls als eigenes Genus und 
führt als trennende Merkmale an: den schlanken äusseren Enddorn der Hinter- 
tibien, die fadenförmigen, gegen die Spitze zu sich verschmälernden Fühler und 
die nach hinten erweiterten Flügeldecken. Dokhtouroff^) scheidet in seiner 
„Faune aralo-caspienne" Epicauta nur als Subgenus von Lytta. 

G. V. Seidlitz'') trennt beide Gattungen und versetzt Epicauta sogar in 
eine andere Unterfamilie der Meloiden, nämlich zu den Myldbrina. Für 
ihn ist die Gestalt des äusseren Enddorns der Hintertibien massgebend. Ich 
machte daraufhin in einer kleinen Notiz®) geltend, dass der äussere Enddorn zu 
inconstant sei, um auf seine Form allein diese Scheidung zu begründen. Durch 
neuere Untersuchungen wurde diese Ansicht bestätigt. So ist bei manchen Lytta- 
Arten, z. B. bei luteovittata Kraatz der äussere Enddorn ebenso schlank wie der 
innere, während bei Epicauta dubia (cf) derselbe deutlich verbreitert ist im 
Verhältniss zum inneren. 

Wenn auch das Sei dlitz'sche Merkmal nicht befriedigend ist, so scheint 
doch die Stellung von Epicauta zu den Mylahrina nicht ungerecht- 



') Conf. Beaiiregard, I.e., p. 385—391. 
2) Deutsche eut. Zeitg., 1880, S. 18. 

^) Coleopt. of N. Am., Smith's Miscell. coli., 1883, p. 415. 

4) Bull. Soc. zool. d. France, 1886, p. 580. 

■'') Ensayo p. 1. monog. d. Meloidos, 1882, p. 14ü. 

«) Faune aralo-casp. (Sep.-Ahdr.), p. 52. 

Fauua baltica, p. 144. 
«) Soc. ent., VI. Jahrg., p. 11. 



Boitriigü zur Natiirposcliicliln der IMoloidoiiRalhiiif,' I.iill«. Fiili, 



2H7 



fi'rtijjt zu sein. Wouifxslens si>rc<'lu'ii dio Mitthcilniifron IJe ;i ii rc^'a rds did'iir. 
CieuannliT Autor versuclit ein iSysteni auf die Mo r])liolo^nc und liiolo^'ie 
der Larveu zu gründen. Die Larven von Epicauia sind denen von Mi/lahris 
äus.serst ähnlich, woraus Beauregard schloss, dass auch beide dieselbe Lebens- 
weise haben müssten. Die Larveu von Epicauta nähreu sich, wie Riley^) ent- 
deckt, von den Eiern von Orthopteren; in Folge dessen sollten sich auch die 
diesen so ähnlichen Mylabrideularven von Orthoi)teren nähren, mit dein Unter- 
schiede, dass diese nur junge Orthopteren (keine Eier) verzehren sollten ; letzteres 
glaubte er deshalb annehmen zu dürfen, weil er niemals in den Nestern von 
Acridiern, die er in grosser Zahl aus Algier erhalten, Mylabridenlarven ent- 
decken konnte. Beauregard bildet auf Grund dieser (hypothetischen) bio- 
logischen Merkmale zwei Gruppen, nämlich: 

T , ., f d'oeufs d'Orthopteres Epicauta. 

Larve carnivore et se nourrit < , . ^ ,i ,^ 

[ de jeunes Orthopteres Mylabrites. 

Erwies sich der Schluss Beauregard's, dass sich die Mylabridenlarven 
von Orthopteren nähren, durch die späteren Entdeckungen von Künkel d'Her- 
culais in einer Beziehung als richtig, so war auf der anderen Seite seine An- 
nahme, dass dieselben sich von jungen Orthopteren nähren, eine verfehlte, da 
nach Künkel d'Herculais die Mylabridenlarven ebenfalls von den Eiern von 
Orthopteren leben. Genannter Autor berichtet über die Larve von Zonahris 
Schreihersi Eeiche : ^) „se developpent dans les ootheques des Acridiens et se 
nourrissent des oeufs de ces Orthopteres." 

Die Trennung der Gattung Epicauta von den Mylabrites ist also nicht 
gerechtfertigt und sind daher beide in eine Unterfamilie, die Mylabriden, zu 
vereinigen. Die Tabelle Beauregard's^) würde sich also folgeudermassen ver- 
einfachen : 
Larve 
secondaire, 
errante 

Die Cantharites Beauregard's enthalten die (paläarktischen) Gat- 
tungen: Lytta Fab., Lagorina Muls. und Cahalia Muls. ; die Mylabrites: 
Epicauta Redt., Lydus, Oenas, Mylahris (Zonahris Harold) und Cerocoma. 

Nehmen wir zu den oben genannten morphologischen und biologischen 
Larvencharakteren noch die verschiedenen Merkmale des geschlechtsreifen Thieres, 
die allerdings für sich allein zur Scheidung nicht genügen würden, so dürfte 
wohl kein Zweifel mehr darüber walten, dass Lytta Fab. und Epicauta 
Redt, als zwei verschiedene Genera zu betrachten seien. 

Ausser Epicauta Redt, versuchte man noch andere von dem Lytta 
vesicatoria -Tj^us abweichende Formen von Lytta zu trennen. So stellte 



mellivore Cantharites. 

carnivore et se nourrit des ceufs des Orthopteres . . . Mylabrites. 



Trans, of tbe Acad. of Saint-Louis, Vol. III. 
2) Ann. Soc. ent. France, 1890, p. CLXXIV. 
1. c, p. 393. 



268 



R. Escherich. 



Mulsant*) das Genus Lagorina auf für die Arten, deren Halsschild länger als 
breit und nach vorne allniälig verschmälert ist, deren Flügeldecken nach hinten 
erweitert und deren äusserer Enddorn der Hintertibien sehr kurz und stark ver- 
breitert ist [Lijtta sericea Waltl. und scutellata Gast.). Die späteren Bearbeiter 
mit Ausnahme Von Gorriz y Munoz^) behielten Lagorina nur als Subgenus 
bei, ob mit Recht, ist mehr als zweifelhaft. Die von Mulsant genannten Unter- 
scheidungsmerkmale allerdings würden zur Basirung einer Gattung kaum als 
genügend anzuerkennen sein, dagegen glaube ich, dass die Differenz im Baue 
des Abdomens, wie ich im vorhergehenden Abschnitte geschildert, der Gattung 
Lagorina ihre Berechtigung geben könnte. Di_6 sind stark reducirt, in Folge 
dessen die Pleurahaut an Ausdehnung gewinnt; F2 ist nur noch ganz rudi- 
mentär erhalten, Dio nur als Fragmente eines schmalen halbkreisförmigen 
Bogens. Diese Unterschiede verbunden mit der abweichenden Thoraxform, dem 
kurzen und breiten äusseren Enddorn der Hintertibien, Verbreiterung der Flügel- 
decken nach hinten, sind nach meiner Ansicht hinreichend, um die Arten sericea 
Waltl. und scutellata Gast, von der Gattung Lytta zu trennen. 

Auf jeden Fall muss als eigene Gattung das von Mulsant und Rey^) 
errichtete Subgenus Cahalia der Gattung Lytta gegenübergestellt werden. 
Nicht die verdickten Hinterschenkel, die die beiden Autoren verantwortlich 
machen, zwingen zu dieser Scheidung, sondern lediglich die Bildung der 
Klauen, die sogar ganz vereinzelt in der Meloidenfamilie dasteht. Der äussere 
Schenkel der gespaltenen Klauen ist glatt wie bei Lytta, dagegen ist der innere 
Schenkel mit feinen steifen Borsten besetzt, eine Erscheinung, die ich 
nur bei zwei paläarktischen Arten kenne, nämlich Lytta se geturn Fab. und 
Lagorina rubriventris Fairm. Beide Arten, die auch habituell grosse 
Uebereinstimmung besitzen, sind in Folge dessen aus der Gattung Lytta 
zu entfernen und in eine eigene Gattung zu gruppiren, für die ich den Mul- 
sant'schen Namen Cahalia beibehalte. 

Beauregard scheint auch diese merkwürdige Klauenbildung schon be- 
merkt zu haben, da er die Klauen von Cabalia segetum abbildet (1. c, PI. IV, 
Fig. 17). Die Zeichnung ist aber insofern nicht richtig, als dort der innere 
Schenkel wie grob gekämmt dai-gestellt wird, während derselbe in Wirklichkeit 
nur mit feinen Borsten besetzt ist. (In der Tafelerklärung heisst es auch „ongles 
internes pectines de Cantharis segetum.^) 

Ziehen wir nun Lagorina und Cahalia aus der Gattung Lytta heraus, 
so bleibt eine Anzahl Arten zurück, die wenigstens zum grössten Theile auch 
habituell ihre Zusammengehörigkeit bekunden. Einige Elemente aber befinden 
sich allerdings noch darunter, die wahrscheinlich nicht hieher gehören, z. B. 
Lytta djerhensis mihi, verrucicollis Karsch und luteovittata Kraatz; doch ist 
deren Scheidung vorläufig noch nicht möglich und wird vielleicht erst die 



') Mem, Acad. Lyon, 1858, p. 150. 

2) 1. c. 

3) Mem, Acad, Lyon, 1858, p. 154. 



Hcitri'ipp zur Nii(urgosc,hiclit(^ (1(m- Mcloidcnßivttiiiip; Liitln I'iil' 



Entdoekuii^' iiouor Foimcii odcM- die Zuzieliung der oxot isc-luMi Ailm iihci- die 
systomatisidio Stellinif? der gonaiiiiteu Arten Aut'schluss geben. 

Die Bearbeiter der Melüiden haben bislier alle in voller Uebereinstimniung 
die Klaueubildung (der äussere Schenkel gekämmt oder glatt) als Ilauptnierk- 
nial zur Trennung der Familie in zwei grosse Gruppen verwendet. Auch ich 
halte noch daran fest; jedoch ist mein Glauhe an die (yonstanz und somit an 
die systematische Verwendbarbeit schon ein wenig erschüttert, nachdem ich bei 
Lytin lutea vittata Kraatz und bei Lagorina sericea Waltl. ganz schwache 
Anfänge von Zacken und Rauhigkeit am äusseren Schenkel der 
Klauen gewahrte. Obwohl nur mit stärkerer Vergrösserung deutlich sichtbar, 
sind ehen die Anfänge einmal vorhanden und es dürfte nicht ausgeschlossen sein, 
dass es auch Formen gibt, wo diese Anfänge schon ausgesprochener sind. Der 
Uebergaug zu den schwach gekämmten Klauen von Oenas wäre dann fertig, 
von Oenas lassen sich Uebergänge zu Lydus herstellen, und v/ir stünden dann 
vor der Frage, wie kann man diese Genera scheiden, oder dürfen sie nicht ge- 
trennt werden? Letzteres erscheint in Folge der verschiedenen Lebensweise der 
Larven nicht wahrscheinlich. 

Mehr wie in jeder anderen Coleopterenfamilie muss der Systematiker ge- 
rade bei den Meloiden in Ermanglung constanter Merkmale der geschlechtsreifen 
Formen auch die verschiedenen Entwicklungsstadien berücksichtigen und ver- 
gleichen, was Beauregard bereits in der fruchtbarsten Weise gethan hat. „Es 
genügt nicht, die Systematik nur auf Charaktere eines bestimmten Lebens- 
stadiums zu gründen, z. B. auf geschlechtsreife Formen. Jede Thierform muss 
in allen ihren Stadien in Vergleich kommen. Auf diese Art allein werden die 
Irrungen, welche der Mensch durch alleinige Verwerthung der Aehnlichkeit be- 
geht, verhindert, und auf diesem Wege allein wird die wahre Verwandtschaft 
erkannt und festgestellt" (Brauer, System.-zoolog. Studien, Sep.-Abdr., S. 20). 

Die Gattung Lytta gibt dem Systematiker viel zu überlegen. Obwohl 
eine grosse Zahl von Arten die Merkmale, die uns für wichtig und charakte- 
ristisch für die Gattung erscheinen, in typischer Form besitzen (glatte Klauen, 
schnurförmige Fühler etc.), sind sie, Avenigstens so viel man nach dem Habitus 
beurtheilen kann, nicht mit einander blutsverwandt. Wenn ich mir erlauben 
darf, meine Ansicht darüber zu äussern, so glaube ich, dass die Arten, die in 
der Gattung Lytta in Folge der von uns für charakteristisch gehaltenen Merk- 
male zusammen kommen, nicht einer phylogenetischen Eeihe angehören, sondern 
vielmehr verschiedenen Reihen. Die übereinstimmenden Charaktere, die wir als 
Zeichen der Blutsverwandtschaft ansehen, wären dann ganz unabhängig neben 
einander entstanden, vielleicht in parallel neben einander laufenden oder viel- 
leicht in convergirenden Reihen. Es ist eben in der Natur nicht Alles, was 
ähnlich ist, auch verwandt und „auseinander hervorgegangen". Das Auge des 
Tintenfisches ist nach demselben Principe gebaut wie das der Wirbelthiere, und 
dennoch sind beide nicht auseinander hervorgegangen, sondern sind ganz un- 
abhängig nebeneinander, lediglich als gleiche Reaction auf gleiche 
äussere Einflüsse entstanden. 



270 



K. Escherich. 



Jedoch glaube ich nicht, dass es erlaubt ist, die Gattung Lytta noch mehr 
zu zerlegen, ohne dass auch die exotischen Formen, die zur Lösung der Frage 
sehr viel beitragen würden, beigezogen werden. 

Die drei besprochenen Gattungen Lytta Fab., Lagorina Muls. und Ca- 
halia Muls. sind also folgendermassen zu trennen: 

Fühler schnurförmig. Klauen vollkommen glatt. Halsschild breiter 
als lang oder wenigstens nicht länger als breit, dann mit deutlichen Vor- 
derecken. Flügeldecken nach hinten gar nicht oder kaum merklich ver- 
breitert; Di_6 normal breit und durch eine schmale Pleurenhaut mit den 
Vorderplatten verbunden; Dio getheilt, aus zwei genäherten dreieckigen 
Plättchen bestehend. Aeusserer Enddorn der Hintertibien löffeiförmig ver- 
breitert, gewöhnlich zugespitzt. Larve 1 nährt sich von Honig. Lytta Fab. 

Fühler schnurförmig. Klauen vollkommen glatt. Halsschild länger 
als breit, nach vorne allmälig verschmälert. Flügeldecken sich nach hinten 
deutlich verbreiternd. Der äussere Enddorn der Hintertibien sehr kurz und 
sehr breit. Di_6 stark reducirt, Pleurenhaut sehr breit. Larve 1 nährt sich? 

Lagorina Muls. 

Fühler schnurförmig. Innerer Schenkel der gespaltenen Klauen mit 
feinen Borsten besetzt. Cahalia Muls. 

1)) Die Arten der Grattun g Lytta Fab. 

Machte schon die Definition der Gattung Lytta ganz erhebliche Schwierig- 
keiten, so verhält es sich nicht anders mit der richtigen Gruppirung der Arten. 
Welche Arten gehören enger zusammen, welche Merkmale sind es, die uns natür- 
liche Gruppen liefern? Diese Fragen zu lösen, ist schwieriger, als es bei ober- 
flächlicher Betrachtung erscheinen möchte. 

Mit der Färbung der Flügeldecken, ob gelb oder grün oder ge- 
streift, ist gar nichts anzufangen. Es erscheint ja recht verlockend, die 
Arten mit gelben Flügeldecken denen mit grünen etc. gegenüberzustellen; doch 
würden dadurch, wie unten zu ersehen ist, ganz heterogene Elemente neben- 
einander gestellt werden. 

p]in anderes Merkmal, das man bis jetzt nicht beachtet hat, schien mir 
anfangs verwendbar, nämlich die Furchung der Tarsen auf der Unterseite. 
Bei einer Anzahl von Arten sind nämlich die Tarsen (am deutlichsten die Hinter- 
tarsen) auf der Unterseite der Länge nach gefurcht; der Grund der Furche ist 
glatt, unbehaart, während die beiden Ränder mit einem dichten Borstenwalle 
eingefasst sind (z. B. vesieatoria, Menetriesi, coccinea etc.). Leider ist auch 
dieses Merkmal nicht zu verwerthen, da die dadurch gebildeten Gruppen eben- 
sowenig natürlich wären, wie die durch die Färbung gewonnenen. 

Dagegen erwiesen sich als recht brauchbares Merkmal zur Gruppen- 
theilung die secundären Sexualcharaktere der cf. Dieselben sind in 
unserer Gattung sehr mannigfaltig und ermöglichen die Bildung ganz homogener 



Hoitnlpo 7.nr Naliirgoscliicliio d. i M. l,H,|riij;,atiiii(,' I.iilla ThI. 



271 



Grui>pcn. Diiss letzt oro wirklicli honiogoii und natürlicli sind, orlKillt, 
schon da Tii US, dassjode derselben durch einen cliarakteristi schon 
T vi)us der Gen italauhänge ausgezeichnet ist. Nur diejenigen Arten, 
die der secundiiren Sexualcharakterc überhaupt entbehren, stellen meist isolirl 
neluMU'inaiulcr. ohne verwandtschaftliche Beziehungen zu einander zu zeigen, 
was sich ausser dem Habitus auch in der Verschiedonlicit der Genitalanhänge 
kund gibt. 

Eine Eintheilung nach den secundären Sexualcharaktcren ergibt folgende 
G ruppeu : 

I. cf. Vorder- und Mitteltibien nur mit einem Enddorne bewaffnet, vorderer 
zweispitzig. Hintertibien au der Spitze kugelförmig aufgetrieben, mit zwei 
Enddornen, von denen der äussere nur wenig breiter und kürzer ist als 
der innere. Parameren ohne einwärts gerichtete Haken an der Spitze. 

Menetriesi Faid. 

II. cf. Nur die Vordertibien mit einem Dorne; Mittel- und Hintertibien mit 
zwei Enddornen; der äussere Enddorn der Hintertibien bedeutend breiter 
als der innere. 

1. Parameren mit nach einwärts gekrümmten Haken. Halsschild gewöhnlich 
grün oder blau. vesicato ria-Grui)])e. 

a) cf. Mittlere Trochanteren mit einem spitzigen, ziemlich grossen Zahn; 
hintere Trochanteren nur mit einem kleinen Höcker besetzt. Erstes 
Glied der Mitteltarsen stark hakenförmig gebogen. 

Caraganae Pall. 

h) cf. Alle Trochanteren einfach, ebenso das erste Glied der Mitteltarsen. 

vesicatoria-Grn]i])e i. sp. 

2. Parameren ohne Haken an der Spitze, Halsschild roth. coccinea Men. 
III. . Vordertibien mit zwei schlanken Enddornen. 

1. Letztes Ventralsegment an beiden Hinterecken mit einem Büschel langer 
(so lang oder länger als das vorletzte Segment) schwarzer Borstenhaare 
besetzt. Die hinteren Trochanteren mehr weniger difform. Penis mit 
sehr langem dünnen Widerhaken. dives-Grnjtipe. 
a) Hintere Trochanteren mit einem grossen, lamellenartigen, gezackten 

Fortsatze, der an der Spitze mit einem Borstenbüschel besetzt ist. 
Metasternum im vorderen Drittel mit zwei mit dichtem Haarbüschel 
besetzten Höckern. Thorax mit deutlichen Vorderecken. 

dives-Gruipi^e i. sp. 

h) Hintere Trochanteren einfach in einen stumpfwinkeligen Höcker vor- 
gezogen; Thorax mit einfach gerundeten Seiten, ohne vorspringende 
Vorderecken. pilosella Sols. 

2. Letztes Ventralsegment ohne zwei lange Borstenbüschel. Hinter- und 
Mitteltrochanteren einfach. 



1) Es soll dies keine Tabelle znra Bestimmen sein ; eine solche folgt am Schlüsse. 
Z. B. Ges. B. XLIV. Abli. 35 



272 



K. Escherich. 



a) Penis nur mit einem Widerhaken anf der einen Seite. 

luteovittata Kraatz. 

b) Penis mit zwei Widerhaken auf einer Seite. djerhensis mihi. 

clematidis Pall. 
poeciloptera Sem.(V) 

Mehrere Arten, die in den Katalogen (speciell dem „Catalogue de l'aneien 
monde" vonMarseul) untev Lytta angeführt sind, finden sich in vorstehendem 
Verzeichnisse nicht. Ich erlaube mir hier einige Bemerkungen über dieselben 
zu geben: 

1. Lytta armeniaca Faid. (Fauna, II, p. 135) ist sicher auf eine der 
grünen Halosimus -Arten zu beziehen {elegantitlus, cupratus Ab. etc.); die Form 
des Thorax sprach entschieden dafür: ,^thorace subquadrato, antice transversim 
profunde impresso . " 

2. Lytta trivittis Pall. ist nach der Beschreibung und Abbildung sicher 
keine Lytta. Die Angabe ..^antennae extrorsum crassiores, fere subclavatae, 
ut in Cerocoma foemina^', lässt eher daran denken, dass Pallas &ine Zonabris 
vor sich hatte, vielleicht Pallasi Gebl., zu welcher auch die Zeichnung gut 
passen würde. 

3. Lytta crassicornis Costa darf man gewiss als Varietät oder Synonym 
zu der sehr veränderlichen Lytta vesicatoria ziehen. 

4. Lytta textilis Haag und suavis Haag gehören zur Gattung Epi- 
cauta Redt. 

5. Lytta fulviventris Ball, scheint eine echte Ljytta zu sein in Folge der 
Thoraxform, doch ob sie einer der genannten Gruppen angehört, ist aus der Be- 
schreibung nicht zu ersehen. Ich führe sie am Schlüsse gesondert an. 

6. Lytta angusticollis Haag, verrucicoUis Karsch, palaestina Kirsch., 
ThiebauUi Fairm. Chanzyi Fairm. sind in Folge des langen, nach vorne allmälig 
verschmälerten Thorax nicht in die Gattung Lytta, wie sie oben definirt ist, zu 
zwängen. Sie gehören vielmehr einer Gruppe an, die in der exotischen, besonders 
mexikanischen Fauna zahlreich vertreten ist und für die vielleicht eine neue 
Gattung zu bilden wäre. Zu Lagorina zu stellen nur auf Grund des langen Tho- 
rax, kann ich mich nicht entschliessen, zumal ich das Abdomen genannter Arten 
nicht kenne. Gleich der fulviventris führe ich diese Arten am Schlüsse isolirt an. 

* * 
* 

Die Variabilität der Lytta -Arten ist ziemlieh beträchtlich, doch lassen 
sich bei allen Arten dieselben Variationstendenzen oder -Richtungen feststellen: 
nämlich: 1. die grüne Farbe variirt mit allen möglichen Uebergängen bis zum 
tiefsten gesättigten Blau und 2. macht sich (wenigstens bei vielen Arten) das 
Bestreben geltend, dass ein heller Längsstreif auf der Mitte jeder 
Flügeldecke sich bildet. In dieser Beziehung finden sich die schönsten üeber- 
gänge; zuei-st sieht man nur an der Spitze einen hellen Fleck, der sich allmälig 
nach vorne in Form eines Längsstreifen ausbreitet. Bei Lytta vesicatoria kommt 
ein heller gelbbrauner Streifen auf grünem Grunde voi", bei dives ein feurig 



Moilr:ij:o zur Niitiirposcliiflili' .Icr Mrlni(lrii}r,.,(|„,,p Kai,. 



},n)I(l^länzi'ii(lor SlrcilVii, bei lulcorilhda ein roUif^clbcr auf st;ljwarz(!iii (jIuihIc; 
luu^'ekohrt bei clematidis ein schwarzer aul" liellem ({runde. liei vcsiaaloria var. 
lleydeni erweitert .sich so^ar der gelbe Läugsstreifeu, so (hiss die Flügeldecken 
bis auf eiiieu schmalen Ivandsaum eiufärbig gelb sind. 

Nach den gegenwärtig geläufigen Ansichten über die Entwicklung der 
Zeichnung wären die gestreiften Thiere als die älteren, ursprünglicheren Formen 
anzusehen. 

c) Bemerkungen zu den einzelnen Arten. 

I. Lytta Menetriesi Faid. 

Faun, transc, II, p. 132, Tab. IV, Fig. 7. — Dokthouroff , Faune aralo- 
casp. (Sep.-Abdr.), p. 54. 

Laete viridi-aenea, suhcyanea, nitida; elytris tarsisqiie totis, antennarmi 
articulis 8 exterioribus tibiarumque apicibus luteo testaceis (Faidermann). 

Long. 13—22 mm. 

Lytta Menetriesi ist eine der charakteristischsten Lytta- kri^n. der palä- 
arktischen Fauna. Sie ist die einzige Art, deren Antennen zum grössten Theile 
gelb gefärbt sind ; ferner zeichnet sie sich auch noch durch die secundären Sexual- 
charaktere des trefflich vor allen anderen Arten aus und nimmt dadurch eine 
isolirte Stellung in unserer Gattung ein. 

Die Färbung ist sehr constant: die Flügeldecken, die Fühler vom zweiten 
Gliede an, Maxillar- und Labialtaster, die Unterlippe, sämmtliche Tarsen, die 
Spitze aller Schienen und die beim nicht selten hervorragenden Genital- 
anhänge gleichmässig braungelb gefärbt; die übrigen Theile des Skeletts 
goldgrün, lebhaft glänzend. Die Form des Kopfes und Halsschildes ist der 
von vesicatoria ähnlich, nur der Scheitel ist etwas gewölbter und besitzt eine 
sehr tiefe Mittellinie; Stirn mit gelbem. Mittelflecke; die Vorderecken des Hals- 
schildes deutlich hervorragend, scharf, die Scheibe uneben, mit vollständiger, 
sehr tiefer Mittellinie, Basis stark gerandet, besonders in der Mitte. Punctur 
des Halsschildes sehr fein und äusserst zerstreut; Kopf und Hals mit weissen 
Haaren besetzt, ebenso die ganze Unterseite. 

Flügeldecken lederartig gerunzelt, unbehaart, mit drei deutlichen 
Nerven, der äussere dem Seitenrande stark genähert. Fühler gegen die Spitze 
deutlich stärker werdend. Aeusserer Enddorn der Hintertibien etwas kürzer 
und nicht viel breiter als der innere, cT: Vorder- und Mitteltibien nur mit 
einem kräftigen Enddorne bewaffnet, Spitze der Hintertibien kugelförmig auf- 
getrieben. 

Genitalanhänge: Penis (Taf. IX, Fig. 1) auf der einen Seite mit zwei 
schlanken Widerhaken, auf der anderen mit einem schwach gebogenen schlanken 
Haken. Parameren (Taf. X, Fig. 1) stark in die Länge gezogen, die Spitze etwas 
nach aussen gebogen, mit kurzen Borsten zerstreut besetzt; Basalstück länglich-oval. 

35* 



274 



K. Es eher ich. 



Die Variabilität ist äusserst gering und beschränkt sieb eigentlich nur 
auf die Grösse der Individuen und die kleinen Differenzen in der Punctur des 
Kopfes und Halsschildes. Die gelbe Farbe der $ ist gewöhnlich dunkler (braun). 

Geographische Verbreitung: Lijtta Menetriesi ist auf den Cau- 
casus, Centraiasien und Sibirien beschränkt; in Turkestan scheint er 
häufig zu sein, wenigstens sah ich viele Exemplare von dort. F. Hauser gibt 
das Gebirge Kopet-Dagh, an der Grenze zwischen Persien und Turkmenien, 
als Fundort an (in seiner Fauna von Transkaspien).^) Dokthouroff^) nennt: 
Samarkand, Riviere Kaiirnagan ; Faidermann: Talysch (auf Lonicera iberica); 
Beauregard: Siberie. Heyden erwähnt ihn in seinem Cataloge der Käfer von 
Sibirien nicht. 

Die Exemplare, die ich sah (23 Stück), stammten alle aus Turkestan und 
sind zum grössten Theile von Haberhauer gesammelt. 

II. Die vesicatoria-(jv\i])])e. 

Lytta vesicatoria L. 

Syst. nat., ed. X, p. 419 (Meloe). — Brandt et Ratz., Medic. Zoolog., 
II, S. 116, Taf. 18, Fig. 1, 2, 3. — Muls., Vesic, p. 155 (Cantharis); Muls. 
et Rey., Ac. Lyon, 1858, p. 161. — Gorriz y Muilioz, Monog., p. 152, PI. 1, 
Fig. 2—12. 

Syn.: Lytta crassicornis Costa, Deutsche ent. Zeit., 1883, S. 364. 

a) Var. aurantiaca Escherich. 

b) Var. dibapha Reitter, Wiener ent. Zeit., 1890, S. 15; armeniaca Reitter, 
1. c, 1886, S. 99; Dobiaschi Heyd. i. 1. 

c) Var. flavovittata Ball., Kuldsha, 92. 

d) Var. Heydeni Haag, Deutsche ent. Zeit, 1880, S. 73. 

Meloe vesicatorius alatus, viridissimus, nitens, antennis nigris. (Linne, I.e.) 

Einfärbig grün, glänzend, nur die Tarsen etwas dunkler und die Fühler 
vom vierten Gliede an schwarz. Kopf ziemlich grob, aber zerstreut punktirt mit 
einer deutlichen kleinen braunrothen Makel in der Mitte (Stirnauge?), der Scheitel 
mit deutlicher Mittellinie. Thorax quer mit deutlich vorspringenden Vorderecken, 
doch nicht so scharf wie bei Menetriesi; nach hinten geradlinig verschmälert; 
Scheibe uneben, wie der Kopf punktirt, mit rudimentärer Mittellinie, meistens 
nur in der vorderen Hälfte erhalten, vor dem Schildcheu mit tiefem Eindrucke. 
Hinterrand stark gerandet. Flügeldecken ein Drittel breiter als die Basis des 
Halsschildes, parallelseitig, lederartig gerunzelt, mit drei Nerven, der äussere meist 
undeutlich. Fühler schlank, an Stärke gegen das Ende vollkommen gleichbleibend, 
erstes Glied stark verdickt, zweites sehr klein, drittes schlank wie die übrigen; 
1 — 3 mit grünem Schimmer, 4 — 11 schwarz. Kopf, Hals, erstes Drittel der 
Flügeldecken, Unterseite und Beine weiss behaart. — Länge: 14— 20 mm. 



>) Deutsche ent Zeit., 1894, S. 19. 

2) Faune aralo-casp. (Sep.-Abdr.), p. 54. 



|{(<i(r;ip« /(II- Niilm','<>-,, )ii.-li((> ,I.m MrlonlniKiil ( iiiip /,////-» V:iU. 



(■)'': N'ordoitilueii nur mit ei in; in Domo Itowallndl . lii'tzics Alxluniiiiiil- 
sofXini'iit /icMulich tiof dreiockif^ aus^oschnittcii ; Fiililcr l;m<,'', schlank, fast, (li<; 
Hälfte der Fliig-oldeckcMi orroicliond. (lenitalauliiiii},^! ('I'af. IX und X, Fig-. 2) 
conf. 11. Capitt'l. 

9: Vordei'tibitMi mit zwei schlanken Dornen; letztes Abdominalsegment 
einfach; Fühler sehr kurz, kaum die Basis der Flügeldecken überragend. 

Die Variabilität der Lytta vesicatoria ist sehr ausgedehnt und erstreckt 
sich sowohl auf die Sculptur als auch auf die Färbung. 

Besonders die Sculptur des Kopfes und des Halsschildes unter- 
liegt ganz bedeutenden Veränderungen: von fast vollkommener Glätte bis zur 
grobrunzeligen Punktirung. Die Mittellinie des Halsschildes fehlt oft ganz, oft 
ist sie sehr tief und verläuft über den ganzen Thorax. Bei einem Exemplare 
(Brüsseler Museum) verlaufen zwei stark erhabene Kanten, nach vorne zu con- 
vergirend, über die Scheibe. 

In Bezug auf die Färbung ist Folgendes zu erwähnen: Bei einer Reihe 
von Exemplaren besitzen das Halsschild an seinen beiden Vorderecken und die 
Flügeldecken (mit Ausnahme der Nahtgegend) einen schönen hellen Goldglanz. 
Die Exemplare zeichnen sich ausserdem alle in übereinstimmender Weise 
durch kleinere Gestalt und stärkere Punctur des Kopfes und Halsschildes aus, 
so dass ich glaube, dass eine Benennung berechtigt ist; ich bezeichne sie als var. 
aurantiaca (acht Exemplare in meiner Sammlung aus Castilien, zwei im 
Brüsseler Museum aus Portugal). 

Eine andere Erscheinung in der Variabilität unseres Thieres ist die, dass 
sich auf den Flügeldecken in der Mitte (längs des zweiten Nervs) ein breiter 
gelbbrauner Längsstreifen ausbildet. Zuerst geAvahrt man nur an der Spitze 
der Flügeldecken einen kürzeren oder längeren Anfang eines 
Streifens: var. dibapha Reitter (= Dohiaschi Hejd. i. 1.). Es scheint diese 
interessante Uebergangsform auf den Osten der palä arktischen Fauna 
beschränkt zu sein; wenigstens stammen die Exemplare, die ich sah, alle von 
dort: drei (Wiener Museum) Caucasus, eines Barnaul, eines Davuria (Gebler), drei 
(Coli. Escherich) Velebitgebirge, eines (Coli. Reitter, der Streifen reicht bis 
zur Hälfte der Flügeldecken) Caucasus. 

Diese (natürlich sehr unconstante) Form leitet über zu einer sehr con- 
stanten, noch östlichere Gegenden bewohnenden Localvarietät: der var. 
flavovittata Ball. Bei dieser Form erstreckt sich der gelbbraune Streifen 
stets bis zum Schulte rhöcker (also fast bis zur Basis der Flügeldecken). 
Var. flavovittata Bü\. zeichnet sich auch noch durch andere Charaktere aus: die 
Fühler (besonders beim cT) sind bedeutend kräftiger als bei vesicatoria [dibapha 
bildet auch hierin einen Uebergang), sämmtliche Glieder haben einen feinen 
grünlichen Schimmer; auch die Beine sind entschieden kräftiger als bei der 
Stammform. 

Das Verschwinden der grünen Farbe kann noch weiter gehen, so 
dass die Flügeldecken einfärbig braungelb werden; nur der Rand ist 
ganz fein und die Basis etwas breiter grün gesäumt: var. Heydeni Haag. Diese 



276 



K. Escherich. 



Form weicht von der Stammart nocli darin ab, dass die grüne Farbe (des 
Kopfes und Halsschildes) dunkler ist und mehr ins Blaue übergeht. Fühler und 
Beine stimmen mit vesicatoria typica überein. Der Verbreitungsbezirk der 
var. Heydeni ist ziemlich gross und erstreckt sich von Kleinasien bis zum 
Amurgebiete. Die Exemplare, die ich sah, trugen folgende Angaben: zwei 
Orient, 1863; eines {Lytta Prasnotvskii Kind. i. 1.) Turcia (Coli. Thomson); 
vier Turkestan (Coli. Türk); zwei Turkestan (Sartori us); zwei Asia minor. 

Sehr interessant ist bei den gestreiften Formen die geographische Ver- 
breitung; je mehr das Thier von Osten nach Westen rückt, desto mehr ver- 
schwinden die hellen Streifen. 

Die ganz gelbe Form Heydeni scheint unabhängig von der ge- 
streiften Form direct aus der typischen vesicatoria hervorzu- 
gehen; wenigstens sah ich ein Exemplar (Wiener Museum), bei dem die hintere 
Hälfte der Flügeldecken schon ganz deutlich eine dunklere, metallische Färbung 
zeigte. Da die grüne Farbe der Flügeldecken auf Interferenz beruht, so ist 
diese Erscheinung nicht schwer zu erklären. 

Bisher führte man Heydeni und flavovittata als eigene Arten au; doch 
ist das sicher verfehlt, da einestheils die schönsten üebergänge sich herstellen 
lassen, anderestheils die vollständige Uebereinstimmung der Genital- 
anhänge die Zusammengehörigkeit der drei Formen beweist. 

Lytta vesicatoria ist über die ganze paläarktische Fauna ver- 
breitet: von Spanien bis zum Amurgebiete und Sibirien. In Mitteleuropa 
erscheint sie meist in den Monaten Mai bis Ende Juli; man trifft sie auf den 
verschiedensten Pflanzen: Ligustrum vulgare, Fraxinus (nach Mittheilung von 
F. Leydig), Syringa, Acer, Sambucus, Populus etc. Merkwürdig ist, dass die 
spanische Fliege manche Jahre zu Tausenden in einer Gegend vorkommt, in 
anderen Jahren dagegen ganz fehlt oder nur sehr vereinzelt sich findet, wie es 
zum Beispiel auch hier in Regensburg der Fall war. Möglicherweise liegt das 
Verschwinden darin, dass die Brut in Folge Mangels der nöthigen Bienen- 
nester zu Grunde geht. 

Lytta suturella Met. 

Schrenk, Reise, 1860, S. 144, Taf. 9, Fig. 21. — De Mars., Abeille, 
1878, Tom. XV, p. 110. — Haag, Deutsche ent. Zeit., 1880, S. 74. — Heyden, 
Catal. Sibir., p. 154. 

Viridi-cyanea; elytris sutura et margine exceptis testaceis; thorace gldbro, 
impunctato, anguUs anticis elevatis. 

Long. 18 mm. 

Lytta suturella ist habituell der vesicatoria var. Heydeni sehr ähnlich, 
doch ist sie leicht davon zu unterscheiden durch den Halsschild: dieser ist 
stark quer, glatt, ohne jede Punctur und die Vorderecken sind stark 
in die Höhe gebogen. Der Kopf ist ebenfalls ganz glatt, stark glänzend und 
nur mit ganz wenigen, sehr feinen Pünktchen zerstreut besetzt; in der Mitte 



RoitrilKO zur NiiturROschiclito <lor MoloidciiKattiiiip r^ijllit Kiili 



277 



mit einer nindon, liollen Makel. Plüfi^eldeckeii fein ledern rlig f^eruii/clt, l)raun- 
gelb, nur die Naht, und der Rand bis zum letzten Drittel dunkeloliv wie d(!r 
übrige Körper. Fiihler gleichmiissig, nicht dicker werdend (beim 9 wenig) 
gegen die »Spitze; die ersten 3—4 Glieder mit blauem Schimmer, die übrigen 
gewöhnlich schwarz. Beine zart. Aeusserer Enddorn der Hintertibien etwas 
kürzer und breiter als der innere. 

Vorderschieuen mit einem Dorne; Fühler das erste Drittel der Flügel- 
decken erreichend; letztes AbdominaLsegment sehr seicht halbkreisförmig ausge- 
schnitten. Genitalanliänge conf. Taf. IX und X, Fig. 3. 

9 : Vorderschienen mit zwei Dornen; Fühler die Basis des Halsschildes 
kaum überragend, gegen die Spitze zu etwas breiter werdend ; letztes Abdominal- 
segment ganz. 

Die Variabilität bezieht sich hauptsächlich auf die Färbung; so kann 
die grüne Farbe die verschiedensten Nuancen bis fast schwarz darbieten, ferner 
kann sich sowohl der grüne Naht- als auch der Randsaum verbreitern. Die Farbe 
der Flügeldecken schwankt zwischen hellerem und dunklerem Braun. 

Geographische Verbreitung. Lytta suturella kommt nur im öst- 
lichsten T heile der paläarktischen Fauna vor, nämlich im Amurgebiete: 
Transbaikalien, Daurien, Gebiet des Flusses Oussuri (Ussuri), Bay Slaviansk 
(Heyden, Catalog Sib.), Nikolajevsk (Heyden, Deutsche ent. Zeit., 1886, S. 294). 

Mir lagen acht Exemplare vor: drei aus dem Wiener Museum, zwei aus 
dem Budapester Museum, eines aus dem Brüsseler Museum, zwei in Coli. 
Escherich. 

Lytta Roborowskii Dokth. 

Horae, 1887, p. 343 und 1889, p. 120, Tab. 1, Fig. 10. 

Violaceo-nigra ; elytris linea media lata, apice non attingente, bruneo- 
testacea ornatis; capite macula rubra ornato; thorace valde transversa, longi- 
tudine duplo latiore, irregulariter fortiterque punctato; antennis nigris, satis 
longis, elytrorum basin valde superantibus; tibiarum posticarnm calcare externo 
tenui, vix latiore quam interno. 

Long. 11—12 mm. 

Lytta Roboroiüskii ist eine sehr charakteristische Art und leicht kenntlich 
durch die dunkle schwarzblaue Färbung und besonders den sehr breiten Thorax. 
Dieser ist wenigstens zweimal so breit als lang, mit deutlich hervortretenden 
ziemlich scharfen Vorderecken ; gegen die Basis zu beträchtlich enger werdend; 
Scheibe grob, aber nicht dicht und ganz unregelmässig punktirt; je eine 
grössere erhabene Stelle jederseits der Mitte glatt, ohne Punkte. Basis stark 
erhaben gerandet; Flügeldecken fast parallelseitig, gleichmässig gerunzelt, schwarz- 
blau, mit einem breiten gelbbraunen Längsstreifen, der am Schulterhöcker 
beginnt und längs der zweiten Rippe verläuft, die Spitze jedoch nicht ganz 
erreicht, sondern einen schmalen dunklen Saum freilässt. Fühler fast die Mitte 
der Flügeldecken erreichend, die ersten 3—4 Glieder mit blauem Schimmer, die 
übrigen schwarz; nach der Spitze zu etwas breiter werdend. Unterseite stärker 



278 



K. Escherich. 



glänzend. Aeusserer Enddorn der Hintcrtibien lang, schlank, zugespitzt, kaum 
merklich breiter als der innere. 

: Vordertibien nur mit einem Enddorue. Genitalanhänge ähnlich denen 
von vesicatoria; Parameren an der Spitze mit Widerhaken versehen. 

Lytta Rohoroiöskii erinnert ein wenig an die kleinen Exemplare von 
var. flavovittata Ball.; doch ist in Anbetracht der breiten, sehr charakte- 
ristischen Thoraxform und Sculptur, ferner der Färbung etc. eine Ver- 
wechslung ausgeschlossen. 

Mir lagen nur drei Exemplare vor, die Przevalsky in Amdo (Tibet) 
erbeutete: ein Exemplar in meiner Sammlung, ein Exemplar in Coli. Rc Itter, 
ein Exemplar in Coli. Heyden. 

Lytta Caraganae Pallas. 

Icon., p. 97, Tab. E, Fig. 28. — Gebl., Bull. Mose, 1847, IV, p. 503. — 
Brandt und Ratzeburg, Med. Zool., II, S. 121. — Lytta Pallasi Gebl., 
Ledebour, Reise, II, p. 141. — Muls. et Rey, Mem. Lyon, 1858, p. 159. 

Alata, filicornis, aurato-viridissima, glabra, thorace suborhiculato, an- 
tennis extrorsum suherassioribus (Pallas). 

Lytta Caraganae, die in Folge der grünen Färbung ein wenig an vesi- 
catoria erinnert, nimmt in der vesicatoria-Gru^-pe eine isolirte Stellung ein 
wegen der unten erwähnten, merkwürdigen secundären Sexualcharaktere des cT. 
Ausserdem sind noch viele andere Charaktere da, die ein Verwechseln unmöglich 
machen. Kopf und Halsschild sind glatt, sehr stark und lebhaft glänzend, nur 
mit ganz wenigen kleinen Punkten besetzt (Halsschild häufig ganz ohne 
Punkte). Kopf mit deutlicher rothbrauner Stirnmakel. Halsschild mit deutlich 
vorspringenden, scharfen Vorderecken, Vorderrand von diesen Ecken aus hals- 
förraig vorgezogen, Seiten des Halsschildes nach hinten (etwas gerundet) conver- 
girend; Scheibe mit mehr weniger Unebenheiten und verkürzter Mittellinie. 
Basis stark erhaben gerandet. Flügeldecken grob lederartig gerunzelt, gewöhnlich 
mit messingenem Schimmer. Fühler comprimirt, deutlich gegen die Spitze ver- 
breitert, mit schön violettem Schimmer; Glieder von dem fünften an so breit als 
lang, herzförmig. — Länge: 12 — 20mm. 

: Trochanteren der Mittelhüften mit langem spitzen Zahne; Trochan- 
teren der Hinterhüften mit einem stumpfen Höcker besetzt. Vordertibien nur 
mit einem Zahne, erstes Tarsenglied ausgeschnitten; erstes Glied der Mittel- 
tarsen noch mehr ausgeschnitten, vielmehr hakenförmig gebogen. Letztes Abdo- 
minalsegment kaum ausgeschnitten. Genitalanhänge conf. Taf. IX und X, Fig. 4. 

Die Variabilität beschränkt sich hauptsächlich auf die Färbung; von 
dem dunkelsten Blaugrün bis prächtig kupfergolden finden sich die schönsten 
Nuancen: smaragdgrün, messinggläuzend, violett etc. Ausser der Färbung ändert 
auch die Sculptur des Halsschildes ab, wenn auch in geringem Grade (schwächere 
oder stärkere Punktirung). 

Geographische Verbreitung: Pallas gibt an: „Cupiosissima in are- 
nosis ad Selengam, inque Dauriae campestribus, virgulta Eohiniae Caraganae 



Roitrilpo zur Naturgoscliiclifo der MoloitlonKiiitiuiR Lißta Fub, 



minuta, rodendo dot'olians, inaximo siib lincin Junii. liarior occurrit ad Joni- 
seani" (Wostsibirieu). Heyden führt in seiuoni Kalalogc an: IJarnanl, Altai- 
gebirge, Daurien, Kirgisensteppe. Ferner werden noch genannt: Pochrofka im 
Amurgebiete (Heyden, Deutsche ent. Zeit., 1885, Ö. 303), Peking in Nordcliina 
(Heyden, 1. c, 188G, S. 287). 

Meine Exemplare stammen grösstentheils von Pecking (Staudinger) und aus 
der Nordmongolei, Shangai (Leder). Die Exem])lare des Wiener Mu.seums tragen 
folgende Angaben: Korea (Haas, 1892), Irkutsk(Gehle r), Pochrofka(Koltze, 1889). 

Der Verbreituugsbezirk der Lytta Caraganae Pall. ist demnach auf den 
Osten beschränkt. Das Kaspische Meer dürfte die westliche Grenze seines 
Vorkommens bilden. 

Lytta Caraganae muss sehr zahlreich auftreten, da man sie in den 
östlichen Ländern an Stelle der officinellen Lytta vesicatoria zu medicinischen 
Präparaten benützt („Allaguluk" der Kirgisen, „Zoochorchoroi" der Kalmuken). 

III. Lytta ooeeinea Menetr. 

Mem. Acad. Petr., VI, 1849, p. 247, Fab. 4, Fig. 14 (Oenas). — Dokthon- 
roff, Faune aralo-casp., (Sep.-Abdr.) p. 58 (Oenas). — Var. minor Dokht., 
1. c, p. 59. 

Nigra, capite, thorace, elytris pedibiisque (genuhus tarsisque exceptis) 
rufo-testaceis. 

Long. 16— 19 mm. 

Unbegreiflicher Weise wurde bis jetzt Ltjtta coccinea stets in die Gattung 
Oenas Latr. gestellt, obwohl unser Thier kein Merkmal besitzt, das für 
Oenas charakteristisch ist. Oenas besitzt gekämmte Klauen und sehr 
kurze Antennen, coccinea dagegen vollkommen glatte Klauen und relativ 
schlanke Antennen; ausserdem ist auch der Habitus vielmehr der QmQY Lytta 
als einer Oenas, so dass eigentlich nicht einzusehen ist, wie man dazu kam, 
coccinea der Gattung Oenas einzuverleiben. 

Lytta coccinea Menetr. zeigt Verwandtschaft zur vesicatoria-Grw^^Q in 
Folge des übereinstimmenden secundären Sexualcharakters des cT; auch der 
Habitus ist nicht unähnlich dem der genannten Gruppe. Doch die abweichende 
Färbung und die Verschiedenheit des Copulationsapparates bestimmten mich, 
coccinea getrennt von der t'esicaiona-Gruppe zu behandeln. Das Thier ist sehr 
leicht zu erkennen durch den rothen Kopf und Halsschild. Beide sind 
vollkommen glatt und ohne Punctur; höchstens ist der Kopf mit ganz feinen 
Pünktchen zerstreut besetzt. Der Halsschild ist breiter als lang, die Vorderecken 
treten nur schwach hervor und sind stark gerundet; Scheibe ziemlich eben, ohne 
deutliche Mittellinie; Basis stark und gleichmässig gerandet. Flügeldecken 
einfärbig roth, grob lederartig gerunzelt. Fühler schwarz, gleichmässig stark, 
die Basis des Halsschildes etwas überragend. Unterseite schwarz; Schenkel mit 
Ausnahme der Trochanteren und der Spitze, Schienen mehr oder weniger roth, 
Tarsen schwarz; Beine, besonders die Schienen, ziemlich dicht goldgelb behaart. 

Z. B. Ges. B. XLIV. Abli. 36 



280 



K. Escherich. 



: Vordertibien nur mit einem gebogenen Enddorne. Genitalanbänge 
conf. Taf. IX und X, Fig. 5. Parameren ohne Widerhaken an der Spitze. 

Die Variabilität ist äusserst gering; die Sculptur der Flügeldecken 
zeigt kleine Differenzen und die Form des Halsschildes scheint etwas zu variiren. 
Die kleinen, 7 mm langen Exemplare bezeichnet Dokthouroff als var. minor. 

Lytta coccinea ist auch ein östliches Thier und scheint das Kaspische 
Meergebiet nach Westen nicht zu überschreiten. Heyden gibt in seinem Kataloge 
Agathma (Turkmenien) als Fundort an; Hauser fing coccinea und var. minor 
in dem Gebirge Serafschan (Saniarkand). Meine Sammlungsexemplare tragen die 
Angaben: Turkmenien (Leder), Tekke (Staudinger). 

IV. Die dives-Gvvi'gi^e. 

Scheinbar recht heterogene Elemente enthält diese Gruppe; doch in 
Wirklichkeit sind die drei Arten sehr nahe mit einander verwandt. So auf- 
fallende Charaktere in derselben Zusammensetzung besitzen dives, optahilis und 
pilosella, dass kein Zweifel an ihrer Zusammengehörigkeit aufkommen kann. 
Man betrachte nur die merkwürdigen secundären Sexualcharaktere des und 
verbinde damit den übereinstimmenden, charakteristischen Bau des Penis, so 
wird man sich leicht davon überzeugen. Während dives und optahilis die 
Gruppenmerkmale in der ausgesprochensten Form besitzen, sind diese bei pilo- 
sella schon etwas undeutlicher, jedoch noch immer deutlich genug, um sie zu 
erkennen. 

Lytta dives Brülle. 

Exped. Mor., III, 1832, p. 232, PI. 41, Fig. 7—8. - Castelnau, Hist. 
nat., II, p. 272. — Jacq. Duval, Gen. Col., III, PI. 94, Fig. 470. 
Syn.: C. flavipes Muls., Mem. Lyon, 1858, p. 103. 
Eylandti Heyd. i. 1. 

Y-äY.phalerata Friv., A Magyar Tudos., 1837, p. 182. — Waltl., Isis (Oken), 
1838, S. 467. — Muls. et Eey, Mem. Lyon, 1858, p. 161. 
= ? ? vittata Brülle, 1. c. 
tricolor Haag. 

? togata Fisch., Bull. Mose, 1844, p. 135. 
fulgiirans Deyr. i. 1, 
fulgida Deyr, i. 1. 

Var. gentilis Friv., Termez. Füzet., I, 1877, p. 136. 
coeruleipennis Beauregard, Ins ves., p. 493. 

Viridis, nitida, albo-suhhirta ; antennis et ore nigris; palpis pedihusque 
pallide testaceis; elytris maris fascia longitudinalis aurea; ahdomine feminae 
cupreo-nitidissimo. 

Long. 15mm, lat.ömm (Brülle). 

Lytta dives, eine der prächtigsten Arten unserer Gattung, ist ausge- 
zeichnet durch die einfärbig gelben Beine. 



r>(>i(.i'iip[o zur NiidirROPt liii i iMrloiilni^iidmip; LijUa V:\\>. 



2S1 



Kupl' und Halsscliild ziciiilich j^rol) sliciCt'iil'öriiiiji^ clKi^riiiii t, iiiil üclVii 
rmiklcu /erstrout bost'tzt, }?ol(l<(i'iin j^län/oiid. ]I;i.lssch ild dcuÜicli breiter als 
liiiif;:, Vordorockoii horvortretend, gorundot; Sclioibe mit, ziemlich breiter Mittel- 
l'urclie, Basis hoch g-erandet. Flügeldecken fein lederartig sculptirt grün- 
glänzeud, mit aufrechtstehenden Haaren besetzt. Fühler schwarz, schlank, fast 
die Mitte der Flügeldecken erreichend. Unterseite lebhaft goldglänzend, mit 
langen, weissen, zottigen Haaren versehen. Kopf und Hals ebenfalls ziemlich 
lang und dicht behaart, ebenso die Sehenkel. Aeusserer Enddorn der Hinter- 
tibien sehr stark verbreitert, nicht zugespitzt. 

cf : Trochanteren der Hintertibien mit einem grossen, lamellenförmigen, 
schwarzen Fortsatz, der an der Spitze mit einem Haarbüschel besetzt ist. Meta- 
sternuni im vorderen Drittel mit zwei grossen schwarzen Haarbüscheln versehen ; 
letztes Abdominalsegment massig ausgeschnitten an beiden Ecken mit langen 
schwarzen Borstenhaaren bewaffnet (Taf. VIII, Fig. 6). Mittlere Tibie vor der Spitze 
tief ausgeschnitten, am Grunde des Ausschnittes mit einem Dorne; an der Spitze 
mit zwei schlanken langen Dornen geschmückt, erstes Glied der Mitteltarsen breit, 
an der Innenseite mit schwarzen Haaren besetzt (Taf. VIII, Fig. 8). Genital- 
anhänge conf. Taf. IX und X, Fig. 6 (die Haken am Penis sehr schlank). 

Die Variabilität ist sehr weit und übertrifft noch die von vesicatoria. 
Es lassen sich hier die beiden Richtungen constatiren, die ich oben angegeben: 
die grüne Farbe kann durch schönes Dunkelviolett vertreten sein; es ist dies 
die var. gentilis Friv. (1. c.) (= coentleipenis Beaur.). 

Die zweite Variationsrichtung bei clives besteht darin, dass sich auf der 
Mitte jeder Flügeldecke ein breiter, pur pur rother Längsstreifen mit feurigem 
Glänze ausbildet. Brülle hielt diese Form für die cT, was aber nicht richtig 
ist, da die Streifen ganz unabhängig vom Geschlechte auftreten. Man findet 
auch hier viele Uebergänge: von einem schmalen, zarten, messingglänzenden 
Streifen bis zum breiten gesättigten purpurnen Bande. Frivaldszki beschrieb 
diese schöne Form als phalerata (1. c), Deysolle bezeichnete sie als fulgurans 
i. 1. (Brüsseler Museum). Ob die Lytta vittata Brülle hieher gehört, ist mehr 
als fraglich; vielleicht bezieht sie sich auf vesicatoria var. dibapha Reitt. Da 
vittata nach einem zerbrochenen Exemplare beschrieben ist, so dürfte sie ruhig 
gestrichen werden. Auch die Sculptur ist nicht sehr constant; besonders das 
Halsschild ist in dieser Beziehung ziemlich variabel. 

Geographische Verbreitung. Lijtta dives ist hauptsächlich auf der 
Balkanhalbinsel zu Hause, kommt aber auch noch östlicher vor. Im Turkestan 
scheint er nicht mehr zu sein; die Exemplare, die ich sah, trugen folgende An- 
gaben: Orient, Anatolien (Lederer), Constantinopel, Türkei, Rumelien, Russia 
merid., Astrabad (Lederer, 1869), Smyrna {(jentilis Friv.), Persien (Bienert), 
Hadjin (Asia minor), Ashabad (v. Rosen). 

Zum Vergleiche lagen mir 30 Exemplare vor; am zahlreichsten darunter 
war die gestreifte Form vertreten; von der einfärbig grünen Stamniart sah ich 
nur wenige, die blaue Form kenne ich nur in sechs Exemplaren. 

36* 



282 



K. Escherieb. 



Lytta dives scheint selten zu sein. Brülle erwähnt (1. c.) über die 
Lebensweise: „Cette espece se trouve au raois d'Avril sur les thjrses de l'Aspho- 
dele. Elle dure peu de jours." 

Lytta optabilis Faid. 
Fauna Transc, II, p. 133, Tab. IV, Fig. 6. 

Lata, Itreviuscula, tlialassina ; thorace brevi, minutissime remote punc- 
tata; elytris alutaceis, apice dehiscentibus, singulatim rotundatis; antennis, 
tibiis tarsisque nigris. 

Long. 10— 15 mm. 

Lytta optabilis ist durch ihre zarte, matte grüne Farbe der Oberseite 
leicht kenntlich. 

Kopf und Halsschild eben, mit feinen eingestochenen Punkten gleich- 
massig, aber nicht dicht besetzt, behaart. Halsschild sehr stark quer, fast zwei- 
mal so breit als lang, nierenförmig, Vorderecken gerundet, Seiten nach hinten 
beträchtlich geradlinig verengt, Scheibe eben, nur mit einer schwach ange- 
deuteten Mittelfurche, Basis ziemlich erhaben gerandet. Flügeldecken relativ 
breit und kurz, fein chagrinirt gerunzelt. Fühler schwarz, die ersten vier Glieder 
mit grünem Schimmer und ziemlich lang behaart, nicht lang, die Basis des 
Halsschildes kaum überragend. Unterseite lebhaft goldgrün, glänzend. Aeusserer 
Enddorn der Hintertibien sehr breit und kurz, breit abgestutzt. 

(^f : Lytta optabilis hat dieselben secundären Sexualcharaktere wie dives, 
nur nicht in so ausgesprochenem Masse (siehe bei dives). Genitalanhänge conf. 
Taf. X, Fig. 7. 

Die Variabilität ist sehr minimal und bezieht sich eigentlich nur auf 
die Grössendifferenzen. 

Lytta optabilis besitzt ein sehr kleines Verbreitungsgebiet, und scheint 
nur in dem Gebiete, das von dem Schwarzen und dem Kaspischen Meere begrenzt 
ist, vorzukommen. Ich sah Stücke aus: Lenkoran, Derbent (Obert), Kaukasus 
(Leder). Marseul gibt in seinem Cat. de l'anc. monde an: Siberie, was 
sicher falsch ist. Heyden kennt ihn nicht aus Sibirien. 

Lytta pilosella Solsky. 

Erschoff, Troudy Soc. Ent. Boss., Tom. XII, p. 259. — Heyden, 
Deutsche ent. Zeit., 1885, S. 281. — Dokthouroff, Faune aralo-casp. (Sep.- 
Abdr.), p. 53. — Beauregard, Les Insect. vesic, p. 515 (Meloide incertae sedis). 

Var. albovillosa Ball. i. 1. (Coli. Re Itter). 

Viridis albo-hirta, pedibus genubus tarsisque exceptis rufo-testaceis; an- 
tennis nigris, thorace transversa, lateribus rotundatis. 
Long. 10 — 14 mm. 

Bronzefarbig, Beine mit Ausnahme der schwarzen Kniee und Tarsen 
gelbroth. 



Iiciinigo 7,uf Niil iirj^ivsi'liiclilo ili>r MoldidtMiRiiI 1 /.///^' l'.il' 



Kopf mit oiiu'iii tiolVii, (juoron (in dor Mil,lo niilt-'i-lMocluMicii ) Kind nick 
dem Scheitol, fein gcruiizolt, mit, ^-nissoroii riiuktcii zci-sl nnil bcsot/l , 
dicht und lan^ behaart. Halsscdiild deutlich breiter als lang, die gerund(;ten 
Vorderecken yind weit nach hinteu bis in die Mitte des Seiteurandes gezogen, 
so dass die Seiten des Thorax einfach gerundet erscheinen. Scheibe mit einer 
breiten, mehr oder weniger ausgeprägten Mittelfurche, fein (strcifenföiniig) cha- 
grinirt. Basis relativ schwach gerandet. Flügeldecken ziemlich lang, ])arallel- 
seitig, lederartig gerunzelt, ohne deutliche Kippen. Unterseite etwas heller grün, 
glänzend. Antennen ziemlich schlank, das erste Drittel der Flügeldecken er- 
reichend. 

(3^ : Hintere Trochautereu in einen stumpfen Höcker vorgezogen. Letztes 
Abdominalsegment ausgeschnitten, mit je einem langen Borstenbüschel auf jeder 
Ecke. Genitalanhänge conf. Taf. IX und X, Fig. 8 (Penis mit sehr schlanken 
und laugen Haken). 

Lytta pilosella variirt sowohl in Bezug auf die Farbe (olivengrün 
bis hellgrün) als auf die Sculptur besonders des Halsschildes und Kopfes; auch 
die Grösse schwankt zwischen 10 und 14 mm. Exemplare mit sehr dichter, weisser, 
zottiger Behaarung bezeichnete Ballion als alborillosa (ein Exemplar in Coli. 
Reitter). 

Lytta pilosella ist in Turkestan zu Hause: Taschkent, Namangan 
(Dokthouroff, [v. Heydjen); Haus er gibt in seiner Fauna von Turkestan 
(Deutsche ent. Zeit., 1893, S. 23) an: Steppe und Thal des Serafschangebirges 
(Samarkaud). Mir lagen Exemplare von folgenden Localitäten vor: Altaigebirge 
(Staudinger), Taschkent (Reitter), Chodshent (Ballion). 

V. Die Clematidis-Gi'ni^^e. 

Ich stelle in diese Gruppe vorläufig eine Anzahl Arten, die der secundäreu 
Sexualcharaktere entbehren, wenigstens so weit sie die Beinbildung betreffen, 
und welche habituelle Aehnlichkeit mit Clematidis besitzen. Der negative 
Charakter des Gruppenmerkmals, ferner die Zuhilfenahme der habituellen 
Aehnlichkeit lassen schon ersehen, dass die Clematidis-Gru^-ge keine feste 
Basis hat. Möglich ist es ja, dass die vier Arten, die ich dieser Gruppe beizähle, 
thatsächlich nähere verwandtschaftliche Beziehungen zeigen, doch bewiesen ist 
es nicht. Nur fehlt jedes greifbare positive Merkmal, das eine Zusammen- 
gehörigkeit bekunden könnte. 

Lytta Clematidis Fall. 

Icon., p. 95, Tab. E, Fig. 25. — Gebl., Bull. Mose, 1847, IV, p. 503. — 
Muls. et Rey, Mem. Lyon, 1858. — Dokthouroff, Faune aralo-casp. (Sep.- 
Abdr.), p. 54. — Haag, Deutsche ent. Zeit., 1880, S. 74. 

Syn.: Fischeri Gebl., Mem. Mose, V, p. 317. — Lederb., Reis., S, 140. 
— Fisch., Ent. Ross., II, p. 230. 



284 



K. Escbericli. 



Var. Mvittis Vidi, 1. c, p. 93, Tab. E, Fig. 21. 
hivitta Schönh., Sjn. Ins., III, p. 28. 

Alata, filicornis, aeneoatra, iduhescens; ehjtris griseo-puhescentihus iuma- 
culatis (Pallas). 

Schwarz mit bläulichem oder grünlichem Schimmer, Flügeldecken 
braun. Kopf und Halsschild glatt, stark glänzend, nur mit ganz vereinzelten 
Punkten besetzt. Halsschild kaum breiter als lang; Vorderecken bis fast zur 
Mitte der Seiten hintergerückt, deutlich vorspringend; von hier aus der Vorder- 
rand halsförmig vorgezogen. Scheibe mit mehreren Eindrücken zu beiden Seiten 
und vor der Basis, mit einer mehr weniger deutlichen Mittellinie; Basis stark 
erhaben gerandet. Flügeldecken sehr lang, einfarbig braun, gleichmässig ge- 
runzelt, mit kurzen niederliegendeu, hellen Haaren besetzt. Unterseite grünlich- 
schwarz und besonders die Brust lang weiss behaart. Aeusserer Enddorn der 
Hintertibien ebenso lang als der innere, verbreitert, an seinem Ende zugespitzt. 
Fühler beim schlank, das erste Drittel der Flügeldecken erreichend, beim 
$ kurz, kaum die Basis des Halsschildes erlangend, gegen das Ende deutlich 
stärker werdend. 

^ : Genitalanhänge conf. Taf. IX und X, Fig. 9 (Parameren mit deutlichem 
Cirrus, Penis sehr massiv). 

Lijtta Glematidis ist ziemlich veränderlich, sowohl in Betreff der Sculptur 
des Ko})fes und Halsschildes, die vollständig ohne Punktirung sein können, als 
auch bezüglich der Färbung, da sich auf den einfärbig braunen Flügeldecken in 
der Mitte ein schwarzer metallisch glänzender Streifen ausbilden 
kann; derselbe erreicht weder die Basis noch die Spitze der Flügeldecken; die 
Breite des Streifens ist sehr variabel und kann eine solche Ausdehnung erlangen, 
dass an Naht und Rand nur noch ein schmaler brauner Saum bestehen bleibt. 
Die gestreifte Form beschrieb Pallas als hivittis (1. c): „ehjtris luteis, fascia 
longitudinali ohliquata violaceo-atra. Ad Moni es altaicos in australioribus 
occurrit mrius.^ 

Die Streifenbildung tritt unabhängig vom Geschlechte auf, weshalb 
Heyden's Angabe in dem Cat. Siber., wonach die ^ gestreift, die $ einfärbig 
seien, zu berichtigen ist. 

Geographische Verbreitung. Lytta Clematidis ist im Osten der 
paläarktischen Fauna zu Hause. Pallas bemerkt: „In campis torridis ad 
Irtin, supra Clematidem orientali affinem, acerrimäm, Junio pascitur, minus 
tarnen frequens, et aliis locis nunquam vista;"' Heyden gibt an: Barnaul, 
Loktewskische Silberhütte (Westsibirien); Koliwan am Ob; See Alakul; Altai- 
gebirge (Cat. Siber., p. 154). — Dokthouroff nennt: Turkestan (assez rare), 
Kafirnagan, Namagan. — F. Hauser erbeutete sie in Buchara (Steppe und 
Wüste Kara-Kum) (Fauna von Turkestan, III). — Also hauptsächlich Turkestan 
und Westsibirien ist die Heimat^unserer Art. 

Mir lagen 24 Exemplare vor aus: Sibirien (Sartorius, 1876), Turkestan 
(Reitter), Sibirien (Thomson), Altai (Kindermann). 



Boitriigo zur NatMrp;osf1n(-li(c il(>r McloiilciiRiittuiiR LijUii Fat), 



285 



Lytta djorboiisis nov. spcc. 
(Tai'. \1, Fig. I.) 

Parva, nujra, lonye albo-iHllosa, elytris pedihus (gcMiibus tarsisqiie ex- 
eeptis) ultimisquc segmentihus flavo-hruneis. Capite thoraceque dense punctatis ; 
thorace transrerso, ad basim paulo angnstato, disco utrimque fovea glahra, 
impunctata ornato, basi dcvate margitiata. Scutello nigra. Elißris haud longis, 
laicribus parallelis, teniiitcr rugoso-coriaceis. Antennis brevibus, thoracis basin 
haud, attingentibiis. 

Long. 9—10 mm. 

Lytta djerbensis ist eine sehr charakteristische Art, die eigentlich mit 
Clematidis nichts gemein hat als die braunen Flügeldecken und das Fehlen der 
oben genannten secundären Sexualcharaktere. Ich stellte das Thier auch nicht 
ohne Widerstreben in die C/ew^a^^VZ^s-Gruppe (s. Einleitung zu dieser Gruppe). 

Lytta djerbensis ist sehr auffallend durch seine kleine, ziemlich breite 
Gestalt, die kurzen Fühler, die gelben Beine etc. 

Kopf und Halsschild sind sehr dicht zottig weiss behaart, nur je eine 
kleine runde Stelle auf jeder Seite des letzteren ist kahl. 

Der Halsschild ist quer, deutlich breiter als lang, Vorderecken ge- 
rundet, wenig vorspringend. Seiten nach der Basis zu merklich convergirend, 
Basis erhaben gerandet. Scheibe gleichmässig, ziemlich dicht punktirt, nur je 
ein runder grubenförmiger Eindruck auf jeder Seite glatt. Schildchen an der 
Spitze abgerundet. Flügeldecken ein Drittel breiter als die Basis des Halsschildes, 
mit parallelen Seiten; im Verhältnisse zur Breite nicht lang, einfarbig braun, 
gleichmässig gerunzelt, mit greiser, niederliegender Behaarung spärlich besetzt 
(an der Basis und der Naht etwas dichter); Ränder der Flügeldecken erhaben 
gerandet. 

Fühler sehr kurz, beim die Basis des Halsschildes, beim 9 kaum 
die Mitte desselben erreichend; die ersten Glieder mit abstehenden, langen, 
weissen Haaren besetzt, die übrigen Glieder kurz grau befilzt; Glieder 4—11 
sind nur wenig länger als breit. Brust schwarz, ziemlich dicht behaart; Ab- 
domen beim einfärbig schwarz (höchstens mit zwei gelben Seitenflecken 
an den letzten Segmenten), beim 9 die letzten drei Segmente gelb- 
braun. Beine gelb roth, nur die Kniee und die Trochanteren schwarz, Tarsen 
bräunlich. 

cf: Ausser dem Unterschiede in der Färbung und Fühlerlänge zeichnet 
sich das noch durch das sehr tief ausgeschnittene letzte Abdominal- 
segment aus. Genitalanhänge conf. Taf. IX und X, Fig. 10. Die Parameren 
sind nicht unähnlich denen von Clematidis, doch fehlt die Behaarung an der 
Spitze; der Penis hat einen ganz anderen Typus und erinnert eher an vesicatoria. 

Vorkommen: Ich entdeckte diese interessante Art auf der Insel 
Djerba (Dshebado) im Golfe von Gabes (kleine Syrte), und zwar fing ich sie 
am 16. April 1894 auf gelben Compositen in neun Exemplaren. Davon erbeutete 
vier Stück mein junger Diener Hadj Mansor, die anderen fünf ich selbst; 



286 



K. Eschericli. 



ein Exemplar befindet sich in der Coli. Heyden, zwei defecte in der Coli. 
Reitter und sechs Exemplare in meiner Sammlung. 

Lytta Hauseri Heyd. 
Deutsche ent. Zeit., 1894, S. 51. 

Ex affinitate Lytta Clematidis Pall. sed corpore opaco, nigro (non me- 
tallico); elytris sanguineis. Capite minus, indistincte pimctato . Antennis nigris, 
hrevioribus quam in Lytta Clematidis, articulis omnihus hrevioribus, magis 
moniliformibus, sed distincte longioribus quam latis. Thorace breviore, a callo 
humerali ad basin fere non angustato, dorso non gibboso, post medium fo- 
veolis dudbus profundis, perparum lucido, in circuitu partim ruguloso, ante 
basin medio minus impresso quam in I^ytta Clematidis, punctis majoribus de- 
ficientibus. Scutello nigro. Elytris sanguineis, magis rugulosis, nervis longi- 
tudinalibus indistinctis. Corpore supra brevi albo-piloso. Stibtus pedibusque 
totis nigris, unguiculis simplicibus non pectinatis, rufulis, basi nigris. 

Long. 8 mm. 

Patria: Karakum (Transcasp.) (Hauser). 

Leider konnte ich das einzige Exemplar nicht zur Ansicht bekommen, da 
Herr v. Heyden, in dessen Sammlung sich die seltene Art befindet, verreist war. ^) 

Lytta poeoiloptera Semenow. 
Horae Societ. Ent. Ross., Tom. XXVII, p. 270. 

cf. Elytris laete rubro-testaceis, singula vitta late neque basin neque 
apicem attingente nigro-violacea ornato. Antennis mediocribus elongatis attamen 
basin elytrorum distincte superantibus, sat tenuibus. Capite fortiter irregula- 
riterque punctato, pilis longis nigris copiose obsito. Thorace aeque longo ac 
lato, lateribus usque ad trientem anteriorem perparum subdilatato et vix sub- 
rotundato, dein apicem versus modice obliquato angustato, eodem fere modo ac 
Caput punctato et nigro-piloso. Elytris sat parallelis, supra crasse fortiterque 
rugoso-coriaceis, subglabris. Abdomine ultimo segmento haud exciso ((^). Pe- 
dibus breviter nigro-pilosis ; tarsis anticis subtus articulis omnibus pallido- 
pulvillatis, articulo basali brevissimo supra medio ad apicem nonnihil fisso, 
subtus unco valido introrsum directo armato, articulo 2 praecedentem triplo 
super ante. 

Long. 13 mm. 

Patria: Pamir; individuum unicum in Coli. P. a Semenow. 

Lytta poeciloptera gleicht nach der Beschreibung sehr der Lytta Clema- 
tidis var. bivittis, und unterscheidet sich von dieser durch den stark punktirten 
Kopf und Halsschild, die schwarze Behaarung, das nicht ausgeschnittene letzte 
Abdominalsegment des cT und die Vordertarsenbildung. Die Färbung, Form des 
Thorax, Fühler etc. stimmen mit der oben genannten Lytta überein. 



i) Nachträglich erhielt ich das Thier zugesandt; es gehört nicht in die CZmaiJcZis-Gruppe, 
sondern zu Lytia eoccinea, da das cf nur einen Enddorn an den Vordertibien besitzt. Siehe Nachtrag. 



Boitrftpo zur Naturgoscliiclito dor MoloidoiiRiittniig Li/ttn Vah. 



287 



VI. Lytta luteovittata Kraatz. 

Deutsche ent. Zeit., 1882, S. ^534. — Dokthouroff, Faune aralo-casp. 
(Sep.-Abdr.), p. 53. 

Var. Grumi Sem., Hör. Soc. Ent Ro.ss., XXVII, p. 2G8. 
Var. tristis Escher. (= var. tota nigra caerulea Kraatz, 1. c). 
Nigro-coerulea, nitida, thoracis lateribus elytrorumque vitta media lutea. 
Long. 20mm (Kraatz). 

Lytta luteovittata zeichnet sich vor allen paläarktischen Arten durch die 
dunkle Färbung aus; ausserdem nimmt sie auch in Folge des abweichen- 
den Baues des Copulationsapparates eine Sonderstellung in unserer 
Gattung ein. 

Kopf einfarbig schwarz, glänzend, nicht sehr dicht punktirt, mit einer 
kleinen gelbrothen Makel in der Mitte der Stirne. Halsschild bedeutend breiter 
als lang, Vorderecken vorspringend, fast rechtwinkelig, schwarz, Vorderecken mit 
einer gelbrothen Makel, die nach hinten spitz zuläuft und fast die Basis des 
Thorax erreicht; Scheibe glatt, nur mit wenigen ganz feinen Borstenpünktchen 
besetzt, Basis gleichmässig gerandet. 

Flügeldecken lang, parallelseitig, grob lederartig gerunzelt, schwarz 
mit grünlichem oder bläulichem Schimmer, mit einem gelbrothen Längsstreifen 
auf der Mitte jeder Flügeldecke, der etwas unterhalb der Basis beginnt und fast 
bis zur Spitze reicht, aber vorher noch umbiegt und zur Naht verläuft (der helle 
Streifen hat denselben Verlauf wie die zweite Rippe). 

Fühler beim die Basis der Flügeldecken überragend, beim 9 nicht 
einmal die Basis des Halsschildes erreichend, schwarz, die ersten zwei Glieder 
mit steifen Haaren besetzt. Unterseite schwarz, lebhaft glänzend, Brust fein 
bräunlich tomentirt. Beine kräftig, schwarz, die Enddornen der Tibien roth- 
braun. Der äussere Enddorn der Hintertibien nur sehr wenig breiter 
als der innere. Letztes Abdominalsegment des ausgeschnitten. 

Copulationsapparat des cT conf. Taf. IX und X, Fig. 10. Penis auf 
jeder Seite nur mit einem Widerhaken (!); Parameren ventral sehr weit 
verwaclisen, an der Spitze nur noch einen kurzen Schlitz besitzend; dorsal mit 
je einem dichten Haarbüschel an der Spitze (Cirrus). 

Die Variabilität ist ziemlich ausgedehnt; Kopf und Halsschild zeigen 
von fast vollkommener Glätte bis zur dichten Punktirung alle möglichen Ueber- 
gänge. Die Flügeldecken kommen fein und grob lederartig gerunzelt vor. In 
Bezug auf die Färbung kommen folgende Formen vor: 

1. Der helle Längsstreifen auf den Flügeldecken stark reducirt zu einer 
ganz schmalen Linie, auf die plastische Rippe beschränkt (ein Exemplar 
im Budapester Museum). 

2. Flügeldecken einfärbig schwarz, ohne hellen Streifen, Halsschild 
normal: var. Grumi Sem. 

3. Flügeldecken und Halsschild einfärbig schwarz: \a,r. tristis mihi. 

Z. B. Ges. B. XLIV. Abb. 37 



288 



K. Escherich. 



Semenow beschrieb Grumi als eigene Art, docb unterliegt es in Folge 
der vielen Uebergänge der sehr variablen luteovittata keinem Zv/eifel, dass sie 
als Varietät zu letzterer zu stellen ist. 

Geographische Verbreitung. Kraatz gibt an: Samarkand (häufig); 
Semenow: Gultsha in Turkestan (G. Grum-Grzhimailo, 1887); ich sah 
v^eitere Exemplare von: Taschkent (Leder) und Altai (Staudinger). Die 
Varietäten sind an keine bestimmte Localität gebunden. 

Lytta luteovittata scheint sehr häufig zu sein. 

* * 
* 

Im Folgenden führe ich die Arten kurz an, die mir unbekannt geblieben 
und über deren systematische Stellung ich noch im Zweifel bin; es sind dies: 
Cantharis flaviventris Ball., Lytta verrucicollis Karsch, angusticoUis Haag, Thie- 
haulti Fairm. und palaestina Kirsch. 

Lytta flaviventris Ball. 

Käfer von Kuldsha, S. 94 (Bull. Mose, 1878, p. 346). — Dokthouroff, 
Faune aralo-casp. (Sep.-Abdr.), p. 56. 

Elongata, nigra, nitida, subtilissime punctata, suhtus parce villosa. Pro- 
thorace transversa -quadrato, postice angustato, dorso profunde hiimpresso. 
JElytris suhtiliter ruguloso punctatis, singulo acmninato. Abdomine flava. 

Long. 7 mm. 

Eine sehr kleine Art, die durch die einfärbig schwarze Oberseite charak- 
terisirt ist. 

Das Halsschild, das quer ist und dessen Vorderecken vor der Mitte her- 
vortreten, lässt vermuthen, dass hier eine echte Lytta vorliegt. Vielleicht ist 
sie in die Nähe von luteovittata zu stellen. 

Bei Kuldsha in Turkestan (ein Exemplar in Coli. Ballion). 

Lytta (?) verrucicollis Karsch. 

Berliner ent. Zeit., 1881, S. 49, Taf. II, Fig. 7. — Bedel, Abeille, 
1827, p. 246. 

Fusco-testacea, dense testacea-pubescens ; prothorace capite angustiore, 
apice valde angustato, longiore quam latiore, disco verrucis binis nitidis nigris 
munito; elytris marginibus pone medium sinuatis, costa tenui suturali flavo- 
imbescenti; antennis elytrorum medium superantibus ; tibia postica subtus dense 
interiore curvato padulaque nigra, apice membranacea exteriore armata. 

Long. 19 mm,. 

Habituell hat diese Art mit Lytta gar nichts zu thun und würde eher 
an Epicauta erinnern ; doch zu dieser ist sie in Folge des sehr stark verbreiterten 
äusseren Enddornes der Hintertibien nicht zu stellen. Bedel glaubt, dass sie, 
respective ihre Larven bei Orthopteren parasitiren, wonach sie zu den „Myla- 
brites" gehören würde. 



Hoitrfipo zur Niitiirp;osc,hicli(o der MclnidcnpiiMiiiiB F^nfta Kiib. 



280 



Rohlf.s entdoc'klo dio Art DjebclTMrrhina : Bid Milrha. Der in Tunis 
lebende Naturalist lUanc erbeutole sie (nach Bode Ts Angaben) zwischen Gabes 
und S fax und zwischen (iabes und Douz im Monate November und December, 
und zwar flogen sie stets Abends an die Laterne. 

Lytta(?) angustieollis Haag. 
Deutsche ent. Zeit., 1880, S. 62. 

Elongata, nifa, opaca, antennis, oculis, sutura, elytrorum apice, pedibus, 
margmibusqiie segmentorum nigricantibus ; thorace elongato, antice fortiter 
constricto, media subcanalicnlato, mite scutellum impresso, distincte grosse 
punctato, elytris rugulosis, subtilissime flavo-pilosis. 

Long. 12— 14 mm. 

Patria: Arabia, Bongola (Brüsseler Museum, Haag, Bates). 
Diese Art gehört sicher in die Nähe der vorigen; Thorax, Fühler, Fär- 
bung etc. sprechen dafür.^) 

Lagorina(?) palaestina Kirsch. 

Berliner ent. Zeit., 1870, S. 390. — De Mars., Repet., p. 186. 
Elongata, dense griseo-pubescens, nigro, macula frontali, abdomine pro- 
thoraceque atirantiacis, hoc macula discordali utrinque nigra. 
Long. 10 mm. 

Patria: Palaestina (prope Jericho in radicibus montis Juda collegit 
Dr. Schneider). 

Herr Custos Dr. C. M. Heller hatte die grosse Güte, mir über dieses 
Thier, das sich im kgl. Museum zu Dresden befindet, nähere Auskunft, begleitet 
mit sehr schönen Zeichnungen, zu geben. Darnach erinnert das Thier habituell 
ein wenig an Lagorina, besonders in Folge der Thoraxform und des stark ver- 
breiterten äusseren Enddornes der Hintertibien. 

Vorder- und Mitteltibien besitzen je zwei schlanke Enddorne; die Fühler 
sind schlank mit ziemlich langen Gliedern, jedoch reichen sie nur bis zur Basis 
des Halsschildes. Der Halsschild ist bedeutend länger als breit, von der Basis 
bis zum vorderen Drittel parallelseitig, dann nach vorne stark verschmälert, 
Scheibe punktirt, vor dem Schildchen mit einem seichten grubenartigen Ein- 
drucke. Die Umgebung des Eindruckes und die Basis des Halsschildes sind 
nicht punktirt. Die Färbung des Halsschildes ist roth mit zwei kleinen, runden, 
schwarzen Flecken auf der Scheibe dicht bei der Mitte. Der Kopf ist schwarz 
und besitzt eine längliche rothe Stirnmakel. Abdomen roth. Flügeldecken 
schwarz mit dichten weisslichen Härchen besetzt, so dass die Flügeldecken ein 
rein graues Aussehen bekommen. Diese Art erinnert ebenfalls an die beiden 
vorhergehenden Arten. 

^) Herr Major Dr. L. v. Heyden hatte die Güte, mir ein Exemplar dieser seltenen Art zu 
übersenden; darnach hat das Thier habituell gar nichts mit Lytta zu thun und dürfte wohl 
einem nov. gen. angehören. 

37* 



290 



K. Escherich. 



Lagorina(?) Thiebaulti Fairm. 
Pet. nouv. ent., II, 1876, p. 49. 

Ohlonga, rufa, nitida, griseo sat dense villosa, subtus nigra, capite nigro, 
macula frontali et antennis obscure rufis, Ms hasi apiceque infuscatis, elytris 
post medium late nigris, apice et margine laterali angusto exceptis, pedibus 
rufis, genubus, tarsorum apice fuscis; antennis basi prothoracis haud longiori- 
hus, apice incrassatis. 

Long. 9 mm. 

Ein Exemplar in der Coli. Oberthür. 



Tabelle zum Bestimmen der mir bekannten paläarktischen 

Lytta -Arten. 

1. Kopf, Halsschild und Flügeldecken einfarbig ziegelroth. coccinea Men. 

1. ' Kopf schwarz, höchstens mit schwachem graulichen oder bläulichen 

Schimmer. 

2. Flügeldecken braun, einfarbig oder mit einem dunklen Längsstreifen in 
der Mitte. 

3. Beine mit Ausnahme der Kniee und Tarsen gelbroth. Flügeldecken ein- 
färbig braun; Kopf und Halsschild dicht weiss behaart, dj erbensis mihi. 

3. ' Beine dunkelschwarz oder mit bläulichem Schimmer; höchstens die Spitze 

der Schienen und die Tarsen bräunlich. 

Flügeldecken braun. Clematidis Fall. 

Flügeldecken roth. Hauseri Heyd. 

Flügeldecken mit dunklem Längsstreifen. Var. hivittis Fall. 

poeciloptera Sem, 

1." Kopf grün oder blau. 

4. Fühler vom zweiten Gliede an, Tarsen und Flügeldecken gelbbraun. 

Menetriesi Faid, 

4. ' Fühler einfärbig, schwarz oder mit blauem oder grünem Schimmer, 

5. Beine zum grössten Theile gelbroth. 

6. Taster gelb; schöne, grosse, prächtig gefärbte Art. dives Br. 

a) Einfärbig grün. dives typ. 

b) Einfärbig blau. Var. gentilis Friv. 

c) Flügeldecken grün mit purpurnen Längsstreifen. 

Var. phalerata Friv. 

6. ' Taster schwarz; kleine, olivengrüne Art. pilosella Sols. 
5.' Beine einfärbig dunkel, schwarz, grün oder blau. 

7. Flügeldecken braun, höchstens mit dunklem Naht- und Randsaume, 

8. Scheibe des Halsschildes glatt, nicht punktirt, Vorderecken in die Höhe 
gezogen. suturella Mot. 

8.' Scheibe deutlich punktirt, Vorderecken nicht erhaben. Heydeni Haag. 



lUMtriitJO /MV NatiiipicM-liiclitc dor MoloidoiifjuttniiR /,////« Kai». 



291 



7.' Fliijroldcckt'ii f^riiii, mit. jo oiiieni gelben Liiiif:jsslreifeii auf der MitJe. 

1). llalssclüld nur wenif? breiter als lan*?, bellgriin. \:iv. flavovillntn Hall. 

9.' Halsschild gut zweimal so breit als lang, sebwarzblau. 

liohorowskii Dokth. 
7." Flügeldecken einfarbig grün, mit verschiedenem Beiglanz. 

10. Fühlergegen das Ende nicht stärker werdend, mit einfachen cylindrischen 
Gliedern. 

11. Oberseite ziemlich lebhaft glänzend, Kopf mit einer kleinen hellen Stirn- 
makel, vesicatoria L. 

11.' Oberseite ganz matt, Kopf ohne iStirnmakel. optahilis Faid. 

10.' Fühler gegen das Ende zu breiter werdend, comprimirt, mit dreieckigen 
Gliedern. Oberseite, besonders Kopf und Hals stark glänzend. 

caraganae Pall. 



Die Oattung" Lagorina Miils. 

Die Charakteristik der Gattung siehe oben (Capitel 3 a). Die zwei hieher 
gehörigen Arten sind: 6'mcea Waltl. und scutellata Gast., die im Folgenden be- 
sprochen werden. 

Lagorina sericea Waltl. 

Eeis. Span., 1835, II, S. 76. — L'Abeille, Tora. VI, 1869, p. 25. — Muls. 
et Key, Mem. Lyon, 1858, p. 150. — Gorriz y Munoz, Monog., p. 150. — 
Eosenh., Thiere Andal, 1856, S. 232. 

Syu.: herhivora Rambur, Dej. Cat., 3. ed., p. 246. 

Subtus aureo et rubro viridis, nitida, supra aureo-viridis, thorace elon- 
gato, subcylindrico, profunde punctato, elytris rugosis, pilis albis brevibus 
tectis (Waltl.). 

Kopf und Halsschild goldglänzend, gleichmässig, grob gerunzelt punktirt; 
Halsschild etwas länger als breit, etwas vor der Mitte am breitesten; von hier 
nach vorne sehr stark, nach der Basis zu nur sehr wenig verengt; die Basis 
fein gerandet; Scheibe eben, ohne Erhabenheiten. Schildchen halbkreisförmig, 
purpurnfarbig, punktirt; Flügeldecken grasgrün, fein gerunzelt, nach hinten 
sich etwas verbreiternd. Fühler schwarz, nur die ersten Glieder mit grünem 
Schimmer, beim die Basis des Thorax überragend, beim 9 etwas kürzer. 
Unterseite und Beine lebhaft goldglänzend. Der ganze Körper mit feinen weissen 
Haaren spärlich besetzt. Letztes Abdominalsegment des cT tief ausgerandet. 
Genitalanhänge conf. Taf. IX und X, Fig. 12; Abdomen Taf. VIII, Fig. 3 und 4. 

Die Variabilität scheint sehr gering; ich beobachtete nur kleine Unter- 
schiede in der Sculptur des Kopfes und Halsschildes. Ob eine einfarbig 
blaue Form der sericea vorkommt, weiss ich nicht; doch ist dies ziemlich 
sicher anzunehmen, da bei der sehr nahe verwandten scutellata Waltl. eine blaue 
Färbung gar nicht so selten ist. 



292 



K. Escherich. 



Lagorina sericea ist ganz auf den Westen und Süden der paläarktischen 
Fauna beschränkt. Hauptsächlich Südspanien (Algier? und Marocco) er- 
zeugt unsere Art. — Max Korb in München brachte im Jahre 1890 eine grosse 
Anzahl dieser schönen Thiere aus Chiclana (Andalusien) mit. Auch die 
übrigen Exemplare, die sich in den Ansichtssendungen befanden, stammen alle 
aus Spanien. Die Exemplare aus Algier gehörten alle zu scutellata Gast. Es 
wäre wohl möglich, dass die Angaben über das Vorkommen der sericea in Algier 
auf Irrthum beruhen. 

Lagorina scutellata Gast. 

Hist. nat., II, p. 373. — Lucas, Expl. Alg., p. 394, PI. 34, Fig 5. — 
Muls. et Eey, Mem. Lyon, 1858, p. 152. — Bedel, l'Abeille, XXVII, p. 245. 

Var. janthina Fairm., An. France, 1868, p. 338. — Bedel, 1. c. 

Lagorinae sericea valde affinis, sed thorace longiore, magis profunde irregu- 
lariterque punctato-coriaceo, duahis striis elevatis, impunctatis aureis ornato; 
scutello nitidissimo, apice impunctato. 

Long. 13— 16 mm. 

Lagorina scutellata ist der sericea ungemein ähnlich, ist aber sicher eine 
verschiedene Art, in Folge der Differenzen im Baue des Copulationsapparates. 

Uebrigens ist sie nicht allzu schwer zu erkennen an dem viel lebhafteren 
Goldglanze der Oberseite, an dem längeren Halsschilde, dessen Scheibe stärker 
punktirt ist und in der hinteren Hälfte jederseits der Mitte mit 
einer länglichen glatten (oder wenigstens weniger punktirten), lebhaft 
goldglänzenden Stelle geschmückt ist. Daran ist sie am besten zu er- 
kennen. Das Schildchen ist in der Mitte grubenförmig vertieft und an der 
Spitze gewöhnlich glatt, nicht punktirt. Flügeldecken nach hinten stark ver- 
breitert. Fühler wie bei sericea. 

Sehr interessant und meines Wissens noch nicht bekannt ist die grosse 
Veränderlichkeit in Bezug auf die Flügelbildung. Bei einigen Exem- 
plaren sah ich vollkommen ausgebildete Flügel; bei anderen sind diese ver- 
kürzt und reichen nur bis zur Mitte der Flügeldecken; und endlich 
beobachtete ich ein Stück (in der Coli. Reitter), bei dem von den Flügeln 
nur noch ein ganz kurzes Rudiment vorhanden ist. Jedenfalls kommen 
auch flügellose Exemplare vor. Eine interessante Neuigkeit, die jedenfalls 
darauf hindeutet, dass die Flügel für die Erhaltung unserer Art wenig wichtig 
sind. Die verschiedenen Flügelformen sind unabhängig vom Geschlecht. Bei 
Lagorina sericea habe ich eine ähnliche Erscheinung nicht beobachtet. 

Ausser der Variabilität der Flügel ist noch die Veränderlichkeit -in 
der Färbung zu erwähnen; so kommen nicht selten Exemplare mit schön 
dunkelblauem Colorit vor, eine Form, die Fairmaire für eine eigene Art hielt 
und als janthina beschrieb. Dass janthina nur eine Varietät von scutellata ist, 
geht schon daraus unzweifelhaft hervor, dass die beiden Formen häufig zu- 
sammen in Copula gefunden wurden, wie Bedel mittheilt (1. c). 



Boitnlpo zur Niitnrgoscliiclilo der Moloiilciit'iiltuiiR Liiltn V.ih. 



29:5 



Mir ist die scutellaia nur aus Algier bekannl, und zwar meistens von 
Teniet-cl-IIad (Kcitter); Bodel bemerkt (I.e.): „Cct in.seete se trouve, au 
printemps, a Teniet-el-Had, daiis les fleurs de ConrolviUus et parfois sur Celles 
d'uuo Composee (? Scohjmus) a fleurs jaunes." Auch von (youstanliue (8. Mai) 
sah ich ein Exemplar. 

Die Oattuiig Cabalia (Miils.) Eselier. 

Der innere dünne Schenkel der gespaltenen Klauen mit feinen Borsten be- 
setzt. Hiehergehören zwei Arten: Cabalia segetum Vnh. und ruhriventris Fnirm. 

Cabalia segetum Fab. 

Ent. syst., Tom. I, p. 84. — Lucas, Ex. Alg., p. 593, PI. 34, Fig. 3. — 
Muls. et Eey, Mem. Lyon, 1858, p. 157. — Seidlitz, Faun, halt., p. 543. — 
Bedel, l'Abeille, Tom. 27, p. 245. — Gorriz y Munoz, Monog., p. 171. 

Syn.: Cabalia Bassi Gast., Hist. nat., Tom. 2, p. 232, 8. — Muls. et 
Eey, 1. c, p. 156. — Cacalia Perroudi Muls. et Rey, 1. c, p. 154. 

Var. coerulea Escher. nov. var. 

Parva, viridi-aiirea, nitida, pubescens; thorace transverso, angulis anticis 
valde rotundatis, ad basin versus vix angustato; elytris lateribus parallelis. 
Long. 8—11 mm. 

Der Typus der Cabalia- kxtQn ist durch die Gedrungenheit, Untersetztheit 
ausgezeichnet. Grün, Unterseite mit feurigem goldenen Glänze, Oberseite mehr 
einfarbig grün, nur Kopf und Halsschild oder wenigstens einige Stellen auf 
letzterem goldglänzend. Kopf relativ klein, schwach gewölbt, dicht grob punktirt 
imd dicht gelblich behaart. Halsschild merklich breiter als lang, breiter als 
der Kopf, Vorderecken nicht hervortretend, stark gerundet, Seiten kaum nach 
hinten zu convergirend, fast parallel, Basis gleichmässig erhaben gerandet; 
Scheibe gewölbt, dicht und grob punktirt, mit einem grubenförmigen Eindrucke 
etwas hinter der Mitte und jederseits desselben mit mehr weniger deutlichen, 
runzeligen, goldglänzenden Erhabenheiten (ähnlich wie bei Lagorina scutellata). 
Schildchen gross, halbrund, dicht punktirt. Flügeldecken fein gleichmässig 
gerunzelt, ziemlich dicht tomentirt wie der Halsschild. Unterseite dunkel gold- 
glänzend, nicht dicht tomentirt. Fühler mit Ausnahme der ersten zwei 
grünen Glieder schwarz, dicht weisslich befilzt. Beine kräftig, Hinterschenkel 
ziemlich dick, merklich stärker als die Mittelschenkel. Aeusserer Enddorn der 
Hintertibien länger und viel breiter als der kurze schlanke innere. Letztes 
Abdominalsegment des nur sehr schwach ausgeschnitten. Copulations- 
apparat des cT conf. Taf. IX und X, Fig. 13 (Penis auf jeder Seite nur mit 
einem Widerhaken). 

Die Variabilität ist sehr gross. Die Farbe zeigt von hellgrün bis 
dunkelviolett alle Nuancen; die einfärbig violetten Exemplare bezeichne ich als 
var. coerulea. Die Grösse, ja sogar die Form ist wenig constant: ich sah breite, 
untersetzte Gestalten, aber auch schlanke. Ungeheuer variabel ist die Sculptur 



294 



K. Escb eri'ch. 



des Halsschildes: die Scheibe ist oft ganz eben, gleichmässig punktirt, 
ohne Eindrücke und Erhabenheiten, bei vielen Exemplaren aber befindet sich 
(wie oben beschrieben) eine tiefe Grube hinter der Mitte und auf beiden 
Seiten derselben längliche, runzelige, stark goldglänzende Erhabenheiten. Auf 
diese Exemplare ist die Cabdlia Perroudi Muls. zu beziehen. Auch das Scu- 
tellum variirt und zeigt häufig eine Mittellinie oder eine tiefe Grube (Perrondi). 
Mulsant trennte Perroudi als eigene Art von segetum, was in Folge der vielen 
Uebergänge nicht statthaft ist. Ich hatte grosses Material von segetum in 
Händen und bemühte mich sehr, die beiden Arten zu trennen, doch bald genug 
kam ich zur Einsicht, dass dies unmöglich sei. 

Geographische Verbreitung. Cabalia segetum ist im Süden zu Hause, 
hauptsächlich in Sicilien und Algier (Spanien?). — Gorriz y Munoz sagt: 
„Argelia y Sicilia. En Andalucia (Perez?) y!" Handl Irsch erbeutete sie in 
M.-el-Kantom (Juni 1891) (Wiener Museum). Bedel (1. c.) bemerkt: „Jel'aitrouve 
communement, dans la province d'Oran, dans les fleurs d'une Malvacee du genre 
Lavatera, et, dans la province d' Alger, sur Celles d'une Composee (? Scolymus). 
Beguin le cite aussi comme vivant sur les fleurs de Malvacees {Malva et 
Malope).'' 

CabaUa mbriventris Fairm. 

An. de France, 1860, p. 339. — Bedel, l'Abeille, Tom. 27, p. 245. 

Atro-cyanea, parum nitida, parce fulvopubescens, abdomine rufo, an- 
tennis hrevibus, dense fortiter punctato; elytris brevibus tenuiter dense rugu- 
losis, scutello semicirculari, punctato. 

Long. 8 — 13 mm. 

Cabalia rubriventris ist eine echte Cabalia, denn sowohl die merkwür- 
dige Klauenbildung, wie die dicken Hinterschenkel und der Habitus stimmen 
vollkommen mit segetum überein. 

Das Thier ist sehr leicht zu erkennen an seiner Färbung: ein färbig 
dunkel violettblau, nur das Abdomen roth. Kopf und Halsschild tief, 
aber nicht sehr dicht punktirt; Kopf etwas schmäler als der Halsschild; dieser 
ungefähr so lang als breit, Vorderecken kaum hervortretend, stark gerundet, 
nach hinten nur sehr schwach verengt; Scheibe des Halsschildes mit einigen glatten 
Stellen. Flügeldecken sehr fein lederartig gerunzelt, mit parallelen Seiten- 
rändern. Ganze Oberseite fein gelblich tomentirt. Fühler kurz, die Basis des 
Halsschildes kaum überragend. Aeusserer Enddorn der Hintertibien länger als 
der innere und stark verbreitert. 

Die Variabilität ist gering und bezieht sich auf die Grösse und die 
stärkere oder schwächere Sculptur des Kopfes und Halsschildes. 

Geographische Verbreitung. Das Thier ist bis jetzt nur aus Algier 
und Marocco bekannt. Bedel bemerkt: „Commun en mai äNemours et ä 
Lalla-Marnia (province d'Oran) dans les fleurs de Convolvulus altliaeoides et 
de quelques autres especes du meme genre. Cet insecte a ceci de particulier 
qu'il provoque directement la fermeture des fleurs de Convolvulus pour y passer, 



Hoitiiigo zur Natnrgoschiclito dor MoloidongiittuiiK l.iitia Kuli. 



295 



bien a Tabri, los heuros los ])lus chaudes de la journoo; oii l'y Irouve seul ou 
par couples. Nous avons, M. Gazagnaire et inoi, fait cetto Observation sur 
des ceiitaines d'oxoinplairos.'* 

Quedenfeldt sammelte die Art iu Marocco (Wiener Museum), Dr. 
Martin in Biskra (Coli. Re Itter). 



Nachtrag*. 

1. Zu Lytta dives Brull6. 

In einer nachträglich gemachten Ansichtssendung des Herrn Major Dr. L. 
V. Heyden befand sich eine Form der Lytta dives, die sich von der var. phale- 
rata dadurch auszeichnet, dass der kupferrothe Längsstreifen auf den Flügel- 
decken sehr stark verbreitert ist und nur einen ganz schmalen grünen Saum am 
Rande und an der Naht frei lässt. Die Naht sow^ohl als der Basalrand des 
Halsschildes sind prachtvoll dunkel cyanblau. Der Kopf, die Scheibe 
des Halsschildes und die Unterseite goldglänzend. Ich bezeichne diese Form als 
var. excellens mihi. (1 $ in der Coli. Heyden mit der Etiquette: „Hadjin. 
Asia min. Staudinger".) 

Ausserdem befand sich in der Sendung ein in Copula befindliches Pärchen 
der einfarbigen grünen Form der Lytta dives Brülle unter der Bezeichnung Lytta 
Eylandti Heyd. (Ashabad; v. Rosen). Die Exemplare zeichnen sich durch 
den glatten Halsschild mit feiner zerstreuter Punctur aus. 

2. Lytta Hauseri Heyd. 

Lytta Hauseri gehört, wie ich mich durch Untersuchung der Type über- 
zeugen konnte, nicht in die Clematidis-(}vu\>])Q, sondern vielmehr zu coccinea 
Men. Die Vordertibien des besitzen nur einen ziemlich langen, gebogenen 
Enddorn, die Parameren sind einfach zugespitzt und entbehren des für die 
vesicatoria-Gru^^e charakteristischen Widerhakens. 

Auch habituell erinnert Hauseri ein wenig an coccinea, so dass einer Ver- 
einigung der beiden Arten in die coccinea-Grui^^e nichts im Wege steht. 

3. Lytta angusticollis Haag. 

Das Exemplar in der v. Hey den 'sehen Sammlung belehrte mich, dass 
Lytta angusticollis Haag nicht in die Gattung Lytta (s. str.) gestellt werden 
darf. Obwohl ich keine präcisen, positiv trennenden Merkmale angeben kann, so 
ist doch der Habitus allein schon ein so verschiedener, dass das Thier auf keinen 
Fall zu unserer Gattung gezogen werden kann. Lytta angusticollis ist ein 
schmales, langgestrecktes Thier, das ein wenig an Epicauta erinnert. Habituell 
am meisten Aehnlichkeit besitzt es mit Lytta verrucicollis, palaestina Kirsch, 
Chanzyi Fairm., mit denen zusammen sie wohl eine neue Gattung bilden dürfte. 

Bevor ich jedoch nicht reichlicheres Material besitze, ist es mir nicht 
möglich, eine präcise Charakteristik der Gattung zu geben, und begnüge ich 
mich vorläufig, einen Namen vorzuschlagen: Sagitta. Ich stelle in diese 
Z. B. Ges. B. XLIV, Abb. 38 



296 



K. Escherich. 



Gattung diejenigen Arten, die sich von Lytta durch die lange, gestreckte Gestalt 
und besonders den langen, nach vorne sich verschmälernden Thorax auszeichnen. 
Es sind dies: Lytta verrucicolUs Karsch, palaestina Kirsch, mit der wahrschein- 
lich Lytta Chanzyi Fairm. identisch ist, angusticollis Haag, ThiebauUi Fairm. (?), 
cinereovestita Fairm. (?). 

4. Epicauta Chanzyi Fairm. (Pet. Nouv. Deyrolle, II, 1876, 15. Mai, 
Nr. 138, p. 37), die mir in einem Exemplar aus der Coli. Heyden vorlag, stimmt 
genau sowohl mit der Beschreibung von Sagitta palaestina Kirsch, als auch mit 
den mir von Herrn Dr. Heller übersendeten Zeichnungen dieses Thieres überein, 
so dass die beiden Arten identisch sein dürften. Die Beschreibung der Epicauta 
Chanzyi lautet: Long. 5— 8 mm. Ohlonga, nigro-fusca, pube cinerea dense öb- 
tecta, prothorace rufo, nigro himaculato, lahro, mandibulis basi abdomineque 
rufescente, prothorace elytris angustiore, antice valde angustato. — Bou-Säada, 
Algerie (Oberthür et G. Allard). 



Index systematicus. 





Seite 




Seite 


Lytta Fab. 






280 




. 273 




280 


var. Eylandti Heyd. , . 


. 295 


* * 
* 




var. gentilis Priv. . . . 


281 






coeruleipennis Beaureg. 


. 280 




274 


var. phalerata Friv. . . , 


281 


var. aurantiaca Escher. 


. 275 


tricolor Haag . . . 


. 280 




275 


togata Fisch. . . . 


. 280 


armeniaca Reitt. . . 


. 274 


? vittata Brülle . . . 


. 281 




275 


fulgurans Deyr. i. 1. . 


. 281 


var. flavovittata Ball. . . 


. 275 




281 


var. Heydeni Haag . . . 


. 275 


var. excellens Escher, . . 


. 295 


suturella Mötsch 


276 


optabilis Faid 


' 282 




277 




. 282 




278 




Pallasi Gebl 


278 


* * 
* 




* * 
* 




Clematidis Fall 


. 283 






Fischeri Gebl 


283 


coccinea Men 


279 




284 


var. minor Dokth. . . . 


280 


poeciloptera Sem 


286 


Hauseri Heyd 


286 




285 


* * 




* * 





\Wluiiidl der k k /.ool bot. Gen 
llandmv/m. 



Taf. VIII 



Ksiht-rith 

h tlu hih 




K Esclierich dtl. 



Iith.,4nst .v.TiuB amwaitliXien. 



BcitrftRo 7.ur Naturgosehidite der Mcloidongattung T.ytta Fab. 



297 



Seite 

luteovittata Kraatz 287 

var. Grumi Sem 287 

var. tristis Elscher 287 

ßaviventris Ball. (?) 288 

Laffoi'^ina Muls. 

sericea Waltl 291 

herhivora Ramb 291 

scutellata Gast 292 

y^r. janthina Fairm. . . . 292 

Cahalia (Muls.) Esclier. 

segetum Fab 293 



Beito 

Bassi Gast 293 

Verroudi Muls 294 

var. coerulea PJscher. . . . 29;> 

ruhriventris Fairm 294 

Sagitta Escher. 

verrucicoUis Karsch 288 

angusticoUis Haag 289 

var. suturella Haag .... 289 

palaestina Kirsch 289 

Chanzyi Fairm 296 

Thiebaulti Fairm. (?) .... 290 

cinereovestita Fairm. (?) ... 296 



Erklärimg der Abbildungen. 



Tafel VIII. 

Fig. 1. Abdomen von Lytta vesicatoria 9- P^- Pleurenhaut, Stg. Stigma, 
St. Styli, Z>. Dorsalplatte, V. Ventralplatte. 
„ 2. Dg, Dio, Fg lind Styli von Lytta vesicatoria 

„ 3. Abdomen von Lagorina sericea cT- AfterölTnung, Fa. Parameren. 
„ 4. Dasselbe ventral. 

„ 5. Gopulationsapparat und letzte Abdominalsegmente in natürlicher Lage 
(Lytta vesicatoria (^). P. b. Pars basalis, Pe. Penis, Da. Darm, 
de. Ductus ejaculatorius, s. proximaler rinnenförmiger Theil des Penis 
(Schenkel). 

„ 6. Letzte (resp. achte) Ventralplatte von Lytta dives (innere, der 

Bauchhöhle zugewandte Seite). 
„ 7. Männliches Genitalsystem von Lytta vesicatoria. E. Ektadenien, 

und M'i. Mesadenien, T. Hode, vd. Vas deferens, de. Ductus ejaculatorius. 
„ 8. Ende der mittleren Tibie von Lytta dives cf. 

„ 9. Sculptur der Verbindungshaut der Stücke des neunten und zehnten 

Ventralsegmentes. 
„ 10. Neuntes Segment von Lytta vesicatoria. 

„ 11. Zweites Larvenstadium von Lytta vesicatoria (nach Beauregard). 
„ 12. Aufgestülptes Stück des Ductus ejaculatorius. 

38* 



298 K. Escherich. Beiträge zur Naturgeschichte der Meloidengattung Lytta Fab. 



Tafel IX. 

Fig. 1. Penis von Lytta Menetriesi Faid. 
„ 2. „ „ „ vesicatoria L. {a. von der Seite, b. von oben). 
„ 3. „ „ „ suturella Mot. 
„ 4. „ „ „ caraganae Fall. 

„ b a und 5 b. Penis von Lytta coccinea Men. (b. zeigt die Sculptur des 

Endes des Ductus ejaculatorius). 
„ 6 a und 6 b. Penis von Lytta dives Br. 
„ 7. Penis von Lytta optabilis Faid. 
„ 8. „ „ „ pilosella Sols. 
„ 9. „ „ „ Clematidis Fall. 

„ 10. „ „ „ djerbensis Escher. 

„ 11. „ „ Lytta luteovittata Kraatz. 

„ 12. „ „ Lagorina sericea Waltl. 
„13. „ „ Cabalia segetum Fab. 

Tafel X. 

Parameren. B. Pars basalis. (Die Nummern sind dieselben wie auf Taf. IX.) 

Tafel XI. 

Fig. 1 a und 1 b. Lytta djerbensis. 



Yrrhandl der k k 'iool bot. Oes 



Tal' IX. 



l\Miluritli 

l.vtl.i l„h 




K. ü.srhe'-icli tlel 



UNWERSiTY Of lUUHOIS 




K. Ksi-lici'irii (lel 



299 



Zwei Fälle von Anpassung. 

Ton 

Dr. K. E seile rieh. 

(Mit Taf. XI, Fig. 2-5.) 

(Vorgelegt in der Versammlung am 7. Novemter 1894.) 



Auf meinen Excursionen in Tunis (April 1894) wurde ich von einigen 
Fällen von „Anpassung" überrascht, die interessant genug sind, um beschrieben 
und abgebildet zu werden. 

Der eine Fall betrifft eine Chrysomele, Chelysida deflexicolUs Boh.; die- 
selbe ist von stark gewölbter, halbkugeliger Gestalt und zeigt eine hellgrüne 
Färbung; nur die vordere Gegend des Thorax und die Känder der Flügeldecken 
sind fein rosa gefärbt, wie angehaucht. Dieses Thier fand ich eines Tages zahl- 
reich in meinem Schöpfer, ohne sie aber anfangs als Käfer zu erkennen. Ich 
hielt sie vielmehr für Blätter einer 'Crassiflore und erst bei genauem Zusehen 
wurde ich zu meinem freudigen Erstaunen den Irrthum gewahr. Diese frap- 
pante Aehnlichkeit brachte mich sofort auf den Gedanken, dass hier sicher eine 
Anpassung vorliegen müsse, umsomehr, als an dieser Stelle ziemlich viel Sedum 
stand. Ich legte mich flach auf die Erde und untersuchte die genannte Pflanze 
auf das Genaueste, doch ohne Erfolg; aber ein Strich mit dem Schöpfer über 
das Sedum brachte mir gleich mehrere Dutzend dieses hochinteressanten Käfers 
ein. Ich musste das Netz mit der grössten Sorgfalt durchsuchen, um die Che- 
lysida von den ihr so ähnlichen Blättern herauszufinden. Später gelang es mir 
auch, den Käfer an der Pflanze sitzend zu entdecken. 

Leider kann ich die Speeles des Sedums nicht angeben; es ist ähnlich 
unserem Sedum acre, doch sind seine Blätter bedeutend kürzer und ge- 
drungener und an der Spitze schwach rothbraun gefärbt. Letzterer Umstand 
macht die Anpassung überaus vollkommen, da auch der Käfer, wie oben erwähnt, 
am vorderen Theile des Halsschildes rosa gefärbt ist (Taf. XI, Fig. 4 und 5). 

* * 
* 



300 



K. Escberich. Zwei Fälle von Anpassung. 



Der zweite Fall bezieht sich auf einen sehr bekannten Curcurlioniden, 
nämlich den zierlichen, prächtig colorirten Coniatus tamarisci Fab. Derselbe 
lebt auf der Tamariske (Tamarix), und zwar hält er sich meistens auf den 
stärkeren, braunen Zweigen auf, deren Farbe durch spitzige, grüne, frische 
Triebe unterbrochen wird. Das genannte Thier ahmt durch seine Flügeldecken- 
zeichnung die Zeichnung dieser Zweige so täuschend nach, dass das Auge des 
Sammlers ihn kaum zu entdecken vermag, obwohl er oft in Anzahl auf einem 
Zweige sich befindet (Taf. XI, Fig. 2 und 3). 

Ich fand den Coniatus tamarisci in grosser Anzahl ganz in der Nähe 
von Tunis an den Abhängen der französischen Eisenbahn, die zu dem Bade- 
orte Hamam-en-Lif führt. 

Bemerkenswerth dürfte noch sein, dass der eifrige in Tunis lebende 
Sammler Francesco Miceli, dem die Wissenschaft schon so manche inter- 
essante Entdeckung verdankt, von der Existenz dieser beiden Arten, die doch in 
der nächsten Umgebung nicht selten vorkommen, nichts wusste. 



Erklärung der Abbildungen. 



Tafel XI. 

Fig. 2. Ein Zweig von Tamarix mit darauf sitzenden Coniatus tamarisci Fab. 
„ 3. Coniatus tamarisci Fab. 
„ 4. Chelysida deflexicollis Boh. 

„ 5. Ein Zweig von Sedum mit daran hängenden Chelysida deflexicollis. 



OF VME 
UNWERSITY üF ILLINOIS 



301 



Beiträge zur Flora der Balkanhalbinsel, 

mit besonderer Berücksichtigung von Serbien. 
Zweiter Theil. 

Von 

Dl. Carl Fritsch. 

(Mit Tafel XII.) 

(Vorgelegt in der Versammlung am 7. November 1894.) 



Berberideae. 
Epimedium L. 

1. Epimedium alpinum L., Spec. pl., ed. 1, p. 117 (1753). 
Ostbosnien. In Buschwäldern der Serpentinberge nördlich von Zwornik 
sehr häufig (Wettstein). 

Papaveraceae. 
Paparer L. 

1. Papaver Bhoeas L., Spec. pl, ed. 1, p. 507 (1753). 
Serbien. Gornji Milanovac, Juni blühend (Adamovic). 

2. JPapaver duhium L., Spec. pl., ed. 1, p. 1196 (1753). 

Serbien. An trockenen Orten bei Vranja (Nicic). — Flor, a Ib. in cultis 
ad Pirot, Juni (Adamovic). 

Grlaucium Adans. 

3. Glauciiim corniculatum [Linne, Spec. pl., ed. 1, p. 706 (1753), 
sub Chelidonio] Ciirtis, Flora Londinensis, ed. 1, Fase. 6, Tab. 32 (1777—1787), 
sec. De CandoUe, Syst. veg., II, p. 97. 

Syn. : Glaucium rubrum Pancic (an Sibth. et Sm.?). 
Serbien. In arvis ad Belgrad (Pancic sub nomine Glaucii rubri Sibth. 
et Sm., hb. K.); Topcider, auf Abhängen (Petrovic, H.), Pirot (Nicic). 



302 



Carl Fritsch. 



Die von Panöic als Glaueium rubrum Sibth. et Sm. bezeichnete ser- 
bische Pflanze ist vom typischen Glaueium corniculatum (L.) im Herbar nicht 
unterscheidbar, möglicher Weise ist die Blüthenfarbe etwas verschieden, was im 
Herbar nicht zu constatiren ist. Ob auch das von Sibthorp und Smith ^) be- 
schriebene Glaueium ruhrmn nur eine Farbenspielart des Glaueium corni- 
eulatum (L.) ist, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, es ist mir aber sehr 
wahrscheinlich. ^) 

Hypecoum L. 

4. Hypecoum grandiflorum Bentham, Catalogue des plantes indi- 
genes des Pjrenees et du bas Languedoc, p. 91 (1826). 

Syn.: Hypeeoum pseudograndiflorum Petrovic, Additamenta ad floram 
agri Nyssani, p. 24 (1885, diagnosi serbica!) et in Magnier, Scrinia florae selectae, 
Fase. V, p. 99 (1886) (vidi spec. orig.!). 

Hypeeoum proeumhens y. macranthum Eouy et Foucaud, Flore de France, 
I, p. 168 (1893). 

Hypecoum aequilohum Rouy et Foucaud, 1. c, p. 169 (1893), non Viviani. 

Serbien. Forteresse de Nisch, April blühend (Petrovic, hb. K., et in 
Magnier, Flora selecta, 1072, U., H. et in Schultz, Herb, norm., 1911, H.; 
spec. orig. Hypeeoi pseuäograndifloril); ebendaselbst, Mai in Frucht (Adamo- 
vic); Wiese Cair bei Nisch, April (Ilic). 

Bulgarien. Ad Sadovo (Stfibrny, ed. Velenovsky sub nomme Hypeeoi 
pseudograndißori Petr., Tl., H.). 

Ostrumelien. Eisenbahndamm in Tartar-Pazardzik (Sintenis et Born- 
müller, Iter turcicum 1891, sub nomine Hypeeoi proeumhentis L., hb. H.). 

Macedonien. Galatista bei Saloniki (Charrel, H.). 

Griechenland. Attica, in campis (Held reich, H.); auf Aeckern bei 
Athen und Pyraeus, Ende März (Pichler, U., Heldreich, U., Orphanides, H.). 

Ich habe sehr reichliches Material von dieser Art aus allen Theilen Süd- 
europas verglichen und genau untersucht, bevor ich endgiltig das serbische Hype- 
eoum pseudograndiflorum Petrovic als Synonym zu Hypeeoum grandiflorum Bth. 
zog. Insbesondere aus Serbien selbst liegt mir eine grosse Anzahl von Exem- 
plaren vor, so dass die Grenzen der Variabilität festgestellt werden können. In 
den vegetativen Organen, insbesondere in der Form und Theilung der Blatt- 
abschnitte ist die Art so veränderlich, dass hierauf überhaupt keine systematisch 
verwerthbaren Unterschiede gegründet werden können. Als wichtigste Merkmale 
betont Velenovsky,^) der für die specifische Selbstständigkeit der serbisch-bulga- 
rischen Pflanze eintritt, die breit-eiförmigen Kelchblätter und die Form der 
äusseren Kronblätter, welche mindestens so breit als lang und am Grunde fast 



1) Sibthorp et Smith, Florae Graecae prodromus, I, p. 357 (1806); Flora Graeca, V, p. 72, 
Tab. 488. 

2) Vgl. darüber DeCandolle, Systema vegetab., II, p.97; Neilreich, Flora von Nieder- 
österreich, S. 704; Boissier, Fl. Orient., I, p. 120; "Wettstein, Beitrag z. Flora Albaniens, S. 16. 

3) Velenovsky, Flora Bulgarica, p. 19. 



UoitniK«" y.ur Kloni drr i;;ilKanl.;ill.iii.s<.l. 



gar nicht koilig vorschiniilorl, sein sollen. Dioso Angaben kann ich insoweit 
bestätigen, dass thatsiiehlich bei der serbischen Pflanze durchschnittlich die 
Kelchblätter und die äusseren Ki-onblätter kürzer und namentlich breiter sind, 
als bei der Mehrzahl der Exem])lare aus dem südwestlichen Europa. Aber mau 
findet auch unter den spanischen, französischen und italienischen Exemplaren 
einzelne, die von der serbischen Pflanze absolut nicht unterscheidbar sind. Ausser- 
dem kann man an den Blüthen eines und desselben Individuums schmälere und 
breitere, länger und kürzer zugespitzte, gezähnte und ganzrandige Kelchblätter 
finden. Im Herbar Haläcsj liegt ein cultivirtes Exemplar aus dem botanischen 
Garten in Athen mit der Angabe „e seminibus serbicis cultum" und von 
Held reich auch als Hijpecoiim pseudograndifloru7n Petr. bezeichnet, welches die 
längeren, an der Basis keilförmigen Petalen und die längeren Kelchblätter des 
typischen Hypecoum grandiflorum Bth. aufweist. Die aus Attica stammenden, 
oben citirten Exemplare schwanken in ihren Merkmalen zwischen den beiden 
künstlich unterschiedenen Typen. Alles in Allem ist somit Hijpecoum pseudo- 
grandiflorum Petr. selbst als Varietät von Hypecoum grandiflorum Bth. kaum 
abzutrennen, weil jegliche Grenze zwischen diesen beiden Formen mangelt. 

Rouy und Foucaud identificiren a. a. 0. Hypecoum grandiflorum Bth. 
mit dem nordafrikanischen Hypecoum aequilohum Viv., aber gewiss mit Unrecht. 
Mir liegt Hypecoum aequilohum Viv. aus Benghasi (leg. Petrovic, det. A Scher- 
sen, hb. U.) vor; die Pflanze ist zwar habituell dem Hypecoum grandiflorum Bth, 
ziemlich ähnlich, unterscheidet sich aber schon durch die mit einem langen, 
schmalen Nagel versehenen äusseren Petalen auf den ersten Blick. Da Viviani 
gerade auf dieses Merkmal Gewicht legt,^) so ist an der Eichtigkeit der Be- 
stimmung Ascherson's und an der Unrichtigkeit der Identification Rouy's 
und Foucaud's wohl nicht zu zweifeln. Dass übrigens Hypecoum procumhens L., 
Hypecoum grandiflorum Bth. und Hypecoum aequilohum Viv. unter einander 
sehr nahe verwandt sind und daher die Auffassung der beiden letzteren als 
Unterarten der ersten nicht als grosser Fehler angesehen werden kann, muss zu- 
gegeben werden. 

Corydalis DC. 

5. Corydalis cava [Linne, Spec. pL, ed. 1, p. 699 (1753), pro varietate 
Fumariae hulbosae] Schweigger et Körte, Flora Erlangensis, II, p. 44 (1811). 

Serbien. Wälder bei Topcider nächst Belgrad (Petrovic, H.). In du- 
metis ad Gornji Milanovac, Apr. flor. (Ad am o vi c). In silvis mt. Vrska Cuka, 
solo calcareo, 350— 600 w, et ca. Gamzigrad, Apr. flor. (Adamovic, U., H.). 
Nisch (Ilic). In fruticetis ca. Pirot, Apr. flor. (Adamovic). 

Mit Corydalis cava (L.) sehr nahe verwandt ist Corydalis Marschalliana 
(Pall.),2) welche, ursprünglich aus Südrussland beschrieben, später auch an 

1) Viviani, Florae Iflbycae Specimen, p. 7—8, Tab. III, Fig. 3 (1824). 

Ueber diese Art vgl. instesondere Marschall-Bielierstein, Flora Taurico-Caucasica, 
II, p. 145; Ledebour, Flora Eossica, I, p. 98; Boissier, Flora Orientalis, I, p. 128; Velenovsky, 
Flora Bulgarica, p. 19. — Vortrefiflicli abgebildet ist die Pflanze inDelessert, Icones selectae, II, Tab , 10. 
Z. B. Ges. B. XLIV. Abb. 39 



304 



Carl Fritscli. 



mehreren Orten des südwestlichen Asiens gefunden wurde und in neuester Zeit 
auch in Bulgarien und Serbien^) angegeben wird. Meiner Ansicht nach ist diese 
Pflanze von Corydalis cava (L.) nicht specifisch verschieden, da sie einzig und 
allein in der Theilung der Blätter von dieser abweicht. Bei Corydalis Mar- 
schalliana (Fall.) sind die Blätter nämlich viel weniger getheilt und namentlich 
die einzelnen Segmente breiter und häufig ungetheilt, was das Aussehen des 
Blattes auffallend ändert. Aber gerade in dem Gebiete der Balkanhalbinsel findet 
man alle möglichen Zwischenformen zwischen der typischen Blattgestalt unserer 
mitteleuropäischen Corydalis cava (L.) und derjenigen der Corydalis Marschal- 
liana (PalL). Alle übrigen von den Autoren angeführten Unterschiede sind ent- 
weder sehr unbeständig, wie z. B. die lockere, armblüthige Inflorescenz, die 
breiten Deckblätter, die Farbe der Blüthen, oder direct unrichtig, wie die An- 
gabe, dass der Sporn gerade, oder dass der Knollen nicht hohl sei. 

Diese letzte Angabe findet sich in Boissier's „Flora Orientalis". Auch 
hat Adamovic auf Herbaretiquetten der von ihm in Serbien gesammelten 
Exemplare ausdrücklich auf den nicht hohlen Knollen aufmerksam gemacht, 
Thatsächlich waren die Knollen dieser Exemplare auffallend klein und nicht 
hohl; sie hatten aber sonst ganz den Bau der Knollen von Corydalis cava (L.), 
nicht etwa den ganz abweichenden Bau des Knollen jener Arten, die sich um 
Corydalis solida (L.) gruppiren. An einzelnen Knollen zeigte sich aber schon 
deutlich der Beginn der Aushöhlung, wie ihn Irmisch beschreibt. Nach diesem 
letzteren Autor beginnt die Aushöhlung des Knollens von Corydalis cava (L.) 
im dritten bis fünften Jahre nach der Keimung, während die Entwicklung von 
Blüthensprossen „schwerlich vor dem fünften oder sechsten Jahre, in den meisten 
Fällen gewiss weit später" stattfindet.^) Die Folge davon ist, dass in der über- 
wiegenden Mehrzahl der Fälle der Knollen blühender Pflanzen bereits hohl 
ist. Es scheint nun, dass bei der serbisch-bulgarischen Pflanze die Entwicklung 
blühbarer Sprosse relativ früher, beziehungsweise die Aushöhlung des Knollens 
relativ später erfolgt, so dass man relativ öfter blühende Exemplare findet, 
deren Knollen noch ganz intact sind. Mit dieser Erklärung stimmt die That- 
sache sehr gut überein, dass alle von Adamovic eingesendeten mit solidem 
Knollen versehenen Exemplare verhältnissmässig klein und armblüthig sind, 
während grosse, starke Exemplare deutlich hohle Knollen besitzen. Aus Eagusa 
liegen mir, gleichfalls von Adamovic gesammelt, einige Exemplare vor, deren 
Blatttheilung so ziemlich der von Corydalis Marschalliana (Fall.) entspricht,^) 
deren Knollen aber durchwegs hohl sind. Durch diese Thatsachen fällt der an- 
gebliche Unterschied in den Knollen in nichts zusammen. 



*) Adamovic in Oesterr. botan. Zeitschr., 1892, S. 405. 

2) Irmiscli, lieber einige Fumariaceen (Abhandlungen der naturforscbenden Gesellschaft 
zu Halle, Bd. VI), Sep.-Abdr., S. 51-52. 

3) Visiani (Flora Dalmatica, III., p. 97) gibt schon an, dass die von Reichenbach (Icones 
fl. germ. et helv., III, Fig. 4463) abgebildete Form mit schmäleren, mehr getheilten Blattzipfeln 
in Dalmatien nicht vorkomme. Allerdings hat Reichenbach eine extrem schmalzipflige Form ab- 
gebildet. 



lit'itdluc /.ur I-Moia ilor HMlkiuibalbiiiscl . 



305 



Einige Autoroii') schrcilxMi der ( 'ori/dftlls M<irs<:lialliaii.a (Piill.) gdlic 
Blüthen zu; otronbar ist diese aber in der lUiiMienfarbe ebenso vcüiinderlieb wie 
Corydalis cava [Ij).'^) Die mir vorliegenden Mxenipbire aus Nisch und Tirot, die 
dem Typus der Corydalis MarschaUiana (Fall.) am besten entsprechen, ha])en 
durchwegs gelblichweisse Blüthen, die aus den Umgebungen von Zajeßar (Vrska 
Cuka) theilweise purpurne, theilweisc gelblichweisse, jene aus Gornji Milanovac 
dagegen durchwegs purpui-ne BliUlien. 

Corydalis MarschaUiana (Fall.) ist somit eine in den Formenkreis der 
Corydalis cara (L.) gehörige Fflanze,- welche höchstens den Rang einer Unterart 
hat. Die im Gebiete der Balkanhalbinsel vorkommenden Formen stehen in ihren 
Merkmalen zumeist zwischen der typischen Corydalis cava (L.) und Corydalis 
MarschaUiana (Fall,), bald dem einen, bald dem anderen Typus sich nähernd."'') 

6. Conjdalis solida [Linne, Spec. pl, ed. 1, p. 699 (1753), pro var. 
Fumariae hulhosae] Swartz in Svensk Botany, VIII, Tab. 531 (1819), sec. 
Beck, Fl. V. Niederösterr., S. 438. 

Syn.: Corydalis hicalcara Velen., Flora Bulgarica, p. 20 (1891), fide 
spec. orig.! 

Corydalis balcanica Yehn., 1. c, p. 21 (1891), fide spec. orig.! 

Hercegovina. Kazanci, April blühend; in der oberen Hercegovina in Un- 
massen im Karst, wo nur etwas Gestrüppe ist (Simonovic). 

Serbien. In silvis montis Vrska Cuka, solo calcareo, 350— 600 m, Apr. 
flor. (Adamovic, U., H.); in silvis ad Gamzigrad, flor. alb. (Adamovic, H.). 
Belanowce (Ilic). Pirot, flor. purp., rarius alb. (Adamovic). In nemorosis ad 
Vranja, Apr. flor., purp., rarius alb. (Adamovic). 

Bulgarien. Ad Stanimaka (Stfibrny, U.). Ad Nova Mahala, Apr. (Stri- 
brny, F., spec. orig. Corydalis hicalcarae Yelen.l). In alpinis mt. Vitosa (Skor- 
pil. F., spec. orig. Corydalis balcanicae Yelen.l). 

Die von Velenovsky beschriebene Corydalis slivenensis,"^) von welcher 
mir ausser der Original- Abbildung auch Original-Exemplare (in nemorosis ad 
Stanimaka, leg. Stfibrny, U., F.) vorliegen, ist in typischer Gestalt von Cory- 
dalis solida (L.) auffallend verschieden, aber auch durch alle möglichen Mittel- 
formen mit ihr verbunden. Unter den mir vorliegenden serbischen Exemplaren 
entsprechen die von Vranja vollkommen der Corydalis slivenensis Velen., während 
die anderen alle Zwischenstufen zwischen dieser und Corydalis solida (L.) dar- 
stellen. 



1^) So Marschall-Bieterstein und Boissier an den citirten Orten. Im Widerspruche 
damit steht die Angabe Willdenow's (Spec.pl., III, p. 860) : .flores 2'>urpurascentes, alis flavis^ . 
Im "Wiener Universitätsherbar liegt ein Exemplar der Corydalis MarschaUiana (Fall.) aus dem russi- 
schen Armenien, welches die Angabe Willdenow's in diesem Punkte bestätigt. 

^) Vgl. auch Velenovsky a. a. 0. 

3) Corydalis pseudocava Pantocsek (Adnotationes ad fioraTu et faunam Hercegovinae etc., 
p. 88) ist ohne Zweifel auch nur eine niedrige Form der Corydalis cava (L.) mit solidem Knollen. 

*) Velenovsky in Sitzungsber. d. kgl. böhmischen Gesellschaft der Wissensch., 1887, 
S. 445, Fig. 1. — Vgl. auch dessen „Flora Bulgarica", p. 20. 

39* 



306 



Carl Fritsch. 



Corydalis hicalcara Velen, und Corydalis halcanica Velen., von denen mir 
der Autor in liebenswürdigster Weise Original-Exemplare übersandte, sind sicher 
nur Formen der Corydalis soUda (L.). 

7. Corydalis ochroleuca Koch in Sturm, Deutschlands Flora (V.), 
XVII. CL, 2. Ordn., c. Tab. (1833). 

Ostbosnien. An felsigen Gehängen des Drinathales südlich von Zwornik 
häufig, Juli (Wettstein). 

Serbien. An steinigen Stellen des Drinathales gegenüber von Novoselo, 
Juli, mit Blüthen und reifen Früchten (Wettstein). 

Fuluaria L. 

8. Funiaria macrocarpa Pariatore, Plantae novae, p. 5 (1842). 

Diese Art bewohnt ein ziemlich beschränktes Verbreitungsgebiet im öst- 
lichen Theile der Mediterranflora; die Grenzen dieses Gebietes ergeben sich aus 
dem von Haussknecht (Flora, 1873, S. 559 — 560) gegebenen Standortverzeich- 
nisse. Westlich von der Adria kommt sie offenbar nicht mehr vor. Im hb. ü. 
liegt zwar eine von Engler „auf Aeckern bei Nizza" gesammelte Fumaria, 
welche derselbe als „Fumaria macrocarpa Fdrl-dt.?'' bezeichnete; es ist dies aber 
Fumaria major Bad., deren Vorkommen bei Nizza bekannt ist (vgl. Hauss- 
knecht, a. a. 0., S. 554). 

Die drei von Haussknecht a. a. 0. unterschiedenen Formen sind augen- 
scheinlich wirklich nur durch den Standort bedingt. Eine auffallend kräftige 
Form mit sehr breiten Blattzipfeln sammelte Pichler „in ruderatis prope Athen" 
(hb. K.). Bei Eagusa, wo sie Ascherson und Huter (hb. K.) zuerst gefunden 
hatten,^) fand sie neuerdings Adamovic (hb. U.). Sintenis (Iter trojanum, 
1883, Nr. 36) sammelte sie „in saxosis umbrosis ad Thymbra" (det. Ascherson, 
hb. U.). Pichl er sammelte sie in demselben Jahre auf Ehodus „neben den 
schattigen Wegen und auf Feldmauern bei Simbuli" (det. Heldreich, hb. U.). 

9. Fumaria flahellata Gasparriiii in Rendic. Acad. Nap., I., p. 51, 
sec. Boissier, Flor. Orient., Supplementum, p. 28. 

Dalmatien: Ragusa (Adamovic). 

Ich selbst fand diese Art auf der Insel Lussin am Nordostabhange des 
Monte Ossero. an einem Felsen vereinzelt. 

10. Fumaria officinalis L., Spec. pl., ed. 1, p. 700 (1753). 
Serbien: Nisch; Belanowce (Ilic) 

11. Fumaria rostellata Knaf in „Flora", XXIX, S. 290 (1846). 

Serbia. In ruderatis locisque cultis et incultis ad Belgrad copiose (Born- 
müller, U.)^) In agro Nissano, Juni (Adamovic); in graminosis ad Vranja, 
Juni (Adamovic, Nicic). 



1) Vgl.Visiani, Florae Dalmaticae supplementum, I, p. 118. 

2) Vgl. unten Fumaria Kraliki Jordan. 



li(Ml rü|!;<' /.iir rioia tlcr Kalkiiiiliulbiiisol. 



Der von Simonkai (Knum. fl. Trans., p, 70) und Andoron voranfjostollto 
Name Funiaria 2)rchcnsilis Kit.*) ist ohne Diagnose voröHentliclit und (laii(;r zu 
verworfen. Die Boj^clireibung derselben wurde erst 18G4 von Kauitz ver- 
öffentlicht,'^) also lange nach Knaf. Vgl. übrigens auch Ascherson in diesen 
„Verhandlungen", 180G, S. 140—141. 

12. Fiimaria Kraliki Jordan, Catal. du jard. de Dijon, 1848, p. 18, 
sec. Walpers, Annal. bot. .syst., II, p. 28. 

Syu. : Fumaria Anatolica Boiss., Diagn. pl. Orient, nov., Ser. I, Fase. 8, 
p. 14 (1849). 

Serbia borealis. In ruderatis locisque cultis et incultis ad Belgrad. „Jenseits 
der Donau im Banate wie im südlichen Serbien (Nis, Vranja) spontan und massen- 
haft in den Weinbergen; bei Belgrad aus Südserbien eingeführt" (Bornmüller, U.). 

Aus Südserbien habe ich die Art bisher nicht gesehen; was mir Ada- 
movic von dort als „Fumaria Anatolica Boiss. ^ sandte, v/'dv Fumaria rostellata 
Knaf. Bornmüller schickte eine ganze Centn rie angeblicher „Fumaria Ana- 
tolica Boiss." mit obiger Etiquette für die Flora exsiccata Austro-Hungarica 
ein; die Hauptmasse war aber auch hier Fumaria rostellata Knaf, und nur ein 
ganz kleiner Theil wirklich Fumaria Anatolica Boiss. = Fumaria KraliJd Jordan. 

Gewöhnlich wird nach dem Vorschlage Haussknecht's ^) diese Pflanze 
als Fumaria Anatolica Boiss. bezeichnet und der Name Fumaria Kraliki Jord. 
als Synonym dazu citirt. Meiner Ansicht nach gebührt aber dem letzteren 
Namen unbedingt die Priorität. Der Name Fumaria Anatolica Boiss. existirte 
zwar schon 1842, aber nur als Herbarname; ^) nachdem Boissier im Jahre 1844 
erklärt hatte, dass seine Fumaria Anatolica nichts anderes sei als eine Form 
der Fumaria micrantha L:ig.,^) war dieser Name ganz bedeutungslos geworden. 
Im Jahre 1847 wurde die Pflanze zwar von Schultz ausgegeben, aber als Fu- 
maria muralis Sond., allerdings mit dem Synonym Fumaria Anatolica Boiss. ^) 
Eechtmässig beschrieben und publicirt wurde Fumaria Anatolica Boiss. erst im 
Jahre 1849, nachdem bereits Jordan seine Fumaria Kraliki beschrieben hatte. 
Da ich principiell gegen die Annahme von Herbarnamen ohne Diagnose bin, 
muss ich den Jordan'schen Namen voranstellen. 

Schliesslich sei noch bemerkt, dass die Früchte aller von mir gesehenen 
Herbarexemplare deutlich runzelig sind, während die Autoren übereinstimmend 
dieselben als glatt bezeichnen.') Hiedurch wird die Unterscheidung von klein- 



1) Plantae horti botanici Regiae XJniversitatis Hung., 1812, p. 10. 

2) Kanitz, Pauli Kitaibelii additamenta ad floram Hungaricam, p. 189 (S.-A. aus Lin- 
naea, XXXII). 

Hausskneclit in „Flora", 1873, S. 505. 
^) In Pinard, PI. Car. exsicc. 

5) „Fumaria Anatolica Boiss. in Pinard, PI. Car. exsicc. nihil est nisi varietas pedunculis 
recurvatis Fumariae micranthae Lag." Boissier, Diagn., Ser. I, Fase. 5, p. 80. 
Ygl. Hausskneclit, a. a. 0. 

') Jordan sagt in der Original-Diagnose : „laevibus vel demum paulisper rugulosis''^ ; Bois- 
sier in Diagn., Ser. II, Fasel, p. 16: „nucula glohosa minus tuberculata'"''. Vielleiclit treten die 
Runzeln an Herbarexemplaren stärker hervor. 



308 



Carl Fritsch. 



blüthigen Formen der Fumaria Thureti Boiss. noch schwieriger. Jedenfalls 
sind die beiden Arten sehr nahe verwandt. 

13. Fumaria Vaillantii Loiseleur, Notice sur les plantes a ajouter 
a la Flore de France, p. 102 (1810). 

Serbien. In arvis ad Belgrad, Mai (Pancic, K.); Wiesen um Nisch, 
Leskowatz (Ilic); in mt. Bassara prope Pirot, Mai (Nicic). 

Oruciferae. 

(Arahideae.) 

Barbarea E. Br.i) 

1. Barharea vulgaris R. Brown in Aiton, Hortus Kewensis, ed. 2, 
Vol. IV, p. 109 (1812). 2) 

Serbien. Belgrad, copiossime in arvis, April blühend (Born^üUer, U.). 
Rudare (Ilic). Pirot (Nicic). 

2. Barharea hracteosa (xussone, Fl. Sic. prodr., II, p. 257 (1828). 
Dalmatien. In monte Orien, 3000', 29. Juni 1868, blühend (Pichler in 

hb. K.) ; in monte Orien ad alveum loco unico, 4500 ', Juli 1870, in Frucht 
(Pichler, K.), (det. Kerner). 

Ueber das Vorkommen dieser Pflanze im Occupationsgebiete vgl. Beck, 
Flora von Südbosnien, II, S. (93) 71, und Murbeck, Beiträge, S. 172. 

3. Barharea Balkaria Pancic, CpncKa Kpa^teBCKa BoiaHmKa Bauixa 
y Beorpa/iy, 1887 (Samenkatalog des Belgrader botanischen Gartens, 1887), p. 6 (1888). 

Syn.: Barharea rivularis Panßic, Elementa ad floram principatus Bul- 
gariae, p. 14 (1883); uon Martrin-Donos (1864). 

Barharea alpicola Murbeck, Beiträge zur Kenntniss der Flora von Süd- 
bosnien und der Hercegovina (Lunds Universitets Arsskrift, XXVII), s. 170 (1891). 

Ad confines Serbiae et Bulgariae: in rivularibus alpinis montium Midzor, 
Kopren et Tupanac (Balkan), Juli (Adamovic). 

Schon Velenovsky ^) vermuthete die Identität der Barharea alpicola 
Murbeck mit Barharea rivularis Pancic; ich kann diese Ansicht nur bestätigen. 

1) Beck (Flora von Niederösterreich, S. 461) citirt „Beckmann, Lex. totan., p. 33 (1801)" 
als Autor der Gattung Bariaraea. Beckmann aber schreibt a.a.O.: „Barharaea (Erysimum et 
Sisynibrium), i. e. berba sancta Barbarae, nostratibus St. Barbarakraut." Von der Aufstellung oder 
Abgrenzung einer neuen Gattung ist hier gar nicht die Rede, im Gegen theile, Beckmann führt 
die Linne 'sehen Gattungsnamen in Klammer an, ebenso wie weiter unten bei Barometz (Polypodium), 
Batatas (Convolvulus) etc. 

2) Linne hat (Spec. pl., ed. 1, p. 660) ein Erysimum Barharea. welches so ziemlich unserer 
ganzen Gattung Barharea entspricht, aber wohl in erster Linie auf Barharea vulgaris R. Br. zu 
beziehen ist. Diejenigen Autoren, welche Doppelnamen wie Larix Larix, Linaria Linaria etc. an- 
wenden, können daher statt Barharea vulgaris wohl Barharea Barharea schreiben. Ich habe mich 
bisher gegen solche Doppelnamen ablehnend verhalten und wende sie daher auch hier nicht an. 
Es ist dies eine jener principiellen Fragen, welche nur durch Beschluss eines Congresses endgiltig 
entschieden werden können. 

^) Velenovsky, Flora Bulgarica, p. 639. 



noitn'ijjo zur Flora di'r Halkaiilmlbinscl 



Im Herbar Halaesy hatte ich Gele^'enlieit, ein Original-Mx('mi)liir der Bar- 
harea nlpirola Murb. von der Vranicii-riaiiina zu sehen; obwohl dieses Kxeinplar 
in Fruclitreife steht und die von Adaniovic am Originalstuiulorte gcsaninielte 
Barharea ründaris Panö. nur lilütlien und junge Früchte trägt, ist die voll- 
ständige Ueboreinstimmung dieser beiden Pflanzen in der Form und Behaarung 
der Blätter, in der Länge der Fruchtstiele und der Lage und Gestalt der Früclite 
selbst doch unverkennbar. 

Der älteste Name dieser Pflanze ist Barharea rivularis 'Piuic'u' ; aber noch 
weit früher hat Ma rtr in -Donos ^) eine Barharea rivularis aufgestellt. Wie- 
wohl nun die specifische Selbstständigkeit dieser letzteren nicht sichergestellt 
scheint,'^) ist doch der Name Barharea rivularis jedenfalls besser zu vermeiden. 
Deshalb hat schon Pancic selbst im Samencataloge des Belgrader botanischen 
Gartens pro 1887 den Namen in „Barharea Balkana"' geändert. Dieser Name 
ist voranzustellen und die bedeutend später beschriebene Barharea alpicola Mur- 
beck als Synonym dazu zu setzen. 

Arabis L. 

4. Arabis glabra [Linne, Spec. pl., ed. 1, p. 666 (1753), sub Turritide] 
Weinmanu in Cat. hört. Dorp., 1810, p. 18, sec. De Candolle, Syst. nat., II, 
p. 212; Prantl, Excursionsflora f. d. Kgr. Bayern, S. 226 (1884). 

Serbien. Belgrad, Rakovica, Mai (Bornmüller, U.). In agro Vranjano 
(Adamovic). Im Walde bei Pirot (Nicic). Südserbien, ohne näheren Stand- 
ort (Ilic). 

Ich halte es für unbedingt geboten, die allgemein festgehaltene Gattung 
Turritis mit Arahis zu vereinigen, wie dies auch in Bentham-Hooker, Ge- 
nera plantarum (I, p. 69), bereits geschehen ist. In Bezug auf die Gestalt und 
Nervatur der Fruchtklappen gibt es alle Zwischenformen zwischen den ge- 
wölbten, mit starkem Mittelnerv versehenen der Turritis glahra L. und den 
flachen ohne deutlichen Mittelnerv der meisten Arahis-kviQn. Das Merkmal der 
„zweireihigen" Samen hat schon Kuntze mit Recht als ganz unwesentlich er- 
klärt.*) Prantl, der in der oben citirten Excursionsflora Turritis (nebst Con- 
ringia und Stenophragma) mit Arahis vereinigt hatte, hat in seiner Bearbeitung der 
Cruciferen in den „natürlichen Pflanzenfamilien"^) die Gattung Turritis wieder 
aufrecht erhalten, aber Arahis pauciflora (Grimm) Garcke (= Arahis hrassicae- 
formis Wallr.), die einreihige Samen, aber gewölbte, mit starkem Mittelnerven 
versehene Fruchtklappen hat, dazu gezogen. Hiedurch wird aber die Grenze 
zwischen Turritis und Arahis noch verwischter, da die Arahis -kxten aus der 



1) Martrin-Donos, Florule du Tarn (1864). 

2) Vgl. Kouy et Foucaud, Flore de France, I, p. 198. 

^) Das oft wiederholte Citat: ^Arahis glahra Crantz" ist unriclitig. Crantz verzeichnet 
die Pflanze in „Stirp. austr." als Turritis glahra, in „Class. Crticif." als Erysimum glastifolium. 
«) Kuntze, Kevisio generum plantarum, I, p. 27. 
*) Engler und Prantl, Die natürl. Pflanzenfam., III, 2, S. 192. 



310 



Carl Fritsch. 



Section Turritella C. A. Mey. {Ärahis Turrita L., Ärahis hirsuta [L.] u. a.) sich 
sehr enge an die so umgrenzte Gattung Turritis anschliessen. 

Die Frage, ob diese vereinigte Gattung nun den Namen Ärahis oder 
Turritis zu führen hat, ist selbstverständlich dahin zu beantworten, dass der 
Name Ärahis giltig bleibt. Linne hat in der ersten Ausgabe der Spec. pl. beide 
Gattungen; Ärahis geht voran und enthält sieben Arten, Turritis nur zwei, 
von denen eine (Turritis hirsuta) ohnedies eine Ärahis s. str. ist. Dass vor 
Linne der Name Turritis gebraucht wurde, wie Kuntze hervorhebt,^) kommt 
nicht in Betracht. 

Kuntze will a. a. 0. Ärahis mit Erysimum vereinigen. Aber selbst wenn 
wir mit Wettstein ^) auf den „rückenwurzeligen" Keim kein Gewicht legen 
wollen, so weicht doch Erysimum von Ärahis durch den Habitus, die charak- 
teristische Behaarung, die vorherrschend gelbe Blüthenfarbe, die Ausbildung der 
Honigdrüsen und Früchte so sehr ab, dass eine Vereinigung dieser Gattungen 
unnatürlich erschiene. Geht man in der Vereinigung der Cruciferengattungen 
zu weit, so kommt man schliesslich auf ganz monströse Gattungen, welche ihres 
Umfanges wegen schon aus praktischen Gründen zu verwerfen sind. 

5. Arabis Turrita L., Spec. pl, ed. 1, p. 665 (1753). 
Hercegovina. Im Zagorje bei Plusine, Juli blühend (!) (Adamovic). 
Serbien. Sitschewo bei Nisch, in rupestribus umbrosis, 11. Mai in Frucht 

(Bornmüller, ü.). Nakriwanj (Ilic). 

6. Arabis hirsuta [Linne, Spec. pl., ed. 1, p. 666 (1753), sub Turritide] 
Scopoli, Flora Carniolica, ed. 2, II, p. 30 (1772). 

Ostbosnien. Bergwiesen des Igrisnik bei ca. 1400 m, Juli in Frucht 
(Wettstein). 

Serbien. Jelaschnitza bei Nisch, April blühend (Ilic). In agro Vranjano 
(Adamovic). 

Alle vorliegenden Formen entsprechen mehr der Ärahis sagittata De Can- 
dolle's,^) welche ich aber nicht scharf von Ärahis hirsuta (L.) zu trennen ver- 
mag. Das von Adamovic bei Vranja gesammelte Exemplar zeichnet sich durch 
sehr dicht stehende, fast durchwegs ganzrandige Stengelblätter aus. 

7. Arabis muralis Bertoloni, Rariorum Italiae plantarum decas 
secunda, p. 37 (1806). 

Hercegovina, ohne näheren Standort (Adamovic, U.). 
Serbien. In rupestribus calidis ad Ztol, Apr. flor. (Pancic, K.). 
Griechenland. Euboea, in saxosis montis Delphi, 1600 m, Mai, verblüht 
(Pichler, K.). 

8. Arabis auriculata Lamarck, Dict. encycl., I, p. 219 (1783). 
Hercegovina. Im Zagorje bei Ulog, Juli (Adamovic). 

Serbien. Defilee von Sweta Petka (Ilic). 

>) Kuntze, Rev. gen., I, p. 27. 

2) Vergl. Wettstein, Die Gattungen Erysimum und Chciravtlms . Oesterr. 'botau. Zeitschr., 
1889, S. 243 ff. 

Vgl. De Candolle, Systema natur., II, p. 221—223. 



Boitr&ge zur Fli-n der nancin.lKill.iii-ol 



Die bohaartfrüohtigo Form dieser Art (v.ir. dasi/carpa Andrz. ^) habe ich 
bisher nur aus dem Gebiete der ])aniK>iiisclieii P'lora. gesehen (Niederösterreich: 
Kitlksburg, leg. Wiesbau r, U.; Ungarn: Haluzice, Com. Treni-in, gegenüber der 
hussiti.scheu Kuiue, leg. Holuby, K., U.); dass sie aber weiter verbreitet ist, 
beweisen die Angaben in der Literatur. Wallroth ^) fand sie bei Auleben in 
der Provinz Sachsen, Hornung^) bei Erfurt, And rzej o wski ^) im südlichen 
Podolien. In Siebenbürgen wurde sie wiederholt gefunden;^) indessen gehört die 
von De Candolle'*) irrthümlich hieher citirte Ärahis recta Baumg. ''j zu Arabis 
procurrcns W. K., wie Simonkai') constatirt hat. In Mähren wurde das Vor- 
kommen dieser Form durch Ohorn y^) festgestellt. 

9. Arabis alpina L., Spec. pl., ed. 1, p. 664 (1753). 

Südbosnien. Auf dem Maglic, Juli blühend (Adamovic). An der Baum- 
grenze der Bjela Gora (Adamovic). 

Südserbien. In mt. Bassara prope Pirot (Nici(5). 

10. Arahis procurrens W. K., Descr. et ic. plant rar. Hung., II, p. 154, 
Tab. 144 (1805). 

Ostbosnien. Crvene stiene bei Srebrenica, auf Kalkfelsen selten, Juli, 
Fruchtreife bereits vorüber (Wettstein). 

Serbien. Auf dem Berge Wis bei Sitschewo (Ilic). 

11. Arahis Halleri L., Spec. pl., ed. 2, p. 929 (1763). 
Tai*, trachytica Fritsch. 

Caules elongati, flexuosi, saepe valde ramosi, ramis multifloris, rarius 
paucifloris. FoUa inferiora magna, (incl. petiolo) 7—11 cm longa, 2 5—4 cm 
lata, petiolo auriculis 2 — 8 praedito. Folia superiora varia, modo linearia in- 
tegra, modo lanceolata dentata, modo inferioribus similia auriculata. Flores 
albi fructusque ut in specie typica. 

Bosnia orientalis. In pratis montis Kvarac prope Srebrenica, solo tra- 
chytico et calcareo(?), 400 — 500m s. m., Julio mense (Wettstein). 

Styria inferior. In silvis prope Cilli, solo calcareo (?), ca. 600 m s. m., 
3. VIII. flor. (Rechinger, R.). 

Diese auf den ersten Blick durch die Ueppigkeit nnd die grossen Blätter 
sehr auffallende Arahis erwies sich bei genauer Untersuchung doch nur als eine 
aussergewöhnliche Form der Arabis Halleri L. Ich hatte vor wenigen Tagen 
Gelegenheit, am Semmering in Niederösterreich die dort geradezu massenhaft 



Andrzejowski in De Candolle, Piodromus, I, p. 143 (1824); Gaudin, Flora Hel- 
vetica, IV, p. 309 (1829). 

2) Wallrotli, Scbedulae criticae, I, p. 354 (1822). Hier wird diese Form zum ersten Male 
angeführt, aber nur als var. „|?. siliquis hirsutis'^, ohne besonderen Namen. 

*) Vgl. Gaudin, Flora Helvetica, IV, p. 310. 

*) De Candolle, Prodromus, I, p. 143. 

ä) Vgl. Simonkai, Enumeratio fl. Transs., p. 76. 

6) Baumgarten, Enumeratio stirpium Transs., II, p. 269. 

') Simonkai, 1. c, p. 78. 

*) Oborny, Flora von Mähren, S. 1179, als var. „(9. lasiocarpa'^ . 
Z. B. Ges. B. XLIV. Abb. 40 



312 



Carl Fritsch. 



vorkommende Arabis Halleri L, zu beobachten. Wo sie auf Wiesen (gewöhnlich 
mit Gentiana verna L.) vorkommt, bleibt sie niedrig, hat sehr kleine, wenig 
oder gar nicht geöhrlte Blätter und ziemlich aufrechte Stengel; an feuchteren, 
mehr schattigen Stellen aber verlängern und verzweigen sich die Stengel, liegen 
oft am Boden und wurzeln an den Knoten ein, die Blätter werden grösser, die 
Blattstiele geöhrlt u. s. w. Solche Formen nähern sich der hier beschriebenen 
var. trachytica, sind aber immer noch in allen vegetativen Theilen weit kleiner 
als diese. Die Wachsthumsverhältnisse der var. trachytica sind übrigens, wie 
Wett stein auf der Etiquette ausdrücklich hervorhebt, genau dieselben wie bei 
unserer einheimischen Arabis Halleri L. Ich habe viel Herbarraaterial von 
dieser Art durchgesehen, nirgends aber eine der var. trachytica gleichende oder 
nur annähernd so grossblättrige Form gefunden. Gleichwohl möchte ich glauben, 
dass diese üppige Form nur durch den Einfluss des Substrates, beziehungsweise 
des Standortes überhaupt hervorgerufen wurde; für solche Formen ist die so 
vielfach missbrauchte Bezeichnung „Varietät" meiner Ansicht nach am Platze. 

Die von Rechinger in Nadelwäldern bei Cilli gesammelten Exemplare 
sind von den bosnischen nicht zu unterscheiden. Rechixnger glaubt sie auf 
Kalk gesammelt zu haben; jedoch ist Trachyt in der Umgebung von Cilli ebenso 
mit Kalk gemischt, wie bei Srebrenica in Bosnien. Obschon also das ausschliess- 
liche Vorkommen dieser Form auf trachytischen Gesteinen durchaus nicht er- 
wiesen ist, so habe ich doch mit Rücksicht auf die Beobachtung Wett stein's, 
dass die Pflanze dem Trachytgebiete um Srebrenica eigenthümlich sei,^) den 
Namen trachytica gewählt. Sehr auffallend ist die späte Blüthezeit dieser Arabis, 
sowohl der bosnischen, als der südsteierischen (Juli, August). Beide Standorte 
liegen in 400 — 600 m Seehöhe und zudem noch viel südlicher als der Semmering 
in Niederösterreich, und an letzterem Orte blüht Arabis Halleri L. stets 
im Mai! 

12. Arabis arenosa [Linne, Spec. pl., ed. 1, p. 658 (1753), sub Sisym- 
brio] Scopoli, Flora Carniolica, ed. 2, Vol. II, p. 32, Tab. 40 (1772). 

Serbia australis. In saxosis ad Surdulica (distr. Vranja), solo silic, Junio 
florens (Adamovic). Nakriwanj (Ilic). 

13. Arabis Scopoliana Boissier in Annal. d. sc. natur., 2. ser., 
Tom. XVII, p. 56 (1842). 

Syn.: Draba ciliata Scop., Flora Carniol., ed. 2, II, p. 6, Tab. 33 (1772). 
Draba androsacea Willd., Spec. pL, III, p. 428 (1801), non Arabis andro- 
sacea Fenzl. 

Dollineria ciliata Sauter in „Flora", 1852, S. 354. 

Arabis ciliata Murbeck, Beitr. z. Kenntn. d. Fl. v. Südbosn. u. d. Herceg., 
S. 169 (1891), non R. Br. 

Ohne neue Standorte dieser seltenen Pflanze aus dem Bereiche der Balkan- 
halbinsel mittheilen zu können, möchte ich doch einige Worte über dieselbe 



1) Bei einem der Wettstein'schen Exemplare sagt die Etiquette: „auf Kalk". Wett- 
stein vermuthet aber, wie er mir mündlicli mittheilte, dass diese Angabe irrig sei. 



ßoitrilf^o 7.ur Kloni der Hiilkiiiiliiilbiiisol. 



sagen, namentlich doslialb, weil ich in der Liigc bin, bei dieser Gelegenheit einen 
interessanten liastard derselben zu beschreiben. 

Draba ciiiata wurde von Scopoli auf Grund abgeblühter Exemplare vom 
Nanos in Krain beschrieben. Er zweifelt, ob seine Pflanze mit Draba ciliaris L. 
zusammenfällt, da er sie nicht blühend untersuchen konnte. Willdenow ändert 
den Scopol ischeu Namen in Draba androsacea, beschreibt auch die Blüthen 
und weist auf die Unterschiede von Draba ciliaris L. hin. Allerdings citirt er 
fälschlich dazu Draba fladnizensis Wulf, als Synonym, was später auch De 
Candolle^) gethan hat, aber seine Beschreibung bezieht sich olfenbar auf 
Draba ciiiata Scop. Im Herbar Willdenow liegen, wie mir Prof. Ascherson 
freundlichst mittheilt, drei Exemplare: eines von Kitaibel aus Croatien, schon 
von diesem als Draba androsacea bezeichnet, und zwei andere, durchwegs Draba 
ciiiata Scop., keine Draba fladnizensis Wulf. 

Erst im Jahre 1842 machte Boissier a. a. 0. darauf aufmerksam, dass 
diese Art mit Rücksicht auf die Gestalt und den Bau der Früchte zu der 
Gattung Ärabis gehört, und nannte sie Arabis Scopoliana, da schon eine Arabis 
ciiiata R. Br. existirte. Zehn Jahre später stellte Saut er, offenbar ohne von dieser 
Notiz Boissier's Kenntniss zu haben, die Gattung DoUineria mit der einzigen 
Art Draba ciiiata {= Draba ciiiata Scop.) auf, und begründete diese Abtrennung 
mit folgenden Worten: „Diese Gattung vermittelt demnach sowohl durch Habitus 
als Fruchtbau beide Gattungen, indem deren Früchte in der Jugend von Draba- 
Form, reif von Arabis-¥orm erscheinen, während sie sich durch die starken 
Längsnerven und die einreihigen Samen von Draba, und durch die unter sich 
und mit diesen anastomosirenden Längsnerven, sowie durch die dicken Klappen 
und die geringe Zahl der Samen in jedem Fache und deren dicke Nabelschnur 
von Arabis unterscheidet, und daher die Aufstellung einer neuen Gattung 
wenigstens nach den mir bekannten Arabis -Arten zu rechtfertigen scheint." 

Thatsächlich zeigt die in Rede stehende Art ebensowohl mit manchen 
Arabis -Arten (besonders mit Arabis procmrens W. K.), als auch mit Draba- 
Arten aus der Sect. Leucodraba DC, unzweifelhafte Verwandtschaft, und reiht 
sich nebst den J^on^a -Arten u. a. denjenigen Cruciferenformen an, die so recht 
deutlich die Unnatürlichkeit der alten Eintheilung in „Siliquosae^^ und „Sili- 
culosae^ demonstriren. Trotz dieser Mittelstellung ist die Sauter'sche Gattung 
DoUineria doch von Draba leicht, von Arabis jedoch nicht scharf abzutrennen, 
weshalb auch PrantP) mit Recht dieselbe wie Boissier zu Arabis gezogen hat. 

Was die Nomenclatur der Art anbelangt, so bin ich mit dem Vorgange 
Mürbe ck's, der die Pflanze Arabis ciiiata (Scop.) nennt, nicht einverstanden. 
Arabis ciiiata R. Br.^) ist ein zu Recht bestehender Name, der durch das 
frühere Beschreiben einer Arabis -Art unter einem anderen Gattungsnamen nicht 
umgestossen werden kann. Ebensowenig kann der nächstjüngere Name Arabis 



1) De Candolle, System, nat., II, p. 345. 

2) In Engler und Prantl, Natürl. Pflanzenfam., III, 2, S. 193. 

') ß. Brown in Alton, Hortus Kewensis, ed. 2, IV, p. 107 (1812). 

40* 



314 



Carl Fritsch. 



androsacea (Willd.) gebraucht werden, weil schon eine Ärahis androsacea Fenzl^) 
existirt. Ich nenne also die Art mit Boissier Arabis Scopoliana, wie auch 
Nyman,^) Prantl-^) u. A. 

Die Verbreitung der Ardbis Scopoliana Boiss. ist eine sehr beschränkte. 
Ich sah dieselbe von folgenden Standorten: 

Krain. Nanos (Deschmann, U., genau am Original-Standorte zwischen 
Prewald und der Hieronymuscapelle 1855 gesammelt; Miller, R.); Krainer 
Schneeberg (Kerner, K.; Paulin, U.*). 

Istrien. Monte Maggiore, westlicher Abhang der Kuppe, 4100' (Tom- 
masini, Z.). 

Croatien. Auf den höchsten Jochen des Crne gredo bei Laginatz nächst 
Ostarje (Pichler, IT.); in graminosis rupestribus ad Korenitza montis Pljesche- 
vitza (Borbäs, K.). Vellebit; Monte Santo (Maly, Z.). 

Bosnien. In monte Vlassich (Sendtner, K.). 

Die anderen Standorte im österreichischen Küstenlande, Croatien und 
Dalmatien findet man bei Neilreich, ^) Visiani^) und Schlosser-Vuko- 
tinovic ') angegeben. Für Bosnien steht sie schon bei Ascherson und Kanitz^) 
verzeichnet; in neuerer Zeit sammelten sie dort Vandas^) und Murbeck. ^*') 
Die Angabe Schur's^^) aus Siebenbürgen, welche auch Ny man in seinen „Con- 
spectus" aufgenommen hat, ist jedoch unrichtig.^^) 

Die Verbreitung dieser Art ist also auf die x4.1pen Krains, des öster- 
reichischen Küstenlandes, Croatiens, Dalmatiens und Bosniens beschränkt. Ich 
benütze diese Gelegenheit, um eine interessante, künstlich erzeugte Hybride zu 
beschreiben, welche in den botanischen Gärten zu Innsbruck und Wien sich in 
Cultur befindet. 

Arabis digenea Fritsch, hylbr. nov. (procurrens X Scopoliana). 
(Taf. XII, Fig. 2.) 

Planta Ardbidi Vochinensi Spr. [Draba molli Scop.)^^) simillima, 
10 — 12 cm alta, perennis, stolonifera. Folia obovato-elliptica, vix acuta, mar- 
gine pilis simplicibus ramosisque ciliata. Stolones in planta florifera breves, 

1) Fenzl, Pugillus plantarum novarum Syriae et Tanri occidentalis primus, p. 13 (1842). 

2) Nyman, Conspectus florae Europaeae, p. 35. 

3) In Engler und Prantl, Natürl. Pflanzenfatn., TU, 2, S. 193. 

«) Paulin hat die Pflanze 1893 für die Flora exsiccata Austro-Hungarica in 100 Frucht- 
exemplaren eingesendet. 

5) Neilreich in Oesterr. hotan. Zeitschrift, 1859, S. 94. 

«) Visiani, Flora Dalmatica, III, p. 121; Supplem., I, p. 121. 

^) Schlosser et Vulfotinovic, Flora Croatica, p. 252. 

») Ascherson et Kanitz, Catal. Corm. et Anth. Serb, etc., p. 78. 

') Vandas in Sitzungsber. d. böhm. Ges. d. Wiss., 1890, S. 252. 

1°) Murbeck, Beiträge, S. 169. 

") Schur, Enumeratio, p. 64. 

•2) Vgl. Simonkai, Enumeratio, p. 94. 

") Arabis Vochinensis Spr. kann mit Rücksicht auf Ardbis mollis Stev. den Scopoli'schen 
Artnamen mollis nicht behalten, gerade so wie Arabis Scopoliana Boiss. nicht als Ardbis ciliata 
(Scop.) bezeichnet werden darf. 



Boitiiipo 7.ur Flora dor Halkiinliiilljinsol. 



315 



erecti. FoUa canl'ma 3—4, i^iipcriora suhfjlahra. llacemits 10—12-floriis, intcr- 
nodiis post aathesin clongatis. Pcdicelli aili/cihus anlhesi ineimte vix lompores, 
postea viulto lomjiores. Petalorum limhus siihrotundus, in unyuem contractiis, 
diam. 4 mm. Styhis hrevissimus. Fructus (immaturus) anguste linearis. 

Artcfacta in horto hotanico Oenipontano 1877; ibidem et in horto ho- 
tanico Vindobonensi culta et qtiotannis dbunde florens. 

Die Pflanze hält in jeder Beziehung die Mitte zwischen ihren Stamm- 
eltern, so in Bezug auf die Höhe des Stengels, die Grösse und Form der Blätter 
und Fetalen, die Länge der Ausläufer und der Blüthenstiele, die Behaarung u. s. w. 
Die Blätter von Ärabis procurrens W. K. sind am Rande mit zweigabeligen 
Haaren besetzt, deren Aeste dem Blattrande enge anliegen. Arahis Scopoliana 
Boiss. hat dagegen ungetheilte, abstehende Blattwimpern. Bei Arahis digenea 
sind die Wimpern theils einfach, theils gegabelt, in letzterem Falle aber die 
Gabeläste durch eine gemeinsame Stielzelle vom Blattrande abgehoben. (Vgl. 
Taf. XII.) Die Pflanze blüht im Wiener botanischen Garten (im Freien) fast 
vierzehn Tage später als Arahis procurrens W. K.; Arahis Scopoliana Boiss. 
wird in Töpfen cultivirt und blüht daher früher. 

Die habituell dem eben beschriebenen Bastard recht ähnliche Arahis 
Vochinensis Spr. ist durch die dichte anliegende Behaarung des Blattrandes, 
den verlängerten Griffel und die viel breiteren, mehr Dra&a-ähnlichen jungen 
Früchte leicht zu unterscheiden. 

Nach freundlicher Mittheilung des Universitätsgärtners Bilek in Inns- 
bruck wurde diese Hybride im Jahre 1877 von Trautmann durch Bestäubung 
der Draha ciliata Scop. mit Pollen von Arahis procurrens W. K. erzeugt und 
dem Innsbrucker Garten mitgetheilt. Von dort wurde sie auch in den Wiener 
Garten verpflanzt. 

Roripa Scop.^) 

14. JRoripa austriaca [Crantz, Stirp. austr., ed. 1, Fase. I, p. 15, Tab. IV, 
Fig. 1 et 2 (1762), sub Nasturtio] Besser, Enumeratio 'plant. Volhyniae etc., 
p. 103 (1822). 

Südserbien. In Sümpfen neben der Eisenbahn bei Vranja, 2. Mai eben 
aufblühend (Nicic). 

15. Moriiya Neilreichii Beck, Flora von Niederösterreich, S. 465 (1892). 
Südserbien. Auf sandigem Boden bei Vranja (Nicic). 

Obschon Beck ältere Synonyme zu dieser Pflanze citirt, habe ich doch 
den ganz unzweifelhaften Beck'schen Namen vorgezogen. Die ganze Gruppe der 
zwischen Boripa austriaca (Cr.) und JRoripa silvestris (L.) stehenden Formen 
bedarf noch der Klärung. Erst nachdem diese erfolgt ist, wird auch die Nomen- 
clatur derselben endgiltig festgestellt werden können. 



1) Den Gattungsnamen Nasturtium hat Beek (Flora yon Niederösterreich, S. 463) mit Recht 
ganz verworfen. 



316 



Carl Fritsch. 



16. Roripa armoracioides [Taiisch in „Flora", 1840, S. 707, sub 
Nasturtio] Celak., Prodr. d. Fl. v. Böhmen, S. 459 (1867). 

Süd Serbien. Leskowatz; Belanowce (Ilic). 

Unter den Exemplaren von Leskowatz findet sieb auch die var. pinnatifida 
(Tausch). 

17. Roripa barbareoides [Tausch in „Flora", 1840, S. 713, sub Na- 
sturtio^ Celak., Prodr. d. Fl. v. Böhmen, S. 458 (1867). 

Nordserbien. Belgrad, in humidis ad Danubium flumen inter Boripam 
ampMbiam (L.) et Boripam silvestrem (L.), quarum hybrida videtur, V.— VI. 
(Bornmüller, IT.). 

Bornmüller bemerkt auf der Etiquette, es sei dies das „Nasturtium 
anceps Panc., Flora agri Belgrad., ed. V., aber gewiss nicht eine Hybride von 
Boripa palustris und Borip>a silvestris, da erstere bei Belgrad nicht vorkomme. 
Ich kann dessen Ansicht, dass eine Hybride zwischen Boripa amphibia und 
Boripa silvestris vorliegt, nur beipflichten. 

18. Roripa prolifera [Heuffel in „Flora", 1853, p. 624] Keilreicli, 
Aufzählung der in Ungarn und Slavonien bisher beobachteten Gefässpflanzen, 
S. 263 (1866). 

Mir liegt diese Art von folgenden Standorten vor: 

Hungaria. Ad fossas stagnantes inter pagos Domasnia et Teregova, 
Augusto (Simonkai, K.). 

Serbia. In limosis rivi Porec (Pancic, K.), Sitschewo (Ilic, U.). 

Eumelia. In salicetis ad fl. Maritza prope pag. Kadikiöi non procul ab 
oppido Philippopoli, 3. VII. flor. (Janka, Iter turc, 1871, K.). — Tekir-Dagh: 
In vallibus versus Propontidem, prope pagum Yeni keui, Nailkiöi Deresi dictis, 
20. VI. flor. (Degen, Iter turc, 1890, K). 

Neilreich hat in seinen „Diagnosen"^) diese Pflanze für eine monströse 
Form der Boripa silvestris (L.) erklärt, welche Ansicht aber vonVisiani und 
Pancic^) widerlegt wurde. Uebrigens liegt mir eine von Menyhärth bei Ka- 
locsa in Ungarn gesammelte Boripa vor (hb. K.), welche wegen der gehäuften 
Früchte thatsächlich leicht für Boripa prolifera (Heufif.) gehalten werden könnte, 
meiner Ansicht nach aber mit Rücksicht auf die anderen Merkmale (namentlich 
den kurzen dicken Griffel) nur eine abnorme Form der Boripa silvestris (L.) 
sein dürfte.^) Vielleicht ist Neilreich ein ähnliches Exemplar vorgelegen. 
Uebrigens verlängert sich die Inflorescenz nach der Anthese auch bei Boripa 
prolifera (Heuff.) zu einer lockeren Traube.*) Habitus und Blattform variiren; 



1) Neilreich, Diagnosen der in Ungarn und Slavonien bisher beobachteten Gefäss- 
pflanzen etc., S. 10. 

') Visiani et Pancic, Plantae serbicae rariores aut novae, Decas III, p. 18, Tab. 21. 

3) Auch Borbäs (Vizsgälatok a hazai Arabisek es egyeb Cruciferäk körül [1878], p. 44) 
kam zu diesem Resultate. 

«) Vgl. auch Haussknecht, Symbolae ad fl. graecam in Mitth. d. thür. bot. Ver., Neue 
Folge, Heft III u. IV, S. 106. 



Beiträge zur Flora d<T Bulkanhalbiiisel. 



jedoch ist die Pflanze durchschnittlieli liöher, zarter und schlaffer als Jioripu 
silvestris (L.)- Exemplare vom Tekir-Dagh sind iihrigens kleiner und nicht 
so schlalT — vielleicht in Folge sonnigen Standortes — un<i gleichen daher 
habituell mehr der lioripa süvestris (L.). 

19. lloripa silvestris [Linne, Spec. pl, ed. 1, p. 657 (175,Sj, sub >Si- 
symhrio] Besser, Enum. pl. Volhyn., p. 27 (1822). 

Albanien. In alveo fl. Drynos prope Subasi infra Argyrokastron et Teplen 
(Baldacci, Iter. alban. alt., 1894, Nr. 52). 

Serbien. Gornji Milanovac, Mai (Adamovic; eine eigenthümliche schlaffe 
dünnblättrige Form); in agro Vranjano, August (Adamovic); Pirot, Mai 
(Nicic; Ilic). 

20. Roripa thracica [Grisebach, Spicilegium florae rumelicae et bi- 
thynicae, I, p. 258 (1843), pro var. Nasturtii lippizensis; Flora Europaea (ed. 
Kanitz), p. 44 (1882), sub Nasturtio] Fritsch. 

Serbia. In asperis serpentinis montis Zlatibor, VII. matur. fruct. (Panßic, 
K., sub nomine Nasturtii lippizensisl). 

Bulgaria. In saxosis vallis „Akdere" prope Kalofer, 20. VIII. fruct. 
(Wagner, Iter Orient, secund. [1893], Nr. 7, det. et ed. Degen). 

Macedonia centralis. In pratis montanis montis Kossov prope Zborsko 
(Dörfler, Iter turc. sec, 1893, Nr. 26), 26. VI. flor. 

Im Herbare des naturhistorischen Hofmuseums liegt ein Original-Exemplar 
des Nasturtium thracicum Griseb. aus Thracien, leider im Stadium der Blüthe, 
nur mit ganz jungen Fruchtansätzen. Die Pflanze hat den Habitus und die 
schmalen Blattabschnitte der JRoripa pyrenaica (L.); die jungen Fruchtanlagen 
sind aber lineal, während sie bei letzterer Art fast kugelig sind. Mit diesem 
Original-Exemplare stimmt die von Dörfler in Centralmacedonien gesammelte 
Pflanze genau überein; sie ist auch in demselben Stadium gesammelt und eben- 
falls ohne entwickelte Früchte. Dagegen sah ich im Hb. M. zwei Exemplare von 
Friedrichsthal (Nr. 150, Schumadia; Nr. 537, Eilo Dagh) mit gut entwickelten 
Früchten, welche ich für Roripa thracica Griseb. halte, obschon sie Grisebach 
selbst als „Nasturtium pyrenaicum" bezeichnete. Die Gestalt der Früchte weicht 
von jener bei Roripa pyrenaica (L.) bedeutend ab und nähert sich mehr jener 
von Roripa lippizensis (Wulf.). 

Die von Wagner bei Kalofer gesammelte Pflanze hat mehr den Habitus 
der Roripa silvestris (L.), also viel breitere Blattabschnitte, ist aber doch der 
Früchte wegen kaum von Roripa thracica (Griseb.) zu trennen. Die serbische 
Pflanze gleicht ganz einer kleinen Roripa lippizensis (Wulf.), hat aber nicht die 
linealen Früchte dieser Art. Obschon die Blattform der serbischen Pflanze nicht 
mit der Beschreibung Griseb ach's übereinstimmt, da die Grundblätter zumeist 
leierförmig, ja theilweise fast ungetheilt sind, so glaube ich dieselbe doch wegen 
der Gestalt der Früchte hieher rechnen zu müssen. Bei Roripa thracica (Griseb.) 
sind nämlich dieselben nur 5 — 6 mm lang und daher kürzer oder höchstens so 
lang als der Fruchtstiel; bei Roripa lippizensis (Wulf.) dagegen sind sie 14 bis 



318 



Carl Fritsch. 



18 mm lang, verlängert lineal, bedeutend länger als der Fruchtstiel und daher 
auch viel reichsamiger. Zur Blüthezeit dürften die beiden Arten jedoch sehr 
schwer zu unterscheiden sein/) da die Blattgestalt offenbar ebenso variirt wie 
bei Boripa silvestris (L.), ampliihia (L.) u. a. Arten. ^) Ich sah Boripa thracica 
(Griseb.) nur von den oben angegebenen Standorten, Boripa Ujjpizensis (Wulf.) 
dagegen von zahlreichen Standorten aus Krain, Görz, Istrien, Croatien, Dalmatien, 
Bosnien und der Hercegovina, darunter Wulfen 'sehe Originale im Hb. M. Ob 
alle oben von mir zu Boripa thracica (Griseb.) gestellten, habituell unter ein- 
ander ziemlich unähnlichen Pflanzen wirklich alle zu einer Art gehören, müssen 
spätere Untersuchungen an reichlicherem Material lehren. 

21. Roripa pyrenaica [Linne, Syst, natur., ed. 10, p. 1132 (1759), 
sub Sisymbrio] Reichenbach, Icones fl. Germ, et Helv., II, p. 15 (1837—1838). 

In Serbien verbreitet. Belgrad, trockene Abhänge, Torlak bei Avala, 
Mai bis Juni blühend (Pancic, K.; Bornmüller, U., M., H.; D. Petrovic, H.; 
Bella, H.). Gornji Milnnovac, Mai blühend (Adamovic). Kragujevac ad vias 
(Pancic, M.). In arvis ad Zajcar (Valenta, H., Adamovic). Wiesen bei Gabro- 
watz nächst Nisch (Petrovic, H ; Ilic); Jajna, Dorf Perutina (Selitschewitza) 
bei Nisch (Ilic). Pirot (Jovanovic, M.). 

Macedonien. Khortadj (Charrel, H.). 

Griechenland. Agrapha, Neuropolis, 3500* (Heldreich, H.). 

Cardamine L. 

22. Cardamine Nasturtium [Linne, Spec. pl., ed. 1, p. 657 (1753), 
sub Sisymbrio} Kuiitze, Revisio gen., p. 22 (1891); non Wallroth. 

Syn.: Cardamine fontana Lamarck, Dict. encycl. method., II, p. 185 (1786); 
Prantl, Excursionsflora für das Königreich Bayern, S. 231 (1884). 

Nasturtium officinale R. Br. in Alton, Hort. Kew., ed. 2, IV, p. 110 (1812). 
Boripa Nasturtium Beck, Flora von Niederösterreich, S. 463 (1892). 
Serbien. Umgebung des Wlasina-Sees (Ilic). 

Die Brunnenkresse nimmt eine eigen thümliche Mittelstellung zwischen den 
typischen Arten von Cardamine und Boripa ein; sie hat den Habitus und die 
weissen Blüthen der ersteren, die Früchte der letzteren Gattung. Da nun unser 
Cruciferensystem vorzugsweise in den Fruchtmerkmalen begründet ist, so haben 
die meisten Autoren unsere Pflanze zu Boripa gezogen, beziehungsweise für die 
letztere einschliesslich der echten Brunnenkresse den Namen Nasturtium gebraucht. 
Lamarck, der die Pflanze zu Cardamine zog, blieb mit dieser Ansicht isolirt; 
erst Prantl griflf a. a. 0. den Lamarck 'sehen Namen Cardamine fontana wieder 
auf, um ihn aber später^) selbst wieder fallen zu lassen. Celakovsky, dessen 

1) Vgl. über die Unterscliiede Boissier, Flora Orient., I, p. 181; Velenovsky, Flora 
Bulgarica, p. 27. 

2) Auch Roripa Uppizensis (Wulf.) kommt mit fast ungetheilten und mit fiederschnittigen 
Grundhlättern vor. 

Engler und Prantl, Die natürlichen Pflanzenfamilien, III, 2, S. 184. 



Hoitriifjo /iir Flora dor nalkaiiliiilbiiisol . 



Cruciferonsystom sicli durch Klarhoit und scluirfo CliMriiktciisirurif]: dor Untpr- 
abthoiluug-ou uud Gattungen auszcichnot, stellt Nasturtium (i. e. Nasturtium 
officinale) als eigene Gattung neben liorvpa.'^) Kuntze endlich umgeht die 
Schwierigkeit dadurch, dass er lloripa und Cardamine (nebst Dentaria) über- 
haupt zu einer Gattung vereinigt, 

Vergleichen wir nun die einzelnen Merkmale, welche in den Blüthen und 
Früchten der Biuunenkresse zu beobachten sind, mit denen von Eoripa und von 
Cardamine. Ich muss zunächst vorausschicken, dass ich Armoracia mit Cela- 
kovsky^) als eigene Gattung ansehe und unter Roripa hier nur die Section 
Euroripa Beck^) verstehe. Der Kelch ist geschlossen wie bei Cardamine, während 
er bei allen Eoripa -Arten, die ich beobachten konnte, weit geöffnet ist. Hiemit 
hängt auch die Stellung der Kronblätter zusammen; bei Cardamine (und Nastur- 
tium officinale) sind die Nägel derselben vertical gestellt und zwischen den 
gleichfalls aufrechten Kelchblättern verborgen, die Platte dagegen ist scharf ab- 
gesetzt und mehr oder weniger horizontal ausgebreitet; bei Roripa dagegen 
stehen die Kronblätter ebenso wie die Kelchblätter vom Grunde an ab und die 
Platte derselben verläuft mehr allmälig in den Nagel, ohne mit demselben einen 
auffallenden Winkel zu bilden. Ferner sind, wie schon oben erwähnt, die Kron- 
blätter bei Roripa stets, bei Cardamine niemals*) gelb. Alle Roripa- Arten 
haben mediane Honigdrüsen; bei Nasturtium officinale fehlen sie, ebenso bei 
vielen Arten von Cardamine.^) 

Wir haben also drei Merkmale in der Blüthe von Nasturtium officinale 
gefunden, durch welche sich diese Art von Roripa entfernt: die Stellung der 
Kelch- und Kronblätter, die Farbe der letzteren und das Fehlen der medianen 
Honigdrüsen. Wie steht es nun aber mit den an der Frucht vorhandenen Merk- 
malen? Die Frucht des Nasturtium officinale ist eine nahezu cylindrische Schote 
mit unregelmässig zweireihigen Samen, etwa so wie bei Roripa silvestris (L.). 
Die Frucht der typischen Cardamine -Arten ist dagegen stark zusammengedrückt, 
ihre Klappen springen elastisch auf und die Samen sind einreihig. Dieser Unter- 
schied ist ähnlich dem zwischen Turritis und Ärahis; bei Besprechung der Arahis 
glahra (L.) habe ich die geringe Bedeutung des Unterschiedes zwischen so- 
genannten „einreihigen" und „zweireihigen" Samen hervorgehoben.®) Ich kann 
noch beifügen, dass z. B. bei Erysimum cheiranthoides L., welches doch stets 
einreihige Samen haben sollte, nicht selten die Samen so auseinanderrücken, dass 
man sie als „unregelmässig zweireihig" bezeichnen kann. Noch wichtiger ist die 
Thatsache, dass Roripa lippizensis (Wulf.) ausgesprochen einreihige Samen 



1) Celakovsky, Prodromus der Flora von Böhmen, S. 436. 

2) Kuntze, Revisio generum plantarum, p. 21. 
^) Beck, Flora von Niederösterreich, S. 4G3. 

Cardamine, ochrohuca Stapf (in Denkschr. der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, LI, 
S. 297) hat Blüthen etwa von der Farhe wie Dentaria enneapliylla L. 

5) Merkwürdiger Weise hahen jedoch gerade die mit der Brunnenkresse zunächst verwandten 
Cardamine -Arten auch mediane Honigdrüsen. 

«) Siehe oben, S. 309. — Ygl. auch Kuntze, Revisio gen., p. 21. 
Z. B. Ges. B. XLIV. Ahh. 41 



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Carl Fritsch. 



hat; da diese Art doch unbedingt eine Roripa ist, so sieht man, dass dieses Merkmal 
wirklich nur von der Gestalt der Früchte abhängt: Roripa Uppizensis (Wulf.) 
hat lange schmale Schoten, daher werden die Samen in eine Eeihe zusammen- 
gedrängt. Was weiters das elastische Abspringen der Klappen anbelangt, so 
scheint dies, was an Herbarmaterial nicht zu beurtheilen ist, auch bei JRoripa- 
Arten vorzukommen; wenigstens sagt Kuntze in der Diagnose seiner Section 
Nasturtiuni (— Roripa): „Valvae dehiscentes rarius revolutae.^ Endlich 
darf nicht vergessen werden, dass die Differenzen im Fruchtbau zwischen den 
einzelnen Roripa -kview auch sehr bedeutende sind; gäbe es z. B. nur zwei Arten, 
wie Roripa austriaca {Cr.) mit kugeligen und Roripa indica (L.)^) mit linealen 
Früchten, so würde man dieselben gewiss in zwei verschiedene Gattungen stellen. 
Noch viel drastischer ist aber der Fall von Cardamine chenopodiifolia Pers. 
Diese südamerikanische Crucifere hat nämlich zweierlei Früchte; solche, die sich 
in ganz normaler Weise entwickeln und denen des Cardamine -Ty^ius vollkommen 
entsprechen, und solche, die sich unterirdisch entwickeln. Diese letzteren 
sind elliptische, einsamige „Schötchen"!^) Diese Pflanze demonstrirt in ecclatanter 
Weise gegen die alte Eintheilung in „Siliquosae'^ und „ Siliculosae^^ und über- 
haupt gegen das alte, fast nur den Bau der Früchte und Samen berücksichtigende 
Cruciferensystem ! 

Berücksichtigen wir noch weiter die vegetativen Organe der Brunnenkresse 
so finden wir eine so weitgehende Uebereinstimmung derselben mit Cardamine- 
Arten, dass Verwechslungen z. B. mit der auch dieselbe Lebensweise zeigenden 
Cardamine amara L. nicht selten sind. Wie uns Kuntze berichtet, gibt es aber 
in den Tropen noch ähnlichere Cardamine -kvt^w, die sich nur noch durch die 
Früchte von Cardamine Nasturtium unterscheiden lassen, so namentlich Carda- 
mine subcarnosa (Hook. f.)^). Auch die Benützbarkeit dieser Carda^nine -Arten 
(auch unserer Cardamine amara L.) zu denselben medicinischen und culinarischen 
Zwecken weist auf sehr nahe Verwandtschaft hin. 

Ich beschränke somit die Gattung Roripa, ebenso wie Celakovsky,^) auf 
die gelbblühenden Arten mit medianen Honigdrüsen.^) Was von weiss- oder 
rothblühenden Roripa-, beziehungsweise Nasturtium -Arten beschrieben wurde, 
gehört übrigens durchaus nicht alles zur Gattung Cardamine. Mir liegt z. B. 
Nasturtium harhareaefolium Baker aus Madagascar vor^); diese Pflanze hat rothe 
Blüthen und Früchte ähnlich denen von Cardamine Nasturtium; aber die 
Klappen der letzteren sind von einem kräftigen Mittelnerv durchzogen, was bei 



') Nasturtium Indicum DC, Syst. veget., II, p. 199, = Sisymhrium Indicum L. — Alle Arten 
und Formen, welche Kuntze (Kevisio gen., p. 22 — 25) in dem „Specierum xanthomicropetalarum 
clavis" unter Cardamine anführt, gehören nach meiner Auffassung zu Roripa. 

2) Vgl. die Ahhildung hei Prantl in Natürl. Pflanzenfam., III, 2, S, 184 (Text S. 185); 
weitere Literatur findet man in der „Flora Brasiliensis", Fase. XXXIX, p. 301 angeführt. 

») Kuntze, Kevisio generum, p. 21—22. 

«) Celakovsky, Prodromus der Flora von Böhmen, S. 436. 

5) Oh dieses letztere Merkmal auch hei allen aussereuropäischen Roripa -Arten zutrifft, muss 
erst festgestellt werden. 

6) Hildehrandt, Nr. 3958, hh. U. 



BoilrÜRO zur l'lom -I.t I!i.lli.uili;ill.ms.'l 



keiner Canlamine voikoninit. M Ivs kann hier nicht meine Aufgabe sein, die 
systematische Stellung' solcher aussercuroi):iisclier Pflanzen, wie z. J3. auch des 
Nnsturtium htcuslrc Gray, welches weisse lilülheii und kurze Schötchen haben 
soll,*) zu ermitteln. Nur möchte ich noch darauf hinweisen, dass Kuutze aus- 
drücklich hervorhebt, dass nach seinen Beobachtungen alle J^onpa-Arten der 
Scctiou Clandestinaria DG. gelb oder doch „gelblich" blühen,^) während De Can- 
dolle diesen weisse Petaleu zuschrieb. 

Die Brunnenkresse, das Nasturliiim officinale der Autoren, ist also eine 
Art der Gattung Cardamine und bildet innerhalb der letzteren eine durch den 
Bau der Frucht ausgezeichnete Section, welche am besten mit dem Mönch 'sehen 
Namen Cardaminum^) bezeichnet wird. 

Der von Kuntze und mir gebrauchte Name Cardamine Nasturtium 
könnte iusoferne angefochten werden, als Wallroth schon im Jahre 1840 eine 
Cardamine dieses Namens beschrieben hat.^) Da aber dieser Name nirgends 
anerkannt wurde und in den neueren, Deutschland behandelnden Florenwerken 
ganz fehlt, so kann derselbe wohl als abgethan betrachtet werden.®) Sollte der 
Wall roth 'sehe Name noch einmal eine Bedeutung gewinnen, so müsste dann für 
die Brunnenkresse der Lamarck'sche Name Cardamine fontana gebraucht werden, 

23. Cardamine acris Griselb., Spicileg. flor. runiel. et bithyn., I, 
p. 253 (1843). 

Serbien. Nakriwanj ; Stara Planina (Ilic). 

24. Cardamine 2)ratensis L., Spec. pI, ed. 1, p. 656 (1753). 
Serbien. Ad rivulum Tirnica, Apr. flor. (Pancic, K.). 

25. Cardamine Hayneana Welwitscli in Eeichenbach, Flora germ. 
excurs., p. 676 (1830—1832); Icon. Flor. German, et Helvet., II, Tab. XXVIII 
(1837-1838). 

Var, Miciana Fritsch. 

Caulis Simplex vel parce ramosus. Folia radicalia eis speciei typicae 
similia, sed foliola supra densins appresse setulosa, terminale leviter vel pro- 
fundiiis 5 — 7 lohum. Folia caulina majora, usque ad 60 mm longa, foliolis 
lateralibus ohlongis, 5— 13 mm longis, 2 — 8 mm latis, terminali inferiorum eo 
foliorum radicalium similia, superiorum lateralibus simili, sed 10—20 mm longo. 
Flores ut in specie typica, sed majores. 

Südserbien. Jajna; Suschitza (Ilic). 



1) Icli möchte bei dieser Gelegenheit erwähnen, Cardamine laciniata F. v. Müll, aus Neu- 
holland, von der im Hb. U. ein Original-Exemplar liegt, Schoten aufweist, deren Klappen der ganzen 
Länge nach von einem Mittelnerv durchzogen sind und deren Samen ausgesprochen zweireihig ange- 
ordnet sind. Die Pflanze gehört vielleicht zu Aralis oder einer anderen Gattung. 

2) Vgl. Chapman, Flora of the Southern United States, p. 25. 

3) Kuntze, Revisio generum, p. 22. 

Vgl. Beck, Flora von jNiederösterreich, S. 463. 
Wall roth in Linnaea, XIV, p. 605. 

Beck (Flora von Niederösterreich, S. 455) betrachtet Cardamine Nashirtium Wallr. als eine 
Form der Cardamine dentata Schult, mit breiteren Blättchen. 

41* 



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Carl Fritsch. 



Die vorliegende Pflanze weiclit habituell ziemlich stark von der typischen 
Cardamine Eayneana Welw. ab, namentlich durch den Mangel der charakte- 
ristischen Verzweigung, durch viel grössere und breitere Abschnitte der Stengel- 
blätter, grössere Blüthen und stärkere Behaarung der grundständigen Blätter. 
Von Cardamine pratensis L, unterscheidet sie sich durch rein weisse Blüthen 
und durch viel breitere, mehr abstehende Abschnitte der Stenge.lblätter. Ich hielt 
die Pflanze anfangs für Cardamine Skorpili Velen., ^) da deren Beschreibung 
ziemlich gut auf sie passt und insbesondere die angegebenen Masse für die Blättchen 
der Stengelblätter übereinstimmen. Da jedoch Velenovsky später selbst seine 
Cardamine Skorpili als Synonym zu Cardamine Hayneana Welw. zog, und da 
ein mir von demselben gütigst überlassenes Original-Exemplar thatsächlich typische 
Cardamine Hayneana Welw. ist, so war ich zur Neubenenuung der Pflanze ge- 
nöthigt. Ich benannte sie nach ihrem Entdecker, dem durch seine Aufsammlungen 
in Südserbien um die Erforschung der dortigen Flora verdienten G. Ilic. 

Weitere Untersuchungen müssen lehren, ob es sich nur um eine üppige 
Form der Cardamine Hayneana Welw. handelt, oder um eine derselben nahe 
verwandte, aber doch constant verschiedene Pflanze. 

26. Cardamine amara L., Spec. pl., ed. 1, p. 656 (1753). 
Serbien. Auf Gesteinen in der Umgebung von Pirot (Ilic). 

27. Cardamine impatiens L., Spec. pl., ed. 1, p. 655 (1753). 
Serbien. Zajecar (Adamovic); Nakriwanj (Ilic); in agro Vranjano 

(Adamovic). 

28. Cardamine silvatica Link in Hoffmann, Phytographische 
Blätter, I, S. 50 (1803). 

Serbien. Nakriwanj (Ilic). — Bei Djep sammelte Ilic eine magere, habi- 
tuell der Cardamine parviflora L. ähnliche Form. 

29. Cardamine hirsuta L., Spec. pl., ed. 1, p. 655 (1753). 

Serbien. In Wäldern bei Gornji Milanovac (Nicic). Nisch, ßudare (März), 
Djep, Nakriwanj, Suwodol, Pirot (Ilic). In dumetis prope Krapoljen (Valenta, H.)." 

Unter den serbischen Exemplaren finden sich auch sehr üppige, deren 
Stengel 35 cm Länge erreichen. Beck hat für solche grosse Exemplare den Namen 
Cardamine hirsuta L. var. maxima Fisch, gebraucht.^) Jedoch ist dieser Name 
ein nomen nudum, denn weder im Kataloge von Gorenkin (1808),^) noch bei De 
Candolle^) findet sich eine Diagnose. Letztere gab meines Wissens erst Beck.^) 



1) Velenovsky, Flora Bulgarica, p. 29 (1891). 

2) Velenovsky, Dritter Nachtrag zur Flora von Bulgarien, S. 7 (Sep. -Abdr. aus den Sitz.- 
Ber. der kgl. böhm. Gesellscli. der Wissenscli., 1893). 

3) Beck, Flora von Südtosnien, II, S. 72 (94). 

^) Catalogue du jardin des plantes de . . . Razoumoffsky . . . :i Gorenki pres de Moscou, 1808, 
p. 81. Hier steht: Cardamine hirsuta L. : minor; maxima taurica. In dem „Catalogue", 1812, steht 
(p. 50): (= hirsuta) maxima.'"'' 

*) De Candolle, Syst. veget., II, p. 260. 

«) Beck, Flora von Niederösterreich, S. 454. 



It.-itni'ry /in l'"l..ia ,|,.| Itiilluinliiill.iiiNcl. 



Meiner Ansicht iiju-li ist, übrif:;cns die Honcununj; solcher Quantitätsfornicn, «lic 
das Erzciig-niss besonders günstiger Standorte sind, ganz unnötliig. 

oO. CardanuHc ijlam-a Sprciiii'. in De Candolle, System, veget., II, 
]). '2()() (18'Jl). 

Die Klarslelhmg dieser Art, welche früher vielfacli mit der im (Jebiete 
der Balkanlialbinsel nicht vorkommenden Cardamine IHumiarii Vill.^) {(Jnrda- 
mine t/ialiclroidcs A\\.'^) verwechselt wnrde, verdanken wir Wetlstein.^) Da die 
Art jedoch anch mit Cardamine maritima Porteuschi, oft confnndirt wurde, so 
halte ich nicht für unnöthig, die Standorte aller von mir eingesehenen Exemplare 
der Cardamine glauca Spr. hier anzuführen. 

Calabrien. In arenosis sylvaticis in Aspromonte supr. S. Stephano, sol. 
granit., 1100— 12Ü0 ??i (Huter, Porta, Rigo, It. ital., III, Nr. 108, U., K., H.; 
Strobl, U.). 

Croatien. Vellebit, Mt. Bila Gora (Maly sub nom. Cardamine carnosae, 
H., Tl.)', Mt. Malowan (Maly sub nom. Cardamine Croaticae,'^) Z.). 

Dalmatien. In umbrosis mt. Orjen, 4000—5000' (Pichler, K., Z.; Huter, 
K.) In schattigen Felsspalten des Orjen, mittlere Eegion (Ascher son, Z.). In 
silvaticis montium supra Cattaro (Pichler, K., H., Z.). Krstac (Heider, U.). 

Bosnien. Treskavica, 1800— 2000 m (Beck, H.). 

Montenegro. Mt. Lovcen (Pichler, K.; Heider, H.). In glareosis alpi- 
nis sub mt. Sto, distr. Kolasin (Baldacci, Fl. Crnag., 171, H.). 

Albanien. Scardus, in cacumine mt. Ljubitrn, ca. 2800 w (Dörfler, It. 
turc, 1890, det. Wettstein). 

Serbien. In glareosis et saxosis mt. Kopaonik (Pancic, sub nom. Carda- 
mines glaucae, Z.; sub nom. Cardamines glaucae var. micro'phyllae, K.; sub nom, 
Cardamines Kopaonilcensis^) [spec. orig.!], K.; D. Petrovic, H.). 

Bulgarien. In declivibus nudis ad meridiem versis mt. Rhodope 
(Gheorghieff, H.). 

Griechenland. Pindus Tymphaeus, in summo montis Zygos supra 
Metzovo, 4500-5000' (Heldreich, H.). 

31. Cardamine Graeca L., Spec. pl., ed. 1, p. 655 (1753) (excl. synon. : 
y^Nasturtium montanum etc. Bocc"). 



1) Cardamine Pluinierii Vill. ist der älteste Name dieser Art, da er, wie Allioni (s. u.) 
selbst citirt, schon im „Prospectiis" (17791), p. 38 vorkommt. 

2) Das bei Wettstein (s.u.) durch Druckfehler entstellte Citat lautet richtig: Allioni, 
Flora Pedemontana, I, p. 261, Tab. 57, Fig. 1 (1785). 

3) Wettstein, Beitrag zur Flora Albaniens, S. 19—20. — üebrigens hat schon Jordan 
(Diagnoses, p. 134, 1864!) auf die unrichtige Auffassung der Cardamim tlialictroides All. aufmerksam 
gemacht. 

") Cardamine croatica S.N.K., Analecta botanica, p. 46 (1854). Vergl. über diese Wett- 
stein, a. a. 0. 

5) Cardamine Kapaonikensis Panc. ist eine sehr kleinblätterige Form; ich sah jedoch vom 
Berge Kopaonik auch eine grossblätterige (leg. D. Petrovic), was die Identität mit Cardamine 
glauca Spr. bestätigt. 



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Carl Fritsch. 



Syn. : Pteroneurum Graecum DC, Syst. nat., II, p. 270 (1821). 

Pteroneurum Cupanii Jordau, Diagn., p. 133 (1864). 

Cardamine longirostris Janka, Math, es Term. Közlemeiiyek, XII, p. 164 
(1876) und in Oesterr. bot. Zeitschr., XXVII, p. 83 (1877). 

Linne 's Cardamine Graeca ist insoferne eine Mischart, als die eine der 
beiden citirten Abbildungen, nämlich die in „Bocc. mns., Tab. 166" ^) unzweifel- 
haft Cardamine Plumierii Vill. darstellt, wie auch Villars selbst erkannte.^) 
Gleichwohl citirt De Candolle^) diese Abbildung abermals zu Pteroneurum 
Graecum (L.). Die andere von Linne citirte Abbildung („Bocc. sie, Tab. 44, 
Fig. 2")'*) stellt dagegen dieselbe Pflanze dar, die wir heute allgemein als Carda- 
mine Graeca bezeichnen. Die Standorte Sicilien und Griechenland beziehen sich